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Full text of "Kleinasiatische Studien"

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KLEINASIATISCHE STUDIEN. 



■■■■M^ 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. 



UNTERSUCHUNGEN 



ZUR 



GEIECHISCH-PERSISCHEN GESCHICHTE 
DES IV. JAHRHUNDERTS v. CHR. 



VON 



WALTHER JUDEICH. 



MARBURG. 

N. G. ELWERTSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG. 

1892. 



RUDOLF SCHOELL 



IN DANKBARER LIEBE UND VEREHRUNG 



GEWIDMET. 



IL. 



T 






VORWORT. 



Hellas, das griechische Festland, und im Engeren Athen, 
steht im Vordergrunde unserer Ueberlieferung und unserer 
Forschung griechischer Geschichte. Daneben hat man schon 
im Altertum eingesehen, dass eine »griechische Geschichte« in 
gleicher Weise die Entwicklung der Ost- und Westhellenen, 
der unteritalisch-sicilischen und der kleinasiatischen Griechen, 
mit umfassen müsse: aber die Art, in der man die Schicksale 
der beiden Nebenzweige griechischen Stammes zu denen des 
Hauptstammes in Beziehung gesetzt hat, war von vornherein 
eine durchaus verschiedene. Während man die Geschichte der 
kleinasiatischen Griechen aufs Engste an die Geschichte von 
Hellas angliederte, hat man die Geschichte der Westhellenen 
als eine eigene in sich abgeschlossene Entwicklung aufgefasst 
und dargestellt. 

An diese Auffassung der Historiker des Altertums haben 
sich die neueren Darstellungen angeschlossen. Der Grundgedanke 
dieser Betrachtungsweise ist unzweifelhaft richtig, aber man 
hat ihn zu scharf und einseitig durchgeführt. In der Tat hat 
der Westen schon auf Grund seiner geographischen Lage eine 
grössere Selbständigkeit der Entwicklung besessen: und doch 
ist man gerade in der letzten Zeit darauf aufmerksam geworden, 
wie viele Brücken vom Mutterlande hinüberführen, wie eng 
das griechische Festland auch mit dem Westen verknüpft ist. 
Und Kleinasien? Hier ist über der mit Hellas so engverwandten, 
so unmittelbar in jenes Geschichte hineingreifenden Entwicklung 
das Eigene , Selbständige , das der kleinasiatischen Geschichte 
trotzdem geblieben ist, vielfach übersehen worden. 



VITI Vorwort. 

Unsere Forschung steht den Griechen Kleinasiens gegen- 
über auf einer wesentlich anderen , niedrigeren Entwicklungs- 
stufe als gegenüber dem hellenischen Westen. Während für 
den Westen das Material ziemlich geschlossen vorliegt, und 
aus dem Boden, der jahrtausendelang als Völkerkampfplatz 
gedient hat, kaum noch viel Neues gefördert werden wird, 
während eine Geschichte der Westhellenen sich schreiben lässt, 
so darf an eine vollständige Geschichte der Osthellenen, der 
kleinasiatischen Griechen, noch nicht gedacht werden. Die 
wichtige Quelle der Münzen ist für Kleinasien noch immer 
nicht hinreichend geklärt und erforscht; überdies treten hier 
Monat für Monat, ja man möchte sagen Tag für Tag neue 
Denkmäler zu Tage. Und mehr, noch ist zu erwarten, da auch 
die Teilnahme der Sammelnden und Nachforschenden für Klein- 
asien in stetigem Steigen begriffen ist. Hier bietet sich der 
Altertumswissenschaft vielfach ein rein jungfräulicher Boden 
dar. Schon im Altertum sind viele Orte verödet, und als 
dann im Uebergang zum Mittelalter die Entvölkerung zunahm, 
haben die Naturgewalten, Frost und Regen, Erdbeben und 
Anschwemmung, Ruinen gebildet und mit einer schützenden 
Erdschicht überzogen. Und auch wo in späteren Zeiten die 
Besiedlung fortdauerte, so tief durchwühlt, so häufig überbaut 
wie im Westen ist die Erde hier nicht. Man muss selbst das 
Land durchstreift haben, um diesen Unterschied in seiner ganzen 
Bedeutung zu erfassen und zu empfinden. 

Die meisten der Funde, die uns jetzt so massenhaft aus 
Kleinasien zuströmen, gehören natürlicherweise der letzten 
grossen Gulturepoche an, die Kleinasien im Altertum erlebt 
hat, der römischen Kaiserzeit, aber neben ihnen erscheinen 
auch Stücke aus früheren Jahrhunderten, aus der hellenistischen, 
ja aus der ältesten Periode; auch für diese dürfen wir weitere 
Aufklärung erhoffen. 

Eine Gesammtgeschichte also der kleinasiatischen Griechen 
lässt sich noch nicht schreiben. Aber den Schicksalen, dem 
eigenen Leben Kleinasiens in bestimmten Zeiten nachzugehen, 
diese eigene Geschichte von der des Mutterlandes abzulösen, 



Vorwort IX 

ohne dass wir doch den Zusammenhang beider aus dem Auge 
verlieren: das vermögen wir schon, und das ist die nächste, 
unerlässliche Aufgabe. 

Zur Lösung dieser Aufgabe wollen die folgenden »Studien« 
einen Beitrag liefern. Sie behandeln eine Perlode, in welcher 
die Trennung kleinasiatischer und griechisch -festländischer 
(Jeschichte auch äusserlich in besonderer Schärfe hervorti'itt, 
aber eine Periode zugleich, in der unser Wissen von dieser 
kleinasiatischen Geschichte ein besonders geringes, zersplittertes 
ist Wir besitzen für diese Zeit, wenigstens für den grössten 
Teil dieser Zeit, keine einheitliche, fortlaufende kleinasiatische 
Ueberlieferung , es handelt sich vielmehr darum, ein weit ver- 
streutes, dürftiges und sprödes Quellenmaterial nach Möglichkeit 
vollständig zusammenzutragen und zusammenzufügen. Dem- 
entsprechend unterscheidet sich die quellenkritische Vorarbeit 
von der sonst üblichen: es gilt weniger über den Gesammt- 
wert dieser oder jener Quellenraasse zu entscheiden, als über 
den besonderen Wert jeder einzelnen Quellenstelle, deren Her- 
kunft uns oft dunkel bleibt. 

Bei der Verarbeitung des Materials ergab sich von selbst 
die Kapiteleinteilung nach den verschiedenen zeitlichen und 
örtlichen Gruppen der Entwicklung, aus denen sich die klein- 
asiatische Geschichte des IV. Jahrhunderts zusammensetzt. Im 
Einzelnen ist es mir vor allem darauf angekommen, erst einmal 
die unentbehrlichen, einfachen Grundlagen mit Festigkeit zu 
legen, möglichste Sicherheit und Klarheit über die Einzcl- 
ereignisse wie über die Zeitfolge und Zusammenhänge dieser 
Ereignisse zu erlangen: wenn für irgendeine so gilt für diese 
Periode das Niebuhrsche Wort, dass die Chronologie das Auge 
der Geschichte ist. Jahrbuchartig und vollständig sollte diese 
Zusammenstellung und Ordnung des Stoffes sein. Manche oft 
behandelte Frage ist dabei noch einmal durchgesprochen 
worden., das Hess sich, auch wenn der früheren Forschung 
unmittelbar nichts zuzufügen war, ohne Zerreissung des Zu- 
sammenhangs nicht vermeiden. Keine Tatsache war hier zu 
gering und wertlos, um nicht wenigstens erwähnt zu werden. 



X Vorwort. 

Ueber diesen Einzelheiten stand mir, allen Abschnitten gemein- 
sam, der Gedanke des Widerstreits zwischen alter mid neuer 
Zeit auf dem Boden Kleinasiens, das was ich die Vorbereitung 
des Hellenismus nennen möchte. Ich habe mich bemüht, 
die grösseren Linien, welche in der Einzelforschung manchmal 
vielleicht zu verschwinden drohten, in dem einleitenden Kapitel 
zu einer Zeichnung des Gesammtverlaufes der kleinasiatischen 
Geschichte des IV. Jahrhunderts bis auf Alexander den Grossen 
zu vereinigen. 

Schmerzlich habe ich dabei empfunden, dass es mir auch 
da nicht in weiterem Umfange möglich geworden ist, über die 
Grundlegung der äusseren politischen Vorgänge hinaus den 
kulturgeschichtlichen Inhalt, das Zuständliche dieser vorhelle- 
nistischen Zeit zu erfassen, dass uns auch die massgebenden 
und führenden Persönlichkeiten dieser Zeit fast ausnahmslos 
Schattenbilder bleiben, ohne Fleisch und Blut. Ich hatte ge- 
hofft, als ich Anregungen von meiner Studienzeit her folgend 
einzelne Fragen der kleinasiatischen Geschichte des IV. Jahr- 
hunderts zu untersuchen begann, dass es möglich sein würde, 
noch tiefer einzudringen, aber als ich meine Aufgabe näher 
umgrenzte, sah ich die Unmöglichkeit ein: unser Wissen, so 
wie es heute sich darstellen lässt, bleibt dürftig und lückenhaft. 
Vielleicht wird durch Vermehrung des inschriftlichen und topo- 
graphischen Materials hier Abhülfe geschafft werden, vielleicht 
wird es auch mir später einmal in grösserem Zusammenhange 
möglich sein, auch von dieser Zeit ein reicheres und klareres 
Bild zu entwerfen. 

Zum Schlüsse meinen wärmsten Dank allen denen, die 
mich im Ganzen wie im Einzelnen bei meiner Arbeit gefördert 
und mich noch bei der Korrektur der Druckbogen freundlich 
unterstützt haben, vor allen meinem lieben, herzlich verehrten 
Lehrer Rudolf Schoell, der zuerst in mir das Interesse an 
kleinasiatischer Geschichte geweckt hat, und meinen Freunden 
Erich Marcks und Georg Wissowa. 

Marburg, im November 1891. 

Walther Judeich. 



INHALT. 



Seite 
Vorwort VII— X 

Kap. I. Ueberschau 1 

Kap. II. Hellas und die kleinasiatischen Griechen am 
Beginn des IV. Jahrhunderts. 

1. Spartas Führerschaft 23 

2. Athens Erhebung 76 

Anhang. Die spartanischen Nauarchen 107 

Kap. III. Euagoras von Kypros. 

1. Anfänge 113 

2. Der Kampf mit Persien 117 

3. Ende und Nachfolger Ml 

Anhang. Die Abfassungszeit des isokrateischen Pane- 

gyrikos . * 137 

Kap. IV. Der Freiheitskampf der Aegypter. 

1. Die Königsreihe der XXVllI., XXIX. und XXX. 
Dynastie 144 

2. Vom Aufstand des Amyrtaios (408) bis zum ersten 
persischen Angriffskrieg (389—387) 150 

3. Persisch-aegyptische Beziehungen unter Akons und 
Nektanebos I. bis zum zweiten persischen Angriffe- 
krieg (374) 157 

4. Tachos und Nektanebos II 164 

5. Ochos' zweiter und dritter Aegypterzug und die 
Eroberung Aegyptens im Jahre 343 170 

Anhang I. Die Eegierungszeit des Königs Agesilaos . 180 
Anhang II. Die Zeit von Demosthenes' Rede (XV) 

über die Freiheit der Rhodier .... 186 

Kap. V. Die Satrapenaufstände. 

1. Die Vorläufer des grossen Aufstandes 190 

2. Der grosse Aufstand um 368 bis um 358 . . . 193 

3. Der Aufstand des Orontes und Artabazos . ... 209 
Anhang. Orontes 221 



Inhalt. 

Seite 

Kap. VI. Maussollos von Mylasa. 

1. Die Zeitfolge der karischen Fürsten im IV. Jahr- 
hundert 226 

2. Die Hekatomniden von Mylasa 282 

Anhang. Zwei Maussollosurkunden 256 

Kap. VII. Die Kleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 

1. Gründung und Ausbreitung des Bundes .... 258 

2. Der Bundesgenossenkrieg 281 

3. Der Zerfall des Sonderbundes 291 

Kap. VIII. Makedonien und Persien 298 

Berichtigungen und Nachträge 307 

Zeittafel 309 

Register 346 



ERSTES KAPITEL. 

UEBERSGHAÜ. 



Kleinasien ist ein Zwischenland; sein äusserer örtlicher 
Zusammenhang weist es auf das innere Asien, dessen Erzeugnisse 
an seinen reichgegliederten Küsten die natürlichen Verladeplätze 
finden, und eben diese Küsten öffnen sich in ihrer feinsten, viel- 
gestaltigsten Entwicklung Europa, dem griechischen Festlande 
zu, von dem sie in der Urzeit gar kein Meer trennte. 

Weit zurück, bis in das zweite Jahrtausend v. Chr., reichen 
die Beziehungen zwischen Kleinasien und Griechenland. Die 
Inseln, die Zeugen und Reste der alten Einheit, waren die Hand- 
haben, an denen die noch unentwickelte Schifffahrt sich vor- 
wärts tastete in das unbekannte Gebiet. Und unabhängig von 
den Vorgängen in den grossen semitischen Reichen Vorderasiens, 
die immer Landmächte geblieben sind, werden diese Bande 
geknüpft. Phoiniker und Karer, die Küstenbewohner, bringen 
auf eigene Hand die Cultur dieser Reiche hinüber, sie besiedeln 
auch hier die Meeresufer; namentlich an den Ostküsten Attikas 
und der Peloponnes setzen sie sich fest. Griechenland, soweit 
es damals überhaupt bewohnt wird, ist der lediglich empfan- 
gende Teil. 

Das änderte sich, als die eigentlich griechischen Stämme 
von Norden her in die Balkanhalbinsel einbrachen, und die 
Völkerbewegung durch die Kleinheit des verfügbaren Raumes 
gestaut sich über das Meer fortsetzte. Die Einwanderer folgten 
denen, die sie von den griechischen Küsten vertrieben, nun in 
deren alte Heimat nach, freilich zunächst nicht um Cultur zu 
bringen, sondern um auch hier zu empfangen und das Empfangene 

JÜDEIGH, Kleinasiatlsche Stadien. 1 



2 Erstes Kapitel 

weiterzubflden. Die Sonder- und Zwischenstellung, welche das 
westliche kleinasiatische Küstenland schon vorher gehabt hatte, 
trat dadurch nur um so schärfer heraus: es entsteht damals im 
X. und IX. Jahrhimdert^ zuerst ein eigenes kleinasiatisches Küsten- 
reich, scharf geschieden durch Nationalität und Verfassung 
vom Hinterlande, bestehend aus einer Anzahl von Städten und 
Stadtebünden. Dagegen erhält und steigert sich der Verkehr 
mit dem jetzt stammverwandten griechischen Festland. Und 
bald ist es nicht nur ein Zwischenhandel, der von den Küsten, 
namentlich von der mittleren, der ionischen Küste, in der die 
alten Karawanenstrassen münden, ausgeht und die Erzeugnisse 
und Culturfortschritte der asiatischen Welt nach Griechenland 
hinüberträgt: die rasch aufblühenden Städte zeitigen eine eigene 
Cultur, die sie in zahlreichen Pflanz- und Tochterstädten weit- 
hin im Mittelmeer verbreiten und von der sie auch dem eigenen 
Mutterlande mitteilen. 

Das kleinasiatische Küstenreich erliegt im VI. Jahrhundert 
zuerst der lydischen, dann mit dieser der persischen Macht, 
aber seine culturelle und nationale Sonderstellung dauert fort, 
ja gerade in dieser Zeit des politischen Niedergangs erlebt wie 
so oft die Cultur eine herrliche Nachblute, die gleichmässig 
wie früher auf das Mutterland einwirkt; namentlich das nicht 
lange erst als Staat geeinte und eben erstarkende Athen, die 
Culturmacht der griechischen Zukunft, steht unter ihrem Einfluss. 
Es sind lonier, welche, nachdem sie die epische Dichtkunst aus- 
gestaltet haben, auch die Philosophie und Geschichtschreibung 
begründen und ausprägen, es sind lonier, welche den Erzguss 
erfinden, welche eine Neugestaltung der bildenden Kunst an- 
bahnen und sie von den eckigen Formen und Typen der Schnitz- 
technik befreiend die attische Kunstblüte vorbereiten, es sind 
lonier, welche mit ihrer Tracht die Mode in Athen für lange 
beherrschen , welche später ihrer Schrift den Sieg verschaffen, 
es ist ein lonier, Hippodamos von Miletos, der noch im V. Jahr- 
hundert eine neue Stadtbauordnung begründet und in Attika 
einfuhrt, ein lonier, der zu derselben Zeit die ersten Belagerungs- 
maschinen anwendet. 



Ueberschau. 3 

Wenig hat dagegen das Mutterland geboten, wir hören nur, 
dass ein korinthischer Schiffsbaumeister im VIU. Jahrhundert 
den Samiern nach der eben in Korinthos erfundenen Form 
Trieren baut. 

Auch in der Folgezeit bleiben die Kleinasiaten im Vorder- 
grunde des geschichtlichen Interesses. Sie werden die Veran- 
lassung zur Gründung des ersten attischen Seebundes, der in 
ihnen, namentlich in den Bewohnern der grossen Inseln Lesbos, 
Chios, Samos, Rhodos seinen Kern und seine Hauptstütze fand. 

Ausser dem Bande der Nationalität und Cultur verknüpft 
jetzt die beiden Continente ein politisches Band; die äussere 
Geschichte Athens ist auch die der kleinasiatischen Griechen. 
Beiden ist die Abwehr gegen Persien gemeinsam, wenngleich, 
sobald die Persergefahr femer gerückt schien, die Kleinasiaten 
der alte Freiheitsdrang, die Stärke und Schwäche aller grie- 
chischen Stadtstaaten, fortriss die athenische wie die persische 
Herrschaft abzuschütteln und sich wieder auf eigene Füsse zu 
stellen. Athen hat diese Befreiungsversuche immer kräftig unter- 
drückt und die Abgefallenen nur um so fester an sich gekettet, es 
hat wiederholt auch in die inneren Verhältnisse der einzelnen 
Städte eingegriffen, Handel und Verkehr sind in dem neu- 
geschaffenen attischen Reiche gewachsen: aber im Ganzen 
nimmt der Cultureinfluss , den bisher die Kleinasiaten auf das 
Mutterland ausgeübt haben, ab, ohne dass ihn eine gleichstarke 
Rückströmung aus Griechenland abgelöst hat; selbst die Haupt- 
erzeugnisse der athenischen Industrie, die Vasen, haben in nur 
geringem Umfange Eingang in Kleinasien gefunden. Griechen- 
land und vor allen Attika ist eben mündig geworden und 
entfaltet aus eigener Kraft seine hohe Culturblüte, während 
Kleinasien die seinige nur weiter pflegt und fristet. 

Wie stand zur gleichen Zeit der Verkehr der kleinasiatischen 
Griechen mit dem persischen Hinterlande? Wir wissen davon 
zu wenig, um hier im Einzelnen klar urteilen zu können; eine 
enge Verbindung hat aber jedenfalls damals, wo nationale und 
politische Schranken beide Gebiete trennten, nicht eintreten 
können, selbst wenn vorher unter persischem Joch der gegen- 

1* 



4 Erstes Kapitel. 

seitige Austausch gestiegen war. Ehe hier eine entscheidende 
Wendung eintrat, musste erst die stärkste unter diesen Schranken 
gefallen sein, und sie wankte und fiel, als der furchtbare 
dreissigjährige Krieg das griechische Festland zerriss und lähmte, 
als Athen in dem grossen Zweikampfe mit Sparta unterlag. Seit- 
dem beginnt für Kleinasien wieder eine neue besondere Geschichte, 
wie es eine vor dem V. Jahrhundert gehabt hatte. Die Handels- 
und Verkehrsbeziehungen mit dem griechischen Mutterlande 
dauern auch jetzt fort, ausserdem wirkt politisch die Stellung 
der Kleinasiaten stark auf die Verhältnisse dort zurück, aber 
nachdem das mächtige attische Seereich aufgehört hat zu sein, 
wächst an der kleinasiatischen Westküste stetig persischer Ein- 
fluss, bis er am Ende alleinherrschend gebietet. 

Drei grosse Perioden, die deutlich die Merkpunkte dieses 
Fortschreitens bezeichnen, lassen sich scheiden: 

1. Vom Ende des peloponnesischen Krieges bis zum Antal- 
kidasfrieden (404-386). 

2. Vom AntalkidasMeden bis zur Erneuerung der per- 
sischen Königsmacht durch Artaxerxes Ochos (386—352). 

3. Von der Erneuerung der persischen Königsmacht durch 
Artaxerxes Ochos bis zum Einmarsch Alexanders des Grossen 
(352—334). 

Vor dem Eingehen aber auf den geschichtlichen Inhalt 
dieser Einzelperioden sei der Entwurf eines Gesammtbildes von 
dem Charakter der Zeit versucht. 

Die kriegerische und politische Kraft der Kleinasiaten, so- 
viel davon im V.Jahrhundert unter der athenischen Herrschaft 
sich noch erhalten hatte, war im peloponnesischen Kriege eben- 
falls erschöpft und gebrochen worden. Als das Mutterland 
später im Antalkidasfrieden die kleinasiatischen Festlands- 
griechen preisgab, vermochten es deshalb die wenigsten sich 
der Herrschaft des Grosskönigs zu entziehen, auch ihr nationales 
Selbstbewusstsein hatte sich im Laufe der Zeiten gemindert; 
ein kosmopolitischer Zug geht schon durch die hellenische Welt, 
der auch die staatlichen Verhältnisse des Hauptlandes der Auf- 
lösung zuführt. Aber ihre alte culturtragende Kraft war den 



Ueberschau 5 

kleinasiatischen Griechen geblieben. Und diese Kraft begann 
unter den neuen politischen Verhältnissen geschlossener und 
stärker als vorher zu wirken auf das Hinterland, wo sie gerade 
jetzt einen günstigen Boden fand. 

Das persische Reich hatte schon längst die alte, straffe 
Ordnung aufgegeben, die der grosse König Dareios I. (521—485) 
geschaffen hatte. Diese allezeit nur äusserlich aufgezwungene 
Ordnung setzte einen mächtigen bestimmten Willen voraus, 
der das bunte, durch Eroberung zusammengeschmiedete Reich 
zusammenhielt und einheitlich leitete, aber Dareios' Nachfolger 
waren unbedeutende Schwächlinge. Weiber- und Günstlings- 
wirtschaft machten sich am Hofe breit, Thronpratendenten 
wagten es immer kühner das Haupt zu erheben, Völker mit 
stärkerem Nationalgefühl und stärkerer Widerstandskraft als die 
kleinasiatischen Griechen strebten, da sie die Zügel sich lockern 
fühlten, ihr Joch abzuschütteln. Endlich wuchsen jetzt die 
Satrapen durch die häufige Vereinigung der ursprünglich scharf 
getrennten Aemter der Verwaltung und des Truppenbefehls 
(Karanoi) aus Reichsbeamten hier und dort zu Teilfürsten empor; 
und unter deren, nur mittelbar unter des Grosskönigs Herrschaft, 
kamen die einzelnen Griechenstädte. Griechen in den verschie- 
densten Stellungen spielten wie am Königshofe, so an den Satrapen- 
höfen eine grosse Rolle, griechische Söldnerführer vollzogen die 
eigene Pohtik der Satrapen, griechische Söldner schützten in 
immer steigender Zahl die kleinen Höfe und vermittelten den Ver- 
kehr mit den untergebenen Städten. So ist es vollauf verständlich, 
wenn sich schon seit dem Ende des V. Jahrhunderts hier der 
Boden ebnet für Reiche mit griechischer Gultur und gemischter, 
überwiegend sogar ungriechischer Bevölkerung, unter un- oder 
halbgriechischen Fürsten ; wenn Vorläufer und Vorbilder auftreten 
für die hellenistische Zeit. Die kleinasiatische Geschichte des 
IV. Jahrhunderts ist im engeren Sinne die Vorgeschichte des 
Hellenismus. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet bildet sie 
ein Ganzes trotz der wechselvollen mannichfaltigen Schicksale, 
welche die einzelnen Städte und Landschaften Kleinasiens im 
IV. Jahrhundert erfahren haben. 



6 Erstes Kapitel. 

Der Hellenismus scheint in seinem überraschenden, siegenden 
Auftreten am Ausgang des IV. Jahrhunderts vielmehr den 
Charakter von etwas Geschaffenem als von etwas Gewordenem 
zu zeigen, doch auch er ist langsam geworden. In Griechenland 
wie in Asien haben wir die Elemente zu suchen, aus denen er 
zusammenwächst, dort die von einem kleinen, national, aber 
nicht politisch geeinten Volke getragene hochentwickelte Cultur, 
hier die in einer anderen alten aber niedrigeren Cultur hin- 
lebenden unerschöpflichen Volksmassen, zwischen beiden, auch 
räumlich, ein halbbarbarisches Königtum, welches kraftvoll 
beide zusammenzwingt und verschmilzt, welches mythisch im 
Griechentum wurzelt und den Herrschaftsbegriff aus Asien 
übernimmt. Um aber die Vereinigung zu ermöglichen, mussten 
die alten Verbände sich lösen, hier wie dort, das griechische 
Staatensystem wie die persische Reichsmacht. 

Diesen allmähligen Zersetzungsprocess stellt das IV. Jahr- 
hundert dar, aber mit der Zersetzung schon haben Neubildungen 
im Sinne der grossen kommenden Epoche entstehen können: eben 
da nur, wo die beiden Hauptelemente des Hellenismus sich 
unmittelbar berührten, wo unter bestimmten räumlichen Ver- 
hältnissen das dritte sie vereinigende sich herausbilden konnte. 
Es erklärt sich damit auch der prdvincielle Charakter, der 
diesen ersten Ansätzen hellenistischer Staatenbildungen eigen ist. 

Eine zusammenhängende Betrachtung der kleinasiatischen 
Geschichte des IV. Jahrhunderts mag diese allgemeinen Sätze 
erläutern. 

Das Gepräge der Vorbereitungszeit des Hellenismus, das jene 
Geschichte trägt, giebt sich gleich am Beginn der ersten Periode, 
welche die achtzehn Jahre vom Ende des peloponnesischen Kriegs 
bis zum Antalkidasfrieden umfasst, kund. Eine Persönlichkeit, 
die Persönlichkeit Alexanders des Grossen ist es, welche uns 
schliesslich den Hellenismus vor allen verkörpert — schon am 
Eingang der vorhellenistischen Zeit können wir von einer solchen 
Verkörperung reden, nur ist es hier nicht eine Person, sondern 
es sind zwei, die einander nahe stehen, zu einander sich hin- 
neigen und sich ergänzen, in denen die beiden Grundelemente 



Ueberschau. 7 

des Hellenismus diesmal noch getrennt sich darstellen: der 
hellenenfreundliche asiatische Königssohn Kyros und der von dem 
asiatischen Herrschaftsgedanken begeisterte Grieche Lysandros. 
Die Freundschaft beider ist gewissermassen eine Vordeutung 
dessen, was durch Alexander Wirklichkeit und Dauer gewonnen 
hat : der als Kyros' Stellvertreter in Sardes regierende Lysandros 
ist eigentlich schon ein hellenistischer Fürst. Aber um die 
Wende des V. Jahrhunderts war es für den Bestand von 
dergleichen Bildungen noch zu früh : die persische Königsgewalt 
war noch kräftig genug, um ehrgeizigen Thronbewerbern wie 
fremden Eindringlingen gegenüber sich zu behaupten; die grie- 
chischen Stadtstaaten, voran das oligarchische Sparta, duldeten 
in ihrer Tyrannenfurcht nicht die Herrschaft eines grossen 
Mannes, und nur ein Mann konnte die neue Zeit vollenden. 

Lysandros nimmt des .Königs' Pausanias Gedanken vom 
Anfang des V. Jahrhunderts wieder auf, er plant Sparta zur 
hellenischen Vormacht schlechthin zu erheben, oder vielmehr in 
der Stellung, welche es nach dem peloponnesischen Kriege 
errungen hatte, zu behaupten. Sparta soll jetzt Erbe des 
athenischen Seereiches werden, wie es einst an Stelle Athens 
dieses Seereich schon hatte bilden sollen. Kleinasien ist wie 
für den ersten und zweiten attischen Seebund auch für dieses 
Reich der Ausgangs- und Mittelpunkt. Lysandros brach damit 
die Verträge, welche Sparta am Ende des peloponnesischen 
Krieges mit dem Grosskönig geschlossen, und in denen es diesem 
Asien zuerkannt hatte, aber der Grosskönig war weit, und 
Kyros, der über Westklein asien als Karanos gebot, dem die 
Zukunft zu gehören schien, stand auf Lysandros' Seite. Fester 
gefügt und einheitlicher gestaltet als das athenische Reich sollte 
das spartanische werden , an der Spitze jeder Stadt ein Zehn- 
männerausschuss mit einem lakedaimonischen Harmosten, dem 
Befehlshaber der Besatzung. Es gelang Lysandros wirklich, 
nachdem er im Jahre 404 Athen , und kurz darauf den letzten 
treuen Bundesgenossen Athens, Samos, niedergeworfen hatte, 
seiner Absicht in Sparta Unterstützung zu verschaffen. Plan- 
massig wurde durch ihn selbst überall die neue Verfassungs- 



8 Erstes Kapitel. 

form, die Dekarchie eingeführt. So erwuchs in überraschender 
Schnelligkeit ein Seereich Spartas, oder bei dem persönlichen 
Charakter, welche die Regierungsform der Dekarchie trug, 
eigentlich ein Reich des Lysandros. Mit Lysandros' Sturze 
brach es auch wieder zusammen. 

Die altconservative Partei in Sparta, die Lysandros' Ueber- 
macht fürchtete und schon vorher sich vergeblich bemüht hatte, 
seine Pläne zu durchkreuzen, suchte und fand einen Vorwand, 
um ihn wenigstens an der Vollendung seines Werkes zu hindern, 
in den Beziehungen zu Persien. Klagen des Satrapen von Das- 
kyleion Pharnabazos, über Verletzung seines Gebietes, die eben 
durch die Einrichtung der Dekarchien hervorgerufen waren, 
gaben die nächste Veranlassung. Einen Gonflict mit Persien 
wünschte man zu vermeiden, deshalb gelang es Lysandros 
Abberufung und die Auflösung der Dekarchien in Asien durch- 
zusetzen. Aber trotzdem ist es Lysandros^ der auch weiterhin 
die auswärtige spartanische Politik, namentlich gegenüber 
Kleinasien und dem Perserreiche beherrscht und leitet, ein ge- 
walttätiger, aber auch ein gewaltiger Mann, der grösste, den 
Sparta seit dem König Pausanias gehabt hat. Durch seinen 
Einfluss wird Kyros bei dem Zuge gegen Artaxerxes unterstützt, 
durch ihn verwickelt sich Sparta in den Kampf zunächst mit 
Tissaphernes , der nach Kyros' Tode im Jahre 401 an dessen 
Stelle in Vorderasien eingesetzt war, dann mit der ganzen per- 
sischen Reichsmacht. 

Den wachsenden Einfluss, den Lysandros seit dem Aus- 
bruche offener Feindseligkeiten mit Persien wieder gewinnt, 
kann man deutlich an der Kriegführung Spartas in Asien ver- 
folgen. Es sind seine Freunde und Offiziere, welche in den 
Kämpfen befehligen, schliesslich gelingt es Lysandros sogar 
seinen Schützling Agesilaos zum König zu erheben (398) und 
ihm die Führung des Kampfes gegen Persien zu vermitteln 
(397). Freilich folgte auf diesen stolzen Aufschwung wieder 
ein jäher, unerwarteter Fall. Lysandros* Persönlichkeit, that- 
sächlich die Seele des Krieges in Asien, trat neben der des 
Königs zu sehr hervor. Noch ehe er selbst in den Kampf 



Ueberschau. 9 

einzugreifen vermochte, wurde er gestürzt und heimgeschickt; 
er ist bald darauf im korinthischen Kriege gefallen (395). 

Sofort macht sich eine Veränderung in der asiatischen 
Politik Spartas bemerklich ; die Spartaner lenken wieder in die 
alten Bahnen zurück, in denen sie seit dem Ende der Perser- 
kriege gewandelt waren. Die Entsendung des einen Königs 
Agesilaos hatte zunächst etwas ganz anderes bedeuten sollen, 
als die seiner Vorgänger im Befehl ; man erwartete von ihm eine 
Neubegründung und Neuordnung des kleinasiatischen Reiches 
unter Spartas Vorherrschaft. Doch nach Lysandros' Weggang 
beschränkt sich Agesilaos auf dieselben ziellosen, wenn auch hier 
und dort erfolgreichen Raubzüge , mit denen schon vorher der 
Krieg geführt worden war. Agesilaos ist Zeit seines Lebens 
nichts anderes gewesen als ein tüchtiger Haudegen, ohne 
politischen Blick, ohne grosse geistige Gaben, ohne höheren 
Schwung, ein Normalspartaner in seiner gesuchten Einfachheit 
und Verschlagenheit, von brennendem Ehrgeiz und übertriebenem 
Selbstbewusstsein erfüllt. Seine soldatischen Fähigkeiten und 
seine Tatkraft sind zu achten, aber zu einer wirklich grossen 
Persönlichkeit fehlt jeder Zug. 

Der Kampf Spartas mit Persien veranlasst im weiteren in 
Griechenland selbst die Bildung eines gegen Sparta gerichteten 
Bundes, bestehend aus Athen, Theben, Argos, Korinthos, und 
einen Kampf dieses Bundes mit Sparta, den korinthischen Krieg 
(395 — 386). Agesilaos wird abberufen, aber als er nach zwei- 
jähriger Tätigkeit aus Kleinasien heimkehrt (394), da hinter- 
lässt er weder eine einheitliche Organisation, noch ein gesichertes 
Gebiet. Es ist für die kleinasiatischen Griechen alles beim 
Alten geblieben. 

Eine Wendung führte erst das Wiedererstarken der athe- 
nischen Macht herbei, die nunmehr in enger Verbindung mit 
Persien die Kraft und den Mut fand, sich gegen Sparta aufzu- 
raffen, freilich, um sich, nachdem Sparta überwunden war, 
auch rasch wieder von Persien zu trennen. Wie Lysandros' 
Person in der Wende des V. zum IV. Jahrhundert für das Loos 
der kleinasiatischen Griechen die bestimmende ist, so ist es für die 



10 Erstes Kapitel. 

Mitte der neunziger Jahre die des Konon und für den Beginn der 
achtziger Jahre die des Thrasybulos. Konon gleicht Lysandros 
einigermassen in seiner Tätigkeit als Feldherr und Admiral, 
aber er wird nicht geleitet durch den Gedanken selbst zu 
herrschen, sondern durch eine warme, begeisterte Vaterlands- 
liebe, ein beinahe blindes Zukunftsvertrauen. Das was er für 
Kleinasien plant, ist zunächst die Anerkennung der Selbständig- 
keit und Freiheit der Griechenstädte durch den Grosskönig und 
damit die friedliche Loslösung vom Perserreiche, dann ein 
Wiederaufleben der alten athenischen Seeherrschaft. Er ver- 
anlasst eine grosse persische Flottenrüstung, er rät den Krieg 
in Griechenland selbst gegen Sparta zu entfesseln. Als er da- 
nach an der Spitze der Perser flotte nach wechselvollen Kämpfen 
in der grossen Schlacht von Knidos die lakedairaonische See- 
macht vernichtet hat (394), da ist es sein erstes die Gewährung 
der Selbständigkeit und Freiheit an die kleinasiatischen Städte 
wirklich durchzusetzen und neue Verbindungen zwischen ihnen 
und Athen zu knüpfen. Viele von den Kleinasiaten gingen 
bereitwillig darauf ein, sie fühlten selbst, dass sie ohne die 
Anlehnung an einen mächtigen Staat die eben geschenkte 
Freiheit nicht würden behaupten können, andere suchten durch 
Verbindung unter einander sich den durch die Verhältnisse 
geforderten Rückhalt zu schaffen: im Südwesten bildete sich 
ein Bund der Städte Ephesos, Rhodos, Samos, Knidos, lasos. 
Aber wohin die einzelnen auch neigen, die Griechen der klein- 
asiatischen Liseln wie des kleinasiatischen Festlandes stehen 
Persien gegenüber alle in dem gleichen Verhältniss, d. h. sie 
sind unabhängig, frei in ihren Entschlüssen. 

Es folgt Konons Siegeszug über die Kykladen und die 
Peloponnes nach Athen. Das Ziel, die Wiederherstellung der 
alten Vorherrschaft Athens zur See hat ihm auch fernerhin 
vorgeschwebt, dafür ist er tätig so lange er in Athen und in 
den griechischen Gewässern weilt; aber er überschritt damit 
zugleich seine Befugniss als persischer Admiral, und mit gutem 
Grunde Hess ihn der neue lakonenfreundliche Karanos von West- 
kleinasien Tiribazos bei den schliesslich erfolglosen Friedens- 



Ueberschau. 1 1 

Verhandlungen in Sardes zwischen Persien, Athen, Ärgos und 
Sparta gefangen setzen (392). So ist auch der zweite Mann, 
der berufen schien am Beginn des IV. Jahrhunderts die Lage der 
Kleinasiaten neu zu gestalten, mit seinen Bestrebungen ge- 
scheitert. Konon entfloh später aus seiner Haft und ist in 
bitterem Hasse gegen Persien auf Kypros , wo er wieder Zu- 
flucht gefunden hatte, gestorben (um 390). 

In Athen war man durch das unerwartete energische Ein- 
greifen des obersten Vertreters der persischen Reichsgewalt in 
Vorderasien zunächst etwas ernüchtert worden ; daheim forderte 
der korinthische Krieg Kraft und Geld. Die Friedensverhand- 
lungen, welche man unter diesem Eindruck mit Sparta an- 
knüpfte, zerschlugen sich zwar; aber die Anregungen, die Konon 
gegeben hatte, blieben zunächst ohne kräftige Wirkung, zumal 
da der Grosskönig bald alles tat, um Athen wieder seines 
Wohlwollens zu versichern. Erst die weitere Entwicklung der 
Dinge in Asien zwang zur Entscheidung, ob man für immer 
die Kleinasiaten preisgeben wollte oder nicht. Die Empörung 
des mit Athen eng befreundeten Fürsten von Salamis auf 
Kypros Euagoras gegen seinen Suzerän Artaxerxes und sein 
Hülfegesuch gab den ersten entscheidenden Anstoss (391). 

Die athenische Handelspartei, die grosse Masse der kleinen 
Kaufleute, die vor allem an dem Gedanken der Wiederaufrichtung 
des früheren Reiches festhielt und dadurch ihre eigene Lage zu 
bessern hoffte, kam wieder zu Einfluss. Man entschied sich für 
Euagoras, für die mit ihm verbündeten aufständischen Aegypter, 
und gegen Persien. Dann nötigte das Wiederaufkommen der 
lakedaimonischen Seemacht, bald für die einmal gewählte Partei 
mit grösserem Nachdruck einzutreten. Im Herbst 389 geht 
deshalb der Führer im Kampf um die Wiederherstellung der 
athenischen Demokratie Thrasybulos mit einer grösseren Flotte 
in See , zunächst mit dem Befehl gegen die lakedaimonischen 
Schiffe zu kreuzen. Aber er nutzt die Gelegenheit, die klein- 
asiatischen und hellespontischen Griechen wieder an Athen zu 
fesseln. Er begründet von neuem wirklich ein athenisches Reich, 
das Konon nur hatte vorbereiten können, und zwar auf der 



12 Erstes Kapitel. 

festen Grundlage der alten Steiierordnung aus der Zeit des 
peloponnesischen Krieges; er führt den alten Zwanzigstelzoll, 
die Eikoste wieder ein. Thrasybulos erkennt richtig wie 
Lysandros, dass nur eine straffe und kräftige Ordnung die zer- 
fahrenen und verschiedenartigen Elemente zusammenhalten 
konnte, auch in seinen Handlungen tritt das Persönliche her- 
vor, aber wie Lysandros ist er darüber zu Grunde gegangen, 
der dritte der die kleinasiatische Frage zu lösen versucht hat. 
Die einen und die andern von den neuen Bundesgenossen 
jammerten ; sie wollten sanfter angefasst sein, nur zwangsweise 
konnten sie oft zum Anschluss gebracht werden, und in diesen 
Klagen fanden in Athen weltkluge Marktpolitiker, gestützt auf 
die vorsichtige Bauernpartei, eine vortreffliche Handhabe gegen 
das kühne Vorgehen in Kleinasien. Man schrieb Thrasybulos 
allerhand eigenmächtige Pläne zu und stellte ihn unter Anklage: 
der Tod entzog ihn selbst der Verurteilung (388) , aber seine 
Mitfeldherm mussten leiden. 

Der Sieg der conservativen Partei in Athen hat aber nicht 
lange gedauert; im Jahre 387 sind wieder eine ganze Anzahl 
athenischer Geschwader in See, Athens Seemachtstellung ist so 
gebietend und stark wie noch nie seit dem Ende des pelopon- 
nesischen Krieges. Indessen das geschickte Eingreifen der von 
Antalkidas geleiteten lakedaimonischen Diplomatie verbunden 
mit einer raschen und klugen Kriegführung vernichtet sie und 
zwingt Athen nunmehr auf eine Wiederherstellung des See- 
bundes im alten Umfange dauernd zu verzichten (386). Die 
kleinasiatischen Festlandsgriechen sind der Preis, um den Antal- 
kidas die persische Freundschaft erkauft. Da er dem darauf 
vereinbarten Frieden, der mit Recht seinen Namen trägt, all- 
gemeine Anerkennung zu verschaffen weiss, wird die Scheidung 
zwischen den kleinasiatischen Festlands- und Inselgriechen von 
nun an bis in die Mitte des Jahrhunderts zur Tatsache ; ausser 
dem Festland hatte sich Artaxerxes sogar noch Kypros und 
Klazomenai ausdrücklich ausbedungen. — 

In der neuen Periode kleinasiatischer Geschichte, die mit 
dem Königsfrieden beginnt, sind zwei neben einander her- 



üeberschau. 13 

laufende, erst spät hier und da sich mischende Entwicklungen 
zu scheiden, entsprechend der durch den Frieden geschaffenen 
Trennung. Die Inselgriechen suchen wie früher Zuflucht bei 
ihrer alten Vormacht Athen ; unter ihrem Einfluss lebt die See- 
herrschaft Athens in neuen Formen nochmals auf (377), sie 
bilden den Kern des zweiten attischen Seebundes ; während die 
Festlandsgriechen Kleinasiens jetzt unlösbar an das Geschick 
des Perserreiches gefesselt sind. 

Der persische Reichskoloss , so schwer noch das Gewicht 
seiner Macht nach aussen in die Wagschale fiel, alterte mehr 
und mehr, und der neue König Artaxerxes II. Mnemon, der 
ihn beinahe ein halbes Jahrhundert regierte (404—358), war 
nicht der Mann, die Königs- und Reichsgewalt wieder zur alten 
Höhe emporzuheben: er bleibt stets derselbe feige, entschluss- 
lose, von seiner Sinnlichkeit beherrschte Orientale. 

Schon in den letzten Regierungsjahren Dareios' 11. hatte 
sich Aegypten losgerissen (408), zahlreiche Stämme, die dem 
Namen nach die persische Oberherrschaft anerkannten, wie 
Paphlagoner, Myser, Pisider und Lykier, waren tatsächlich un- 
abhängig, einzelne festgelegene Städte wie Aigai und Temnos 
wagten es sogar mit Glück zu trotzen. Später lähmte dann 
die Kraft des Reiches der Thronstreit der beiden Königssöhne 
Artaxerxes und Kyros, der vor dem Tode des Vaters begann 
und nach seinem Tode zum offenen Kampfe führte. Kyros' Zug 
gegen seinen Bruder schuf ein gefährliches Beispiel für ehr- 
geizige wagelustige Männer, an denen in dem zersplitterten 
Reiche kein Mangel war. Das Heer, welches Aegypten nieder- 
werfen sollte, wurde zum Schutz gegen Kyros herangezogen 
(401). Darauf folgte der Krieg gegen Sparta; erst nachdem 
dieser durch die Schlacht von Knidos für Persien sich ent- 
schieden hatte, konnte man an eine Wiedereroberung Aegyptens 
denken. Unterdessen zog aber eine neue Gefahr herauf von 
dem früheren Bundesgenossen Athen und dem mit Athen und 
mit den Aegyptem verbündeten Vasallenkönig Euagoras von 
Salamis. 



14 Erstes Kapitel. 

Euagoras ist der erste echte Vorläufer des Hellenismus 
(410—374). Kypros bildet in derselben Weise ein Zwischen- und 
Durchgangsland wie Kleinasien, zu dem es gehört. Ein buntes 
Völkergemisch aus halbgriechischen Ureinwohnern, Phoinikern 
und eingewanderten Griechen hatte sich hier erhalten, der 
Inselcharakter liess keine Scheidung in Küste und Hinterland 
zu und erleichterte die Verschmelzung der einzelnen Volks- 
schichten, von den Stürmen des peloponnesischen Krieges blieb 
das abgelegene Gebiet verschont, es konnte seiner eigenen Ent- 
wicklung folgen. Gerade hier finden wir deshalb auch die 
ersten Ansätze zu einem hellenistischen Reiche. 

Euagoras' Verbindungen mit Athen reichen bis in den Aus- 
gang des peloponnesischen Krieges hinein, und eben diese Ver- 
bindungen ermöglichten es dem König griechische Cultur und 
griechisches Wesen zunächst in seiner Vater- und Residenzstadt 
einzuführen und zu stärken. Der Mittelpunkt des bei ihm sich 
sammelnden athenischen Kreises ist Konon, der für Euagoras' 
äussere Politik, wie für die Athens massgebend wird. Unter 
seinem Einflüsse wagt es Euagoras, während Persien den Krieg 
gegen Aegypten zum ersten Male ernstlich und ungestört betreibt, 
sich zu erheben und seine Herrschaft auf Kosten der von Per- 
sien begünstigten phoinikischen Stadtkönige über die ganze 
Insel auszudehnen (391). Der Grosskönig entsandte, da das 
Reichsheer nicht verfügbar war, sofort die beiden Satrapen 
von Lydien und Karien Autophradates und Hekatomnos, um 
Euagoras' Eroberungszüge zu hemmen, aber umsonst. — Es ist 
eine beachtenswerte Tatsache und kein Zufall, dass der Begrün- 
der einer zweiten , bedeutenderen hellenistischen Reichsbildung, 
Hekatomnos vonMylasa, Euagora», den er eigentlich bekriegen 
sollte, heimlich die Hand reicht. Auch in Karien waren die 
Verhältnisse einer Neubildung besonders günstig: eine aus- 
gereifte und nicht gerade fremde Cultur, namentlich ein aus- 
gebildetes Kriegs- und Befestigungswesen, war hier den ein- 
wandernden Griechen schon entgegengetreten. Auf die Zeit 
des Kampfes waren friedlichere Perioden gefolgt; wir finden 
karische Dynasten neben den karischen Griechenstädten im 



Uebeinachaa. 15 

ersten attischen Seebund. Earien als Ganzes löst sich auch 
zuerst wieder los. Bis bedurfte nur einer Persönlichkeit, die 
Macht und Kraft genug besass, uni die beiden Elemente, die sich 
hier schon genähert hatten, dauernd zusanimenzuschweissen, 
und Hekatomnos hat damit begonnen. 

Die aegyptisch-kyprischen Verhältnisse, in die Hekatomnos 
jetzt sehr zu Ungunsten seines OberheiTn eingriff, bestimmten 
Artaxerxes wesenUich auf Antalkidas* Vorschläge einzugehen. 
Erst als der aegyptische Krieg einen vorläufigen, wenn auch 
keinen entscheidenden Abschiuss gefunden hat (387), als die 
gesammte Reichsmacht sich gegen Euagorns wendet, erliegt 
dieser, doch versteht er es geschickt in dem Frieden wenigstens 
die angestammte Herrschaft zu behaupten, indem er die grie- 
chische Macht, die ihn verlassen hatte, Athen, nun auch seiner- 
seits preisgiebt und sich dem damals mächtigsten griechischen 
Staat, Sparta, in die Arme wirft (381). Spartas Fürsprache 
erwirkt ihm die günstigen Bedingungen. 

Die Schwäche von Artaxerxes* Regiment und der geringe 
Zusammenhalt im Perserreiche tritt dann im weiteren Verlaufe 
des vierten Jahrhunderts noch schärfer hervor. Wieder ist es 
zunächst das noch immer in seiner Freiheit sich behauptende 
Aegypten, das nach den gewaltigsten Rüstungen angegriflen wird, 
aber vermöge seiner glücklichen geographischen Lage und der 
Uneinigkeit unter den persischen Feldherrn abermals den Angriff 
abweist (374). In Verbindung mit diesem Kriege bereitet sich 
dann ein Aufstand vor, der an Umfang und Gefahr alle vor- 
ausgehenden übertrifft. Gerade durch ihn wird es offenbar, 
wie weit schon die neue Zeit vorgeschritten ist. Das ganze 
kleinasiatische Festland vereint mit Aegypten, im Kern das 
hellenische und hellenistische Element, erhebt sich gegen die 
Persermacht. An der Spitze stehen die mächtigen Küstensatrapen, 
unter ihnen der Mann, der künftig weitaus die bedeutendste 
Rolle in Kleinasien spielt, Maussollos von Mylasa, des Hekatomnos 
Sohn (377 — 353). Lediglich die Unzuverlässigkeit und Bestech- 
lichkeit einzelner unter den Verbündeten ennöglichten es Arta- 
xerxes und seinen Getreuen der Bewegung Herr zu werden (362). 



16 Erstes Kapitel. 

Ein Nachspiel, welches vielleicht mit den erneuten Thron- 
wirren am persischen Hofe zusammenhängt, erlebt der Aufstand 
durch den bis dahin königstreuen Satrapen von Daskyleion 
Artabazos und den Schwiegersohn des Grosskönigs, den von den 
Empörern früher zum Führer gewählten, dann aber abgefallenen 
Orontes. Diese zweite Erhebung wirft Ochos, der als Kronprinz 
aus den Thronwirren hervorgegangen war, nieder (358) und 
übernimmt als Artaxerxes III. Ochos die Regierung (358—337). 
Er ist der Erneuerer des persischen Königtums geworden, ein 
grausamer aber tatkräftiger und zielbewusster Fürst. Neben 
ihm und mit ihm behauptet sich freilich auch der mächtigste 
Vertreter des im Grunde Persien feindlichen hellenistischen 
Princips, Maussollos. 

Maussollos hatte bereits als der grosse Satrapenaufstand 
fehlzuschlagen drohte, sich vorsichtig zurückgezogen und be- 
hielt seine Satrapie oder eigentlich sein Reich Karien. Was 
Hekatomnos begonnen hatte , fand durch ihn die glänzendste 
Vollendung. Aus altkarischem Geschlechte ist er hervor- 
gegangen, aber er weiss die grosse Culturmacht des Griechen- 
tums zu schätzen und sucht sie in seinen Dienst zu stellen. 
So entsteht neben dem Königtum von Salamis, das auch weiter 
seinen hellenistischen Charakter behält, neben Ansätzen zu einer 
hellenistischen Herrschaft, die in Aegypten und Kilikien sich 
zeigen, in Karien ein neues hellenistisches Reich. Maussollos ver- 
lässt die alte Landeshauptstadt und Heimat Mylasa und siedelt aus 
der blühenden aber abgeschlossenen Ebene an die Küste über nach 
Halikamassos (um 367). Er verknüpft mit dieser für Politik und 
Handel gleich wichtigen Aenderung des Herrschersitzes das erste 
Beispiel des nach Befehl eines Fürsten vollzogenen Synoikismos 
auf kleinasiatischem Boden, jener für die spätere hellenistische 
Zeit so bezeichnend gewordenen Massregel. An und auf einer 
Insel wie in Syrakus und später in Alexandreia steht sein 
Königsschloss und entrückt die Person des Fürsten der Menge. 
Griechische Künstler und Gelehrte verkehren an seinem Hof, 
griechische Redner verherrlichen seine Leichenfeier, die 
ersten unter den Bildhauern aus Althellas schmücken sein 



Ueberscliau. 17 

Grabraal, in dem sein Name bis heute fortlebt. Jetzt flutet 
zurück, was an künstlerischem Schaffen im VI. Jahrhundert 
dem Mutterlande von Kleinasien zu teil geworden ist: nicht 
nur im karischen Reiche, auch auf anderen Gebieten des klein- 
asiatischen Festlandes, in Knidos, in Lykien finden wir attische 
Künstler und attischen Cultureinfluss. All das sind Merkzeichen 
von dem Nahen der hellenistischen Zeit. Aber Maussollos selbst 
bleibt noch Asiate, er bleibt Untertan des Grosskönigs, in An- 
lehnung an Persien behauptet er sich gegenüber allen Ver- 
suchen der karischen Nationalpartei ihn zu stürzen. Zugleich 
in seinem eigenen Interesse wie in dem seines neuen Oberherrn 
Artaxerxes Ochos sprengt er den attischen Seebund imd wird 
die Veranlassung, dass auch die Inselgriechen Kleinasiens fast 
säramüich unter persische Herrschaft geraten. - 

Hier vereinigt sich wieder die Geschichte der kleinasiatischen 
Festlands- und Inselgriechen, die bisher getrennt sich entwickelt 
hatte. Wir müssen den Schicksalen der Inselgriechen noch 
nachgehen und deshalb zunächst den Blick zurücklenken auf 
das eigentliche Griechenland, bei denen sie Schutz und Rück- 
halt gefunden hatten. 

Griechenland war seit dem Antalkidasfrieden in eine Reihe 
langwieriger, bitterer Fehden verwickelt gewesen, durch welche 
die schon begonnene Zersplitterung und Zersetzung im ganzen 
althellenischen Gebiet, wie innerhalb der einzelnen Gemeinden, 
die innere und äussere Auflösung des alten Staatensystems 
traurig gefördert worden war. Nachdem Athen mit seiner 
grosshellenischen Politik zweimal Schiffbruch gelitten hatte, 
trat die engherzige Politik der einzelnen Städte wieder um so 
bestimmter hervor. Zunächst hatte Sparta die neugewonnene 
Macht ausgenützt, um alle ihm widerstrebenden Städte 
unter seinen Einfluss zu beugen. Mantineia, Theben, Phlius, 
Olynthos waren vergewaltigt worden, mit Athen stritt Sparta 
um den Besitz der Kykladen. Erst die Befreiung Thebens 
(379) bezeichnet hier den W^endepunkt. Athen gründet danach 
seinen zweiten Seebund (377) und weiss diesem Spartas 
Anerkennung zu sichern (374). Dann erliegt auch die spar- 

JUDEICH, Kleixuuaiatische Studien. 2 



18 Erstes Kapitel. 

tanische Landmacht bei Leuktra der jungen thebanisehen (371). 
Die thebanische Vorherrschaft tritt für kurze Zeit an Stelle der 
lakedaimonischen, sie zeigt wieder Ansätze zu einer weiterschauen- 
den Politik, doch landet sie in der Schlacht bei Mantineia (362) 
mit ihrer Krönung zugleich ihr Ende. 

Athen ist in diese grossen und kleinen Kämpfe in Griechen- 
land mit verwickelt gewesen: seine Politik zielt dort daraufhin 
keine der beiden mit ihm bedeutendsten Staaten Lakedaimon 
und Theben übermächtig werden zu lassen. Sein vornehmstes 
Interesse liegt aber in der Ausbreitung, Pflege* und Behauptung 
seines neuen Seebundes. 

So ängstlich auch Athen zunächst den Königsfrieden 
gewahrt hatte, ist die alte Sehnsucht nach dem Wieder- 
aufleben des ersten Seereiches, nach der Wiedergewinnung des 
kleinasiatischen Festlandes doch nie ganz erstorben. Mutige 
und tatkräftige Männer haben immer nach den Küsten Klein- 
asiens hinübergeschaut, und wenn sie auch noch nicht hinüber- 
griffen, haben sie doch die Stellung ihrer Vaterstadt auf den 
Inseln nach Möglichkeit gefestigt. Der bedeutendste und staats- 
männisch begabteste unter diesen Männern ist Konons Sohn 
Timotheos. Die Verwirrung, welche die Satrapenaufstände 
von der Mitte der sechziger Jahre an in Vorderasien hervor- 
riefen, war den Wünschen Athens günstig ; seine Flotte kämpft, 
eben um Athens Stellung zunächst auf den kleinasiatischen Inseln 
zu stärken, auf der Seite der Aufständischen. Samos, das unter 
persische Botmässigkeit geraten war, weil es bisher den An- 
schluss an Athen unterlassen hatte , wird damals erobert und 
mit einer Kleruchie besetzt (365). Aber derselbe Zerfall der 
Persermacht, der Athen zu seinem kühnen und kräftigen Vorgehen 
ermutigte, verleitete die mächtigsten unter seinen kleinasiatischen 
Bundesgenossen, Chios und Rhodos, im Verein mit dem immer 
unzufriedenen Byzantion, sich von der Unterordnung unter die 
athenische Schutzmacht zu befreien und in einem Sonderbund 
mit dem selbständigen Kos und mit Maussollos von Mylasa ihr 
Heil zu suchen. Da Athen diesen Abfall nicht ohne weiteres 
dulden wollte und konnte, entbrannte der »Bundesgenossen- 



üeberschau. 19 

krieg« (357). Er gestaltete sich ungünstig für Athen, ohne däss 
ein entscheidender Schlag geführt wurde. 

Zur gleichen Zeit erhoben die beiden Satrapen Orontes 
und Artabazos von neuem die Fahne der Empörung (356), zur 
gleichen Zeit erstarkte aber auch unter der kräftigen Hand des 
Artaxerxes Ochos das persische Königtum. Die allgemeine Lage 
verschob sich unter dessen Drucke noch einmal und zwar sehr 
gegen das hiteresse Athens. 

Mit Jubel hatte man es zunächst in Athen begrüsst, als 
Ghares, der Oberbefehlshaber der gesammten athenischen 
Flottenmacht in den kleinasiatischen Gewässern ^ statt sich 
weiter mit den abgefallenen Bundesgenossen herumzuschlagen, 
auf eigene Hand zu Artabazos' Gunsten in die persischen Streitig- 
keiten eingriff, wenig später rief man ihn aber auf ein Macht- 
gebot des Grosskönigs hin zurück und schloss mit den Sonder- 
bündlern Frieden (355). 

Die Tatsache, dass die persische Reichsgewalt wieder kräftig 
genug war, um über das eigene, engere Gebiet hinauszugreifen, 
verbunden mit Kriegsdrohungen Persiens und Gerüchten von 
grossen Kriegsvorbereitungen, die diesen Drohungen Rückhalt 
zu geben schienen, genügten, um den Athenern die Gefährlich- 
keit von Ghares' eigenmächtiger Politik vor Augen zu führen. 
Einen Kampf mit der persischen Reichsmacht konnte man 
allein nicht wagen: schon hatte der Streit mit König Philipp 
von Makedonien begonnen. 

Die persischen Rüstungen, welche in Athen Furcht und 
Schrecken erweckten, hatten aber gar nicht Athen selbst 
gegolten, sondern eben jenen aufrührerischen Satrapen, und 
den immer noch in ihrer Unabhängigkeit sich behauptenden 
Aegyptern: beide sollte ein grosser combinirter Angriff ver- 
nichten. Als dies bekannt wurde, fühlte man sich in Athen 
von der eigenen, dringendsten Gefahr befreit, und raffte sich, 
als in Aegypten die Entscheidung gegen den Grosskönig zu 
fallen schien, wenige Jahre nachdem man Persiens Gebot ge- 
horcht hatte, noch einmal zu einem energischeren Vorgehen 
auf (353): Athen unterstützte mit Glück den Hauptführer des 



20 Eistes E^itel. 

Aufstandes in Eleinasien, Orontes, aber Athens Einfluss auf die 
Geschicke Kleinasiens, auch auf die kleinasiatischen Lisebi, war 
trotzdem nach dem Frieden mit den Bundesgenossen gebrochen. 
In Samos behauptete sich wol die athenische Kleruchie, sie ist 
sogar mehrfach verstärkt worden, in Tenedos und einem Teil 
von Lesbos erhielt sich die athenische Schutzherrschafl, ds^egen 
blieben Chios, Rhodos und das schon vorher unabhängige Kos 
verloren. Hier hatte Maussollos festen Fuss gefasst, sobald er 
die Liseln glücklich vom athenischen Bunde losgerissen hatte: 
der Bundesgenossenkrieg war sein Werk gewesen. Ochos' Sieg 
über Orontes und Artabazos (352) kam zugleich den karischen 
Fürsten für die Festigung und Erweiterung ihrer Herrschaft 
zu gute: nur Aegypten hatte zum vierten Male dem persischen 
Angriff widerstanden. — 

Das Ergebniss dieser zweiten Periode kleinasiatischer (Je- 
schichte im IV. Jahrhundert ist also ein Erstarken und eine Aus- 
dehnung der persischen Reichsgewalt westwärts, die Wiederver- 
einigung der durch den Antalkidasfrieden getrennten Insel- und 
Festlandsgriechen Kleinasiens, nicht unter griechischer, sondern 
unter persischer Vorherrschaft; zugleich eine Stärkung der 
bedeutendsten hellenistischen Reichsbildung in Kleinasien, des 
karischen Reiches, dem der unmittelbare Machtgewinn zufällt. 

Danach kann man in der dritten und letzten vorhelleni- 
stischen Periode, die mit dem Jahre 352 beginnt, von einem 
Zusammenhang der Geschichte Kleinasiens mit der Geschichte 
des Mutterlandes, namentlich mit der Athens, kaum mehr 
sprechen, wenn sich auch die Handels- und Verkehrsbeziehungen 
erhalten. Athen ist gezwungen, ausser mit Zeitelungen und 
Aufständen innerhalb seines Herrschaftsgebietes und mit den 
thrakischen Fürsten, vor allen mit der aufstrebenden make- 
donischen Macht, der Macht, die an seine Stelle zu treten 
berufen war, um den Rest seines Reiches und schliesslich um 
seine eigene staatliche Selbständigkeit zu kämpfen, und kann 
nicht an eine Wiedergewinnung der kleinasiatischen Besitzungen 
denken. Ganz folgerichtig führt vielmehr bei der Ausbreitung 
der Makedonen die Entwicklung der Verhältnisse dahin, dass 
Athen sich gegen Makedonien der Freundschaft und Unter- 



üeberschau. 21 

Stützung des wieder mächtig vortretenden Perserkönigs zu ver- 
sichern sucht. Der Athener Phokion unterwirft als Feldherr 
des bisher so verhassten Karerfürsten Idrieus, des Bruders und 
zweiten Nachfolgers von Maussollos, dem Grosskönig das aufstän- 
dische Kypros, wo diesmal die phoinikischen Fürsten sich erhoben 
hatten (351), ausserdem verzichtet Athen jetzt endgültig auf die 
Unterstützung der aufrührerischen Aegypter. Artaxerxes Ochos 
bezwingt endlich die Empörung auch hier, nachdem er vorher 
die Phoiniker der syrischen Küste gebändigt hat. Nahezu die 
Hälfte seiner Regierungszeit (349 — 340) wird durch diese Kämpfe 
ausgefüllt, aber das persische Königtum hat schliesslich gesiegt, 
das war das Entscheidende. 

Auch in Kleinasien waren die kleineren und grösseren 
Herrn, die die Abwesenheit des Grosskönigs in Aegypten benutzt 
hatten, um das persische Joch abzuschütteln, durch die durch- 
greifende, rücksichtslose Tatkraft Mentors von Rhodos, dem 
Ochos die Ordnung Vorderasiens übertragen hatte (345), zur 
Unterwerfung gezwungen oder beseitigt worden, unter ihnen 
Hennias von Atarneus, des Aristoteles Freund. Auf die Inseln 
wurden persische Garnisonen gelegt, oder von Persien begün- 
stigte Tyrannen bemächtigten sich der Herrschaft. Die persische 
Reichsmacht hatte in allen ihr untergebenen Landen sich wieder 
Anerkennung verschafft, ja sie hatte ihr Gebiet sogar vergrössert. 
So geschlossen und gebietend wie kaum jemals im ganzen IV. Jahr- 
hundert stand sie jetzt da, allein diese Uebermacht blieb von 
kürzester Dauer : mit einem Schlage springt der vorher nur im 
Geheimen drohende Conflict bestimmend hervor zwischen der 
makedonischen Macht, die unter Philipps glänzender Führung 
(359 — 336) stetig und unaufhaltsam ihrem nächsten Ziele , der 
Vereinigung der griechischen Welt unter ihrem Scepter zuschritt, 
und dem Perserreiche. Die zwischenstehenden kleineren Mächte 
sind hier wie dort aufgesogen worden : die beiden grossen treten 
einander Auge in Auge gegenüber. 

Ochos hatte, da er in Aegypten kämpfte, die Fortschritte 
und Erfolge Philipps zunächst nicht hindern können, er hatte 
sie wol auch nicht hindern wollen; jedenfalls schloss er mit 
Philipp später ein Bündniss ab (um 344). Er mochte wirklich 



S2 Ereies Kapitel. 

glauben, dass die makedonische Macht am Hellespont Halt 
machen würde, ausserdem lebte in ihm wol das Bewusstsein 
von der unerschöpflichen Kraft und der Unüberwindlichkeit 
seines Perserreiches, das er eben erst von neuem gefestigt hatte. 
Als dann aber die Makedonen seinen Grenzen immer näher 
rückten, griff er doch ein; jetzt gingen ihm die Augen auf: 
von Perinthos imd Byzantion trieben mit deren Verbündeten 
persische Truppen das von Philipp in Person geführte make- 
donische Heer zurück und zwangen diesen seine Eroberungs- 
pläne hier zunächst aufzugeben. Aber Philipp verstand zu 
warten: er trug erst seinen Kampf auf dem griechischen 
Festlande aus, mit Athen und den wenigen anderen Staaten, 
die der makedonischen Herrschaft sich zu erwehren den Mut 
fanden. Darin blieb er Sieger (338). Unterdessen war König 
Ochos einer Palastrevolution zum Opfer gefallen, wieder fehlte 
der mächtige zielbewusste Wille, der das persische Reich allein 
noch zusammenhalten konnte, wieder zerrissen wie so oft zuvor 
Thronwirren das Land. Da erst wagte Philipp einen Vorstoss 
gegen Persien selbst (336), freilich fiel er kläglich genug aus. Erst 
der Einmarsch Alexanders im Frühjahr 334 führt die neue Zeit 
herauf, welche den Schwerpunkt der allgemeinen griechischen 
Geschichte vom Mutterlande wieder hinüberlegt nach Kleinasien. 
Wir stehen am Ende dieser überschauenden Betrachtung. 
Neben der allgemeinen Auflösung des Griechentums, neben dem 
Auf- und Niedergang der persischen Reichsgewalt, lässt sich als 
der einzige eigene Fortschritt, das einzige Positive in der klein- 
asiatischen Entwicklung des IV. Jahrhunderts der überall vor- 
tretende Drang erkennen nach kleinfürstlicher Selbständigkeit 
in einer Griechen und Orientalen gleichmässig umfassenden 
und beide verschmelzenden Staatenbildung. Der Orkan der 
makedonischen Eroberung hat erst über Kleinasien hinwegfegen, 
die Persermacht zertrünmiem und alles durch einander schütteln 
müssen, ehe es möglich war, was hier im Kleinen sich kundgab, 
im Grossen zu vollenden, ehe der Hellenismus seinen Einzug halten 
konnte in die ganze antike Welt. Aber alle Elemente des Helle- 
nismus formen sich bereits im Kleinasien des IV. Jahrhunderts. 



ZWEITES KAPITEL. 

HELLAS UND DIE KLEINASIATISCHEN GRIECHEN AM 
BEGINN DES IV. JAHRHUNDERTS. 



1. SPABTA8 FÜHBEB80HAFT. 

Das Ende des peloponnesischen Krieges bezeichnet für die 
Geschichte der kleinasiatischen Griechenstädte einen ebenso 
wichtigen, folgereichen Abschnitt wie für die des Mutterlandes. 
Mit dem Erliegen Athens, mit seinem Verzicht auf alle aus- 
wärtigen Besitzungen, geht auch der athenische Seebund, der 
in den wechselvollen Kämpfen seit der sicilischen Expedition 
schon arg zusammengeschmolzen war, vollends zu Grunde. 
Und damit verlieren die kleinasiatischen Griechen ihren Schutz 
und Rückhalt gegenüber dem benachbarten Perserreiche; sie 
sind fortan allein auf sich selbst angewiesen. 

Die siegende Macht Sparta hatte zunächst kein Interesse 
und keine Veranlassung sich ihrer anzunehmen: obwol es ge- 
zwungen gewesen war im Kampf mit der grössten griechischen 
Seemacht, Athen, sich mehr als vorher mit seiner Flotte zu 
beschäftigen und diese zu vergrössern, war es Landmacht ge- 
blieben, sein Ehrgeiz ging nur auf Erneuerung der alten Vor- 
herrschaft über die Griechen des hellenischen Festlandes. Dieses 
Bestreben zeigen deutlich die verschiedenen Verträge, welche | 

in den Jahren 412 imd 411 zwischen den Lakedaimoniem und ! 

dem Perserkönig geschlossen wurden. Die hierher gehörigen j 

Sätze im ersten Vertrage lauteten nach Thukydides VIII 18, 1. 3: 
6n6<xr]v xdgav xal noXsig ßaaiXsvg ^X€i xai ot nttvtQsg ot 
ßaffiXäojg Sixov^ ßaaiXäwg ftrrco* xal ix tovt(ov tcqv noXewv 
OTTÖffa 'A&tjvaioig itpoiTa XQTjixaTa rj äXXo ri^ xdoXvovtcov xoivf 



24 Zweites KapiteL 

ßatriXevg xal Aaxfdamovioi, xal ot ^vjHfiaxoi ontac fiiJT€ xQTjfiafa 

lafJtßävuKHv ^A^TjraTot fii]T€ aXXo fir^där f^v iä nvsq 

d(fi(fTWVTai and ßatriXätaCy noXä/LUoi i(fTwv xai Aaxsdaiimvioiq 
Tuzi ToTg ^vfifidxoig xrl. '). 

Der zweite Vertrag (Thuk. VIII 37) änderte nur die Form, 
blieb aber im bihalt derselbe, erst der dritte (Thuk. VIII 58) 
schränkte das Zugeständniss der Herrschaft des Grosskönigs 
auf das kleinasiatische Festland ein. An den Schranken dieses 
Vertrages hielten aber auch die Gegner der beiden ersten Verträge 
unter den lakedaimonischen Feldherm und Staatsmännern peinlich 
fest (Thuk. VIU 84, 5 vgl. 43, 3. 4. 52 Xen. Hell. IV 8, 5). Der Ver- 
zicht auf die Unterstützung der kleinasiatischen Festlandsgriechen 
war darin klar ausgesprochen ; wenn man in der Folgezeit auch 
zuliess, dass die einzebien Städte sich selbst vom persischen 
Joche wieder befreiten, und im Norden, an der wichtigen Wasser- 
strasse des Hellesponts hier und dort Uebergrifife sich gestattete, 
rechtlich und formell kamen und blieben die Griechenstädte 
des kleinasiatischen Festlandes unter Persiens Herrschaft. 

Mit diesem Grundsatz der spartanischen Politik bricht erst 
der Mann, dem Sparta seinen Sieg im peloponnesischen Kriege 
verdankt, Lysandros. 

Schon im Jahre 407 nach dem Sieg bei Notion über 
Alkibiades' Unterfeldherm Antiochos hatte Lysandros, der da- 
mals den Oberbefehl über die in den kleinasiatischen Gewässern 
kreuzende lakedaimonische Flotte führte, planmässig den Grund 
zu einer spartanischen Herrschaft in Kleinasien gelegt. Ehr- 
geizige Männer, Aristokraten, mit denen er früher in Beziehung 
getreten war, hatte er aus den verschiedenen Städten nach 
Ephesos beschieden und sie zur Bildung fester Parteiverbände 
(Hetairien) aufgefordert, ihnen Aemter und Würden versprechend, 
wenn die Zeit gekommen sei (Plut. Lys. 5, 3. 4 vgl. 13, 3—5 



1) Man hat später als G^enstück zu dem kimonischen Frieden bereits 
für die Mitte des Y. Jahrhunderts eine solche Vereinbarung zwischen 
Sparta und Persien erfunden (Diod. XII 26,2). Zu einem Vertragsschluss 
ist es damals sicher nicht gekommen, aber tatsächlich hat damals und 
noch früher Sparta schon diese Politik verfolgt. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrb. 25 

Diod.XIII 70, 4 vgl. Com. Nep. Lys. 1, 5). Noch war freilich die 
Zeit nicht gekommen, denn im Jahre 406 wurde Lysandros 
durch Kallikratidas in seiner Nauarchenstellung ersetzt. Man 
liess ihn nur ungern ziehen (Plut. Lys. 5, 5) : ausser seinem 
grossen Parteianhang mochte ihn, den allmächtigen Freund des 
jüngeren Kyros, auch die grosse Masse der überwiegend lakonisch 
gesinnten Bevölkerung in den kleinasiatischen Griechenstädten 
vermissen, und als Kallikratidas in der Arginusenschlacht Leben 
imd Flotte verloren hatte, da begehrte man Lysandros stürmisch 
zurück; man erhielt ihn auch (Plut. Lys. 7 Diod. XIII 100, 7. 8 
Xen. Hell. II 1, 6 f.). Dass Kyros im Jahre 405 ihn zum Stell- 
vertreter in seiner Satrapie einsetzte, da er selbst mit Tissaphernes 
zu seinem sterbenden Vater reiste, konnte Lysandros' Ansehen 
nur steigern (Xen. Hell. 11 1, 13 f. vgl Anab. I 1, 2 Plut. 
Artox^ 2 vgl. Ael. var. bist, ffl 20 XIII 8. 9). 

JÄzt fühlte sich Lysandros auch stark genug, um einen 
neuen Schritt im Interesse seiner kleinasiatischen Partei zu 
wagen und damit seinen eigenen Einfluss in Kleinasien noch 
mehr zu festigen. Der Wunsch, das Gebiet seiner Vaterstadt 
zu erweitern, tritt bei ihm vor dem eigenen Macht- und Herr- 
schaftsbedürfiiiss zurück, er will alleingebietender Generalissimus 
Spartas werden. Es ist kein Zufall, dass gerade in dieser Zeit unter 
seiner geheimen Beihülfe in Miletos die herrschende Regierung 
blutig gestürzt und durch ein oligarchisches Regiment ersetzt 
wird (Diod. XIII 104, 5—7 Plut. Lys. 8. 19, 2 apophth. Lac. 
Lys. 4 Polyain. I 45, 1. 3). Um die Einrichtung der später so 
berüchtigten Verwaltungsform der Dekarchie, auf die Lysandros 
sein neues Reich baut, scheint es sich aber hier noch nicht 
gehandelt zu haben: noch konnte man bleibende Verhältnisse 
nicht voraussehen. Und selbst als die athenische Seemacht im 
Herbst 405 bei Aigospotamoi vollständig vernichtet war, hören 
wir nur von der Einsetzung eines Harmosten, eines unumschränkt 
gebietenden Kommandanten der Garnison, in Byzantion und 
Kalchedon, der alten Kriegsmassregel (Xen. Hell, ü 2, 1). Auch 
in Lampsakos (Xen. II 1, 19. 2, 1 Diod. XUI 106, 7), Sestos 
(Diod. XIII 106, 8) und in den lesbischen Städten (Xen. II 2, 5 



26 Zweites Kapitel. 

Vgl. lusL V 7, 3) sind solche unier einem lakedaimonischen Befehls- 
haber stehende Besatzungen vorauszusetzen ^). Den thrakischen 
Städten, zu denen Eteonikos mit nur zehn Schiffen abgesendet 
wurde, scheint für ihren freiwilligen Anschluss vorläufig ihre 
volle Freiheit gelassen worden zu sein (Xen. n 2, 5 vgl. lust a. O.). 

Die kleinasiatische üiselwelt, ja das ganze athenische Reich 
war jetzt in Spartas Gewalt bis auf Samos, wo die demokra- 
tische Partei die lakedaimonisch gesinnten Aristokraten gewalt- 
sam vertrieb und sich zum äussersten Widerstände rüstete. 
Gleichzeitig ging eine Gesandtschaft nach Athen, imi in der 
gemeinsamen Not das Band zwischen beiden Gemeinden noch 
enger zu knüpfen. In der Tat wurde auch — ein in Athen 
sonst nur noch für die Plataier bekannter Fall — eine voll- 
ständige Sympolitie abgeschlossen, und ein Geschwader von 
zwanzig athenischen Trieren, das vor der Schlacht von Aigospo- 
tamoi im Hafen von Samos zurückgelassen worden war (Diod. 
XIII 104, 2), blieb weiter zur Unterstützung dort*). 

Lysandros hatte dergleichen kaum vermutet, als er von 
Lesbos her vor der Stadt erschien : schon hatte er seinen Unter- 
feldherrn Gylippos mit dem Hauptteil der Kriegsbeute nach 
Sparta entsandt (Diod. XIH 106, 8. 9 vgl. Flut. Lys. 14, 1. 16 
lust. V 7, 1. 2), seine Anwesenheit vor Athen war erwartet 

1) Platarch Lys. 13, 3, der schon hier Dekarchien erwähnt, kann dem 
nicht widersprechen, da die Zeitfolge gerade an dieser Stelle seiner Biographie 
des Lysandros ganz ungenau ist vgl. c. 14; später ist er genauer vgl. S. 34 f. 

2) Xen. Hell. II 2, 6 'A^x- ^^^^' 1^89 S. 24 ff. = Lipsius, Leipz. 
Stu'l. XIII 1^91 S. 411 ff. vgL CIA. II Ib = Hicks, manual of greek 
hist. inscr. 64 = Dittenberger, Sylloge inscr. Gr. 48. Die Zeit des hierher 
zu beziehenden Volksbeschlusses — datiert auf den Archon Alexias 405/4 
Ol. 93, 4 — hat LoUing i^A^x- ^^^^* ^1) ^^^^ richtig bestimmt. In dem 
Beschluss scheint Z. 10 f. auf die Vertreibung der athenerfeindlichen Partei 
unmittelbar angespielt zu werden. »Frühere samische Gesandte« werden 
Z. 7 f. erwähnt. — Der Vertrag zwischen Athen und Samos verlangt u. a. 
auch gemeinsamen Friedensschluss mit dem gemeinsamen Feind. Athen ist 
unter dem Druck der Verhältnisse von dieser Bestimmung später abge- 
wichen; die Bitte, Samos mit in den Frieden aufzunehmen, wurde von 
Athen gestellt, aber durch Lysandros abgewiesen (Plut. apophthegm. Lac. 
var. 24). Dennoch haben die freundlichen, engen Beziehungen zu Samos 
fortgedauert (vgl. S. 27). 



Hellas und die kleinaaiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 27 

und durch die Verhältnisse gefordert (Xen. U 2, 4 Diod. XIII 
107, 1). Als er Samos nicht im ersten Anlauf zu nehmen 
vermochte, scheint er deshalb die Belagerung verschoben und 
höchstens ein Beobachtungscorps zurückgelassen zu haben ^). 
Vor Athen sammelte sich damals die gesammte Macht des 
peloponnesischen Bundes: Athen fiel am 16. Munychion (im 
April) 4042). 

Erst jetzt konnte auch die letzte widerspenstige Stadt be- 
zwungen werden. Lysandros eilte, nachdem der Abbruch der 
athenischen Mauern, den er selbst geleitet hatte, genügend fort- 
geschritten war, sofort wieder nach Samos. Aber noch immer 
blieb man dort zum Kampf entschlossen, und erst als Lysandros 
zum Sturme Anstalten traf, verstanden sich die Bürger zur 
Uebergabe gegen freien Abzug (Xen. II 3, 6 vgl. Diod. XIV 3, 4 
Plut. Lys. 14, 1). Sie fanden Aufnahme und Zuflucht nament- 
liqh in Ephesos und Notion (CIA. II 1 Z. 48 f.) und haben im 
folgenden Jahre 403/2 Ol. 94, 2 durch athenische Gesandte unter- 
stützt neue Unterhandlungen mit Sparta angeknüpft (CIA. II 1 b), 
wir wissen freilich nicht mit welchem Erfolg. 

Die vertriebenen Aristokraten wurden durch Lysandros 
wieder in den Besitz der Stadt gesetzt und die Regierung zehn 
Männern übertragen, neben denen als Befehlshaber der lakedai- 
monischen Besatzung (Harmost) der Spartaner Thorax stand. Das 
ist die erste beglaubigte Einsetzung einer Dekarchie'^). Sie fallt in 
den Sommer 404 (vgl. A. 2), und eben in dieser Zeit erschienen 
bei Lysandros Gesandte der athenischen Oligarchen mit der 
Bitte ihnen zur Herrschaft zu verhelfen (Diod. XIV 3, 4 Lys. 



1) Diod. XIII 106, 8 vgl. Xen. II 2, 7. 9. Lysandros erseheint nur 
mit 150 Schiffen im Peiraieus, obwol er 200 angemeldet hat. 

2) Plut. Lys. 15, 1 vgl. H. Luckenbach, de ordine rerum a pugna 
apud Aegospotamös commissa usque ad triginta viros institutos gestarum. 
Dias. Strassburg 1878. S. 36 ff. 

3) Xen. a. 0. Diod. XIV 3, 5 Plut. Lys. 14, 1 vgl. 19,4 (Aiistot.) 
Oecon. II 1347 b. Diese in Samos eingesetzte Dekarchie hat als Muster für 
die späteren gedient, deshalb wird sie auch vonXenophon besonders erwähnt. 
Ueber das Schema der Dekarchien vgl. Xen. III 5, 13 Isokr. Panath. (XU) 54 
Plut. Lys. 13, 3 Paus. IX 32, 9 Corn. Nep. Lys. 1, 5 Harpokr. u. W. 



28 Zweites Kapitel. 

Eratosth. (XII) 71). Lysandros willfahrte gern ihrem Wunsche, 
er entliess die Flottenabteilungen der kleinasiatischen Bundes- 
genossen in ihre Heimat und fuhr mit seinen siegreichen 
peloponnesischen Schiffen in den Peiraieus ein (Xen. 11 3, 7 Diod. 
a. 0.). Unter dem Druck seiner Macht und seiner Persönlich- 
keit wurden die sogenannten 30 Tyrannen gewählt (Diod. XIV 
3,5—7 Lys. Erat. (XII) 71-77 Agorat. (XIU) 34 Aristot. 'Äö^v, 
noX. 34 vgl. Plut. Lys. 15, 2. 5 Isokr. Kallim. (XVIH) 16), dann 
kehrte er Ausgang des Sommers im Triumph nach Sparta 
zurück ^). 



1) Xen. II 3,9. Beloch (Philologus XLIII 1884 S. 263 f. vgl. dens. 
Die attische Politik seit Perikles 1884 S. 340 f.) hat zwar versucht die 
Worte xeXevzMVTos tov &6Qovg Xenophon a. 0. abzusprechen, aber mit 
Unrecht. Dass die Belagerung von Samos sechs Monate gedauert haben 
sollte, wenn Lysandros bald nach dem Fall Athens am 16. Munychion 
(April), also etwa im Beginn des Thargelion (Mai) nach Samos abging, 
ist gar nicht anzunehmen, ^sqos wird hier im engeren Sinne zu ver- 
stehen sein, wie es Xenophon häufig braucht, indem er davon ea^, oiKoqa 
u. s. w. scheidet; vgl. auch Diodors Ansatz dieser und der folgenden Er- 
eignisse (XIV 3 u. J. 404/3 Ol. 94, 1). Ebenso ist der Einwand, dass 
die Einsetzung der Dreissig notwendig noch unter dem Archon Alexias 
405/4 habe stattfinden müssen, da man sonst Pythodoros nicht als Archon 
der Anarchie habe bezeichnen können , nicht stichhaltig ; das bestimmte 
Zeugniss des Aristoteles ^AO-riv. noX. 35 steht jetzt ßelochs Annahme ent- 
gegen. Davon abgesehen hat Beloch, att. Polit. 93 fl*. vgl. Grote Gesch. 
Gr. IV ' 491 ff. selbst geschildert, wie anarchisch die Lage schon vor der 
Einsetzung der Dreissig war: eine geordnete Archontenwahl würde auch 
damals nicht haben stattfinden können. — Auch Luckenbach, de ordine 
rerum etc., der sonst vielerlei zur Aufhellung der schwierigen Verhältnisse 
beigetragen hat, setzt (43 ff.) die Wahl der Dreissig zu früh (Frühsommer 
404). Er hebt durchaus richtig hervor, wie schwer es uns gerade an 
dieser Stelle gemacht ist, das wirklich Echte in dem uns überlieferten 
Berichte Xenophons (II 2. 3) von späteren Zusätzen zu scheiden. Die Er- 
wähnung der Sonnenfinsterniss vom 3. September 404, ungefähr gleich- 
zeitig mit der Einsetzung der Herrschaft der Dreissig (II 3, 4), will er 
einem solchen späteren Ausschreiber oder Verbesserer zuweisen, aber wenn 
hier die Notiz eines Verbesserers vorliegt, ist dieser wahrscheinlich der- 
selbe, der vorher die Wahl der Dreissig, und ihre Namen (wie später die 
Ephorenliste 3, 9. 10) an dieser Stelle einschob (3, 1. 2), ein gut unter- 
richteter Mann, jedenfalls einer, der wusste, dass die Wahl der Dreissig 
und die Sonnenfinsterniss wirklich ungefähr gleichzeitig waren. Also 



J 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des lY. Jalirh. 29 

Lange scheint Lysandros aber hier nicht gerastet zu haben, 
es galt den neugewonnenen Machtbereich zu ordnen und zu 
festigen, wenn Sparta ihn nicht ganz aufgeben wollte. Die 
spartanische Regierung stand wie nach der Vertreibung der 
Perser am Beginn des V. Jahrhunderts vor der Frage, ob sie 
eine überseeische Politik verfolgen sollte oder nicht; diesmal 
beantwortete sie dieselbe, durch die Verhältnisse, durch ihren 
ersten Feldherm gezwungen zunächst bejahend. Inwieweit man 
dabei auch auf die kleinasiatischen Städte, die nach den letzten 
Abmachungen mit Persien dem Grosskönig überlassen waren 
(vgl. S. 23 f.), Anspruch erhob, wissen wir nicht, Lysandros hat 



auch wenn wir § 4 mit L. als Zusatz ansehen, ist damit nichts gewonnen. 
Die Wahl der Dreissig kann demnach nicht in den Frühsommer, sondern 
muss in den Spätsommer 4#4 fallen, eben in die Zeit, da Lysandros 
nach der Eroberung von Samos nach Athen und von hier nach Sparta 
zurückkehrt. 

Luckenbach gründet seinen Gegenbeweis auf die schon genannten 
Worte Xenopbons III 3, 9 : Lysandros sei taXevTtoyrog xov d-iqovg wieder 
nach Sparta gelangt, aber er setzt dabei voraus, dass Lysandros nach 
Einsetzung der Dreissig noch einmal nach Samos gefahren sei. Diese 
Voraussetzung ist jedoch sicher unrichtig, wie dies Beloch Philol. a. 0. 
gegenüber den älteren Vertretern dieser Ansicht Sievers, Geschichte 
Griechenlands vom Ende des peloponnesischen Krieges bis zur Schlacht 
bei Mantinea 1840 S. 379 f.; Scheibe, die oligarchische Umwälzung zu 
Athen 1841 S. 60. 162 f. ; Gehlert, vita Lysandri Progr. Bautzen 1874 
S. 28 u. a. bereits mit Recht hervorgehoben hat. Sie ruht allein auf der- 
selben zweifelhaften Xenophonstelle III 2,24 — 3,11, in der sich Echtes 
und Zugefügtes so schwer scheiden lassen. Möglicherweise sind von diesen 
Paragraphen ursprünglich nur 3,3. 6 — 9 Anf. 11, aus denen ein klarer 
Zusammenhang sich ergiebt. In Verbindung mit dem einen Irrtum L/s 
steht noch ein anderer, dass Lysandros auch während der Belagerung von 
Athen nach Samos übergesetzt sei, also insgesammt dreimal vor Samos 
geweilt habe (Luckenb. 34 ff.). Die Plutarchstelle (Lys. 14), welche L. hier 
für seinen Beweis benutzt, ist, wie dies schon an anderer Stelle (S. 26 A. 1) 
betont wurde und wie L. selbst anerkennt, für die Folge der Ereignisse 
nicht frei von Irrtümern. Aber auch der andere Grund (geteilt von 
Lipsius a. 0. 414 A. 1 gegen Schwartz Rh. Mus. XLIV 113 f.), dass der 
dreimonatliche Aufenthalt des athenischen Gesandten Theramenes bei 
Lysandros (Xen. H 2, 16) sich in der Nähe Athens nicht denken lasse, hat 
eine rein subjektive Bedeutung. Die oben ausgeführte Folge der Ereig- 
nisse ist nach alledem jedenfalls die wahrscheinlichste. 



30 Zwatca EapiteL 

jedenfalls sie in »ster Linie für sein lakedaimonisches Seereich 
im Ange gehabt 
t Wahrscheinlich noch im Herbst 401 brach Lysandros, von 
neuem zum Nanarchen bestellt, wieder auf mit dem Auftrag 
da» neugewonnene Gebiet einheitlich zu gestalten. Er scheint 
mit den thrakischen Küsten l>egonnen zu haben, um dann die 
hellespontischeo und «idlich die kleinasiatischen StSdte auf- 
suchen '). In den meisten Gemdnden wurden Dekarchien ein- 
gesetd, in anderra, wo schon die Oligarchen die Oberhand 
hattai, scheint er diese belassen zu haben; und zwar werden 
wol zumeist die Städte, welche schon am Anfang des pelo- 
ponnesischen Krieges treu zu Sparta gehalten hatten, diese 
Bevorzugung «fahren haben*). Ohne Gewalttätigkeiten ging 
es l)ei dieser Neuordnung nicht ab ; s« hören wir wie in Thasos 
die athenische Partei ausgerottet wird (Polyain. i 45, 4 vgl. Com. 
Nep. Lys. 2, 2), wie Sestos an Lysandros' angediente Deck- 



1) Diod. XIT 10, 1. 2 vgl. 13, 1. tu deäara Angabe, da« es sich hier 
mn einen Kam neoen Zog de« Ljsandros handelte, nicht xa zweifeln ist. 
In den kurzen Anfentbalt sa Sparift ^t dann die Gesandtschaft der atbe- 
niscben Oligarchen , welche einen Harmusten erbittet, and die Einaetznng 
dewelbeu (Xen. U 3, 13. U Diod. XIV 4, 3. 4 vgl. L^s. Eratosth. (XII) 94 
Aesch. Ges. (II) 77). Vielleicht hat, wie Curtius Gr. Gesch. III* 732 A. 8 
tenauUrt, Ljsandroe sogar den Harmosten seibat eingelBbrl (vgl. PlnLLjs. 
Itt, b Paus. IX H2, 8), nnr würde man diesen vorübergehenden Aufenthalt 
in Athen nicht anf die Knckkehr von Kleinatden and Thrakien, müdem 
aof die AnK&brt ebendorlbin zn verlegen haben. Da« Ljsandroe in 
Thrakien gewnen i«t, steht fest (Sieveis Gesch. Gr. 380) und es bietet sich 
dafflr nach da im Vorausgehenden begrOndeten Folge der Ereignisse keine 
andere Zeit als die der Ordnang des neugewonnenen Reiches durch 
LjsandrOB. Die Nachricht PIntarcbs (Ljs. 10, 1), der die Fahrt nach 
Thrakien numittelbar an die Einsetzung des Eallibioa anknüpft, {p-eift 
hier bestätigend ein. Vgl. S. 31 A. 1. 

2) Diod. XIV 13, 1. Eine solche Oligarchenherrscbaft ist vielleicht in 
B/zantion voraaszusetzen : einen Harmosten erbitten sich die Bürger erst 
a^Ua (Diod. XIV 12, 2 ff. vgl. Xen. Anab. II 6, 2—4 Sievers Gesch. 
Gr- 19 A. 11). Der nach Aigospotamoi von L;gandros eingesetzte Harmoat 
Sthenelaoe (Xen. Hell. II 2, 2) könnte jetzt (Ende 404) , vielleicht aber 
auch ent nacb Ljtandroe' Stnrz, abberufen worden sein vgl. S. 35 A. 
Ueber Chio« vgl. 8. 31 A. 2. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 31 

Offiziere verliehen wird ^), wie man Ghios vergewaltigt *). Auch 
Steuern legte Lysandros auf, die auf einen Gesammtbeitrag von 
1000 Talenten für das Jahr bemessen gewesen sein sollen 
(Diod. XIV 10, 2 vgl. Isokr. Paneg. (IV) 132 Polyb. VI 49, 10). 

Andererseits werden vielleicht auch jetzt gerade viele von 
den bis dahin unerhörten, ja göttlichen Ehren Lysandros 
gestiftet worden sein, von denen uns die Ueberlieferung meldet ®). 

Auch in den kleinasiatischen Städten muss Lysandros 
seine Dekarchien eingesetzt haben, da die Wiederherstellung 
dieser Herrschaften ihn später dazu bestimmt für Agesilaos' 
Zug nach Kleinasien zu wirken (vgl. S. 54). Dadurch brach 

1) Plut. Lys. 14, 1. Auch dieses Ereigniss kann erst jetzt fallen, da 
nach Aigospotamoi Lysandros gar nicht in der Lage war, Steuerleute und 
Offiziere der Rudermannschaft zu entlassen, der Krieg war damals noch 
nicht zu Ende. 

2) Isokr. Fried. ^VIII) 97. 98 vgl. Paneg. (IV) 139. Aristid. 
2. Synom. (XXXIX) S. 500 J. Grote Gesch. Gr. IV« 417 A. 9 glaubt, 
dass Isokrates' Angaben sich auf die Rückführung der verbannten 
Chier durch Kratesippidas im Jahre 408 (Diod. XIII 65, 3. 4) beziehen, 
schwerlich mit Recht, denn Chios ist später noch selbständige Bundes- 
genossin der Lakedaimonier (Xen. II 1, 1 ff.) , auch spricht Isokrates 
hier von Ereignissen (BQearchos' Entsendung gegen Artaxerxes, die Ver- 
gewaltigung Thebens), welche sich auf Bundesgenossen Spartas im pelo- 
ponnesischen Kriege beziehen und nach dem Kriege spielen. Dann ist 
aber der gegenwärtige Zeitpunkt für die Wegnahme der Flotte der Chier 
und die Vertreibung ihrer ersten Bürger weit wahrscheinlicher als die 
Zeit, da Lysandros von Aigospotamoi nach Samos segelte, oder später, als 
er Samos belagerte. Damals entliess noch Lysandros die bundesgenössischen 
Schiffe nach ihrer Heimat (Xen. II 3, 7), damals hat er noch keine end- 
gültigen Anordnungen getroffen und keine Härte gezeigt (vgl. S. 28). 

3) Schon bei seiner Rückkehr nach Sparta im Spätsommer 404 (vgl. o.) 
hatte Lysandros viele goldene Kränze, welche ihm die kleinasiatischen und 
andere Städte bewilligt hatten, mitgebracht (Xen. II 3, 8 vgl. Plut. Lys. 
16, 1). V^ann die ümnennung der Heraia in Samos zu Lysandria, die 
Hymnen des Antimacbos von Kolophon und Nikeratos von Herakleia fallen 
(Duriö b Plut. Lys. 18 vgl. Athen. XV 696 e) ist unbestimmbar. Andere 
Ehren , die eine grössere Zeit der Vorbereitung beanspruchten , wie die 
Aufstellung von Lysandros' und seiner Unterfeldherrn Statuen in Olympia 
durch die Samier, die Errichtung einer Lysandrosstatue im Artemis- 
heiligtum durch die Ephesier (Paus. VI 3, 14. 15), die Weihung von 
Altären (Plut. Lys. 18, 3), werden, wenn auch nicht erst beschlossen, doch 
jetzt erst zur Ausführung gekommen sein. 



32 Zweites Kapitel. 

er tatsächlich den zwischen Sparta und dem Grosskönig ge- 
schlossenen Vertrag (vgl. S. 23 f.), es hat also, da wir in lonien 
von keinem Widerstände und keiner Klage persischerseits hören, 
offenbar eine Verständigung stattgefunden zwischen Lysandros 
[^ und seinem Freunde Kyros, der jetzt schon den Rachezug gegen 
Artaxerxes plante ^). Weiterhin ist für Lysandros freilich gerade 
diese Ausdehnung des spartanischen Reiches verhängnissvoll 
geworden: er hatte nicht gerechnet mit dem Satrapen von 
Daskyleion Pharnabazos. 

Lysandros war mit ihm mittelbar oder unmittelbar in Ver- 
bindung getreten des Alkibiades halber, der eben, wahr- 
scheinlich erst auf die Nachricht von Lysandros' Nahen , seine 
Besitzungen am Hellespont verlassen hatte, um durch Pharna- 
bazos' Satrapie zum Grosskönig zu reisen (Plut. Alk. 37, 3. 4 
Com. Nep. Ale. 9). Die athenische Oligarchenpartei wünschte 
Alkibiades' Beseitigung und fand dafür bei der spartanischen 
Regierung Gehör (Plut. Alk. 38 Corn. Nep. Ale. 10, 1 Isokr. 
Zweigesp. (XVI) 40 lusün. V 8, 12). So fiel denn Alkibiades, den 
Pharnabazos wie es scheint aus einem doppelten Grunde opferte, 
einmal um sich den allmächtigen Lakedaimoniern und seinem 
Oberfeldherm Kyros gefällig zu erweisen, zugleich aber, weil 
der Satrap die Vorbereitungen zu Kyros' Anschlag an den Gross- 
könig selbst zu verraten und den Lohn nicht Alkibiades zu 
überlassen wünschte. Die eigenartige Verquickung der Ver- 
hältnisse gestattete ihm so Widersprechendes zu vereinigen^). 

1) Wahrscheinlich hoffte er damit sich Spartas Beistand zu sichern. — 
Auf eine Erklärung des Kyros , dass er die Städte frei gäbe , deutet viel- 
leicht auch die Behauptung der Gesandten derselben Städte im Jahre 398, 
es stände in der Macht des Tissaphernes (Kyros' Nachfolger) , sie frei zu 
lassen (vgl. S. 48). 

2) Diod. XIV 11, 1—4 .vgl. 22,1 Corn. Nep. Ale. 9. 10 Plut. Alk. 39 
lust. V 8, 14 Athen. XIII 574 e f. Euseb. (Arm. üebers.) z. J. 1611 Abr. 
Die verschiedenen üeberlieferungen für die Gründe von Alkibiades' Er- 
mordung sind übersichtlich zusammengestellt bei P. Krumbholz, de Asiae 
minoris satrapis Persicis. Dias. Leipzig 1883 S. 50 A. Die Angabe des den 
Ereignissen räumlich und zeitlich nahestehenden Ephoros (bei Diodor a. 0.), 
Pharnabazos sei durch die Furcht zu dem Morde bestimmt worden, dass 
Alkibiades dem Grosskönig die Nachricht von Kyros Plänen überbringen und 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des TV. Jahrh. 33 

Mit seinen weiteren Forderungen, die sich jedenfalls auf 
Freigabe der aiolischen Städte bezogen, seheint aber Lysandros 
abgewiesen worden zu sein. Wenigstens ist das der wahr- 
scheinlichste Grund, wegen dessen wir Lysandros inPharnabazos' 
Gebiet plündernd und verwüstend finden. Phamabazos ver- 
zichtete auf eigenen Widerstand wie es scheint, und wandte 
sich mit einer Klage nach Sparta, wo man bis dahin die von 
mehreren der vergewaltigten Städte erhobenen Vorwürfe im- 
berücksichtigt gelassen hatte (Flut. Lys. 19, 4). Die starke 
Partei, welche Lysandros' entgegen war, griff sofort diese Klage 
auf, und es gelang ihr, diesmal dessen Sturz durchzusetzen. 

Die Ephoren richteten ihren Zorn zunächst gegen eines 
von Lysandros' vornehmsten Werkzeugen, gegen den Harmosten 
von Samos, Thorax, der der Unterschlagung angeklagt und 
hingerichtet wurde; danach bekam Lysandros selbst seinen Ab- 
berufimgsbefehl (Flut. a. 0.). 

Lysandros hielt sich damals am Hellespont auf. Er erkannte 
die ihm drohende Gefahr: seine augenblicklich herrschenden 
Gegner waren unversöhnlich, aber Phamabazos, den Urheber 
seines Sturzes, konnte er vielleicht gewinnen. So wandte er sich 
an diesen, um ihn zur Zurücknahme seiner Beschuldigungen zu 
bewegen und damit der Anklage den Boden zu entziehen. Doch 
auch der schlaue Perser liess nicht von seinem Hass : äusserlich 

damit statt Phamabazos, der seinerseits erst durch Älkibiades benachrichtigt 
Artaxerxes schon Mitteilung gemacht hatte, den Lohn davon tragen werde, 
ist sehr beachtenswert und durchaus glaublich; sie schliesst die andere Nach- 
richt, dass Phamabazos den Lakedaimoniem zu Gefallen den Mord habe aus- 
führen lassen, keineswegs aus. Es hat daher wol kaum eines Druckes durch 
Kyros, wie ihn Grote Gesch. Gr. IV" 550 ff. bes. 552 f. und Curtius 
Gr. Gesch. III* 17. 732 f. angenommen haben, bedurft. Phamabazos war 
Lysandros gerade gar nicht wohlgesinnt, schon wegen dessen Freundschaft 
mit Kyros, wie die Aufnahme der unter Lysandros' Mitwirkung ver- 
triebenen Milesier (Diod. XI II 104, 6 vgl. Kmmbholz a. 0. 47 ff.) beweist, 
doch nötigte ihn die herrschende Stellung Spartas sich mit ihm freundlich 
zu stellen. Dass Diodor hier Phamabazos und Tissaphemes verwechselt 
habe (Kmmbholz a. 0. 90 f.) , ist wenig glaublich. — Die von Plutarch 
a. 0. überlieferte Erzählung, Älkibiades sei von zwei Brüdern, deren 
Schwester er verführt, umgebracht worden, mag von Kritias in Athen 
verbreitet worden sein. 

JÜDEICH, Eleinasiatische Stadien. 3 



34 Zweites Kapitel. 

benahm er sich entgegenkommend und zeigte Lysandros das 
gewünschte Entlastungsschreiben, heimlich aber vertauschte 
er dasselbe mit einem anderen Briefe^ der die früher erhobenen 
Vorwürfe in vollem Umfange aufrecht erhielt. Mit diesem traf 
Lysandros Anfang des Jahres 403 in Sparta ein und erfuhr zu 
seinem Schaden die Wahrheit ^). 

Man wagte es nicht an den mächtigen Mann mit einer An- 
klage heranzutreten, aber seine äussere herrschende Stellung hatte 
Lysandros verloren. Das war ihm unerträglich: sein Ehrgeiz und 
Tatendurst lehnte sich gegen den jähen Wechsel auf: er drängte 
fort von Sparta und erbat sich Urlaub für eine angeblich früher 
gelobte Wallfahrt zum Heiligtum des Zeus Ammon nach Libyen. 
Die Ephoren gewährten nach einigem Zögern seine Bitte: sie 
waren am Ende froh auf diese Weise den gefährlichen Gegner 
für einige Zeit los zu werden^). 

Diese Abwesenheit nutzte die Lysandros feindliche Partei 
sofort weiter aus, nicht zum Wohle Spartas, in einer Weise, 
welche recht beschränkt und kleinlich erscheint gegenüber 
Lysandros' gewalttätiger und eigenwilliger aber kräftiger und weit- 
schauender Politik. Hatte man erst den Klagen des Phamabazos 
nachgegeben, so wurden jetzt auch die Klagen der vergewaltigten 
Städte erhört und die Auflösung der von Lysandros eingerich- 

1) Plut. Lys. 20, 1—4 Com. Nep. Lys. (VI) 4 Polyain. VII 19 vgl. 
Aum. 2. Sehr möglich ist es übrigens, dass, wie schon Grote Gr. Gesch. V* 
150 vermutet, in diese Streitigkeiten zwischen Phamabazos und Lysandros 
die Bestrafung des Derkylidas, des Harmosten von Abydos, durch Lysandros 
(Xen. Hell. HI 1, 9 vgl. Anab. V 6, 24) fällt. Letzterer hat wahrscliein- . 
lieh auf jenen die Schuld gewälzt. 

2) Plut. Lys. 20, 5. 6 vgl. 24, 1 Diod. XIV 13 Paus. III 18, 3 Corn. 
Nep. Lys. 3, 1—4. Von dem Ansatz Plutarchs, des einzigen, welcher die 
Lysandros' libysche Reise zeitlich genauer bestimmt, abzuweichen, wie dies 
Grote Gesch. Gr. V* 149 A. 50 u. a. getan haben, sehe ich keinen Grund. 
Wir wissen, dass Lysandros in Sparta war Spätsommer 404 (vgl. S. 28 f.) 
und Sommer 403 (Xen. II 4, 28, nach der Ernte vgl. 25\ In diese Zeit 
fallen Lysandros' Entsendung zur Einrichtung der Dekarchien (Herbst 
404) , seine Abberufung (Anfang 403) und die Reise nach Libyen (Früh- 
jahr 403). Ob Ly Sander mit seiner Reise zum Orakel des Zeus Ammon 
irgendwelche ümsturzpläne verbunden hat, wie sie ihm die Ueberlieferung 
des Ephoros vorwirft, lässt sich nicht feststellen. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jabrh. 35 

teten Dekarchien ausgesprochen^), insbesondere wurde Sestos 
Lysandros' Veteranen genommen und den allen Einwohnern 



1) Plut. Lys. 21, 1 Ages. 6, 1 Xen. Hell. IIJ 4, 2. 7 Com. Nep. Lys. 
3,1 vgl. (Xen.) Ages. 1, 37. Auch hier giebt allein Plutarch (TheopompV) 
wieder einen Anhalt für den Zeitpunkt der Massregel. Gegen diese Zeit ist 
durchaus nichts einzuwenden, sie erhält vielmehr durch die wenigen sonst 
vorhandenen Nachrichten Bestätigung. Erst jetzt beginnt der Streit 
zwischen Kyros und Tissaphemes über die ionischen Städte (vgl. S. 36). 
Auch wird man schwer annehmen können, dass in Lysandros' Anwesenheit 
ein so entschiedener Bruch mit dessen gesammten Plänen hätte durchgesetzt 
werden können; nachdem der Schritt einmal geschehen war, Hess er sich 
vorerst nicht wieder rückgängig machen. Für Lysandros gab es unter diesen 
Verhältnissen zunächst keine Verwendung; so erklärt es sich mit, wes- 
halb wir nach seiner Bückkehr aus Libyen (S.36) längere Zeit nichts von 
ihm hören, aber durch seine Anwesenheit wächst sein Einfluss wieder und 
wirkt auch weiterhin auf die spartanische Politik, namentlich auch 
gegenüber Persien: das beweist die Bolle, welche er bei dem Ver- 
halten Spartas gegen die Dreissig spielt (Xen. 114, 28 ff. Diod. XIV 33, 5 f. 
Plut. Lys. 21, 2 ff. Paus. III 5, 1), das beweist der Process, welcher gegen 
König Pausanias wegen Herstellung der Demokratie angestrengt wird 
(Paus. HI 5,2 vgl. Plut. Lys. 21, 4), das beweist endlich die Unterstützung, 
welche Kyros durch Sparta erhält (vgl. S. 37 f.). Nach alledem sind 
spätere Anätze für die Auflösung der Dekarchien (399. Hertzberg, das 
Leben des Königs Agesilaos II. von Sparta 1856 S. 240 f. A. 46; 397. 
Sievers Gesch. Gr. 22 A. 18) abzuweisen. 

In welcher Weise die Auflösung verfügt worden ist, lässt sich nicht 
angeben. Vielleicht hat man nur die Dekarchien des spartanischen Schutzes 
für verlustig erklärt und die Harmosten abberufen. Dadurch würde sidh 
erklären, weshalb die Dekarchien in verschiedenen Städten gewaltsam 
durch die Bürgerschaft gestürzt worden sind (Plut. Ages. 6, 1 vgl. Xen. 
III 4, 1), Andererseits können sie sich in anderen Städten ganz gut 
noch behauptet haben (vgl. Diod. XIV 36,2: Thibron wirbt Truppen ix xe 
T(oy idltoy xal zcjy äXXtoy noXecDy), Die Aufhebungsmassregel hat sich wah-r 
scheinlich allein oder doch wenigsteuo in erster Linie auf die kleinasiatischen 
Städte erstreckt, auf die Sparta rechtlich keinen Anspruch hatte: vielleicht 
erklärt sich auch die Bitte der Byzantier um einen spartanischen Harmosten 
im Jahre 403/2 eben daraus, dass man den bisher dort angestellten bei 
der Auflösung der Dekarchien zurückberufen hatte (vgl. S. 30 A. 2). 
Die in den Verhandlungen zwischen Tissaphemes und Derkylidas im 
Jahre 399 erwähnten spartanischen Harmosten (Xen. 111 2, 20) sind jeden- 
falls die von Derkylidas wieder eingesetzten (vgl. S 47 f.). Von Dekarchien 
ist dort keine Bede mehr. — lieber die Dekarchien auf den Inseln und 
auf dem griechischen Festlande vgl. Hertzberg a. 0. 

3* 



36 Zweites Kapitel. 

zurückgegeben (Plut. Lys. 14, 1). Sparta erfüllte damit seine 
Verpflichtungen gegenüber dem Pei'serkönig , es erlangte viel- 
leicht hie und da den Ruf der Volksfreundlichkeit, aber es ver- 
zichtete zugleich damit auf eine Seepolitik , wie sie Lysandros 
angebahnt hatte : es beraubte sich selbst der von Lysandros für 
diese Poltitik geschafifenen Stützen. 

Als Lysandros im Frühsommer 403 zurückkehrte (vgl. S. 34 A. 2) 
war schon der verhängnissvolle Schritt getan': er suchte zu retten, 
was unter den obwaltenden Verhältnissen noch zu retten war. 

lonien, das von der Wendung in der spartanischen Politik 
besonders hart betroffen war, gehörte seit lange zu Tissaphemes' 
Satrapie, unter ihm blieb es auch nachdem Kyros sein Karanos- 
amt angetreten hatte (vgl. S. 40 f.), doch in den schwankenden 
Verhältnissen des peloponnesischen Krieges war die persische 
Oberherrschaft selten recht zur Geltung gekommen. Dann hatte 
Lysandros sein Reich geschafifen. Als aber Sparta auf dieses 
Reich Verzicht leistete, da hätte notwendig Tissaphemes' Herr- 
schaft eintreten sollen. Allein die ionischen Städte zogen es vor, 
sich für Kyros, Lysandros' Freund zu erklären; dieser nahm sie 
in seinen Schutz, sandte ihren Tribut an seinen königlichen 
Bruder und erbat sich die Städte für sein Gebiet (Xen. Anab. I 
1, 6—8 Hell. III 1, 3). Lysandros' Einfluss auf beide Teile ist 
in diesen Vorgängen unverkennbar: die Verbindung mit seinen 
kleinasiatischen Freunden hat er nie aufgegeben (vgl. S. 41 f.). 

Die einzige Stadt, welcher der Abfall zu Kyros nicht glückte, 
war dasTissaphernes' Hausprovinz Karlen nahe gelegene Miletos. 
Tissaphernes nahm die Stadt und vertrieb die herrschende 
Partei; sie fand wieder bei Kyros Aufnahme (Xen. Anab. a. 0. 7 
Polyain. Vn 18, 2). Kyros schritt sogar zu ofifenen Feindselig- 
keiten fort und begann im Laufe des Jahres 402 (vgl. u.) die 
Belagerung von Miletos. Eine lakedaimonische Flotte von 25 
Schiffen unter dem Nauarchen Samios stand ihm dabei zur 
Seite (Xen. a. 0. 7. 4, 2 vgl. S. 37 A. 1). 

Diese Kämpfe, die man am persischen Königshofe nicht 
ungern sah, weil der geßlhrliche Thronbewerber Kyros in ihnen 
Beschäftigung fand, waren für Kyros selbst in vieler Beziehung 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 37 

vom höchsten Nutzen: er erwies durch sein Eintreten für die 
lonier Lysandros und damit einer mächtigen Partei in Sparta einen 
Gefallen, er schuf sich selbst Anhang unter den kleinasiatischen 
Griechen und, was für ihn gegenwärtig das wichtigste war, er 
konnte seine grossen Rüstungen für den Rachezug gegen Arta- 
xerxes verdecken. An verschiedenen Orten zugleich liess er seine 
Scharen werben und sammebi, bis mit dem Frühjahr 401 alles 
bereit war (Xen. a. 0. 1, 9—11. 2, 1—3 Diod. XIV 19, 3 Plut. 
Artox. 4, 1. 2 vgl. Clinton F. H. z. J. 401). Auch Sparta hatte 
Kyros um Hülfe angegangen, und diese wurde ihm, vermutlich 
wieder durch Lysandros' Einfluss, auch gewährt: die schon bei 
Miletos mittätige Flotte segelte nach Ephesos und vereinigte sich 
mit Kyros' Schiffen, dazu stiess in Issos der Spartaner Gheiri- 
sophos mit 800 Hopliten, welche eine andere lakedaimonische 
Flotte dorthin gebracht hatte, zu Kyros' Heer^). So betrat 

1) Xen. Hell. III 1, 1 Diod. XIV 19,4. 5. 21, 1. 2 vgl. 11,2 lustin. 
V 11, 6 bezeicbnen übereinstimmend als Nauarchen, der Kyros schon an 
der kleinasiatiscben Westküste erreicht und mit Eyros' Flotte nach Eilikien 
fahrt, Samios. Die lakedaimonische Flotte von 35 Schiffen, auf welcher 
der Nauarch Pythagoras in Issos Eyros' Heer den Cheirisophos mit seinen 
800 (Diod.) bzw. 700 (Xen.) Hopliten zuführt — er soll ausserdem Kyros 
noch einmal des Wohlwollens der spartanischen Regierung versichern — 
muss dann natürlich eine andere sein (Xen. Anab. 1 4,2. 3 Diod. XIV 21, 1. 2). 
Die 25 Schiffe »des Eyrosc , welche Tamos befehligt und mit denen er 
Miletos belagert hat (Xen. a. 0.), sind offenbar dieselben 25, welche unter 
Samios* Befehl stehen : wird doch Samios nicht eigens von Sparta abge- 
sandt, sondern durch Boten angewiesen, sich Eyros zur Verfügung zu 
stellen (Xen. Hell. III 1, 1 vgl. Anab. I 2, 21 Diod. XIV 19, 4). Von 
den 50 persischen Schiffen des Tamos schweigt Xenophon (Anab. a. 0.), 
vielleicht lediglich infolge eines Qedächtnissfehlers. 

Aus dieser in zwei Abschnitten gebotenen Unterstützung, wie aus 
der Instruktion des Cheirisophos geht hervor, was von vornherein 
wahrscheinlich ist, dass man in Sparta über die Politik, welche man 
Eyros und Persien gegenüber einschlagen wollte, keineswegs einig war, 
bis es dann Lysandros und seiner Partei gelang, ihre Meinung zum förm- 
lichen BeschluRs zu erheben: freilich wurde dieser officiell abgeleugnet 
(Diod. 21,2 vgl. u.). — Die von Isokrates mehrfach (namentlich Fried. 
(VIII) 98 Panath. (XII) 104) vertretene Ansicht, dass auch Elearchos auf 
Befehl der spartanischen Regierung sich zu Eyros begeben habe, ist wie 
aus Diodors und Xenophons ausführlicher Darstellung hervorgeht, irrig. 



38 Zweites Kapitel. 

die lakedaimonische Staatsleitui^ von neuem den Weg, auf 
den sie mit der Auflösung der Dekarchien hatte verzichten 
wollen, der hin- und herwogende Kampf der Parteien liess sie 
nicht zu einem entschiedenen, entschlossenen Yoi^ehen kommen; 
sie va'breitete das Gerücht, die Hülfesendung an Eyros sei 
nur von seinen Freunden, d. i. vor allem von Lysandros pri- 
vatim ausgerüstet worden, während in Wahrheit darüber ein 
förmlicher Beschluss. stattgefunden hatte. Man wollte es eben 
mit keiner der beiden Parteien, die sich in Persien gegen- 
überstanden, verderben (lustin. V 11, 7). 

Während Kyros von Issos gegen Babylon weiter zog, 
war Tamos von Memphis, dem Befehlshaber seiner Flotte der 
Küstenschutz und vor allem die Verwaltung loniens und eines 
Teiles der Aiolis übertragen worden, das Binnenland von 
Kyros' Satrapie wurde durch diesem ergebene persische 
Grosse regiert ^). So blieb den ionischen Städten vorläufig ihre 

1) Diod. XIV 19, 6. Krumbholz, de Asiae min. satr. 55 f., hat 
durchaus richtig bemerkt, dass das dem Tissaphemes gehörige, tatsäch- 
lich aber von Kyros verwaltete Küstengebiet einen Teil der südlichen 
Aiolis umschlossen habe. So erscheint Tamos bei Diodor a. 0. als 
enifieXritrig *T<ayiag xai zrjg AioUdog — bei Diodor XIV 35, 3 ist er kurzer 
nur als t^g ^Jtoyiag dtpriyovfjLevog bezeichnet — , so wird bei Xeuophon 
Hell. III 1,10 ^ ^a^yafki^ov AioXig erwähnt. Weniger wird manKrumbholz 
darin zuntimmen können, dass er die Grenze der beiden Aiolien uach 
dem Busen von Adramytteion legt. Aus Xenophon Hell. I 1, 25 ergiebt sich 
allerdings, dass im Jahre 410 Antandros zu Phamabazos' Satrapie gehörte 
und dass das auch noch spater so gewesen ist, wird durch Derkylidas' 
Feldzug in diese Gegenden (vgl. S. 45 f.) wahrscheinlich, aber damit ist 
noch nicht gesagt, dass gerade hier die Grenze liegt. Die Angabe 
Xenophons Anab. Y 6, 24, wo in Pharnabazos' Satrapie Phrygien , Troas 
und Aiolis geschieden werden, widerspricht sogar Krumbholz* Annahme: 
es bleibt bei ihr für die Aiolis so gut wie nichts übrig (vgl. Strab. XII 
581 ff.). Man vrird deshalb bei der Vorliebe des Altertums für Fluss- 
grenzen die Scheide vielmehr in dem Kaikostal vermuten dürfen; so wie 
des Maiandrostel damals lonien und Karien (Xen. Hell. III 2, 14 Diod. 
XIV 36, 3 vgl. Ps. Skyl. 81 Strab. XII 577. 629) und das Hermostal ver- 
mutlich lonien und Aiolis trennt (vgl. Strab. XII 582. 586). Die Feld- 
zuge des Thibron und Derkylidas können diese Vermutung nur bestätigen. 
Thibron vereinigt sich mit den Kyreiern in Pergamon, an der Grenze 
von Tissaphernes* und Pharnabazos' Satrapie (vgl. S. 44); und dieser 
Punkt war von vornherein für die Vereinigung bestimmt, denn die 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 39 

bevorzugte Stellung gewahrt. Anders erging es einem Teil der 
unter Phamabazos' Herrschaft stehenden Griechenstädte. Es 
kann wol kein Zweifel sein, dass gerade in diese Zeit (403 — 400) 
die Eroberungen von Hamaxitos, Larisa, Kolonai durch Mania, 
die Wittwe und Nachfolgerin von Phamabazos' Untersatrapen, 
Zenis von Dardanos fallen (Xen. Hell. III 1, 13 Polyain. VHI 54 
vgl. S. 45). Einige Küstenstädte wie Kalchedon und Chryso- 
polis (Xen. Anab. VI 7, 38. VII 1, 1. 2), Kr^ikos (Xen. Anab. 
VII 2, 5 Hell. III 4, 10) , Parion (Xen. ebd. 7) , Lampsakos, 

Kyreier erwarten Thibron hier, nachdem sie ziemlich schnell bis zur 
Kaikosebene marschiert sind (vgl. ebd.). Polyainos VI 10, wo derUebergabe 
gäbe der feHten Plätze in der Aiolis an Thibron erwähnt wird, kann sich 
jedenfalls nur auf die südlich von Pergamon gelegene Gegend, die Aiolis des 
Tissaphernes, beziehen, vgl. S. 44 A. 2. Damals will man eben Pharna- 
bazos noch möglichst schonen, der Krieg soll nur Tissaphernes gelten 
(vgl. S. 42). Derkylidas rückt allerdings durch »Freundesland« bis zur 
Troas vor (vgl. S. 45), aber die Städte, welche er auf dem Marsche be- 
rühren musste, brauchte er o£fenbar nicht mehr zu »befreien«, wenigstens 
ist uns von dem grössten Teile derselben die Selbständigkeit bezeugt 
(vgl. unten). Atarneus, das Derkylidas nach dem Ablauf des Waffen- 
stillstandes mit Pharnabazos zu belagern beginnt (vgl. S. 47f.), gehört, 
wenn es auch selbständig ist, offenbar der Lage nach zu Pharnabazos* 
Satrapie. Drakon, der dort von Derkylidas eingesetzte Harmost, ver- 
wüstet ohne Zaudern die Kaikosebene (vgl. S. 48), obwol Xenophon 
(Hell. 111 2, 12) ausdrücklich versichert, dass bis zu Derkylidas' Ankunft 
in Ephesos Friede mit Tissaphernes geherrscht hat. Andererseits gehört Kyme 
sicher zu Tissa phernes' Gebiet, wie dessen Angriff auf die Stadt (S. 44) erweist. 
Dadurch, dass die damaligen Grenzen der ionisch-karischen und der 
daskyli tischen Satrapie die alte Scheidung der ionischen und aiolischen 
Städte aufhoben , ist bei den Schriftstellern mancher verzeihliche Irrtum 
entstanden (vgl. Strabo Xlll 582 f.). So gehört eben Kyme offenbar mit zu 
den ^Icjyixai noXeig, welche sich für Kyros erklären (vgl. S. 36), so wird 
Tamos als Statthalter t^s 'layylag bezeichnet (vgl. oben), so unternehmen 
die vertriebenen Chier in Atarneus Plünderuugszüge nach lonien (Xen. 
Hell. III 2, 11), worunter man doch nur das Gebiet südlich des Kaikos 
verstehen kann, u. s. w. lonien kann eben damals alles Küstenland 
zwischen Kaikos und Maiandros, Aiolis alles vom Kaikos nördlich liegende 
Land heissen (vgl. Xen. Hell. III 2, 13). Vielleicht ist auf dieses Schwanken 
des Begriffe» lonien zurückzuführen, dass Pseudo-Skylax ihn für seinen 
Periplus (79 ff.) gar nicht verwendet; er scheidet nur zwischen Aiolis, 
Mysien, Lydien, Karien. Vgl. Th. Lenschau, de rebus Prienensium. Leipz. 
Stud. XII 1890 S. 150 ff. 



40 Zweites Kapitel. 

Ophryneion, Antandros, Adramylteion, Kytonion, Atameus be- 
haupteten zwar ihre Selbständigkeit teils durch ihre eigene 
Macht, teils weil sie an den lakedaimonischen Nauarchen und 
den Harmosten der europäischen Küste einen Rückhalt besassen 
(Xen. Anab. VH 8, 1—8), andere wie Ilion (Xen. Heü. lU, 1, 16), 
Gryneion, Myrina (Xen. ebd. 6) und fast ohne Ausnahme die 
Binnenstädte standen unter dem persischen Joch und waren 
von persischen Soldnertruppen besetzt So hören wir, dass 
Gei^is, Neandreia, Kokylis, Kehren, Skepsis, Teuthrania, Per- 
gamon, Halisama, Gambreion, Parthenion, ApoUonia, Komania, 
Larisa in persischen Händen und zum Teil an eigene 
Dynasten vergeben sind (Xen. Anab. VU 8, 8— 23 HeU. HI 1, 6. 7 
vgl. S. 44). Nur Aigai und Tenmos werden in diesem Gebiet 
als unabhängig genannt (Xen. HeB. IV, 8, 5). Dazu kam an der 
Nordgrenze von Phamabazos' Satrapie das kleine selbständige 
Reich von Sinope mit seinen Kolonien Kotyora, Kerasus, Tra- 
pezus (Xen. Anab. V 5,7. 10. 19. 1, 11. 15. 3, 2. IV 8, 22 Strab. 
Xn 515 f. vgl. J. P. Six Numism. Chron. 1885 S. 21 f.), dessen 
Unabhängigkeit man vermutlich als Gegengewicht gegen die un- 
ruhigen und wol meist ebenfalls unabhängigen Küstenstämme der 
Driler, Mossynoiken, Tibarener, Paphlagonen (Xen. Anab. V 1 — 6 
VI 1) duldete (vgl. Kap. V 1): auch Herakleia am Pontos scheint 
unabhängig gewesen zu sein (Xen. Anab. VI 2, 1—8). 

In diesen Gebieten hat sich durch die EIntscheidungsschlacht 
bei Kunaxa (Spätsommer 401) mid Kyros' Tod schwerlich etwas 
geändert; wie es scheint ist Phamabazos während Kyros' Zug 
ruhig in seiner Satrapie geblieben, um seine Stellung dort zu 
festigen und Spartas Verhalten zu beobachten (vgl. Xen. Hell. IE 
1, 10 — 15). Er behielt auch weiter die daskylitische Satrapie 
und suchte sie auf jede Weise, mit Gewalt und durch Ver- 
handlungen mit den lakedaimonischen Befehlshabern, von den 
ihm unbequemen Heerhaufen der »Zehntausend« zu säubern 
(Xen. Anab. \1 4, 24. 5, 8. VU 1, 2 vgl. S. 42). 

Ganz neue Verhältnisse aber brachte das Scheitern von 
Kyros' Zug für den kleinasiatischen Westen. Tissaphemes, Kyros' 
Todfeind, erhielt zu seinem alten Verwaltung^reis lonien und 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrb. 41 

Karien, das ganze Land, welches Kyros beherrscht hatte: Lydien, 
Phrygien, Kappadokien, und die Würde des Karanos (Xen. 
Hell, m 1, 3. 2, 13 Anab. H 5, 11 Diod. XIV 26, 4. 35, 2 vgl. 
Krumbholz a. 0. 43. 59. 61). 

Tissaphemes war, nachdem er gegen Wintersanfang des 
Jahres 401 die Verfolgung der abziehenden Zehntausend an der 
Grenze des Karduchengebietes aufgegeben hatte (Xen. Anab. 
III 5, 13 vgl. IV 1, 1), sofort in seine Provinz abgegangen, wo 
er spätestens mit dem Beginn des Frühlings 400 eingetroiBTen 
sein wird (Xen. Hell. Hl 1, 3 vgl. Anab. II 4, 8. VII 1, 28 Diod. 
XIV 27, 3. 4). Seine Ankunft vermehrte noch die in Kyros' 
Landen herrschende Bestürzung und Verwirrung ; fast alle Unter- 
statthalter unterwarfen sich sofort, nur Tamos Kyros' Vertrauter 
wagte das nicht, er entfloh mit seinen Kindern und Schätzen 
auf der Flotte , die er befehligte , imd fand in Aegypten ein 
trauriges Ende (Kap. IV 2). Die ionischen Städte, welche nach 
des Königs Willen schon lange unter Tissaphemes' Befehl standen, 
und deren Unterwerfung er mit Recht verlangte, schlössen ihm 
die Thore; sie suchten Hülfe in Sparta (Xen. Hell. III 1, 3 
Diod. XIV 35, 6). 

Hatte die spartanische Regierung auch das von Lysandros 
eingerichtete Reich, soweit es Kleinasien betraf, förmlich fast 
vollständig aufgegeben, so war doch Sparta die griechische 
Vormacht schlechthin geblieben, der man sich in den klein- 
asiatischen Städten willig fügte und von der man alles erhoffte 
(Xen. Hell. HI 1, 5. U 2, 6 Anab. IV 4, 12. VI 6, 9. 12). 
Lysandros' nie ruhender Einfluss trug viel zur Festigung und 
Erhaltimg dieses Verhältnisses bei; er war wol auch an dem 
Widerstand der ionischen Städte gegen Tissaphernes nicht 
unschuldig. Durch das Hülfsgesuch wurde die Regierung ge- 
zwungen sich von neuem zu entscheiden, ob sie auf Kleinasien 
den Verträgen mit dem Perserkönig gemäss verzichten, oder 
ob sie Lysandros' Pläne , mit denen sie erst ganz gebrochen, 
denen sie sich aber unter dem Gewicht von Lysandros' mäch- 
tiger Persönlichkeit durch die Unterstützung von Kyros' Zug 
wieder zugewendet hatte, weiter verfolgen wollte. 



42 Zweites Kapitel. 

Zunächst scheint geringe Neigung vorhanden gewesen zu 
sein gegen Persien aufzutreten, nachdem man mit der Partei- 
nahme für Kyros so wenig Glück gehabt hatte. So erklärt 
sich mit das Zögern des lakedaimonischen Nauarchen Anaxibios 
und des Harmosten von Byzantion Kleandros sich der Kyreier, 
des Restes der heimkehrenden »Zehntausend«, anzunehmen 
(Xen. Anab. V 1, 4. VI 1, 16. 2, 14. 4, 18. 6, 5-37, Vn 1. 2, 1—15). 
Die Rücksichtnahme auf das Verhältniss zu Phamabazos spielt 
dabei eine grosse Rolle (Xen. Anab. VH 1, 2. 2, 4—9. 12—14). 
Da man aber die ionischen Gesandten nicht unverrichteter Sache 
ziehen lassen wollte, wurde an Tissaphemes eine Gesandtschaft 
abgeordnet, weiche ihm jedes gewaltsame Vorgehen gegen die 
Griechenstädte verbot. Hier hatte man freilich in Sparta den 
Einfluss des eigenen Machtwortes doch überschätzt: Tissaphernes 
antwortete mit der Belagerung von Kyme, die er erst mit dem 
Anfang des Winters 400 aufgab (Diod. XIV 36, 6. 7 vgl. S. 43). 

Jetzt konnte man nicht mehr zurück, die Ehre des lake- 
daimonischen Namens verlangte es, dass man mit den Waffen 
durchsetzte, was man mit Verhandlungen nicht hatte erreichen 
können. Man entschied sich für Lysandros' Politik, dessen Ein- 
fluss dadurch sich noch steigerte. Der Vorbehalt, dass der 
Krieg nur gegen Tissaphernes, nicht gegen Persien gerichtet 
sein sollte, war für die Sache selbst von geringer Bedeutung. 

In der zweiten Hälfte des Jahres 400 setzte der Spartiate 
Thibron, dem man die Führung des Krieges übertragen hatte, 
mit 5000 Peloponnesiern und 300 athenischen Reitern von 
Korinthos nach Ephesos über ^). Dort zog er aus den ionischen 



1) Xen. Hell. III 1,4. 5 Diod. XIV 36, 2 vgl. Isokr. Paneg. (IV) 144 
Horpokr. u. Sif^ß^coy, — Thibron hat im Gebiet der ionischen Städte, wahr- 
scheinlich in Ephesos, überwintert, und ist diesen dadurch zur Last gefallen 
(Xen. Hell. III 2, 1 vgl. Diod. XIV 86, 4). Er ist demnach jedenfalls vor Winter 
400/399 eingetroffen — so, richtig, aber ohne Begründung, auch Nicolai, die 
Politik des Tissaphernes Progr. ßernburg 1863 S. 30 — ; wann, läset sich 
genauer nicht angeben, nur fallen höchst wahtscheinlich die bei Diodor 
a. 0. 3. 4 erzählten Ereignisse (vgl. n.) sämmtlich vor das Beziehen der Winter- 
quartiere. Tissaphernes ist wol eben durch Thibrons Streifzüge zur Auf- 
hebung der Belagerung von Kyme (vgl. o.) bestimmt worden. Daraufhin 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 43 

Städten weitere Truppen an sich, so dass er schliesslich 7000 
Mann besass (Xen. Hell ffl 1, 4. 5 Diod. XIV 36, 2). 

Für Thibron konnte es sich, da seine Schar zu schwach 
war, um einen offenen Kampf zu wagen , nur darum handeln, 
Tissaphemes von der Belagerung des arg bedrängten Kyrae 
abzuziehen. So unternahm er einen kecken Streifzug in Tissa- 
phemes' eigenstes Gebiet, nach dem Maiandrostal , das er bei 
Magnesia erreichte. Der offene Ort wurde rasch genommen, 
aber an den Mauern von Tralleis prallte der Angriff ab. Nach 
fruchtloser Belagerung entschloss sich deshalb Thibron zum Rück- 
marsch auf dem Wege, den er gekommen war. Dabei über- 
siedelte er die bis dahin in der Ebene gelegene Stadt Magnesia, 
um sie gegen einen Angriff des Tissaphernes besser zu schützen, 
auf das unmittelbar westlich anstossende Thoraxgebirge. Tissa- 
phemes Hess auch nicht lange auf sich warten ; obwol es Thibron 
nicht gelungen war alles, was er wollte, durchzusetzen, so hatte 
er doch die Hauptsache, Tissaphemes von Kyme wegzulocken, 
erreicht. Sobald dieser mit überlegenen Reiterscharen erschien, 
stellte Thibron seine Plünderungszüge ein und zog sich auf Ephesos 
zurück, wo er wahrscheinlich auch überwintert hat (Diod. XIV 36, 
3. 4 vgl. Xen. Hell. IH 1,5 Isokr. Paneg. (IV) 144 und S. 41 A.l). 

hat Thibron seinerseits Yor Tissaphernes* Reiterei zurückgehen müssen 
und dessen Verwüstungen im Gebiet der ionischen Städte nicht hindern 
können (Xen. Hell. III 2, 1 Diod. XIV 36, 4). Eine Folge wieder davon war, 
dass Thibron, um sein Heer zu verstärken, die Eyreier für sich anwerben 
Hess. Diese hatten sich mitten im Winter, also etwa im Dezember, zu 
dem Thrakerkönig Seuthes begeben (Xen. Anab. VII 2, 12 ff 6,24) und 
mit diesem während zweier Monate einen Winterfeld zug unternommen 
(Xen. Anab. VII 3—5. Winter: 3, 13. 42. 4, 3. 6, 9 Diod. XIV 37, 1—3) 
Kurz vor Ablauf der zwei Monate, also etwa im Februar, treffen Thibrons 
Abgesandte ein und schliessen nach längeren Verhandlungen den Sold- 
vertrag ab (Xen. Anab. VII 6, 1—8, 1). — Dass um dieselbe Zeit, da die 
Kyreier sich zu Seuthes begeben, der lakedaimonische Harmost von 
ßyzantion Aristarchos sich noch um Pharnabazos* Gunst bemüht (Xen. 
Anab. VII 2, 12), kann man nicht als Grund dagegen anführen, dass 
Thibron damals schon in Asien gewesen und der Krieg schon ausge- 
brochen ist (Sievers Gesch. Gr. 381). Die Entsendung Thibrons ist wie 
gesagt nur gegen Tissaphernes gerichtet, um so mehr musste ninn kund- 
geben, dass man mit Pharnabazos Frieden haben wollte. 



44 Zweites Kapitel. 

Um im folgenden Frühjahr kräftiger auftreten zu können, 
Hess Thibron den Rest des kyreischen Heeres, noch bei 6000 
Mann^), für sich anwerben (vgl. S. 43 A.) und rückte wahr- 
scheinlich mit dem Beginn der guten Jahreszeit über das im 
letzten Sommer am meisten gefährdete südaiolische Gebiet ihnen 
entgegen. In Pergamon fand die Vereinigung statt (Xen. Anab. 
VII 8, 24 vgl. Hell. HI 1, 6 Diod. XIV 37, 4). Dort hatten 
sich schon vorher die Kyreier mit vereinzelten persischen 
Abteilungen herumgeschlagen und waren dabei mehrfach von 
den Dynasten der nahegelegenen Städte unterstützt worden (Xen. 
Anab. VII 8, 8—23). Jetzt schlössen sich diese, die Herren von 
Pergamon, Teuthrania, Halisarna vollständig an die Lakedai- 
monier an. Ihnen folgten, als Thibron nach Süden umkehrte, 
die Fürsten von Gambreion und Palaigambreion, von Myrina 
und Gryneion, nur Larisa verweigerte die Aufnahme 2). Thibron 
begann sofort mit der Belagerung des Ortes, vermochte aber 
nichts auszurichten und erhielt deshalb Befehl nach Karien 
abzumarschieren (Xen. a. 0. 7 Diod. XIV 38, 2). Doch kaum 
in Ephesos angelangt, wurde er abberufen; als sein Nach- 
folger war bereits Derkylidas zur Stelle. Die Bundesgenossen, 
denen Thibron im Winter zur Last gelegen hatte, hatten sich 
beklagt, dazu war dann der Misseifolg vor Larisa gekommen, 
und hatte auf die Entscheidungen der Ephoren eingewirkt^). 

1) Xen. Anab. VII 7, 23 vgl. Isokr. Paneg. (IV) 146: nicht lange 
vor der üeberfahrt von Kleinasien nach Byzantion besteht das Heer noch 
aus über 8600 Mann (Xen. Anab. VI. 2, 16). Diodor XIV 37, 1 berechnet 
die Kyreier auf ungefähr 5000 M. : seine Quelle (Ephoros oder schon 
dessen Gewährsmann^ wird nach unten abgerundet haben, wie Xenophon 
nach oben. 

2) Xen. Hell. III 1, 6. 7. Ob die bei Polyainos II 19 erwähnte Ein- 
nahme eines Platzes durch Thibron hierher oder in das vorhergehende 
Jahr gehört, lässt sich nicht feststellen. Auch das Jahr 391 , in dem 
Thibron zum zweiten Male in Asien die Führung übernimmt (vgl. A. 3), ist 
nicht ausgeschlossen. Polyainos VI 10, wo von der Uebergabe fester Plätze 
der Aiolis an Thibron die Red» ist, gehört aber jedenfalls hierher. 

3) Xen. Hell. III 1, 8 vgl. 2, 1. 7 Diod. XIV 38, 2 lust. VI 1, 2. 
Thibron wird in Sparta verurteilt und geht in die Verbannung (Xen. a. 0.). 
Thibrons Parteistellung kennen wir sonst nicht, doch ist es sehr wahr- 
scheinlich, dass bei seinem Sturze Lysandros und seine Freunde mit- 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 45 

Durch Derkylidas, einen Offizier aus Lysandros' Schule, der 
wegen seiner Verschlagenheit berühmt war (Xen. Hell. HI 1, 8 
Ephor. b. Athen. XI 500 c), erhielt der Krieg eine entscheidende 
neue Wendung : er ward aus einem Kriege gegen Tissaphernes, 
wie man ihn bisher peinlich beobachtet hatte, zu einem Kriege 
gegen Persien (vgl. lust. VI 1, 1. 2). Lysandros hatte das, was 
er zunächst wünschte, nach vielen Mühen endlich voll erreicht. 

Derkylidas brach nicht, wie die letzte Weisung der Ephoren 
an Thibron gelautet hatte, in Karien ein, sondern schloss mit 
Tissaphernes einen Waffenstillstand und eilte, obwol der Sommer 
schon weit vorgeschritten war, in das Phamabazos, den er 
zunächst persönlich hasste, gehörige aiolische Gebiet^). 

Dort fand er die günstigsten Verhältnisse: die tatkräftige 
Frau, welche bisher diese Untersatrapie innegehabt hatte, Mania, 
die Gemahlin und Nachfolgerin des Zenis von Dardanos, war 
eben durch ihren Schwiegersohn Meidias ermordet worden, 
einige Städte waren diesem zugefallen, andere warteten Phar- 
nabazos' Befehle ab, der sein Kommen schon angekündigt hatte 
(Xen. Hell, ül 1, 10—15). 

Gerade in dieser Zeit traf Derkylidas vollständig unerwartet 
ein. Seine Boten eilten ihm voraus und verkündigten den Städten 
Freiheit imd Bundesgenossenschaft als Lohn eines Anschlusses 
an Lakedaimon, imd das alte Schlag- und Lockwort verfehlte 
auch jetzt seine Wirkung nicht. Ln Fluge nahm Derkylidas 
von der Troas Besitz : an einem Tage ergaben sich Hamaxitos, 

gewirkt haben. Die Ernennung des Derkylidas als Thibrons Nachfolger 
bestätigt das (vgl. u.). Nach Lysandros* Tode ist Thibron wieder begnadigt 
worden. Wenigstens ist es so gut wie sicher, dass er es ist, der im 
Jahre 391 noch einmal das Commando in Asien erhält (vgl. u. § 2). 

1) Xen. Hell. III 1, 9. 10. Die Zeit von Derkylidas* Einfall in Phar- 
nabazos* Gebiet ergiebt sich daraus, dass D. nach seinen angeblich inner- 
halb acht Tagen errungenen Erfolgen schon an die Winterquartiere denkt. 
Er wird also im Spätsommer 399 eingetroffen sein, da auf die Verhand- 
lungen mit Tissaphernes und auf den Marsch in die Aiolis einige 2^it 
zu rechnen ist. Die Zeitangaben für Thibrons Befehlsführung stimmen 
damit überein : im Frühjahr 399 ist Thibron in Pergamon, er lagert längere 
Zeit vor Larisa, wird mit dem Angriff auf Karien beauftragt und findet 
in Ephesos Derkylidas. 



46 Zweites Kapitel. 

Larisa und Kolonai; Neandreia, Ilion, Kokylis, Arisbe folgten. 
Nur vor Kehren wurde durch die Besatzung, die die üehergabe 
zunächst weigerte, ein kurzer Aufenthalt veranlasst, und selbst 
Gergis und Skepsis, wohin sich Meidias selbst mit seinen 
Schätzen geflüchtet hatte, wurden durch Derkylidas' schlaues 
und rücksichtsloses Vorgehen ohne Verzug genommen ^). 

Phamabazos war während dieser Ereignisse, die innerhalb 
acht Tagen sich abspielten, der Möglichkeit irgendwelchen 
Widerstand zu leisten, vollkommen beraubt worden, auch für 
die nächste Zeit war er darauf nicht vorbereitet und nahm, da 
Derkylidas ihm die Wahl liess zwischen Kampf und Waffen- 
stillstand, den letzteren gern an : zunächst sollten bis zum Früh- 
jahr die Waffen ruhen 2). 

Derkylidas rückte nach Bithynien ab, das zu Pharnabazos' 
Provinz gehörte (vgl. S. 40), aber bei der Wildheit der dort 
wohnenden Thraker nicht eigentlich unterworfen war : Phama- 
bazos sah deshalb einen Streifzug dorthin nicht ungern. Von 
anderer Seite, vom Odrysenkönig Seuthes, wurde Derkylidas 
sogar durch Hülfstruppen unterstützt. Er plünderte weit und 
breit das Land, ohne kräftigere Gegenwehr zu finden : nur eine 
von ihm aufgestellte Lagerwache von 200 Hopliten wurde einmal 
überfallen und niedergemacht (Xen. III 2, 2—5 Diod. XIV 38, 3). 

Darüber verging der Winter. Mit dem Beginn des Früh- 
jahrs 398 begab sich Derkylidas nach Lampsakos, wo bald eine 
Gesandtschaft aus Sparta eintraf, die sich von den Verhältnissen 
in Kleinasien selbst überzeugen sollte und Derkylidas anwies 
noch weiterhin den Befehl zu führen. An der Spitze der 
Gesandtschaft stand Arakos, der schon einmal den Strohmann 



1) Xen. Hell. Ill 1, 16—28 Diod. XIV 38, 2. 3 Polyain. 11 6 vgl. 
Isökr. Paneg. (IV) 144. Isokrates* Angabe, dass Derkylidas nur 1000 
Hopliten gehabt habe, ist insofern nicht ganz unrichtig, als schon Thibron 
und nach ihm Derkylidas tatsächlich nur 1000 lakedaimonische 
Hopliten besass (Diod. 36, 1 vgl. S. 42 A.). 

2) Xen. Hell. III 2, 1. 9 Diod. XIV 38, 3. Diodor giebt den Waffen- 
stillstand auf 8 Monate an ; das ist nicht falsch, nur wurden gleich nach 
einander zwei Waffenstillstände geschlossen, wol zu je 4 Monaten: etwa 
November bis Februar und März bis Juni (vgl. S. 48). 



Hellas und die kleinasiat Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 47 

für Lysandros abgegeben hatte und wol auch hier für Lysandros 
wirkte^): die Truppen wurden für ihre letzten Taten belobt, 
für ihr Verhalten unter Thibrons Führung getadelt. Dann 
reisten die Gesandten ab nach den erst jüngst befreiten Städten 
und wahrscheinlich weiter zum Grosskönig (Xen. III 2, 9 vgl. S. 49 f.). 

Derkylidas konnte mit dem Eindrucke, den die Ephoren von 
seiner Tätigkeit bekommen mussten , zufrieden sein ; ausserdem 
machte er sich eine Andeutung zu nutze, welche ihm die 
Gesandten gegeben hatten. Sie hatten gemeldet, dass die Be- 
wohner der thrakischen Chersones in Sparta um die Sicherung 
ihres Gebietes gegen die räuberischen Thraker gebeten hätten, und 
dass die Regierung damit umgehe einen Feldherm dorthin aus- 
zusenden. Diese leicht zu erringenden Lorbeern dachte Derky- 
lidas, da er einmal so nahe war, für sich zu pflücken. Um 
den Rücken frei zu haben , schloss er einen erneuten Waffen- 
stillstand mitPhamabazos, der wieder, diesmal aber aus anderen 
Gründen, darauf einging (S. 48). Dann setzte er nach der 
Chersones über und baute bis zum Hochsommer die alte Sperr- 
mauer an der engsten Stelle der Halbinsel wieder auf. Der 
allgemeine Dank der Bewohner lohnte ihn dafür; sein Ruhm 
und Ansehen stieg (Xen. ffl 2, 9. 10 Diod. XIV 38, 5—7). 

Unterdessen war der Waflfenstillstand mit Phamabazos ab- 
gelaufen ; Derkylidas brauchte den Frieden nicht mehr und kehrte 
nach der Aiolis zurück. Dort war die einzige grössere Küsten- 
stadt, welche sich noch nicht der lakedaimonischen Befreiung 
gefügt hatte, Atameus, wo sich die von den Lakedaimoniern 
vertriebenen Chier (vgl. S. 31) festgesetzt hatten und einen 
kleinen Plünderungskrieg für sich führten. Diese wurden jetzt 
angegriffen, aber erst nach achtmonatlicher Belagerung im 
Frühjahr 397 gelang es die Stadt zu zwingen (Xen. III 2, 11 

1) Xen. III 2, 6. Dass Arakos die Gesandtschart führte, geht aus 
Xenophon a. 0. 9 hervor; er erscheint Jahrzehnte lang in der ersten 
Reihe simrtanischer Staatsmänner. Wir finden ihn als eponymen Ephoren 
im Jahre 408 (Xen. Hell. II 8, 10), als Nauarchen, der Lysandros, seinem 
Epistoleus, tatsächlich die Führung überlässt, im Jahre 405 (Xen. Hell. 
II 1, 7 Diod. XIII 100. 8 Plut. Lys. 7, 2 vgl. Paus. X 9, 9), als Ge- 
sandten in Athen im Jahre 370 (Xen. Hell. VI 5, 33). 



48 Zweites Kapitel. 

Vgl. Diod. XVI 65, 3. 4). Als Harmost ward an diesem wichtigen 
Punkt der Spartaner Drakon eingesetzt, der seine Besatzungs- 
mannschaft durch Werbungen auf 3000 Maim vermehrte und 
Streifzüge in das obere Kaikostal unternahm; Derkylidas selbst 
kehrte nach Ephesos zurück^). Er erwartete offenbar jetzt im 
Commando abgelöst zu werden; statt dessen erhielt er Befehl 
auch weiterhin am Platze zu bleiben und mit dem Nauarchen 
Pharax gemeinsam gegen Karlen, Tissaphernes' Hausprovinz, 
vorzugehen: dieser sollte zur Freigabe der ionischen Städte 
gezwungen werden, denn Freiheit, so hatten Gesandte von dort 
berichtet, vennöchte Tissaphernes aus eigener Machtvollkommen- 
heit zu gewähren. Daraufhin brach Derkylidas auf, um nach 
einer Pause von anderthalb Jahren die Feindseligkeiten gegen 
Tissaphernes wieder zu eröffnen (Xen. EI 2, 12). 

In Persien war man während dieser Zeit nicht müssig ge- 
wesen: Tissaphernes, der zufrieden war, wenn er nicht weiter 
belästigt wurde und Phamabazos die erlittene Unbill gönnte, 
scheint lediglich eine abwartende Stellung eingenommen zu 
haben, aber Pharnabazos hatte um so tatkräftiger für den 
Kampf gegen Sparta gewirkt in der richtigen Erkenntniss, dass 
Derkylidas' durch nichts gerechtfertigter Ueberfall seiner Satrapie 
einen Krieg gegen den Grosskönig bedeutete und nicht mehr einen 
Krieg allein gegen Tissaphernes. Nachdem der zweite Waffen- 
stillstand mit Derkylidas abgeschlossen war im Frühjahr 398 
(vgl. S. 47), hatte er sich an den Hof begeben, um selbst seine 
Ansicht zu verfechten (Diod. XIV 39, 1. 2 lustin. VI 1, 4—9 
vgl. Oros. III 1, 7). Er fand dort günstigen Boden, denn auch 
von anderer Seite hatte man schon gegen Lakedaimon gewühlt, 
von Kypros aus, wo der Athener Konon nach der Schlacht 
von Aigospotamoi bei seinem Freunde , dem .König Euagoras 
von Salamis Zuflucht gefunden hatte (Kap. III 1). Euagoras 
stand damals nicht gerade in einem freundlichen Verhältnisse 
zum Perserkönig, dennoch entschloss sich Konon persönUch 

1) Xen. a 0. Isokr. Paneg. (IV) 144. Möglich, dass wie Sievers Gesch. 
6r.51 A. 33 meint in diese Zeit die Einnahme vonEisthene (durch Drakon?) 
gehört, das mit 100 Talenten wieder abgekauft wurde (Isokr. Paneg. 153). 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 49 

nach Babylon zu reisen und womöglich Artaxerxes für Athens 
Sache zu gewinnen. Euagoras hatte Konon wieder davon ab- 
gebracht und zunächst bei des Körligs Leibarzt Etesias, mit 
dem er schon von früher her in Beziehung war, deswegen 
angefragt: gleichzeitig waren auch ausser Geschenken für die 
Grosswürdenträger der Tribut des Euagoras an den Grosskönig 
und ein Brief Konons an Ktesias abgesendet worden. Etesias 
trat für Eonons und Euagoras' Wünsche ein und hatte mit 
seiner Fürsprache Erfolg (Etes. Pers. 63 Baehr vgl. Isokr. Phil. 
(V) 63 Euag. (IX) 53 flf.). Auf die günstige Antwort , welche 
die Boten vom Hofe zurückbrachten, schrieb dann Eonon einen 
zweiten Brief an Etesias und einen Brief an Artaxerxes, in dem 
er den Perserkönig zur Ausrüstung einer Flotte gegen die 
Lakedaimonier aufforderte (Etes. a. O. und Frgm. 23 b. Plut. 
Artax. 21). Soweit, scheint es, war die Sache gediehen, als 
Pharnabazos im Sommer 398 eintraf. Um dieselbe Zeit war 
aber auch eine Gesandtschaft aus Sparta am Hofe angelangt 
(Etes. a. 0.), aller Wahrscheinlichkeit nach die gleiche, welche 
Derkylidas mit dem Frühjahrsbeginn in Lampsakos getroffen 
hatte 0. Ueber ihren Zweck sind wir nicht unterrichtet, ver- 
mutlich sollte sie auf dem Wege der Verhandlung die Aner- 
kennung der von Thibron und Derkylidas geschaffenen Ver- 
hältnisse durchsetzen und den kleinasiatischen Städten förmlich 
die Autonomie, d. h. tatsächlich die Unterordnung unter 
Spartas Herrschaft sichern. Auch hier findet unzweifelhaft wieder 
Lysandros' Gedanke der Gründung eines lakedaimonischen See- 
reiches seinen Ausdruck. 



1) Vgl. S. 47. Dass diese Gesandtschaft auch allgemeinere Aufgaben 
hatte als die Derkylidas zu kontrolieren, geht schon aus den Worten 
Xenophons (Hell. III 2, 6) hervor: owoi cf' rjXS-oy iniaxexfjofÄeyoi td xe 
aXXa otkjüs sxoi tä iy. t^ ^Aaia xtX.: diese allgemeineren Aufgaben konnten 
sich nur auf das Verhältniss der ionischen Städte zu Sparta beziehen 
(vgl. Xen. a. 0. 9). Andererseits kann aber auch der Zweck der Gesandt- 
schaft, welche um die Mitte des Jahres 398 (vgl. 8. 50 A. 1) am persischen 
Hofe weilt (Etes. Pers. 63), kaum ein anderer gewesen sein ; wegen dieser 
Städte allein führt man ja den Krieg. Danach ist eine Verschiedenheit 
der beiden eigentlich ausgeschlossen vgl. S. 50 A. 1. 

JUDEICH, Kleiuasiatische Studien. ^ 



50 Zweites Kapitel. 

Dass die Forderungen dieser Gesandten Phamabazos' War- 
nungen unmittelbar bestätigten, mag bei dem Grosskönig den 
Ausschlag gegeben haben,' sich für Konons Pläne zu entscheiden. 
Die Gesandten wurden durch Scheinverhandlungen hingehalten, 
während Ktesias Anfang des Jahres 397^) mit einem Briefe 
des Königs nach Kypros zu Konon reiste. Gleichzeitig oder 
wenig später traf dort auch Pharnabazos ein, um Konon die 
Ernennung zum persischen Nauarchen zu überbringen und 
Rüstungen anzuordnen. Von Kypros verfügte sich Ktesias 
nach seiner Vaterstadt Knidos und weiter nach Sparta. Auch 
dort überreichte er einen Brief des Grosskönigs: die 



1) Diese Zeitbestimmung gilt nur angenähert. Wir wissen einmal, 
dass Pharnabazos im Frühjahr 398 noch in seiner Satrapie weilt, da 
Derkylidas damals noch mit ihm verhandelt (Xen. 111 2,9); wir wissen 
femer, dass Pharnabazos während der Waffenruhe zum Grosskönig sich 
begiebt, womit übereinstimmt, dass Derkylidas bei der Belagerung von 
Atameus (S. 47) von Sommer 398 an in keiner Weise gestört wird; 
wir wissen endlich, dass Pharnabazos und Tissaphernes im Frübsominer 
397 mit Derkylidas in der Maiandrosebene zusammentreffen (vgl. S. 51). 
Demnach fallen zwischen Frühjahr 398 und Frühjahr 397 Pharnabazos' 
Reise zu Hofe, die Verhandlungen dort, das Zusammentreffen mit der 
Gesandtschaft aus Lakedaimon, die Fahrt nach Kypros und die Vereini- 
gung mit Tissaphernes. 

Die Verhandlungen zwischen Euagoras, Konon und Ktesias (S. 48 f.) 
müssen natürlich vor der endgültigen Entscheidung des Perserkönigs 
liegen, fallen also in die Jahre 399 und 398 erste Hälfte. 

Die Gesandtschaft der ionischen Städte, welche die Ephoren Frühling 
397 zu dem Befehl an Derkylidas veranlasst, auf Tissaphernes einen 
Druck zu üben und in Karien einzubrechen (vgl. S. 48), muss Ende 398 
oder Anfang 897 in Sparta eingetroffen sein. Sie belehrte die spartanische 
Regierung darüber, dass Tissaphernes aus eigener Macht den Städten 
Autonomie verleihen könnte. Offenbar war also die Aufgabe der Inkedaimo- 
nischen Gesandten, welche zum Grosskönig abgereist waren, gewesen, diese 
Autonomie durchzusetzen (vgl. Derkylidas* Forderung Xen. 111 2, 19). 
Da sie am Hofe aufgehalten wurden (vgl. S. 52) und nicbt zurückkehrten 
bis Ende 398 bzw. Anfang 397, so ergriffen eben die lonier selbst das 
Wort, um möglichst schnell endlich in sichere und bleibende Verhält- 
nisse zu kommen. — Die Reise des Ktesias nach Sparta schliesslich fällt 
jedenfalls vor Mitte 397, da mit dem Jahr 398/97 Ol. 95, 3 die Persika, 
in denen dieselbe noch erzählt wird, schlössen (Diod. XIV 46, 6) vgl. 
S. 53 A. 1 und P. Krumbholz, de Gtesia Progr. Eisenach 1889 S. 4. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 51 

Lakedaimonier sollten in Sicherheit eingewiegt werden — 
Pharnabazos eilte zu Tissaphernes (Ktes. Pers. 63. 64 und 
Frgm. 23 b. Plut. Art. 21 Diod. XIV 39, 1. 2 vgl. Com. Nep. 
Gonon 2, 2 lust. VI 1, 4—9 Oros. III 1, 7). 

Die beiden Satrapen vereinigten ihre Truppen und zogen 
auf Tissaphernes' Wunsch zunächst nach Karlen, das durch 
Derkylidas jetzt am meisten gefährdet war. Hier wurden in 
die Städte und Burgen ausreichende Besatzungen gelegt, dann 
überschritt man wieder den Maiandros, um auf Ephesos, den 
Hauptwafifenplatz der lakedaimonischen Macht, zu marschieren 
(Xen. III 2, 13. 14 Diod. XIV 39, 4). Die Nachricht davon 
traf Derkylidas bereits in Karlen, wohin er immer an der Küste 
sich haltend, um mit Pharax und seiner Flotte in Verbindung 
zu bleiben, abgerückt war: er beschloss umzukehren und ver- 
ständigte Pharax davon. Als er aber den Maiandros wieder 
erreicht hatte, im Frühsommer 397, stiess er unweit Magnesia 
unvermutet auf den Feind, den er schon im ephesischen Gebiet 
glaubte. Seine Lage war sehr schwierig : er selbst besass nur 
7000 Mann, und davon waren die Hülfstruppen der ionischen 
Städte, aus Priene, Achilleion u. a., ganz unzuverlässig: viele 
flohen schon jetzt: ihm gegenüber standen an persischen Truppen 
20000 Mann zu Fuss und 10000 Reiter. Da boten wider Er- 
warten die Perser einen Waffenstillstand, auf den Derkylidas 
scheinbar wider Willen, in Wirklichkeit mit Freuden einging. 
Das griechische Heer nahm Stellung bei Magnesia, die Strasse 
nach Ephesos sperrend, das persische ging auf Tralleis zurück. 
Am folgenden Tage kamen die Führer zusammen : Tissaphernes 
und Pharnabazos verlangten Abzug der lakedaimonischen 
Truppen und Entfernung der lakedaimonischen Harmosten aus 
den Städten, Derkylidas forderte Autonomie der ionischen 
Städte. Da keiner der beiden Teile zum endgültigen Abschluss 
bevollmächtigt war, so einigte man sich dahin Waffenruhe ein- 
treten zu lassen, bis die beiderseitigen Regierungen über die 
Forderungen verständigt wären '). 

1) Xen. III 2, 14-20 Diod. XIV 89, 5. 6. Die Zeit der Ereignis*ff6 
(Fruhsommer 397) wird durch Xenoi»hon a 0. 17 xal ya^ r^y ßaS-vg o alrog tV 

-1* 



52 Zweites Kapitel. 

Von persischer Seite war die Anknüpfung von Unterhand- 
lungen, wie diese Waffenruhe nur ein Spiel, um die Spartaner 
auch in Asien selbst möglichst sicher zu machen ; zudem sollte 
die Flottenrüstung Konons, von der man die Entscheidung er- 
hoffte, ungestört bleiben. So findet das scheinbar unbegreifliche 
Verhalten der persischen Feldherrn seine Erklärung. 

Konon hatte, nachdem ihm die Nauarchie übertragen war, 
zunächst in Kypros die vorhandenen Schiffe zusammengebracht, 
lebhaft unterstützt durch seinen Freund Euagoras von Salamis 
(Diod. XIV 39, 4 Isokr. Euag. (IX) 55. 56. 67. 68 Paus. 1 3, 2 
ülp. z. Dem. Lept. (XX) 68). Dann war er nach Kilikien ge- 
fahren, dem alten Mittelpunkt persischer Seerüstungen, ohne 
dass jemand seine Absichten durchschaut hatte. Auch die 
lakedaimonischen Gesandten, welche auf der Rückkehr vom 
persischen Hofe diese Gebiete berührten, scheinen die Kriegs- 
vorbereitungen nicht bemerkt zu haben. Sie strengten zwar in 
Rhodos, dem Hauptquartier der lakedaimonischen Seemacht, 
gegen Ktesias, den sie offenbar für ihre ergebnisslose Fest- 



t(o MaidvSqov nedlcj bestimmt, die Oertlichkeit durch die Erwähnung der 
Städte Leukophrys (Magnesia) und Tralleis, die beide in einem Tage von 
dem Punkte des ersten Zusammentreffens erreichbar sind (Xen. a. 0. 19). 
Danach haben wir uns folgendes Bild von den Begebenheiten zu machen. 
Derkylidas kommt aus Earien, und da er, um Pharax nahe zu bleiben, 
auch von der Küste sich nicht zu weit entfernen konnte, hut er jeden- 
falls die alte Strasse über Euromos, Herakleia am Latmos (vgl. Ath. 
Mitth. XII «345) eingeschlagen. Von der Maiandrosebene führte dann 
ebenfalls nur eine grössere Strasse in das ephesische Gebiet, über Magnesia 
und durch das Lethaiostal — die Felspfade über den Mykale von Priene aus 
(heute von Kelebesch und Tomatia) sind für Heere nicht benutzbar — 
vgl. auch Rayet und Thomas, Milet et le golfe Latmique Paris 1877 ff. 
S. 117 ff. Diese Strasse wurde an dem strategisch wichtigsten Punkte 
eben bei Magnesia durch die Perser gesperrt, und Derkylidas, der zu 
schwach war, um durchzubrechen und durch die Flotte keine Unter- 
stützung erhalten konnte, sah sich mit Notwendigkeit zu dem Waffen- 
stillstand, den man auf persischer Seite wünschte, gezwungen. 

Auf die Nachrichten ; welche dem griechischen Heere überbracht 
wurden, dass Pharnabazos den Kampf, Tissaphernes den Frieden gewollt 
habe (Xen. a. 0. 18), ist kaum etwas zu geben. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 53 

haltung an Artaxerxes' Hofe verantwortlich machten, einen 
Prozess an , doch wurde Ktesias freigesprochen '). 

In Sparta hatte sich während dieser Zeit ein Regierungs- 
wechsel vollzogen. Für den im Jahre 398 verstorbenen König 
Agis war durch Lysandros' kräftiges Eintreten dessen Bruder 
Agesilaos zum Nachfolger gewählt worden (vgl. Kap. IV An- 
hang I). Lysandros hatte so eine feste Stütze in der Regierung 
und damit den entscheidenden Einfluss gewonnen, der sich so- 
fort in der Politik gegenüber Kleinasien geltend machte*). 

Im Inneren waren Spartas Verhältnisse keineswegs befrie- 
digend, es gährte überall: als Agesilaos kaum ein Jahr im 
Amte war, wurde eine grosse Verschwörung gegen den bevor- 
rechteten reichen Adel entdeckt und im Entstehen unterdrückt '). 
Dann lenkte sich die Aufmerksamkeit wieder nach aussen. 

Noch im Laufe des Jahres 397 kam nämlich durch einen 
syrakusischen Kaufmann, der in Phoinikien gewesen war, nach 
Sparta die Nachricht von grossen persischen Flottenrüstungen 
in den phoinikischen Häfen*). Wem diese galten, darüber 
konnte kein Zweifel sein ; aus dem bis dahin ohne Kriegserklärung 



1) Kies. Pers. 64. Die Auifassung von Sievers Gesch. Gr. 75 A. 6, 
dass Ktesias wegen des Bekanntwerdens der persischen Rüstungen zu 
Rhodos in einen Prozess verwickelt und freigesprochen worden sei, ist 
durch nichts gefordert; wahrscheinlicher ist die oben angeführte Ursache 
des Prozesses. Keinesfalls darf man deshalb die Angabe Diodors über das 
Endjahr von Ktesias' Persika (398,97 Ol. 95, 3) für unglaubwürdig er- 
klären vgl. S. 64 A. Näheres über den Prozess ist nicht bekannt. 

2) Vgl. S. 48. Man ist versucht schon die Absendung der Gesandtschaft, 
welche im Frühjahr 898 Derkylidas in Lampsakos trifft (vgl. S. 47. 49) auf 
den gewaltigen Machtzuwachs, den Lysandros mit Agesilaos' Thronbestei- 
gung empfängt, zu beziehen, doch müsste man für diese Annahme die 
Ereignisse seit dem Frieden Spartas mit Elis zu sehr zusammendrängen 
(vgl. Kap. IV Anhg. I Anm.). 

8) Xen. III 3, 4—11 Polyaen. II 14 vgl. Grote Gesch. Gr. V« 180 ff. 
Nicht unmöglich ist es, dass auch hier Lysandros seine Hand im Spiele hatte. 

4) Xen. III 4, 1 Plut. Ages. 6, 1 Com. Nep. Ages. 2, 1. Hierher 
gehört, wie J. P. Six vermutet, eine in Gaza oder Ake geprägte Münze 
(Numism. Chron. 1877 S. 227 Nr. 32), welche auf der Vorderseite den 
Kopf der Anat, auf der Rückseite den Doppelkopf des Artaxerxes II 
und der Pallas Athene mit attischem Helme trägt. 



54 Zweites Kapitel. 

geführten Kriege Spartas gegen Persien musste jetzt ein form- 
licher, erklärter werden. — Lysandros jubelte und bemächtigte 
sich sofort der allgemeinen Kriegsbewegung: sein Lieblings- 
wunsch, die Schöpfung eines kleinasiatischen Reiches, die 
Wiederherstellung der Dekarchien, schien jetzt der Erfüllung 
näher denn je, er selbst dachte sie zu vollenden. Deshalb wies 
er seine Freunde in den ionischen Städten an Agesilaos, den 
König seiner Wahl, als Feldherrn gegen den drohenden persischen 
Angrifif zu verlangen. Das geschah, und es geschah noch mehr : 
Agesilaos ward zum Führer der nach lonien abgeordneten Macht, 
die man auf 2000 Neodamoden und 6000 Peloponnesier bestimmte, 
Lysandros in den aus dreissig Spartiaten bestehenden Kriegsrat 
des Königs gewählt (Xen. III 4, 2. 3. 8 Ps. Xen. Ages. 1, 6—8 
Diod. XIV 79, 1 Plut. Lys. 23, 1-3 Ages. 6, 1-3 lustin. VI 
2, 3—8 Paus. UI 9, 1 vgl. Isokr. Phil. (V) 87). 

Während man noch für den Feldzug rüstete, erhielt der 
Nauarch in Rhodos, Pharax, wie Derkylidas ein Freund und 
Offizier des Lysandros (Paus. VI 3, 15 vgl. Bull. d. corr. hell. 
VI 153), den Auftrag, die persischen Rüstungen nach Kräften 
zu hindern. Konon, der Dank der persischen Langsamkeit und 
UnZuverlässigkeit noch immer nicht mehr besass als die 40 
Trieren, die er von Kypros mit nach Kilikien gebracht hatte, 
war genötigt so gut er konnte der lakedaimonischen Flotte zu 
begegnen. Es entspinnt sich so der Seekrieg, der als »der Krieg 
um Rhodos« (o noXefjLoc 6 nfgt 'Poöor) bezeichnet wird, und 
der erst mit der Schlacht von Knidos schliesst ^). 

1) isokr. Paneg. (IV) 142 vgl. Euag. (IX) 64. So sind Isokrates' oft 
angefochtene Worte (Sievers A. 9 u. a.) zu verstehen. Die »drei Jahre, 
während deren der Grosskönig sich nicht um seine Flotte bekümmert 
hat«, sind auf den ganzen Seekrieg an den rhodischen Küsten, nicht auf 
die Belagerung von Kaunos (seit Mitte 396), die nur eine Episode in 
diesem Kriege darstellt, zu beziehen (vgl. S. 62). Dass als Endpunkt 
dieser drei Jahre die Schlacht von Knidos (Anfang August 394) anzusetzen 
ist, findet sich in Isokrates' Worten deutlich ausgesprochen: man darf 
deshalb nicht, wie Beloch Kh. Mus. XXXIV 1679 S. 124 f., den AbfaU 
und die Einnahme von Rhodos durch Konon (vgl. S. 64) als Ende annehmen, 
ganz abgesehen davon, dass auch das dadurch gefordert« Anfangsjahr 398 
lür Konons Nauarchie wie für eine Belagerung von Kaunos unmöglich ist 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 55 

Auch der Landkrieg wurde bald kräftig in Angriff ge- 
nommen. Mit dem ersten Frühjahr 396 setzte Agesilaos von 
Geraistos nach Ephesos über^). Doch kam es zunächst zu 

(vgl. S. 50. 62). Vielmehr wird durch den angegebenen Endpunkt als 
Anfangsjahr das Jahr 397 verlangt und dadurch wieder die Annahme, dass 
der Seekrieg vor dem Landkrieg begonnen hat. Isokrates nimmt hier, 
wo er die andauernde Läsaigkeit des Perserkönigs schildern wiU, den 
Mund etwas voll und rechnet dreiviertel Jahr etwa als ein ganzes, aber 
plump lügen konnte er bei Ereignissen, die noch in aller Gedächtniss 
waren, nicht; das ist auch sonst nicht seine Art. Die oben (S. 50) gegebene 
Bestimmung für das Bekanntwerden der persischen Rüstungen in Sparta 
wird dadurch bestätisrt. 

Rhodos ist Mitte 397 einer der Hauptstützpunkte der lakedaimonischen 
Macht in Asirn (Ktes. Pers. 64), auch weiterhin die Flottenstation (Diod. 
XIV 79,4.5). Wie werden also, wie schon oben (S. 5i) ausgeführt ist, an- 
zunehmen haben , dass Pharax von hier aus, im Herbst 397 etwa, gegen 
Konon vorging, mehr um dessen Rüstungen zu stören, als um irgend- 
welchen Zusammenstoss herbeizuführen ; ein solcher scheint ja auch nicht 
stattgefunden zu haben. Die bereits von Sievers 39 A . 68 angeregte, von 
Bei och a. 0. ausgesprochene Vermutung, dass der in Kleinasien befehligende 
Nauarch Pharax mit dem um dieselbe Zeit in Syrakus für Dionysios 
tätigen Flottenführer Pharakidas (Diod. XIII 63, 4 vgl. Polyain. II 11 
Theop. b. Athen. XII 536c Plut. Timol 11,4) gleichzusetzen sei, ist selbst 
in dem Falle, dass wirklich Namengleichheit vorhanden wäre, die an den 
Hauptstellen (Diod. und Polyain.) fehlt, mindestens unwahrscheinlich. 
Dieser Pharakidas bzw. Pharax erscheint nicht als Führer einer von 
Sparta gesendeten Flotte, sondern als Privatmann, der nur für die Führung 
einer für Dionysios bestimmten Hülfsflotte gewonnen worden ist. Selbst 
wenn er spartanischer Beamter wäre, müsste man, um ihn mit dem ersten 
Pharax gleichzusetzen, die Einheit des lakedaimonischen Nauarchats vor- 
aussetzen, die doch sehr zweifelhaft ist (vgl. d. Anhang.). 

1) Xen. III 4, 3. 4. 7 Diod. XIV 79, 1 Plut. Ages. 6, 3-7, 1 Paus. 
III 9, 3 Corn. Nep. Ages. 2, 1. 2. Ganz scharf lässt sich der Zeitpunkt 
der Ankunft in Ephesos nicht bestimmen, nur müssen wir ihn möglichst 
nahe an den natürlichen Jahresanfang hinanrücken, da abgesehen von 
der Zeit, die auf die Ueberfahrt und den ersten Aufenthalt in Ephesos zu 
rechnen ist, vor der Eröffnung der Feindseligkeiten noch ein dreimonat- 
licher Waffenstillstand liegt, und Agesilaos nach einem Plünderungszug 
bis in die Nähe von Daskyleion schon im Herbst {vno ro (pS-iyojKOQov) 
wieder in Ephesos eintrifft (vgl. S. 58). Auf die Ankunft im ersten Früh- 
jahre deutet auch Xenophon III 4,20 IV 1,41 (vgl. S. 59). Die Angabe, 
dass Agesilaos gerade für sechs Monate Getreide auf den Feldzug mit- 
bekommt (Xen. TU 4,3), läsat sich leider nicht für die Zeit des Aufbruches 
verwerten. 



56 Zweites Kapitel. 

keinem Zusammenstoss , da Tissaphemes sofort nach Ankunft 
des spartanischen Heeres eine Verlängerung des früher abge- 
schlossenen Waffenstillstandes um drei Monate erbat, angeblich, 
um den Grosskönig wegen der durch Agesilaos von neuem 
gestellten Forderung der Autonomie der Griechenstädte zu 
befragen, tatsächlich, um die eigenen Rüstungen inzwischen 
zu vervollständigen. 

Der Vorwand war nicht schwer zu durchschauen, doch 
ging Agesilaos gern auf die W^afifenruhe ein, er brauchte selbst 
noch Zeit sich vorzubereiten und sein Heer zu organisieren 
(Xen. III 4, 5. 6. 11 Ps. Xen. Ages. 1, 10—12 Diod XIV 79, 2 
Piut. Ages. 9, 1 Com. Nep. Ages. 2, 3—5 Polyain. II 1, 8). 
Auch in den Städten, von denen manche seit der Auhebung 
von Lysandros' Dekarchien vielfach noch nicht wieder zu geord- 
neten Verhältnissen gelangt waren, galt es allerlei zu regeln. 
Lysandros, dessen Beliebtheit bei seiner Partei in Asien nicht 
geschwunden war, war die Persönlichkeit, an die man sich 
zuerst mit bestimmten Wünschen zu wenden pflegte: er 
empfahl die Bittsteller weiter an Agesilaos, der dann meist 
ihren Wünschne willfahrte. Das Ansehen und der Einfluss 
des bedeutenden Mannes wuchsen dadurch stetig, weit 
über seine Genossen, über den König hinaus. Aber gerade 
das wurde der Grund zu seinem erneuten Sturz, eben da 
Lysandros wieder seinem Ziele nahe zu sein glaubte. Die 
übrigen Spartiaten, welche in Agesilaos' Gefolge waren, 
hetzten den König auf, vor allen aber regte sich bei diesem 
selbst der lange mühsam verhaltene Ehrgeiz. Lysandros hatte 
Agesilaos zum König gemacht, er war schon längst mit ihm 
befreundet gewesen, aber er hatte sich geirrt, wenn er in 
ihm ein williges Werkzeug zu finden hoffte. In der plumpen 
und taktlosen Weise, die Agesilaos zeit seines Lebens eigen 
gewesen ist, liess er den früheren Freund und Beschützer seine 
Unzufriedenheit und seine Macht fühlen: es wies Lysandros' 
Parteigenossen geflissentlich mit ihren Bitten ab, bis dieser ihn 
zur Rede setzte und den Grund erfuhr. Lysandros' Stellung ver- 
letzte den strengen spartanischen Soldatenbegriff und er sah 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 57 

dies vielleicht ein, dennoch muss das Benehmen des Königs bei 
ihm einen tiefen Groll hinterlassen haben. Er hat auch den 
Gedanken einmal mit Agesilaos abzurechnen gewiss nicht auf- 
gegeben, aber zunächst opfert er sich selbst, um sein Lebens- 
werk zu retten, sein Verhalten ist ruhig, würdig und klug: er 
bittet ihm , der hier nur im Wege sei , weitere Demütigungen 
zu ersparen und ihn an anderer Stelle zu verwenden. Darauf 
geht Agesilaos ein und schiebt ihn nach dem Hellespont ^). 

Lysandros begann in seinem neuen Wirkungskreise mit 
einem grossen Erfolg: es gelang ihm den Perser Spithridates, 
der sich mit seinem Satrapen Phamabazos überworfen hatte, 
zum Abfall zu verleiten und mit seinen Kindern und Schützen 
in das lakedaimonische Herrschaftsgebiet nach Kyzikos zu 
bringen. Spithridates und dessen Sohn führte er Agesilaos 
selbst zu, der durch sie wichtige Aufschlüsse über die Zustände 
in Pharnabazos' Land erhielt (Xen. III 4, 10 Ps. Xen. Ages. 3, 3 
vgl. Plut. Ages. 8, 3 Lys. 24, t). 

Unterdessen war der Waffenstillstand mit Tissaphernes ab- 
gelaufen: dieser erklärte jetzt selbst den Krieg (Xen. III 4, 11 
vgl. Plut. Ages. 9, 1 apophth. Lac. Ages. 1 Ps. Xen. Ages. 1, 13 
Polain. II 1, 8). Agesilaos musste darauf vorbereitet sein, wenn- 
gleich seine Rüstungen noch keineswegs zu Ende waren, und 
traf Anstalten zum Einfall in Karlen. Nach Karien warf 
deshalb Tissaphernes seine Hauptmacht, seine Reiter durch- 
streiften die Maiandrosebene (Xen. III 4, 12 vgl. Ps. Xen. 
Ages. 1, 15 Plut. Ages. 9, 1. 2 Gorn. Nep. Ages. 3, 1). 
Hier war ein Angriff für das griechische Heer mit seiner 
schwachen Reiterei ziemlich aussichtslos, und Agesilaos musste, 
wenn er hier den Einbruch geplant hatte, darauf verzichten: 
vielleicht hatte er aber wirklich das Gerücht geflissentlich ver- 
breiten lassen , um Tissaphernes zu täuschen % Jedenfalls fiel 

1) Xen. 1114,7— 9 vgl. Plut. Ages. 7. 8 Lys. 23 Aristot. pol. 1306 b. 
Die Berichte Plutarchs und Pseudo - Xenophons Agesilaos, welche in der 
Hauptsache auf die Hellenika zurückgehen, führe ich auch weiterhin der 
Vollständigkeit wegen an, werde dieselben aber in der Regel mit einem 
»vgl.« einleiten. 

2) Der einzige nicht unparteiische Bericht, der Xenophons, lässt dar- 
über keine Entscheidung zu. 



58 Zweites Kapitel. 

er jetzt verwüstend in die Kaystrosebeue ein und folgte dann 
der Strasse, welche nordwärts zum Golf von Smyrna und weiter 
auf Kyme führt (Diod. XIV 79, 3). Nur Phokaia scheint in 
dieser Gegend eine Zeit lang Widerstand geleistet zu haben, ist 
aber später doch überwältigt worden ^). Von Kyme rückte 
Agesilaos, überall aus den Städten Verstärkungen an sich ziehend, 
nach dem hellespontischen Phrygien , weit und breit das Land 
plündernd und verwüstend, bis in die Nähe von Pharnabazos' 
Hauptstadt Daskyleion. Dort wurde endlich durch Pharnabazos' 
Reiter seinem Vordringen Halt geboten. Die griechischen Reiter 
unterlagen schmählich und wurden nur durch das Eingreifen 
der Hopliten gerettet. Da schützte Agesilaos ungunstige Opfer 
vor und kehrte gegen den Herbst hin nach Ephesos zurück'^). 

1) Polyain.ll 1, 16 Front, strat. III 11, 2. Die hier erwähnte Belagerung 
Phokaias kann nur in diese Zeit fallen, da im folgenden Jahr, als Agesilaos 
wieder in diese Gegend kommt, die Satrapie von Sardes, der Phokaia 
zugehört, dem Vertrage mit Tithraustes gemäss geschont wird (vgl. S. 6S ff.). 

2) Xen. Hl \, 12—15 Diod. XIV 79, 3 vgl. Ps. Xen. Ages. l 16. 23 
Plut. Ages. 9, 2. 3. apophth. reg. et imp. Ages. 4 Corn. Nep. Ages. 
3,2. Hierher gehört auch Polyainos II 1, 30 vgl. Frontinus I 4, 2: 
Agesilaos schützt sich auf dem Rückzug aus Phrygien vor den nach- 
dringenden Barbaren, indem er ihnen die Gefangenen entgegenstellt. Die 
Stärke von Agesilaos' Heer lässt sich nicht genau bestimmen. Die 
Feldarmee berechnet Diodor (XIV 79, l. 2) auf lOOOO Mann Fussvolk 
(6000 Peloponnesier und 4000 Kleinasiaten) und 400 Reiter nebst zahl- 
reichem Tross, und wir haben keinen Grund an dieser Angabe zu zweifeln. 
Zu diesen Truppen muss aber noch eine beträchtliche Anzahl anderer hin- 
zukommen, wenn wir die Heere des Thibron und Derkylidas mit in Rechnung 
ziehen, von deren Auflösung uns nichts berichtet wird (vgl. u.). Thibron 
setzte über mit 1000 Neodamoden, 400« ) Peloponnesiern und 300 athenischen 
Reitern und besass bei seinem Ausmarsche von Ephesos mit den in Klein- 
asien geworbenen Leuten über 7« »00 Mann (Diod. XIV 36, 1. 2 Xen. Hell. 
III 1,5). Dann stossen zu ihm gegen 6000 Kyreier (vgl. S. 44), so dass er 
im t Ganzen etwa 12000 Mann hatte. Dieses Heer übernahm Derkylidas; 
als er aber im Frühaommer Tissaphernes entgegentrat, zählten seine Feld- 
truppen nur 7(tOO Mann (Diod. XIV 39, 5). Es ist deshalb der Rest, ab- 
gesehen von den Verlusten, wol zu Besatzungen wie der des Drakon in 
Atarneus (S. 48) verwendet worden. Da Agesilaos wieder Derkylidas' Heer 
übernimmt, wenigstens die Kyreier (Isokr. Paneg. (IV) 144 Xen. Hell, lll 
4,20 Anab. V 3, 6 Ps. Xen. Ages. 2, 11 Harpokr. u. 'AyriaiXcwg)^ so werden 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 59 

Der Winter verging mit erneuten Rüstungen, namentlich 
suchte Agesilaos sich eine einigermassen ausreichende Reiterei 
zu schaffen und den kriegerischen Mut, die Tüchtigkeit und 
Uebung besonders der kleinasiatischen Hülfstruppen zu heben 
(Xen. m 4, 15—19 vgl. Ps. Xen. Ages. 1, 24—28 Polyain. II 
1, 7 Front, strat. I, 11, 17 Flut. Ages. 9 apophth. Lac. Ages. 
12. 13 Athen. XU 550c). Im Frühjahr 395, nach Ablauf des 
ersten Jahres von Agesilaos' Befehlsführung, traf dann der neue 
Kriegsrat von Sparta ein, die Mitglieder des alten, darunter 
Lysandros, der untätig die ganze Zeit den Ereignissen hatte zu- 
schauen müssen, kehrten nach Hause zurück (Xen. III 4, 20 
Plut. Ages. 24, 2). 

Agesilaos verteilte die verschiedenen Commandos neu, dann 
wandte er sich auf dem Wege, den er schon das letzte Jahr 
eingeschlagen hatte, in die Kaystrosebene und nordwärts auf 
den Golf von Smyrna zu. Diesmal kam er aber nicht so un- 
gehindert vorwärts; Tissaphernes hatte sich nicht auf eine 
Verteidigungsstellung beschränkt, sondern folgte mit seinen 
gewaltigen Truppenmassen dem kleinen griechischen Heere, es 
fortdauernd beunruhigend und einzelne Plünderer abfangend. 
Agesilaos war schliesslich genötigt in der geschlossensten 
Ordnung zu marschieren, bis er die schützenden Berge erreicht 
hatte. An den Abhängen des Sipylos machte er Halt, richtete 
sich zur Verteidigung ein und sperrte die beiden einzigen schmalen 
Zugänge, welche von dieser Gegend am Ost- und Westfusse 
des Sipylosgebirges vorüber in die Hermosebene führen. Tissa- 
phernes' Plan Agesilaos auf jeden Fall von einem Einbruch in 
dieses Gebiet, das Herz seiner Satrapie, zurückzuhalten, war 
damit vollkommen vereitelt. Da er einen Durchbruch nicht 
für möglich halten mochte und ein langes tatenloses Gegen- 
überstehen zwecklos und für die Ernährung seines riesigen 
Heeres sehr bedenklich war, so scheint Tissaphernes zurück- 
gegangen zu sein in der ganz richtigen Absicht den nächsten 

auch die etwa 7000 Mann, um die uns danach Diodors (Ephoros') Angabe 
des Heeres zu klein erscheint, als Besatzungstruppen, namentlich für 
Ephesos, das Agesilaos ganz sich selbst überliess, hinzuzurechnen sein. 



60 Zweites Kapitel. 

bequemen Zugang zum Hennostal zu benutzen und über 
den Tmolos, dann durch das Paktolostal nach Sardes zu rücken. 
Er konnte so entweder Agesilaos in den Rücken kommen, 
oder falls es dafür zu spät war, die eigene Hauptstadt decken 
und durch Sperrung des von ihm selbst benutzten Zugangs 
einen Einfall in die obere Kaystrosebene verhüten. 

Doch auf diesen Abmarsch hatte Agesilaos nur gewartet; 
sobald er desselben sicher war, brach er plündernd und ver- 
wüstend in die blühende Ebene des Hermos ein. Drei Tage 
hatte man sich ungehindert der Plünderung in der Richtung 
auf Sardes hingeben können , am vierten überschritt man den 
Paktolos ; die feindliche Hauptstadt war erreicht. Da erschienen 
gerade noch zur rechten Zeit, um sie zu retten, die Reiter, 
welche den Vortrab von Tissaphernes' Heer bildeten. Sofort 
entspann sich ein Gefecht, in dem die griechische Reiterei durch 
ihre Hopliten unterstützt über die lediglich aus Reitern be- 
stehenden Pei^ser siegte. Aber Agesilaos sah doch ein, dass 
der Weg in die obere Kaystrosebene, auf dem er offenbar 
nach Ephesos zurückkehren wollte, nicht mehr frei sei; Tissa- 
phernes hatte hier mit Erfolg Agesilaos' Manöver gegen diesen 
selbst wiederholt: auch Agesilaos musste umkehren. 

Der Rückzug war bei der grossen feindlichen Uebermacht 
an Reitern nicht leicht, nur ein grosser Schlag, der die Feinde 
dauernd abschreckte, konnte ihn decken. Zu diesem entschloss 
sich Agesilaos: er legte in der ersten Nacht, nachdem er den 
Rückmarsch angetreten hatte, halbwegs zwischen Sardes und 
Thybama einen Hinterhalt, und als am folgenden Tage die 
Perser seine Nachhut beunruhigten, Hess er plötzlich halten 
und kehrt machen, während zu gleicher Zeit die Leute aus 
dem Hinterhalt hervorbrachen. Die Ueberraschung und der 
Schrecken der Perser war gross: bald stoben sie in wilder 
Flucht auseinander. Die Griechen setzten nach, hieben viele 
(über 6000 angeblich) nieder, machten Gefangene in Fülle und 
nahmen schliesslich das reiche feindliche Lager. Tissaphernes 
wich entmutigt auf Sardes zurück, aber auch Agesilaos, der 
angeblich noch einen Zug in Pharnabazos' Gebiet plante, gab 



Hdläks und die klemadat. Griechen am B^inn des TT. Jahrh. 61 

diesffli auf — er forchtete noch immer Tissaphemes' Macht — mid 
setzte den Rückzag bis nach Ephesos auf dem alten Wege fort *). 

1) Diod. XIV 80. 1—5 Xen. 111 4, 2ü— 24 Paus. Hl 9, 5. 6 vgl Plut 
Agcs. 10, 1—3 Polyain. II 1, 9 Ps. Xen. 1, 28-34 Com. Nep. Ages. 3, 5 
Front, strat I 8, 12. Vielleicht bezieht sich auch auf diese Ereignisse 
Ephoros B. XIX bei Stephaoos von Byzanz u. 'E^uov n^dior. 

Die oben gegebene Darstellang beruht wesentlich auf dem klaren 
und vortrefflichen Bericht Diodors, der aber ausser von Nikolai, die Politik 
des TissaphemesS.Sof. bisher so gut wie gar nicht verwendet worden ist. 
Die Erzählung Xenophons ist hier schlecht und unklar, vermutlii-h weil 
diei^r selbst nicht an dem Zu«re beteiligt, sondern etwa als Befehlshaber 
der Besatzung von Ephesos — die Kyreier befehligt Herippidas (Xen. III 
4,20) — zurückgeblieben war. Unverkennbar verraten einige Einzelheiten 
wie die Erwähnung der Marschtage, der Befehl zur Uebenschreitung des 
Paktolos n. a. m., einen Augenzeugen als Quelle, aber da dieser Augen- 
zeuge nicht Xenophon selbst war, so haben sich diesem Wi der Nieder- 
schrift die Ereignisse verwirrt. Agesilaod* Zug über das Sipylo^sgebiet 
ist weggeblieben, obwol die vier Tage Marsch nach Sardes eben nur 
von dort aus gerechnet sein können. Agesilaos befindet sich noch im 
Vorrücken. Auch die Entfernung stimmt, denn von Sardes nach Magnesia 
am Sipylos, das nördlich etwa in gleicher Höhe mit Agesilaos* erster 
Stellung südlich des Sipylos liegt, braucht nach meiner eigenen Erfahrung 
ein fortdauernd rasch fahrender Wagen ungefähr 10/12 Stunden, was 
etwa 20/24 Stunden Marsch gleichkommen würde — die in geradester 
Kichtung laufende Eisenbahnlinie beträgt 66 km (vgl. Meyers Reisebücher 
Türkei und Griechenland 2. A. 1888 S. 383 ff.) — ein plünderndes Heer 
kann aber schwerlich mehr als fünf Stunden täglich zurücklegen. 

Eine weitere Verwirrung Xenophons liegt darin, dass er Agesilaos 
im Vormarsch seine grosse Schlacht schlagen lässt, während es sich nach 
Diodor offenbar um ein Rückzugsgefecht handelt. Xenophon hat eben zwei 
Kämpfe durcheinandergeworfen: dereine unbedeutendere mit Tissaphernes' 
Reitern wird von Diodor gar nicht erwähnt, er bestimmt aber Agesilaos* 
Bückzug, den man sonst gar nicht versteht, der andere iät eine wirkliche 
Schlacht. Die Absichten und Pläne des Tissaphernes wie des Agesilaos 
ergeben sich unzweideutig aus den beiden Stellen, an denen ihr Zu- 
sammentreffen erfolgt, am Sipylos, wie am Paktolos. In der Tat kennen 
wir aus dem Altertum zwischen diesen beiden Punkten keinen einzigen 
für grössere Heeresmassen passierbaren Uebergang über den Tmolos und 
seine westlichen Fortsetzungen: die alte grosse Strasse, die Xenophon zu 
Eyros gezogen ist, die wir bei Strabon XIII 627 und auf der Tabula 
Peutingoriana Segm. VIII C Desj. finden, führt über Hypaipa nach Sardes 
(vgl. Ramsay, the historical geography of Asia minor. 1890 S. 167). Jetzt 
sind eine Anzahl üebergänge vorhanden, die aber auch nur zuui teil für 
ein Heer, namentlich für ein Reiterheer sich eignen (vgl. Kiepert Karte 
von Westkleinasien 1891 Bl. VIII). 



62 Zweites Kapitel. 

Während so das lakedaimonische Landheer einige erfolg- 
reiche Raubzüge unternommen hatte, war auch die Flotte nicht 
müssig gewesen. 

Pharax, der noch immer die Nauarchie bekleidete, hatte 
während des Waffenstillstandes, der offenbar wol auch für 
ihn gegolten haben muss, die stattliche Zahl von 120 Schiffen 
zusammengebracht, ausserdem war eine Gesandtschaft an den 
Aegypterkönig Nepherites geschickt worden, um von diesem, 
Persiens Feind, Unterstützung zu erbitten (Kap. IV 2). Dann 
war Pharax vermutlich gleichzeitig mit Agesilaos' Ausmarsch 
(Mitte 396) auch seinerseits wieder zum Angriff übergegangen. 
Dieser erdrückenden Uebermacht gegenüber konnte sich Konon 
unmöglich behaupten. Er hatte schon vorher Mühe gehabt 
standzuhalten; jetzt war die Anzahl seiner Schiffe immer 
noch die gleiche, und dazu fehlte seit Monaten der Sold für 
Matrosen und Truppen. So blieb ihm nichts anderes übrig, 
als sich nach Kaunos zu werfen, um im Schutze der Stadt 
seine kleine Flotte wenigstens vor dem Aeussersten zu sichern. 
Pharax folgte ihm und begann sofort die Belagerung. Konons 
Lage war sehr gefährdet: vergebens sandte er Brief auf Brief 
an den Grosskönig mit der Bitte ihm Geld für den Sold zu 
schicken, das ihm die königlichen Beamten vorenthielten. 
Tissaphernes nahm sich seiner nicht weiter an, die Truppen 
meuterten. Endlich erschien Entsatz. Pharnabazos, der noch 



Die Angabe Xenophons, dass Tissaphernes sich wieder von Agesilaos 
habe täuschen lassen und seine Truppen auch diesmal in Karien und in 
der Maiandrosebene zusammengezogen habe, ist wol nur insofern richtig, 
als Tissaphernes die alten Stellungen ruhig beibehielt, bis er Agesilaos 
Absichten erkannt hatte und ihn nun sofort verfolgte. — Wenn bei 
Diodor 80, 5 als Grund für Agesilaos' Rückkehr nach Ephesos ungünstige 
Opfer genannt werden, mit denen Xenophon 4, 15 Agesilaos' Rückzug 
im Jahre vorher begründet, so können doch beide Nachrichten trotz 
einer scheinbaren wörtlichen Uebereinstimmung (Diod. : ndXcy «Tiijyaye 
trjy dvyafiiy enl d-dXatxav und Xen. : atQSipag enoqevszo int ^dXaxxap) 
ganz gut neben einander bestehen und brauchen sich nicht auf dasselbe 
Ereigniss zu beziehen. Ungünstige Opfer vorzuschützen war einer der 
bequemsten und am häuGgsten verwendeten Gründe, wo man irgendwelche 
Pläne nicht auszuführen Anlass fand. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des TV. Jahrb. 63 

im Spätsommer 396 Agesilaos auf dessen Plünderungszuge 
kräftig zurückgeworfen haute (S. 58), Hess seinen Schützling 
nicht im Stich, er kam, und mit ihm ein stattliches Heer unter 
Artaphernes, das Pharax im Frühjahr 395 zur Aufgabe der 
Belagerung zwang. 

Pharax kehrte nach seiner alten Flottenstation Rhodos 
zurück, während Konon, durch Pharnabazos jedenfalls aus der 
ärgsten Geldnot befreit, 40 weitere Schiffe, die unterdessen 
bemannt und wahrscheinlich schon bei seinem Entsatz ver- 
wendet worden waren , an sich ziehen konnte *). Mit dieser 



1) üiod. XIV 79, 4. 5 Isokr. Paneg. (IV) 142 Instin. VI 2, 11. 12. 
Da88 der W^nffenstillstand , den Tissaphernes als Earanos Kleina.si«'ns mit 
dem berufenen Vertreter von Lakedaimon schloss, auch für den Seekriejij 
massgebend gewesen ist, kann wol nicht bezweifelt werden : insbesondere 
war der Augriff auf eine in Tissaphernes* Hausprovinz, Karien, gelegene 
Stadt jedenfalls ausgeschlossen. Damit erhalten wir als früheste Zeit 
des Beginnes der Belagerung Mitte 396 (vgl. S. 55 A. 1); unter diesen 
Zeitpunkt dürfen wir aber nicht viel hinabgehen, da Konons Flotte von 
vornherein so schwach war. Auch müssen die Soldzahlungen, die dem 
Beere im ganzen 15 Monate lang (Isokr. a. 0.) und höchstens bis zu 
Konons Rückkehr aus Babylon, gegen Ende 395 (vgl. S. 66) vorenthalten 
wurden, jetzt schon zu fehlen begonnen haben. 

Diodor bestätigt den so gewonnenen Ansatz, wenn er die Ein- 
Schliessung unter dem Jahre 396/95 Ol. 96, 1 erzählt. Der Beginn der 
Belagerung ist ihm der zeitliche Anknüpfungspunkt (vgl. u), worauf 
hier noch be>onders durch das tovrooy &€ n^atTo^ivtav xtX. (a. 0. 4) hin- 
gewiesen wird. 

Da nun Diodor innerhalb desselben Olympiadenjahres noch einmal 
auf Konon zurückkommt (81, 4 — 6), so muss er auch dafür einen zeit- 
lichen Anknüpfungspunkt gehabt haben, der noch innerhalb dieses Jahres 
und der Stellung des betreffenden Kapitels nach am Ende dieses Jahres 
liegt. Dieser Ausgangspunkt kann, da wir Konons Reise und Rückkehr 
nicht noch in das eine Jahr hineinpressen können, wol nur in dem Beginn 
der Reise zum Grosskönig gesucht werden. Die Reise begann demnach 
Mitte 395, und die Befreiung Konons und der Abfall von Rhodos, welche 
derselbiii vorhergehen (Diod. a. 0), gehören vor Mitte 395. — Mit 
dies*^m Krgebniss steht alles, was wir sonst von den Ereignissen, die da- 
mals in Kleinasien sich abspielen, wissen: Tissaphernes* Tod, Pharax* 
Abberufung, Pharnabazos* Ernennung zum Plottenführer, in deutlicher 
lJeberein«timujung (vgl. S. 66 ff.). Durch nichts zu stützen ist die Ansicht 
von ScLneiderwirth, die pers. Politik gegen die Griechen seit dem Ende 



64 Zweites Kapitel. 

verstärkten Flotte nahm Konon schon eine gebietendere Stellung 
ein: es gelang ihm noch von Kaunos aus mit den Demokraten 
in Rhodos Verbindungen anzuknüpfen und eine Erhebung der- 
selben vorzubereiten. Um mit seiner Hülfe möglichst nahe zu 
sein , segelte er von Kaunos nach der rhodischon Ghersones, 
vermutlich nach Loryma, wo später sein Hauptquartier sich 
befindet (vgl. S. 73). Aber sein Eingreifen scheint gar nicht 
notwendig geworden zu sein : die lakedairaonische Flotte musste 
auf Befehl der Rhodier den Hafen räumen , und Konon ward 
an ihrer Statt aufgenommen. 



der Perserkriege Heiligonstadt 1864 S. 63, der den Abfall von Rhodos in 
das Frühjahr 396 verlegt. — Ich bin mir bei dieser Verwertung Diodors 
der Vorwürfe sehr wohl bewusst, welche man gegen Diodors Chronologie 
zu erheben pflegt und die neuerdings wieder besonders ausführlich 
Holm 6r. Gesch. II 1889 S. 120 ff. vertreten hat, halte dieselben aber 
für übertrieben. Offenbare Flüchtigkeiten und Versehen sind zuzugeben 
und meist sehr leicht zu durchschauen, in der Hauptsache werden wir 
aber Diodors zeitliche Angaben — ich spreche zunächst vom V. und IV. 
Jahrhundert — durchaus ernst zu nehmen haben und in seiner eigen- 
artigen Arbeitsweise ein pragmatisch-historisches Geschieh ts werk (Bphoros) 
mit einem chronologischen Handbuch (Eastor) zu vereinigen im einzelnen 
Falle die Erklärung für Abweichungen und Widersprüche suchen müssen. 
Wir werden auch in der Regel die Erklärung finden: gerade innerhalb 
des IV. Jahrhunderts lassen sich zahlreiche Beispiele für die Richtigkeit 
dieser Anschauung von Diodors Methode beibringen. Diodor ist wol 
kein grosser Geist gewesen, aber auch kein absolut törichter Mensch, 
der eine willkürliche Scheinchronologie geliefert hat (Holm 123). 
Natürlich kann der zeitliche Anknüpfungspunkt, den Diodor für eine 
Beihe von Ereignissen aus Ephoros selbst oder aus dem chronologischen 
Handbuch, gewonnen hat, am Anfang oder am Ende — selten in der 
Mitte — dieser Ereign issreihe, welche er dem Schema zu liebe in ein 
Jahr zusammenpresst, liegen. Wo wir ihn zu suchen haben, lässt sich 
aus der Erzählung Diodors selbst mit Hülfe der sonstigen üeberlieferung 
gewöhnlich leicht entscheiden. — Das Jahr, welches Diodor bei dieser 
Einordnung vorschwebte, wird sich schon wegen Diodors Arbeitsweise 
schwer genau im einzelnen bestimmen lassen, auch ünger in seinen 
eingehenden Aufsätzen (Philologus XXXIX ff.) ist die Bestimmung nicht 
gelungen. Wir werden wol der Wahrheit noch am nächsten kommen, 
wenn wir ganz einfach ungefähr das Olympiaden jähr annehmen von 
Sommer zu Sommer gerechnet. Diese Bestimmung genügt für einen 
allgemeinen zeitlichen Anhalt. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 65 

Diesem ersten Erfolg folgte schnell ein zweiter, als die 
spartanischen Schiffe, welche zu dem Aegypterkönig Nepherites 
gefahren waren (S. 62), reich beladen mit Bauholz für 100 
Trieren und mit 500000 Mass Getreide arglos, ohne von den ver- 
änderten Verhältnissen in Rhodos zu wissen, in den Hafen ein- 
fuhren : sie wurden sämmtlich gekapert, und die Beute verteilt ^). 

Endlich gelang es Konon jetzt seine Flotte um weitere zehn 
Schiffe zu vermehren; er war damit den Lakedaimoniem zur 
See vollständig gewachsen, nur eines fehlte noch, die regel- 
mässige Soldzahlung. Um diese zu erlangen, entschloss er sich, 
nachdem alle seine brieflichen Bitten beim Grosskönig nichts 
gefruchtet hatten, persönlich nach Babylon zu reisen. Den Befehl 
über die Flotte übergab er an die beiden Athener Hieronymos 
und Nikophemos und fuhr selbst nach Syrien, dann weiter den 
Euphrat abwärts nach der persischen Hauptstadt. Dort ward 
er freundlich aufgenommen: seine Klagen über Tissaphernes' 
Theilnahmlosigkeit gegenüber dem Seekriege, über den vorent- 
haltenen Sold fanden jetzt günstigen Boden. Zu den Anschul- 
digungen und Vorwürfen, diePharnabazos wol schon früher (S. 48) 
gegen seinen Mitsatrapen und Nebenbuhler erhoben hatte und 
jetzt durch Konon hatte erneuern lassen, war eben die Nachricht 
von der grossen Niederlage durch Agesilaos (S. 60) gekommen 



1) Diod. XIV 79, 6—8 Androtion b. Paus. VI 7, 6. Inwieweit mit 
deui Abfall von Rhodos von den Lakedaimoniem ein Anschluss an den 
Perserkönig oder gar an Athen (Androtion a. 0.) verbunden war, lässt sich 
nicht genau bestimmen. Es wird sich wol vorwiegend um Gewährleistung 
der Selbständigkeit gehandelt haben, für die Rhodos später so kräftig 
eintritt (S. 80): die Teilnahme rhodischer Schiffe an der Schlacht von 
Knidos ist sehr zweifelhaft, vgl. S. 73 A. 8. Schon der Abfall von Lake- 
daimon war aber für Konon ein Erfolg, der es rechtfertigte, wenn er da- 
für den Schutz der Stadt übernahm. 

Nach Kaunos und in die Zeit von Pharnabazoa' und Konons Aufent- 
halt dort verweist J. P. Six, Numism. Chron. 1890 S. 256 mit grosser 
Wahrscheinlichkeit die mit Pharnabazos' Namen {(P(A)P-~IV—ABA) 
und Porträt geschmückte Münze, welche gewöhnlich als kjzikenisch an- 
gesehen wird (Head, Historia numerorum 18S7 S. 403). - Eine Verwechslung 
von Artaphernes und Tissaphernes bei Diodor a. 0. anzunehmen (Krumbholz, 
de As. min satr. 86 f.) sehe ich keinen Grund. 

JTJD£ICH, Kleinaslatlsche Studien. 5 



66 Zweites Kapitel. 

und mit ihr aus Tissaphernes' eigener Umgebung die Anklage, 
dass das Heer verraten worden sei. War diese Anschuldigung 
auch falsch, so wirkte doch zu viel zusammen, um sie nicht 
als glaublich erscheinen zu lassen; auch wird die Königinmutter 
Parysatis nicht die Gelegenheit versäumt haben ihren Todfeind 
zu verderben. Kurz, Tissaphernes Sturz und Tod ward beschlossen 
und ohne Verzug mit der Vollführung Tithraustes betraut; er 
rückte auch vorläufig in Tissaphernes' Stelle ein. 

Konon dagegen erlangte alles, was er wünschte, der König 
liess ihm sogar die Wahl eines persischen Beamten, der die 
Soldgeschäfte leiten und mit ihm den Befehl über die Flotte 
führen sollte : Konon erbat sich Pharnabazos, dem er persönlich 
verpflichtet war. Reich beschenkt kehrte er dann Ende 395 
zur Flotte zurück ')• 

1) Diod. XIV 81,4-6 Com. Nep. Cod. 3-4,2 lustin. VI 2, 12-16 
vgl. Xen. III 4,25 Plut. Artox. 23,1 Oros. III 1,9. 

Dass Eonons Reise zum Perserkönig mit Tissaphernes Tod in Be- 
ziehung steht und denhalb demselben vorausgeht, ist uns bei Cornelius 
Nepos (a. 0.) unzweideutig überliefert. Wir haben nicht den geringsten 
Grund daran zu zweifeln (vgl. Nipperdey z. d. St.), die schon aus Diodor 
gewonnene Zeitbestimmung (S. 68 A.) greift vielmehr hier stützend ein. 
Ausserdem ist es höchst wahrscheinlich, dass Tissaphernes als Euranos 
die Verteilung des Geldes an Eonon leitete, ihm die Zahlungen vorent- 
hielt und dadurch Eonon auch persönlich reizte. Man sollte nicht, wenn 
uns bei einem antiken Schriftsteller ein Irrtum oder eine verkehrte Dar- 
stellung entgegentritt, gleich den ganzen Bericht dieses Schriftstellers 
verwerfen. Die Zergliederung und Erklärung dieses Irrtums bringt uns 
gewöhnlich viel weiter. Das gilt namentlich von Diodors chronologischen 
Angaben (vgl. S. 64 A), das gilt auch hier von denen des Cornelius Nepos. 
Sein Irrtum besteht lediglich darin, dass er in den übermässig kurzen Lebens- 
abriss Eonons die Vorwürfe, welche Tissaphernes' Feinde jregen ihn er- 
hoben, als Tatsachen mitteilt (vgl. Nicolai, die Politik des Tissaphernes 
36 f. 49 A. 55) : im Uebrigen ist aber, wie gesagt, durchaus nichts gegen 
seine Erzählung (Quelle Theopomp?) einzuwenden. Dass er Agesilaos' 
Abberufung vorher berichtet, ist nur ein Fehler in der Anordnung des 
Materials. 

Auch die Anekdote über Eonons Abweisung der n^oaxvvriaig und 
seine Verhandlung darüber mit Tisthi-austes (Corn. Nep. lustin. a. O.j, 
die, wenn sie wol auch im Einzelnen nicht wahr ist, doch Tisthraustes 
noch in seiner Stellung als Chiliarchos (Grossvezier) zeigt, könnte zur 
Bestätigung herangezogen werden (vgl. Nipperdey zu Corn. Nep. a. 0.; 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrb. 67 

Noch ehe Konon Babylon verliess, war Tissaphemes wahr- 
scheinlich schon gefallen. Tithraustes hatte Briefe des Gross- 
königs an die Tissaphernes untergebenen Städte und Statthalter 
vorausgesandt, w^elche diesen Treue und Gehorsam gegen den 
neuen Karanos anbefahlen. Durch einen dieser Unterstatthalter 
Ariaios ward Tissaphernes nach Kolossal in Phrygien gelockt, 
im Bade überfallen, gefesselt nach Kelainai dem Tithraustes 



Krumbholz de As. min. satr. 62 A. 1). Allerdings erscheint Tithraustes 
sozusagen als typischer Chiliarch — auch im Beginn der sechziger Jahre 
wird er genannt AeK var. hist. 1 21 —, oder er muss seine Stellung sehr 
lange bekleidet haben. Nach alledem ist die Anordnung von Sievers 
Gesch. Gr. 78, Grote Gesch. Gr. V" 202, Curtius Gr. Gesch. 111* 747 A. 
103, M. Schmidt Konon Diss. Leipzig 1873 S. 42 A. 1 , welche die Reise 
Eonons in den Winter 895/94 setzen, abzuweisen. 

Zu der Annahme, dass die Reise Konons während des Winters statt- 
fand, sind wir weder durch die Tatsache, dass Babylon die regelmässige 
Winterresidenz des Perserkönigs war, noch durch Cornelius Nepos* 
Angabe (4,2), Konon hätte für den kommenden Sommer Unter- 
stützung erbitten wollen, gezwungen, denn unter den aussergewöhn- 
lichen Verhältnissen wäre ein Aufenthalt des Königs in Babylon in 
grösserer Nähe der Ereignisse und in besserer Verbindung mit dem 
Kriegsschauplatz auch für den Sommer oder einen Teil des Sommers ganz 
glaublich, und wenn Konon, wie oben angenommen, Mitte 895 sich an 
den Hof begab, konnten natürlich die Soldzahlungen, die er dort 
durchsetzte, für den laufenden Sommer auch nicht mehr Verwendung 
finden. 

Dass Konon schon einmal vorher zu Hofe gegangen sei, wie man 
aus Fausanias III 9,2 geschlossen hat, hat Schmidt a. 0. 39 A. 2 mit 
Recht abgewiesen. Diese angebliche Reise zum Grosskönig ist weiter 
nichts als die Verhandlung, welche Konon durch Euagoras und Ktesias 
geführt hat und die mit seiner Ernennung zum Nauarchen der persischen 
Flotte schliesst (vgl. S. 48 if.). - Ob wie Grote Gr. Gesch. V« 204 A. 120 
nach Lysias Aristoph. (XIX) 25 vermutete , der Athener Demos Konon 
bei seiner Fahrt zu Hofe begleitete, ist sehr zweifelhaft. Die beiden 
von Konon während seiner Abwesenheit mit der Führung der Flotte 
betrauten Athener Nikophemos — so liest Schmidt a. 0. 42 A. 2 richtig 
für Nikoderaos bei Diod. XIV 81, 4 — und Hieronymos werden auch 
sonst erwähnt, ersterer wiederholt bei Lysias a. 0., ausserdem bei Xeno- 
phon (Hell. IV 8,8). letzterer bei Aristophanes (Ekkl. 201) vgl. Schmidt 
a. O. — üeber die Zeit von Konons Rückkehr vgl. S. 68 A , ühor Tissa- 
phernes' Tod vgl. S. 6ö A. 1. 

5* 



68 Zweites Kapitel. 

entgegengeführt und dort enthauptet. Seinen Kopf sandte man 
an den Perserhof'). 

Darauf begab sich Tithraustes nach Sardes und begann 
mit Agesilaos zu verhandeln : er bot Autonomie der kleinasiati- 
schen Griechenstädte, unter der Bedingung, dass diese ihren 
alten Tribut an den Grosskönig entrichteten imd Agesilaos Klein- 
asien räumte. Schwerlich war dieses Angebot ernst gemeint, 
Tithraustes nahm nur die alte Zauderpolitik seines Vorgängers 
auf: wieder erklärte Agesilaos den Vertrag nicht aus eigener 
Machtvollkommenheit eingehen zu können und sich erst bei 
seiner Regierung Auskunft darüber erbitten zu müssen. So 
schloss man vorläufig einen Waffenstillstand auf sechs Monate, 
also bis zum Frühjahr 394 ab. Für diese Zwischenzeit gab 
Tithraustes Agesilaos das Gebiet des Pharnabazos, dem er wie 
Tissaphernes nicht wohlgesinnt war, preis, ja er bewilligte ihm 
sogar bis das griechische Heer dahin gekommen sei, ein Ver- 
pflegungsgeld von 30 Talenten^). 

So hatte Tithraustes' Erscheinen vorerst wenig geändert, 
der alte Gegensatz zwischen dem Karanos von Sardes und dem 
Satrapen von Daskyleion dauerte fort und lähmte jede kräftigere 
Kriegführung. Immerhin bereitete sich ein grosser Schlag gegen 
Lakedaimon vor: Konon rüstete und wurde reichlich mit Geld 
versehen, zugleich aber entsandte Tithraustes, einem Rate 
Konons folgend, den Rhodier Timokrates nach Griechenland, 
um den bereits im Gange befindlichen Krieg zwischen Lokris, 
Theben, Athen einerseits und Phokis, Sparta andererseits zu 
benutzen und mit persischem Golde eineQ Bund der unzufrie- 

1) Diod. XIV 80, 6-8 Polyain. YII 16, 1 Xen. Hell. III 4, 25 Paus. 
III 9, 7 Flut. Artox. 23, 1 vgl. Plut. Ages. 10, 4 Pa. Xen. Ages. 1, 35. 

Die Zeit von Tissaphernes* Tod (Sommer 395) bestimmt sich daraus, 
dass derselbe erfolgt sein muss nach der Niederlage bei Sardes (Frühjahr 
395 S. 59 f.), nach Konons Reise zum Perserkönig (S. 63 A.) und vor 
dem Einmarsch des Agesilaos in Phrygien (Spätsommer 395 S. 69). 

2) Xen. IIT 4, 25. 26, Diod. XIV 80, 8. Bei Isokrates Paneg. 153 ist 
sogar von einer achtmonatlichen Unterhaltung des spartanischen Heeres 
durch die Perser die Rede. Vgl. die »geflügelten Worte«, welche 
Agesilaos bei diesen Verhandlungen zugeschrieben werden bei Plutarch 
apophth. Lac. Ages. 14. 69, Aelian var. bist. X 20. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 69 

denen grossen Staaten Athen, Theben, Korinth, Ai^os gegen 
Sparta zu Stande zu bringen. Es gelang zunächst einige ein- 
flussreiche Leute für den Plan zu gewinnen, bald aber fand 
er allgemeine Zustimmung, es kam wirklich zum Abschluss 
eines Bündnisses: unter dem Druck dieser mächtigen Goalition 
wurde die spartanische Regierung im Frühjahr 394 zur Rück- 
berufung des Agesilaos veranlasst ^). 

Agesilaos war seit seinem Siege über Tissaphemes der 
gefeiertste Mann in Lakedaimon ^) ; mn so heftiger schalt man 
auf Pharax und seine missglückte Belagerung von Kaunos. 
Als dann auch Rhodos abfiel, scheint man ihn seiner Stellung 
enthoben zu haben. Agesilaos wurde die Auszeichnung zu 
teil, dass man ihm, was bisher noch niemals geschehen war, 
den Oberbefehl auch über die Flotte übertrug und es ihm an- 
heimstellte, einen Nauarchen zu bestimmen. Die Nachricht 
davon traf Agesilaos im Spätsommer 395 in der Hermosebene, 



1) Xen. III 5, 1. 2 Paus. III 9, 8 Polyain. I 48, 3 vgl. Flut. Lys. 27, 1 
Age8. 15,6 vgl. S. 72. 

Diese Gesandtschaft des Timokrates muss in die zweite Hälfte des 
Jahres 395 fallen, da im Frühjahr 394 der Bund gegen Sparta schon 
besteht (S. 72). Der Krieg zvrischen Theben, Athen und Lokris gegen 
Sparta und Phokis und die Schlacht bei Haliartos gehen derselben aber 
voraus. Schon Sievers Gesch. Gr. 61 S. 384 f. hat das vortrefflich, auf 
Xenophons Anordnung der Ereignisse gestützt, verfochten. Eine Bestäti- 
gung für seine Anseht bietet einmal die Nachricht der Quelle des 
Pausanias (a. 0.), dass die Lokrer toy . . &iToy dxfjidl^ovta in Phokis ver- 
wüsten und ferner, dass Diodor XIV 81 die Anfinge des Krieges unter 
dem Jahr 396/95 erzählt; vgl. auch U. Köhler, Hermes V 2 und CIA. 
II 6. 7. Es ist demnach unrichtig, dass, wie es nach Xenophons 
Bericht scheinen könnte, erst durch Persien der ganze Conflict 
zwischen Lakedaimon und den anderen griechischen Staaten herauf- 
beschworen worden ist : Persien hat vielmehr nur den tatsächlich bereits 
bestehenden Krieg gegen Sparta auch formlich gegen S])arta gekehrt, 
der nun zum »korinthischen Kriege« v^ird, und die Bildung eines grösseren 
antispartanischen Bundes befördert. 

Wenig glücklich ist der Versuch von Lachmann Gesch. Gr. 149, die 
Verhandlungen zwischen Agesilaos und Tithraustes und damit die Ab- 
handlung des Timokrates in den Anfang des Sommers 395 hinaufzurücken. 
2) Damals mögen auch in Kleinasien Agesilaos von übereifrigen 
Anhängern die üblichen Ehrenstatuen angeboten worden sein , die dieser 
aber ablehnte (Plut. apophth. Lac. Ages. 26). 



70 Zweites Kapitel. 

als er gerade sich anschickte seiner Verabredung mit Tithraustes 
gemäss in Phamabazos' Provinz einzubrechen : er befahl sofort 
neue Flottenrüstungen in den Städten; sein Schwager Peisandros, 
ein tatkräftiger aber mit der See noch wenig vertrauter Mann 
sollte das Commando übernehmen *). Dann rückte er weiter 
nach dem hellespontischen Phrygien, dort sengend und brennend, 
bisSpithridates, sein alter Begleiter, ihm vorschlug, nach Paphla- 
gonien durchzumarschieren, um mit dem dortigen König Otys 
Beziehungen anzuknüpfen ^). Dieser König scheint dem Fürsten 
Korylas, der im Jahr 400 die Paphlagoner regierte (Xen. Anab. V 
5, 12. VI 1, 2) und schon gegen den Grosskönig aufsässig gewesen 
war (Xen. ebd. V 6, 8), gefolgt zu sein. Auch Otys hatte einer 
Aufforderung des Grosskönigs zu Hofe zu kommen nicht Folge 
geleistet und war einem Bündniss mit den Lakedaimoniern sehr 
geneigt. Jetzt wurde dieses Bündniss wirklich abgeschlossen, 
ausserdem bahnte Agesilaos eine Verbindung der Tochter des 
Spithridates mit dem Paphlagonerkönige an^). 



1) Xen. Hell. III 4, 26-29 vgl. Plut. Ages. 10, 5. 6 lustin. VI 3, 1. 
Die Ebene vns^ Kvfzrjg wird vermutlich die untere durch das westlich 
von Magnesia stark sich verengende Hermostal vollständig abgeschlossene 
Hermosebene und nicht die obere östlich von Magnesia sich ausdehnende 
Hermosebene, das eigentliche 'E(}fj,ov ns^iov sein. — Xenophon (a. 0.) 
giebt die Zahl der von den lakedaimonischen Bundesgenossen in Klein- 
asien gestellten neuen Schiffe auf 120 an; Sievers (a. 0. 78 A. 20) hat 
aber diese Nachricht mit Recht angezweifelt: wahrscheinlich haben die 
Städte nur versprochen überhaupt soviel Schiffe aufzubringen (vgl. S. 74 A.). 
Ausserdem waren vielleicht nach dem Waffenstillstand mit Tithraustes 
die bundesgenössischen Schiffe wieder in ihre Heimat entlassen worden. 

2) Xen. IV 1, 1. 2. Vielleicht gehört in diesen Plünderungszug die 
Erzählung des Polyainos (II 1, 26), dass Agesilaos Lampsakos vor seinen 
plündernden Soldaten gerettet habe. Ebensogut lässt sich dieselbe 
freilich im Jahre 396 oder 894 unterbringen. 

3) Xen. Hell. IV 1,3-15 vgl. Fa. Xen. Ages. 3,4 Plut. Ages. 11, 1. 
Die Worte Xenophons (a. 0. 2) nuXai rovvov intd-vfimv (Agesilaos), tov 
dq)i(ndvai zi Id-vog uno ßaaiXecjg deuten darauf hin, dass die Paphlagoner 
das erste und wol auch das letzte Volk pind, welches Agesilaos von dem 
Perserkönig abspenstig zu machen oder mit dem er, weil es schon ab- 
gefallen war, sich zu verbinden vermochte. Deshalb sind die Angaben 
Pseudo- Xenophons (1,35): nach Tissaphernes Tod seien die Barbaren nur 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 71 

Danach kehrte Agesilaos mit dem Heere nach dem hellespon- 
tischen Phrygien zurück, um in dem reichen, fruchtbaren Gebiet 
von Daskyleion zu überwintern. Pharnabazos vermochte nicht 
diesen Einbruch in das hinerste seiner Satrapie zu hindern. 
Truppen besass er nicht wie es scheint, nur von einer persön- 
lichen Leibwache begleitet streifte er ruhelos umher : es gelang 
ihm zwar mit seinen Reitern einen Plündererhaufen zu überfallen 
und an 100 Mann niederzumachen, aber dafür wurde später 
sein eigenes Lager überrascht und genommen 0- 

Nach einiger Zeit vermittelte ein gemeinsamer Gastfreund 
von ihm und Agesilaos, ApoUophanes von Kyzikos eine Zu- 
sammenkunft der beiden Männer. Hier setzte man sich aus- 
einander: Pharnabazos klagte über die Unbill, die er trotz seiner 
alten Treue von Lakedaimon zu leiden gehabt habe, Agesilaos 
antwortete mit nichtssagenden Entschuldigungen und forderte 
Pharnabazos auf sich wieder mit Sparta zu verbünden. Darauf 
gab Pharnabazos den kurzen Bescheid: wenn der Grosskönig 
einen anderen Feldherrn (gegen Euch) entsendet, so will 



mutloser geworden, alle ed^vri hätten um Frieden, viele um Bundes- 
genossenschaft gebeten u. s. w., recht wenig glaublich, vielleicht nur 
Variationen über das von Xenophon a. 0. angeschlagene Thema (vgl. 
S. 57). lieber das Liebesverhältniss zwischen Agesilaos und Spithridates 
Sohn Megabates vgl. Plut. Ages. 11, 5-7 Ps. Xen. Ages. 5,4. 5, die 
beide wohl aus derselben Quelle schöpfen, vgl. Xen. Hell. IV 1, 28. 

1) Xen. IV 1, 17—28 vgl. Plut. Ages. 11, 3. Dieser Lagerüberfall ver- 
anlasst einen Streit zwischen Herippidas und Spithridates, der die pa- 
pblagonischen Hülfstruppen führt. Da ihnen nichts von der Beute gelassen 
wird, ziehen die letzteren ab eig IdUQdeis nqog ^Aqialoy^ niarevaayzeg^ 
Oll xai 6 "Aqialos dnoatug ßccffiXecog inoXe^riaev avrco. Dass der hier 
genannte Ariaios derselbe ist, welcher Tissaphernes gefangen nimmt 
(Folyain. VII 16, l vgl. Diod. XIV 80, 8, wo man richtig für Accqi<r(Xatov 
'Aqiaiov eingesetzt hat) und wol auch derselbe, welcher unter Kjros 
Statthalter und Feldherr gewesen war, dann aber mit dem König seinen 
Frieden gemacht hatte (Xen. Anab. I 8, 5 11 4, 1. 2. 9 u. ö. Oecon. 4, 19 
Diod. XIV 24,1—6 Plut. Artox. 11,1), ist sehr glaubUch. Von seinem 
Abfall, wie Yon seiner Stellung wissen wir sonst nichts: Earanos ist er 
früher nicht gewesen, also könnte er höchstens Sardes als Hyparchie (als 
Belohnung für Tissaphernes' Gefangennahme?) erhalten oder aber mit 
Gewalt sich der Stadt bemächtigt haben. 



72 Zweites Kapitel . 

ich Euer Freund und Bundesgenosse sein; wenn er mich dazu 
bestimmt, wie er es zu beabsichtigen scheint, dann will ich 
gegen Euch kämpfen, so kräftig als ich kann. Mit dieser Ant- 
wort erklärte sich Agesilaos zufrieden und versprach das Land 
zu räumen, Pharnabazos' Sohn schloss sogar mit ihm Gast- 
freundschaft — so berichtet Xenophon ^) : in Wahrheit war es 
wol ohnehin zum Aufbruch Zeit. 

Das lakedaimonische Heer marschierte nun in die Aiolis, 
und gelangte im Laufe des Frühjahrs 394 nach Thebes Pedion 
in die Küstenebene, welche sich südlich des Ida ausbreitet: 
diese war zumSammel- und Rüstplatz bestimmt^). Aber während 
Agesilaos noch allerhand Pläne schmiedete — er setzte beson- 
ders auf die Verleitung einzelner Volksstämme zum Abfall grosse 
Hoffnungen — erschien plötzlich von der heimischen Regierung 
gesendet Epikydidas mit der Weisung an den König sofort 
zurückzukehren zum Schutz des eigenen Landes. Agesilaos 
gehorchte, wie Xenophon sagt schweren Herzens; auch unter 
seinen kleinasiatischen Hülfstruppen erweckte nach derselben 
nicht parteilosen Ueberlieferung die Nachricht grosse Betrübniss, 
und in der ersten Begeisterung beschlossen viele mitzumarschieren; 
als aber wirklich der Marsch beginnen sollte, da zogen die meisten 
ihren Entschluss zurück. Nur mit Preisen für die bestgerüsteten 

1) Xen. IV 1,29—40 vgl. Plut. Ages. 12 Ps. Xen. Ages. 3, 4. Aus 
Pharnabazos" Antwort (Xen. 37), die wir wahrscheinlich von Xenophon 
als Ohrenzeugen durchaus treu berichtet vor uns haben, scheint sich zu 
ergeben, dass Pharnabazos damals (Anfang 894 vgl. u.) seine Bestallung 
als Führer der Flotte neben oder über Konon noch nicht erhalten, aber 
wenigstens davon gehört hatte. Das giebt einen gewissen, zeitlichen 
Anhaltspunkt für Konons Rückkehr aus Babylon vgl. S. 63. 66 A. Auch 
liegt es sehr nahe, aus der Antwort und der späteren Tätigkeit des Pharna- 
bazos zu schliessen, dass diese Flottenführung mit dem Earanosamt ver- 
bunden war. Demnach ist Tithraustes sofort wieder abberufen worden 
Ob das geschah, weil er von vornherein nur als ausserordentlicher könig- 
licher Bevollmächtigter geschickt war, oder weil er den schmählichen 
Vertrag mit Agesilaos schloss und Pharnabazos von neuem preisgab, oder 
ob endlich der Aufstand des Ariaios irgendwie mit dem Befehlswechsel 
in Beziehung steht, lässt sich nicht entscheiden. 

2) üeber die Lage des Ortes vgl. Xen. Anab. VII 8, 7. 8 Herod. VII 42 
Strabo XIII 613. 614. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 73 

Leute und Abteilungen gelang es noch eine Anzahl Kleinasiaten 
mitzuziehen. Mitte Juli wurde das Heer bei Sestos über den 
Hellespont gesetzt, um durch Thrakien auf dem Landwege 
Griechenland zu erreichen ; in Asien blieb als Harmost Euxenos 
mit 4000 Mann zurück ^). 

Der Seekrieg hatte seit dem Abfall von Rhodos im Früh- 
jahr 395, wie es scheint, ganz geruht; Konon war erst im 
Winter 395/94 von seiner Reise nach Babylon zurückgekehrt 
(vgl. S. 66 A. 1): der Waffenstillstand, den Tithraustes abge- 
schlossen hatte, hatte offenbar auch mit für die beiden Flotten 
gegolten. Mit dem Frühjahr 394 begann der Krieg von neuem. 
Zu einem Zusammenstosse der beiden Geschwader kam es 
zunächst nicht, doch gelang es Konon, zu dem in dieser Zeit 
auch Pharnabazos gestossen sein muss, mehrere kleine Erfolge 
zu erringen und sich an den Städten, welche sich Sparta an- 
geschlossen hatten, zu rächen (lustin. VI 2,16. vgl. Isokr. Paneg. 
(IV) 142. Euag. (IX) 64). 

Ein grosser, entscheidender Schlag erfolgte aber erst im 
Beginn des August^). 

Das persische Geschwader" hielt über 90 Schiffe stark ^) vor 
Loryma an der Südspitze der rhodischen Ghersones. Da Konon 



1) Xen. IV 2, 1-8 Diod. XIV 83, 1. 3 Paus. III 9, 2 Iiistin. VI 2,17. 
4, 9 Corn. Nep. Ages. 4, 1 -3 vgl. Ps. Xen. Agea. 1, 36-38 Plut. Ages. 15 
apophth. Lac. Ages. 39—41 Gros. III 1, 20. Die Zeit des Abmarsches 
ergiebt sich daraus, dass Agesilaos nach Päeudo-Xenophons Agesihios 2, 1 
vona Hellespont nach Boeotien, wo er am 14. August verweilt (vgl. 
A. 2), weniger als einen Monat gebraucht habe. 

2) Die Zeit der Schlacht von Enidos steht fest durch die Sonnen- 
finstemiss vom 14. August 394 (vgl. Oppolzers Finsternisstabellen), an 
dem Agesilaos nahe der boeotischen Nordgrenze die Unglücksbotschat't 
empfängt (Xen. IV 3, 10 vgl. Plut. Ages. 17, 2. 3 vgl. Lys. Aristoph. (XIX) 28. 

3) An den genauen Angaben Diodors XIV 88, 4. 5 über die Schiffs- 
zahl der beiden Flotten: Konon über 90, Peisandros 85 Schiffe, ist nicht 
zu zweifeln. Konons Flotte war schon nach dem Abfall von Rhodos 
90 Schiffe stark gewesen (Diod. XIV 79,8); dass jetzt über 90 genannt 
werden, beruht vielleicht auf den Zuwachs von rhodischen Schiffen. Die 
Nachricht bei Xenophon IV 3, 12, Peisandros habe viel weniger Schiffe 
gehabt als Konon allein bei seinem griechischen Geschwader, giebt einfach 



74 Zweites Kapitel. 

gehört hatte, dass die feindlichen Schiffe ganz nahe bei Knidos 
lägen, so bereitete er alles für einen Zusammenstoss vor und 
brach mit der eigenen Flotte auf. Auch Peisandros hatte 
Knidos verlassen und sich wie es scheint nachPhyskos auf der Süd- 
küste der knidischen Chersones begeben, um durch den Gegner, 
von dessen Bewegungen er jedenfalls benachrichtigt war, nicht 
überrascht zu werden. Von dort ausfahrend traf er auf die 
persische Flotte, die ihm in Schlachtordnung in zwei Treffen 
geordnet entgegenkam, das erste aus den griechischen Schiffen 
bestehend unter Konon, das zweite, die Hauptmacht, unter 
Pharnabazos. Peisandros nahm die ihm gebotene Schlacht an, 
wenngleich seine Flotte, die nur 85 Schiffe zählte, der persi- 
schen an Zahl nicht ganz gewachsen war^). Er selbst begann 
sogar den Angriff und stiess mit seinem linken Flügel kräftig 



die Meldung des Boten wieder, der von der Niederlage bei Enidos Kunde 
brachte, und dieser Bote übertrieb : thatsächlich hatte allerdings Peisan- 
dros weniger Schiffe als Konon und Pharnabazos (vgl. o.). 

Ueber die 120 neuen Schiffe, welche die kleinasiatischen Bundes- 
genossen Spartas angeblich stellten (Xen. III 4, 28) vgl. S. 70 A. 1. 

Das ^EXXriyixoy^ die griechische Flottenabteilung Konons, hat man 
längst richtig auf die acht Schiffe, welche Konon von Aigospotamoi 
rettete (M. Schmidt, Konon 32 A. 1) gedeutet, zu denen wie 
gesagt wahrscheinlich einige rhodische kamen. Von athenischer Seite 
kämpften nur Verbannte und Freiwillige mit (Plat. Menex. 245 a Isokr. 
Panesf. (IV) 142 vgl. Andok. Fried. (III) 22 Dem. Lept. (XX) 6S lustin. 
VI 3, 6). Die Stellen aus Isaios Dikaiog. (V) 6. 42, dass ein Dikaiogenes 
als Trierarch der Paralos iy Kyl&(o gefallen sei, beziehen sich nicht auf 
diese, sondern auf frühere Kämpfe bei Knidos (vgl. Thuk. VI II 42 Schoe- 
mann zu Isaios V S. 290 f.). 

Euagoras' Schiffe, die an der Schlacht theilnahmen (Isokr. Euag. (IX) 
56. 68), rechneten natürlich zu der grossen phoinikischen Flotte. 

1) Der Ort der Schlacht wird am genauesten beteichnet von Pausanias 
VI 3, 16 als ncQi Kyldoy xal oqog to jdtoQioy oyofxa^ofxeyoy^ wobei unter 
dem Jto^coy o^og wol das Felsgebirge (heute Boz Dagh), welches un- 
mittelbar östlich hinter Knidos (bis 552 m.) ansteigt, gemeint sein wird. 
Sonst heisst sie nur die »Schlacht bei Knidos« vgl. S. 73 A. 1, dazu 
Isokrates Euag. (IX) 68 Deinarch Dem. (I) 75 u. a. Zweifellos hat demnach 
der Kampf nicht allzufern von Knidos stattgefunden. Daraufhin deutet 
auch, dass die an das Land geflohenen Leute wie der Rest der Schiffe 
sich nach Knidos retten (Diod. XIV 83,7 Xen. IV 3, 12), endlich dass 



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g€«öi den fcäj'üb^fl ri^Lt-^s. wo «* Eoood sieQjist T«Tiiutete.* 
TOT. Aber hkr hatte er sw^h gv^nsifht : Ki^xo hatte bert-:t> 
«fahren, das^ riiis fj öec FaZ ein-^ S:hlavht es zunächst 
auf sein St iiifT altsiei^f} wQr^fe. und se'irtsi einen ander«! PUtz 
als deo ür"i:b€*i aisf 6^zn re-iten F.ü^e! pevralJL So peian;? 
es wol Peisar^ii^Ds 6r*i ivehten F!ü^ zu werfen, aber Konon 
bUeb unbe^^ Gud draiifte jetzi die f esamnite persfcche Macht 
nach der gefährdeten Stelle zusanmi-eD. DaraufiJn gaben die 
kleinasiatkcheii Bundtrs^e&c^äsen des Pc-isandn>s, welche mit 
auf diesem Fügei fechten, zuerst feige dro Kampif auf und 
liessen ihre ScLi^e auf den Strand laufen: so entschied sich 
der Seg für Konon. Ptrisandros war zunächst in die ailgeiueine 
Fhicht niit hineingerissjeü worden, dann hatte er s^"n Schiff 
\ried«' W€«den lassen, um, wenn nicht zu siegen, doch ehren- 
voll zu CaEen. Der Tod, den er suchte, ward ihm zu teil: 



der linke lakedtimoniscbe P.ügel in der Schlacht an der Kost^Bseite 
sich hefindet .Diod. a. O. 6. Xea. a. O.) 

Mit diescB Titwrhe« mäsMB die der Seh «acht Toniai^iieBdeii Er- 
eignine, welche Diodor jl O. ersÄhit. wennmöglich vereiaigt wenlen. 
So wie der Text dieselben jetzt dAroietet, scheinen sie nicht li<'^n zu 
können (vgl. Sieren Gesch. Gr. 79 f. Schmidt , Konon 44' : Konon fährt 
ao8 gegen KnidoB, wo er die feindliche Flotte weiss, Peisandros 9(^lt 
nach PhyakoB und trifft ron dort kommend auf die Peraer. l>ie Lage 
des bekannten trefflichen Hafens Ton Phjskos an der Küste westlich 
Eaunos* ist besbmmt (Strab. XIV 652. 663 SUd. mar. magn. 27'J % danach 
wäre also Peisandroa an Lorjma Torüber nordwärts nnd dann umkehrend 
auf Knidos zu ge&hren, aber das ist ganz widersinnig. Durch die schon 
erwähnte Stellung too Peiaandros* linken Flügel an der Kost« nnd dem 
Kampfplatz in der Nähe Ton Knidos ergiebt sich vielmehr, dass, wie e« 
auch natürlich ist, Peisandro« Ton Korden, Konon von SüJen kam. 

Ob aber unter dem Phjskos, das Diodor hier erwähnt, notwendig 
der bekannte Küstenort zn verstehen ist, mnss sehr zweifelhaft aein: 
Diodor nennt ihn ausdrücklich ^r<nro; tF^s A'fooon^Vor, was für den 
grossen Hafen, der kaum zu der Chersones im weitesten ^>inne «berechnet 
werden kann, schlecht passL Wir werden also hier einen kleinen Hafen 
Budöstlich von Knidoa zu verstehen haben, der Peisandroa einen weiteren 
Bück südwärts, woher ihm Gefahr drohte, gestattete. 

Dass der Name Physkos auch sonst noch in dieser Gegend heimisch 
war, scheint aus Strabon XIV 659 hervorzugehen: TtXr^onufi df utut^rtt 
rj xata ^vaxoy ^aXdzTir ^ noXig (Mylat^a), X€u tovt* iciir avtoig iTtiretott, 



76 Zweites Kapitel. 

seine Flotte, soviel davon noch in See war, floh nach Knidos, 
die grössere Hälfte, 50 Trieren, nahm Konon, ausserdem fielen 
500 Mann, die sich nicht mehr zur rechten Zeit an das Land 
hatten retten können , in seine Hände ^). 

3. ATHENS ERHEBUNG. 

Die Schlacht von Knidos wird als der Geburtstag von 
Athens neuerstehender Macht gepriesen und nicht mit Unrecht. 
Freilich hatte sich Athen schon vorher von der Unterordnung 
unter Sparta nach und nach gelöst, und später sogar den 
Kampf wieder aufgenommen. Zu Thibrons Zuge nach Klein- 
asien im Jahre 400 (S. 42) stellten die Athener noch 300 Reiter 
Xen. III 1,4), auch bei dem Krieg gegen Elis im Jahre 399, 
als Korinth und Theben wieder einmal ihre Hülfe verweigerten, 
hat Athen seiner Pflicht als Bundesgenosse Lakedaimons ehr- 
lich genügt (Xen. III 2,25 Diod. XIV 17,7): im Innern waren 
eben damals noch zu viele Dinge zu ordnen, zu viele Wunden 
zu heilen, als dass man den äusseren Frieden hätte stören mögen. 

Zum ersten Male sehen wir Athen Sparta selbständig 
gegenübertreten, im Jahre 397/96 als für Agesilaos' Feldzug 
gegen Persien gerüstet wird. Damals weisen die Athener wie 
Theben und Korinth — Argos war gar nicht aufgefordert — 
unter nichtigen Vorwänden die Stellung von Hülfstruppen ab 
(Paus. III 9, 1. 2), und zwar steht dieses Erstarken ihres Selbst- 
bewusstseins in engem Zusammenhang mit den kleinasiatischen 
Verhältnissen. 

Man hatte von Konons Verhandlungen mit dem Gross- 
könig, die mit Konons Ernennung zum Nauarchen im Anfang 
397 ihren ersten Abschluss fanden (S. 50), gehört und wusste, 



1) Die EntwickeluDg der Schlacht lässt sich aus den vortrefflich sich 
ergänzenden Berichten bei Diodor (XIV 83,6.7), Xenophon (IV 3,11.12) 
und der wol sicher hierhergehörigen Erzählung des Polyainos (148,5) deut- 
lich erkennen. Die von Eonon eroberten Schiffe werden wol vorwiegend 
die der kleinasiatischen Bundesgenossen gewesen sein. Für die Schlacht- 
beschreibung sind wertlos Cornelius Nepos Con. 4, 4. 5, lustinus Vi 3 und 
daraus Orosius III 1, 11— 15. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 77 

dass Persien kräftig gegen Sparta aufzutreten entschlossen war, 
ausserdem dass Konon die ihm verliehene Stellung nach Mög- 
lichkeit zum Wohle seiner Vaterstadt ausnutzen würde. Wenn 
man sich jetzt der Teilnahme an dem Kampfe zwischen 
Lakedaimon und Artaxerxes enthielt, so konnte die Stimmung 
des Perserkönigs aus einer Sparta feindlichen in eine Athen 
freundliche sich umwandeln. 

Dadurch hatten die leitenden Staatmänner den Mut ge- 
funden die Heeresfolge zu verweigern, ja sie fanden anderthalb 
Jahre danach den Mut in dem Streite welcher zwischen Theben- 
Lokris und Sparta-Phokis entbrannte, ofifen gegen Sparta ein- 
zutreten: Athens Eingreifen bei Haliartos entschied den Krieg 
zu Gunsten Thebens. (Sievers Gesch. Gr. 63 ff. vgl. S. 69 A. 1). Und 
die Rechnung war richtig gewesen, denn nach Konons Reise zum 
Grosskönig, und durch diese wie es scheint veranlasst, erklärte 
sich Persien rückhaltlos für die Staaten, welche Sparta Wider- 
stand leisteten. Es ging noch weiter und tat selbst Schritte um 
diesen Staaten neue Bundesgenossen zu wei-ben und den Ver- 
teidigungsbund in ein Angriffsbündniss umzugestalten (vgl. S. 68 f.). 

Spartas kleinasiatische Politik wurde auf diese Weise lahm- 
gelegt; Agesilaos musste zurückkehren. Seit Lysandros' Weg- 
gang hatte er allerdings mimittelbar nichts für eine dauernde 
Neugestaltung des griechischen Kleinasiens, für die Aufrichtung 
einer geordneten spartanischen Oberherrschaft getan (Plut. 
Kim. 19,3 Isokr. Phil. (V) 86—88 vgl. Er. 9, 13 f.), aber er 
hatte durch seine vielfach vom Glück begünstigten Raubzüge 
die Perser wenigstens wiederholt abgeschreckt und in achtungs- 
voller Entfernung von den Griechenstädten der Küste gehalten. 
Nachdem er mit der Hauptmacht abgezogen war, konnte nur 
noch die Flotte im weiteren Umfange einen Schutz der Städte, 
für die man angeblich Krieg führte, übernehmen. Aber da 
auch Persien in der letzten Zeit das Hauptgewicht auf die Flotten- 
rüstung gelegt hatte, war das lakedaimonische Geschwader 
auch sonst stark in Anspruch genommen. 

Trotz alledem hatte es Athen noch nicht gewagt, allein 
auf dem Schauplatze , auf welchem es vordem so unbestritten 



78 Zweites Kapitel. 

geherrscht hatte, zur See, unmittelbar den Kampf mit Sparta 
aufzunehmen. Noch mangelte das Geld, um kostspielige Flötten- 
rüstungen zu ermöglichen, auch schien die alleinige Bundes- 
genossenschaft Persiens auf diesem Gebiete wol eine zu un- 
sichere Stütze. Aber im Geheimen Hess man Konon alle 
Förderung angedeihen und erlaubte es Freiwilligen unter ihm 
zu dienen (S. 74 A.). Damals ohne Zweifel entstand das für 
Konons opferfreudigen, unermüdlichen Kriegseifer so ehrende 
Sprichwort noXtfiog dl Kovcovi (xtXi]ahi (Diogen. VE 75). Mit 
lebhafter Teilnahme und Sorge folgte man den Bewegungen 
der persischen Flotte, heissblütige Leute mochten auch wol 
schon von einer Wiederaufrichtung des alten athenischen See- 
reiches träumen^). Der Jubel ist deshalb begreiflich, den die 
Nachricht von dem glänzenden Siege Konons bei Knidos — r] 
vavfiaxia schlechthin wird er genannt — in Athen hervorrief. 

Aber dass Spartas Seeherrschaft nach dem Entscheidungs- 
kampfe bei Knidos mit einem Schlage zusammenbrach (Andok. 
Fried. (III) 22. Dtod. XIV 84, 4. Com. Nep. Gon. 4, 4. Plut. 
Artox. 21, 4. lust. VI 4, 1. vgl Oros. lü 1, 16), lag nicht nur 
an dem Verlust des grössten Teiles der Flotte, die sich nach 
und nach wieder ersetzen Hess und tatsachlich wieder ersetzt 
worden ist (vgl. S. 90 ff.), sondern vorwiegend daran, dass 
sie der Festigkeit und Ordnung entbehrte, dass das lakedai- 
monische Regiment vielen verhasst geworden war, und dass 
der Mann, der die Seele und die treibende Kraft der sparta- 
nischen Seepolitik gewesen war, Lysandros nicht mehr lebte. 
Mit klarem, weitem Blick hatte er von vornherein erkannt, 
dass nur eine eiserne Zucht die zerfahrenen, verwöhnten, 
immer unzufriedenen kleinasiatischen Griechen zusammenzuhalten 
vermöchte. Deshalb die Einrichtung seiner unbequemen und 
harten, aber festgefügten Dekarchien. Diese waren durch die 
Eifersucht von Lysandros' Gegenpartei aufgelöst worden (S. 35), 
und nach einer Zeit vollständiger Verwirrung das schöne 
Scheingebilde der Freiheit und Selbständigkeit an ihre Stelle 



1) Ueber Rhodos' Stellung zu'Athen im Frühling 395 vgl S. 63 A. 



Hella« und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 79 

getreten (S. 45). Agesilaos teilte im Ganzen Lysandros' Urteil 
über die Kleinasiaten (Plut. apophth. reg. et imp. Ages. 1. 
Lac. 64), aber er besass nicht die Begabung und die Kraft 
des Entschlusses, um Lysandros' Plan wiederaufzunehmen und 
durchzuführen. Durch Preise suchte er auf den kriegerischen 
Sinn der Einzelnen einzuwirken, sie zu gewinnen, und doch 
sassen nebenher in den meisten Städten spartanische Harmosten 
mit lastenden Besatzungstiuppen , und grosse Kriegsabgaben 
wurden auferlegt. Diese Verbindung von Zuckerbrod und 
Peitsche hat auch hier einen kläglichen Erfolg gehabt. 

Sehr klug hatte Konon Pharnabazos geraten, das alte 
Schlagwort der Autonomie wieder zu verwenden und zu ver- 
sprechen, dass er auf die Burgen der Städte, die sich ihm 
anschlössen, keine Besatzungen legen würde (Xen. IV 8, 1 — 3). 
Rasch hintereinander fielen die verschiedenen Städte von den 
Lakedaimoniern ab und vertrieben die Harmosten und Garni- 
sonen, so Kos, Nisyros und Teos, dann Chios, Mytilene, Ephesos, 
Erythrai (Diod. XIV 84,3.4. Xen. IV 8, 1.2^, Samos, Knidos, 
lasos (Diod. XIV 97, 3. vgl. S. 80); ja es scheint Sparta nichts 
geblieben zu sein ausser Abydos, das der tatkräftige Derkylidas 
hielt und mit Sestos zusammen zu einem Zufluchtsort für die 
flüchtenden Harmosten machte ^). Vergeblich belagerte Konon 
mit 40 Schilfen die Stadt von der Seeseite, während Pharna- 
bazos, der über Ephesos zu Lande in seine Satrapie zurück- 
gekehrt war, das Gebiet der Festung verwüstete. Da man 
nichts ausrichtete und der Winter nahte, gab man die Belagerung 
auf: Pharnabazos ging in seine Hauptstadt nach Daskyleion, 
Konon erhielt den Auftrag unter den hellespontischen Städten 



1) Xen. IV 8, 8—5. vgl. Dem. Aristokr. (XXIII) 158. Derkylidas war 
von Spurta an Agesilaos geschickt worden, um diesem den Sieg von 
Nemea zu melden (Xen. IV 3, 1 — 3). Er traf Agesilaos in Amphipolis 
und wurde von diesem angewiesen, auch den kleinasiatischen Griechen- 
Städten diesen Sieg zu verkünden. — Es ist nicht unmöglich, dass wir 
Polyainos* Erzählung (II 18) von der mannhaften Verteidigung eines 
Platzes durch einen lakedaimonischen Harmosten gegen die Athener 
(Konon!) auf diese Verteidigung von Abydos beziehen können. 



80 Zweites Kapitel. 

gegen Lakedaimon zu wirken und möglichst viele Schiffe zu 
sammeln. 

Die abgefallenen Städte, in denen mit diesem Parteiwechsel 
sieh wahrscheinlich auch die Verfassungen wieder vielfach 
änderten, priesen jetzt Konon als ihren Befreier, wie sie einst 
Lysandros gepriesen hatten: in Samos, Ephesos und Erythrai 
wurden seine Standbilder aufgestellt (Paus. VI 3, 16. vgl. VIII 
5% 4 Lebas-Wadd. Asie min. 39 = Hicks man. 70 — Dittenbg. 
SylK 53). Dennoch machten nicht alle gleichmässig von ihrer 
Freiheit Gebrauch ; die meisten waren derselben längst entwöhnt, 
sie fühlten das Bedürfniss sich an eine Grossmacht anzulehnen. 
Was war natürlicher, als dass sie auf die Macht zurückgriffen, 
die sie einst beherrscht hatte, die Sparta todfeind war und als 
deren mittelbaivr Vertreter ihnen Konon erschien , auf Athen. 
Konon tat gewiss das Seinige, um die Städte in diesen Ge- 
fühlen zu bestärken (vgl. S. 83), und so bildete sich olme Athens 
eigenes Eingreifen wieder ein athenischer Bund, freilich nur 
ein lost^ gefügter Verteidigungsbund Gleichberechtigter^). 

Ein eigenartiges Staatengebilde entstand dagegen im Süd- 
westen Kleinasiens, wo die mächtigen Seestädte Rhodos, Samos, 
Ephesos mit einigen kleineren wie Knidos und lasos sich zu 
einem eigenen sell)ständigen Bunde zusammenschlössen, dö- als 
Ganzes wol mit Athen in freundschaftliche Beziehung trat 
aber die neuerrungene tYeiheit und Selbstständigkeit in vollem 
Umfange geniessen wollte-). 

\) Di.Hi XIV S4. 4. 94. S. 4. Xeii. IV 8, 2S. Dem. Lept ^XXt 69. Isokr. 
Eaa^. (IX) 6^. V^U u. S^ 94 uad die Ausführungen Belochs, die »tt. 
Politik 5?eit IVakle«. fii. iU4 f. 

:J^ WavKUn^ton» Rev. mmu ISoS, 223—235: Head. Historiai numomm 
$. 496. 5H5k 5i.U. 52^. 540. X»cht sehr wjihrscheinlich ist es. dass 
auch Kjnkvv? sich viem Bund angesch^osssen h^fi (Waddington a. O. 235\ 
IVr Bund lC>^ti? sich» wenn nicht schon trüber, in der nr^iten Hälfte 
de« Jahr«i 3iH) wievier auf ^S. 91 A. It Dass er Athen fe^undlich war, 
geht au9 den £hren herYv>r« d;e trän Konon in Ephesos und Same» er- 
wies (Y^!» v\K ÄUii der Angabe IHovior« (XIV 97.3 . im Jahre 390 sei 
Sftw^M Athen aW^^enstig gemacht worden ^Tgl. S. 9U ausserdem das 
Firagment «im*« tlJtr die ^«&rL:er gefassten athenischen Volksl-eschlusses 
au» dem ei^Tfien Yiertei de« IV. Jh Jhaz. u^jr, l>c>9. S* ST», t'emer aus 
der Stellung, welche K('he<$o« gegecüivr I.iivcoa :m Jjihceö:^! «innimmt 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 81 

Unterdessen war der Winter 394 auf 393 vergangen. Mit 
dem Frühjahr 393 segelten Pharnabazos und Konon mit starker 
Flottenmacht wieder aus nach den Kykladen, um auch hier 
die lakedaimonische Herrschaft zu stürzen, dann über Melos 
nach der lakonischen Südküste. Bei Pharai am messenischen 
Golf wurde die blühende Küstenebene verwüstet und geplündert, 
dann fuhr man weiter nach Phoinikus auf Kythera. Die Stadt 
wagte keinen Wider^and, vielmehr erbaten sich die Bewohner 
freien Abzug nach Sparta. Dieser wurde gewährt, aber die 
Stadt mit einer Besatzung belegt und der Athener Nikophemos 
als Harmost eingesetzt^). An die Eurotasebene selbst scheinen 
Konon und Pharnabazos sich nicht gewagt zu haben, denn 
sie segelten von Kythera gleich nach Korinth, wo die Vertreter 
des Bundes gegen Sparta versammelt waren. Pharnabazos 
schloss mit ihnen ein förmliches Bündniss, zahlte ihnen Hülfs- 
gelder und ermunterte sie zu kräftigerer Kriegführung ; dann 
kehrte er selbst nach Asien zurück. Sein Karanosamt scheint 
er danach nicht mehr zu lange geführt zu haben (vgl. S. 84). 
Konon wurde auf seine Bitte mit der Hauptmacht der Flotte 
nach Athen geschickt, um den schon begonnenen Wiederauf- 



(S. 86) und der alten athenerfreundlichen Politik von lasos (vgl. Judeich, 
Athen. Mitth. XV 151). — Ein athenisches Ehrendekret für einen Rhodier 
aus dem Jahre 394/93 (CIA. II 9. vgl. Wilhelm, Hermes XXIV 115) ist 
vielleicht auch hierherzuziehen. — Die engen Beziehungen zwischen dem 
Bund und Theben, welche Holm, Griech. Gesch. III. 1891 S. 54 ff. aus 
den Münzen nachzuweisen sucht, würden der athenerfreundlichen Politik 
des Bundes nicht widersprechen. 

1) Xen. IV 8,7.8. Diod. XIV 84,4.5. Isokr. Paneg. (IV) 119. Dem. 
Lept. (XX) 68. Athen. I 3 d. Com. Nep. Con. 1, 1. lust. VI 5, 6. 7. vgl. 
Oros. III 1/22. Die Annahme Schondt's (Konon 44), dass Eonon ver- 
mutlich von Pharai nach Phoinikus in Messenien gefahren sei, weil es 
auf Kythera kein Phoinikus gäbe , ist unnötig : Xenophon beweist eben, 
dass es ein Phoinikus auf Kythera gab. Auf dieser Fahrt hat wahr- 
scheinlich Konon auch die alten Kleruchien Imbros, Lemnos, Skyros für 
Athen wiedergewonnen, die wenig später wieder in Athens Besitz er- 
scheinen (Xen. IV 8, 15. vgl. Beloch, att. Polit. 345). Ueber Dolos' Stel- 
lung in dieser Zeit vgl. Val. v. Schoeft'er, de Deli insulae rebus. 1889. 
S. 53 ff. 

JÜDEICH, Kleinasiatlsche Studien. 6 



82 Zweites Kapitel. 

bau der Mauern des Peiraieus und der langen Mauern zu 
fördern und zu beschleunigen^). 

Die Athener empfingen ihren Mitbürger in hellem Jubel, 
sie überschütteten ihn und seinen Freund Euagoras, der ihn 
im Unglück aufgenommen und unterstützt katte, mit Ehren, wie 
sie vordem in Athen noch nicht erhört gewesen waren 2). Und 
Konon war dieser Ehren wert. Er bekleidete das Amt eines 
persischen Admirals, aber trotzdem konnte er dem Gefühl, das 
ihn bei der Uebemahme dieses Amtes geleitet hatte, der 
Vaterlandsliebe nachgeben, ohne seine Pflicht zu verletzen, 
und bei der ausgesprochenen Feindschaft zwischen Persien und 
Sparta viel für seine Vaterstadt tun. So wurde mit seiner 
Unterstützung eine Söldnertruppe geworben (Androtion u. Philo- 
choros bei Harpokr. Suid. u. ^srixor iv Koghxßq)), mit seiner Hülfe 
der Mauerbau vollendet (vgl. A. 1 Corn. Nep. Con. 4, 5. Schol. 
z. Aristid. Panath. S. 81 Fr.). Zur Feier des Sieges von Knidos 
veranstaltete er ein grosses Opfer (Athen. 1 3 d) und weihte 
der Aphrodite Euploia einen Tempel im Peiraieus, in demselben 
heiligen Bezirke, den einst Themistokles dieser Göttin gestiftet 
hatte ®). 

Die Vaterlandsliebe riss aber später Konon zu weit fort und 
Hess ihn vergessen, dass er persischer Beamter war. Zunächst 
machte er den Versuch, eine Familien Verbindung zwischen Euagoras 

1) Xenoph. IV 8, 9. 10. Diod. XIV 85. Dem. Lept. (XX) 68. Corn. 
Nep. Con. 4,5. Paus. I 2, 2. lust. VI 5,8. vgl. Oros. III 1, 23. 24. Vgl. 
die Mauerbauurkunden bei Wachsmuth, die Stadt Athen im Alterthum 
II 1. 1890. S. III ff. 

2) Konon : Dem. Lept. (XX) 69. 70. Meid. (XXI) Schol. 62. Isokr. Euag. 
(IX) 57. Paus. I 3,2. 24,3. Euagoras: CIA. II 10b S.397 = Ricks man. 
72. Isokr. a.O. Dem. Phil. Br. (XII) 10. Paus. 13,2. Dass Münzen mit 
Eonons Bildniss geprägt seien, wie Schmidt Konon 17 nach Böses Ausgabe 
des Cornelius Nepos (1757) annimmt, ist ein Irrtum. Nach einer freund- 
lichen Mitteilung, die ich J. P. Six verdanke, handelt es sich dort um 
eine moderne Denkmünze aus dem 16., 17. oder 18. Jahrhundert. 

3) Paus. I 1,3. Ueber die erst neuerdings gesicherte Lage des 
Heiligtums vgl. Wachsmuth, Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1887 S. 370 tf. 
und dazu Judeich, N. Jahrbb. f. Philol. 1890 S. 728 f. üeber einen der 
Athena geweihten goldenen Kranz vgl. Lys. Arisloph. (XIX) .^9. Dem. 
Androt. (XXII) 72. Timokr. (XXIV) 180. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 83 

und Dionysios L von Syrakus zu vermitteln und Dionysios von 
der lakedaimonischen auf die athenische Seite zu ziehen. Er 
wollte so Athen einen Schutz auch gegen Persien schaflen, 
doch der Versuch misslang. Dann aber scheint Konon mit 
seiner grossen Flotte die Küstenstädte und Inseln, welche er 
auf der Fahrt von Asien zur Peloponnes noch nicht berührt 
hatte, aufgesucht und zum unmittelbaren Anschluss an Athen 
veranlasst zu haben ^). 

An diese Tätigkeit Konons knüpften die Spartaner an. 
Sie strebten, da ihre Herrschaft zur See vernichtet war und 
auch der Landkrieg nicht zu ihren Gunsten ausfiel, jedenfalls 
ihren Frieden mit Persien zu machen und entsandten, wahr- 
scheinlich noch Ende 393, Antalkidas zu dem an Phamabazos' 
Stelle neu ernannten Karanos von Sardes, Tiribazos, um Konon 
zu verdächtigen und das alte lakedaimonische Angebot der Ab- 
tretung Kleinasiens an den Grosskönig zu erneuern ^). Jetzt konnte 



1) Xen. IV, 8, 12. Diod. XIV 85, 4. Corn. Nep. Con. 5, 1. 2. Lys. 
Aristoph. (XIX) 19. 20. vgl. CIA. II 8 = Hicks man. 71 = Dittenb. 
Syll. 54. Koehler Athen. Mitth. I 4 tf. 

2) Xen. IV 8, 12. vgl. Plut. apophth. Lac. Ages. 60. Die Zeit der 
Absendang des Tiribazos lässt sich mit Sicherheit nicht feststellen, doch 
ist aus der Ausdrucksweise Xenophons ziemlich bestimmt zu entnehmen, 
dass sie noch während Konons Mauerbaues und während seiner Streifzüge 
nach den Küsten und Inselstädten erfolgte; möglicherweise ist sie sogar 
eine Folge davon: man fürchtete am Perserhofe ein zu rasches Erstarken 
Athens, das Phamabazos begünstigt hatte. Dadurch kämen wir etwa 
auf das Ende des Jahres 393. Mit dieser Annahme stimmt, dass der 
korinthische Krieg damals für Sparta sehr ungünstig verläuft (Sievers 
Gesch. Gr. 121 f. 385 ff. vgl. Xen. 8,1). — Später tritt erst wieder mit 
der Vernichtung der spartanischen Mora durch Iphikrates kurz nach den 
Isthmien (gegen Mitte) 392 Ol. 96,4 (Xen. IV 5, 11—17 vgl. 1—7. Diod. 
XIV 91,2) eine für Sparta ungünstige Wendung ein. Vgl. Sievers 122 ff., 
der durchaus richtig an dem Jahr .^92 für dieses Ereigniss festhält; der 
jetzt herrschende Ansatz 390 verträgt sich sehr schlecht mit den Kriegs- 
ereignissen. Zeit der Isthmien (April?) bei Unger Philol. XXX VJI 1 ff*. — 
Nur unter solchen für Sparta ungünstigen Verhältnissen lassen sich die 
erniedrigenden Worte des Antalkidas an Tiribazos begreifen : ort elQjjyrig 
deofiByog rixoc ty noXei nQog ßaaiXia xccl ravti^g oiaansQ ßaaiXevg Ened-vfjiei 
(Xen. IV 8, 14). — Es werden also die Verhandlungen zwischen Tiribazos 

6* 



84 Zweites Kapitel. 

Antalkidas sogar noch etwas mehr bieten: alle griechischen 
Staaten sollten nach Spartas Willen frei und selbständig sein, 
d. h. die Bildung eines grösseren Seebundes, der wie der erste 
attische Bund Persien unbequem werden konnte, sollte ferner- 
hin ausgeschlossen sein. Dem gegenüber durfte die antisparta- 
nische Liga nicht müssig bleiben; deshalb gingen auch von 
Athen und durch die Athener veranlasst von Theben, Korinth 
und Argos Gesandte an Tiribazos ab. Konon brachte sie nach 
Asien. Die Verhandlungen in Sardes verliefen ohne bestimmten 
Erfolg : die Athener fürchteten für ihre alten Besitzungen Lemnos, 
hnbros imd Skyros und wollten die kleinasiatischen Griechen 
nicht preisgeben, Theben weigerte sich die boeotischen Städte 
aus seiner Oberherrschaft zu entlassen, auch Argos und Korinth 
machten Einwendungen ^). 

Tiribazos selbst war über die Anerbietungen, welche ihm 
Antalkidas gemacht hatte, hoch erfreut; da er aus eigener 
Machtvollkommenheit, ohne Weisung seines Oberherrn, keine 
bestimmte Entscheidung treffen konnte, entliess er die Gesandten 
ohne klaren Bescheid, heimlich aber gab er Antalkidas Geld 
zu einer Flottenrüstmig. Konon wurde unter dem Vorwande, 
dass er mit wichtigem Auftrage zum Grosskönig abgehen 
sollte, nach Sardes gelockt und dort gefangen gesetzt: nach 
dem, was vorausgegangen war, vom persischen Standpunkt 
aus nicht ohne Berechtigung. Dann reiste Tiribazos selbst an 
den Hof2). 

und den griechischen Gesandten wahrscheinlich in den Winter 393/92 fallen, 
sodass die letzteren mit dem Beginn des Jahres 392 heimkehrten. Darauf 
wurde Konon verhaftet und Tiribazos reiste zum Grosskönig. 

1) Xen. IV 8,12—15. Plat. Menex. 245 bc. Die platonische Stelle 
hat K. W. Krüger, Hist.-philol. Studien 1836 I 129 ff. zueist richtig auf 
diese Verhandlungen bezogen. Inwieweit das dort hervorgehobene Ver- 
dienst der Athener um die kleinasiatischen Griechen ihnen allein anzu- 
rechnen ist, lässt sich nicht nachprüfen. Eonon, den man vielfach mit 
diesen Verhandlungen in Beziehung gebracht hat, war persischer Ad- 
miral, nicht athenischer Gesandter, und hatte deshalb unmittelbar gar 
nichts mit denselben zu tun gehabt. Dass er später erst durch Tiribazos 
nach Sardes gelockt wird (vgl. o.), kann diese Auffassung nur bestätigen. 

2) Xen. IV 8,15.16. Isokr. Paneg. (IV) 154. Diod. XIV 85,4. Com. 
Nep. Con. 4, 3. Schol. z. Aristeid. Panath. S. 86 Fr. vgl. S. 85 A. 1. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 85 

Für Athen war diese Entwicklung der Verhältnisse, trotz der 
Erfolge, die man vorher errungen hatte, trotzdem, dass Tiribazos' 
Feindschaft allein nicht so gefahrlich war, sehr wenig günstig. Dazu 
kam noch eine empfindliche Niederlage im korinthischen Kriege, 
die Wiedereroberung von Lechaion durch Agesilaos im Frühjahr 
392^). Deshalb entschloss man sich, noch ehe der Grosskönig 
gesprochen hatte, mit Lakedaimon zu unterhandeln ; der Redner 
Andokides ging als Bevollmächtigter nach Sparta und kehrte 
mit lakedaimonischen Gesandten und dem Friedensentwurf 
zurück, dass Athen Mauern, Schiffe und seine Besitzungen 
Skyros, Lemnos und Imbros behalten möge, alle übrigen Städte 
aber sollten frei und selbständig sein. Die Athener verlangten 
dagegen zum mindesten noch ihre Kleruchien und die thrakische 
Chersones (Andok. Fried. (III) 14. 15). Obwol Andokides selbst 
kräftig für den Frieden eintrat, obwol Thrasybulos nicht wider- 
sprach, kam es doch zu keinem Abschluss: unverrichteter 
Sache zogen die Lakedaimonier wieder ab. 

Dennoch wendete sich wider Erwarten alles zu Athens 
Gunsten: Iphikrates vernichtete im Sommer eine ganze spar- 
tanische Mora, und nach Asien kam zu gleicher Zeit als Statt- 
halter für den lakonerfreundlichen Tiribazos der athenerfreund- 
liche Struthas^). 



1) Clinton F. H. z. J. 893/92. Sievers Gesch. Gr. 385 f. 

2) Gewöhnlich setzt man jetzt diese Ereignisse (Andok. Fried. (III) 
Hypoth. Isokr. Areop. (VII) 65. Euag. (IX) 68. vgl. Aristoph. Ekkl. 
354—356 in. Schol.) gestützt auf Andokides a. 0. 20 io den Winter 
392/91 (C. Fuhr, Animadvers. in orat. Att. Diss. Bonn 1877 S. 5 ff. 
Blass, d. att. Beredsamkeit I* 1887 293 f. Beloch, att. Polit. 346 u. a.), 
oder noch später (Goetz, acta soc. philol. Lips. 11,2 1874 S. 346 ff.), 
aber da die Vernichtung der Mora durch Iphikrates aller Wahrschein- 
lichkeit nach in den Frühsommer 392 fällt (S. 83 A. 2), Andokides* Rede 
aber vor dieser Zeit liegen muss (Andok. a. 0. 18), so gehören auch diese 
Verhandlungen etwa in das Frühjahr 392, wohin sie vortrefflich passen. 
Die Zeitangabe des Andokides (a. 0. 20), dass die Boeoter vier Jahre lang 
vergeblich sich bemüht haben, Orchomenos zu bezwingen, ist dehnbar 
und so weit gefasst als irgend möglich (Fuhr a. 0. 8). Andokides hat 
das eben begonnene Eriegsjahr 392 als voll gerechnet. Das Friedens- 
bedürfnis der Boeoter, von dem Andokides spricht — er erwähnt auch 



86 Zweites Kapitel. 

Tiribazos hatte am Perserhofe für seine Pläne vorläufig 
noch keine günstige Stimmung gefunden, Artaxerxes wies sie 
ab; er schickte wie gesagt, vermutlich noch im Laufe des 
Jahres 392, Struthas als Karanos nach Sardes mit dem Befehl, 
den Krieg gegen die Lakedaimonier wieder aufzunehmen^). 
In der Zwischenzeit war es Konon gelungen, aus seiner Haft 
zu entweichen^). 

Struthas traf zunächst nirgends auf Widerstand, da die Lake- 
daimonier vorläufig abwarteten, welche Politik er einschlagen 
würde; als er aber mit seinem Wohlwollen für die Athener 
offen hervortrat, entschloss sich auch Sparta den Kampf zu er- 
neuern : wahrscheinlich im Laufe des Jahres 391 setzte Thibron, 
derselbe, welcher vor neun Jahren den Krieg gegen Persien 
eröffnet hatte, nach Ephesos über, wo man ihm die Landung 
nicht verwehrt zu haben scheint. Aber in die Stadt selbst 
ward er nicht aufgenommen, sondern verschanzte sich unweit 
derselben in zwei Lagern auf dem Koressos und in londa^). 



hier übertreibend bereits abgeschlossene Verhandlungen — giebt sich 
kund in der Friedensgesandtschuft, welche kurz vor der Vernichtung der 
Mora durch Iphikrates, eben im Frühsommer 392, bei Agesilaos erscheint 
(Xen. IV 5, 6 ff.) 

1) Xen. IV 8, 17. Diod. XIV 99, 1. vgl. Harpokr. u. Suid. u. ^ZQov&ag. 
Die Zeit seiner Ankunft ergiebt sich aus der von Tiribazos' Reise, wie 
aus der Erwägung, dass man Tiribazos* Stelle schwerlich lange unbesetzt 
gelassen hat. 

2) Deinon bei Com. Nep. Con. 4, 4. Lys. Aristoph. (XIX) 39. 41. 
Schol. z. Aristeid. Panath. S. 86 Fr. vgl. Aristoph. Ekkl. 196 m. Schol. 
u. Kap. III 1. Dass Eonon auf Struthas Verfügung hin freigelassen 
worden sei, wie man gewöhnlich annimmt (zuerst wol Curtius Gr. Gesch. 
III* 196), verträgt sich nicht mit Deinons Angabe, er sei mit oder ohne 
Tiribazos' Wissen geflohen ; überhaupt wäre eine Entlassung durch Struthas 
keine Flucht mehr. 

3) Xen. IV 8, 17. Diod. XIV 99, 1. Diodor ist hier genauer als Xeno- 
phon, der einfach Ephesos als Hauptquartier Thibrons nennt: der selb- 
ständige Bund, dem Ephesos angehörte (S. 80), bestand noch fort, aller- 
dings wurde er wenig später gesprengt (vgl. S. 91, A. 1). 

Der Name des Koressoskastells scheint Kyidlyioy gewesen zu sein 
(Diod. 8). 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 87 

Der alte Kriegsplan wurde auch diesmal wieder von ihm 
verfolgt: von Priene, Magnesia, Achilleion, die sich ihm an- 
schlössen, aus unternahm er Raub- und Plünderungszüge in 
die Maiandrosebene , ohne jedes Ziel, bald hier bald dort er- 
scheinend. Da man ihm persischerseits nicht entgegentrat, 
wurde Thibron immer sorgloser und kühner. Eben darauf aber 
hatte Struthas es angelegt. Sorgfältig gerüstet überfiel er mit 
starker Uebermacht die Plünderer auf einem ihrer Züge und 
brachte ihnen eine vernichtende Niederlage bei ; Thibron selbst 
mit einem grossen Teil seiner Leute fiel, die wenigen Uebrig- 
bleibenden seines Heeres retteten sich nach dem Koressoskastell. 
Das geschah um die Mitte des Jahres 390^). 

Der Schlag war für Sparta recht empfindlich, um so 
empfindlicher, als auch der korinthische Krieg keine rechte 
Entscheidung bringen wollte. Einige Vorteile errangen dagegen 
die Lakedaimonier im Seekriege, der eben jetzt wieder nach 
Kleinasien sich hinüberzuspielen begann. 

Athen scheint nach Konons Entfernung vom Kommando 
der persischen Flotte zunächst nichts getan zu haben, um sich 
der durch ihn neugewonnenen Bundesgenossen zu versichern. 
Da Struthas freundlich gesinnt war und die Spartaner sich noch 
nicht wieder in das aegaeische Meer wagten, brauchte man 
auch nirgends helfend einzugreifen ; man hatte genug mit dem 
Krieg daheim zu tun, der alle Kräfte verlangte (Isokr. Areop. 
(VII) 12). So finden wir im Herbst des Jahres 391 die athe- 
nische Flotte bei Oiniadai an der akarnanischen Südküste (Xen. 
IV 6, 14). 

1) Xen. IV 8, 18. 19. Diod. XIV 99, 3. Die Zeit von Thibrons Nieder- 
lage und Tod bestimmt sich aus Diodor, für den sie den Angelpunkt 
seiner Erzählung (unter 390/89 Ol. 91, 3) von Struthas* und Thibrons 
Tätigkeit abgegeben haben muss. Der Ansatz stimmt sehr gut zu dem, 
was wir sonst wissen (vgl. S. 90, A. 1), nur ist, woran uns nichts hindert, ein 
möglichst früher Zeitpunkt innerhalb des betreffenden Jahres anzunehmen. 

Thibron wird also, wie erwähnt, im Laufe des Jahres 391 in Asien 
eingetroffen sein: man beschloss die Erneuerung des Krieges in Sparta 
doch erst, nachdem Struthas schon einige Zeit als Statthalter in Klein- 
asien war (vgl. o.). Dass Thibron länger auf seinem Posten blieb, er- 
weist Xenophon IV 8,18: 7i(ioi6yzog de tov x(^oyov xvX, 



88 Zweites Kapitel. 

Dann nötigten allerdings die Ereignisse, dem Osten eine 
grössere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Thibron war nach Asien 
übergesetzt, dazu kamen Unruhen zwischen den verschiedenen 
Parteien in Rhodos, welche in der ersten Hälfte des Jahres 390 
zu ernsten Kämpfen führten (vgl. S. 90), endlich hatte sich im 
Jahre 391 Athens Freund und Bundesgenosse Euagoras auf 
eigene Hand eines grossen Teiles von Kypros bemächtigt, und 
Anfang 390 waren persische Streitkräfte unter Autophradates 
und Hekatomnos dorthin abgegangen, um den Aufstand nieder- 
zuwerfen (Kap. III 2). 

Die Athener waren in einer peinlichen Lage; der Mann, 
dessen Rührigkeit vor allem sie Konons Ernennung zum per- 
sischen Admiral und alles , was aus dieser Ernennung gefolgt 
war, verdankten, hatte sich gegen die Macht erhoben, mit 
deren Unterstützung Spartas Seemacht zertrümmert worden 
war, die Macht, welche seit dem peloponnesischen Kriege zu 
den begehrenswertesten Bundesgenossen gehört hatte. Es ist 
begreiflich, dass man schwankte, ob man sich auf ein weitaus- 
sehendes überseeisches Unternehmen einlassen wollte; schliesslich 
aber drang Konon mit seiner dahin zielenden Ansicht durch. 
Tiribazos Eingreifen und die von ihm geführten Verhandlungen 
hatten gezeigt, wie unsicher der von Konon wiederbegründete 
Einfluss Athens in Kleinasien war, wie Sparta fest entschlossen 
war, um den Preis der kleinasiatischen Städte mit Persien 
seinen Frieden zu machen. Wenn man an ein Wiederaufleben 
des alten athenischen Seereiches dachte, und daran dachte im 
Gegensatz zu der conservativen Ritter- und Bauernpartei die 
grosse Zahl der Kaufleute, die Ilandelspartei in Athen, die 
stets auf Ausdehnung des athenischen Machtbereiches gedrängt 
hatte (vgl. H. Nissen, Hist. Ztschr. 1890 S. 389 fif.), mit ihr die 
Menge der Besitzlosen und Verarmten — dann konnte man das 
endgültig nur gegen, nicht mit Persien durchsetzen, das lediglich 
auf Konons Rat die Ansprüche auf die kleinasiatischen Griechen- 
städte für einige Zeit scheinbar aufgegeben hatte. 

So kam das von Konon vertretene und angeregte Bündniss 
zu Stande zwischen Athen und den beiden Mächten, die selbst 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 89 

im engen Verein sieh eben glücklich gegen Persien behaupteten, 
Euagoras von Kypros und Akoris von Aegypten ^). Im Sommer 
390 weilte eine Gesandtschaft des Euagoras in Athen (Kap. III 2), 
durch sie wird der Abschluss des Bündnisses erfolgt sein. 

Um dieselbe Zeit waren in Sparta Gesandte aus Rhodos 



1) Das Bündniss Athens in dieser Zeit mit Euagoras von Kypros 
einerseits (Xen. IV 8^ 24) mit dem Aegypterkönig andererseits (Aristoph. 
Flut. 178) ist eine Tatsache, welche an sich schon die vorher entwickelten 
Vermutungen rechtfertigt. Ausserdem aber hat Goetz, Acta soc. philol. 
Lips. 1872 S. 356 ff. sehr richtig auf dieses Bündniss Aristophanes' Ekkl. von 
193—208 bezogen, die ein deutliches Bild der allgemeinen Lage in Athen von 
damals geben (vgl. S. 91 A. 2). Seine Erkläruncr des Scholions zu V. 193 f. ne^l 
de Tov (TVfXfjia^ixov ^tXoj^oqog laro^el ozi n^o dvo itcoy iyeyeto avfjLfiaj^ia 
^Ad-r^ycdcoy (AaxeSai^oyLayy Udss.) xai Bokozmv aus einer Verwechslung 
des Archon Demostratos fQr 390/89 Ol. 97, 8 , unter dem an den Lenaien 
das Stück wirklich aufgeführt wurde, mit dem Archon Demostratos des 
Jahres 393/92 Ol. 96, 4 (S. 355) ist mit Berücksichtigung der vordus- 
gehenden Worte des Scholiasten ^ fjLBv yvwfiri zig riv xal vno zlyog, udriXoy, 
wie der Schwierigkeiten, welche bei dem Jahre 392 als Aufführungsjahr 
eintreten (S. 339 ff.), einfach schlagend. Auch der ganz gewandt an- 
gelegte Versuch von Fr. Kaehler, de Aristophanis Ecclesiazuson tempore 
et choro quaest. epicrit. Diss. Kiel 1889 S. 1 ff., die Ansicht Velsens, dass 
die Ekklesiazusen an den Lenaien 390 aufgeführt worden seien, von neuem 
zu erweisen, ändert nichts an Goetz' Ansatz. Der Versuch ist missglüukt, 
weil er Thrasybulos' Aufbruch als im Frühjahr 390 erfolgt voraussetzt 
(23): Thrasybulos ist aber zweifellos erst nach Herbst 390, wahrschein- 
lich Frühjahr 389 aufgebrochen (vgl. S. 92 u. Kap. III 2). — An dieser 
Stelle lässt sich noch einiges zu Goetz* Beweis zufügen: Es ist von 
vornherein wahrscheinlich, dass, da die Ekklesiazusen und der Plutos 
vielfache Beziehungen zu einander aufweisen (Goetz 336 f), das ivfÄfj,a- 
Xixoy hier (193) auf das gleiche Bündniss anspielt, wie die avfji^axLct mit 
den Aegyptern dort (178). Ferner bemerkt zu V. 196 {zmy de ^rjzoQMy) o 
zovz" uyaneLaag evd-vg clnod{)ug oi/ezo der Scholiast Koytoya keyec gewiss 
aus guter Quelle, denn Konon hat bei diesem Bündniss die Hauptrolle 
gespielt (vgl. o.); seine Vertrauten waren in Athen Aristophanes , des 
Nikophemos Sohn (Lys. Aristoph. (XIX) 21. 23. 43 (vgl. S. 81) und Hie- 
ronymos (Ekkl. 201) vgl. S. 65. 

Das (Inodqug ^ezo ist eine Verspottung von Konons Flucht aus per- 
sischer Gefangenschaft (S. 82), bzw. es wird damit ebenso sehr auf Konons 
Flucht wie auf seine Abreise aus Athen (Kaehler a. 0. 19 f. A. 60) an- 
gespielt. Ueber die weiteren Anspielungen in den Ekklesiazusen auf die 
Verhältnisse des Jahres 389 vgl. S. 91 f. 



90 Zweites Kapitel. 

eingetroffen, Aristokraten, deren Partei den Demos damals ge- 
rade gewaltsam unterdrückt und sich der Herrschaft bemächtigt 
hatte (vgl. S. 64. 88). Sie erbaten und erhielten Unterstützung 
durch die Lakedaimonier ; aber noch ehe diese bewilligt, sicher 
bevor sie abgesendet war, kam die Nachricht von Thibrons Tod 
und der schweren Niederlage seiner Truppen, die wahrscheinlich 
auf die Entschliessungen der Regierung miteingewirkt hat. So 
bekam der Nauarch Ekdikos den Befehl, mit sieben Schiffen den 
Rhodiern beizustehen, ihn begleitete vielleicht als Harmost 
für Rhodos bestimmt Philodikos und als Nachfolger Thibrons 
Diphridas ^). 

Ekdikos landete in Knidos, das also jetzt abermals sich 
Sparta zugewendet haben muss, aber da in Rhodos unterdessen 
die demokratische Partei wieder die Herrschaft sich gesichert 

1) Diod. XIV 97, 1—3 Xen. IV 8,20—22. Diodor hat hier den Sturz 
der Demokratie zum Angelpunkt seiner zeitlichen Einordnung gewählt 
und die daruus folgenden Ereignisse angehängt. So kommt er zu der 
seltsamen Reihenfolge, dass er die Absendung von Thibrons Nachfolger 
Diphridas früher erwähnt als Thibrons Absendung (vgl. S. 86 A. 3). 
Dennoch stehen die hier geschilderten Begebenheiten mit Diodors Ansatz 
von Thibrons Tod (Mitte H90) in vollkommener Uebereinstimmung. Die 
Unruhen in Rhodos fallen nach Diodor in das Jahr 391/90 Ol. 97, 2, sie 
können recht wol einige Zeit gedauert haben , ehe es den Aristokraten 
gelang, die Oberhand zu bekommen. Dass die von ihnen abgeschickte 
Gesandtschaft erst um Mitte 390 in Sparta eintraf, dem steht nichts im 
Wege. Als dann aber die Nachricht von Thibrons Tode anlangte, tat 
höchste Eile not; daraus erklärt es sich, dass Diphridas gleich mit den 
bereits segelfertig gemachten Schiffen im Hochsommer 390 abfuhr. Für 
diese schnelle Folge der Ereignisse spricht ausserdem , dass Diphridas 
Struthas' Schwiegersohn Tigranes auf der Reise nach Sardes gefangen 
nimmt (S. 100). Tigranes hatte nach Thibrons entscheidender Niederlage 
offenbar alles für sicher gehalten. 

Aehnlich rasch muss auch die Entsendung desTeleutias an Ekdikos' 
Stelle erfolgt sein (vgl. u.), da durch Teleutias wieder die athenischen 
Trieren ilberrascht werden (S. 91); auch versteht man es so leichter, dass 
Diodor die Tätigkeit des Ekdikos mit der des Teleutias zusammenwirft 
(vgl. S. 91 A. 1). Sonach wird Teleutias etwa im Spätsommer 390 nach 
Asien übergefahren sein. Thrasybulos folgte ihm wahrscheinlich erst im Früh- 
jahr 389 (vgl. S, 92). Die Abweichung in der Zahl der Schiffe des Ekdikos 
bei Xenophon (acht) und Diodor (sieben) ist wol dahin auszulegen, dass 
ersterer die für Diphridas bestimmte Triere mitrechnete, letzterer nicht. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des lY. Jahrh. 91 

hatte und eine doppelt so starke Flotte besass als er selbst, 
wagte er sich nicht heraus und meldete den Umschwung der 
Verhältnisse nach Sparta. Daraufhin wurde sofort Teleutias, 
der mit zwölf Schiffen im korinthischen Meerbusen kreuzte, 
von dort nach Kleinasien geschickt. Er segelte zunächst nach 
Samos, das sich wie Knidos den Lakedaimoniern von neuem an- 
schloss, weiter nach Knidos, um Ekdikos' Schiffe zu übernehmen, 
endlich mit einer Flotte, die durch die Schiffe der neu gewor- 
benen Bundesgenossen auf 27 Trieren angewachsen war, nach 
Rhodos. Auf dieser Fahrt begegnete er einem athenischen 
Geschwader von zehn Schiffen unter Philokrates, das bestimmt 
war, Euagoras Hülfe zu bringen; er überraschte es vollständig 
und nahm alle Schiffe. Dann legte er sich vor Rhodos vor 
Anker, Ekdikos kehrte nach Hause zurück^). 

hl Athen war die Bestürzung und Erbitterung gross, als 
im Spätsommer 390 die Nachricht von dem Verlust der Schiffe 
des Philokrates anlangte. Es fehlte nicht an Beschuldigungen 
gegen die Männer, welche zu dem Unternehmen geraten hatten, 
ja zwei derselben, Nikophemos und Aristophanes scheinen ihren 
Eifer für die Unterstützung des Euagoras mit dem Tode haben 
büssen zu müssen (vgl. Kap. HI 2). Aber zurück konnte man jetzt 
nicht mehr, und so entschloss man sich zu einer gewaltigen 
Rüstung ^). 



1) Xen. IV 8, 22—24. Diod. XIV 97, 3. 4. Diodor vermischt Ekdikos' 
und TeleutiaR* Taten. Philokrates erscheint noch in Deaiosthencs' Rede 
gegen Aristokrates (XXIII) 116. Mit der Erneuerung des Bündnisses 
zwischen Samos, Enidos und Sparta ist, wie schon Waddington Rev. 
nun). 1863 S. 233 richtig bemerkt, der Sonderbund zwischen Samos, 
Enidos, Ephesos u. s. w. (vgl. S. 80) gesprengt worden. 

2) Diese Verhältnisse schildern uns die schon (S. 89 A. 1) angeführten 
Verse aus Aristophanes' Ekklesiazusen V. 193—203. Das ote öq d' iyeyet' 
(das Bündniss Athens mit Euagoras und Aegypten) rix^ovto (195), bezieht 
sich wol auf den Umschlag der Stimmung, welche das Misslingen von 
Philokrates* Zug bei den Leuten hervorrief, die erst lebhaft für das 
Bündniss eingetreten waren (194: ei fzrj yst/oLz ^ dnoXelv Htpaaxoy rri^ 
noUv). Die Worte (202 f.) : 

(fioTrjQia naQSxvtpey, dXk* (OQ(fC€Tac (Meineke, o^i^erai Hdss.) 
®QaavßovXog avzog ov^l naqaxaXovfJLevog. 



92 Zweites Kapitel. 

Thrasybulos erhielt den Oberbefehl über eine Flotte von 
40 Schiffen und die Weisung zunächst den bedrängten Rhodiern 
zu Hülfe zu kommen. Mit dem Frühjahr 389 lief er aus, doch 
fand er in Rhodos die Verhältnisse nicht verändert: die athe- 
nische demokratische Partei ungeschwächt im Besitze der Stadt 
und anderer wichtiger Punkte, die Aristokraten in einem Lager 
verschanzt, in der Nähe die lakedaimonische Flotte unter 
Teleutias ^). Thrasybulos sah, dass dieser Zustand in geraumer 
Zeit sich nicht ändern würde, dass er auch selbst nicht im 
Stande sein werde eine Veränderung herbeizuführen. Seine 
Flotte war frei und Hess sich anderweit nützlicher verwenden. 
Dadurch kam er auf den Gedanken der Erneuerung des alten 
attischen Seebundes wie es scheint ganz aus eigener Initiative : in 
diese Zeit fällt die Einführung des »Zwanzigstel des Thrasybulos«. 

Das Bundesverhältniss , welches Konon bei seiner Fahrt 
längs der Küsten und über die Inseln des aegaeischen Meeres 
zwischen den dort gelegenen Städten und Athen angeregt hatte 



haben dagegen vermutlich weit<?r keinen tieferen Sinn, als dass ein Auf- 
schwung Athens begonnen hat, aber Thrasybulos mit seinem ungestümen 
Vordrängen denselben gefährden könnte. Ausserdem lässt sich den 
Worten wol entnehmen , dass Thrasybulos noch nicht ausgelaufen ist, 
was die Verse 197 f. : 

yavg det xa&iXxeiv rw nivriti fJ^ey doxei, 
Tolg nXovffioig de xcd yewQyolg ov doxel 
bestätigen. 

1) Xen. IV 8, 25 Diod. XIV 94, 2. Der nähere Zeitpunkt von Thra- 
sybulos* Ausfahrt ergiebt sich aus Anui. 1. Dazu stimmt, dass wenn 
Philokrates* Missgeschick wirklich in den Spätsommer 390 gehört (S. 91), 
eine so bedeutende athenische Flotte wie die des Thrasybulos nicht 
vor dem Frühjahr 389 zum Auslaufen fertig sein konnte. Dass er 
zuerst an die kleinasiatische Westküste und dann erst an den Hellespont 
gefahren ist, hebt Diodor ausdrücklich hervor, vgl. S. 94 A. 1. Xenophon 
widerspricht nicht: natürlich niusste sich Thr. auch erst von dem Stand 
des Krieges auf Rhodos selbst überzeugen, ehe er einen anderen Plan 
verfolgen konnte. 

Diodors Irrtum, der die Abfahrt des Thrasybulos im Jahre 392/91 
Ol. 97,1, den Tod (vgl. u.) im Jahre 390/89 erzählt, hängt vielleicht 
auch mit den beiden gleichnamigen Archonten (Demostratos) der Jahre 
393/92 und 390/89 zusammen (vgl. S. 89 A. 1). 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 93 

(S. 80) , hatte nur ein ganz loses sein können , ohne Einheit, 
ohne Bundesbeitrag; eine Reihe von einzelnen Schutzbündnissen. 
Seit der Schlacht von Aigospotamoi hatte sich auch noch keine 
athenische Flotte wieder in den kleinasiatischen Gewässern 
gezeigt, da konnte man keine Unterordnung verlangen: Konon 
war persischer Admiral, das Geschwader des Philokrates hatte 
ein anderes Ziel als die kleinasiatische Westküste, wurde ausser- 
dem abgefangen, so war Thrasybulos wirklich der erste athe- 
nische Strateg, der seit dem Ende des peloponnesischen Krieges 
an den kleinasiatischcn Küsten erschien, der erste, der daran 
denken konnte wieder einen athenischen Seebund zu schaffen. 
Dass er den Bund wirklich geschaffen hat, ist ihm darum 
nicht minder hoch anzurechnen. Die nächste Veranlassung 
dazu scheint eine ganz äusserliche gewesen zu sein. Thrasy- 
bulos brauchte Geld, um seine grosse Flotte zu erhalten. Von 
Athen durfte er nichts erwarten, dort hatte man nur mit Mühe 
die Schiffsrüstung selbst aufgebracht; die persischen Hülfsgelder 
hatten aufgehört, aber dennoch war das Verhältniss zu Persien 
noch immer freundlich (Xen. IV 8, 24. 27), dort konnte er 
nicht plündern. Von den kleinasiatischen Städten waren, wie 
gesagt, viele mit Athen verbündet, oder doch Athen wohlgesinnt 
(vgl. o. u. S. 102), und die wenigen, die zu Sparta hielten, 
waren stark und wohl besetzt, auch hier liess sich mit Gewalt 
nichts erreichen. Da war es denn ein kühner, grossartiger Gedanke, 
die kleinasiatischen Städte wieder enger an Athen zu fesseln, 
sie mit der vorhandenen ansehnlichen Flottenmacht zu schützen 
und zugleich damit imd zum Entgelt dafür die Mittel zur Unter- 
haltung der Flotte zu bekommen. 

Viele Städte mochten diese Neuordnung, die ihnen einen 
festeren Rückhalt sowol gegen Persien wie gegen Lake- 
daimon gewährte, wirklich freudig begrüssen, und wenn eine 
oder die andere auch keine Neigung dafür besass, war sie ver- 
einzelt und konnte keinen erfolgreichen Widerstand wagen, 
auch liess Thrasybulos wol den Städten zum Wählen keine 
lange Zeit und führte rücksichtslos seinen Plan durch. Hier 
und dort hat er sogar in die inneren Verhältnisse eingegriffen 






94 Zweites Kapitel. 

und Besatzungen in die Städte gelegt (Athen. Mitth. VII 175 
Z. 11 flf.). Für die Art der Besteuerung griff er ganz verständ- 
licher und den Verhältnissen angemessener Weise auf die alte 
Kriegsmassregel vom Jahre 412, die dxoatrj zurück, eine 5% 
Steuer auf Ein- und Ausfuhr. 

Gewiss tat man durch dieses Vorgehen einen weiteren 
Schritt vorwärts gegen Persien, aber nur einen Schritt auf dem 
Wege, welchen man mit dem Bundesverhältniss zu Euagoras von 
Kypros und Akoris von Aegypten (S. 89) schon betreten hatte : 
Athen ist ihn auch weitergegangen (vgl. Köhler a. 0. 318 f. u. 
S. 101 flf.). Natürlich war trotzdem eine starke Partei in Athen 
dagegen: einzelne Städte — Halikarnassos wird besonders ge- 
nannt — mochten über Vergewaltigung geklagt haben und 
fanden bei den Gegnern des Thrasybulos und seiner Politik, 
vermutlich der Bauernpartei, williges Gehör (Lys. Ergoki. 
(XXVIII) 2. 11. 17 Aristoph. Plut. 550 Isokr. Panath. (XII) 
100). Man behauptete, dass Thrasybulos und seine Mitfeld- 
herrn sich nur hätten bereichern wollen u. a. m. (vgl. Lys. a. O. 
4. 5). Diese Beschwerden und ihre Folgen machten sich aber 
erst geltend, nachdem der neue Bund in der Hauptsache 
bereits geschaffen war. 

Thrasybulos segelte von Rhodos zunächst an die karisch- 
ionische Küste, w^o uns Halikarnassos und Klazomenai als 
Bundesmitglieder begegnen, und nachdem er hier die ersten 
Zölle erhoben hatte, weiter nordwärts in die hellespontischen 
Gewässer ^). Es gelang ihm dort die sich streitenden Thraker- 



1) Diod. XIV 94.2: ovxog (Thrasybulos) 6k nXevaag eis 'Itoviav xai 

Vgl. Swoboda, Athen. Mitth. VII (1882) 174 f. 188 f. Köhler ebd. 315 f. 
Doch ist an die eben angeführten Worte Diodors und nicht an die Worte 
Xenophons (IV 8, 30) zus fxey nqocriynyexo (Thrasybulos) x(av noXetoy^ 
welche Köhler (a. 0. 318 A. 1) schon richtig nur auf die lesbischen 
Städte (vgl. u.) bezogen hat, die Einrichtung der inl G^aavßovXov elxoatrj 
anzuknüpfen. Die Worte Diodors deuten auch schon an, dass Thrasy- 
bulos allein der Neuschöpfer dieser alten Massregel (Thuk. VII 28, 4 vgl. 
Swoboda a. 0. 187) war, und dafür bietet der bei Lysias Ergoki. (XXVIII) 5 
erhaltene Volksbeschluss: r« xQtjfxarcc unoyQuipai rn ix ttov noXetoy 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrb. 95 

fürsten Medokos und Seuthes zu versöhnen und für Athen zu 
gewinnen und damit auch die thrakischen Griechenstädte zum 
engeren Anschluss an Athen zu nötigen (Xen. IV 8, 26 Diod. 
XIV 94, 2), insbesondere scheint Thasos ihm damals zugefallen 
zu sein '). Dann nahm er den Lakedaimoniern Byzantion und 
stellte dort die Demoknitie wieder her; auch wurde der alte 
Durchfahrtszoll von 10^ o durch ihn neu verpachtet, Kalchedon 



ei'krifÄfjiiya xcct rovs uqj^opxag tohg fj.6T^ ixeiyov (Thraaybulos) xata- 
nXeiy 6v&vyag dwaoytag, eine wichtige Bestätigung (vgl. S. 96). 

Dass die Einführung der eixoatij wirklich in den Anfang von Thra- 
sybulos* Strategie gehört, wird dadurch wahrscheinlich gemacht, dass ihn 
die Nachricht von den Klagen und der Agitation gegen seine Politik, viel- 
leicht auch schon von der Rückberufungj seiner Mitfeldherrn, noch im nörd- 
lichen Eleinasien, wahrscheinlich sogar noch im Hellespont erreicht hat (vgl. 
S. 96). — Die Gewinnung von Elazomenai für den neuen Bund fügt sich in 
diese Zeit am passendsten ein. Der Beschluss vom Jahre 3^7/86 (Swoboda 
a. 0.) bezieht sich nur auf eine Erneuerung des Bundesverhältnisses nach 
einem inzwischen erfolgten Abfall (vgl. Köhler a. 0. 315 f.): sonst Hesse 
sich für den Eintritt in den Bund nur noch das folgende Jahr 388 denken, 
in dem Thrasybulos vor Chios sich aufhält (vgl. u.). Halikarnassos ist 
mit unter den beschwerdeführenden Städten (vgl. S. 94). 

1) Dass der bei Demosthenes Lept. (XX) 59 erwähnte Abfall der 
Thasier zu Thrasybulos wahrscheinlich in diesen Zusammenhang gehört, 
hat schon Sievers Gesch. Gr. 131 richtig bemerkt, vgl. Aristeid. Schol. 
S. 435 Fr., Beloch, att. Polit. 345. Auch die Inschrift CIA. II 4 wird 
hierherzuziehen sein. — Die Meinung von Foucart Bull, de corr. hell. 
XII 163 f., Szanto Athen. Mittheil. XV 73 u. a., dass diese Urkunde 
ebenso wie die Demosthenesstelle in den Ausgang des peloponnesischen 
Krieges gehöre, kann ich aus den von Beloch bereits vorgebrachten 
Gründen nicht teilen , dass unmittelbar an den Abfall von Thasos zu 
Thrasjbulos die Uebergabe von Byzantion an denselben Thrasybulos, 
welche zweifellos in diese Zeit zu verlegen ist, angeknüpft wird, und 
dass wir nur in diesem Zusammenhange die Worte attioi tov yeyea&at 
avfjfxaxoy top neql &^uxriy tonoy vfÄiy iyByoyto , verstehen können. 
Auch was Ulrich Köhler a. 0. 314 ff. gegen die Herstellung des atheni- 
schen Einflusses in diesen Gegenden durch Thrasybulos angeführt hat, 
scheint mir nicht zwingend. Die von ihm besprochenen Urkunden deuten 
allerdings auf eine Erneuerung des Bundesverhältnisses {ote [&Qaff\v- 
ßovXog r]()[x^y])f wie die von Klazomenai, wie dort kann aber in der 
schwierigen Zeit nach Thrasybulos' Tod (S. 98), auch hier die lakedai- 
monisch gesinnte Partei wieder aufgekommen sein. Eine solche bestand 
zu derselben Zeit ja auch in Lesbos (vgl. S. 96). 



1 



96 Zweites Kapitel. 

zum Bündniss mit Athen gebracht, kurz das Ansehen und der 
Einfluss Athens überall neu begründet^). Phamabazos, der 
Satrap von Daskyleion, dessen Herrschaftsgebiet in erster Linie 
von diesen Umgestaltungen des Thrasybulos berührt wurde, 
bewährte seine neue Freundschaft für die Athener und erhob 
keinen Einspruch (Xen. IV 8, 31). 

Mehr Schwierigkeiten fand Thrasybulos in Lesbos, wohin 
er sich nun wandte. Noch ehe er landete, vernichtete ein 
heftiger Sturm den grössten Teil seiner Flotte (Diod. XIV 94, 3) ; 
in Lesbos selbst war nur Mytilene noch athenisch gesinnt, alle 
anderen Städte hatten sich wieder Sparta angeschlossen, viel- 
leicht infolge der Wiederaufrichtung des attischen Seebundes 
und der Einführung der elxüarr]. So musste Thrasybulos sich 
zu einem zeitraubenden Kriege entschliessen , doch glückte 
es ihm vor Methymna, den lakedaimonischen Harmosten der 
Stadt, Therimachos zu schlagen; dieser fiel selbst im Kampfe; 
Antissa und Eresos ergaben sich freiwillig, das Gebiet der 
übrigen Städte — von grösseren blieben ausser Methymna nur 
Pyrrha und Arisba — verwüstete Thrasybulos weit und breit 
(Xen. IV 8, 28—30 Diod. XIV 94, 3. 4 vgl. Isaios IX 14). Darüber 
verging der Winter des Jahres 389/88 (vgl. S. 98 A. 2). 

Spätestens damals muss zu Thrasybulos und seinen Mit- 
feldherrn die Kunde gelangt sein, wie wenig einverstanden ein 
Teil der athenischen Bürgerschaft mit ihrem kühnen Vorgehen 
war. Auch der Volksbeschluss, welcher diese Mitfeldherrn, von 
denen uns nur der eine Ergokles bekannt ist, zur Berichterstattung 
und Rechenschaftsablage nach Athen berief (vgl. S. 94 A.), ist 
wol damals spätestens gefasst und ihnen übermittelt worden. 
Der Versuch Thrasybulos zu Gewaltmassregeln gegen diesen 
Beschluss zu veranlassen, scheiterte, desshalb mussten die Feld- 
herm dem Befehl folgeleisten; sie sind später verurteilt worden ^). 



1) Xen. IV 8, 27. 34 Dem. Lept. (XX) 60. Abydos blieb aber auch 
weiterhin in Spartas Besitz vgl. Xen. IV 8, 32. 

2) Ergokles forderte Thrasybulos auf, den Volksbeschluss mit der 
Besetzung von Byzantion (Sperre der Getreidezufuhr!) zu beantworten 
und sich durch Verheiratung mit einer Tochter des Königs Senthes von 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jabrh. 97 

Mit dem Frühjahr 388 brach Thrasybulos durch Schiffe aus 
Mytilene verstärkt wieder auf; er fuhr zunächst nach Chios und 
nachdem er auch dort Unterstützung erhalten hatte, weiter auf 
Rhodos zu. Rhodos war von Teleutias seit dem Sommer 389 ge- 
räumt worden, doch hatte nach einer kurzen Zwischenzeit dessen 
Nachfolger Hierax hier wieder sein Standquartier genommen ^). 
Noch waren die Demokraten auf der Insel im Vorteil (vgl. 
S. 98), und wie im vorhergehenden Jahre konnte Thrasybulos 
zunächst ihnen nichts weiter nützen; um sie von der lake- 
daimonischen Flotte ganz zu befreien, brauchte er mehr Truppen 
und dafür wieder mehr Geld ; er setzte deshalb seine Streifzüge 
an der kleinasiatischen Südküste fort. Die alte attische Bundes- 
stadt an der lykischen Küste Phaseiis wurde, wenn auch nicht 



Thrakien einen Rückhalt zu schaiFen (Lys. Ergoki. (XXVIII) 56), also 
hielt sich die athenische Flotte allem Anschein nach noch in jenen Ge- 
bieten auf. Thrasybulos hatte eben Seuthes mit Medokos versöhnt (S. 95). 
Damit stimmt überein, dass nach Thrasybulos' Tod die Trierarchen die 
Führung der Flotte übernahmen (Diod. XIV 99,3 S. 98), ofienbar, weil 
kein Stratege ausser Thrasybulos vorhanden war. Aus dieser Angabe geht 
auch hervor, dass wir in dem Volksbeschluss die Worte tovg äqxoytas 
tovg fjL€T* BxeLvov ganz wörtlich nur auf Thrasybulos Mitfeldherrn zu 
deuten haben. Thrasybulos konnte man nicht entbehren ; man hatte sich 
wol auch zunächst nicht an ihn gewagt. Die Ansicht Bei ochs, att. Polit. 354, 
der Beschluss sage nur, dass »Thrasybulos und seine Mitfeldherrn .... mit 
Ablauf ihres Amtsjahres zur Rechenschaftsablage nach Athen berufen 
wurden«, wird damit ganz hinfallig ; vgl. auch Rose in Comm. philol. München 
1891. S. 93: Euthyne nach Ablauf des Amtes war selbstverständlich. 

1) Diod. XIV 94, 4 Xen. IV 8, 30. Die Zeit der Amtsführung des 
Teleutias und Hierax lässt sich ziemlich sicher bestimmen. Teleutias 
kommt von Geldeintreibungen auf den Inseln nach Aigina, während der 
athenische Feldherr Pamphüos dort von einer lakedaimonischen Abteilung 
unter Eteonikos belagert wird (Xen. V 1, 1. 2). Diese Belagerung muss 
aber im Sommer 389 begonnen haben, da Pamphilos nach fünfmonatlicher 
Einschliessung befreit wird (Xen. VI, 5), und wie schon Beloch, att. Politik 
356 mit Recht hervorhebt, im Anfang des Jahres 888 dem Pamphilos 
ein Prozess droht (Aristoph. Plut. 174. 385). Pamphilos ist also Stratege 
für das Jahr 389/88. Bald nach Teleutias' Ankunft erscheint als sein 
Nachfolger in der Nauarchie Hierax, der sich sofort nach Rhodos begiebt, 
während Pamphilos weiter belagert wird. Demnach muss Hierax noch 
im Herbst 389 den Befehl übernommen haben. 

JUDEICH, KleinaBiatische Studien. 7 



98 Zweites Kapitel. 

für den Neueintritt in den Bund, doch für den Abschluss eines 
Handelsvertrages gewonnen ^). Kurz darauf fand freilich Thrasy- 
bulos in Aspendos am Eurymedon unerwartet seinen Tod. Da 
seine Leute, obwol die Aspendier ein Lösegeld entrichtet hatten, 
plünderten, so überfielen diese in der Nacht das athenische 
Lager und erschlugen viele, unter ihnen auch Thrasybulos selbst. 
Seine Trierarchen machten darauf hin schleunigst die Schiffe 
flott und segelten nach Rhodos zurück, wo unterdessen wieder 
einmal ein Umschlag in dem Bürgerkriege erfolgt war. Dies- 
mal war die demokratische Partei der aristokratischen gegen- 
über im Nachteil: erst durch die athenische Flotte bekam sie 
Unterstützung. Als Nachfolger des Thrasybulos ward von 
Athen aus sofort Agyrrhios entsandt 2). 



1) CIA. II = Hicks man. 73 = Dittenbg. Syll. 51. Es scheint mir 
glaublicher, diesen Handelsvertrag in die Zeit zu setzen, da nach langer 
Zwischenzeit wieder ein athenisches Geschwader an der kleinasiatischen 
Südküste erscheint, als mit Koehler Herrn. VII 159 anzunehmen, dass er 
eine unmittelbare Folge der Schlacht von Knidos war. Wie im Jahre 465, 
als Phaseiis dem ersten Seebunde beitrat, begleiten die athenische Flotte 
Schifl'e und Mannschaften aus Chios (Diod. XIV 94, 4), welche damals die 
Vermittlung zwischen Athen und Phaseiis übernommen hatten (Plut. Kim. 
12,3); auch in dem jetzigen Vertrag wird wieder PhaseUs dieselbe Aus- 
nahmestellung wie Chios eingeräumt. 

2) Diod. XIV 99, 4. 5 Xen. IV 8, 30. 31 Com. Nep. Thrasyb. 4, 3. 4 
vgl. Lys. Ergoki. (XXVIII) 8 Plat. Com. Frgm. 185 Kock. 
Thrasybulos' Tod hat zuerst Beloch, die att. Politik 353 ff., wie ich glaube 
richtig in das Frühjahr bzw. den Frühsommer 388 verlegt, wenn auch 
dieser Ansatz sich nicht zwingend erweisen lässt. Auch Frohberger, 
Philol. XVII 442 A. 27, der Thrasybulos' Ausfahrt unrichtig schon in das 
Frühjahr 390 setzt, hat zwei Jahre auf Thrasybulos' Zug gerechnet. Zu 
betonen sind namentlich die vielen Streifzüge der Flotte, welche sich 
nicht auf einen Sommerfeldzug verteilen lassen und die Erwähnung des 
Thrasybulos im Plutos (550) des Aristophanes, der Anfang des Jahres 388 
aufgeführt worden ist. Aus den Versen 

549. XPEM, ovxovy dijnov zrjg ntto^eiag neylay (pafABv eJyai «JeA^ijV. 

550. IIEN. vfieis y ovne^ xal &QaavßovX(o Jioyvaioy elyni ofioioy. 
wird man aber nicht nur zu entnehmen haben, dass schon gegen Thrasybulos 
»Anklagen laut wurden«, sondern dass der S. 94 A. angeführte Besehluss 
über die Rückberufung von Thrasybulos' Mitfeldherm schon ge&sst war. 
Dieser Besehluss fällt wie gesagt (S. 97 A.) etwa in die Mitte von Thra- 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des lY. Jahrh. 99 

Trotz dieses schweren Verlustes behielt Athen auch 
weiterhin im Seekriege die Oberhand. Hierax, der lakedai- 
monische Nauarch , der an seinem Standorte selbst zuerst 
glücklich gewirkt hatte (S. 97), scheint im weiteren Kreise 
nichts erreicht zu haben (Diod. XIV 110, 2 vgl. Xen. V 1, 6). 
Freilich ist uns auch von seinem Gegner Agyrrhios nur bekannt, 
dass er wahrscheinlich sein Hauptquartier in Lesbos aufge- 
schlagen hat (Schol. z. Aristoph. Ekkl. 102). 

Mehr wissen wir von den Kämpfen, die sich gleichzeitig 
am Hellespont abspielten. Seitdem Thrasybulos dort im Laufe 
des Sommers 389 die athenische Oberherrschaft hergestellt hatte, 
freilich ohne Derkylidas aus seiner festen Stellung in Abydos 
vertreiben zu können, sann man in Lakedaimon darauf, den 
Athenern den eben errungenen Vorteil schnell wieder zu entreissen. 
Vielleicht noch Ende 389 wurde der Spartiate Anaxibios aus- 
geschickt, der schon vor zwölf Jahren in diesen Gewässern als 
Nauarch tätig gewesen war (Xen. Anab. VQ 1, 2) und jetzt 
sich eifrig um das Kommando dort bemüht hatte. Er erhielt 
drei Schiffe, Sold für 1000 Mann, und sollte als Harmost von 
Abydos Derkylidas ablösen. Anaxibios gelangte auch glück- 
lich an sein Ziel, rüstete noch andere Schiflfe in Abydos aus 
imd führte einen Raubkrieg gegen die athenisch gesinnten 
Städte. Um dem Unwesen zu steuern, ging von athenischer 
Seite im Laufe des Jahres 388 Iphikrates mit acht Schiffen 
und 1200 Peltasten ab. Nachdem die Truppen der beiden 
Feldherm sich längere Zeit im kleinen Kriege gemessen hatten 
(Polyain. III 9, 33. 44 Front. I 4, 7), gelang es Iphikrates eine Ent- 
scheidung herbeizuführen : er überfiel Anaxibios auf dem Rück- 
marsch von Antandros, das dieser gerade für Sparta gewonnen 

sybulos' Tätigkeit (also zweite Hälfte 389 vgl. S. 96). Auch die Angabe, 
dass sich Agyrrhios breit mache (176 vgl. Ekkl. 96— 98. 183-188), deutet 
man mit gi'össerer Wahrscheinlichkeit auf den noch in Athen anwesenden 
Mann. 

Das Winterquartier des Thrasybulos wird in Lesbos zu suchen sein: 
Beloch a. 0. 355 verweist dafür mit Recht auf die Verteilung der Er- 
eignisse durch Diodor (XIV 94. 99) und den Sturm, der Thrasybulos vor 
Lesbos überrascht (S. 9^). 

7* 



100 Zweites Kapitel. 

und mit einer Besatzung belegt hatte, und machte ihn mit einem 
grossen Teile seiner Truppen nieder. Dann ging er nach seinem 
Standquartier auf der Chersones zurück ^). Von hier aus hat 
er Streifzüge unternommen, um die durch Thrasybulos be- 
gründete athenische Bundesherrschaft im Nordwesten Kleinasiens 
zu festigen (Polyain. III 9, 23. 58 Front. IV 7, 23). Weiterhin 
scheint sich die gesammte athenische Flotte bei Thasos und 
Samothrake gesammelt zu haben (vgl. S. 101). 

Der Landkrieg zwischen Persien und Lakedaimon ruhte 
wol in dieser Zeit fast vollständig, das letzte was wir davon 
hören, ist der glückliche Fang, den im Jahre 390 Thibrons Nach- 
folger Diphridas an Tigranes, dem Schwiegersohn des Statthalters 
Struthas, tat : nur gegen grosses Lösegeld wurde Tigranes und 
sein Harem wieder freigelassen (Xen. IV 8, 21). Weitere Vor- 
teile haben die Lakedaimonier jedenfalls nicht erreicht (Diod. 
XIV 110, 2). Zugleich scheint sich aber nach and nach ein 
Umschwung in der Stimmung des Perserkönigs vollzogen zu 
haben, zu dem die veränderte, selbständig gewordene athenisclie 
Politik nicht wenig beigetragen hat. 

Wir finden im Jahre 388 an Struthas' Stelle von neuem Tiri- 
bazos, der vor vier Jahren gerade wegen seiner lakonerfreund- 
lichen Gesinnung durch Struthas als Karanos ersetzt worden war 
(S. 86). Die Spartaner verstanden den Wink, welcher ihnen 
damit gegeben vnirde und schickten wahrscheinlich noch im 
Herbst des Jahres 388 als Nauarchen Antalkidas, denselben, der 
schon im Jahre 392 sich Tiribazos' Freundschaft erworben 
hatte (S. 83f.). Antalkidas landete in Ephesos, sandte einen 
Teil seines Geschwaders nach Aigina zurück, den Rest unter 
seinem Epistoleus Nikolochos nach Abydos, das durch Anaxibios' 



1) Xen. IV 8, 31—39 Front. II 5, 42 Plut. apophth. Lac. u. Biag. Die 
Zeit der Ereignisse ergibt sich aus der Erwägung, dass Anaxibios frühestens 
im Herbst 389 nach Abjdos abgegangen sein kann, weil bis dahin noch 
Thrasybulos dort weilt (S. 95 tf.). Weiterhin zeigt die Erzählung Xenophons, 
dass Anaxibios einige Zeit in und bei Abydos tätig ist, bevor Iphikrates 
abgeschickt wird und dass die beiden, ehe es zur Entscheidung kommt, 
längere Zeit einander Scharmützel liefern. 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 101 

Tod sehr gefährdet war: er selbst reiste zu Tiribazos und mit 
diesen gemeinsam weiter zum Perserkönig '). 

Nikolochos benutzte seine Fahrt, zu einem Plünderungszug 
nach Tenedos : dadurch wurden die athenischen Strategen, die 
mit ihrer Flotte von 32 Schiffen in der Gegend von Samothrake 
und Thasos hielten, auf ihn aufmerksam, folgten ihm und 
schlössen ihn sammt seinen 25 Schiffen in Abydos ein (Xen. V 1 , 7). 

Noch stand Athens Seeherrschaft ungeschwächt da, ja sie 
dehnte sich noch weiter aus; der hin- und herschwankende 
kleine Krieg bei Aigina (Xen. V 1, 2—5. 7—24) hatte darauf 
keinen Einfluss. Während Nikolochos hart bedrängt wurde, 
lief im Frühling 387 ein Geschwader von zehn Schiffen unter 
Ghabrias aus, um dem verbündeten König Euagoras von Kypros, 
der sich mit Glück gegen die persischen Streitkräfte behauptete 
(Kap. ni 2) tätige Hülfe zu bringen (Xen. V 1, 10 Schol. zu 
Dem. Lept. (XX) 76). In dieselbe Zeit ungefähr müssen die 
glücklichen Kämpfe und Streifzüge des Atheners Diotimos ge- 
hören — u. a. wird die Eskortierung einer Getreideflotte er- 
wähnt (Polyain. V 22 vgl. Lys. Aristoph. (XIX) 50) — , den 
wir wenig später als Strategen neben Iphikrates im Hellespont 
finden (Xen. V 1, 25). Wenig später im Sommer 387 fiel auch 
Klazomenai, das vermutlich infolge innerer Zwistigkeiten vorher 
sich losgesagt hatte, dem Bunde wieder zu. Die Furcht, dass 
sie, wie es kurz darauf auch wirklich geschah, von den Lake- 
daimoniern an Persien ausgeliefert werden möchte, wird bei 
dem Entschlüsse der Bürgerschaft unmittelbar mitgewirkt haben. 
Die im Bürgerkriege siegende Partei, welche sich im Besitz der 
Inselstadt behauptet hatte, schloss den Vertrag und bedang sich 
nur einzelne Vorrechte vor den übrigen Bundesmitgliedern aus, 

1) Xen. V 1, 6. 25 Diod. XIV 110, 2. Antalkidas kann nicht vor der 
zweiten Hälfte 388 von Sparta abgefahren sein, weil erst damals die Nieder- 
lage und der Tod des Anaxibios fällt (S. 100 A.), aber auch nicht später als 
das Frühjahr 387, da auf die Reise zum Grosskönig doch mindestens ein 
halbes Jahr zu rechnen ist, besonders da sie zu Lande unternommen 
wurde (Xen. V 1, 25). Mitte 387 ist Athens Stellung noch ungeschwächt 
(Swoboda Athen. Mitth. VII 185 f.); aber Ende 387 spätestens muss 
Antalkidas zurückgekehrt sein, wenn anders bis Mitte 386 der Friede ge- 
schlossen worden sein soll (vgl. S. 105 A. 2). 



102 Zweites Kapitel. 

namentlich vollständige Freiheit ihrer Gegenpartei gegenüber 
(CIA. II 14b S. 397 Aristot. polit. S. 1303b vgl. Swoboda 
Athen. Mitth. VII 174 flf. u. o. S. 93 f.). 

Ausserdem werden uns seit Thrasybulos' Zug (S. 92fif.) auf 
Athens Seite stehend und also wol auch zu dem Seebunde 
gehörig ausdrücklich genannt: Thasos (S. 95 vgl. Koehler 
Athen. Mitth. VII 313 fif.), Samothrake (Xen. V 1,7), die 
thrakische Chersones (Diod. XIV 94,2 Xen. IV 8,26. 35. 
39. V 1,7), Byzantion (Xen. IV 8, 27. 31 Dem. Lept. (XX) 60 
vgl. S.95), Kalchedon (Xen. IV 8, 28. 31 vgl. V 1,25), Pro- 
konnesos? (Xen. IV 8,36 V 1, 26), Parion? (CIA. II 38 
vgl. S. 104 A.), Tenedos (Xen. V 1,6. 7), Mytilene (Xen. IV 
8, 28. 29 Diod. XIV 94,3. 4 vgl. Polyain. III 9, 23), Antissa, 
Er e SOS (Diod. ebd.), Chios (Diod. ebd. vgl. Ps. Plut. X Redn. 
S. 837b CIA. II 13 Wilhelm, Hermes XXIV 114 u. Kap. VH 1), 
Halikarnassos (Lys. Ergoki. (XXVIII) 12. 17), Phaseiis 
(S. 97 f.). Bis nach Lykien reichte, wenn auch nicht die athe- 
nische Herrschaft, doch athenischer Einfluss ^). 

Von den Inseln hatte Athen schon im Jahre 393 seine 
alten Besitzungen Skyros, Lemnos, Imbros wieder besetzt 
(S. 81 A.). Ueber die anderen ist im einzelnen nichts bekannt: 
Sommer 389 stand jedenfalls ein grosser Teil mit Athen in 
freundschaftlichen Beziehungen, vielleicht auch in einem Bundes- 
verhältniss (Xen. V 1, 2). 

Dagegen befanden sich auf lakedaimonischer Seite zur 
gleichen Zeit von kleinasiatischen Städten nur: Perkote? 
(Xen. V 1, 25), Abydos (Xen. IV 8, 3—5. 32-39. V 1, 6. 7. 
25), Antandros (Xen. IV 8,35), ein Teil der lesbischen 
Städte (Methymna, Pyrrha?, Arisba? Xen.IV8, 29. 30 
Diod. XIV 94,4 vgl. Kap. VII 1), Ephesos (Xen. V 1, 6), 
Knidos (Xen. IV 8, 22—24)2). 

1) Six, monnaies Lyciennes, extrait de la Rev. num. 1886 — 87 S. 52: 
die Münzen der Zeit tragen den Kopf der athenischen Pallas. 

2) Die damalige Parteistellung von Sa mos und Rhodos wie von 
den meisten anderen kleinasiatischen Städten ist unsicher. Ein guter Theil 
derselben befand sich auch wieder in Abhängigkeit von Persien (Xen. IV 
8, 27. '51. 33 V 1,28). 



Ka 



Hella.8 und die Meinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 103 

Da erfolgte mit einem Male unerwartet der Umschlag. 
Antalkidas war am persischen Hofe sehr gnädig aufgenommen 
nnd hoch gefeiert worden (Plut. Art. 21,4.5 Symp. ¥118,4, 14 
Ael. V. h. XIV 39 Athen, ü 48e), er kehrte Ende 387 (vgl. S. 101 A.) 
mit dem günstigsten Bescheid zurück. Artaxerxes hatte Sparta 
seine Bundesgenossenschaft versprochen, wenn die Athener und 
ihre Bundesgenossen den Frieden, den er mit Antalkidas verein- 
bart habe, nicht annehmen sollten (Xen. V 1, 25. 31). Diesem 
Bündniss wusste Antalkidas sofort geschickt Geltung zu verschaffen. 
Die Athener hielten damals mit drei Geschwadern die für sie so 
wichtige Meeresstrasse durch den Hellespont und Bosporos 
besetzt. Hier war fast ihre ganze Flotte versammelt und des- 
halb wahrscheinlich die Flotte von 32 Schiffen, mit der man die 
Belagerung von Abydos begonnen hatte, noch verstärkt worden. 
Die Hauptmacht unter den Strategen Demainetos, Dionysios, 
Leontichos und Phanias stand vor Abydos selbst, Iphikrates 
und vielleicht auch Diotimos hielten Byzantion besetzt, Thra- 
sybulos von Kollytos lag mit acht Schiffen bei Tenedos, vermutlich 
um jedem Entsatzversuch von dieser Seite sofort zu begegnen. 
Der Seeweg nach Abydos war so überall gesperrt, aber der 
Landweg stand noch offen, oder war schlecht bewacht, und 
ihn benutzte Antalkidas, um zunächst selbst in die Stadt zu 
gelangen, offenbar ohne dass die Belagerer davon etwas merkten. 
Dann brach er plötzlich in einer Nacht mit seiner Flotte aus 
und liess das Gerücht verbreiten, dass er nach Kalchedon, das 
von Athen abgefallen sei und Unterstützung erbeten habe, 
gefahren sei. Aber kurz hinter Abydos, bei Perkote, legte er 
sich in den Hinterhalt. Die ihn verfolgende athenische Haupt- 
flotte, welche Iphikrates, den die Strategen durch Antalkidas' 
Uebermacht gefährdet glaubten, zu Hülfe eilen wollte, liess er 
vorüber, fing aber das Geschwader des Thrasybulos ab, das 
ebenfalls vom athenischen Kriegsrat benachrichtigt worden 
war, oder gerade jetzt Kunde von dem Nahen einer für Antal- 
kidas bestimmten syrakusischen Hülfsflotte von 20 Schiffen bringen 
und sich auf das Gros zurückziehen wollte. Dionysios I. von Syrakus 
fürchtete wahrscheinlich ein Wiedererstarken der athenischen 



104 Zweites Kapitel. 

Macht und imterstüMe deshalb Sparta nach Kräften (Koehler 
Athen. Mitth. I S. 9). Diese syrakusische Hülfsflotte zog dann 
Antalkidas ungehindert an sich, auch von den persischen Satrapen, 
von Tiribazos dem Karanos und von Ariobarzanes, dem Nach- 
folger des athenerfreundlichen Pharnabazos in der daskylitischen 
Satrapie, erhielt er Verstärkungen, sodass er schliesslich über ein 
Geschwader von achtzig Schiffen gebot. Dieser Macht waren die 
athenischen Feldherrn, die ihren Irrthum zu spät bemerkt und 
in der ersten Ueberraschung keinen Durchbruch gewagt hatten, 
nicht gewachsen. Sie blieben vom aegaeischen Meere und von 
Athen einfach abgesperrt, und in gleicher Weise war den für 
Athen bestimmten Getreideflotten aus dem Pontos die Durch- 
fahi-t verschlossen ')• 

1) Xen. V 1, 25-28 Poljain. VI 24 »gl. Lya. Euandr. (XXVI) 23 Dem. 
Eubul. (LVll) 3a. A2. Schon Rehdantz, vitae Iphicr. Chabr. Timoth. 2S A. 9 hat 
durchaus richtig hervorgehoben, daas die beiden Berichte des Xenophon und 
Poljainos einander nicht widersprechen, man wird aber nicht, wie dies R. tut, 
die Hauptmacht der Athener nach Tenedoa verlegen, sondern die Angaben 
besser in der oben ausgelührten Weise vereinigen. Poljainoa' Bericht giebt 
uns die wichtigsten Er^uizungen, abweichend von dem Xenophone ist 
eigentlich nur die Bezeichnung des Ortea, an dem Antalkidas den athe- 
nischen Schiffen auflauert jitpi liji' KuCixr^i'^i', während Xenophon Perkote 
nennt. Xenophons Angabe ist aber von allem anderen abgesehen schon 
deshalb wahrscheinlicher, weil das kyzikenische Gebiet zu weit abliegt 
und Antalkidas, auch wenn er Vorspmng hatte, nicht aiciier war, daaa 
er sich dort unbemerkt in den Hinterhalt werde legen können: jedenfalls 
gelangte er in diese üegend bei Tage. Man ist versucht, deshalb für 
X'rf(ziji'ijV bei Polyainos A<i/Jiliaxr^rrjy zu vermuten, sei es nun, das» man 
den Irrtum auf Poljainos selbst oder auf seine Abschreiber schieben will; 
ein bestimmter Anhalt ist für die Vermutung allerdings sonst nicht vor- 
handen. 

Sehr wahrscheinlich bezieht Foucart ßev. arch6ol. 1877, 2 S. 408 ff. 
auf Antalkidas' geschicktes Manöver die Inschrift CIA. K 3^^ Hicks man. 75 
"Mttenbg. Syll. 58, in der von einer wichtigen Nachricht über die Vorüber- 
t eines feindlichen Geschwaders die liede ist, welche Phanokritos von 
on den athenischen Feldherrn brachte. Die Feldherrn freilich machten 
m keinen Gehrauch und versäumten so die Gelegenheit die feindlichen 
ffe abzufangen. Aus der Tatsache, dasa es gerade ein Einwohner von 
on ist, der die Nachricht bringt, könnte man vielleicht eine Bestäti- 
5 der Nachricht deaTolytiinos, dass Antalkidas erst im Gebiet von Kjzikos 



Hellas und die kleinasiat. Griechen am Beginn des IV. Jahrh. 105 

Durch diese Kriegslage erhielt die Aufforderung desTiribazos, 
dass alle Städte, die des Königs Frieden annehmen wollten, 
nach Sardes ihre Boten entsenden möchten (Xen. IV 8, 30), 
den nötigen Nachdruck. Athen, das bisher so glücklich den 
Kampf gegen Sparta wieder aufgenommen hatte, das die Seele 
dieses Kampfes war, musste notgedrungen nachgeben, und seine 
Verbündeten folgten. So erschienen denn auf Tiribazos Gebot 
die Gesandten in Sardes ^). Was sie dort hörten , war nicht 
viel anderes, als eine Erneuerung des alten Vertrages, den 
Sparta gegen Ende des peloponnesischen Krieges geschlossen 
(S. 23 f.), den es im Winter 393 in etwas veränderter Form wieder 
geboten hatte, nur wurde, was damals von Sparta freiwillig ein- 
geräumt war, jetzt in einer auch für Sparta selbst wenig schmeichel- 
haften Art einseitig vom Grosskönig verfügt: 'AQTa^eg^rjg 
ßaCiXevq vofLi^si dixaior rag fih' iv tfj l4<fia noXeiq iavTov 
slvai Ttai tcöi' vr^awv KXa^ofXsvdg xat Kvtcqov^ zag J^ ccXXag 
"^EXXip'tSag TtoXsig xai iiixQcig xai (leydXag avzorofiovg dipnvai 
nXi]v jirii.ivov xcti "Ifißgov xal 2xvqov' ravrag 6^ waneg id 
dgxccTov sivai ^Axh]va{o)v. onoxegoi 6h ravirjv ttjV siQrjvrjv /mrj 
däxovrai^ TOVTOig iyoo TtoXefxijifco fisTd rtov tavra ßovXofibVCDV 

xal 7i€^fj xal xaxd S-dXatrav xal vaval xal XQTßiuaiv'^), 

— ^-^— ^— — ^— — ^ 

den Hinterhalt gelegt habe, herleiten wollen, aber wir können uns gerade 
so gut Phanokritos als Kapitän eines KauflFahrers, der irgendwo im 
Hellespont sich aufhielt, denken. 

1) Die dorthin abgeordneten athenischen Gesandten scheinen in dem 
Ehrendekret für einen Herakleides vorzukommen, S. -B. der Berl. Akad. 
1887 S. 1060 I 2, 18 ff., welches Foucart Bull, de c. heU. XII 164 ff. sehr 
wahrscheinlich auf Herakleides, den Führer der athenischen Partei in 
Byzantion (vgl. S. 95) bezogen hat. Dass es gerade ein Byzantier ist, der 
ihnen Unterstützung angedeihen läset, passt vortrefflich zu den vorher 
geschilderten Kriegsereignissen: die athenische Flotte war bei Byzantion 
durch Antalkidas festgehalten, und die athenischen Gesandten, welche 
zu Tiribazos gingen, überzeugten sich wol erst an Ort und Stelle von der 
Kriegslage, ehe sie wirklich in die Verhandlung eintraten. — Ob der in 
dieser Zeit vielgenannte Epikrates unter den athenischen Gesandten war, 
muss dahingestellt bleiben (Dem. Ges. (XIX) 277 vgl. Sievers Gesch. Gr. 1 10). 

2) Xen. V 1, 31 vgl. Diod. XIV 110,3 Plut. Artox. 21,4. 5 Isokr. 
Paneg. (IV) 1^1 Euag. (IX) 60 f. Theop. unt. S. 122 A. 2. Koehler Athen. 
Mitth. II 141 A. 1 Sievers 141 ff. Grote V« 281 ff. 



106 Zweites Kapitel. 

Die Bedingungen waren namentlich für die mächtigeren 
Staaten wie Theben, Athen, Argos hart, um so härter, da der 
Perserkönig sie einfach anbefahl, aber die Erschöpfung und 
das Ruhebedürfniss war zu gross, als dass man den Kampf 
mit dem mächtigen persisch - spartanischen Bund, mit dem es 
auch Dionysios von Syrakus und Seuthes von Thrakien hielten, 
hätte aufnehmen mögen(Xen. V 1, 29 vgl. Isokr. Paneg. (IV) 180 
Panath. (XII) 107 Aristeid. Panath. S. 172 J.). Athen ward ein 
noch verhältnissmässig günstiger Abschluss geboten, da man 
ihm seinen alten Inselbesitz lassen wollte, aber die Hofl&iung 
auf die Neubegründung der alten Seeherrschaft, welche sich bis 
vor Antalkidas' Rückkehr so herrlich zu erfüllen begonnen 
hatte, war in Stücke gegangen. Dennoch stimmten auf der 
Friedenstagung zu Sparta, welche den förmlichen Abschluss 
bringen sollte, alle Staaten zu; zuletzt Theben und Korinth 
(Xen. V 1, 32—35 vgl. VI 3, 4 Diod. XIV 110,4). Noch vor 
Mitte 386 war der Friede vollzogen (Swoboda Athen. Mitth. 
VII 181 fif.). Damit wurde die Auslieferung der kleinasiatischen 
Festlandsgriechen an Persien einmütig durch das Mutterland 
anerkannt. Erst Alexander hat sie wieder befreit. 



Bisher nirgends erörtert ist die Frage, wie wir uns die Stellung des 
Festlandbesitzes der kleinasiatischen Inselgriechen, zu denen übrigens auch 
Kyzikos gehören muss (vgl. Ps. Skyl. 70 Strab. XII 575, auch Marquardt, 
Kyzikos und sein Gebiet 1836 S. 10 f., der freilich trotzdem die Stadt Persien 
zuweist), zu denken haben. Jede Nachricht aus dem Altertum fehlt dar- 
über. Solcher Festlandbesitz wird uns ausser von Kyzikos nur genannt 
von Tenedos (Strab. XIII 604) , Mytilene (Ps. Skyl. 81 Strab. 605. 607), 
Chios (Ps. Skyl. ebd.) vgl. S. 147, Samos (Strab. XIV 639 vgl. Ancient 
greek inscr. of the Brit. Mus. III Nr. 401 f. Th. Lensch, de rebus Prie- 
nensium 126 ff. 201 ff.), Rhodos (P. Skyl. 82 Strab. 651) und zwar für 
Mytilene, Chios und Rhodos nach dem Antalkidasfrieden und vor dem 
Einmarsch Alexanders. Demnach haben also die Inseln ihren Besitz be- 
halten, werden aber davon wol einen Tribut haben zahlen müssen. 



ANHANG. 
DIE SPARTANISCHEN NAÜARCHEN. 



Julius Beloch hat in zwei ausführlichen Untersuchungen ') 
zu erweisen gesucht, dass entgegen der Miher herrschenden 
von G. Weber, de Gytheo et Lacedaimoniorum rebus navalibus 
1833 S. 73 begründeten, dann u. a. von E. Gurtius Gr. Gesch. 
n* 838 verfochtenen Annahme, das Amt der spartanischen 
Nauarchen ein ordentliches, jähriges gewesen, und »um Mit- 
sommer« angetreten worden sei. Dieser neuen Ansicht ist von 
keiner Seite ernstlich widersprochen, sondern vielfach zugestimmt 
worden (vgl. Beloch Philologus XLIII 272, dazu Busolt in Iwan 
Müllers Handb. IV 1 S. 92). Curtius selbst hat sich (Gr. Gesch. 
11^879 f.) zu ihr bekannt; sie ist auch bestechend genug, denn 
wenn sie richtig wäre, erhielten wir einen neuen, wichtigen 
Anhaltspunkt für die Feststellung der Zeitfolge eines guten Teiles 
griechischer Geschichte. Aber leider hält die Vermutung 
Belochs einer näheren Prüfung nicht Stich. 

Es würde zu weit führen hier die ganze Nauarchenreihe 
durchzugehen, welche Beloch aufgestellt hat, es genügt diese 
für die Zeit seit dem Ende des peloponnesischen Krieges bis 
zum Antalkidasfrieden zu prüfen. 

Der Stellen , welche uns über das ganze Wesen der Nau- 
archie Auskunft geben, sind sehr wenige. Beloch (Rh. M. XXXIV 
118) bemerkt mit Recht, dass ein CoUegium der Nauarchen 
nirgends bezeugt sei, dass aber zwei oder mehr Nauarchen 
(»Geschwaderchefs«) neben einander vorhanden waren, ist 



1) Rhein. Mus. XXXIV (1879) S. 117—130, Philologus XLIU (1884) 
272—275; vgl. auch Beloch, die attische Politik 348 f. 



108 Zweitem Kapitel. Anhaag. 

dadurch keineswegs ausgeschlossen. Tiebnehr, wenn der Seekrieg 
nicht nur auf einem Schauplatz sich abspielte ^ beinahe not- 
wendig. Der Epistoleus der als Unterbefehlshaber und Stell- 
vertreter des Xauarchen erscheint, war doch nicht dazu da, 
um gewöhnlich in entfernten Gewässern ein selbständiges 
Kommando zu führen, auch wenn er in einzelnen Fällen damit 
beauftragt worden ist (Tgl. Beloch 159 f.) 

Von einer Jährigkeit der Nauarchie wissen wir, wie Beloch 
(a. O. 119 f.) selbst zugiebt, nichts Bestimmtes, sie dürfte erst 
vermutet werden, wenn wirklich die Nauarchie als ordentliches, 
regelmässiges Amt bewiesen wäre. Das will aber Beloch dort 
erst nachweisen. Die Stellen: Koatr^cmmd^ tf^g %'avaQx(aQ 
TtaQiXr^Xvi^viag (Xen. Hell 15,1), rw AvadrSQta naq^X^Xv^otog 
Tjdrj tov XQOYov (Xen. ebd. 6, 1), K%i\iiov pthv vccvagxov sxi 
(irra C^Thuk. VI 80, 2), welche Beloch a. O. anführt, ergeben nur, 
dass die Amtsdauer des Nauarchen in der Regel eine von 
vornherein begrenzte war. 

Gewiss musste der spartanische Staat, nachdem er das 
Meer erst gewonnen hatte, dauernd eine bestimmte Anzahl von 
Schiffen bereit haben, die wenn es nötig war, bemannt 
werden konnten, aber eines jährigen Nauarchenamtes bedurfte 
es für die histandhaltimg des Schififsparkes nicht Sparta war 
von Anbeginn Landmacht und ist Landmacht geblieben, es hat 
einen Seekrieg geführt nur, wenn es dazu gezwungen war, und 
dann noch vorwiegend mit den Schiflfen seiner Bundesgenossen. 

Eine gewisse Regelmässigkeit und eine erhöhte Wichtigkeit 
erlangte, wie Busolt a. 0. richtig betont, die Nauarchie 
erst im peloponnesischen Kriege, wo jahraus jahrein der See- 
krieg fortgesetzt wurde und zwar, was von Wichtigkeit ist, 
meist auf einem Kriegsschauplatze. Dass der Nauarch eine 
grössere Selbständigkeit und Freiheit des Entschlusses und der 
Bewegungen haben musste, als der im Landkriege befehligende 
Feldherr, d. h. in der Regel der eine König, liegt in der Natur 
seines Amtes als Geschwaderchef: bei den mangelhaften Ver- 
kehrsmitteln des Altertums war diese Selbständigkeit noch not- 
wendiger als jetzt. 



Die spartanischen Nauarchen. 109 

Diese innere und äussere Ursache hat dann die gewaltige 
Machtbefugniss des Lysandros am Ausgang des peloponnesischen 
Krieges gezeitigt. Für ihn in erster Linie gelten wol Aristoteles' 
Worte (Polit. II 1271a) to; 6^ negl rovg vavdgxfwg vofm xal 
^xegoi TivfrQ HTCtTSTifATJxrtaiv, OQx^^Mc €7HTifim"tfg' aräaewc yccg 
yfvi-Tai ah tag. ini yccQ toTc ßaatXtvaiv ovai CTgatJ^yoig diSiog 
r] vavaQXfcc axedov ixiga ßaaiXtia xad^tarrjxtv. Gegen Lysandros 
gerichtet und vielleicht für ihn erst erfunden, ist auch das 
bei Xenophon (Hell. II 1, 7) zu Lysandros' Uebernahme des 
Flottenbefehls im Jahre 406 angeführte Gesetz: ov yuQ roßog 
atrcoTg (den Spartanern) dlg töv athor ravftgx^iy. 

Treten wir mit diesen allgemeinen Voraussetzungen an die 
Nauarchenliste seit dem Ende des peloponnesischen Krieges, so 
zeigt sich, wie gleich am Anfang das zuletzt angeführte an- 
gebliche Gesetz durchbrochen wird : die Einrichtung der Dekar- 
chien, die Lysandros im Herbst 404 ausführt (S. 30 f.), kann von 
ihm wie Grote Gesch. Gr. V^ 149 schon bemerkt hat, nur in 
der Eigenschaft als bevollmächtigten lakedaimonischen Nauarchen 
— so nennt ihn Diodor XIV 10, 1 ausdrücklich — nicht etwa 
als Epistoleus vorgenommen worden sein: Lysandros steht 
damals auf der Höhe seiner Macht, allerdings um bald zu 
fallen (vgl. S. 33 f.). Das Gesetz ist auch weiterhin nicht einge- 
halten worden. 

Nachdem Lysandros Anfang 403 aus Asien abberufen worden 
ist, wird im Sommer 403 Lysandros' Bruder Libys, als Befehls- 
haber einer gegen Athen auslaufenden Flotte, wie es scheint, 
besonders ernannt (Xen. II 4, 28), während Lysandros selbst das 
Landheer führen soll (Xen. ebd. vgl. S. 35 A. 1). Noch in 
demselben Jahre oder im nächsten erscheint wieder für einen 
besonderen Zweck, für die Bekämpfung des aufrührerischen 
Klearchos, ein Geschwader unter Panthoidas (Diod. XIV 12, 
5—7 vgl. S. 37). 

Sicher zwei lakedaimonische Flotten und dem entsprechend 
zwei »Nauarchen« finden wir zur Unterstützung des jüngeren 
Kyros tätig, ein Geschwader von 25 Schiffen unter Samios und 
eine Transportflotte von 35 Schiffen unter Pythagoras (S. 37). 



110 Zweites Kapitel. Anhang. 

Mit Beloch (124 f.) die beiden Flotten für eine und dieselbe zu 
halten, ist ganz unmöglich. Als dann die »Zehntausend« im 
Herbst 400 an der kleinasiatischen Nordküste lagern, ist in 
diesen Gewässern Anaxibios Nauarch, doch wird dieser zugleich 
mit dem Harmosten von Byzantion noch im Spätherbst 400 
durch Polos abgelöst (vgl. S. 43 A.). 

Danach tritt eine Pause von zwei Jahren ein: im Frühjahr 
397 begegnet uns erst wieder ein lakedaimonisches Geschwader 
unter Pharax an der ionisch-karischen Küste (S. 51). Pharax 
bleibt bis zum Sommer 395 im Amte und wird dann durch 
Agesilaos ersetzt, dem man ausnahmsweise neben dem Ober- 
befehl zu Lande auch den zur See überweist, bzw. anheim- 
stellt, einen Nauarchen nach seinem Belieben zu ernennen 
(Xen. Hell. III 4, 27 vgl. S. 69 f.). Agesilaos ernennt seinen 
Schwager Peisandros: dass dieser »mit Unrecht selbst vavagxog 
genannt wird« (Beloch 125), sind wir durch nichts gezwungen 
anzunehmen. 

Die schwere Niederlage von Knidos lähmte auch die lake- 
daimonische Flotte, soweit eine solche überhaupt noch bestand. 
Als dann der korinthische Krieg auch auf die See übertragen 
wurde, tritt im Jahre 393 Podanemos an der Spitze einiger 
lakedaimonischer Schiflfe im korinthischen Meerbusen auf. Als 
er fällt, folgt ihm sein Epistoleus Pollis im Befehl und als auch 
dieser kampfunfähig wird, Herippidas (Xen. IV 8, 11). 

An Herippidas' Stelle tritt spätestens Mitte 392 Agesilaos' 
Bruder Teleutias (Xen. IV 4, 19. 8, 11). In das aegaeische Meer 
wagt sich damals noch kein lakedaimonisches Geschwader: 
dort erscheint erst im Sommer 390 wieder eines von acht 
Schiffen unter Befehl des Nauarchen Ekdikos, während gleichzeitig 
noch die aus zwölf Schiffen bestehende Flotte unter Teleutias 
im kormthischen Meerbusen verbleibt (Xen. IV 8, 23 vgl. 4, 19 
S. 90 A. 1). Da Ekdikos den rhodischen Schiffen gegen- 
über zu schwach ist, so vereinigt man die zwei Geschwader 
und dementsprechend wird einer der beiden Geschwaderchefs 
(Ekdikos) abberufen (Xen. IV 8, 23 vgl. S. 91). Teleutias nur 
als Ekdikos' Epistoleus anzusehen (Beloch 125) wird unter diesen 



Die spartanischen Nauarchen. 111 

Verhältnissen schwer angehen. Eher könnte man aus dem 
folgenden Kommandowechsel einen scheinbaren Beweis für die 
Jahrigkeit der Nauarchie herleiten, denn Tcleutias, der im 
Spätsommer 390 den Gesammtbefehl der kleinasiatischen Flotte 
übernommen hat, wird im Spätsommer 389 durch Hierax ab- 
gelöst (S. 97), Hierax im Herbst 388 durch Antalkidas (S. 100). 
Aber während Antalkidas mit seinem Epistoleus Nikolochos in 
Asien tätig ist, kreuzt ein anderes lakedaimonisches Geschwader 
vor Aigina unter Gorgopas, für das nach Gorgopas' Tode am Ende 
388 bzw. Anfang 387, Teleutias als »Nauarch« bestellt wird^). 
Für die Annahme, dass hier %uvaQXfiQ im »uneigentlichen Sinne« 
gebraucht wird, wie der Zusatz errl tavTac tag ruvg zeige 
(Beloch 125), fehlt wieder jeder Beweis, vielmehr giebt sich 
gerade hier der Charakter der Nauarchie recht deutlich kund. 
Ganz übereinstimmend damit sagt Xenophon (IV 8, i20) von 
dem Geschwader des Ekdikos (vgl. o.): e/rXrjQoiaav (die Lake- 
daimonier) aihotg (den Rhodiern) ruvg oxtöj, rtwctQXf^^' ^^ 
'ExSixov cntaTrjffar. 

Aus der Betrachtung der spartanischen Nauarchenliste in 
der Zeit vom Ausgang des peloponnesischen Krieges bis zum 
Antalkidasfrieden, einer Zeit, in der die Liste nahezu vollständig 
ist (vgl. Beloch 126 f.), ergiebt sich also die Richtigkeit der 
älteren Ansicht, dass die Nauarchie »kein ordentliches in 
seinen Befugnissen scharf begrenztes Amt« war, es war viel- 
mehr ein ausserordentliches Amt, das je nach Bedarf besetzt 
wurde. Soviel selbständige Geschwader ausgerüstet werden 
mussten, soviel Geschwaderchefs wurden ernannt, gewöhnlich 
wol auf eine bestimmte Zeit, doch konnte diese ebensogut 
verlängert (Pharax) als verkürzt (Ekdikos) werden. Oft mag 
diese bestimmte Zeit ein Jahr betragen haben, aber das ist 
für jeden einzelnen Fall zu erweisen und kann nicht ohne 
weiteres als chronologische Stütze benutzt werden. Ebensowenig 
lässt sich der Antritt des Amtes von vornherein als Mass der 



1) Xen. V 1, 13 ix di tovtöv ol Aaxtdai^ovioi TeXevtlay cev ixTtifj,- 
novatv int rccvtag tccg vavg vavao^oy. 



112 Zweites Kapitel. Aohang. 

Zeitfolge verwerten: bisweilen wird er auf den gleichen Zeit- 
punkt fallen, bisweilen auch nicht. 

Ernannt werden die Nauarchen wahrscheinlich durch die 
Ephoren, die sie auch beaufsichtigen (Thuk. VIII 39, 2 vgl. 
Beloch 129) und nicht durch die Volksgemeinde (Beloch a. 0.). 
Die Ephoren bestimmen ausserdem den Epistoleus, ob aber 
für jeden Nauarchen auch ein Epistoleus ernannt wurde, oder 
nur bei grossen Flotten, oder dort, wo es die Verhältnisse 
irgendwie erforderten, lässt sich nicht bestimmt entscheiden. 



DRITTES KAPITEL. 
EUAGORAS VON KYPROS. 



1. ANFÄNGE. 

Auf der Geschichte von Kypros ruht seit der Mitte des 
V. Jahrhunderts tiefes Dunkel. Nur soviel lässt sich erkennen, 
dass der persische Einfluss stärker als vorher sich geltend 
macht, und damit das griechische Element in den neun Stadt- 
staaten, die von den ursprünglichen zwölf damals noch erhalten 
waren, zurückkgedrängt wird^). Auch in Salamis, der natür- 
lichen Hauptstadt der Insel, die an der Ostküste liegend, das 
weiteste Hinterland und den grössten Fluss, den Pediaios, be- 
herrscht, hatten Umwälzungen stattgefunden : ein phoinikischer 
Flüchtling hatte das alte Königsgeschlecht der Teukriden vom 
Throne gestossen und sich der Herrschaft bemächtigt. Die 
Nachkommen dieses Usurpators wussten sich zu behaupten 2). 
Unter ihrer Regierung, in den dreissiger Jahren des 
V. Jahrhunderts etwa, erblickte der Teukride Euagoras das 
Licht der Welt (Isokr. Euag. 21. 71. Diod. XV 47, 8. vergl. E. 
Scharfe, de Euagorae Salaminiorum reguli vita ac rebus gestis. 
Diss. Münster 1866. S. 2 A. 1. S. 3 A. 3). Die neuen Herrscher 
hatten der vertriebenen Königsfamilie den Aufenthalt in ihrer 
Stadt verstattet; hier sollte erst eine zweite Umwälzung eine Aen- 
derung zum Schlechteren bringen. Im zweitletzten Jahrzehnt des 
V. Jahrhunderts gelang es einem anderen phoinikischen Fürsten 
Abdemon oder Audymon von Kition den herrschenden König 
von Salamis zu ermorden und sich selbst auf den Thron zu 
setzen. Jetzt begann auch die Verfolgung der Teukriden, von 



1) Isokr. Euag. IX. 20. 47. 49. J. P. Six Rev. num. 1883 253 ff. 259. 
320. 324 ff. Grote Gesch. Gr. V« 391 ff. vergl. Ps. Skylax 86. Diod. XVI 42). 

2) Isokr. Euag. 19 — 21. vergl. Pausan. II 29, 4, welcher indess irrt. 

JUD£IGH, Kleinasiatische Studien. 8 



\ 



114 Drittes Kapitel. 

denen Abdemon wol nicht ohne Grund Gefahr fürchtete : 
Euagoras musste flüchten und begab sich nach Soloi an die 
gegenüberliegende kilikische Küste ^). Dort sammelte er die 
Flüchtigen um sich und traf Anstalten zur Rückkehr. Er 
landete heimlich an der Küste von Kypros, schlich sich während 
der Nacht mit wenigen Getreuen nach Salamis hinein, über- 
rumpelte die Königsburg und vertrieb, da die Bürger untätig 
zusahen, nach hartem Kampfe den Usurpator. An seiner Stelle 
trat er, die alte Teukridendynastie neubegründend, als Herrscher 
auf. Das geschah im Jahre 411^). 



1) Isokr.Euag. 26. 27 vgl. Diod.XlV 98, 1. Diese Ereignisse können 
nicht lange vor Euagoras' Thronbesteigung liegen. Euagoras ist offenbar 
schon erwachsen, als er fliehen muss und scheint sehr bald den Plan zur 
Rückkehr gefasst zu haben (Isokr. Diod. a. 0.). Demnach wird die Um- 
wälzung kurz vor Euagoras' Thronbesteigung (vgl. u.), also um das Jahr 
412 etwa, und Abdemons Regierung nur sehr kurz — er hat noch gar 
keinen Anhang in der Bürgerschaft (Isokr. Euag. 31) — anzusetzen sein. 

Die zweimalige Revolution in Salamis steht nach Isokrates' Erzählung 
zweifeUos fest (vgl. Scharfe 3 A. 3). Wenn auf den salaminischen Münzen 
dieser Zeit kyprische Legenden und griechische Namen erscheinen (Six 
276 ff.), so erweist das nur den unblutigen Charakter der ersten Revolution, 
der sich auch in der Duldung derTeukriden kundgiebt. Vielleicht haben 
die phoinikischen Herrscher sogar einfach die Münzen ihrer Vorganger 
weiter geprägt, wie dies Six (279) für Abdemon annimmt. Dieser hat 
allerdings nebenher auch eigene Münzen geschlagen, vgl. Six Num. Chron. 
1890 S. 256 ff. 

Sehr glücklich vermutet Six (Rev. num. 279. Num. Chron. 258 f) 
jpit de Vogüe, dass Abdemon König von Kition oder Vicekönig des Köm'gs 
von Kition war (vgl. Isokr. 26 elg yuq zojy ^vpaaTBvovrtav), 

2) Isokr. Euag. 28—32 Nikokl. (III) 28 Diod. a. 0. Theop. b. Phot. 
Cod. 176. — Zeit: vgl. [Lys.] Andok. (VI) 26.27 Andok. Myst. (I) 4 Rückk. 
(II) 11 Ps. Plut. X Redn. 2 S. 834 e Aristoph. Thesmoph. 446 Phot. Cod. 
261 ; W. H. Engel, de Euagora eiusque hello contra Artaxerxem II. gesto 
p. I. Progr. Stargard 1846 S. 2 A.7, dens. Kypros I 291 ; Scharfe 5 A. 2. 
Es ist nicht ohne Interesse, dass für Euagoras' Vorgeschichte und Thron- 
besteigung, wie für seinen Kampf mit Persien die Berichte des Isokrates 
und Diodor im Gang der Erzählung und in der Schilderung der einzelnen 
Ereignisse auffallend übereinstimmen. Offenbar ist die historische Muster- 
schriffc des Meisters, der Euagoras, von seinem Schüler Ephoros, den man 
nicht ohne Grund gerade hier als Quelle Diodors vermutet (vgl. Volquardsen, 



Euagoras von Kypros. 115 

Persien war damals zu tief in den Kampf zwischen Athen 
und Sparta verwickelt und zwar auf Seiten Spartas, als dass 
es diesen kyprischen Händeln Aufmerksamkeit schenken konnte. 
Durch die Gestaltung der Verhältnisse wurde aber Euagoras 
notwendig auf die athenische Seite getrieben : Athener hatten 
ihn vielleicht schon bei seiner Rückkehr direkt oder indirekt 
unterstützt (vgl. S. 114 A. 2), bei oder kurz nach seiner Thron- 
besteigung kommt der Redner Andokides an seinen Hof (vgl. 
ebd.), dann mögen namentlich in den folgenden Jahren, als 
die athenische Flotte die See beherrschte, engere Beziehungen 
sich angeknüpft haben. Konon hat wol damals bereits Euagoras 
kennen gelernt; er suchte und fand dann Zuflucht bei ihm, 
als die athenische Seemacht bei Aigospotamoi im Jahre 405 
vernichtet war ^). Er ist bald auf Kj^jros ganz heimisch ge- 
worden, und auch andere Athener, Unzufriedene und Verbannte, 
welche Not und Bürgerkrieg aus der Heimat getrieben, wandten 
sich hierher. So entstand nach und nach eine ganze athenische 
Kolonie'^). Diese wird mit dazu beigetragen haben, dass 
Euagoras, dem für seine weitgehenden Pläne eine solche Zahl 



Unters, üb. d. Quellen d. griech. und sicil. Geschichte bei Diodor Buch XT 
bis XVI. Kiel 1868 S. 54. 69 f.), unmittelbar benutzt worden. Auch Theo- 
pomp, von dem bei Photios ein kurzer aber treuer Auszug vorliegt, 
scheint nach den verschiedenen Beziehungen zwischen beiden Berichten 
Isokrates' Euagoras verwertet zu haben, nur freier und willkürlicher. 
Die Art des Anschlusses der beiden Schüler an die Arbeit ihres Lehrers, 
welche sich an dieser Stelle offenbart, passt trefflich zu der Charakteristik 
ihrer ganzen Arbeitsweise, die uns überliefert wird (Phot. Cod. 176 S. 121 
ßkk. vgl. Ps. Plut. X Redn. S. 839b Suid. u. "EcpoQog). — Auf eine Beein- 
flussung des Ephoros durch Isokrates an ganz anderer Stelle hat kürzlich 
B. Niese Hermes XXV 6 hingewiesen; hier würde vielleicht eine Unter- 
suchung im Zusammenhang lohnen. 

1) Isokr. Euag. 33. 52 Phil. (V) 62 Xen. Hell. TI 1, 29 Diod. XIII 
1U6, 6 Plut. Lys. 11, 4. 5 Artox. 21, 1 Alk. 37, 2 lust. V 6, 10 Schol. 
ülp. z. Dem. Lept. (XX) 68 Oros. II 16, 16 vgl. Com. Nep. Con. 2, 1 Arist. 
rhet. II 23, 12. 

2) Isokr. Euag. 51 ff. Corn. Nep. Chabr. 3, 4 Lys. Aristoph. (XIX) 
36. 39. 40. 19—23. 27—29. 43. 44 Theop. b. Athen. XIII 532b vgl. Schmidt, 
Konon 33 f. 

8* 



116 Drittes Kapitd. 

tüchtiger und gebfldeter Kräfte nur willkommen sein konnte, 
der athenischen Sache auch im Unglück treu blieb, vor allem 
aber war er selbst durch seine gewaltsame Thronbesteigung 
und durch seine Verbindung mit Athen Persien gegenüber 
blos^estellt: er durfte es nicht wagen, ohne weiteres sich dem 
Grosskönig zu nähern. Indessen die gewallige persische Macht 
hatte die Hand noch immer nicht frei genug, um die Verhältnisse 
in Kypros ordnen zu können: der heimliche und später offene 
Krieg der beiden Brüder Artaxerxes und Kyros, der danach 
ausbrechende Krieg mit Lakedaimon nahmen alle Mittel und 
Kräfte in Anspruch. So konnte Euagoras lange Jahre der Be- 
festigung seiner Herrschaft und dem Ausbau seiner Stadt widmen 
imd scheint nicht müssig gewesen zu sein: eine allgemeine 
Stärkung des griechischen Elements, daneben Hafen-, Mauer-, 
Schif^bauten werden erwähnt^). So stand er am Beginn des 
IV. Jahrhunderts gut gerüstet an der Spitze einer achtung- 
gebietenden Macht, während Persien dank der Zänkereien und 
Umtriebe seiner Satrapen der Beulezüge der Sparlaner sich 
noch immer nicht erwehren konnte. 

Man war am persischen Hofe Euagoras, der allem, was er 
früher getan, noch den Abbruch der Tributzahlung hinzugefügt 
hatte, keineswegs wolgesinnt und wartete nur auf die Ge- 
legenheit, ihn zu züchtigen^): da bot sich durch Konon uner- 
wartet für Euagoras die Möglichkeit einer Aussöhnimg. Konon 
hatte, wie es scheint, mit gespannter Aufmerksamkeit die persisch- 
spartanischen Kämpfe verfolgt, er hatte erkannt, dass die Er- 
folge Spartas in Kleinasien von Spartas Seeherrschaft abhängig 
waren. Diese zu brechen, dahin ging sein ganzes Bestreben; 
deshalb suchte er in den Dienst des Grosskönigs zu kommen. 



1) Isokr. Euag. 41 ff. 49 ff. Nikokl. (III) 28 Andok. Rückk. (II) 20. 
Auf Euagoras* Münzen erscheint neben der kyprischen Umschrift zuerst 
die Legende EY, 

2) Ktes. 62. Engel, Kypros 1297 — 299 und : de tempore quo divulgatus 
sit Isocratis Panegyricus. Progr. Stargard 1861 S. 6 A. 3, hat in diesen 
gespannten Beziehungen iälschUch die Einleitung zu dem per»isch-kjprischen 
Kriege erblickt vgl. ßehdantz vitae 33 A. 20. Schar ie 11 A. 1. 



Euagoras von Kypros. 117 

Euagoras knüpfte die Verhandlungen an; es gelang wirklich, 
den Hof umzustimmen und schliesslich ganz herüberzuziehen: 
Konon wurde persischer Admiral, Euagoras lieferte den Grund- 
stock und besten Kern seiner Flotte. So standen die Verhältnisse 
im Jahre 397 (vgl. S. 48). Es folgten nun die ersten Kämpfe 
Konons mit der weit überlegenen spartanischen Flotte, seine 
Einschliessung in Kaunos, seine Befreiung und endlich der grosse 
Sieg bei Knidos im Hochsommer 394 (vgl. S.52.54.62flf. 73flf.). 
An den Ehren und der Verherrlichung, die Konon bei seiner 
Rückkehr in die Heimat im folgenden Jahre dargebracht wurden, 
nahm berechtigterweise auch Euagoras teil. Er wurde attischer 
Bürger, erhielt einen goldenen Ehrenkranz und eine Ehren- 
statue vor der Halle des Zeus Eleutherios auf dem Markt zu 
Athen (vgl. S. 82 A. 2). Damit festigte sich natürlich auch 
die politische Verbindung zwischen Euagoras und dem Staat 
Athen. Vergebens bemühte sich dagegen Konon noch ein 
anderes Band zu knüpfen, eine Verbindung zwischen Euagoras 
und Dionysios I. von Syrakus zu stände zu bringen (S. 83). 
Bald war es Konon überhaupt nicht mehr möglich, etwas 
für seinen Freund zu tun. Die Friedensverhandlungen in Sardes 
vom Winter 393 auf 392 zwischen Lakedaimon, Persien und 
dem mit Argos, Korinth, Theben verbündeten Athen verliefen 
ohne Resultat, nur gelang es dem lakedaimonischen Unter- 
händler Antalkidas sich den heimlichen Beistand des neuent- 
sendeten Karanos Tiribazos zu sichern. Konon wurde ge- 
fangen gesetzt und entkam nur mit Mühe wieder zu Euagoras, 
bei dem er zum zweiten Male Schutz suchte und fand (S. 83 fif.). 

2. DEB KAMPF MIT PEBSIEN. 

Konon war voll Zorn und Erbitterung gegen Persien ge- 
kommen, und doch war sein Groll nicht mehr und nicht 
minder berechtigt, als der, welchen Tiribazos gegen ihn gehegt 
hatte (S. 84 A. 1) : durchaus natürlich nur hatte sich die athenisch- 
persische Freundschaft gelockert, sobald nach der Nieder- 
werfung des gemeinsamen Feindes auch das gemeinschaftliche 



118 Drittes Kapitel. 

Interesse verschwunden war. Auch Euagoras hatte, als er sich 
mit dem Grosskönig aussöhnte, zunächst seine Zwecke, seine An- 
erkennung durch Persien im Auge gehabt ; im Uebrigen gingen 
seine Pläne viel weiter und keineswegs mit denen des Grosskönigs 
zusammen. Eben war dieser mit den Vorbereitungen zu einem 
grossen Kriege gegen das aufständische Aegypten beschäftigt (Kap. 
IV 2), und im Mittelmeer hob sich Athens selbständige Macht. 
All das wirkte zusammen, um Euagoras jetzt zur Verfolgung 
seiner Eroberungspläne anzuregen, und Konon hat gewiss nichts 
unterlassen, um ihn darin zu bestärken. Euagoras schritt zur 
Unterwerfung der kyprischen Städte, zunächst, wie es scheint, 
in dem Hinterland von Salamis , der Nordosthälfte der Insel ^). 
Von dort aus ging er weiter und bald war die Insel fast 
vollständig in seinen Händen: viele Städte traten freiwillig zu 
ihm über, andere nahm er mit Gewalt und Hess die sich ihm 
widersetzenden Stadtkönige, unter ihnen den Persien besonders 
befreundeten Agyris, hinrichten. Nur drei Städte, die Haupt- 
stützen der phoinikischen Bevölkerung, Amathus, Kition und 
Soloi, leisteten kräftig Widerstand: sie wandten sich in ihrer 
Bedrängniss um Hülfe an ihren Oberherrn den Grosskönig 
(Diod. 98, 2, vgl. Ephoros bei Steph. Byz. u. ^ütitTc Suid. u. AtuTc), 
Artaxerxes besass zunächst keine Neigung, dem Hülfegesuch 
folge zu geben. Persien war damals, wie gesagt, in einen 
grossen und keineswegs günstig verlaufenden Krieg mit den 



1) Diod, XIV 98, 1. 2. Euagoras hat sicher den Krieg begonnen. 
Grote Gesch. Gr. V* 295. Scharfe 14 f. u.a. urteilen deshalb nicht richtig, 
wenn sie nach Isokrates (Euag. 58 — 60) annehmen, E. habe den Krieg 
angefangen, um einem persischen Angriff zuvorzukommen, Isokrates be- 
stätigt vielmehr die oben vertretene Auffassung mit den Worten (60) cSot' ovx 
vnsQ Tcot^ yeyevr^}Mey(t)v oQyiCofxeyog (der Grosskönig), dXXce neqi tmv 
fj,€XX6t^T(oy g)oßovfX6yog^ ov&e ni^l Kvtiqov fxoyoy dedicog ccXXa noXv 71€qI 
fiei^oyayy enoir^oaxo roy noXe^oy n^og avtoy. 

Nicht unwahrscheinlich bezieht Engel, Progr. 1846 S. 7, vgl. Kypros I 
310 A. 74, auf diese Eroberungen Harpokration u. Xvtqoi vgl. Plut. 
apophth. Lac. 220 A, Stephanos Byz. u. W. Kaqnama: Chytroi wie Kar- 
pasia liegen in der genannten Nordosthälfte. Auch Idalion scheint damals 
Euagoras zugefallen zu sein. 



Euagoras von Kypros. 119 

aufständischen Aegyptem verwickelt, auch war in Euagoras* 
eigenmächtigen Eroberungen die Feindschaft gegen Persien noch 
nicht offen ausgesprochen. Nachgerade mag aber die durchaus 
richtige Erwägung Platz gegriffen haben, dass Euagoras' Vor- 
gehen nicht ohne inneren Zusammenhang mit dem aegyptischen 
Aufstande war, dass seine Erfolge tatsächlich eine Gefahr für 
die Suzeränetät des Grosskönigs, und das Ansehen des per- 
sischen Reiches bedeuteten. Ausserdem war es für den Perser- 
könig von der höchsten Wichtigkeit, die Treue der Phoiniker, 
deren Stammland die Operationsbasis gegen Aegypten bildete, 
sich im gegenwärtigen Augenblick zu wahren. Da das eigent- 
liche Reichsheer in Aegypten beschäftigt war, wies deshalb 
Artaxerxes die beiden Küstensatrapen, den Karanos für Vorder- 
asien Autophradates von Lydien mid Hekatomnos von Karien an, 
gegen Euagoras vorzugehen^). Sie leisteten dem Befehl sofort folge, 
lieber die Zeit der eben geschilderten Ereignisse, ins- 
besondere über die des Kriegsausbruches zwischen Euagoras 
imd Persien, herrscht seit lange ein heftiger Streit. Drei grosse 
Gruppen, von Abweichungen um ein oder zwei Jahre abgesehen, 
lassen sich scheiden. Der Krieg dauert nach der ersten ungefähr 
394—3852), nach der zweiten ungefähr 390—3808), nach der 
dritten ungefähr 386—377*). 



1) Diod. 98, 3. 4. Theop. b. Phot. Cod. 176. Theopomps Angabe, 
dass Autophradates Satrap von Lydien gewesen sei, anzufechten (Krumb- 
holz, de As. min. satr. 66), scheint mir ebensowenig richtig wie zu be- 
streiten, dass Struthes diese Satrapie inne hatte (Th. Lenschau, de rebus 
Prienensium 144). Die beiden folgen sich einfach in der Satrapie wie in 
der Bekleidung des Karanosamtes. Weshalb Struthes abberufen worden 
ist, wissen wir nicht. — Ueber das Verhältniss des Karanos zu den 
Satrapen hat, Krumbholz mehrfach berichtigend, Lenschau a. 0. 137 ff. 
gehandelt. 

2) Engel Progr. 1861. S. 8 f. Kypros 7 ff. Curtius Gr. Gesch. III« 202. 

3) Grote Gesch. Gr. V 296 A.56. Lachmann Gesch. Gr. 448 f. Reh- 
dantz, vitae 243. Theiss , de hello Cyprio 12.16. Scharfe, de Euagora 
36 fi'. 49. ßlass, Att. Ber. II 246. Schmidt Konon 57. 

4) Clinton F. H. IP 386 ff. Sievers Gesch. Gr. 406. E. Erich, de Eua- 
gora Cyprio. Dias. Rostock 1872. S. 30. 



120 Drittes Kapitel. 

Die überwiegende Mehrzahl der Forscher vertritt mit Recht 
die Ansicht der zweiten Gruppe, doch schwanken auch hier 
wieder die Ansätze zwischen 391/90 (Anfang) und 379/78 (Ende). 

Auszugehen ist von Diodor a. 0., der u. J. 391/90 Ol. 97, 2 
nachdem er Verschiedenes, das bestimmt vor Euagoras' Kampf 
mitPersien liegt, namentlich die Vorgeschichte des Euagoras erzählt 
hat, von dem Uebergang des Autophradates und Hekatomnos 
nach Kypros berichtet. Dieser Uebergang bezeichnet natürlich 
erst den Beginn des kyprisch-persischen Krieges, der danach 
also in das Olympiadenjahr 391/90 fällt; es ist der zeitliche 
Angelpunkt, um den sich Diodors Darstellung bewegt. — Un- 
abhängig davon ergiebt sich derselbe Zeitpunkt für den 
Ausbruch des Krieges aus Xenophons Hellenika IV 8, 24, wo 
erzählt wird, dass ein aus zehn Trieren bestehendes Geschwader 
unter Philokrates, das Euagoras Hülfe bringen sollte, im Spät- 
sommer 390 durch den lakedaimonischen Nauarchen Teleutias 
aufgebracht wird (vgl. S. 91). Dazu kommt eine dritte Be- 
stätigung durch Lysias' XIX. Rede (Aristophanes) , deren Zeit- 
verhältnisse ganz klarliegen (vgl. d. Anm.). Lysias erwähnt 
dort Gesandte des Königs Euagoras in Athen, die zehn Schiffe 
vom athenischen Volke erwirkt hätten. Die zehn Schiflfe sind 
aller Wahrscheinlichkeit nach die des Philokrates *). 



1) So richtig die ältere Meinung (Engel Kypros I 303 f. Sievers Gesch. 
Gr. 361. Lachmann Gesch. Gr. 208. Clinton F. H. z. J. 390. Rauchen- 
stein Ausg. d. Lys. ' 165. Frohberger Ausg. d. Lys. 91). Die Vermutung 
von Rehdantz (34. 35 A. 25), Scharfe (17 f.), Beloch (att. Polit. 356), dass 
die Erzählung des Lysias eher auf die aus zehn Schiffen bestehende Hülfs- 
flotte, welche Chabrias im Frühjahr 387 nach Kypros führte (vgl. u.) zu 
beziehen sei, lässt sich mit der Zeitangabe in der Rede selbst nicht ver- 
einigen, wie Rauchenstein a. 0. bereits mit Recht betont hat. Niko- 
phemos und Aristophanes, zwei Athener, die mit Konon bei Euagoras 
lebten und für diesen in Athen gewirkt hatten, waren nach Absendung 
der in der Rede genannten zehn Schiffe (§ 21. 43) plötzlich auf Kypros 
ergriffen und ohne Gericht hingerichtet worden (§7). 4 bis 5 Jahre sollen 
von der Schlacht von Knidos (Sommer 394) bis zu ihrem Tode vergehen 
(§ 28 f.). Eine Entstellung ist bei der kurzen Zeit, die zwischen dem 
Tode und der Verhandlung in Lysias' Rede liegt, nicht möglich. Dem- 
nach fällt die Hinrichtung in das Jahr 389. Sehr wahrscheinlich hat 



Euagoras von Kypros. 121 

Das Euagoras ein Hülfegesuch nach Athen schickte, bevor 
er wirklich Hülfe brauchte, d. h. bevor die persischen Satrapen 
den Angrifif gegen ihn eröffneten, ist sehr unwahrscheinlich. 
Da die Gesandten im Sommer 390 in Athen weilten, werden 
also wol Autophradates und Hekatomnos im Frühjahr 390 nach 
Kypros übergesetzt sein. In das Jahr 391 fallen Euagoras' Er- 
oberungen in Kypros, nachdem im Jahre 392 Konon zu ihm 
geflohen und bald darauf gestorben war (S. 84 vgl. d. St. S. 120 A.). 

Nach Diodor (XV 9, 2) und Isokrates (Euag. 64) hat der 
ganze Krieg zehn Jahre gedauert und zwar, wie aus dem 
TToXf^fxog d€xa€T7]g dxsSdv yeyerrßitvoq Diodors und aus der 
bescheidenen Angabe des Isokrates sttj dtxn (nicht etwa nXf-Tov 
7J eir> dexa od. dgl.) übereinstimmend hervorgeht, nicht volle 
zehn Jahre. Er muss demnach im Jahre 381 zu Ende gewesen 
sein. Eine Bestätigung für diesen Endpunkt liegt schliesslich 
darin^ dass zur Zeit des Abschlusses von Isokrates' Panegyrikos, 
zweite Hälfte 381 (vgl. d. Anhg.), die entscheidende Friedens- 
gesandtschaft des Euagoras bereits abgegangen ist (§ 135). 

Mit dieser Umgrenzung sind alle Ansätze, welche den 
persisch-kyprischen Krieg vor dem Jahre 390 beginnen oder 
nach dem Jahre 381 endigen lassen auszuschliessen ^). Auf die 
Jahre 390 bis 381 müssen wir die Kriegsereignisse verteilen, 
und zwar unterscheiden wir vier Hauptabschnitte. 

1. Periode 390 — 386. Dieser Abschnitt umfasst die Zeit 
von dem Beginn des Krieges bis zum Eingreifen der gesammten 
persischen Reichsmacht. Dass die letztere im Frühling des 
Jahres 386 eingriff, lässt sich bestimmt erweisen. Wir erfahren 
nämlich aus Isokrates' Panegyrikos (IV) 142, dass der Grosskönig 
selbst zur Zeit der Abfassung der Rede (zweite Hälfte 381) 



Frohberger a. 0. vermutet, dass sie mit dem Scheitern von Philokrates' 
Expedition zusammenhängt. Auch vrenn etwa Aristophanes mit Philo- 
krates segelte, ist ein Entkommen an Land bei der Gefangennahme der 
Schiffe nicht ausgeschlossen ; wahrscheinlich ist er vorausgefahren. 

1) Der einzige, der diesen genauen Ansatz (390 — 881), allerdings ohne 
jede Begründung beibringt, ist G. F. ünger Chron. d. Manetho 1867 S 3o8. 



122 Drittes Kapitel. 

seit nahezu sechs Jahren gegen Euagoras Krieg führt ^), also seit 
dem Jahre 386. Ausserdem berichtet Theopomp bei Photios 
Cod. 176, dass gleich nach dem Abschluss des Antalkidas- 
friedens (Anfang 386 vgl. S. 103 flf.) Artaxerxes kräftiger gegen 
Kypros vorgegangen ist^). 

Diese erste Periode des Krieges verlief für Euagoras sehr 
glücklich, der Führer der persischen Flotte Hekatomnos von 
Karlen war mit ihm im Einverständniss (vgl. Kap. VI 2), 
nirgends gelang es den Persern, irgendwelche Vorteile zu er- 
ringen. Ja Euagoras konnte sogar seine Stellung festigen und 
erweitern. In Kypros selbst behielt er den eroberten Besitz, er 
eroberte Amathus dazu (vgl. S. 123 A. 1) und knüpfte mit den 
unzufriedenen und aufständischen Elementen, die im Westen und 
Südwesten des Perserreiches in Ueberzahl vorhanden waren, 
Verbindungen an. Mit dem Aegypterkönig Akoris, der eben den 
persischen Angriff siegreich abgeschlagen hatte, schloss er ein 
Bündniss und brachte einen Teil der phoinikischen und kilikischen 
Küstenstädte, namentlich Tyros, unter seine Schutzherrschaft. 
Von Hekatomnos erhielt er Unterstützung an Geld, von dem 
mit Akoris verbündeten Barkaierkönige Truppen. So kam bald 
die stattliche Macht von 90 Trieren, 6000 kyprischen Soldaten 
ausser den Hilfstruppen und Söldnern zusammen (Diod. XV 
2, 2. 3. XIV 110, 5. Theop. a. 0. Isokr. Paneg. 161 f. Euag. 
61—64. vgl. Kap. IV 2). Zudem trat endlich Athen, dessen 
Pläne für die Seeherrschaft jetzt weiter gingen als früher, für 



1) «AA' ofjKog ovTü) taneivqg dvyccfxetog (des Euagoras) ov dvyatai 
neqcyeviod'ai ßnaiXevs TToXsfxcjy^ «AA' //(fij fxiy €^ etri ^latit^KpEV xtX, 
Dass diese Hestimmung von dem Eingreifen der persischen Reichsmacht 
nicht schon von den Kämpfen mit den Küstensatrapen gerechnet ist, hat 
man längst eingesehen. Zu berücksichtigen ist dabei aber, dass Isokrates 
hier natürlich, soweit es irgend die tatsächlichen Verhältnisse zuliessen, 
die Zeit, welche der Grossköniff vergeblich auf den Krieg verwendet 
hat, ausdehnte. 

2) XII. Buch : xal nsQi t^s eiQijvVfg, §V avtog toig "EXXr^aiv sßQccßev- 
GBP^ 07i(j}g T€ TiQog Evayoqav enixqatiateqop inoXefzeCy xal neql tr^g iy 
Kvnqia yavfjictx^ag. 



Euagoras von Kypros. 123 

seinen alten Freund ein. Im Frühjahr 387 segelte Chebrias mit 
einem Geschwader mehr als zehn Schiffen, über 800 Peltasten 
und Hopliten nach Kypros und scheint mit glücklichem Erfolg 
am Kampfe, namentlich an der schon erwähnten Eroberung 
von Amathus sich betheiligt zu haben ^). 

Unterdessen war aber durch den schwerfälligen persischen 
Kriegsapparat bei Phokaia und Kyme, endlich auch eine grosse 
persische Macht von angeblich 300000 Mann und 300 Schiffen 
gesammelt worden, zahlreiche griechische Söldner hatte man 
angeworben. In lonien übernahmen diese Streitkräfte die beiden 
dafür bestimmten Feldherrn Orontes, der Schwiegersohn des 
Königs, das Heer, Tiribazos, zugleich als Karanos, die Flotte. 
Sie begaben sich zusammen nach Kilikien und setzten im Früh- 
ling 386 nach Kypros über 2). 



1) Xen.Vl,10. Corn. Nep. Chabr. 2,2. Dem. Lept. (XX) 7»{. Ampel. 
XV 18. vgl. S. 101. 

In diese Zeit setzt Engel Kypros I 303 mit grosser Wahrscheinlich- 
keit die Erzählung vom König Rhoikos von Amathus (Hesych. u. 'IMxov 
XQiS-oTiofiTila vgl. Suid. u. x^c&onojj,ma): 'E^azoa&iyrig eV un iycao) Kot/ 
^Af^«&oval(ov ßaaiXicc tovzov ai^fJ-aktoToy yevofxeyoy ^ elta vnoaTftixpctyta 
TiQog eavToy rij- noXei j^d-riyalcoy x^i^ag sxnifJLxpaL q)Yi<st. Es ist zu er- 
innern, wie sehr Athen der Getreidezufuhr bedurfte, als eben im Jahre 387 
Antalkidas die Zufuhr vom Pontos sperrte (vgl. S. 104). Dagegen er- 
scheint es gewagt anzunehmen, dass Euagoras auch Kition erobert habe, 
80 gut auch die Münzreihen der Könige von Kition mit der Annahme 
sich vereinigen lassen (J. P. Six Numism. Chron. 1?^88 S. 127 ff.). Kition 
gehört gerade zu den wenigen Städten, welche Euagoras mit Erfolg 
Widerstand leisten (Diod. XIV 98,2. vgl. S. 124 f.) und bildet im Jahre 
385 den Sammelpunkt der persischen Macht (Diod. XV 3,4. 4,1 vgl. 
S. 124 f.). 

2) Diod. XV 2,1. Isokr. Paneg. 134 f. 153. Die oft wiederkehrenden 
Schififezahlen 300, 600, 1200 für persische Flotten fasst Krall, Wien. Stud. III. 
1881. S. 147 ff., wol richtig als Gestellungseinheiten im persischen Mobi- 
lisierungsplan : jeder Stadt war wie ein bestimmter Tribut für den Kriegs- 
fall auch die Stellung einer bestimmten Anzahl Schiffe vorgeschrieben. 
Wie wenig aber die wirklich gestellte Zahl dem Anschlag entsprach, 
zeigt im IV. Jahrhundert u. a. die Flottenrüstung Konons (S. 54 ff'.). 
Münzen des Tiribazos aus dieser und der folgenden Zeit s. b. Head. Hist, 
num. S. 604. 



124 Prittes Kapitel. 

2. Periode 386—385. Mit dem Vorgehen des persischen 
Reichsheeres begann gegen Euagoras eine kräftigere, stetigere 
Kriegführung, nur auf diese Zeit lassen sich die Worte Diodors 
(XV 9, 2 u. J. 385 84 Ol. 98, 4) beziehen : o /nh' ovv KvTrgiaxdg 
TToXf-fwg Sf-xa&Trjg (Sxtdov yf-yfrrjitu'rog xal to tiXbov tov xQOVov 
m-Qi nnQaüxtvdg aV/''^^»^^''?? Sitxri xqovüv rov snl näiSi (fw- 
f;fwc 7ToXtf.i}^ü^f(c. Es steht damit zugleich der Endpunkt 
dieser Kampfperiode fest, da wir ja den Anfang kennen (vgl. o.). 

Ausser diesem direkten Angriff hatte Artaxerxes noch 
einen indirekten, diplomatischen gegen Euagoras eingeleitet 
durch den Abschluss des Antalkidasfriedens , in dem Kypros 
und Klazomenai unter den kleinasiatischen Inseln eigens dem 
Grosskönig zugesprochen wurden (S. 105). Infolgedessen ist 
höchst wahrscheinlich Chabrias sofort von Euagoras weg- 
berufen worden; er ging nach Aegypten, dort hat er weiter 
gegen Persien gewirkt (Kap. IV 3). 

Euagoras verlor trotz alledem den Mut nicht, seine Kaper- 
schiffe fingen die persischen Zufuhren ab oder vernichteten sie 
und veranlassten dadurch eine Hungersnot in dem grossen 
Heere. Die persischen Truppen meuterten, und man war schliess- 
lich genötigt, zu ihrer Beruhigung mit der gesammten Flotte, 
über die Glos, der Sohn des Tamos, den Oberbefehl hatte, 
nach Kilikien zurückzukehren, um dort genügende Lebensmittel 
einzunehmen (Diod. XV 3, 1.2). 

Jetzt schlug Euagoras eine andere Kampfesweise ein. Er 
hatte gesehen, dass sein Geschwader von 90 Schiffen zu schwach 
war, der riesigen persischen Flotte in offener Schlacht ent- 
gegenzutreten, deshalb bemannte er weitere 60 Schiffe und 
Hess sich von seinem Verbündeten Akoris, der ihn schon vor- 
her mit Getreidezufuhr und Geld reichlich unterstützt hatte, 
noch 50 Schiffe stellen, sodass er eine Gesammtmacht von über 
200 Trieren besass. Nachdem er diese Flotte etwas eingeübt hatte, 
entschloss er sich, mit ihr einen Entscheidungskampf zu wagen: 
er überfiel das gegen Kition heransegelnde persische Geschwader. 
Die Ueberraschung glückte zunächst vollkommen, überall drangen 



Euagoras von Kypros. 125 

die kyprischen Trieren siegreich vor. Dann aber gelang es dem 
persischen Admiral Glos, seine Schiffe zu sammeln und die 
Schlacht zum Stehen zu bringen ; bald raffte er sich sogar zu 
einem Gegenstosse auf, nun wich Eugoras' Flotte und musste 
sich mit starken Verlusten auf Salamis zurückziehen. 

Mit dieser Niederlage in der Entscheidungsschlacht war 
Euagoras' Seemacht gebrochen; es blieb ihm nichts übrig, als 
sich nach Salamis zu werfen und dort den Verteidigungskampf 
vorzubereiten. Während dessen zogen die Perser ihre gesammten 
Streitkräfte bei Kition zusammen und schlössen darauf Salamis 
ein (Diod. XV 3, 4-4, 1. Theop. a. 0. Isokr. Paneg. 141). 
Wahrscheinlich auf dem Wege dorthin hatte das Landheer 
einen Angriff auf Idalion versucht, aber nach kurzer vergeb- 
hcher Belagerung den Marsch fortgesetzt, um sich vorerst gegen 
den Hauptaufrührer Euagoras zu wenden ^). 



1) Es ist sehr wol möglich, dass die in der Tafel von Idalion (Literatur / 
b. Cauer, Delectus inscript. Graec." 1883 S. 302 ff.) Z. 1 ff. erwähnte Be- 
lagerung der Stadt durch »Meder und Eitieer« in diese Periode des 
Kampfes zwischen Euagoras und Persien gehört, wie Larfeld Syll. inscr. 
Boeot. S. XXX behauptet, nur wird man wie Cauer a. 0. 306 richtig her- 
vorhebt, nicht an eine Eroberung Idalions zu denken brauchen. Wenn 
auch Euagoras nach der Schlacht von Kition fast ganz Kypros hatte 
räumen und sich nach Salamis zurückziehen müssen (vgl. S. 126 A.), so 
hatte er doch noch eine ganze Anzahl Städte in seiner Macht oder auf 
seiner Seite (Diod. XV 8, 2. vgl. S. 12). Mit Cauer a. 0. an eine vor 
dem Jahre 386 liegende Belagerung Idalions durch die Perser zu denken, 
geht wol deshalb nicht an, weil nach allem, was wir wissen, die Perser 
sich bis dahin auf den Schutz der treuen Städte beschränkt, aber keinen 
eigentlichen Angriff gewagt hatten (vgl. S. 122). Ausgeschlossen ist frei- 
lich die Möglichkeit nicht, da wir von dieöen Kämpfen im Einzelnen 
zu wenig kennen. Ausgeschlossen ist auch nicht die Möglichkeit, die 
Tafel von Idalion in eine frühere Zeit, etwa in die Mitte des V. Jahr- 
hunderts zu setzen, wie dies nach den Münzen Six a. 0. 317 f. vor- 
zieht. 

Spätestens nach Euagoras' Frieden mit Persien ist dann Idalion 
unter die Herrschaft der Könige von Kition gekommen, vgl. Six Rev. 
Num. 1883. 335 ff. Num. Chron. 1888. 128 ff. C. I. Sem. 1 S. 102. In 
seinem dritten Eegierungsjahre nennt sich König Melekiaton von Kition, 
dessen Regierung nach den Münzen sicher in die erste Hälfte des IV. 



126 Drittes Kapitel. 

Salamis hielt kräftig der Belagerung stand, auch nahte 
der Winter, der ein schärferes Vorgehen erschwerte: deshalb 
beschränkte man sich auf die Umschliessung, Orontes übernahm 
den Oberbefehl, während Tiribazos sich zum Grosskönig begab, 
um diesem über den errungenen Sieg zu berichten und neue 
Geldmittel zu beschaffen. Die ihm günstige Jahreszeit benutzte 
aber auch Euagoras zu neuer Rüstung. Er übertrug seinem 
Sohn Pnytagoras die Verteidigung der Stadt und brach mit 

einem Geschwader von zehn Trieren bei Nacht ungesehen die 

» 

feindliche Blokade. So gelangte er glücklich zu seinem Freund 
und Verbündeten Akoris von Aegypten, ermunterte ihn zum 
treuen Ausharren gegen den gemeinsamen Feind und erbat 
sich neue Hülfsmittel (Diod. 4, 1. 2). Damit schloss das Jahr 
3861). 

Jahrhunderts — Six vermutete 393 — 362 — gehört, auch Herrscher von 
Idalion. 

1) Die Schlacht von Kition und ihre Folgen bilden wieder den chrono- 
logischen Merkpunkt für Diodors Darstellung XV 2. 3, der unter dem 
Jahre 386/85 Ol. 98, 3 alles, was seit dem üebergang der Küstensatrapen 
nach Kypros i. J. 390 (vgl. S. 121) sich ereignet hat, zuaammenfasst. 

Damit in Uebereinstimmung steht Eusebios (Hieron.) zum 19. Jahre 
des Artaxerxes Mnemon, 362 Nabon., Nov. 387 — Nov. 386 (vgl. Kap. VI 1) 
mit der Notiz EvayoQag ßaaiXevojy t^g Kvnqov B^eaTri^ was man etwa zu 
übersetzen hat »Euagoras ging seiner Herrschaft über Kypros verlustig«. 
Aehnlich hat den Ausdruck wol schon J. J. Scaliger gefasst mit der 
Uebersetzung Euagoras cesnit omni Cypro praeter Solamina: man braucht 
in diesem Verlust der Herrschaft nicht wie Rehdantz 37 A . 33 und Schaffe 
27 A . 3 notwendig die Bedingungen des Friedendschlusses zwischen Euagoras 
und Persien zu erkennen (vgl. S. 127). Wenig befriedigend ist auch Reh- 
dantz' Vorschlag a. 0. zu übersetzen : Cypro excessit (Aegyptum profecturus), 
ganz töricht das Missverständniss bei Hieronymus und in der Armenischen 
Uebersetzung: Euagoras mente captus Cbzw. in furorem versus) est cum 
regnaret in Cipro ^bzw. Cypri). 

In der Datierung weicht die Armenische Uebersetzung von Hiero- 
nymus ab; sie setzt die Notiz zum ersten und einzigen Regierunggahr 
Nepherites' IL, d i. in das Jahr 882 oder 381 (S 1 16), es ist deshalb wahr- 
scheinlich, dass diese Abweichung irgendwie mit dem zweiten zwischen 
Euagoras und Tiribazos geschlossenen endgültigen Frieden, der um diese 
Zeit fällt (vgl. u.), zusammenhängt. Wir müssten dann unter diesem 
Jahre eine ähnliche Notiz auch bei Eusebios voraussetzen (vgl. S. 170 A.). 



Eua^oras von Kypros. 127 

Im Frühjahr 385 kehrte Tiribazos mit 2000 Talenten zum 
Heere zurück und ungefähr gleichzeitig muss auch Euagoras 
wieder in Salamis angelangt sein. Der Kampf entbrannte von 
neuem. 

Euagoras hatte von Aegypten nicht soviel Mittel mitge- 
bracht, als er gehofift hatte; sei es nun, dass Akoris die Aus- 
sichtslosigkeit eines weiteren Widerstandes für Euagoras erkannte, 
sei es, dass er für das eigene Land Geld und Streitkräfte 
brauchte. Da ausserdem die Perser es nicht an tatkräftigem 
Vorgehen fehlen Hessen, so entschloss sich Euagoras zur Unter- 
handlung. Tiribazos, der indessen den Oberbefehl wieder über- 
nommen hatte, war dem Abschluss des Friedens nicht abge- 
neigt; aber er stellte harte Bedingungen: 

1. Aufgabe sämmtlicher Eroberungen in Kypros — Euagoras 
hatte also noch solche im Besitz — und Beschränkung auf 
Salamis. 

2. Zahlung eines bestimmten jährlichen Tributes an den 
Grosskönig. 

3. Unterwerfung unter die Befehle des Grosskönigs gleich der 
eines Sklaven unter seinen Herrn. 

Die ersten beiden Punkte räumte Euagoras schweren 
Herzens ein, aber den dritten weigerte er und stellte als Gegen- 
antrag die Bedingung, er wollte sich Artaxerxes unterwerfen 
als ein König dem Grosskönig. Diese Bedingung lehnte wieder 
Tiribazos ab, und so entschloss sich Euagoras trotz seiner 
schlimmen Lage verzweifelten Widerstand zu leisten, bis es 
ihm gelänge, auf anderem Wege vielleicht den Frieden zu 
erreichen (Diod. XV 8, 1 — 3, vgl. Theop. a. 0.). Der Weg, den 
Euagoras jetzt einschlug, war ein altbekannter, sicherer: es 
war ihm nicht verborgen geblieben, dass der ehrgeizige Orontes 
Tiribazos die herrschende Stellung und die Erfolge missgönnte. 
Mit Orontes setzte sich deshalb Euagoras jetzt heimlich in 
Verbindung und verabredete Tiribazos' Sturz. Die näheren 
Umstände der Verhandlungen kennen wir nicht : dass Euagoras 
eine direkte Bestechung angewendet hat, ist nicht einmal 



128 Drittes Kapitel. 

wahrscheinlich, hier genügte die geschickte diplomatische Ver- 
handlung. Jedenfalls aber musste Euagoras einen Vorteil von 
dem gefährlichen Spiel haben und dieser Vorteil konnte nur 
darin bestehen, dass Orontes als Oberbefehlshaber mindestens 
die von Tiribazos abgelehnten Bedingungen bewilligte. Orontes 
ging darauf ein und verfasste ein Schreiben an den Grosskönig, 
in dem er Tiribazos der verschiedensten Hochverratspläne be- 
zichtigte und zu dem Euagoras einen Teil des Beweismateriales 
lieferte: Tiribazos sollte mit Euagoras in heimlichem Verkehr 
stehen , die Belagerung unnütz hinziehen , in jeder Weise den 
Abfall vorbereiten und mit seinen Freunden den Lakedaimoniern 
ein Bündniss abgeschlossen haben. 

Artaxerxes glaubte den Verdächtigungen und sandte an 
Orontes den Befehl, Tiribazos gefangen zu nehmen und zur 
Aburteilung an den Hof zu schicken. Dieser Befehl wurde mit 
Bereitwilligkeit ausgeführt, der Nebenbuhler war glücklich be- 
seitigt und Orontes erhielt jetzt das Oberkommando im kypri- 
schen Kriege (Diod. 8, 3.4. 9. 1. Theop. a. 0. Polyain. VU 14, 1. 
Plut. de superst. 8 S. 168 e). 

Diese Ereignisse füllen das Jahr 385 und reichen höchstens 
bis in den Beginn des Jahres 384 hinein *). 

3. Periode 384—383? Als Tiribazos des Befehls ent- 
hoben war, glaubte Euagoras aufathmen zu können, aber 
er hatte sich getäuscht und war selbst überlistet worden. 
Orontes spielte auch ihm gegenüber ein falsches Spiel, er 



1) Mit Tiribazos' Gefangennahme hatte natürlich die energische Krieg- 
führung ein Ende (vgl. u.), deshalb gilt hier die schon S. 124 angeführte 
Notiz Diodors, dass der wirkliche Kampf nur zwei Jahre gedauert habe. 
Bestätigend tritt dazu die zeitliche Anordnung von Diodors Werk, denn 
die genannten Ereignisse werden am Beginn des Jahres 385/84 OL 98,4 
erzählt und daran eine Anzahl anderer über dieses Jahr hinausliegende 
Ereignisse angeschlossen: sie bilden wieder den chronologischen Angel- 
punkt. Auch die weitere Entwicklung des kyprischen Krieges, namentlich 
das zwischen Glos und Akoris wahrscheinlich im Jahre 384 geschlossene 
Bündniss (Kap. V 1; stimmt sehr gut zu diesen Ausätzen. 



Euagoras von Kypros. 129 

brach das gegebene Wort und setzte die Belagerung fort: ihm 
allein sollte der Ruhm der Eroberung von Salamis unter den von 
Tiribazos gestellten Bedingungen zufallen. Indessen war Orontes 
bald in seiner Kriegführung vollständig gelähmt. Die Truppen 
murrten über Tiribazos' Gefangennahme, der Führer der Flotte, 
Glos, Tiribazos' Schwiegersohn, trug sich mit Abfallsgedanken, 
weil er in den Prozess seines Schwiegervaters verwickelt zu 
werden fürchtete^); andererseits setzte Euagoras noch immer 
den Widerstand fort. So wurde Orontes vennutlich noch im 
Jahre 384 ^) genötigt, sich mit Euagoras zu vertragen und ihm 
die geforderten Bedingungen, namentlich die entscheidende, 
dass Euagoras Artaxerxes Untertan sein sollte als ein König 
dem Grosskönig, zu bewilligen (Diod. XV 9. Theop. a. 0.). 

Der Friede bedurfte aber noch der Bestätigung durch 
Artaxerxes, bis dahin blieben die persischen Streitkräfte vor 
Salamis, nur die Wafifen ruhten. Li dieser Zeit trat wieder 
ein vollkommener Umschwung der Verhältnisse ein. 

Als Tiribazos als Gefangener am Königshofe anlangte d. h. 
noch am Anfang des Jahres 384 (vgl. S. 128), wurde sein 
Prozess zunächst vertagt. Darauf, also etwa im Frühjahr 384, 
unternahm Artaxerxes einen grossen Kriegszug gegen die 
Kadusier am kaspischen Meer, auf dem er Tiribazos mitgeführt 
zu haben scheint. Der Feldzug verlief bei der Wildheit und 
Unzugänglichkeit des Landes sehr unglücklich, auch scheint 



1) Wahrscheinlich in diese Zeit fällt die von Polyainos VII 20, vgl. 
Isokr. Paneg. 153, erzählte List, welche Glos anwendet, um sich seiner 
Gegner unter den ionischen Griechen bei der Flotte zu versichern. Engel, 
Eypros I 314 verlegt die Erzählung fölschlich in die Anfänge des Krieges 
zwischen Euagoras und Tiribazos (i. J. 386). 

2) Für diesen Zeitansatz spricht einmal die Verhaftung des Tiribazos 
Ende 385 bzw. Anfang 384 (vgl. o.), ferner, dass Glos' Vorbereitungen 
zu einem wirklichen Aufstand, von Diodor XV 9, 3 ff. durchaus glaublich 
erst nach dem Abschluss der Friedenspräliminarien zwischen Orontes und 
Euagoras erzählt worden, und zu diesen Vorbereitungen der Abschluss 
eines Bündnisses mit König Akoris von Aegypt«n, der im Jahre 383 stirbt 
(Kap. IV 1), gehört. Erst die Hinzögerung des Prozesses gegen Tiribazos 
musste Glos stutzig machen und zum Autstande drängen. 

JUDEICH, EleinaslatiBche Studien. 9 



IBO Drittes Kapitel. 

man in den Winter, vermutlich den des Jahres 384 auf 383, 
hineingekommen zu sein, nur durch Tiribazos geschicktes Ein- 
greifen wurden die Trümmer des Heeres gerettet^). 

Nach der Heimkehr von diesem Kriege befahl Artaxerxes, 
dem nun auch die Bestimmungen des von Orontes geschlossenen 
Friedens zugegangen waren, die Aufnahme des Verfahrens 
gegen Tiribazos, das mit einer glänzenden Freisprechung, der 
Wiedereinsetzung in alle Würden und Aemter und der Ver- 
leihung hoher Ehren endigte (Diod. XV 9, 3, 4. 18, 1). 

Orontes hatte währenddessen vergeblich auf die Bestätigung 
seines Friedensschlusses gewartet. Die Stimmung im Heere 
war bei dem untätigen Leben eher schlechter als besser ge- 
worden; Glos hatte an der Vorbereitung seines Aufstandes 
immer weiter gearbeitet und wurde nur durch seine Ermordung, 
an der Orontes vielleicht nicht unschuldig war, am offenen Abfall 
gehindert (Diod. XV 9, 3. 4. 18, 1). Endlich, nach der Erledigung 
von Tiribazos' Prozess, wie wir also vermuten dürfen im 
Jahre 383, kam vom Hofe Nachricht: der Frieden war nicht 
genehmigt, Orontes wurde vielmehr der Zorn und die Ungnade 
des Königs wegen der Umtriebe gegen Tiribazos gemeldet, er 
wurde des Oberbefehls enthoben und fem vom Hofe als Unter- 
statthalter nach Mysien versetzt^). Euagoras musste sich zu 
neuem Kampfe rüsten. 



1) Plut. Artox. 24. 26. vgl. Diod. XV 8,4. 10, 1. 3—11, 1. Diese ver- 
schiedenen Angaben hat richtig zuerst Erumbholz, de As. min. satr. 65 
A. 3 verbunden. Wir kennen nur einen Krieg des Artaxerxes gegen die 
Kadusier (vgl. Com. Nep. Dat. 1,2 Trog. prol. X). 

2) Diod. XV 11, 2. Die Zeit ist nur ungefähr bestimmbar nach der 
Datierung des kadusischen Krieges und des daran sich knüpfenden Pro- 
zesses des Tiribazos. Vgl. S. 190. 

Dass der Frieden des Orontes keine Bestätigung erfahren hat, haben 
bereits Sievers Gesch. Gr. 365 und Rehdantz vitae 39 A. 88 bemerkt. 
Diodor XV 9, 2 (vgl. S. 131) wirft flüchtigerweise diesen Frieden mit 
dem später von Tiribazos wie es scheint auf dieselben Bedingungen ab- 
geschlossenen und bestätigten {ygl. u.) zusammen. 



Euagoras von Kypros. 131 

4. Periode 382? — 81. Wann die Feindseligkeiten von 
neuem eröffnet worden sind, können wir nicht genau sagen; 
jedenfalls waren dieselben am Anfang des Jahres 381 wieder 
im Gange, da in der zweiten Hälfte 381 Euagoras bereits Sparta 
um Vermittelung gebeten hatte (vgl. S. 121). Nach Orontes' 
Abberufung scheint zunächst das persische Heer ganz ausein- 
andergelaufen zu sein; in diese Zeit fallt die Empörung des 
Tachos, der die von Glos begonnene Rolle zu Ende spielen 
wollte (vgl. S. 190 f.). Eine allgemeine Gährung erfüllte noch 
immer den Südwesten des Perserreiches (Isokr. Paneg. 160 flf.). 
Euagoras scheint dennoch bald in eine schlimme Lage ge- 
kommen zu sein (Isokr. Paneg. 141) : König Akoris von Aegypten, 
sein aller Verbündeter, war gestorben und Thronwirren waren 
dort ausgebrochen (S. 159); Athen hielt peinlich am Königs- 
frieden fest (S. 158), auch dort durfte er keine Unterstützung 
erhofifen. So wendete er sich an die Macht, welche im Augen- 
blick am mächtigsten dastand (Diod. XV 23, 5. Isokr. Euag. 64. 
Xen. V 3, 27) und freundliche Beziehungen mit Persien , ins- 
besondere mit seinem Gegner Tiribazos unterhielt, an Sparta 
(Isokr. Paneg. 126. Diod. XV 8, 3. 9, 3. 4. 10, 2. 18, vergl. Xen. 
IV 8, 12-16. V 1, 6 u. S. 121). 

Seine Gesandtschaft dorthin (Isokr. Paneg. 135. Theop. a. 
0.) hatte auch Erfolg. Noch am Ende des Jahres 381 muss 
der Friede, wol eben unter lakedaimonischer Vermittelung, ab- 
geschlossen worden sein, und zwar wurde er es auf die Bedin- 
gungen, die einst Euagoras mit Orontes vereinbart hatte (Theop. 
a. 0. Isokr. Euag. 63). 

3. ENDE UND NACHFOLGER. 

Euagoras starb, wie Diodor XV 47, 8 durchaus glaubwürdig 
berichtet, im Jahre 374/73 Ol. 101, 3. Von dem, was er bis 
zu seinem Tode geleistet hat, ist uns ausser Isokrates' allge- 
meinen Lobpreisungen einer guten und glücklichen Regierung 
(Paneg. 41 flf. 70 ff., vgl. Diod. XVI 42, 8) so gut wie nichts be- 
kannt. Die Regierung behielt den Charakter einer hellenistischen 
Tyrannis. Euagoras blieb beschränkt auf seine salaminische 

9* 



132 Drittes Eapitd. 

Herrschaft und bat in die gross»« Politik nicht wied^ ein- 
gegriffen. 

Granz gegen das Ende seina* Herrschaft muss die V'er- 
schwörung eines gewissen Nikokreon fallen, die aber glücklich 
entdeckt und vereitelt ward: Nikokreon musste fliehen, hnmer- 
hin gab diese Verschwörung mittelbar den Anstoss zu Euagoras 
Tode. Nikokreon hatte eine schöne Tochter zurückgelassen, 
welche Ekiagoras und der Thronfolger Pnytagoras, ohne es zu 
wissen, gleichzeitig zur Geliebten hatten: ein Eunuch Thra- 
sydaios Ton Elis war jedem einzeln dabei behülf lieh, aber nur 
um sie beide so in die Falle zu locken und beide zu verderben. 
Sie fielen beide von seiner Hand. Die Nachfolge in der Regierung 
übernahm ein anderer Sohn des Euagoras Nikokles^). 

Nikokles war wie es scheint, ein Schüler des Isokrates 
(Engel Eypros I 33^ Ä. 4), mit dem er auch nach dem Antritt 
seiner Herrschaft in enger Beziehung stand (Hypoth. z. Isokr. 
An Nikokles, Nikokles und Euagoras, vgl. die Reden selbst und 
Ps. Plut X Redn. S. 838a). Dieser Regierungswechsel ist nicht 
ohne Widerstand und Glewaltsamkeit vor sich g^angen (Isokr. 
Nikokl. 31 ff., vgl. 48 ff.) : vielleicht hatte der vertriet)ene Nikokreon 
jetzt einen neuen Aufstand versucht, aber Nikokles blieb Sieger. 

Wie lange er regiert hat, wissen wir nicht : als Isokrates 
im Jahre 354/53 Ol. 106, 3 seine Rede :T&Qi di^iSoahfag schrieb, 
war er schon tot (§ 40. 67). Da er im Gefangniss durch ge- 



1) So hat bereits Grote Gesch. Gr. V« 298 Ä. 62 die scheinbar wider- 
streitenden Nachrichten des Theopomp b. Phot Cod. 176 (vgl. Isokr. 
Euag. 42), Aristoteles Polit, V 1311b und Diodor XV 47, 8 richtig ver- 
einigt. Die fehlerhafte Angabe Diodors erklärt sich ans einer Flüchtig- 
keit Diodors selbst oder der Abschreiber der Handschriften (vgl. Sievers 
Gesch. Gr. 366 A. 104). 

Nicht unmöglich ist es, dass sich die Worte in Isokrates" Niko- 
kles (U) 5 xai ^ceiiorreg 6^<oai tovs f^By vif' mr f afior* «/(»^*' di€g:&nQfA£rovg 
xtX. — es ist von den Crefahren der Fürsten die Rede — auf Euagoras* 
Tod beziehen. Eine weitere Anspielung enthält vielleicht Isokrates' 
Nikokles (111) 36. 41. 

Ueber die Rechtmässigkeit von Nikokles' Nachfolge vgl. Isokrates 
Nikokl. 13. 27 f. 33 f. 45 f. Euag. 1 f. 



Euagoras von Kypros. 133 

waltsamen Tod endete (Theop. XV b. Athen. XIV 531 d, 
Anaximenes ebd. 531 e. Max. Tyr. 4) und mit Straten von 
Sidon, der Persien feindlich gegenüberstand, befreundet war 
(vgl. u.), sein Schicksal ausserdem mit dem Stratons gewöhnlich 
zusammen genannt wird, so wird man am wahrscheinlichsten 
seinen Sturz zu derselben Zeit und bei derselben Gelegenheit vor- 
aussetzen, wie den Stratons d. h. bei dem grossen Satrapen- 
aufstande am Ausgang der sechziger Jahre ^) : Nikokles Sohn (?) 
und Nachfolger Euagoras II steht auf persischer Seite (vgl. u.). 

Nikokles scheint mit guten Absichten seine Regierung be- 
gonnen zuhaben, wenn wir deminderNikoklesredevonIsokrates 
für ihn aufgestellten Programm eines »aufgeklärten Absolutismus« 
trauen dürfen, später aber bildete sein Hof eine Statte des 
übertriebensten orientalischen Luxus und wüster Ausschweifungen, 
in denen er mit Straton von Sidon wetteiferte (Theop. Anaxim. 
a. 0.). Als Einzelheit wird unter seiner Regierung die Hin- 
richtung des Kitharisten Stratonikos von Athen, der Nikokles' 
Kinder in unpassender Weise verspottet hatte, erwähnt (Athen. 
VIII 353 d). Eine Zeit lang scheint er auch einen Mitregenten 
Timochares (seinen Bruder?) angenommen zu haben (vgl. Six 
a. O. 287 f. Head Hist. num. 625). 

Der nächste König von Salamis, welcher uns bekannt wird, 
ist Euagoras H. Es liegt nahe in ihm einen Sohn des Nikokles 
zu sehen (vgl. Diod. XVI 46, 2. 42, 7), doch wissen wir nichts 
Sicheres darüber: ist die Annahme richtig, so würde er also 
vermutlich am Ende der sechziger Jahre, oder am Anfang der 
fünfziger auf den Thron gekommen sein. Seine Münzen zeigen 
überwiegend griechische Legenden und durch ihr Bild die mit 
dem athenischen Helm geschmückte Athena den engen Anschluss 
an Athen (Six a. 0. 289 flf.); trotzdem hat er es verstanden, 
auch mit Persien in gutem Einvernehmen zu bleiben. 

Wir hören zum ersten Male von Euagoras IL bei Gelegen- 
heit des grossen Aufstandes, der im Jahre 351/50 ganz Phoinikien 



1) Six a. 0. 289 setzt, wahrscheinlich an den Anfang des grossen 
Satrapenaufstandes anknüpfend, Nikokles' Tod um das Jahr 368. 



134 Drittes Kapitel. 

und Aegypten erfüllte, dem sich auch die kyprischen Fürsten 
anschlössen (Diod. XVI 41, 4. 5. 42, 3—5 vgl. Kap. IV 5) der 
erste Kampf, in den Kypros nach dem Krieg des Euagoras T. 
wieder hineingezogen wird (Diod. XVI 42, 8). Damals ist wol 
Euagoras der Perserfreund vertrieben worden: ein anderer 
Prätendent, der ebenfalls einen Namen der alten Königsfamilie 
trägt, Pnytagoras bemächtigt sich der Stadt ^). 

Die Lage hat sich gegenüber derjenigen vom Anfang des 
Jahrhunderts vollständig verschoben: damals kämpft ein Euagoras 
im Bunde mit den Athenern gegen Persien, jetzt kämpft ein 
Euagoras im Bunde mit den Athenern für Persien; es war 
diesmal gerade das phoinikische Element, das den Träger des 
Aufstandes abgab. 

König Artaxerxes III. Ochos war bei dem Ausbruch der 
Empörung noch mit Rüstungen beschäftigt (Kap. IV 5) und 
übertrug deshalb die Bekämpfung der Aufständischen in Kypros 
dem Satrapen und Fürsten von Karien, Idrieus, der sofort, ver- 
mutlich schon im Frühling 350, eine Flotte von 40 Schiffen 
mit 8000 griechischen Söldnern nach der Insel schickte (vgl. 
u. und S. 171 f.). Den Befehl über diese Macht erhielten 
von Idrieus Phokion von Athen und der vertriebene König 
Euagoras II. von Salamis. So begann der Krieg, und zwar 
wurde zunächst Salamis heftig belagert, das in seiner Stärke 
und Gefährlichkeit noch von den Kämpfen Euagoras' I. her 
bekannt war. Dort sollte auch Euagoras 11. wieder eingesetzt 
werden. 

Grosse unmittelbare Erfolge erzielte man bei der Belagerung 
nicht, aber man konnte währenddessen zahlreiche weitere Sold- 
truppen, welche die Aussicht auf Beute in das reiche Land lockte, 
anwerben. Nach und nach verdoppelten sich die Streitkräfte, 
und dadurch wurde es möglich auch in andern Teilen der 
Insel kräftiger gegen die Rebellen vorzugehen. Dort verlief der 

1) Diod. 42,7. 66,1. Dieser Pnytagoras kann natürlich nicht der 
Sohn Euagoras^ I. sein, der längst tot war (S. 132). Seinen Verwandt- 
schaftsgrad gegenüber Euagoras J. und II. kennen wir nicht, nur ist es 
wahrscheinlich, dass er überhaupt mit ihnen verwandt war. 



Euagoras von Kypros. 135 

Kampf glücklich und rasch ; in kurzer Zeit wurden die Städte 
zur Unterwerfung gezwungen, nur Salamis widerstand noch 
immer. So müssen die Verhältnisse etwa am Ende des Kriegs- 
jahres 350 gelegen haben, wenigstens ist Phokion, der diesen 
Stand des Krieges mit erlebte (Diod. 46, 1), noch vor Ablauf 
des Jahres 350 nach Athen zurückgekehrt: im Anfang des 
Jahres 349 befehligt er die Athener in Euboia^). Vermutlich 
ging Phokion, als eben alle Städte ausser Salamis sich ergeben 
hatten (Diod. a. 0). 

Der folgende Kampf hat nur indirekt mit dem Aufstand der 
kyprischen Fürsten etwas zu tun, es ist lediglich ein persönlicher 
Streit der beiden Prätendenten Euagoras IL und Pnytagoras. In 
nicht langer Zeit wechseln beide die Parteien : Euagoras wird beim 
Grosskönig verleumdet, der ihm daraufhin seine Unterstützung 
entzieht und sich Pnytagoras zuwendet. Dann erlangt Euagoras 
wieder die königliche Gnade und erhält eine Statthalterschaft 
in Asien, das eben unterworfene Sidon (S. 175 A.), doch ver- 
waltet er diese so schlecht, dass er nach Kypros entfliehen 



1) Wenn man auch in der Ansetzung des euboiischen Krieges nicht 
soweit herabzugehen braucht wie Weil, les harangues de Demosthene ■ 
1881 S. 163if., der das Jahr 348 dafür annimmt, so hat andererseits die 
von Schäfer Demosthenes II* 79 ff. 112 ff. verfochtene Ansicht, der Krieg 
habe im Jahre 350 gespielt, keinen entscheidenden Grund für sich. Die 
Zeitangaben des Dionysios Dein. 11. 13 für die Bede des Demosthenes 
gegen ßoiotos, vom Namen (XXXIX) — hier wird der euboiische Krieg 
erwähnt — , auf die er sich stützt (S. 113 A. 2), haben, wie 
Weil S. 116 f. mit Recht hervorhebt, nur zweifelhaften Wert. 
Böhneckes Annahme (Forsch. I 14-22. 212. 731) die auch Grote VI« 
235 A. 14 aufgenommen hat, der Krieg gehöre in das Jahr 349, scheint 
mir das meiste für sich zu haben. Ungezwungen schliesst sich so die 
euboüsjche Gesandtschaft, welche Mitte 348 in Athen weilt und wegen 
des Friedens unterhandelt (Aeschin. Ges. (IT) 12), an den Krieg an. Auch 
Diodor XV 46 z. J. 350/49 Ol. 107, 3 kann zur Bestätigung herangezogen 
werden, da der angeführte Stand des kyprischen Krieges für ihn den 
chronologischen Stützpunkt abgiebt, an den er die folgenden kyprischen 
u. a. Ereignisse angliedert. — Jedenfalls darf man nicht, wie dies Bergk 
Rh. M. XXXVII 364 A. 1 getan hat, den kyprischen Krieg in die Jahre 
349 oder 348 setzen, weil Phokion vorher nicht hätte daran teilnehmen 
können. 



136 Drittes Kapitel. 

muss. Hier wird er ergriffen und hingerichtet, während Pnyta- 
goras sich dem Grosskönig unterwirft und künftighin seine 
Herrschaft unbestritten behauptet (Diod. 46, 2. 3). 

Diese Kämpfe müssen sich noch eine ganze Zeit hingezogen 
haben, denn die Worte des Isokrates im Philippos (V) 102 — 
abgefasst Frühjahr 346 (vgl. Kap. IV 5) — -, dass Kypros, Phoi- 
nikien und Kilikien teils noch im Aufstand begriffen, teils 
gänzlich verwüstet seien, werden sich für Kypros eben auf den 
Streit der beiden Prätendenten beziehen. Demnach würde erst 
nach dem Jahre 346 die freiwillige Unterwerfung des Pnyta- 
goras fallen (Diod. 46, 3) : im einzelnen ist eine sichere Datierung 
nicht zu erreichen. Pnytagoras herrscht bis in die Zeit Alexanders 
des Grossen hinein. 



ANHANG. 
DIE ABFASSÜNGSZEIT DES ISOKRATEISCHEN PANEGYRIKOS. 



Seit F. A. G. Spohn hat man sich gewöhnt den Abschluss 
und die Herausgabe von Isokrates' Panegyrikos in das Jahr 
381/80 Ol. 99, 4 oder vielmehr durchgängig in das Jahr 380 zu 
setzen; die von S. F. N. Morus verfochtene Ansicht, dass der 
Panegyrikos in der Mitte der achtziger Jahre des IV. Jahrhun- 
derts abgeschlossen sei, zählt kaum noch Anhänger; sie ist 
auch sicher unrichtig. So haben wir für die so ausserordent- 
lich wichtige publizistische Schrift eine recht genaue und gute 
Datierung. Immerhin wäre eine noch genauere erwünscht, sie 
muss erstrebt und versucht werden. 

Die Datierung der Schrift wird ermöglicht durch die zahl- 
reichen Anspielungen auf gleichzeitige Ereignisse, von denen 
wieder namentlich die Kriege der Lakedaimonier gegen Olynthos 
und Phlius in Betracht kommen. 

Der Verlauf des ersteren ist kurz der folgende: Ende der 
achtziger Jahre erscheinen in Sparta Gesandte der Städte 
Akanthos und Apollonia auf der Chalkidike, die sich über Ver- 
gewaltigung durch das aufstrebende Olynthos beklagen. Die 
Lakedaimonier leisten Beistand, und entsenden gegen Olynthos 
• zunächst Eudamidas, dann mit der Hauptmacht Phoibidas, der 
auf dem Marsch die Kadmeia besetzt, nach ihm Teleutias, und 
als dieser geschlagen und gefallen ist, Agesipolis, nach dessen 
Tode am Fieber Polybiades, der endlich die Stadt bezwingt. 

Ueber den Anfang des olynthischen Krieges schwanken 
die Ansichten zwischen den Jahren 383 und 382 ^). Für die Ent- 



1) Für 383: Grote Gesch. Gr. V" 318 flf. Curtius Gr. Gesch. III« 226ff. 
Sievers Gesch. Gr. 153 ff. 389 f. Hertzberg, Ages. 316 f. Stern, Gesch. der 



138 Drittes Kapitel Anhang. 

Scheidung der Frage ist auszugehen von Diodor XV 23, 2 u. J. 
380/79 Ol. 100,1 Anf.: im Sommer 380 stirbt der spartanische 
König Agesipolis zu Aphytos auf der Chalkidike. Bestätigt 
wird diese Angabe durch Xenophon (V 3, 19), der den Tod 
des Königs nach siebentägigem Leiden xazä ^s'govg dxfjivjv setzt 
Mit Unrecht haben aber Clinton u. A. angenommen, dass Age- 
sipolis in demselben Jahre den Oberbefehl überkommen habe. 
Diodor 22, 2 berichtet nämlich unter dem Jahre 381/80 01.99,4, 
dass damals Agesipolis das Kommando angetreten, aber den 
Olynthiern nur kleinere Gefechte geliefert habe. Diodors Ansatz 
ist in diesem Falle genau zu nehmen, da er seine Erzählung des 
olynthischen Krieges nicht an einen festen Zeitpunkt anreiht, 
sondern Jahr für Jahr einordnet. Ausserdem tritt dazu wieder 
bestätigend Xenophons Schilderung 3, 8. 9. 18: die Spartaner 
wollen die Niederlage, welche Teleutias erlitten hat, wettmachen 
(vgl. Diod. 21,3), deshalb rückt Agesipolis sofort über Make- 
donien gegen Olynthos vor: als niemand sich herauswagt, ver- 
wüstet er das Stadtgebiet und vernichtet die Ernte der mit 
Olynthos verbündeten Städte ^). Somit ist Agesipolis im Sommer 
381 nach Olynthos geschickt worden und hat Ende 381 und 
Anfang 380 dort zugebracht. Sein Vorgänger Teleutias fiel 
demnach im Beginn des Sommers 381. — Auch dafür findet 
sich wieder eine unabhängige Bestätigung einmal durch Diodor 
(21,2), der Teleutias' Tod ums Jahr 382/81 Ol. 99,3 erzählt, 
und ferner durch Xenophon, der berichtet afia rm r^gi vno- 
(paivüfiävM habe Teleutias mit den Olynthiern den wirklichen 



spart, und theban. Hegemonie. Dorpat 1884 30 ff. 39. Holm Gr. Gesch. 
in 73 ff. Schaefer, Deniostbenes und seine Zeit IIP 145 A. 3. 

Für 382: Lachmann Gesch. Gr. 223 ff. Abel, Makedonien vor König 
Philipp 1847 212 ff. Clinton Fasti Hell.« z. J. 382 Peter Gr. Zeitt.* z. J. 
382. Ausserdem finden natürlich in den Ansätzen der einzelnen Ereignisse 
wieder Schwankungen statt. 

1) Die Ernte, welche so vernichtet wird, kann nur die des Jahres 
380 gewesen sein, denn 381 konnte Agesipolis vor Einbringung des Getreides 
noch nicht vor Olynthos erscheinen, auch erfahren wir aus Diodor 21,3, 
dass sich die Olynthier nach dem Fall von Agesipolis' Vorgänger Teleutias 
gerade ausreichend mit Getreide versorgt hatten. 



Die Abfassungszeit des isokrateischen Panegyrikos. 139 

Kampf von neuem begonnen (3, 1) , TtQoiovTog rf^ tov x^«»'»«' 
(3, 3) sei er im Kampf geblieben (3, 6). 

Teleutias übernahm den Befehl gegen Olynthos, nachdem 
Phoibidas, der die Hauptmacht der lakedaimonischen Streit- 
kräfte seinem Bruder Eudamidas nachbringen sollte, sich der 
Kadmeia und damit Thebens bemächtigt hatte (Xen. 2, 37. 38 
Diod.21, 1.2), d. h. nach dem August 382^). Da er aber noch 
vor dem Winter 382/81 bereits einmal bei Olynthos kämpft, so 
muss er noch im Herbst 382 nach der Chalkidike abgegangen 
sein. Mit dieser Eile steht in Uebereinstimmung, dass in jener 
Zeit Hülfe gegen die Olynthier den spartanischen Truppen 
und Bundesgenossen dringend not tat (Xen. 2, 38 Diod. 21, 1 
Dem. Ges. (XIX) 263 flf.). 

So wird auch Phoibidas' Ausmarsch auf den Sommer 382 
bestimmt; im Frühjahr 382 muss demnach Eudamidas aus- 
gerückt sein (Xen. 2, 24 Diod. 20, 3. 21, 1 vgl. 19, 3), im Winter 
des Jahres 383 auf 382 sind die Gesandten aus ApoUonia und 
Akanthos in Sparta eingetroffen (Xen. 2, 11 flf. Diod. 19, 2 ff.). 

Der olynthische Krieg hat also im Jahre 382 begonnen; 
er endigte im Jahre 379. 

Nachdem Agesipolis im Hochsommer 380 gestorben war, 
ü-at an seine Stelle Polybiades (Xen. 3, 20 Diod. 23, 2) , der 
mit grösserer Tatkraft und grösserem Geschick den Kampf 
fortsetzte : er besiegte die Olynthier wiederholt und schloss ihre 

1) Diod. 20, 1. 2 u. J. 382/81 Ol. 99, 3. Nach Xenophon (2, 29) er- 
folgt die Ueberrumpelung ^€Qovg ovxog^ nach Aristeides (Eleus. II (XIX) 
p. 419 Dind. 258 J.) üv&lüyy oyrtoy. Die Pythien fallen in den 
boeotischen Bukatios, d. h. etwa den August (vgl. A. Eirchhoff Monatsber. 
der Berl. Akad. 1864 S. 129 S). Ueber die Einnahme der Kadmeia und 
die sich anschliessenden Ereignisse vgl. Sievers Gesch. Gr. 158 ff. Stern 
Gesch. der spart, und theban. Hegemonie S. 33 ff.; nur verlegen 
beide falschlich Phoibidas* Zug und den Handstreich gegen Theben 
in den Spät8omm3r 383. Die Ereignisse, welche zwischen dem 
letzteren und Teleutias* Abmarsch liegen (Xen. 3, 32—86): die Reise 
des Thebaners Leontiades nach Sparta, das Gericht über den Thebaner 
Ismenias u. a. können nicht viel Zeit in Anspruch genommen haben. 
Auch dass Teleutias langsam nach Makedonien marschiert (3,38), macht 
sein Eintreffen vor Olynthos etwa im Oktober keineswegs unmöglich. 



140 Drittes Kapitel. Anhang. 

Stadt ganz ein, so dass diese endlich sich ergeben musste 
(Xen. 3, 20 Diod. 23, 3 vgl. Dem. Ges. (XIX) 264). Polybiades 
bezwingt, wie Xenophon a. 0. erzählt, navTcinaai xaxcag sxorcag 
Xi/JLM Tovc X)Xvvx^iovg did to fir^Ts ix Tijg yrjg Xafjtßdveiv firjTs 
xnrd x^aXaTTav elaäysax^ai airov avTotg^ d. h. da seit dem 
Sommer 380 die Olynthier weder ernten noch säen konnten 
(vgl. o.), im Sommer 379, nachdem die Möglichkeit der Ernte 
oder der Getreideeinfuhr eben vollkommen ausgeschlossen war. 
Die Belagerung von Phlius durch die Lakedaimonier 
(Xen. V 3, 10-17 vgl. 2, 8—10 Ps. Xen. Ages. 2, 4 Diod. XV 
19, 3 Isokr. Paneg. 126 Fried. (Vlü) 100 Plut. Ages. 24) 
geht zeitlich neben der von Olynthos her. Dementsprechend 
teilen sich auch hier wieder die Ansichten: die Vertreter der 
einen lassen die Belagerung Anfang oder Mitte 381 beginnen, 
die Vertreter der anderen Anfang 380 ^). Auch hier ist erneute 
Prüfung der Zeugnisse nötig. Wert für die Zeitfolge besitzt 
unter diesen in dem vorliegenden Falle nur Xenophon^). Er 
berichtet (3, 10), dass als Agesipolis Sparta bereits verlassen 
hatte {s^m ovrog ^AyrjainoXidog) ^ die Phliasier die einst ver- 
triebene, erst durch den Druck Spartas wieder eingeführte 
aristokratische Partei von neuem unterdrückt hätten. Diese 
hätte dann von Sparta Hülfe erbeten und erhalten (3, 10 fif.). 
Agesipolis rückte ab im Sommer 381 (vgl. S. 138) : da damals 
gerade der Stand des olynthischen Krieges für Sparta recht 
ungünstig war, und man die spartanische Macht dort allzu stark 
beschäftigt glaubte, um sich noch den kleinen, inneren Händeln 
in der Peloponnes widmen zu können, wird man in Phlius 
nicht lange mit den Massregeln gegen die Aristokraten gewartet 

1) Für 881: Sievers 151 tf. 389 Hertzberg Ages. 325 A. 207 Curtius 
IIP 236 ff. Für 380: Dodwell ann. Xenoph. 267, Clinton F. H. z. J. 380, 
Peter Zeitt. z. J. 380 Lachmann Gesch. Gr. 228 Grote Gesch. Gr. V" 
336 ff. Stern Gesch. der spartan. und theban. Hegemonie S. 41. 

2) Diodor XV 19, 3 berichtet fälschlich u. J. 383/82 Ol. 99, 2 von 
einer Niederlage der Phliasier. Seine Quelle, Ephoros?, hatte vermutlich 
schon bei Gelegenheit der ersten Streitigkeiten zwischen den Phliasiern 
und ihren von Sparta unterstützten Verbannten die ganze spätere Eni- 
Wickelung der Verhältnisse erzählt. 



Die Abfassungszeit des isokrateischen Panegyrikos. 141 

haben. Diese Massregeln waren jedenfalls längst geplant und 
vorbereitet, da die Phliasier schon bei den Rüstungen für Age- 
sipolis Heer sich absichtsvoll besonders hervorgetan hatten 
(Xen. 3, 10). Das Einschreiten der Lakedaimonier folgt den 
Massregeln der Phliasier auf dem Fusse (Xen. 3, 1 1 flf.) ; es ist 
somit höchst wahrscheinlich, dass noch vor Ende des Jahres 
381, vielleicht im Herbst 381, die Belagerung von Phlius 
begann. 

Auf den gleichen Zeitpunkt führt eine Betrachtung des 
eigenartigen Erzählungsmosaiks bei Xenophon V 3, das man 
nur unter der Annahme einer beabsichtigten zeitlichen An- 
ordnung verstehen kann: 
3, 1—7 Teleutias' Kämpfe und Tod (Herbst 382 - Sommer 381 ) 

8. 9 Agesipolis' Abbmarsch (Sommer 381) 

10 — 17 Beginn des phliasischen Krieges 

18—20 Agesipolis' Tod (Hochsommer H80) 

21—25 Phlius^ Eroberung 

25 — 27 Ende des olynthischen Krieges (Hochsommer 379). 
Nach dieser Anordnung erfolgt die Uebergabe von Phlius vor 
bzw. gleichzeitig mit der von Olynthos, also Sommer 379. Da 
aber die Belagerung insgesammt zwanzig Monate gedauert hat 
(Xen. 3, 25), muss sie noch vor Ende 381 begonnen haben. Femer 
ist, als Agesipolis' Nachfolger Polybiades zum Heere abgeht, 
d. h. etwa Herbst 380, bereits die Zeit überschritten, in der man 
die Uebergabe von Phlius erwarten zu können geglaubt hatte; 
Phlius hielt sich aber doppelt so lange als man angenommen 
hatte (Xen. 3, 21). Demnach müssen im Herbst 380 über zehn 
Monate vergangen sein. Auch so erhalten wir als Anfangstermin 
die zweite Hälfte des Jahres 381. 

Was nützt uns nun die genaue zeitliche Bestimmung der 
beiden Kriege? Aus den Worten des Panegyrikos (126) Trjv 
fiäv y€ MavTivsiav noXiv eiQrjttjg rjSrj yfyfi'i;/c*i*i}^ draaiatot' 
inoh]aav (die Lakedaimonier), xal zrjv &rjßa(a)r Kad^eiav xaTt- 
hxßoVj xai rvv X)Xvrx^iotfg xat (PXsiaafovg noXtogxovaiv^ 'AfJtvrra 
S^ TO) MaxsSövatv ßatJiXsT xal JiovvaC(p T(p SixeXfag Tvgdvrq) 
xai 1« ßaQßäQ(p t« Trjg Uaiag xQaTovvti avfATTQaTTovffiv xtL 



142 Drittes Kapitel. Anhang. 

geht doch anscheinend nur hervor, dass derPanegyrikos während 
der Belagerung vonPhUus, also 381 — 379 geschrieben ist? Es 
lässt sich aber doch noch etwas mehr aus ihnen schliessen. 
Diese Worte stehen in einem Abschnitt des Panegyrikos 
(122—132), der scheinbar ganz aus dem Grundgedanken der 
Schrift, Einigung der Griechen, insbesondere Athens und Spartas, 
zum gemeinsamen Kampf gegen den Erbfeind Persien heraus- 
fällt und in heftigen Worten gegen die Lakedaimonier sich 
wendet. Das haben schon H. Engel (de tempore quo divul- 
gatus sit Isocratis Panegyricus dissert. Progr. Stargard 1861 
S. 22) und Blass (Att. Beredsamk. II 230) richtig gesehen, beide 
auch schon den Weg zum richtigen Verständniss angedeutet; 
der Abschnitt ist erst später hinzugeschrieben und zwar nicht 
wie Engel meint, nachdem der Panegyrikos schon einmal her- 
ausgegeben war, sondern wie Blass annimmt, vor der Heraus- 
gabe. 

Noch bleibt aber die ünvermitteltheit und Schroffheit des 
ganzen Abschnitts zu erklären. Schwerlich hätte ihn Isokrates 
dem Rahmen seiner Rede so wenig eingepasst, wenn er längere 
Zeit auf ihn gewendet hätte; sein Zorn würde sich vermutlich 
auch bald gelegt haben. Isokrates ist sich aber seiner Heftig- 
keit sehr wohl bewusst (129 f.): sie erklärt sich nur, wenn wir 
annehmen, dass die Worte unter dem frischen Eindruck der 
Nachricht von dem Beginn der Belagerung von Olynthos, die 
erst durch Agesipolis' Eingreifen den Charakter eines wirklichen 
Krieges zwischen Sparta und Olynthos annimmt ^ » und von 
Phlius geschrieben sind: Isokrates will die Lakedaimonier von 
weiterem Vorgehen abhalten (129 f.). Eine unmittelbare Be- 
stätigung dieser Auffassung ergiebt sich daraus, dass Anspie- 

1) Diod. 22, 2 bei Agesipolis Abmarsch : Aaxs^cu^ovtoi .... e^pri- 
fpiaavTo nqog "OXvvd-Lovg noXcfioy (vgl. Xen. 3, 8. 9). Vorher scheinen 
die Spartaner den Krie^ gegen Olynthos nicht officiell geführt zu haben, 
sondern nur als Bundesgenossen der Akanthier, ApoHoniaten und 
namentlich des Königs Amyntas von Makedonien (vgl. Xen. 2, II £P. 
Diod. 19, 3. 20, 3. 21). Erst nach der Niederlage und dem Tod des 
Teleutias verlangte die lakedaimonische WafFenehre den Krieg: gerade 
Agesipolis, der Vertreter der Friedenspartei (vgl. Diod. 19,4), zieht aus. 



Die Abfassungszeit des isokrateiachen Panegyrikos. 143 

lungen auf die gewalttätige Politik der Lakedairaonier nach 
dem Königsfrieden (Vergewaltigung von Mantineia und Theben) 
auch sonst vorkommen, die Gewalttaten aber stets als vergangen 
anführen und in einem ganz anderen Tone abgefasst sind (53. 
80. 115—117 vgl. 126. 175 f.). Auch hier leiten diese vergan- 
genen Ereignisse die Aufzählung der verschiedenen Gewalttaten 
ein, darauf folgen dann die Worte: xai ivr ""OXvvOiovg xai 
0Xaiaafovg noXiogxovfftv xrX. 

Es ist danach höchst wahrscheinlich, dass der Panegyrikos 
noch in der zweiten Hälfte des Jahres 381 abgeschlossen 
und wol auch herausgegeben worden ist, nachdem Isokrates 
vorher lange Jahre, angeblich ein Jahrzehnt, daran gearbeitet 
und gefeilt hatte (Paneg. 14 vgl. Timaios bei Ps. Long, nfgl 
vipüvq 4). Dieser Ansatz steht in deutlicher Uel:>ereinstimmung 
mit der Zeitfolge des kyprischen Krieges (S. 121) und der 
aegyptischen Königsreihe (S. 144 flf.) ; er giebt ihr und empfängt 
durch sie wieder Bestätigung. 



VIERTES KAPITEL. 

DER FREIHEITSKAMPF DER AEGYPTER '). 



1. DIE KÖNIGSREIHE DER XXVIII., XXIX. UND XXX. DYNASTIE. 

Die Ansichten über die Einordnung der letzten national- 
aegyptischen Dynastien in den Rahmen des IV. Jahrhunderts 
gehen weit auseinander ^). Um ihrer nur einige anzuführen, so 
setzte Böckh (Manetho und die Hundssternperiode 1845) den 
Beginn der XXVIII. Dynastie in das Jahr 404, das Ende der 
XXX. in das Jahr 340 ; Unger (Chronologie des Manetho 1867) 
begann mit dem Jahre 404 und endete mit dem Jahre 345; 
Wiedemann (Geschichte Aegyptens von Psammetich I. bis 
Alexander d. Gr. 1880) wählte als Anfang das Jahr 415/14, als 
Schluss das Jahr 350. 

Die Auffassung Böckhs besass früher die meisten Anhänger, 
erst neuerdings hat die durch Böhnecke (Forschungen auf dem 
Gebiete der attischen Redner I 2 1843 S. 734 A. 1) vorbereitete 
Ansicht Ungers mehr Aufnahme gefunden (Schaefer, Bergku. a.). 
Doch ist damit noch lange keine Einigung erzielt worden, es haben 
vielmehr Eduard Meyer (Gescliichte Aegyptens bei Oncken Allg. 
Gesch. in Einzeldarst. I 2 1887 S. 395) und Nöldeke (Aufsätze zur 
persischen Geschichte 1888 S. 78) für den wichtigsten Punkt, das 
Ende der XXX. Dynastie neue Ansätze gebracht; ersterer ent- 
schied sich, freilich ohne eingehendere Begründung, für das 
Jahr 342 (wie früher K. Müller de rebus Aegyptiorum sub im- 
perio Persarum gestis Progr. Putbus 1842 S. 9) »oder vielleicht 
etwas früher« , letzterer für das Jahr 344. 



1) In anderer Fassung bereits abgedruckt unter dem Titel »Persien und 
Aegypten im IV. Jahrhundert v. Chr.«. Habilitationsschrift Marburg 1889. 

2) Eine übersichtliche Zusammenstellung der verschiedenen Systeme 
für die gesammte aegyptische Chronologie findet sich bei Wiedemann, 
Aegyptische Geschichte 1884 S. 782 f. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 145 

Die Hauptgrundlage für die Zeitfolge der letzten aegypti- 
sehen Dynastien bieten die mannigfachen auf Manetho zurück- 
gehenden Exzerpte, mit ihren Angaben über Namen und Dauer 
der einzelnen Regierungen. Sie stimmen in der Hauptsache 
in sich überein und lassen sich, wo man schwanken könnte, 
durch die Monumente ergänzen (vgl. die Zusammenstellung bei 
Wiedemann Gesch. Aeg. S. 262). Sie sind unabhängig von 
dem System, in das sie Eusebios und seine Ausschreiber ge- 
zwängt haben; an ihnen ist deshalb nicht zu rütteln. Auch 
für die Folge der einzelnen Herrscher werden Manethos Angaben 
in erster Linie in Betracht kommen, da die aus der Ptolemaeer- 
zeit stammende, sogenannte demotische Chronik nach dem 
Bekanntwerden ihres vollen Inhaltes nicht das gehalten hat, 
was die zuerst veröffentlichten Auszüge versprachen ^). 

Manethos aegyptische Königsreihe erstreckt sich auf 65 Jahre 
4 Monate; weiter führt uns, dass aus den Kämpfen zwischen 
Persien und Euagoras innerhalb dieser Reihe das Jahr 381 mit 
grösster Wahrscheinlichkeit als erstes Regierungsjahr Nektane- 
bos' I. sich erweisen lässt (vgl. S. 121 und Gutschmid bei 
Sharpe, Geschichte Egyptens übers, von Jolowicz u. Gutschmid^ 
1862 I S. 129). 



1) Die »demottsche Chronikc wurde zuerst von ihrem Entdecker 
Revillout Rev. arch. XXXIll 1877 S. 73-80 auszugsweise veröffentlicht 
und gab die Königsreihe: Amyrtaios, Nepherites I., Psaniut, Muthes, 
Akoris, Nepherites IL Wiedemann Gesch. Aeg. S. 263 verwertete diese 
Herrscherfolge gegen die uianethonische. Seitdem hat aber ßevillout bei 
der vollständigen Herausgabe des auf das IV. Jahrhundert bezüglichen 
Teiles Revue egyptologique II 1882 3 ff., vgl. 52 fi". seine ersten Angaben 
als irrtümlich zurückgenommen und aus der schweren Lesbarkeit des 
Pajjyrus erklärt (vgl. auch Wiedemann Aeg. Gesch. SuppL 75). Was 
wir jetzt selbst für Geschichte und Zeitfolge ans der Chronik entnehmen 
können, sind ungenaue Einzelheiten, die ohne die manethonische Liste uns 
nicht viel nützen würden: Hakoris wird namentlich gar nicht genannt; 
statt Muthes erscheint ein »Harnebcha« ; Nektanebos L, der als Herrscher 
namentlich auch nicht aufgeführt wird, soll nur 9 Jahre — nicht 10, 
wie ein Teil der manethonischen Ausschreiber angiebt — , Tachos nur ein 
Jahr regiert haben u.a. m.; vgl. S. 146. Von Wert sind eigentlich nur die 
Angaben über die legitime oder illegitime Nach folge der einzelnen Herrscher. 

JUDEICH , KleinsBiatlsche Studien. 10 



146 



Viertes KapitA. 



An dieses Jahr anknüpfend, können wir dann die folgende 
Liste aufetellen^): 



Dynastie. 



Könige. 



Begie- Jmbie 
Nftbo- 



Begienmge- 

nach Mmne- 
fho8 Kanon 
. in inliaa. 

Datum Jahre Mon.! 



Olym 
piadeo 



Begienmgs- 

zeit nach 

heutiger 

Bereehnong 

abgemndet. 



XXVUI 



XXIX 



Amyrtaios Dec. 409 



XXX 



Nepheriies I. 

Akoris 

Psamut 

Mnihes 
Nepheriies II. 

Nektaneboe I. 

Tachos 

Nektanebos II. 

Artaxerxe8]]I.Ocho8 



Dec. 403 
Nov. 397 
Nov. 384 
Nov. 383 
Nov. 382 

Nov.38i2 
Nov. 364 
Nov. 362 
Nov. 344 



6 — 

6 — 

13 — 

1 — 

1 — 

— 4 

18 — 

2 — 
18 — 

6 — 



I 
340 92,4. 93,1 



346 
352 
365 
366 
367 

367 
385 
387 
405 



94,1.2 
95,1. 96,1 
99,1.2 
99,2.3 
99,3.4 

99,3.4 
104,1.2 
104,3.4 
109,1.2 



408-402 

402—396 
396—383 
383-382 
382—381 
381 

381-363 
363-361 
361-343 
343—337 



Die XXVnL Dynastie würde demnach im Jahre 408 be- 
ginnen, die XXX. im Jahre 344, oder, da dieses nach dem 
Kanon Nektanebos' IL letztes Regierungsjahr ist, streng ge- 
nommen Ausgang 344, oder 343 enden. 

Es fragt sich, wie sich die übrigen chronologischen Zeug- 
nisse diesen Daten gegenüber stellen. 

Zunächst wird die aus Manethos Ausschreiben! (Eusebios 
bei Synkellos S. 146, 4 f.) bekannte Nachricht, dass Artaxerxes 
Ochos 6 Jahre über Aegypten geherrscht habe, unmittelbar 
bestätigt : 338 war nach dem Kanon sein letztes Regierungsjahr, 
343 also das sechstletzte 2). 

1) Da Manetho und der persische Königskanon beide nach aegypti- 
sehen Jahren rechnen, auch die Art der Zahlung der Regierungsjahre bei 
beiden die gleiche ist, so dürfen wir, wie dies Böckh a. 0. in seinen 
Tabellen bereits getan hat, die Jahre der Aera Nabonassars (von Febr. 
747), auf der der Eonigskanon beruht, ohne weiteres in Manethos Kanon 
einfuhren. 

2) Vgl. Nöldeke a. 0., der auf diese Angabe Manethos seine Ansicht 
von der Eroberung Aegjptens im Jahre 344 gründet. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 147 

Femer findet sich bei Diodor I 44, 3 die vielbesprochene 
Angabe: Hägaag rjyrjaatr&ai (sc. Ttjg AlyvTcxov) Ka^ßvaov %ov 
ßaCiXädog Totg OTiXoig xaTa(XTQ€ipafi€Vov t6 eO'Vog nävTs ngog 
ToTg ixarov xai TQiaxovTa ^Tsai avv ratg tc5v AtyvTiTitov äno- 
CTaC€(fiVy äg i7toii](XmTO (päQEiV ov dvvafisvoi ttjv XQaxvTtjfca 
TTJg eTtiaraaiag xal Tijr eig Tovg iy%(öQiovg d-sovg dasßsiav. 
Wie sind diese 135 Jahre der persischen Herrschaft gerechnet? 
Nach dem vorher gegebenen Ansatz würden davon abzuziehen 
sein die 12 Jahre von der Eroberung Aegyptens durch Ochos 
bis zur Eroberung durch Alexander, 343 — 332. Es bleiben 
123 Jahre, die vom Jahre 525, in dem Kambyses Aegypten 
bezwingt ^), abgerechnet auf das Jahr 402, das erste Regieruns- 
jahr Nepherites' I. führen : Nepherites ist also der erste legitime 
Herrscher nach der Ansicht von Diodors Quelle und auch nach 
der jetzt herrschenden. Dass die nationalaegyptische Ueber- 
lieferung Amyrtaios bereits als König ansah (vgl. bes. Rev. 
egypt. n S. 3) thut dabei nichts zur Sache, vielmehr findet 
Diodors Angabe avv xatg r. Aly, dnotSTdataiv eine klare und 
deutliche Bestätigung. 



1) üeber die Zeitverhältnisse von Kambyses' Regierang vgl. Wiede- 
mann Gesch. Aeg. S. 218—231. Aeg. Gesch. 673 A. 1. Das Jahr 525 
(Nab. 223) für die Schlacht bei Pelusion ist wohl nicht zu bezweifeln. 
Doch wenn dieselbe auch im Frühjahr oder Sommer geschlagen wurde, 
ist bis zur Eroberung von Memphis doch einige Zeit vergangen (Herod. 
IIJ 13). Um der unverdächtigen Angabe Manethos (vgl. Afrik. bei Synk. 
S. 141, 17 f. Euseb. ebd. 143, 16 f.), dass Kambyses in seinem fünften 
Regieningsjahre Aegypten erobert habe, zu genügen, können wir ziem- 
lich weit in das Jahr 524 hinabgehen. — Die Apisstele mit dem Datum 
des 28. Tybi (Mai) des fünften Jahres des Kambyses beweist für die Zeit der 
Eroberung nichts, da die Stelle doch erst nach dem Tode des Apis auf- 
gezeichnet wurde, und sobald man Kambyses* persische Königsjahre in 
Aegypten gelten Hess, wie es tatsächlich geschah (Wiedemann a. 0. 220), 
eine andere Art der Datierung für die Geburt des Apis nicht möglich 
war (vgl. Wiedemann 229) : Kambyses gehörte dann eben das ganze Jahr. 

Oben ist angenommen worden, dass Diodors Gewährsmann nach per- 
sischen Regierungsjahren rechnete, aber mit Berücksichtigung des eben 
Gesagten lässt sich auch für Olympiaden jähre eine passende Combination 
finden Ol. 109,1 344/43 — 01. 111,4 333/32 gleich 12 Jahren, und 01.63,4 
525/24 — Ol. 94, 2 403/402 gleich 123 Jahren. 

10* 



148 Vierte Ka{Ht«L 

Die Zeitfolge in den Krnii^sreihen derChroDograpben (Afri- 
canus, Eusebios vgl. Synkellos. Hieronymusu-d. Annen- Uebers.), 
die man Tielleiehl der vortier aufgestellten entgegenhalten könnte, 
hat tatsächlich keinen grossen Wert, da sie wie von anderen 
schon henrorgehol)en Ist. lediglich den Teil eines grösseren 
chronolc^Lschen Systems bildet das ohne Gewaltsamkeiten sieh 
nicht zusammenstellen Hess. Den unmittelbaren Beweis dafür 
liefern die Angalien über die Eroberung Aegyptens durch Ochos. 
Hieronymus berichtet zu Ochos' 15. Jahr (1666 Äbr.): Ochus 
Äegyptum tenuU Sectanebo in Aethiopiam pulso, in quo 
Aegypti&rum regnum destrudum est. huc usque Manethos vgl. 
Synkellos S. 486, 17 — 20 ; das 15. Jahr des Ochos ist aber nach 
offizieller Zahlung (vgl. u.) 344 M- Nahezu übereinstimmend 
erzahlt die Armenische Cebersetzung zum 19. Jahr des NAta- 
nebos (1668 Abr.) : Ochus E^yptum ienuit, Xectanebo in Elhio- 
piam ptdsOy sub quo desierunt reges Egiptiorum. Das 19. Jahr 
des Nektanet)os fällt nach unserer Eönigsreihe auf das Jahr 343. 

Diese Uebereinstimmungen mit dem schon mehrfach auf 
andere Weise gewonnenen Resultat können kein Zufall sein, 
sie beweisen, dass diese auf Manetho zurückgehenden Notizen 
im richtigen Zusammenhang geblieben, aber durch das chrono- 
logische System in falsche Jahre gekommen sind. Dasselbe 
Spiel wiederholt sich öfter (vgl. S. 167 A.). Hier anzuführen 
ist auch die für die Zeit und den Ort, an dem sie jetzt steht, 
ziemlich unverstandliche Notiz des Hieronymus zum 19. Jahr 
des Ochos (1670 Abr. 346): Ochus SUlonam subvertit et 
Äegyptum suo iunxit imperio. Da das 19. Jahr des Ochos in 
Wahrheit das Jahr 340 ist, so gehört die Anmerkung in dieses, 
oder mit Berücksichtigung des Normalfehlers (vgl. d. Amn.) in 



1) Diese Beduktion weicht immer noch um ein Jahr rückwärts von 
der sonst gewonnenen Datierung ab, da aber dieser Fehler an drei Stellen 
(vgl. S. 167 A.) übereinstimmend wiederkehrt, so idt er als Normalfehler 
zu bezeichnen, der in dem chronologischen System seinen Grund hat; 
vielleicht leitet er sich daher, dass die Summe der Regierungsjahre des 
Artazerxes Mnemon und Ochos dort nicht wie es richtig ist, 67(46 + 21) 
Jahre beträgt, Rondem nnr 66 (40 -\- 26). Die Armenische üebersetzung 
mit ihren aegyptischen Begierungsjahren datiert richtig. 



Der Freiheitekarapf der Aegypter. 149 

das Jahr 339 und steht gleich mit dem Fragment Manethos: 
^Qxoc eixoazo) hn tf^c iavvov ßaaiXkiag Uegatüv eßaailevaev 
Aiyvmov hrj ß' (Afrie. bei Synk. S. 145, 6 f. vgl. 146, 4 f.). Dass 
hier plötzlich die Zerstörung Sidons erwähnt wird, mag so 
erklärt werden, dass eine zu dem richtigen Königs-, aber 
falschen Annalenjahre gesetzte Notiz über die Einfügung Aegyp- 
tens in das Perserreich mit einer anderen für dieses oder eines 
der benachbarten Annalenjahre überlieferten Notiz von der Zer- 
störung Sidons vermischt wurde: tatsächlich scheint Sidon im 
Jahre 348 oder 347 zerstört worden zu sein (vgl. S. 174 fif.). 

Schliesslich soll hier die ganz seltsame Angabe des Synkellos 
Erwähnung finden, der S. 488,2 (vgl. 484,18 f.) berichtet: 
AiyvTTTOQ dnäcxri UfQCfcSv diVTbgm stei No^oif Jaqtiov — 
AiyvTTTfwr xrl dwaazeia l4fJtVQTaTog SaiTTjg bttj f', tov dh 
xoaitov rp' hoc tqß" xrX,^ d. h. er setzt den Beginn von 
Amyrtaios' Regierung in das Jahr 5092 der Welt, also in das 
Jahr 408, in dasselbe Jahr, das schon aus anderen Gründen 
als Amyrtaios' erstes Regierungsjahr bestimmt wurde. Lach- 
mann, Gesch. Griechenl. v. d. Ende des pelop. Krieges 1854. 
II 382 flf. hat diese Nachricht geradezu zum Ausgangspunkt für 
die Aufstellung seiner aegyptischen Königsreihe genommen; er 
überschätzt dieselbe wol, doch bietet sie immerhin eine unver- 
ächtliche Bestätigung der vorher aufgestellten Königsliste. 

Es bleibt jetzt nur noch die bereits mitgeteilte Angabe 
Manethos von Ochos' Regierungsantritt in Aegypten in seinem 
20. persischen Regierungsjahre zu erklären, welche den Haupt- 
anlass für Böckh u. A. abgegeben hat, die Eroberung Aegyptens 
durch Ochos und damit den Ausgang der XXX. Dynastie in 
das Jahr 340 zu setzen. 

Schon Bergk Rh. M. XXXVII 363 hat darauf hingewiesen, 
dass der vor den Persern nach Aethiopien geflohene König 
Nektanebos IL bis zu seinem Ende aus der Feme protestierend 
weiterregiert haben wird: im Jahre 339 wird er gestorben 
sein. So löst sich die Schwierigkeit sehr einfach. Manetho 
hatte diese Regierungszählung neben der anderen, allgemein 
angenommenen angeführt und ist von seinen Ausschreibern 



150 Viertes Kapitel. 

nicht verstanden worden. Um die Verwirrung zu steigern, hat 
es wie es scheint zu dem doppelten Ende auch einen doppelten 
Anfang von Nektanebos' II. Regierung gegeben. Dieser zweite 
Anfang gehört vermutlich in das Jahr 358/57 Ol. 105, 3, so- 
dass die Gesammtsumme der Regierungsjahre dieselbe blieb 
wie in der ersten auch oben verwendeten Reihe (vgl. Anhang II). 
Damit sind die chronologischen Zeugnisse für die Königs- 
liste der XXVin. — XXX. aegyptischen Dynastie erschöpft: man 
wird zugeben müssen, dass sie sämmtlich ohne Zwang sich 
dem am Anfang aufgestellten Kanon einfügen. Wie sich im 
Folgenden herausstellen wird, dienen auch die historischen 
Berichte dazu diesen Kanon zu bestätigen. 

2. VOM AUFSTAND DES AMYBTAIOS (408) BIS ZUM BESTEN FEBSISGHEN 

ANGBIEFSKBIEG (389—387). 

Seit Aegypten durch Kambyses unter persische Herrschaft 
gebeugt war, ist die Hoffiiung und der Versuch sich wieder 
zu befreien, dort nie aufgegeben worden. Fortdauernd hören 
wir von aufständischen Bewegungen, aber selbst die kräftigen 
und weitverzweigten Erhebungen des Chabbasch und Inaros in 
der ersten Hälfte des V.Jahrhunderts führten nicht zum Ziele. 
Persien war noch zu mächtig. Da gelang es am Ausgang des 
V. Jahrhunderts dem Saiten Amyrtaios, vermutlich einem Nach- 
kommen des älteren Empörers gleichen Namens (vgl. Böckh, 
Manetho 361 flf., Wiedemann Gesch. Aeg. 271 f.), die lang- 
ersehnte Losreissung von Persien durchzusetzen. Wir sahen 
(S. 147), dass die Aegypter die Wiedergeburt ihrer Freiheit in 
das Jahr 408, das erste Jahr des Amyrtaios verlegten ; wenn wir 
kurz vor diesem Jahr schon Anzeichen von einer gewissen 
Selbständigkeit Aegyptens haben, so werden diese wol auf 
die der eigentlichen Befreiung vorhergehenden Kämpfe zu deuten 
sein. Hierher gehört Eusebios' Nachricht bei Hieronymus zum 
Jahre 414 13 Ol. 91, 3 (Abr. 1603) über Aegyptens Abfall, hierher 
die Notiz, dass Lastschiffe aus Aegypten im Jahre 412 bei der 
athenischen Flotte vor Knidos sich befinden (Thuk. VIII 35) und 
dass im Jahre 410 ein aegyptischer Herrscher erwähnt wird 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 151 

(Diod. Xni 46, 6). Die Vermutung Wiedemanns (a. 0.), dass die 
letzte aegyptische Empörung ausbrach im Zusammenhang mit 
dem Aufstand des Amorges in Karien und Pissuthnes in Lydien 
ist ganz glaubhaft. 

Aegypten hat seine Freiheit 65 Jahre lang behauptet, aber 
wohl nie genossen : die ganze Zeit wird ausgefüllt durch einen 
grossen von kurzen Friedenspausen unterbrochenen Freiheits- 
kampf, der schliesslich mit dem Erliegen der Aegypter und der 
Erneuerung der Knechtschaft endigt. Persien wollte leichten 
Kaufes nicht die wichtige reiche Provinz hergeben und hat wie 
es scheint, schon nachdem im Jahre 404 der Thronwechsel 
vorüber war, kräftige Anstalten zur Wiedereroberung getroffen. 
Abrokomas war damals Feldherr und zog seine Truppen in Syrien 
zusammen, doch kam der Feldzug nicht zur Ausführung, weil 
der jüngere Kyros seinen Bruder alle Kräfte zur Verteidigung 
zu sammeln zwangt): die Absicht Aegypten niederzuwerfen, 
blieb bestehen (Xen. Anab. II 1, 14. 5, 13). 

Dennoch hören wir in der nächsten Zeit zunächst nichts 
von einem aegyptischen Kriege; höchstens hat Persien bei den 
Thronstreitigkeiten, welche in den folgenden Jahren in Aegypten 
ausgebrochen zu sein scheinen (vgl. S. 152) seine Hand im 
Spiele gehabt. 

Die erste Nachricht, welche wir wieder über Aegypten er- 
halten, ist, dass Kyros' Freund und Statthalter Tamos mit der 
Flotte, die er befehligt, zu dem ihm befreundeten Aegypter- 
könig Psammetichos geflohen, aber von diesem sammt seiner 
Familie niedergemacht worden sei (Diod. XIV 35, 3—5 vgl. 19, 5 f.). 
Diesen »Psammetichos« hat man in dem »Psamut« der Königsliste 
wiedererkannt, obwol beide Namen im Aegyptischen verschieden 
lautiert sind (Wiedemann 274 f.). Gegen diese Gleichsetzung ist vom 
geschichtlichen Standpunkte aus nichts einzuwenden, nur scheint 
mir der Schluss nicht durchaus zwingend, dass Psamut damals 
der öffentlich anerkannte Herrscher von Aegypten gewesen ist; 

1) Rehdantz, vitae Iphicr. Chabr. Timoth. S. 240 hat zuerst auf 
diesen geplanten Feldzug aufmerksam gemacht. Die Vermutung ist 
glücklich und wol sicher richtig, vgl. Xen. Anab. I 4, 3. 5. 18. 7, 12. 



152 Viertes K^tel. 

er konnte, wie schon Böckh Termutete (Manetho 363 £.), auch 
ein Nebenkönig sein. Die feststehende Zeitfolge der Königs- 
reihe nötigt uns schon das anzunehmen — Wiedemanns An- 
ordnung wird sich auf keinen Fall halten lassen — , und aus 
der demotischen Chronik (ReY. egypL TI S. 3) erfahren wir, 
dass als Psamul sich später auf kurze Zeit wirklich der Ge- 
sammtherrschaft bemächtigt (vgl. S. 146. 159), er doch nicht 
allgemein anerkannt wird. Vielleicht um sich für seinen Kampf 
um den Thron der Flotte und der Schätze zu versichern, liess 
er Tamos ermorden; zu einem Kampfe gegen Persien hätte sie 
dieser wol selbst gewährt^). 

Von Nepherites L, dem legitimen König der Zeit hal)en 
wir ebenfalls Kunde, die dessen feindliche Stellung gegen 
Persien deutlich kennzeichnet. Gleichzeitig mit Agesilaos' erstem 
Kriegsjahr in Kleinasien (seit Frühjahr 396 vgl. S. 55), so 
berichtet Diodor XIV 79. 4, schickten die Spartaner eine Gre- 
sandtschaft an den Aegypterkönig »Nephereus«, um ihm ein 
Bündniss gegen Persien anzutragen. Das Bündniss bewilligte 
dieser nicht, wol aber Bauholz für 100 Trieren und 500000 Mass 
Getreide, mit dem die spartanischen SchiflFe im Frühjahr 395 
vor Rhodos erschienen. Dort wurden sie von Konon, der unter- 
dessen von den Rhodiem aufgenommen worden war, gekapert 
(Diod. XIV 79, 7 vgl. S. 65). Es kann kein Zweifel sein, dass 
der Nephereus des Diodor und der Nepherites der Königslisten 
dieselbe Person sind, man muss, wie man dies auch getan hat 
(Wiedemann a. O. 276), Diodor des Irrturas zeihen, wenn man 
Nepherites zu einer anderen Zeit regieren lassen will. — Nach 
der früher aufgestellten Königsreihe würde das Jahr 396 
Nepherites' Todesjahr sein, und dafür liefern lustin (VI 2, 1) 
und Orosius (HI 1, 8), welche gleichfalls von der lakedaimo- 
nischen Gesandtschaft berichten, aber einen Aegypterkönig 



1) Ich lasse es dahingestellt, ob bei Diodor XIV 35 nicht insofern 
ein Irrtum vorliegt, als der mit Tamos befreundete Aegypterkönig 
Nepherites war, und Psamut nur zufällig sich in den Besitz des Küsten- 
striches gesetzt hatte, an dem Tamos landete : Tamos war dann geradezu 
Psaniuts Feind. Man vergleiche die Verwechselung von Nepherites und 
Hercynion? XIV 79, von Tachos und Nektanebos* IL XV 92. 93. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 153 

Hercynion, nennen, die unmittelbare Bestätigung. Dieser »Her- 
cynion« (der Name wird verschieden überliefert vgl. Rühl S. XXV 
Zangemeister S. 137 z. d. Stellen), ist vielleicht kein anderer 
als der in seiner Namensform arg verdrehte Hakoris oder 
Akoris, welcher auf Nepherites 1. folgt (vgl. S. 146) und zu 
dessen späterer Politik die Unterstützung der gegen Persien 
kämpfenden Lakedaimonier vortrefflich passt. Sonst müsste 
man einen »Hercynion« annehmen, der als Thronbewerber 
neben Akoris auftrat und in den Lakedaimoniern dadurch eine 
Stütze zu gewinnen suchte, dass er die von Nepherites gemachten 
Versprechungen einlöste: man könnte an den Hamebcha 
(Muthes?) der demotischen Chronik (vgl. S. 145 A.) denken, 
der später wieder in den Thronwirren nach Akoris' Tode er- 
scheint (vgl. S. 159). Sieger und Herrscher für den Augen- 
blick wurde jedenfalls Akoris. 

Eine verhältnissmässig lange Regierung (396—383) war 
im vergönnt, doch hatte er auch den ersten längst geplanten 
Vorstoss von persischer Seite auszuhalten. 

Die Hauptstelle über diesen ersten persischen Angriffskrieg 
findet sich bei Isokrates Paneg. (IV) 140 f.: 

aXXd yccQ ovx ex tovtcov dtxaiov icti cxontiv triv ßaaiktwq 
JvvafiiVj €^ (jov fxty ixaThQmr (Athen und Sparta) ytyortv, dkk^ 
e^ wv avTog vtiIq avTov^ TxtnoXtfxrjXtv, xai ngcdtov fx^v 
dnoaTaarjg Aiyvmov ti Siauhnqaxxai ngog tovc exovTag 
avTrjv; ovx ixetvog [ihv em rdv ndXsfiov toiJtoi' xaitTif-fjupe 
tovg €v6oxifiü)TdTovg llfQCcoVy ^AßQoxofxav xal TiO^QCcvaTijv xai 
^agraßa^ov, ovtoi 6^ tqT etrj fxshavzeg xal nXem xaxd 
7tax^6vT€g rj noir^aaVTeg^ TeXtvxmrrsg ovtuig aiaxQ^^g dnrjXXd' 
y7](fav ScTS Tovg difecfTWTag fjirjxhTi ttjv sktVxß^tQiav dyanäv 
dkX rjdij xal rwv ojxoqwv ^tjtirtv endgx^f'^'i /tf^of dh tavT* 
871 EvayoQar atgaTtvaag^ og ägx^^ i"^^' i^^ac noXtmg^ iv S^ laTg 

{fvvxhjxaig sxSoxog stfziv dXX^ SjUMg üvtco rarrfirrjc öwd- 

fjieoyg ov dvvarai negiyevhtfx/ai ßaaiXfvg TToXtfxwv^ dXX rjdrj fih' 
€^ €17} diaT hT QKfsv xtX. Aus diescu Worten ergiebt sich, 
dass als Persien kräftiger gegen Euagoras von Kypros vorging 
(386 vgl. S. 124 fif.) , der aegyptische Krieg schon einige Zeit 



-'-*4 Ti-ri^ JjiTiit-el. 

^^^at'iitrt iiirr,^ vLiirs'/iir^ir.ijrl siitlt fiiibiiL i»eeiidi^ war. Der 
äu'r: ztr r*-^»trr. XTr^TTDici^'L W^rir ire^rfi^tfiHr ZiBamiiHaihang 
iii-rv 4rtJ £.^111^ tZiif:syr l^^jT.uiit ziL zoL^u. v^fDii TTtan dk Zeil 
inür ä**5- iTT!rk.'ij^i. tn^-^rts iKrjrisrjLitir: 'l Besi^ti^eDd tritt 
-eiij^r Si^lir 2IhvLiIi^ '^'3 Ci, 1 — a. T£:l «Itrrs^ Hl 1.35« Linzu. welche 
wr:%'*^ 6rT T-er=*'*.j'-i^iieL I^r^'j^urur-rüi^ ür -sif- erffehrep hat, 
^ir'i'.L'.cl^ h-^^^-l^l^jh itt'iirr-iiriai'L: vt^r5r*z: niiäa- 

r.iÄ^ M^/fi^'^ a?^ <2rm>if dfh(Te5<'rt cwf#«? f»fm Grofciae 

4WI '» Gi'1^,.2 tV ifcfT<»r*#". /if;s*<:* '*7r,wr 7:4 i^f^riif: Gm^cri mpi^i^ 

mrbi' Rjmafti a O iTT^ f-jj^r^ <^. Theis? irrr'. d. Ahta.! frl^ert aus 
lu<iri* Ar!^-^»e^. da« ^Itr:'.h na^h dem Ar/.aDDdas&?edt« ein 
Krk^ Per^kict? il^ A^^Ptj»:^*! g-rflhrt w^r-it-, al:»er das? dies^ 
ILn*:^ er?t i.ach d-m Fried«^ a:2sirach, ki cift den Worten 
garLi-'.ht g^esa^ Tielmehr nur. diss, wihrend nian über den 
Ai-l^JL-da-^-frieden TtrLandrhe, Araxerx^ ii::Krit^en'Jt Aegypten 



1 ■ VvfmVxMt K-zf:h.wrzx^ ficb:« bei SSeren Gesdi. GxiecbenlaBds 368 
ttod Wk^^m£iiB G-etti. Aeg 27 S* ff. — Rebdirti, vitae 241 ff. socht 
Bichx'- v<'iK« , c&s (kr aegjj-ii«*rb« Krieg roc dra Begäia des Krieges 
g^g*ia Euagorat ''^£»j TgL S. 121} fallen izüsae, wiierspricht sich aber 
K-.tet, da er S. ^ A. 37 die secl» J&hie beä Isokntes 141 tob dem 
KLürferen Vorgaben Pemens gegen Eon^roxms ^SS^ rgl. S. 124) rechnet. 
benDoeb biüien Kct Grote Gesrh. Griech. V* 2SK) und Kmmbbolx, de 
Arlji«; Djiooris SAtnpis 53 BbtdanU* ABsicht m&ge9Ciilos««n. Pie Meinung 
enö.itb TOD LüchnAnn . Gtsch. Griecbesl. 2(*9 f. 44S ffl und Theiss, de 
beLo CT|>rio 13 t, der negjptisobe Krieg habe rom Jahre 3S5 oder 886 
bu sam Jahre Z^i gedauert und sei denelbe, velchen Diodor XV 29, 
•:$$. 41 —43 za den Jahren 377, 75, 74 erwähnt, ist mit Recht t<hi Behdants 
241 zarückgeviesen vorden: sie läest äch auch ohne die grösste Willkür 
und Gf walt^a.keit nicht rechtfertigen. Unger, Chron. d. llanetho 301 f. 
S*.«^; ff. hat die«e Ansicht wieder aufgenommen, TcrgL S. 161 A. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 155 

begrififen war. In den entgegengesetzten Irrtum ist Rehdantz 
243 verfallen, der das dum haec geruntur zu eng fasst und nur 
auf die Zeit unmittelbar nach der knidischen Schlacht bezogen 
wissen will: mit der persischen Gesandtschaft, welche lustin 
hier erwähnt, sind doch wol die Abgesandten gemeint, welche 
die Griechen zu Tiribazos entboten , um des Königs Frieden 
zu vernehmen. 

Auch die übrigen spärlichen Notizen, welche diesen persisch- 
aegyptischen Krieg erwähnen, dienen dazu, die früher aufge- 
stellte Ansicht zu stützen. Zunächst Aristophanes Plut. 178: 

ij ^v/nfiaxfa d' ov did ah (Plutos) voTg Aiyvnrioic; 
aus dem hervorgeht, dass, als der Plutos aufgeführt wurde — 
Anfang 388 vgl. Hypoth. IV u. Schol. z. 173 — , ein Bündniss 
Athens mit Aegypten kurz vorher geschlossen war, oder 
etwas geschehen war, wodurch ein früher geschlossenes 
Bündniss wieder in Erinnerung gebracht wurde ^). Wichtiger 
noch ist das Zeugniss Theopomps (bei Phot. Cod. 176), der 
im XII. Buche der »Philippika« ein Bündniss des Akoris mit 
den Barkaiern und darauf seine Hülfeleistung an Euagoras 
erwähnt. Auf dieses Bündniss wird offenbar auch von 
Isokrates angespielt mit den Worten reXtvjoivTtg ovrcog aiaxQ^K 
olntjXXaYrjaav {ot nägacci) äai^s rovg d(f€(STWTag firjxfti TrjV 
ik€V\^eQ(av äyanav dkX r-drj xai %wv 6fA6(}0)v ^rjTsTv inciQXfnv 
(Paneg. 140); die ofioQoi sind eben die Barkaier. Theopomp 
hatte danach in einem der dem XlI. Buche vorausgehenden 
Bücher, vielleicht im XI., Akoris' Krieg mit Persien ausführ- 
licher erzählt, im XII. Buche behandelte er das, was nach 
jenem Kriege sich ereignete. 

In diese Vermutungen greifen dann Diodors Angaben ein: 
er berichtet XV 2,2 zum Jahre 386 85 Ol. 98,3 erst von dem 
Bündniss zwischen Euagoras und Akoris, »dem Feind der 
Perser«, also erst in der Zeit des kräftigeren Vorgehens der 

1) Die Scholien des Ravennas berichten zu dem Verse nur, dass die 
Athener, seit ihnen Amasis einst bei einer Hungersnot Getreide geschickt 
hätte, stets den Aegyptern Hülfe ge.&;en Persien geleistet hätten und mit 
ihnen im Bündniss gewesen seien. Eist später habe man Jpbikrates den 
Persern als Feldherrn gegen Aegypten gesandt (vgl. S. 160). 



156 Viertes Kapitel. 

Perser gegen Euagoras, obwol dieser schon früher bei Athen 
Hülfe gesucht hatte. — Akoris hatte doch wol früher nicht 
Hülfe leisten können^). 

Andere Quellenstellen, die man auf diesen aegyptisch- 
persischen Krieg bezogen hat oder beziehen könnte, gehören 
teils in einen anderen Zusammenhang, teils bieten sie nichts 
Neues ^). Aus den oben ausführlich besprochenen Stellen 
ergiebt sich Folgendes: alle stimmen darin überein, dass der 
Krieg vor dem Abschluss des Königsfriedens (386) im Gange 
gewesen ist, aus Isokrates, den Diodor und Theopomp bestätigen, 
ergiebt sich, dass er im Jahre 386 bereits zu Ende gewesen ist, 



1) Möglicherweise erwähnt auch Diodor 2,3 — durch Akoris ver- 
mittelte? — Beziehungen zwischen Euagoras und dem Barkaierkönig mit 
den Worten ensfi^pe cf avxM xai 6 tdjy ßaqßdqfoy ßatnXev^ ar^atuotag 
ovx oUyovg xtX.: für das sinnlose ßa^ßd^my der Handschriften hat schon 
Sievers Gesch. Gr. 864 A. 94 BctQxaüoy vorgeschlagen; gewöhnlich liest 
man ^Qußeay. 

2) Corn. Nep. Chabr. 2,3 (während Chabrias als Feldherr der athe- 
nitchen Hülfstruppen bei Euagoras weilt) : interim bellum inter Aegyptios 
et Persas conflatum est, ist dadurch ganz wertlos, dass Cornelius Nepos 
hier zwei, oder eigentlich drei persich-aegyptische Kriege durcheinander 
wirft (vgl. S. 160 A.). — Corn. Nep. Dat. 3, 5. 5, 1 ii'., wo von der Abberufung 
des Pharnabazos von dem Kommando eines gegen Aegypten gerüsteten 
Heeres die Rede ist, und sein Nachfolger Datames durch einen Freund 
gewarnt wird vor der königlichen Ungnade , wenn er in Aegypten un- 
glücklich kämpfe, hat Wiedemann Gesch. Aeg. 280 f. auf diesen Krieg 
bezogen : Pharnabazos soll wegen einer Niederlage in Aegypten abbe- 
rufen worden sein. Die Vermutung lässt sich aber durch nichts beweisen ; 
sie ist vielmehr nahezu mit Sicherheit zu verwerfen (vgl. S. 160 A.). — 
Eher darf man Isokrates* Busiris (XI) 12 f. hierherziehen: .... zavtriy 

de zriy x^^^ (sah Busiris) dd-ayaxta de teixei tm NeiXta tevei- 

XiOfievriy ^ og ov fioyoy g)vXuxriy dXXa xai TQoq)^y Ixavriy avt^ na^exeiv 
7iig)vx€yj dydXüJtog fA,ev tov xai dva fia^og tolg inißovXevovaiy^ 
evaytoyog de xai nqog noXXa x^^^f^^g zotg iyzog avtov xatoixovaiy. Der 
»Busiriä« des Isokrates ist sicher nach der Herausgabe des »Busiris« des 
Polykrates von Athen, gegen den er gerichtet ist, d. i. nach dem Jahre 
893 erschienen (vergl. Blass, att. ßereds. II 326, orat. Att. Baiter 
Sauppe II 222 Paus. VI 17,9). In § 19 f. wird auf die Gewalttätigkeiten 
der Spartaner nach dem Antalkidasfrieden angespielt. Die Erwähnung der 
Unüberwindlichkeit Aegyptens und seines Glückes ist für diese Zeit des- 
halb wohl kaum zufällig: der »Bui^iris« wird nach 385 herausgegeben sein. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 157 

und da er nach Isokrates drei Jahre gedauert hat, wird er 
ungefähr in die Jahre 389—387 zu setzen sein. Als Bestätigung 
gerade für diese Jahre kann man anführen, dass Pharnabazos, 
der mit in diesem Krieg befehligt (Isokr. a. 0.), im Jahre 389 
noch in seiner Satrapie, dem hellespontischen Phrygien, geweilt 
zu haben scheint (Xen. IV 8,31, vgl. S. 96), während er im 
Jahre 387 bereits seit einiger Zeit daraus abberufen war (Xen. 
V 1, 28, vgl. S. 104). 

Auch die Ereignisse geben dieser Berechnung recht: erst 
jetzt verstehen wir, warum Euagoras das Jahr 391 günstig 
für seinen Aufstand hielt, weshalb er in kurzer Zeit sich fast 
der ganzen Insel Kypros bemächtigte, weshalb die Perser nach 
lässiger Kriegführung in den Jahren 390—387 erst 386 mit ge- 
nügender Kraft gegen ihn sich wendeten: im Jahre 391 waren 
Persiens Rüstungen schon allein auf Aegypten gerichtet. 

Der Ausgang dieses ersten persischen Angriffskrieges gegen 
Aegypten muss für letzteres günstig gewesen sein, wenn auch 
der Kampf dem Lande sicher grosse Opfer gekostet hat (Isokr. 
Paneg. 140): sehr möglich, dass der unerwartete Erfolg des 
kyprischen Aufstandes dazu beigetragen hat, Artaxerxes zum 
Verzicht auf weitere Feindseligkeiten gegen Aegypten zu veran- 
lassen : ein Friede ist jedenfalls gar nicht geschlossen worden ; 
man hätte sonst die Selbstständigkeit und damit die Unab- 
hängigkeit Aegyptens anerkennen müssen. 

8. PEBSISCH-AEÖYPTISCHE BEZIEHUNGEN UNTER AK0RI8 UND NEKTANEBOS I. 
BIS ZUM ZWEITEN PERSISCHEN ANaBIFFSERIEGE (374). 

Nachdem Akoris im Jahre 387 den persischen Angriff ab- 
geschlagen hatte, musste er wol einsehen, dass dessen Erneuerung 
nur des kyprischen Aufstandes halber und für den Augenblick 
aufgegeben war. Seine Pohtik geht deshalb in der Folgezeit dahin, 
überall die perserfeindlichen Elemente zu unterstützen und seine 
eigene Macht durch Bündnisse zu stärken. Darum leistet er Eua- 
goras kräftig Beistand (Diod. XV 2, 2. 3, 3. 4. Theop. b. Phot. Cod. 
176, vgl. S. 122. 124) und schliesst mit ßarkaiern und Pisidern 
Verträge ab (Theop. a. 0. vgl. Isokr. Paneg. 140), darum ver- 



158 

spricht er GjCS. dem anf4ändig*rhen FührEf der peräscfaen Be- 
lagennj^stlotte vor KTproe. seiEie Hilfe ilikd. XV 9.3i. Und 
wie es scheint bat er dabeL mehr Ucg ak tKU. die Macht- 
verhaltrjtse seiner Verbündeten genau abgewogen, denn nm 
dieselbe Zeit da Euagoras' Stern ankL last Akoris in da- 
Hülfeleistmitg nach und wendet sich der neu erstandenen Macht 
des Gkis zu iDiod. XV 4. i 8. 1 TgL 5. Ii7i. Auch im eigen^i 
Lande hat er sich tatkräftig gegen den drehenden peraschen 
Einfall Tort>ereiteL unterstützt und geleitet durch Chabrias Ton 
Athen- Akoris starb im Jahre 3S3 (Diod. 29. 1. i vgL u.). 

Dieser erste aegyptische Aufenthalt des Chabrias lässt sich 
zeitlich ziemlich genau begrenzen: wir wissen einerseits, dass 
Chabrias im Jahre 387 von Athen Euagoras zu Hülfe gesendet 
UTirde und in hervorragender Weise an der Unterwerfung von 
Kjrpros durch Euagoras beteiligt war (vgl. S. Ii3). andrerseits, 
dass er Anfang (Winter) 378 in Athen ak Stratege amtierte 
(Xen. Hell V 4. 14. vgl KoA XV il. 3) : vieUeicht war er 
sogar ordentlicher Stratege für das Jahr 379 78 (Beloch, att 
Polit S. 315). Danach muss die Rückkehr nach Athra spätestens 
im Laufe des Jahres 379 erfolgt sein. Nun konunt Chabrias 
zurück aus Aegypten. von wo ihn das athenische Volk zurück- 
gerufen hat, weil sich die Perser über Chabrias' Tätigkeit für 
die aufständischen Aegypter beklagt haben. (Diod. XV 39, 3. 4, 
vgL Com. Nep. Chabr. 2, 3. 3, 1). Diese Verhandlungen sind also 
wol in das Jahr 380 zu setzen; d. h. mit anderen Worten, sofort 
nach dem endgültigen Frieden mit Euagoras (381 Ende, vgl. S. 121) 
haben die Perser den Krieg gegen Aegypten wieder ins Auge 
gefasst Chabrias Tätigkeit in Aegypten muss vor diesem Zeit- 
punkt liegen und fallt wahrscheinlich in die Jahre 386 — 380 
(S. 159 f.). Es ist nicht denkbar, dass die Athener, die sonst 
den Königsfrieden so ängstlich gehalten haben, nach dessen 
Abschluss noch Chabrias als ihren Strategen bei dem im Frieden 
ausgeschlossenen Euagoras belassen hätten (Isokr. a. O. , vgl. 
S. 105). Somit darf man mit grosser Wahrscheinlichkeit behaupten, 
dass Chabrias schon damals nach Aegypten ging, wo er oft 
und gern gelebt hat (Theop. b. Athen XU 532 b, vgl. Com. Nep. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 159 

Ghabr. 3, 3. 4. Dem. a. 0.) : er war dort bei einer Macht, mit 
der Persien augenblicklich nicht Krieg führte und fand eine 
reiche, gewiss auch wohlbelohnte Tätigkeit, die sich gegen Per- 
sien richtete und seinem einstigen Schützling Euagoras zugleich 
zu gute kam. Ausser den tgoTrata, den Denkmälern für er- 
kämpfte Siege, die er nach Demosthenes a. 0. dort errichtete, 
hatte er ein anderes bleibendes Denkmal seines Aufenhaltes 
hinterlassen in den grossartigen planmässigen Befestigungen, 
mit denen er das Land sicherte: die gesammten Anlagen, 
welche wir später bei dem zweiten persischen Angriffskriege 
erwähnt finden (Diod. XV 42) entstammen wahrscheinlich 
seiner Anweisung. Ein bestimmtes Zeugniss für diese Ver- 
mutung liefern uns zwei nach ihm benannte Orte: Xußgfor 
Xaga^y zwischen dem Kaaiov itgoc am sirbonischen See und 
Pelusion (Strab. XVI 760), und Xaßgiov Kcifitj^ zwischen dem 
kanopischen Nilarm und dem mareotischen See (Strab. XVII. 
808, vgl. Plin. u. h. V. 68 ^). Die gleichartige Lage der beiden 
Plätze weist auf einen bestimmten Plan; es sind Sperrforts, 
welche die Hauptzugangsstrassen Aegyptens von Osten und 
Westen decken. 

Ghabrias diente, wie Diodor XV 29, wo die gesammten 
aegyptischen Verhältnisse von den letzten Jahren des kyprischen 
Krieges an bis zu Iphikrates' Berufung zusammengefasst werden, 
richtig überliefert, vor allen Akoris, doch fielen in seinen Aufent- 
halt dessen Tod (383), die kurzen Zwischen- und Neben- 
regierungen des Psamut, Muthes, Nepherites II., welche auf 
Thronwirren hindeuten (vgl. demot. Chron. Rev. egypt. II S. 3^), 



1) Der bei Aristagoras Aegypt. Frgm. 3 (Step. Byz. u. W.) F. H. G. 
II 98 genannte Ort NixLov Küi/jirj trägt vielleicht Beinen Namen nach 
dem Nikias, der bei Demosthenes Ges. (XIX) 287 erwähnt wird und in 
Ghabrias' Diensten stand. Auf Ghabrias* Söldner hat man bezogen die 
Inschrift Letronne, rec. des inscr. gr. et lat. de T^ypte 1842 I. S. 409 ff. 
Nr. XXXIV = GIG. 4702 = Hicks man. 96 vgl. Böckh bei Droysen Rh. 
M. III 1829 S. 538. 

2) Aus den möglicherweise noch während Akoris* Herrschaft aus- 
brechenden Thronstreitigkeiten erklärt sich vielleicht das Schwanken bei 
den Ausschreibern Manetbos, die Akoris bald 12, bald 13 Jahre Lurechnen. 



160 Vierte» Kapitel. 

und endlich die Thronbesteigung Nektanebos' L, dem Chabrias 
mit zur Herrschaft verhalf (Com. Nep. Chabr. 3, 1 ^). Bald 
nach Nektanebos' Regierungsantritt (381) ist er abberufen worden 
(vgl. S. 158). 

In der Folgezeit kämpft umgekehrt ein athenischer Feldherr 
auf persischer Seite gegen Aegypten, Iphikrates, den sich Pharna- 
bazos, der Oberbefehlshaber des neu sich sammelnden Heeres, 
eigens erbeten hatte. Die Verhandlungen darüber setzt Diodor 
(XV 29, 3, vgl. Com. Nep. Iphikr. 2, 4 Schol. z. Aristoph. Plut. 
178, Polyb. XXXIX 2, 2) gleichzeitig mit den Beschwerden über 
Chabrias (vgl S. 158), das mag sein, doch ist Iphikrates' Abreise 
zum Perserheere jedenfalls später anzusetzen, wahrscheinlich in 
das Jahr 377/76 Ol. 100, 4, in dem sie Diodor (a. 0. 4) an- 
führt-). Es stimmt dazu sehr gut, dass aller Wahrscheinlich- 
keit nach Iphikrates im Anfang der siebziger Jahre in Thrakien 
sich aufhielt und etwa im Jahre 378 mit einer thrakischen 
Fürstentochter sich vermählte (vgl. Rehdantza.O. 30flF. 186.235). 

Seit 380 also rüstete Persien von neuem gegen Aegypten, 
aber ehe es zum Schlagen kam, sollten noch Jahre ver- 
gehen. Ganz langsam zog Pharnabazos sein Heer bei Ake in 
Phoinikien zusammen (Diod. XV 41, 2. 3, vgl. Trog. prol. X. 
Com. Nep. Dat. 3, 5. 5, 1), dann in der Mitte der siebziger 
Jahre wurde er, wir wissen nicht aus welchem Grunde, seines 
Befehls enthoben: Dataraes trat an seinen Platz ^); und mit 

1) So noch Sievers Gesch. Gr. 368 A. 116. — Nektanebos war, wie 
es scheint, der Sohn Nepherites' I (demot. Chron. a. 0. 3. 55, Wiedemann 
Gesch. Aeg. 272. 278). 

2) Wie schon erwähnt, bildet dieses am Schluss der Schilderung 
persich-ae^yptischer Verbältnisse angefahrte Ereigniss ▼ermutlich den 
cbronologischen Angelpunkt für die Yorausgebenden. 

8) Com. Nep. Dat. 3, 5. Für die Rüstungen eu diesem aegyptischen 
Kriege 1asj>en sieb im Ganzen drei Perioden scbeiden: es befehligen nach 
einander Pharnabazos, dem Titbraustes beigeordnet ist, Datames, und 
wieder Phamabuzos (Com. Nep. a. 0. Diod. XV 29.41). Die dritte Periode 
wird um die Wende des Jahres 375/74 beginnen, da Pharnabazos im 
Frfihjabr 374 aufbricht (vgl. u.) und bei Datames* Abreise das Beer schon 
Diarscbfertig^ ist ^Com. Nep. Dat. 4. 5). — Lange bat wie es scheint 
Datames den OberbeMil nicht gehabt (Com. Nep. a. 0.), er wird ihn 
aldo um das Jahr 375 etwa überkommen haben. Dann ist aber 



Der Freilieitskampf der Aegypter 161 

Pharnabazos scheint auch Iphikrates seine Stellung als Söldner- 
oberst verloren zu haben ^). 



Iphikrates, wie sich auch von yornherein erwarten Hess, während Pharna- 
bazos* erster Befehlsführung eingetroffen (vgl. Diod. XV 29,4. 41,2). 

Die Vermutung Wiedemanns Gesch. Aeg. 280 f., dass Pharnabazos* 
Abberufung mit seiner im Jahre S87 erlittenen Niederlage in Verbindung 
zn bringen sei, wird durch die früher (S. 158 ff) aufgestellte und im Grossen 
und Ganzen wol nicht anfechtbare Zeitfolge hinfällig; sie verträgt sich 
auch nicht mit den Daten, die für Datames' Leben sich gewinnen lassen. 
Noch weniger glücklich ist die zuletzt von ünger Chron. des Manetho 
301 — 309 verfochtene Meinung, dass Diodors Darstellung auf den ersten 
persischen Angriffskrieg zu beziehen sei. Nur weil bei dem ersten Kriege 
Abrokomas, Tithraustes, Pharnabazos als Feldherrn erscheinen, bei diesem 
in einer Periode der Rüstungen Pharnabazos und Tithraustes als Feld- 
herrn genannt werden, und das nicht einmal von Diodor, der angeblich 
an der ganzen Verwirrung schuld ist; weil der eine Krieg drei Jahre 
dauert, bei dem anderen, wie erst aus Diodor erschlossen wird, die 
Rüstungen drei Jahre währen, kann man doch nicht auf die Identität 
der beiden Kriege schliessen. Woher lässt sich überhaupt entnehmen^ 
dass nur ein Krieg von Arlaxerxes Mnemon gegen Aegypten geführt 
worden ist? Doch nicht etwa aus den für uns als Quelle sehr wertvollen, 
aber natürlich übermässig kurzen und unvollständigen prologi des Trogus. 
Der Einwand, dass Diodor die Friedensverhandlungen vor der leuktrischen 
Schlacht aus Versehen oder Flüchtigkeit schon einmal zum Jahre 375/74 
01.101,2 in Verbindung mit Rüstungen des Perserkönigs gegen Aegypten 
erzählt, ist gewiss richtig, berührt aber den Kern der von Unger auf- 
geworfenen Frage gar nicht. 

Ueber die von Pharnabazos und Tarcamos, dem Satrapen von Kilikien 
aus einem einheimischen Geschlecht, (aber nicht von Datames) für den 
Sold des Heeres namentlich in Tarsos geprägten Münzen, die wahr- 
scheinlich in die Rüstungen dieses Krieges gehören, vgl. Waddington, 
Bev. numism. 1860 S. 437 ff. Brandis, Münzwesen in Vorderaeien 1866 
S. 243 Nöldeke Gott. gel. Anz. 1884 297 f. Six, Numism. Chron. 1884 
103. 134 Head Hist. num. 613 ff. — Nach einer mir wieder von J. P. Six 
freundlich mitgeteilten Vermutung gehört auch hierher die von Six, 
Num. Chron. 1884 S. 109 Nr. 16 vgl. Mionnet descr. des med. V p. 644 
Nr. 28, rois Grecs p. 138, 19 pl. LXV 19 beschriebene Siibermünze 
(Drachme): sie trägt auf der Vorderseite einen nach rechts ausschreiten- 
den persischen Soldaten, auf der Rückseite einen Pallaskopf in Vorder- 
ansicht nach der Parthenos der Pheidias. Six glaubt, dass diese Münze 
von Iphikrates und Pharnabazos in Ake geprä<»t worden sei. 

1) Datames übergiebt bei seiner Flucht dem Magneten Mandrokles 
die Führung (Com. Nep. Dat. 5,6); es hat auch gar nichts Auffälliges, 

JUDEICH, Kleinasiatisclie Studien. 11 



162 Viertes Kapitel. 

Datames behielt freilieh den Befehl nicht lange; während 
der Rüstungen wurde er plötzlich gegen den aufständischen 
Dynasten von Kataonien Äspis geschickt, den er in kurzer Zeit 
besiegte und gefangen nahm (Com. Nep. Dat 4). Nach seiner 
Rückkehr zum Heere scheint alles zum Abmarsch bereit ge- 
wesen zu sein, aber Datames zog vor, freiwillig von der Führung 
zurückzutreten, oder viehnehr ihr zu entQiehen, angeblich, weil 
er die Umtriebe seiner Gegenpartei (wol des Phamabazos) , für 
den Fall, dass der aegyptische Feldzug unglücklich ausginge, 
fürchtete. (Com. Nep. Dat. 5, vergl. S. 192). Wir finden 
nun wieder Phamabazos und Iphikrates an der Spitze der 
Trappen: 200000 Perser nebst Hülfsvölkem, 20000 griechische 
Söldner. Dazu kamen zahlreiche Kriegs- und Transportschiffe^). 
Endlich, Anfang Sommers 374 ^), setzte sich das Heer in Bewegung : 
die Flotte mit einem Teil der Truppen fuhr voraus bis Pelusion, 
doch fand man die Aegypter so vorzüglich verschanzt, dass die 
Feldherm keinen Angriff wagten (Diod. XV 41, 4. 5. 42, 1 — 4). Man 
segelte deshalb weiter bis zur mendesischen Mündung. Hier ward 
nach kurzem heftigem Kampfe die Besatzung des zum Schutze 
der Mündung angelegten Forts zum grössten Teile niederge- 
hauen und dieses selbst erstürmt (Diod. XV 42, 4. 5. Polyain. 
m 9, 38. 63. 25? vgl. Plut. apophth. reg. et. imp. Iphikr. 3). 
Iphikrates drängte jetzt, schnell den Nil hinaufzufahren und 



dass der Söldnerführer mit dem persischen Befehlshaber wechselt. — 
Vielleicht ist die von Iphikrates in Ake unterdrückte Verräterei zweier 
Lochagen (Polyain. III 9, 56) irgendwie mit der Abberufung des Phama- 
bazos und dem Eintritt des Datames in Beziehung zu setzen, denn an ein 
Ueberlaufen zu den Aegyptern oder dergl. ist doch in Ake noch nicht 
zu denken. Auch die Geschichte, wie Iphikrates die Truppen, denen der 
Sold vorenthalten wurde, beschwichtigt haben soll (Polyain. III 9, 59), 
gehört Tielleicht hierher. 

1) Diod. XV 41, 3 vgl. Com. Nep. Iphikr. 2, 4 , der nur von 12000 
Söldnern spricht. 

2) Diodors Datierung anzuzweifeln haben wir nicht den geringsten 
Gmnd; sie stimmt vortrefflich zu den Nachrichten über Iphikrates 
(vgl. u.). — S^sQos ist hier wol etwas weiter, als »gute Jahreszeitc, su 
verstehen. Fassen wir es streng als »Sommere (Ungar a. 0. 388), so 
wird die 2^it für die Ereignisse etwas knapp. 






j 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 163 

das noch ungeschützte Memphis zu nehmen, aber Phamabazos 
misstraute ihm ; er wollte die Hauptmacht erwarten und zögerte. 
Unterdessen sicherten die Aegypter Memphis und warfen an die 
gefährdete Stelle starke Truppenmassen, mit denen die Perser 
sich täglich herumschlagen mussten. Dazu begann mit den 
Etesien (Ende Juli ^) der Nil zu steigen : bald war jedes weitere 
Vorgehen unmöglich gemacht, und man trat notgedrungen den 
Rückweg nach Asien an (Diod. XV43, 1— 5. Plut. Artox. 24, 1). 
Nach diesem Misserfolg entspannen sich Streitigkeiten zwischen 
Pharnabazos und Iphikrates: beide machten sich gegenseitig 
verantwortlich für das Scheitern des so lange und sorgfältig 
vorbereiteten Feldzuges, bis endlich Iphikrates aus Furcht, dass 
ihn das Schicksal Konons ereilen möchte, sich heimlich nach 
Athen flüchtete, wo er im Laufe des Jahres 373 eingetroffen 
sein muss^): Anfang 372 bekleidete er trotz Pharnabazos' Be- 
schwerden schon wieder das Strategenamt (Xen. Hell. VI 2, 13. 
39. Diod. XV 43, 6. 47, 7). 

Persien hat, obwohl auch der zweite Angriff nicht zum 
Ziele geführt hatte, den Krieg gegen Aegypten doch weiterhin 
im Auge behalten. Im Frühjahr 372 (Thargelion Ps. Dem. a. 0. 
25 — 29. 35) begiebt sich Timotheos mit Genehmigung des 
Volkes zu den persischen Satrapen, um seine Dienste gegen 
Aegypten anzubieten: man wollte offenbar Pharnabazos, den 
man durch die Ernennung des Iphikrates zima Strategen ge- 
ärgert hatte, versöhnen. Doch kam es vorläufig zu keinem 
Kriege, denn der Grosskönig war vollauf durch die in immer 
wachsender Ausdehnung auftretenden Empörungen eines Teiles 
seiner Satrapen beschäftigt (vgl. S. 192 ff.). 

1) Vgl. W. Judeich, Caesar im Orient 1885 S. 71. 

2) Iphikrates ist bestimmt wieder in Athen vor Winter (Maimakterion) 
373; er führt damals mit Kallistratos den Piozess gegen Timotheos (vgl. 
Ps. Dem. geg. Timoth. (XLIX) 9. 13. 22). Doch vermochte er als sach- 
kundiger Ankläger nur aufzutreten, wenn er die Strategie des Timotheos, 
der im Frühjahr 373 ausgelaufen war (vgl. Ps. Dem. a. 0. 6. 44), mit 
erlebt hatte. Somit ist Iphikrates, wie wir auch aus dem Verlauf des 
aegyptischen Feldzuges schiiessen dürfen, vermutlich schon Anfang 373, 
wenn nicht noch früher, nach Athen zurückgekehrt. 

11* 



164 Viertes Kapitel. 

4. TAGHOS ITND HEKTASKBOS IL 

Es ist selbstverständlich, dass Aegypten, dass seit seiner 
Befreiung den Hort und die Stütze aller Feinde des Perser- 
königs gebildet hatte, an den Erhebungen der Satrapen nicht 
unbeteiligt blieb. So wird schon im Jahre 366 65 Ol. 103, 3, 
noch vor dem Beginn des grossen Satrapenaufetandes Aegjrpten 
im Verein mit den kleinasiatischen Dynasten ausdrücklich als 
perserfeindlich aufgeführt^). Wenige Jahre später (frühestens 
363 vgl. S. 146) hören wir, dass Agesilaos, nachdem er den 
aufständischen Ariobarzanes unterstützt hat , mit Tachos von 
Aegypten freundschaftliche Beziehungen anknüpft (Ps. Xen. 
Ages. 2, 27). Dann folgt der grosse Aufstand. 

Tachos hatte für die Empörung den Satrapen Geld und 
Schiffe gesendet, die freilich in unrechte Hände kamen (Diod. 
XV 92, 1), er selbst hatte scharf gerüstet und beabdchtigte den 
früheren Traditionen zuwider diesmal die Defensive aulzugeben 
und dem persischen Angriff durch eigenes Vorgehen zuvorzu- 
kommen. Doch der Plan misslang und kostete Tachos seinen 
Thron. — Die Zeitfolge der rasch sich drängenden Ereignisse 
ist glücklicherweise durch mehrere fest bestimmbare Punkte 
zu regeln: der Ausbruch des Krieges Anfang 361, die Flucht 
des Tachos Mitte 361, der Sieg Xektanebos' IL, des von den 
Persem begünstigten Gegenkönigs, Ende 358. 

Die nähere Bestimmung für den Beginn des Feldzuges, 
den Diodor XV 92 ganz richüg in das Jahr 362 61 OL Ifti, 3 
setzt, ermöglicht die Teilnahme des Agesilaos und Chabrias an 
dem Ejriege. Beide können nicht vor der zweiten Hälfte des 
Jahres 362 in Aegypten eingetroffen sein, denn Agesilaos war 
nach der Schlacht von Mantineia (Sommer 362) noch in Sparta 
anwesend-) und Chabrias bekleidete vermutlich für das Jahr 

1) Isokr. Archid. (VI) 63. Der Archidamos ist abgeßisst 366 65 Ol. 
103, 3 als Flugschrift gegen die FriedensTerhandlungen zwischen den 
Peloponnesiern und Thebanern. So richtig Liiisiu? (io Vorlesungen) gegen 
Blass att Ber. II 2t>o ft , der an die Zeit zwischen 356 und ool denkt. 

2) Plut Ages 35 vgl. Hertzb«>rg Ages. S. 3ö6 A. 221. Es ist ausser- 
dem nicht daran zu denken, dass Sparta vor der Schlacht von Hantineia 
sich öffentlich an dem aegjptischen Kriege beteiligte ^Tgl. n.). 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 165 

363,62 OL 104, 2 das Strategenamt ^). Andererseits muss Chabrias 
sehr bald nach Ablauf seiner Strategie nach Aegypten gegangen 
sein, da er einen hervorragenden Anteil an den Rüstungen des 
Königs nimmt und diesem mit seinem Rat zur Seite steht, um 
aus dem durch die lange Zeit des Kampfes und der Unruhe 
stark erschöpften Lande noch neue Geldmittel zu ziehen^). 
Ihm wurde der Befehl über die Flotte übertragen, während Agesi- 
laos die Führung des griechischen Landheeres bekam. Den Ober- 
befehl über sämmtliche Truppen behielt sich Tachos selbst vor 
(Diod. XV 92, 2. 3. Plut. Ages. 37 Ps. Xen. Ages. 2, 30 Gorn. 
Nep. Chabr. 2, 3). Diese Verteilung erregte Agesilaos' Miss- 
fallen, der geglaubt hatte als unumschränkter Herr schalten zu 
können und schon durch den Empfang den er in Aegypten 
gefunden hatte, gereizt war ^). Dazu gesellten sich bald Meinungs- 

1) Vgl. die Urkunde bei Koehler Athen. Mittheil. II 1877 147 f. = 
Hicks man. 93. = Dittenberger Syll. 79. Im Anfang des Jahres 362 
wird auch die inschriftlicli (CIA. II 60 = Hicks man 95) erwähnte 
Gesandtschaft des Tachos in Athen gewesen sein. 

2) Ps. Aristot. Oecon. II S. 1350 b. 1851a. 1353 a Polyain. III 11,5 
Rehdantz vitae S. 162 A. 107 u. S. 164 A. 113 bezieht wol mit Recht 
hierlier das Fragment aus den noXeig des Anaximandrides bei Athenaios 
VII 299 f. ovx av dvyalfiriy avfifiaj^ety vfuy (den Aegyptern) iyco xzX,, 
in dem über Aegypten und seine Gebräuche gespottet wird, und die 
Erzählung von dem Vorteil, den Chabrias bei einem Geldgeschäft mit 
dem (Aegypter-) König gehabt in den Scholien des Stephanos z. Aristot. 
Rhet bei Gramer, anecdota Paris. I 1839. S. 258. — In den gleichen 
Zusammenhang gehört auch wol Polyainos III 11, 7 (vgl. 13. 14), die 
Geschichte, wie Chabrias den Aegyptern das Rudern beigebracht hat 
Chabrias ist nur hier Befehlshaber der aegyptischen Flotte, ünger Chron. 
d. Man. 346 hebt zwar mit Recht hervor, dass dort die Worte zov 
Ileqamv ßaaiXecjg B7iL<rtqaxevaavxog auf einen persischen Angriffskrieg 
hindeuteten, aber bei Polyainos liegt ein kurzer Auszug vor, dessen 
Zusammenhang keineswegs immer zuverlässig ist. Hier konnten z. B. in 
der Erzählung, die P. auszog, persische Rüstungen erwähnt sein, denen 
Tachos mit seinem Angriff, wie es auch tatsächlich gewesen zu sein 
scheint (vgl. u.), zuvorkam. Jedenfalls darf man nicht wie Unger es tut 
einen neuen persischen Angriffskrieg aus den Worten herauslesen. 

3) Die Aegypter hatten sich über die nichts weniger als glänzende 
Erscheinung des Agesilaos lustig gemacht (Plut. Ages. 36 apophth. Lac. 
Ages. 76 Ps. Xen. Ages. 2,28 f. Theop. (XIII) bei Athen. IX 384 a XIV 
657 b.c XV 676 d Com. Nep. Ages. 8). 



166 Viertes Kapitel. 

Verschiedenheiten über den Kriegsplan, da Agesilaos dem König 
im Lande zu bleiben und nur seine Feldherm vorzuschicken 
riet, Tachos aber den Angriff persönlich leiten wollte. Tachos 
setzte seinen Willen durch, und der Vormarsch gegen Phoinikien 
das er sich zur Operationsbasis ausersehen hatte, begann. 
Dort angelangt nahm der König eine Beobachtungsstellung ein, 
seinen Verwandten Nektanebos sandte er mit den aegyptischen 
Truppen gegen die syrischen Städte (Diod. XV 92, 3. 4 Plut. 

a. 0.). Da kam plötzlich die Nachricht, dass im Rücken, im 
eigenen Lande der Aufstand ausgebrochen sei. Der Statthalter 
dort, Nektanebos' Vater, gleichfalls Tachos genannt (vgl. Wiede- 
mann Gesch. Aeg. S. 291 A. 6), hatte sich erhoben und seinen 
Sohn Nektanebos zum König ausgerufen. Dieser war im 
geheimen Einverständniss und gewann die ihm unterstellten 
Truppen für sich ; dem König Tachos blieben nur die Flotte 
unter Chabrias und Agesilaos mit den Söldnern, die Nektanebos 
jetzt mit allen Mitteln zu sich hinüberzuziehen trachtete. 
(Diod. Plut. Ps. Xen. a. O. Theop. u. Lykeas von Naukratis 

b. Athen. XTV 616 d. e). König Tachos war in der ersten 
Ueberraschung zu dem ihm befreundeten König von Sidon 
Straton geflüchtet (Ps. Xen. a. 0. vgl. u.), aber er musste bald 
einsehen, dass alles für ihn verloren sei: nur Chabrias wollte 
ihm treu bleiben; Agesilaos, in seiner persönlichen Misstimmung 
gegen den König und voll der Hofl&iung auf reichere Be- 
lohnung von Nektanebos' Seite, ging zu diesem über, nachdem 
er sich durch eine Gesandtschaft nach Sparta äusserlich die 
Rechtfertigung für seine Landsknechtstreue geholt hatte (vgl. 
die oben angef. Stellen). So suchte Tachos sein Heil in der 
Flucht zum Grosskönig und in bedingungsloser Unterwerfung. 
(Diod. XV 92, 5 Plut. Ages. 38 Theop. b. Athen. XIV 616 c 
Ps. Xen. Theop. a. 0.). 

Die Zeit dieser Ereignisse ist, wie schon vorher (S. 164) 
angegeben, wahrscheinlich die zweite Hälfte des Jahres 361 1). 

1) Bestimmend dafür ist die Regierungszeit des Tachos (vgl. die 
Eönigsreihe S. 146), auch Diodors Erzählung bestätigt den Ansatz. 
Schliesslich lässt sich nach den früher ausgeführten Grundsätzen auch 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 167 

Iki Folgenden wird dagegen eine genauere Einordnung der 
einzelnen Tatsachen in den chronologischen Rahmen fast un- 
möglich. Wir wissen nur, dass Ende 358 Nektanebos unbe- 
strittener Herrscher über Aegypten ist (vgl. Anhang 1). 

In diese Jahre muss auch ein Feldzug des damaligen Prinzen 
Artaxerxes Ochos gegen Aegypten fallen, der erste von den dreien, 
die er überhaupt geführt hat (Trog. prol. X), denn wir haben die 
ganz unverdächtige Nachricht bei Synkellos S. 486, 20. 487, 1 ff. 
ovTog 6 ^Qxot; slg Alyvmov snKSTQaitvaac^ €ti ^cSvTog xov 
naTQoc l4 QTa^äg^oVy dg xal äXXoi, ixträ tavza ixQdxr^aev 
AlyvnTov xrX., und Artaxerxes Mnemon starb nach dem per- 
sischen Königskanon im Laufe des Jahres 358, vgl. S. 230 f. 
Eine andere Spur von diesem Feldzuge bietet die Anekdote aus 
Lykeas von Naukratis bei Athenaios IV 150 b. c: die Aegypter 
haben König Ochos den Krieg erklärt, sind aber geschlagen und 
ihr König ist gefangen worden. Das Mahl, zu dem Ochos den 
gefangenen Fürsten entbietet, ist diesem nicht prächtig genug: 
er lässt Ochos dann ein aegyptisches Mahl bereiten, das dem 
Perser vortrefflich schmeckt und zu der Aeusserung veranlasst. 



heranziehenden Eusebios bei Hieron. zum 37. Jahre des Artaxerxes Mnemon 
369/68 Ol. 102,4; Theo rex Aegypti fugit in Arabiam, Eusebios giebt 
Artaxerxes nur 40 Begierungsjahre, obwol deiser nach dem Königs- 
kanon tatsächlich 46 Jahre regiert hat, dafür rechnet er dann Ochos 
26 Jahre zu. Dieser Irrtum von zunächst 6 Jahren macht sich hier wie 
auch bei allen anderen Angaben, die für unsere Periode in Betracht 
kommen^ geltend (vgl. S. 5). Eusebios mochte wissen, dass Tachos Ent- 
thronung dem Tode des Artaxerxes um so und soviel Jahre vorausging. 
Ziehen wir nun die 6 Jahre ab, so erhalten wir als Zeit der Flucht das 
Jahr 362; das ist noch falsch, scheinbar, aber nur um den Normalfehler 
von einem Jahr, der stets bei dieser Umrechnung auftritt (vgl. S. 148 A.). 
Tatsächlich fallt also auch hiernach Tachos Flucht 361. Sie geht, wie 
Böckh, Manetho 370 f. mit Becht betont hatte, dem Tode des Artaxerxes 
Mnemon voraus. Die Einwände, welche ünger a. 0. 317 f. dagegen 
angeführt hat, werden durch die S. 146 aufgestellte Eönigsliste hin- 
fällig. 

Was Chabrias nach Tachos* Flucht getan hat, ist uns nicht über- 
liefert. Für das Jahr 359/58 Ol. 105, 2 wird er zum ordentlichen Strategen 
in Athen erwählt (vgl. Schaefer N. Jahrbb. f. Phil. XCIII 1866 S. 27), 
ist also spätestens Anfang 359 dorthin zurückgekehrt. 



168 Viertes Kapitel. 

nach Verdienst sei es dem Aegypter schlecht ergangen, der 
bei so herrlichem Schmause daheim noch einen prächtigeren 
hätte haben wollen. — Der Aegypterkönig, von dem hier die Bede 
ist, kann, wie man längst erkannt hat, nm* Tachos sein. 
Die Einleitung, welche Athenaios aus Lykeas zusammen- 
gearbeitet hat, leidet dann freilich an Ungenauigkeiten : einmal 
haben Perser und Aegypter gar nicht mit einander gekämpft, 
und femer war Ochos damals höchstens Mitregent, nicht König, 
doch mindert das den Wert und die Glaubwürdigkeit der 
ganzen Notiz nicht; sie führt vielmehr zu dem Schlüsse, 
dass Tachos auf seiner Flucht durch Arabien einem unter 
Ochos gegen Aegypten anmarschierenden Heere in die Hände 
gefallen ist und als Gefangener mitgeführt wurde ^). — Man 
wird fragen, warum wir später gar nichts von dem Eingreifen 
dieses Heeres in Aegypten selbst hören. Die Antwort darauf 
können wir nur den Ereignissen selbst entnehmen: im Einver- 
ständniss mit Persien, wenn nicht mit Persiens Hülfe, ist 
Nektanebos auf den Thron gekommen 2). Diese Annahme findet 
ihre unmittelbare Bestätigung durch die seltsame Angabe des 
Diodor (XV 92, 5), Tachos sei vom Grosskönig begnadigt und 
zum Feldherm eines Heeres gegen Aegypten ernannt worden; 
er verwechselt eben hier schon wie im vorigen Kapitel, in dem 
er Tachos seine Herrschaft wiedergewinnen lässt, Tachos und 
Nektanebos. Ob der Aufstand des Statthalters Tachos vielleicht 
schon durch Persien angezettelt worden ist, können wir nicht 



1) Gerade durch diese Annahme wird Diodors Verwirrung (vgl. u.) 
leichter verständlich : seine Angabe über die Begnadigung des Tachos 
durch Artaxerxes (Diod. XV 92, 5) ist natürlich wegen seines Irrtums 
wertlos. Tachos ist dann in Persien gestorben. (Ael. var. bist. VI). 

2) Früher schien in der demotischen Chronik ein ganz bestimmter 
Anhalt für diese Auffassung gegeben: Revillout erklärte (Rev. arch. 1877 
S. 78) die hierbergehörige Stelle mit den Worten: mais les Perses Vatta- 
querent (Tachos j vivement et sous le chef, qui vint apres lui (Nekta- 
nebos II), et que les Perses avaient faxt reconnattre pour 
chef, ils hriserent les portes de VEgypte, doch habe ich in der später 
(Rev. ^gypt. II S. 4) veröffentlichten üebersetzung davon nichts finden 
können; die erste Inhaltsangabe beruhte also wol auf Irrtum. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 169 

entscheiden, jedenfalls benutzte Ochos sehr geschickt die ge- 
gebene Lage. Dass Ochos diesen ersten Feldzug gegen Aegypten 
scheinbar so ganz im Sande verlaufen liess, hatte wahrschein- 
lich seinen Grund in dem Erscheinen des Orontes in Syrien 
(Trog. prol. X vgl. S. 208). Unerwartet musste Ochos gegen 
ihn kämpfen und beeilte sich deshalb, mit Nektanebos eine 
Verständigung zu suchen^). 

Jetzt fallt auch noch ein besonderes Licht auf die plötz- 
liche und mächtige Empörung gegen Nektanebos, dessen An- 
hänger schon ganz Aegypten gewonnen hatten (vgl. Diod. XV 
92, 5) : an der Spitze steht ein Mendesier, wol ein Nachkomme 
der Dynastie des Akoris, die ruhmvoll einst gegen Persien ge- 
kämpft hatte (Plut. Ages. 38) ^). Die Einzelheiten dieses Auf- 
standes und der damit verbundenen Kämpfe sind uns leider 
nicht bekannt; die Entscheidung muss wie gesagt im Jahre 358 
und zwar im Ende des Jahres gefallen sein (vgl. Anhang I). 
Agesilaos wird wieder von dem Mendesier umworben, ent- 
scheidet sich aber nach einigem Schwanken diesmal treu zu 
bleiben. Meinungsverschiedenheiten zwischen dem König und 
seinem Feldherrn sind auch hier nicht ausgeblieben: wider 
seinen Willen lässt sich Agesilaos auf Drängen des Königs durch 
die Empörer in einen festen Platz einschUessen, aber mit einem 
kühnen Ausfall befreit er sich und gewinnt den Sieg in der 
folgenden Entscheidungsschlacht. (Diod. XV 93 Plut. Ages. 
38. 39 apophthegm. Lac. 76 — 79. reg. et imp., Ages. 11 Ps. 
Xen. Ages. 2, 30. 31 Polyain. II 1, 22). Nektanebos war jetzt 
unumschränkter Herr des Landes und belohnte Agesilaos, dem 
er dies vor allem verdankte, aus vollen Händen. Eine Ein- 
ladung des Herrschers, noch den V^^inter 358,'57 in Aegypten 
zuzubringen, lehnte dieser aber ab und starb auf der Heimreise 
im Gebiet von Kyrene (vgl. Anhang I). 



1) Möglicherweise ist auf diesen Feldzug des Ochos die Erwähnung 
von Thapsakos am Euphrat hei Theopomp im III. Buche der Philippika 
(b. Steph. Byz. u. Sdipaxos) zu beziehen. 

2) Der Hass und Zorn des demotischen Chronisten gegen Nektanebos 
kann diese Auffassung nur bestätigen (vgl. Rev. arch. a. 0. Rev. egypt. II S. 4). 



170 ViÄtes Ks^itJiL 

Su OOiOtf ZWZIXKR CSD DSETTSK AI6rnEBZr& 13D DIE KBOBSBTSe 

AXeTFTZSS IX JAHBK 341. 

Im EinTerstaiKlmss mit Parsien hatte äch Xektanebos IL 
der HtTTschaft in Aegypten bemachtigL doch müssöi die freund- 
schaftlirhen Beziehungen bald eine A«idenmg «fahren haboi^ 
da in kurzer Zeit wieder ein neuer perstsch-aegyptischer Krieg 
ansbrichL Ob Xettanebos. nachdem er das Gewünschte er- 
reicht hatte, sich plötzlich feindlich stellte, ob. was an sich wahr- 
scheinlicher ist Ochos nur unter dem Drucke der augenblicklichen 
Notlage die Wiedereroberung Aegyptens aufgeschoben hatte, 
laset sich bei der Dürfbgkeit der Quellen nicht entscheiden; 
Yielleicht hat beides zusammen gewirkt, um den erneuten Zo- 
sammenstoss herbeizuführeiL — Ueber diesen zweiten Aegyptör- 
zng des Ochos, der nur den Teil eines grossen gegen die Feinde 
des Perserreichs gerichteten Vorstoss darstellt und mit gewaltigen 
Rüstungen ins Werk gesetzt war (TgL S, ili fll u. Anh. II), er- 
fahren wir wenig mehr, als über den ersten. Er ward nicht 
durch Ochos persönlich, sondern durch die königlichen Feld- 
herm gefuhrt und Terlief für die Perser unglücklich (Diod. 
XVI 40, 4 t 44, 1. 48, 1. i vgl. Isokr. PhiL (Y) 101, Dem. 
Rhod. (XV) 12 Trog. proL X Oros III 7, 8 u. Anhang H). 
2fcit]ich gehört der Krieg zwischen die Jahre 357, den Beginn 
Ton Nektanebos unbestrittener Herrschaft, und 351, den phoini- 
kischen Aufstand (vgl. u.); durch Demosthenes' Rede über die 
Freiheit der Rhodier (XV) wird es aber so gut wie sicher, dass 
er 353 unternommen wurde und sich 352 schon zu Ungunsten 
Persiens entschied (vgl. Anhang 11». Im engen Zusammenhange 
mit diesem Zuge stehen Kämpfe, welche Ochos gegen die auf- 
sässigen Juden führte oder führen liess und die mit der Ein- 
nahme von Jericho und der Verpflanzung eines Teiles der 
jüdischen Bevölkerung nach Hyrkanien und Babylonien 
endigten ^). 

1) Euseb. b. Sjnk. S. 486 Solin. 3o, 4 S. 171 Momnis. Oros. III 7, 6 f. 
Tgl. Beigk Rh. M. XXXVll 369 A. 1, der diese Ereignisae aber auf 
Ochos' ersten Aegjpterzug beziehen wilL Allerdings Teneichnet sie 
Hieron jmns unter 16öd Abr. OL 105, 2 359 58. aber zum äebenten Jahre 
des Ochos, die Anneni^e Uebersetzong nnter 1657 Abr., aber zam 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 171 

Das Misslingen des Angriffs auf Aegypten hatte Ochos 
nicht entmutigt, sofort begann er die Rüstungen zu einem 
neuen Feldzuge (vgl. Diod. XVI 41, 2. 5. 40, 6), aber dem An- 
sehen Persiens hatte die Niederlage doch geschadet. Die durch 
die erneuten Kriegslasten besonders hart betroffenen Phoiniker 
erhielten jetzt den Mut zur Empörung, rüsteten heimlich und 
knüpften mit Nektanebos Verbindungen an. In Sidon brach 
der Aufstand zuerst los: man verwüstete den königlichen Park, 
verbrannte das Heu, das die persischen Beamten für den 
aegyptischen Krieg gesammelt hatten, und schlug diese selbst 
todL Die grossen Städte Arados und Tyros folgten ; bald stand 
ganz Phoinikien in Aufruhr, und gleichzeitig — es war das 
Jahr 351/50 Ol. 107, S^) — erhoben sich die Fürsten von 
Kypros. (Diod. XVI 41, 1—5 vgl. S. 133 f.). 

achten Jahre des Nektanebos. Nach der im Vorausgehenden angewandten 
Methode kommen wir deshalb bei Hieronymus auf das Jahr 352 oder mit 
Abzug des Noi-malfehlers (vgl. S. 148A. 167A.) von einem Jahre, auf 351, 
bei der Armenischen üebersetzung auf das Jahr 354. Diese auffallende 
Abweichung ist vielleicht auf einen Irrtum der Armenischen üebersetzung 
zurückzufuhren, andernfalls müsste man annehmen, dass das eine Jahr die 
Kämpfe gegen die Juden, etwa bei dem Anmärsche gegen Aegypten, das 
andere die Gründung der Zwangskolonien andeuten sollte , beide müssten 
dann bei Eusebios bzw. Manetho gestanden haben. Nöldeke Aufs, zur 
pers. Gesch. S. 78 A. l verlegt die Kämpfe der Perser mit den Juden 
sämmtlich in Ochos' letzten Aegypterzug (347), wir werden aber vermut- 
lich zwei jüdische Aufstände zu scheiden haben, den ersten warf, wie dies 
Gutschmid N. Jahrbb. f. Phil. 1862. 714 sehr wahrscheinlich gemacht 
hat, in Ochos' Auftrage Orophemes (vgl. Diod. XXXI 19,2.3), den zweiten 
Bagoas nieder (vgl. S. 176 A. 1). 

1) Die Datierung Diodors, welche den Aufstand in dieses Jahr setzt, 
ist durchaus unverdächtig da die folgenden Ereignisse sicher später fallen 
(vgl. u.) , haben wir in dem Aufstand wieder den chronologischen Stütz- 
punkt zu erblicken, auf dem Diodor seiner Gewohnheit nach alles Folgende 
aufbaut. Zudem wird der Ansatz bestätigt durch die karische Fürsten- 
reihe, die, wenn sie auch bei Diodor erhalten ist, doch als ein in sich 
abgeschlossenes Ganzes eine von diesem unabhängige Beweiskraft besitzt 
vgl. Kap. VI 1. Idrieus hat, als der kyprische Aufstand ausbricht, gerade 
die Regierung angetreten (Diod. 42, 6. 45, 7) und kommt zur Regierung 
eben 351. Femer kommt hinzu, dass wir Phokions Eingreifen in Kypros 
nothwendig vor das Jahr 349 Anfang setzen zumü8sen(vgl. S. 135 A.), also 
spätestens 350. Vgl. endlich Six Num. Chron. 1884 S. 99. A. 7. 






SliTlTÄ 



Onr.rft "»^ir iirirL itr üiz^Tmis' TiLÜicirüäi ^it^rascht 

Fr.f'jr,-i:.»^. itr i^si'r-ic^rr t:c Sirien :zi«i ir"VV r- Mizaftjs und 

P.r^-:»^r^.rj^ ^riL:r.i::e?L ttit S. 171 A. 1 - Frhdlioii wrs^ie damit 
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Ar/^rj? :ä»» *irc Ath-^.*^ Pb:c:»:c: -md Ei^i^z-rx? den vmi 
Sü^r.'.i T«rr^I-^«^-»en pÄ:-r^«iectffrf: rzit ärseLiIl.:2i'er ILieht, die 
^;:.:£.>h r^r.i zj^:t^s)sL \Xt z^j^ TrlS-l:>4i». ar-^^r in Phomi- 
klrrfi. d-^rn el^'rr^^^ihrf: H-i:r»i 'i^s Aif^i^Liid'es. wraden die 
rjÄtTijyrn rrJt H^llf-Er grl-eiihis^ih-er ST' iiy^. die Xektaibrboe unter 
M'-fZ/jr TOT; Kr.fA'js g-^<andt Litie. g'rSJihli^^rn Rc^d. 4i 3. 
7 — if , Und dajLÄ'rh cr.u.^ es i>:*;L ^ra'ULK- Zeit gewährt haben, 
h'ji der Grofc^köri^ =e.b:=t eintrai Sieben T-iCe Jahre i350— äl4> 
bl-f^rben ZTi TerteZen bis zrj Untersr^frmg Ae^yp-tens '|. 

Gl^cklirherwelse ist es mö-^'Iii-h. weüi^stens einen zeit- 
lichen Stjtzpiinkt in dieser langen Periode zu gewinnen, er 
bietet sich durch die genaue Uebereinstinimung der oft ai^e- 
fChrten bokratesstelle Philippe«? iVi 101 mit der Erzählung 
l)\(Aor% Ton Ochas' letztem aegyptis«:-hen Ejiege- 

l^jkmy^ PhiL < V) 101 DicnJor XVI 40, 4 f. Aegypten 

AtytTttoq fii yuq d^^iarr^xst ist seit längerer Zeit abgefallen. 
fjUr xal Tcax^ dx^Tror ror 700- Die ersten Kämpfe hat der 
rar, w fir^r diX i^oßovmo^ Perserfcönig nicht selbst geleiteL 
fif^ Ttiftf ßa0iJjtvg avTOC notr- 46, off. 

cdfurog ctQtcTtiar xQictratu Schwieriger Anmarsch des 
xai %Tfi iid %6v naiafidr Svc- Königs: die Aegjpter haben 
X^Qi^^ xai tffi dXXrfi Tiaga- die Ostgrenze, besonders bei 
axet^f^g dndar^g. t-vv 6^ avtog Pelusion stariL befestigt. 

1 j Vgl. 8. 146 f. Die Möglichkeit, dass Diodor den zweiten nnd dritten 
^^ypterzag de» Ochoä yermiBcht habe, wie man mehrfach angenommen 
hat, i«t an «ich recht unwahrscheinlich und nach der frtdier g^ebenen 
Darstellung einfiäch unmöglich. Ueber die Einwände Schaefers, Demosth, 
V 4Öl ff. vgl Anhang II. 



Der Freiheitskampf der Aegypter. 173 

aTrrjXXa^sv avTovg tov Ssovg 40, 6 vgl. 41, 6. 43, 1. 

TovToiK avvayayfüV yccQ dvva- Ochos rüstet ein gewaltiges 
jUM'5 oai]v olog T '^v nXsiaTrjVy Heer und zieht selbst in's Feld. 
xal aTQtxTtvfSag in avTovg^ 46, 4 flf. 

aTTTJXxß^av ixstd-ev ov fjtorov Der König verliert aTTsigfi^ 
rjTTr}OHg äXhx xal xaraysXad' tcov Tonwv einen Teil seines 
x^flg xal So^ag ovre ßatfiXeveiv Heeres in den Bdgax/^ga, 
twTs aTQaTTjYeiv ä^iog tlvai, (Die schliessliche Eroberung 

Aegyptens verdankt Ochos 
seinen griechischen Feldherrn 
vgl. u.) 
Dass hier eine Schilderung der gleichen Ereignisse vorliegt, 
wird man wol kaum bezweifeln. Nun wissen wir, dass der 
»Philippos« des Isokrates in der ersten Hälfte des Jahres 346 
(April— Juni, Schaefer Demosthen. IP 255 f.) abgefasst ist, uns 
also den Stand des Krieges gerade für diesen Zeitpunkt giebt, 
das heisst mit anderen Worten: im Frühjahr 346 hat Ochos 
den ersten Vorstoss gegen Aegypten gewagt, ist aber, da er 
die richtige Zugangsstrasse verfehlte und infolgedessen einen Teil 
seiner Truppen in den Sümpfen verlor, auf seine Operations- 
basis Phoinikien zurückgegangen^). 

Für die Richtigkeit dieses Schlusses bringt ein aus Memphis 
stammender griechischer Papyrus^), der, wenn er auch eine 
Sage aus der Ptolemaeerzeit enthält, doch für die Chronologie 
wertvoll und glaubwürdig bleibt, eine wichtige Bestätigung. 
König Nektanebos hat in der Nacht vom 21. zum 22.Pharmuthi 
seines 16. Regierungsjahres einen Traimi, dass Onuris (»Ares«) 
sich über die Vernachlässigung seines Tempels zu Sebennytos 
beklagt, er erkundigt sich deshalb und verdingt die noch 
fehlenden Hieroglypheninschriften, an einen besonders kundigen 
Steinmetzen, der sich dafür anbietet. Doch kommt dieser des 



1) Bei Isokrates ist natürlich einige tendenziöse, rhetorische üeber- 
treibung abzuziehen: ausserdem hat er die ganze Stelle Phil. 101 ff. als 
Parallele zu Paneg. (IV) 161 ff. vgl. 140 gearbeitet. 

2) Leemans, papyri Graeci mus.Lugd. Batav. 1 1843 pap. US. 122 - 129. 
Sonstige Litteratur bei Wiedemann Aeg. Gesch. 717 Suppl. 77, 



174 Viertes Kapitel. 

Königs Befehl lässig nach. Neklanebos erscheint selbst am 
5. Athyr seines 17. Regierungsjahres in Sebennytos — , damit 
bricht der Papyrus ab. 

Also am 22. Pharmuthi seines 16. Jahres (Nab. 402) konnte 
man Nektanebos noch in Memphis weilen lassen, am 5. Athyr 
seines 17. (Nab. 403) ihn nach Sebennytos im unteren Delta 
versetzen. Rechnen wir diese Daten in julianische um, so 
erhalten wir nach der anfangs aufgestellten Königsreihe für 
das erste den 7. Juli 346, für das zweite den 21. Januar 345. 
Somit hat Ochos erst Anfang 345 den Angriff wiederholt; 
dieser hlhrte dann zum Ziele (vgl. u.). 

Das Resultat dieser ganzen Auseinandersetzung ist, dass 
alles, was Diodor (40—46, 3) vor Ochos' erstem Angriff auf 
Aegypten erzählt, in die Jahre 350—347 gehört: aus Diodor 
selbst konnte man schon entnehmen, dass für diese Ereignisse 
ein grösserer Zeitraum nötig war^). 

Nach der Niederlage seiner Satrapen, im Jahre 350 etwa (vgl. 
S. 171), scheint der Grosskönig immer noch nicht mit seinen 
Rüstungen ferlig gewesen zu sein (Diod. 44, 6 vgl. 46, 7): dann 
kam der Marsch mit den riesigen Heeresmassen von Rabylon 
nach Phoinikien, der auch geraume Zeit in Anspruch nahm 
(Diod. 43, 1 vgl. 42, 1). So werden wir uns das Eintreffen 
des Königs dort schwerlich früher, wahrscheinlich später als 
349 zu denken haben ^). Vorher gingen seine Boten nach 



1) Grote Gesch. Gr. VI" 320 A. 14 schloss aus der Zeit der Heraus- 
gabe von Isokrates' Philippos (V), dass Ochos' dritter Aegjpterzug sich 
in den Jahren 846 und 345 abgespielt habe; er kam dadurch der Wahr- 
heit ziemlich nahe, bemass aber die Zeit für den Zug zu kurz und gab 
Diodors Datierung vollkommen preis. 

2) Die wichtige Entdeckung, welche soeben Emest Babelon für die 
Datierung der sidonischen Eönigsmünzen gemacht hat, lässt sich leider 
noch nicht in vollem Umfange würdigen, da eine eingehende Veröffent- 
lichung darüber noch aussteht. Bisher bekannt ist nur die Mitteilung 
von einem in der Academie des Inscriptions et Beiles Lettres gehaltenen 
Vortrag (Revue arch. 1891 S. HO f.), in der Babelon die folgende Reihe 
aufstellt : 

1. unbekannter König; stirbt 874 

2. Straton I. 374—362 



Der FreiheitBkampf der Aegrpter. liO 

Griechenland, um Hülfe gegen die Aufständisch«! zu erbitten 
(Diod. 44, 1 vgl Isokr. PhiL (V) li5 f.). 

Die Phoiniker hatten sich trefflich gerüstet (Diod. 44« 5. 6)« 
aber jetzt, da die Gefahr unmittelbar bevorstand, überkam 
ihren Führer König Tennes Ton Sidon die Angst dass er der 
Persermacht doch nicht gewachsen sein werde. So sann er 
wenigstens sich selbst in Sicherheit zu bringen und liess Ochos 
noch auf dem Marsche den Verrat der eigenen Stadt und Bei- 
stand g^en Aegypten anbieten. Ochos ging darauf ein, und 
mit Hülfe des Führers der aegyptischen Söldner Mentor von 
Rhodos kam der Verrat zu Stande (Diod. 43. 45). Furchtbar 
war die Rache, die der König für seine ermordeten Beamten 
nahm: hundert der vornehmsten Bürger, die Tennes als 
Geiseln mit sich genommen hatte, als er sich in das persische 
Lager begab, und fünfhundert, die Ochos entgegen zogen, um 
Gnade für die Stadt zu erflehen, liess er niedermetzeln; der 
Rest der männlichen Bevölkerung zündete die Stadt an und 
verbrannte in den eigenen Häusern mit Weibern, Kindern, 
Schätzen, als die Perser einrückten: über 40000 Menschen 
gingen zu Grunde. Jetzt empfing auch Tennes als verdienten 
Lohn den Tod: Mentor trat in persische Dienste (Diod. 45 
Trog. prol. X). 

Dieser tragische Untergang der vordem so mächtigen Stadt 
muss einen tiefen Eindruck gemacht haben in der gesammten 
damaligen Welt ^). Ochos hatte seine Absicht »ein Exempel zu 
statuieren« erreicht, und das übrige Phoinikien fügte sich 



3. Tennes 862—350 

4. Interregnum 850. 349 

5. Euagoras IL, der vertriebene König von Salamis auf 

Kypros (vgl. S. 135). 349-346 

6. Straton IL 346—332 
Diese Reihe lässt sich nur mit einem gewissen Zwang in die vorher be- 
gründete Folge der Ereignisse einfügen, vielleicht ist aber Babelon bei 
seinen Ansätzen noch durch die bisher geltende Zeitfolge beeinflusst worden. 

2) Auch Eusebios bei Hieronymus z. 19. J. d. Ochos betrachtet ihn 
als die unmittelbare Vorstufe für die Eroberung Aegyptens. (Ueber die 
chronologische VerwiiTung vgl. S. 148 f.). 



176 Viertes Kapitel. 

rasch freiwillig seinen Befehlen^). Trotz dieses schnellen Er- 
folges hat Ochos noch einige Zeit in Phoinikien zugebracht, 
ehe er gegen Aegypten vorging. Vermutlich wollte er seine 
Rüstungen yeryollständigen, auch waren die Hülfstruppen aus 
Griechenland noch zu erwarten : nur Ai^os und Theben hatten 
solche gestellt, Athen und Sparta lediglich eine wohlwollende 
Neutralitat versprochen -). 

Anfang 346 endlich begann der Vormarsch gegen Ägypten, 
aber man vermochte nicht einzudringen: das Heer verfehlte 
die einzige schmale Zugangsstrasse am sirbonischen See, ein 
Teil versank in den Sümpfen, den Barathra, die hier den 
Elingang sperren, und Ochos musste umkehren"). 

Für die Zeit der Nilschwelle konnte kein neuer Angriff 
geplant werden, es ist deshalb nur natürlich, dass man ihn 
erst mit dem Anfang des Jahres 315 erneute. Diesmal gelang 



1) Diod. 45,6 vgl. Isokr. Phfl. (V) 102. Hierher, nicht in einen der 
froheren Züge des Ochos, gehören wol aach die Gewalttätigkeiten g^en 
die Juden , die Josephos Arch. XI 7, 1 von dem Feldherm des zweiten 
Artaxerxes Bagoses (Bagoas) erzahlt. Von Kämpfen, über die uns 
früher berichtet wird (S. 170% ist hier gar nicht die Elede, auch kennen 
wir nur in dieser Zeit Bagoas als Artaxerxes Feldherm (S. I77f.). Endlich 
heisst es am Sdiluss der JosephossteUe: ravir; ukr xQ^^H"^^^^ ^U ^<''<>^? 
BayoMnr^g Tovg *IovSaiovg eTfciy enra vnc^ tov ^Ir^cov TcXevt^^ fAer^Xd-ey. 
Die Verfolgung der Juden durch Bagoas konnte doch nur wirksam sein, 
wenn dieser sich in der Nahe aufhielt, und nun müssen wir w^en der 
Dauer von Ochos drittem Aegypterzuge annehmen, dass Bagoas vom 
Anfang der yiemger Jahre bis 340 in Phoinikien und Aegypten weilte. 
£r hat wahrend dieser Zeit • auch in Sidon Münzen geprägt , wie dies 
J. P. Sil die Entdeckung Babelons (vgl. S. 174 A. 2) weiterführend ent- 
deckt und mir freundlich mitgeteilt hat. Wir erhalten demnach eine 
neue Bestätigung for den Ansatz des Angriffes gegen Aegypten und der 
Yorhergehenden Ereignisse (vgl. o.'^ : Zwischen der Zerstörung Sidons um 
348 und dem Einmarsch nach Aegypten im Jahre 340 haben eben jene 
Streitigkeiten der Juden, in die Bagoas eingreift, stattgefunden. 

2) Diod, 44, 1. 46, 4 vgl. Isokr. Panath. (XII) 159 Phü. (V) 126 
Theop. b. Athen. VI 252 a— c, — Vielleicht ist bei dieser Gelegenheit 
Aischines* Bruder Aphobetos atheniseher Gesandter gewesen: Aesch. Ges. 
(U) 139 vgl. Schaefer Dem. 1« 198. 

3) Vgl. S. 172 f. Front II 5, 6. Ueber die Bcc^^ s. Diod. I 
30, 4—9 Strab. XVI 741. 760 XVll 803 Polyb. V 80, 2. 



Der Freiheitskampf der Äegypter. 177 

der Durchmarsch durch die Barathra. — Vor Pelusion teilte 
der König sein Heer in drei Kolonnen : ein Teil unter dem 
Thebaner Lakrates und dem Perser Rhosakes übernimmt die 
Belagerung von Pelusion, wo eben die thebanischen Söldner 
ein glückliches Gefecht geliefert hatten (Diod. 46, 7 — 9) ; ein 
anderer unter dem Argiver Nikostratos und dem Perser Arista- 
zanes sucht mit der Flotte eine Einfahrt zu erzwingen^ ein 
dritter endlich unter dem Rhodier Mentor und dem Vertrauten 
des Königs Bagoas bildet die eigentliche Angriffskolonne, welche 
auf der grossen Strasse nach Bubastis, der natürlichen Einfallsr 
pforte zum Delta, vordringen soll. Ochos selbst bleibt mit dem 
Rest der Truppen als Reserve (Diod. 47,1 — 4). Und nun reiht 
sich rasch ein Erfolg an den anderen, obwol Nektanebos die 
ganze Nillinie längs des pelusischen Arms mit Sperrforts, Ver- 
hauen und Gräben befestigt und zahlreiche Truppen um sich 
gesammelt hatte: persönlich stand er mit der Hauptmacht an 
dem gefährdetsten Einfallsthor Aegyptens, also wol an der 
Strasse nach Bubastis (Diod. 47 5-48, 3 vgl. 46, 7). 

Den ersten Sieg errang Nikostratos, der durch einheimische 
Führer die Einfahrt in einen Canal zum pelusischen Arm ge- 
funden und sich hinter der aegyptischen Verteidigungslinie am 
Ufer festgesetzt hatte: die in der Nähe stehende aegyptische 
Besatzung von 7000 Mann wurde nach heftigem Kampfe ver- 
nichtet. Die Folge dieses Sieges war, dass Nektanebos, als die 
Perser plötzlich in seinem Rücken auftauchten, den Kopf ver- 
lor, seine wichtige Stellung aufgab und nach Memphis, für 
dessen Eroberung er fürchtete, sich zurückzog, um sich dort zu 
verschanzen (Diod. 48, 6. 7 vgl. 48, 7). Weiter ergab sich 
wieder auf die Nachricht von des Königs Rückzug Pelusion, 
das erst trotz harter Bedrängniss mutig alle Stürme abge- 
schlagen hatte (Diod. 49) ; endlich konnten Bagoas und Mentor, 
die vorläufig noch gewartet hatten (Diod. 49, 4 — 6), jetzt un- 
hindert auf der Strasse gegen Bubastis vordringen. 

Das warnende Beispiel Sidons tat auch in Aegypten seine 
Wirkung. Mentor liess allen Städten das gleiche Schicksal an- 
drohen, die Widerstand leisteten; dagegen sollten alle, die frei- 

JUDEICH, Eleinasiatische Studien. 12 



178 Viertes Kapitel. 

willig die Thore öfirieten, Gnade finden. Durch diese Botschaft 
trug er den Zwiespalt unter die Verteidiger; die Aegypter 
wollten Ergebung, die griechischen Söldner Widerstand; offener 
Streit brach aus: die Söldner wendeten sich an Mentor, die 
Aegypter an Bagoas. Ein Intrigenspiel ging nun hin und her, 
in dem Mentor schliesslich Sieger blieb und dadurch Bagoas' 
Achtung und Freundschaft sich erzwang. Darauf ergab sich 
zunächst Bubastis und ihm folgten bald andere Städte des 
Deltas: Aegypten war so gut wie erobert (Diod. 49, 7—51, 1). 

Von diesen Ereignissen, die in den Anfang des Jahres 345 
gehören, bis zur vollständigen Eroberung im Laufe des Jahres 
vom Nov. 344 bis Nov. 343 (Nah. 405), verfliesst zwar noch einige 
Zeit, aber die Hauptarbeit war getan, und Mentor, der sich so 
vorzüglich bisher bewährt hatte, konnte an einer anderen Stelle 
bessere Dienste leisten: er erhielt den Befehl gegen die Auf- 
ständischen in Kleinasien i). 

Ochos war unterdessen herangerückt und übernahm Stadt 
für Stadt das aegyptische Land, hier Mauern niederreissend, 
dort Heiligtümer plündernd. Ernstlichen Widerstand scheint 
er nirgends mehr gefunden zu haben; als er gegen Memphis 
heranzog, wird Nektanebos sich zur Flucht nach Aethiopien 
entschlossen haben, wo er bis zu seinem Ende im Jahre 339 
protestierend seine Regierung weiterdatiert zu haben scheint 
(Diod. 51, 1 vgl. S. 149). 

Tatsächlich war mit der Eroberung von Memphis wenigstens 
das Delta vollständig in persischer Gewalt, sehr möglich ist 
es aber, dass Ochos, wie einst Kambyses, mit dem er hn Altertum 
gern verglichen wird, bis nach Oberaegypten zog, und dass erst 
von da ab die Eroberung von ganz Aegypten gerechnet wurde ^). 



1) Diod. XVI 52, 1. 2. Diese Darstellung ist nach dem, was wir von 
Mentors Tätigkeit in Kleinasien wissen (vgl. S. 219 f.), die einzig mögliche : 
sie verträgt sich auch vollkommen mit Diodors summarischem Bericht, der 
Mentors Ehren und Belohnungen erst in Anknüpfung an die Belohnungen 
der anderen griechischen Feldherm nach der Eroberung Aegyptens erzählt. 

2) Um die Eroberung Aegyptens durch Ochos und seine Gewalt- 
tätigkeiten haben sich in der Folgezeit verschiedene Sagen gesponnen, 



J 



Der Freiheitekampf der Aegypfer. 179 

Nachdem Ochos endlich seinen Siegeszug beschlossen hatte, 
liess er Pherendates als Satrapen für Aegypten zurück, lohnte 
die griechischen Söldner ab und begab sich selbst nach seiner 
Hauptstadt Babylon (Diod. 51, 2. 3). 

Die Freiheit, welche die Aegypter mehr als sechs Jahr- 
zehnte mit Glück behauptet hatten, ging ihnen, als die persische 
Königs- und Reichsgewalt wieder erstarkte, doch schliesslich 
verloren: von neuem mussten sie sich unter das persische 
Joch beugen. Freilich ist diese Perserherrschaft nicht von 
langer Dauer gewesen. Auch in diesem abgelegenen und ab- 
geschlossenen Gebiet wirkt der Alexanderzug neuschöpfend 
und neugestaltend: zwölf Jahre nach der Rückeroberung 
Aegyptens durch die Perser wird dort die makedonische Herr- 
schaft begründet. Und wieder ein Jahrzehnt weiter entsteht das 
Reich der Ptolemaeer, eine neue verheissungsvoUe Zukunft steigt 
für das uralte Culturland am Nil herauf. 



ähnlich wie um Kambyses' Aegypterzug. Wir finden sie ofb erwähnt. Chrono- 
logisch wichtig und eine Bestätigung der oben aufgestellten Zeitfolge sind 
die Erwähnungen in Isokrates' Panathenaikos (XII) 159 (Thebaner und 
Argiver an der Unterwerfung Aegyptens beteiligt), der Anfang 339 
herausgegeben ist (vgl. Blass Att. Ber. II 292 f., Schaefer Dem. III* 5 f. 
vgl. I ■ 484 A. 1) ; in dem >Brief Phüipps« (Dem. XII 6), der in das Jahr 
340 gehört (Schaefer a. 0. II' 50 ff.) und in dem »Brief des Speusippos« 
(epistologr. Gr. rec. Hercher 1873, ep. Socr. 30 a. E.), der nach dem 
Philippos des Isokrates (346), auf den er Rücksicht nimmt, und zwar 
nicht zu lange danach abgefasst ist. Andere Erwähnungen bei Diod. 
XVII 49, 2 vgl. 5, 3, XXXI 19, 3 Ael. var. bist. IV 8 VI 8. vgl. II 17 
de nat. an. X 28, Deinon b. Plut. Is. u. Os. 11. 31, Suid. u. xnxotg incaooQevcoy 
xaxd^ äni&eg, aaato Jos. g. Ap. II 11 Theop. b. (Long.) neqi vipovg 43, 3 f. 
vgl. Athen. II p. 67 f. Steph. Byz. u. Bovßnatog. Diese zuletzt genannten 
Fragmente des Theopomp sind nicht, wie dies Müller (FHG. 1) tut, in 
das XIII. und XIV. sondern wahrscheinlich in das XVII. Buch der Philippika 
zu setzen. Fabelhafte Ausschmückungen in einem Fragment des Euagoras 
von Lindos bei Moses von Chorene, bist. Armen. II 12 (vgl. Gutschmid 
Philol. XI 1856 S. 779 ff.) und bei Pseudo-Kallisthenes I 2. 3 Müller, üeber 
die Sage von Nektanebos' Flucht nach Makedonien vgl. Wiedemann, 
Gesch. Aeg. S. 300 ff. 



12 



ANHANG I. 
DIE REGIERÜNGSZEIT DES KÖNIGS AGESILAOS. 

üeber die Dauer der Regierung des Königs Agesilaos be- 
stehen im Wesentlichen zwei Meinungen; die eine, jetzt herr- 
schende schliesst sich an die spartanische Königsreihe bei 
Diodor an und bestimmt die Regierung auf die Jahre 397—361/60 
Winter (Sievers Gesch. Gr. 382 f., Hertzberg L. d. K. Ages. 
213. 246 flf. 372, Unger Chron. d. Man. 369 flf. u. A.), bzw. 
398-361 (Clinton F. H. II» App. 3 S. 263 flf.), die andere setzt 
dafür die Jahre 399 — 358 fest und stützt sich auf Plutarchs 
Agesilaos 40 (Ley, fata et cond. Aeg. s. imp. Pers. S. 38 f., 
Böckh Manetho 370 f. , Curtius Gr. Gesch. HI « 744 A. 34). 
Prüfen wir selbst, so ist zunächst sicher, dass Agis IL, Agesilaos' 
Vorgänger, im Frühjahr 426 regiert (Thuk. III 89 1), wahr- 
scheinlich, dass er 427 zur Regierung kommt ^). Nun berichtet 
Diodor (XII 35, 4) Agis' Thronbesteigung zum Jahre 435/34 Ol. 86, 2 
und giebt ihm 27 Jahre. Seine Zeitangabe ist unbedingt falsch, 
aber auch die Zahl der Regierungsjahre, denn nach gewöhn- 
licher Annahme stirbt Agis im Jahre 397 (vgl. o.), und selbst 
wenn wir die andere gelten lassen, dass er 399 gestorben sei, 
so stimmt Diodors Rechnung noch nicht; man müsste Agis' 
Tod bis zum Jahre 400 hinaufrücken. 

Von Agesilaos' Sohn und Nachfolger Archidamos be- 
hauptet Diodor (XVI 63, 2. 88, 4), er habe 23 Jahre regiert, 
und giebt das richtige Todesjahr 338/37 Ol. 110, 3 für Archi- 
damos an, er widerspricht sich aber selbst, da er im Jahre 
362/61 Ol. 104, 3 Agesilaos' Tod verzeichnet (XV 93, 6); 
Archidamos müsste demnach 24 Jahre geherrscht haben. Ganz 
gleichartig mit diesem Irrtum ist ein anderer. Artaxerxes' IL 



1) So Sievers 338 (nach Ley 38), vgl. Thuk. III 1. 26 (Diod. XII 52, !)• 



Die Regierungszeit des Königs Agesilaos. 181 

Ende wird wie das des Agesilaos unter dem Jahre 362/61 
erzählt und das Jahr noch fest bestimmt durch die Angabe, 
Artaxerxes habe 43 Jahre regiert (unter 405/404 Ol. 93, 4 
war XIII 108, 1 ganz richtig der Regierungsanfang gesetzt 
worden). Daran anschliessend heisst es, Artaxerxes Ochos 
habe 23 Jahre die Herrschaft gehabt, und doch starb Ochos 
wie Archidamos nach dem Königskanon 338/37. Somit liegt 
hier ganz derselbe Fehler von einem Jahre vor wie dort. Sollte 
man da bei dem äusserlichen Zusammenhang nicht auch an 
einen inneren glauben, d. h. annehmen, für beide sei derselbe 
Rechenfehler massgebend gewesen ? Es kommt hinzu, dass die 
Notiz über Ochos' Regierungszeit tatsächlich falsch ist, man 
kann also zu der anderen auch kein grosses Vertrauen haben. 

Endlich scheint auch bei der Angabe Diodors über Agis' 
III. Regierungszeit irgend ein Rechenfehler vorzuliegen, da er 
dieselbe zweimal (XVI 88, 4 XVII 63, 4) richtig auf 9 Jahre, 
einmal z. J. 346/45 (XVI 63, 2) falsch auf 15 Jahre berechnet. 

Im letzten Falle ist ja ein handschriftlicher Irrtum nicht 
ausgeschlossen, immerhin darf man aus dem vorher Gesagten 
wol entnehmen, dass Diodors spartanische Königsreihe für die 
vorliegende Zeit keineswegs so bindend und sicher ist, als man 
glauben könnte, es ist sogar recht wohl möglich, dass sie ein- 
fach auf eigener Kombination Diodors beruht (vgl. ünger 
Philol. XL 1881 S. 100 fif.) 

Ganz anders steht es mit der ausführlichen und bestimmten 
Angabe über Agesilaos bei Plutarch Ages. 40: 

.... 'd^'rj(rx€i ßmaag fihv oySorjxoiTa xal rätr^aga hrj^ 
ßccCiXevaaq dh irfi 27tdQTT]g ivl rdiv T€<T(faQaxovTa tiXsov, xai 
TovTcov vnkQ TQiaxo^Ta ndvTCov näyitSTog xal dwaTciraTog 
yevdfisvog xal ax^^ov oXrjg Tfjg ^EXXddog rjyefKov xal ßaCiXsvg 
rofiia-d'elg äxQi f^rjg iv AevxTQOig lidx'rjg» 

Hier liegt der Gedanke an eine Combination, die auf die 
Lebensjahre einerseits, auf die Regierungsjahre andererseits sich 
erstreckt haben müsste, doch recht fern, wir haben vielmehr, 
so scheint es, die einfache Wiedergabe von Plutarchs Quelle 
vor uns. Und diese Quelle steht in vollkommener Ueberein- 



182 



Viertes Kapitel. Anhang I. 



Stimmung mit den anderen Nachrichten von Agesilaos' Alter. 
Wir wissen, dass Agesilaos im Jahre 398 den Thron bestiegt), 

1) Die Zeitbestimmung des Thronwechsels in Sparta richtet eich nach 
der des ihm unmittelbar voraufgehenden Krieges zwischen Sparta und 
Elis (Xen. III 2, 21—31 Diod. XIV 17, 4—13./ 34, 1 Paus. III 8, 3—5). 
Ueber Dauer und Verlauf dieses Krieges herrscht unter den erhaltenen 
Berichten vollständige Uebereinstimmung , wie dies die nachstehende 
Zusammenstellung erweisen mag: 

Xenophon. Pausanias*). Diodor. 

F r ü h j ah r. Erster Ein- 1. K r i e gs j a h r. Um- 
kehr wegen eines Erd- 
bebens (3. 4). 



fall in Elis. Umkehr 
wegen eines Erdbebens 
(23. 24). 

Sommer {nsQuovxi rw 
iviavtiiS), Zweiter Ein- 
fall. Plünderung und 
Verwüstung (25-30). 

Winter. Fortsetzung 
der Plünderung (30). 

Frühjahr. Frieden 
(30. 31). 



2. Kriegsjahr. Plün- 
derung und Verwüstung 

(4. 5). 



Feldzug. Plünderung 
und Verwüstung (17, 
6—11). 

Winterquartiere 
(12). 

Frieden (34, 1). 



3. K r i e gs j a h r. Frieden 
(5). 

*) Anm. Pausanias' Bericht geht, wie dies Robert Hermes XXIII 
426 bereits mit Recht hervorgehoben hat, auf Xenophon zurück. 

Am ausführlichsten und massgebend ist Xenophons Bericht; die 
einzigen Abweichungen des Pausanias und Diodor bestehen darin» dass 
erster er je einen Feldzug mit je einem Kriegsjahr gleichgesetzt und dadurch 
drei Kriegsjahre herausgebracht hat, letzterer den ersten durch ein Erd- 
beben schon am Beginn unterbrochenen Einfall nicht erwähnt hat. Somit 
ergiebt sich, dass der elische Krieg gerade ein Jahr gedauert hat, von 
einem Frühjahr zum anderen, bzw. dreiviertel Jahr, da erst im Sommer 
der eigentliche Kampf beginnt. 

Auch für die Zeitbestimmung des Krieges muss Xenophon mass- 
gebend sein — so auch Unger Philol. XL 1881 S. 103 ff., der aber die 
Pauer des Feldzuges unrichtig berechnet — ; Diodor setzt den Krieg 
fälschlich in die Jahre 402 bis 400 Ol. 94, 3. 4, ohne dass wir hier dem 
Grunde seines Irrtums nachkommen können. Xenophon leitet seine Dar- 
stellung ein mit den Worten: xovt(jav de nQaxxo^ivaip eV x^ 'Äala vno 
JeqxvXidu^ Acixtda^ovtot xaxa xov avxoy ^Qoyoy, ndXcu oQyi^o^eyoi xoig 
'Ilkeloig xxX.^ danach gehörte der Krieg genau genommen in die Jahre 
Hochsommer 399 bis Frühsommer 397 (vgl. Kap. II S. 44 ff.). Weil aber 
der Krieg nur ein Jahr dauert (vgl. o.), so muss er schon Frühjahr 398 



Die Regierungszeit des Königs Agesilaos 183 

das 41. Jahr wäre also 358, und damals war er 84 Jahre alt 
(nach Plutareh). Andererseits kam er nach Aegypten im Jahre 
361 (vgl. S. 22) und zwar, wie Pseudoxenophon Ages. 2,27 
(iytyovti hrj äfxtfi zd 6ydor]xori:a) und Cornelius Nepos Ages. 8, 2 
{annarum LXXX) übereinstimmend berichten, als Achtziger ^). 
Mit den vier Jahren seiner Tätigkeit in Aegypten kommen wir 
also für seinen Tod gerade auf 84 Jahre. 

Agesilaos war danach Ende 442 oder Anfang 441 geboren. 
Bei dem Feldzug der Spartaner gegen Theben, nach Befreiung 
der Kadmeia, Anfang 378 konnte er sich mit vollem Rechte 



zu Ende gewesen sein: der Beginn des eigentlichen Kampfes in Elis im 
Hochsommer 399 giebt mit dem Beginn von Derkylidas' Feldzug zu der- 
selben Zeit einen durchaus gleichen Anfangspunkt. Die angeführten Ein- 
gangsworte Xenophons beziehen sich also nur in ihrem Anfangspunkt auf 
den elischen Krieg, im übrigen auf den ganzen folgenden Abschnitt 
griechischer Verhältnisse. Bekanntlich liebt es Xenophon die Darstellung 
auf einem Schauplatze bis zu einem bestimmten Punkte zu führen, 
dann eine Schilderung bis zu demselben Punkte auf einem anderen 
Schauplatze folgen zu lassen, um endlich genau an dem Zeitpunkte, mit 
dem er den ersten Schauplatz verlassen hat, wieder anzuknüpfen (ein 
charakteristisches Beispiel dafür auf S. 141) ; er tut dies auch hier. Mit 
II I 2, 20 sind die Ereignisse in Asien bis zum Frühsommer 397 hinab- 
geführt, III 2, 21 — 3, 11 werden die Verhältnisse in Sparta bis zu eben- 
dieser Zeit geschildert; III 4, 1 beginnt mit dem Sommer 397, in dem 
spartanische und asiatische Verhältnisse für eine Zeit unlösbar verbunden sind. 
Aus alledem geht hervor, dass im Frühjahr 398 — nach Pausanias 
a. 0. scheint, es sich sogar um das erste Frühjahr zu handeln, doch hat 
die Angabe keinen selbständigen Wert (vgl. o.) — der Krieg Spartas 
gegen Elis zu Ende war. Darauf ging König Agis nach Delphi und 
starb auf der Rückkehr, spätestens Frühsommer 398 (Xen. 3, 1). Mitte 
398 wird also König Agesilaos gewählt sein (Xen. III 3, 1—4 Plut. Ages. 
3. 4 Lys. 22 Paus. III 8, 7—10 Com. Nep. Ages. 1 lustin. 2, 4-6 vgl. 
Hertzberg Ages. 15 ff.). 

1) Die Angabe, welche Plutareh Ages. 36 in einer allgemeinen Aus- 
einandersetzung über die Berechtigung von Agesilaos' Söldnerschaft macht, 
Agesilaos sei vtibq oydorjxoyuc yeyovtog etri gewesen in diesem letzten 
aegyptischen Söldnerzuge, lajsst sich für einen bestimmten Zeitpunkt, 
etwa die Ankunft des Agesilaos in Aegypten, gar nicht verwerten, sie 
bezeichnet nur allgemein sein offenbar aus der anderen Notiz über Agesilaos' 
Lebenszeit erschlossenes Alter während der Kämpfe in Aegypten. 



184 Viertes Kapitel. Anhang T. 

entschuldigen, dass er vti^q TSTragclxovTa a^ fjßrji; sei, (Xen. 
Hell. V 4, 13), denn damals stand er im 64. Jahre: bei der 
Belagerung von Phlius Mitte 381 hätte er weniger Grund ge- 
habt, weil er das 60. Lebensjahr eben zurückgelegt hatte; bei 
dieser Gelegenheit hat er sich allerdings wahrscheinlich gar 
nicht von dem Feldzug freimachen wollen (Xen. Hell. V 3, 13). 
Der einzige scheinbar berechtigte Einwand, den man gegen 
Plutarchs in jeder Beziehung befriedigende Notiz erhoben hat 
(Clinton a. 0. Unger a. 0. 315) ist der, dass die an die Zahl der 
Regierungs- und Lebensjahre sich anschliessenden Worte xal 
TOVTCov vnhQ TQidxovTa nävTCov iiäyiaxog .... rjye/uiüov xal 
ßaailevq rofiiax^elg axQi ''^rjg er AevxTQoig ficcx^iQ einen chrono- 
logischen Irrtum enthielten. Man schliesst daraus, dass Plutarchs 
Gewährsmann Agesilaos' Regierung vom Jahre 401 spätestens 
gerechnet habe. Aber diese nebensächliche und erst auf Grund 
der anderen Angaben berechnete Notiz würde, selbst wenn sie 
unrichtig berechnet wäre, jene nicht notwendig als falsch er- 
weisen. Nim glaube ich aber, dass, wenn irgendwo, wir hier 
die Berechtigung zu einer Textverbesserung haben, auch wenn 
die Handschriften keinen Anhalt dafür geben; sie bietet sich 
fast von selbst. Die Schlacht bei Leuktra fällt in Agesilaos' 
29. Jahr, es vergehen also bis dahin fast 30 Jahre und diese 
Angabe erhalten wir, sobald wir für das vtvsq mit leichter 
Aenderung negC schreiben ^). 

Eine gewisse Bestätigung für den so begründeten Ansatz 
von Agesilaos' Tod und dem damit zusammenhängenden Ende 
des aegyptischen Bürgerkrieges bietet die Beobachtung, dass 
die Zeit vom Ausgang des Jahres 340 gerade 18 Jahre beträgt, 
die 18 Regierungsjahre, welche Böckh in seinem Kanon dem 
Nektanebos IL zuweist. Böckhs Vermuthung stützt sich ganz 
mit Recht auf die Notiz Manethos, dass Ochos in seinem 20. 



1) Nicht unmöglich ist es übrigens, dass diese Angabe irgendwie 
mit der Schätzung der lakedaimonischen Hegemonie seit dem Ende des 
peloponnesischen Krieges zusammenhängt, die man auf 29 oder gegen 
30 Jahre (404—376) berechnete (Dem. 3. Phü. (IX) 23. 25 vgl. Husolt 
Griech. Gesch. II 1888 S. 345 A.). 



Die Regierungszeit des Königs Agesilaos. 185 

Jahre (340/39, oder 339) die Regierung in Aegypten über- 
nommen habe : andererseits sind wir früher (S. 146 fif.) gleich- 
falls auf Grund manethonischer Angaben zu einer anderen 
Verteilung der 18 Regierungsjahre des Nektanebos gekommen. 
Es hat also offenbar zwei Datierungen für Nektanebos' Regie- 
rung gegeben, die beide Manelho in dem historischen Teil seines 
Werkes aufgeführt, von denen er aber nur die eine, und zwar 
die früher begründete, in seinen Kanon aufgenommen hat. Die 
eine rechnet von Tachos' Vertreibung (361) bis zur Eroberung 
Aegyptens (343), die andere von Nektanebos' Sieg über seine 
Gegner (Ende 358) bis zu seinem Tod (340/39), beide umfassten 
18 Jahre; es ist deshalb nur zu leicht erklärlich, wenn bei den 
Ausschreibern Manethos Verwechslungen und Vermischungen 
dieser beiden Regierungsreihen stattgefunden haben (vgl. S. 149 f.). 



ANHANG II. 

DIE ZEIT VON DEMOSTHENES' REDE (XV) ÜBER DIE FREIHEIT 

DER RHODIER. 

Die demosthenische Rede »über die Freiheit der Rhodier« 
ist von Dionysios von Halikarnassos (ad Amm. 1, 4 p. 726, 1) 
in das Jahr 351/50 Ol. 107, 2 gesetzt worden, und diese Be- 
stimmung hat auch in der Folge Geltung behalten; nament- 
lich ist Schaefer, Demosthenes u. s. Zeit F 481 besonders aus- 
führlich für sie eingetreten. Dennoch ergeben sich aus der 
Rede selbst mehrere Anhaltspunkte, die berechtigte Zweifel an 
der Richtigkeit des Ansatzes begründen. Wir erfahren aus 
dem Text der Rede: 

1) dass sie gehalten ist nicht lange nach Beendigung des 
Bundesgenossenkrieges 355/54 (§ 2), und nach Demosthenes' 
Rede von den Symmorien (XIV), die nach allgemeiner 
Annahme in das Jahr 354/53 (Schaefer a. 0. 470 f.) fällt 
(§6); 

2) dass sie gehalten ist nach dem Tode des Maussollos und 
vermutlich bald nach dem Regierungsantritt der Artemisia 

(§§ 11. 27); 

3) dass sie gehalten ist während einer Periode unglücklicher 
Kriegführung der Perser in Aegypten (§ 12). 

Unter diesen drei Anhaltspunkten ist der letzte bei weitem 
der wichtigste. Es fragt sich, von welchem Zug des Ochos 
gegen Aegypten hier die Rede ist. Schaefer a. 0. 482 f. meint 
von dem zweiten, der 351 fallen und von Diodor (XV 40 flf.) 
mit der schliesslichen Eroberung Aegyptens »im Jahre 345« 
zusammengeworfen worden sein soll (vgl. Böckh, Manetho S. 
125 f.). Ein bestimmter Grund für dieses Zusammenwerfen wird 
aber eigentlich nicht angeführt. Daraus, dass wir wissen, im Jahre 
345, oder später habe Aegyptens Unterwerfung stattgefunden, 
folgt doch noch nicht, dass, wenn Diodor diese zum Jahre 



Die Zeit von Demosthenes* Rede (XV) üb. d. Freiheit d. Rhodier. 187 

350/49 erzählt, er von einer früheren Heerfahrt, der zweiten 
des Ochos berichtet. 

Aus der Zeitbestimmung des Dionysios für Demosthenes 
Rede, die er doch erst prüfen und beweisen will, schliesst 
Schaefer (485) weiter, dass Diodor eine neue Verwirrung durch 
den Ansatz der Eroberung Aegyptens in Ol. 107, 3 350/49, statt 
Ol. 107, 2 351/50 angerichtet habe. Auch die karische Fürsten- 
reihe soll falsch datiert sein (S. 486 f. vgl. III ^ 440) : Idrieus soll 
erst 349 zur Regierung kommen. Damit entzieht sich aber 
Schaefer selbst den Boden und muss einen dritten Irrtum Diodors 
annehmen, denn wenn Idrieus erst 349 zur Regierung kam, so 
konnte er nicht schon vor dem Feldzuge gegen Aegypten (i. J. 
351/50 nach Schaefer) gegen Kypros Truppen schicken (vgl. 
S. 172). 

Diese verwickelte Verwirrung bei Diodor anzunehmen, 
nur um das Zeugniss eines gut unterrichteten, aber auch nicht 
unfehlbaren Rhetors zu retten, ist doch von vornherein nicht 
empfehlenswert. Diodor irrt öfter, aber gewöhnlich so harm- 
los, dass man seinen Irrtum leicht durchschauen kann (vgl. 
S. 64 A.). 

Die durch die vorausgehenden Untersuchungen (S. 164 ff.) 
gewonnenen Resultate führen vielmehr zu einer anderen Ansicht. 

Ochos ist das erste Mal im Jahre 361 als Prinz gegen 
Aegypten gezogen, ohne dass er schliesslich mit den Aegyptern 
selbst in Kampf kam (vgl. S. 166 ff.), Ochos hat persönlich, wie 
auch Schaefer (483) zugiebt, Aegypten erobert (i. J. 343): so 
kann, da wir nur von drei Feldzügen des Ochos wissen (Schaefer 
482), der zweite Feldzug allein der von Ochos' Feldherm ge- 
führte sein, dessen Verwechslung mit dem dritten eben aus 
diesem Grunde nicht möglich ist. Diodor XVI 40 — 51 berichtet 
deshalb mit kurzer Erwähnung des zweiten Zuges (40, 3. 4 ^). 



1) Mit der Angabe von mehreren Kämpfen persischer Feldherm 
gegen Aegypten {noXXdxis) hat Diodor offenbar die gesammten früheren 
Kämpfe seit der Befreiung Aegyptens im Auge, sonst ist stets nur von 
einem abgeschlagenen Angriff die Rede und das mit Recht, denn Ochos* 
erster Zug führte wie gesagt zu keinem Kampfe. 



188 Viertee Kapitel. Anhang TL 

44. 1. 48, 1. 2) an dieser Stelle sicher von dem letzten, der zur 
Bezwingung Aegyptens führt. Sein Fehler besteht lediglich 
darin, dass er die Ereignisse in sein chronologisches Schema 
presst (vgl. S. 64). Auch das Jahr des Anfangs der letzten 
phoinikisch-aegyptischen Erhebung ist richtig (vgl. S. 171 A. 1), 
und somit haben wir die Frage, ob auf Ochos' letzen Aegypterzug 
Demosthenes' Angabe XV 12 sich beziehen kann, zu verneinen. 

Die Vermutung, dass Demosthenes' Worte auf die Verluste 
des Königs in den »Barathra« (Diod. 46, 5 vgl. Böckh Manetho 
126) zu deuten seien, wird schon durch Diodors Chronologie, 
der diesen Zug immer noch zu früh (vgl. S. 172 fif.) in das 
Jahr 350/49 setzt, ausgeschlossen. Andere Gründe kommen 
hinzu. Vor allem widerspricht der karische Fürstenkanon, 
der durchaus glaubwürdig und an dem ohne Not nicht zu rütteln 
ist (vgl. Kap. VI 1). Artemisia, die in der Rede noch als lebend 
erwähnt wird, stirbt 351 und ganz, mit Diodors Kriegserzahlung 
übereinstinmiend, vor dem Ausbruch des Aufstandes in Kypros, 
also vor der Einnahme von Sidon (Diod. XVI 42, 6. 45, 7. 43, 1). 

Nach alledem kann wie gesagt, wenn wir nicht ganz will- 
kürlich verfahren wollen, an die Verknüpfung der in der Rede 
§ 12 erwähnten Niederlage Persiens in Aegypten mit der bei 
Diodor XVI 40 flf. erzählten dritten Heerfahrt des Ochos nicht 
gedacht werden. Auch Schaefer vermutete ja den zweiten 
Zug, nur dass er diesen zeitlich falsch ansetzte: und der zweite 
Zug, »der Krieg der Feldherrn«, der unglücklich verlief (vgl. 
S. 170), ist tatsächlich gemeint. 

Die Erwähnung von Artemisias Regierung, die wie es 
scheint eben begonnen hat (Schaefer 485 A. 3), giebt ims dafür 
die genaueste Datierung. Artemisia kommt in der zweiten Hälfte 
353 auf den Thron (Kap. VI 1), also wird damals die Rede 
gehalten sein und Anfang 353 etwa der aegyptische Krieg 
begonnen haben. Er ist die unmittelbare Verwirklichung 
der drohenden Kriegsgefahr, der Demosthenes seine Rede von 
den Symmorien widmet. Die Rede lässt erraten, dass der 
Angriff nahe bevorsteht und die Rüstungen des Perserkönigs 
zu Ende sind (Dem. XIV 7. 25. 27 Hypoth. d. Liban. vgl. Diod 



Die Zeit von üemosthenes' Rede (XV) üb. d. Freiheit d. Rhodier. 189 

XVI 40, 3). Aegypten und den aufständischen Satrapen gilt 
er, wie Demosthenes (§31) selbst zu vermuten scheint. Die 
kriegslustige, perserfresserische Partei, gegen die Demosthenes 
in der Rede von den Symmorien eifert, erhebt auch zur 
Zeit der Rede über die Freiheit der Rhodier ihr Haupt (vgl. 
S. 217 u. Kap. VII 3). Da Ochos gegen Griechenland nicht Ernst 
machte, wollte man wenigstens die bedrohten Aegypter unter- 
stützen (Dem. XV 5), und hat sie auch unterstützt, während 
man bei Ochos drittem Zuge strenge Neutralität beobachtete 
(vgl. S. 176): Diophantos von Athen und Laraios von Sparta^) 
hatte Nektanebos seinen Sieg über des Grosskönigs Feldherrn 
vor allen verdankt (Diod. XVI 48, 1. 2 vgl. 44, 1). 

Kurz, der enge innere Zusammenhang der beiden Reden 
des Demosthenes, den man längst erkannt hat (Schaefer 471 
Weil, harangues de Dem. S. 51), ist auch ein äusserlicher, zeit- 
licher, den die unmittelbare Folge der Reden in der demosthe- 
nischen Sammlung (XIV. XV) nur bestätigen kann. 

Auch dem Einwand, den man vielleicht machen könnte, 
dass bei Demosthenes (XV 11 f.) von einer persönlichen Teil- 
nahme des Königs an dem Kriege die Rede sei, lässt sich 
begegnen. Ganz abgesehen davon, dass es sich an der be- 
treffenden Stelle um Gerüchte und eine tendenziöse Auslegung 
von Artemisias Verhalten in dieser Zeit handelt, ist der Aufent- 
halt des Königs in der Nähe der Artemisia damals nicht nur 
möghch, sondern durch Ochos' Feldzug gegen Orontes sogar 
wahrscheinlich (vgl. S. 218). 



1) Gutschmid Philol. XI (1856) S. 149 setzt in Ochos' zweiten 
A egjpterkrieg die Taten des Spartaners Gastron (Polyain. II 16 Front, 
strat. II 3, 13), der nach Agesilaos das Kommando übernommen haben 
soll. Wiedemann Gesch. Aeg. 294 f. hat sich ihm angeschlossen. Eine 
gewisse Wahrscheinlichkeit ist dafür sicher zuzugeben, Sicherheit zu er- 
halten unmöglich. 



FÜNFTES KAPITEL. 
DIE SÄTRAPENAUFSTÄNDE. 

1. DIE YOBLAUFEB DES GROSSEN AUFSTANDES. 

Der Zug des jüngeren Kyros, der berühmte Rückzug seiner 
zehntausend Griechen stellt schon ein Vorbild, eine Vordeutung 
des Alexanderzuges dar : die Schwäche und Vermorschung des 
grossen persischen Reiches war auf einmal vor aller Augen 
offenbar geworden, und es hat seitdem wie von aussen so von 
innen nicht an Bewegungen und Unternehmimgen gefehlt, um 
diesen Zustand auszubeuten. Für den mächtigsten und be- 
deutendsten unter den Empörern bildet geradezu die ausser- 
ordentliche Stellung des jüngeren Kyros, welche diesem seine 
selbständige imd eigenmächtige Politik ermöglicht hatte, das 
nächste Ziel imd Herrschaftsideal (vgl. d. Anhg.). 

Der erste dieser Aufstandsversuche fällt, wenn wir absehen 
von kleineren Erhebungen (S. 71 A. 1) imd von Euagoras' 
Empörung, die doch nicht eigentlich ein Satrapenaufstand ge- 
nannt werden kann, in das Ende des Kampfes gegen Euagoras. 

Ln Jahre 384, nachdem Tiribazos durch Orontes' Umtriebe 
vom Kommando entfernt war (vgl. S. 128 flf.), hielt sich sein 
Schwiegersohn Glos, der Befehlshaber der persischen Flotte vor 
Kypros, auch nicht mehr für sicher und entschloss sich mit 
seiner gesammten Macht zum Abfall. Bei Akoris von Aegypten 
und bei Sparta fand er für sein Unternehmen bereitwillige Unter- 
stützung (Diod. XV 9, 3. 4), aber sein Plan kam nicht zur 
Ausführung, denn Glos fiel durch Mörderhand etwa im Jahre 
383 (Diod. XV 18, 1 u. J. 383/82 Ol. 99,2). Nach ihm über- 
nahm den Befehl Tachos, der sich an der ionischen Küste in 
der von ihm neu gegründeten Stadt Leukai ^) festsetzte (Diod. 



1) Ueber die Lage vgl. Ps. Skyl. 81. Strab. XIV 646 Plin. n. li. V 
119 Pomp. Mela I 89 S. 25 Parthej. 



Die Satrapenaufstände. 191 

18, 2), doch auch ihn verliess das Glück bald, er starb nach 
kurzer Zeit, vermutlich noch 382^), in Kämpfen, die er mit den 
persischen Reichstruppen um den Besitz von Leukai führen 
musste ; seine Stadt wurde nach längeren Streitigkeiten zwischen 
Kyme und Klazomenai von den Klazomeniem besetzt (Diod. 
18, 2-4). 

Es ist eine hübsche und durchaus glaubwürdige Vermutung 
von Rehdantz vitae 77 flf., dass auf die Kämpfe zwischen Tachos 
und den Persern, von denen wir sonst nichts wissen, die aber 
als wahrscheinlich sich voraussetzen lassen, eine Stelle (2, 1) 
in Cornelius Nepos' Leben des Datames zu beziehen sei. Datames, 
der später mit Ariobarzanes die Seele des grossen Aufstandes 
gegen Artaxerxes bildet (vgl. u.), hatte sich zuerst im Kriege 
gegen die Kadusier (um 384 vgl. S. 129) ausgezeichnet und, da 
in diesen Kämpfen sein Vater Kamisares gefallen war, danach 
die väterliche Provinz im südlichen Kappadokien überkommen 
(Com. Nep. Dat. 1, 2 vgl. Diod. XV 91, 2 Strab. XVI 534 
Waddington, Rev. numism. 1860 S. 441 Ed. Meyer, Gesch. d. 
Königr. Pontos 1879 S. 26 flf.). Daran anschliessend erzählt 
Cornelius Nepos : pari se virtute postea praebuü (Datames), cmn 
Auiophrudates iussu regis iello persequeretur eos qui defecerant 
etc. Dann folgt die Schilderung von der Gefangennahme des 
Paphlagonierkönigs Thuys, die wahrscheinlich in den Beginn 
der siebziger Jahre fällt (vgl. S. 192) : wir kommen deshalb für 
den Kampf gegen die Aufständischen gerade in den Ausgang 
der achtziger Jahre. Ausserdem war Autophradates, der seit 
390 spätestens die lydische Satrapie inne hatte (vgl. S, 119 A. 1), 
zu einem Angriff auf Leukai am ersten berufen. 

Auch weiterhin bewährte sich Datames als treuen Diener 
des Grosskönigs ^). Zunächst wird er gegen den widerspenstigen 



1) Dieser Zeitpunkt ergiebt sich mit einiger Bestimmtheit daraus, 
dass im Jahre 381 Sparta, das nach Tachos' Tod seine asiatische Politik 
wieder aufgegeben hat (Diod. XV 19, 1), in den besten Beziehungen zu 
Tiribazos und damit zu Persien sich befindet (vgl. S. 131). 

2) Vielleicht ist ihm als Belohnung ftir seine Dienste damals die 
ganze Satrapie Kappadokien übergeben worden, als deren Statthalter wir 



192 Fünftes Kapitel. 

Paphlagonerkönig Thuys geschickt, den er in kurzer Zeit be- 
siegte und selbst gefangen zu Artaxerxes brachte (Com. Nep. 
Dat. 2, 2—3. 4 Theop. b. Athen. IV 144 f. vgl. X 415 d. Ael. 
var. bist. I 27) ; dann ging er zu dem Heere ab , das sich in 
Phoinikien unter Pharnabazos' Oberbefehl zu einem Kriege 
gegen die Aeg}'pter sammelte ^). Als später Pharnabazos 
abberufen wurde, übernahm um 375 Datames die Führung, er- 
hielt aber ausserdem den Befehl, den Fürsten Aspis von 
Kataonien, der seiner Provinz benachbart war und sich gleich- 
falls empört hatte, zum Gehorsam zu bringen. Datames ent- 
ledigte sich rasch zur grössten Zufriedenheit seines Herrn des 
Auftrages und kehrte zum Heere zurück (Corn. Nep. Dat. 4. 
5, 1. 2), auch jetzt nur für kurze Zeit. Denn bald verliess er 
es ohne Abberufung auf immer, angeblich weil ihn ein Freund 
vor den Umtrieben seiner Gegner am Hofe (Pharnabazos' ?) gewarnt 
hatte, für den Fall, dass der aegyptische Feldzug irgendwie 
unglücklich abliefe (vgl. S. 162). Damals soll er sich schon mit 
Aufstandsgedanken getragen haben (Corn. Nep. Dat. 5, 3—5). 
Allerdings begann Datames nun von seiner Provinz Kappadokien 
aus eigenmächtig Politik zu treiben: er besetzte Paphlagonien 



ihn später antreffen (Diod. XV 91, 2) und deren Besitz sein Vorgehen gegen 
'Ihuys von Paphlagonien allein verständlich macht, vgl. Nöldeke Gott, 
gel. Anz. 1884 S. 293. Bestätigend tritt hier die Angabe Strabons XJI 
3:S4 ein, dass die Makedonen von den Persem Kappadokien in zwei Pro- 
vinzen Knnna^oxLct und lUvzog geteilt übernommen hätten. Diese Tat- 
sache kann sehr wohl bestehen bleiben, auch wenn die Notiz Strabons darin 
anfechtbar ist, dass er schon von einem Königreiche Pontos in dieser Zeit zu 
reden scheint (vgl. Ed. Meyer , Gesch. d. Königr. Pontos S. 31 ff. P. 
Krumbholz, de discriptione regni Achaemenidarum JProgr. Eisenach 1891 
S. 17). 

1) Corn. Nep. Dat. f>, 5. Diese letzte Tätigkeit lässt sich datieren ; 
sie gehört in die erste Hälfte der siebziger Jahre (S. 160 ff.) und damit bleibt 
für Thuys' Unterwerfung nur der Anfang der siebziger Jahre. Die anekdoten- 
hafte Erzählung bei Cornelius Nepos a. 0. lässt leider keinen bestimmten 
Pchluas auf Pharnabazos' Anwesenheit am Hofe, aus der man Weiteres folgern 
könnte, zu. — üebrigens scheint Datames Paphlagonien, das während 
Agesilaos' Feldzügen noch selbständig ist (vgl. ^.70), zuerst wieder unter- 
worfen zu haben. 



Die Satrapenaufstände. 193 

und machte sich an die Belagerung von Sinope^), doch hat 
Datames eine offene Empörung jetzt noch nicht gewagt: er fügte 
sich den Befehlen, die vom Grosskönig kamen und stand vor- 
läufig von seinem Angriff auf Sinope ab (Polyain. VII 21, 5). 

2. DER GROSSE AUFSTAND UM 368 BIS UM 368. 

Die einzige Quellenstelle, welche uns für die Entwickelung und 
Chronologie der weit verzweigten Empörung, die man gewöhn- 
lich als den Satrapenaufstand schlechthin zu bezeichnen pflegt, 
einen gewissen Anhalt giebt, ist ein Satz aus dem Prologus zum 
X. Buche des Trogus (Rühl): ut Artaxcrxes Mnemon pacificatus 
cum Euagora rege Cyprio bellum Aegyptium in urbe Ace compararity 
ipse in Cadusis victus, defectores in Asiapurpuratos suos persecutus 
primum Dotamen praefedum [Paphlagoniae^ : Faphlagonon origo 
repetita: deinde praefectum Hellesponti Ariobarzanen y deinde 
in Syria praefectum Armeniae Oronten, omnibusque victis 
decesserit filio successore Ocho. 

Aus diesen Worten ergiebt sich zunächst, dass der ganze 
Aufstand vor dem Tode des Artaxerxes Mnemon, also vor dem 
Jahre 358 bezw. 357 ^) niedergeworfen gewesen sein muss und 
dass, wenn wir unter Ochos Herrschaft Spuren aufständischer 
Bewegungen finden, diese einer neuen Verbindung aufständischer 
Elemente angehören, wenn auch ein innerer Zusammenhang 
mit der grossen Empörung wahrscheinlich ist. Weiter erfahren 
wir, dass Datames der erste gewesen ist, gegen den der Gross- 
könig kämpft, also wol auch der erste, der sich empört hat. 



1) Corn. Nep. Dat. 5, 6 vgl. Polyain. VII 21, 2. Die erste Belagerung 
von Sinope kann nur in diese Zeit (Ausgang der 70er Jahre) fallen, dass 
eine andere Belagerung oder wenigstens eine Erneuerung des Angriffs gefolgt 
sein muss, beweist die schliessliche Eroberung (vgl. S. 194 A. 2). Ob ilie bei 
Aeneas dem Taktiker 40 erzählte Geschichte von der Not der belagerten 
Staxlt und der Kriegslist die Weiber in Männerkleider zu stecken in 
diese oder in eine spätere Zeit gehört, lässt sich nicht entscheiden. 

2) Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei Tro^^us' An- 
gabe um den öffentlich erklärten Tod Artaxerxes IL im Jahre 357 und 
nicht um den tatsächlich zehn Monate früher, also im Jahre 358 erfolgten 
Tod (Polyain. VII 17 vgl. S. 230f.). 

JUDEICH, Kleinasiatische Ötudien. 13 



194 Pünftea Kapitel. 

Und hier schliesst, was vorher über Datames' Vorleben erzahlt 
ist, unmittelbar an: seme offene Empörung muss ganz an das 
Ende der siebziger Jahre oder wahrscheinlicher erst an den 
Anfang der sechziger Jahre fallen, denn sein Freund und 
Bundesgenosse Ariobarzanes (Com. Nep. Dat. 5, 6), den Arta- 
xerxes nach Datames mit aller Macht bekämpft, erhebt sich 
in der zweiten Hälfte des Jahres 367 (vgl. S. 200 A. 1). 

Ueber den Krieg zwischen Datames und dem Grosskönig 
sind einige lose Notizen erhalten, aus denen wir nur entnehmen 
können, dass sich Datames eine Zeit lang in der Verteidigung 
befand, dann aber zum Angriff übergegangen ist. 

Den Verteidigungskri^ führte er gegen Autophradates von 
Lydien (vgl. S. 195), und da dieser seit dem Jahre 367 mit 
Ariobarzanes beschäftigt war (vgl. S. 197), gehört diese Periode 
wahrscheinlich an den Anfang von Datames' Erhebung, wo 
auch Cornelius Nepos (Dat. 7. 8) der einzige, der im Zusammen- 
hang von Datames' Taten erzählt, die Kämpfe berichtet. Sysinas, 
Datames' ältester Sohn, soll selbst den Grosskönig von den 
Plänen seines Vaters in Kenntniss gesetzt haben (Corn. Nep. 
7, 1), und vielleicht ist dadurch Datames früher als er wollte, 
ehe er und sein ßimdesgenosse Ariobarzanes fertig war, zum 
Losschlagen gezwungen worden ^), Vorher fallen Datames aus- 
gedehnte Rüstungen und die Sicherung des eigenen Landes: 
damals muss auch die Besetzung von Sinope, Amisos mid 
anderen Städten erfolgt sein=^). 



1) Wenigstens ist er bei dem Angriff des Autophradates noch keines- 
wecs fertig (Com. Nep. 7, 3). 

2) Corn. Nep. 5, 6 (urbes munitas suis tuendas iradit). Auch Polyainos 
VII 21, 1 (vgl. Ps. Arist. Oecon. II p. 1350 b, wo der Perser Didales 
heisst), ist wol hierher zu ziehen: Datames rüstet und sucht mit allen 
Mitteln die Söldner, die er hat, an sich zu fesseln. Den Marsch nach Amisos 
(Polyain.) lässt er die Leute wahrscheinlich nur machen, weil er dort nicht 
allein auf sie angewiesen und möglichst weit von Feindesland entfernt ist. 
Ausserdem liegt es sehr nahe, die Erwähnung des Winters, während dessen die 
Truppen sich hinhalten lassen, bei Polyainos mit der Nennung des Winters, 
während dessen die Rüstungen nur langsam vorwärts gehen, bei Cor- 
nelius Nepos 6, 1 in Verbindung zu bringen. Amines, wo Datames Münzen 



nie Satrapenaufstände. 195 

Autophradates fiel von Süden her durch die kilikischen Pässe 
in Kappadokien ein und brachte zunächst Datames in arge 
Bedrängniss (Gorn.Nep. 7,2—8, 3; Polyain. VII 21, 6), Datames' 
Anhänger wankten, und sein eigener Schwiegervater Mithro- 
barzanes, der Führer der Reiterei, entschloss sich zum Gross- 
könig überzugehen. Um diesem Schlag zuvorzukommen, scheint 
Datames dann zu einem raschen, verzweifelten Angriff gedrängt 
worden zu sein, und er gelang wider Erwarten. Die Ueberläufer 
fanden mit ihrem Führer fast alle den Tod: Datames und die 
Königlichen, denen das Ueberlaufen und Datames' gleichzeitiger 
Angriff als ein abgekartetes Spiel erschien, hieben auf sie ein: 
die KönigUchen selbst wurden mit hartem Verlust geschlagen *). 



schlagen will (Polyain a. 0.) und Sinope, wo er Münzen geschlagen hat 
(Waddington, Rev. numism. 1861 S. 1 f. J. P. Six, Numism. Chron. 1885 
S. 24 ff. Head Hist. nuiii. S. 434), müssen demnach in seiner Gewalt gewesen 
sein. Amisos war auch früher schon einmal in den Händen der kappa- 
dokischen Fürsten gewesen, vgl. Strabon XII 547 : g)rjal cf' «vtriu (Amisos) 
®s67iofMnog nQMZovg MiXrialovg xxLaai .... Kannaddxayy a^^oyza, tqLvov 
<f ' vn jfL&riyoxksovg xat ^A&rjyaitöy inoixiad-elaay üeigaccc ^etovo^aa^rlvai. 

üeber das Münzrecht der Satrapen vgl. Brandis, Münzwesen von 
Vorderasien 1866 S. 236 ff. J. P. Six, Numism. Chron. 1877 S. 88. 1884 
S. 97 ff 

1) Com. Nep. Dat. 8,4. Dass die oft in verschiedenen Versionen 
wiederkehrende Erzählung, wie Datames geschickt dem Verrat seines 
Schwiegervaters Mithrobarzanes begegnete (Corn. Nep. Dat. 6 Diod. XV 
91,2—7 Polyain. VIT 21,7 Front, stniteg. II 7,9), in diesen Zusammen- 
hang gehört, lässt sich sehr wahrscheinlich machen. Zunächst stammt 
der Bericht bei Cornelius Nepos und Diodor aus derselben Quelle 
(Ephoros?), wie die im Einzelnen übereinstimmenden Züge beweisen, 
vielleicht geht auf dieselbe auch Polyainos zurück: dann muss aber 
auch die Erzählung von Autophradates' Einmarsch in Kappadokien 
und seinen Kämpfen dort (Corn. Nep. 7. 8 Diod. a. 0.) aus derselben 
Quelle geflossen sein, denn in diesen Stand der Ereignisse führt uns 
Diodor mit dem Verrat des Mithrobarzanes ein, nur dass er fälschlich 
Artabazos statt Autophradates nennt. Er beging diesen Irrtum wahr- 
scheinlich einerseits, weil er eben vorher Autophradates als Theilnehmer 
am grossen Aufstande genannt hatte und ihn nun hier als Feldherrn des 
Grosskönigs nennen sollte, andererseits weil vielleicht wirklich Kämpfe 
zwischen Artabazos und Datames stattgefunden haben (vgl. S. 204) Bei 
Diodor rächt sich eben die Methode alle Ereignisse in ein chronologisches 

13* 



196 Fünftes Kapitel. 

Nach der Schlacht scheint sich Datames wieder auf einen 
Verteidigungskrieg in dem dazu besonders geeigneten Berglande 
des südlichen Eappadokien beschränkt und dadurch Autophra- 
dates ermüdet zu haben, bis dieser schliesslich in Unterhand- 
lungen sich einliess und sich mit dem Versprechen des Datames, 
dass er mit dem Grosskönig seinen Frieden machen wolle, be- 
gnügte (Corn. Nep. Dat. 8, 4 — 6). 

Zu diesem faulen Frieden mag Autophradates nicht nur 
die Langwierigkeit und der Misserfolg seines Kampfes mit 
Datames veranlasst haben, sondern noch etwas anderes, eine 
neue Gefahr, die sich plötzlich in unmittelbarer Nähe seiner 
eigenen Provinz zeigte: der Aufstand des Satrapen im helle- 
spontischen Phrygien Ariobarzanes ; nach Phrygien rückte 
Autophradates von Kappadokien aus ab ^). 



System zu pressen und so zeitlich weit von einander abliegende scheinbar 
ganz nahe zu rucken. Aber auch Cornelius Nepos hat, wir wissen nicht 
aus welchem Grunde, einen Fehler begangen dadurch, dass er den Verrat 
des Mithrobarzanes in Kämpfe zwischen Datames und die Pisider setzte, 
wo derselbe schon an sich nicht recht verständlich ist. — Die so gewon- 
nene Vermutung über den wirklichen Zusammenhang, in dem der Verrat 
erfolgte, bestätigt Frontin, der einen anderen Gewährsmann vor sich 
gehabt zu haben scheint, wenn auch seine Darstellung auf dasselbe Er- 
eigniss sich beziehen muss, und der mit dürren Worten sagt, der Verrat 
gehöre in die Käuipfe des Datames mit Autophradates. Unter diesen 
Umständen ist es aber wieder nur natürlich den Verrat mit der einzigen 
Schlacht, bei der Datames aus der Defensive herausgetreten ist, bei der 
angeblich viele Tausende gefallen sind und die seinen Ruhm begründet 
hat, in Verbindung zu bringen. 

Ob die ganz ähnliche Geschichte, die Polyainos VII 28, 2 von einem 
gewissen Arsauies (dem späteren Satrapen von Kilikien? Krumbholz, de 
As. min. satr. 77 f. discr. regni Achaem. 7) erzählt {/iQGdfxris dnoatcts 
ß.caiXacog ^^vyUcg zr^g fi€ydXf]s x^attoy xrA.), nicht auch hierhergehört, 
d. h. für ''A(}aufxrig einfach Jatu^rig einzusetzen ist, lasst sich mit voll- 
ständiger bicherheit nicht entscheiden, ist aber recht glaublich (vgl. 
Wachsmuth Rh. Mus. XXXIV 186). 

1) Corn. Nep. Dat. 8, 6. Ob Cornelius Nepos' Angabe heissen soll, 
dass Autophradates direkt nach dem hellespontischen Phrygien marschierte, 
oder dass er durch das innere (Gross-) Phrygien seine Provinz (Lydien) nur 
erreichen wollte, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls muss die Richtung 
des Abmarsches nach dem Anmarsch von Süden her auffallen; sie ist eben 



Die Satrapenaufstände. 197 

Auch Ariobarzanes' Empörung war langer Hand vorbereitet. 
Nachdem er sich wahrscheinlich schon mit Datames im Ge- 
heimen verständigt hatte, sandte er im Frühjahr 368 (vielleicht 
auch schon im Winter) seinen Vertrauten Philiskos von Abydos 
nach Griechenland unter dem Vorwand, dass Artaxerxes die 
Hellenen zu einem allgemeinen Frieden auffordern lasse. Der 
Friedenskongress von Delphi kam zu keiner Entscheidung, aber 
seinen Hauptzweck, Söldner zu werben und mit einzelnen Staaten, 
namentlich mit Sparta und Athen Beziehungen anzuknüpfen, er- 
reichte Philiskos vollständig ^). Ende des Sommers schiffte er sich 
wieder nach Asien ein; vielleicht begleitet von dem Spartaner 
Euthykles, den wir wenig später beim Grosskönig finden^). 

Welchen Auftrag Euthykles hatte, wissen wir nicht; viel- 
leicht sollte er einen letzten Versuch machen, die Anerkennung 
der eben mit Thebens Hülfe begründeten Unabhängigkeit 
Messeniens zu hintertreiben. Jedenfalls fürchtete man in 
Griechenland, dass er Artaxerxes ganz auf Spartas Seite hin- 



nur dadurch zu begreifen, dass das Heer im Westen nötig war, und 
weshalb es dort nötig war, erklärt die unmittelbare Aufeinanderfolge 
der Ereignisse: wir müssen Autophradates Anfang der sechziger Jahre im 
Kampf mit Datames voraussetzen und finden ihn 367 oder 366 im Kampf 
mit Ariobarzanes. Uebrigens scheint Autophradates den Krieg gegen 
Datames nicht als Satrap, sondern als eigens bestellter Feldherr (Karanos?) 
geführt zu haben, daher erklärt sich auch seine Anmarschrichtung. 

1) Diod. XV 70, 1. 2, Xen. Hell. VII 1, 27 vgl. 20. Philiskos trifft 
ein nach dem Abzug des ersten von Dionysios an Sparta gestellten 
Hülfscorps (Ende Sommers 369). 

2) Xen. a. § 33 (die Thebaner schicken Gesandte int nqog)d<sei 
ort xcti Eu&vxXrfg 6 Jaxe^ai^oviog eirj naQu ßutnXel) vgl. Plut. Pelop. 
30, 1. Die Zeit der Abreise des Philiskos lässt sich dadurch bestimmen, 
dass sie wahrscheinlich gleich nach dem sogen, thränenlosen Siege (Sievers 
Gesch. Gr. 284) erfolgte, der Ende Sommers 368 fallen muss. Der Sieg 
steht in Verbindung mit dem Abmarsch des zweiten von Dionysios ge- 
stellten Hülfscorps (Xen.a.O. 28-32 Diod. XV 72,3 Plut.Ages. 33,8—5), 
das nur für eine bestimmte Zeit bewilligt war (Xen. 28) und aller Wahr- 
scheinlichkeit nach wie das erste (vgl. o.) Ende des Sommers abzog. 
Die 2000 Söldner, welche Philiskos den Spartanern zurücklässt (Diod. 
70, 2} sollten die 2000 Mann des Dionysios (soviel sind es wenigstens bei 
der ersten Sendung vgl. Diod. 70, 1) ersetzen. 



K^ Fünfte» Kapitel. 

Überziehen möchte, und suchte sein^ Sendung durch andere 
Gesandtschaften zu begegnen: Ton Theb«i, Athen, Arkadien, 
Elis gingen wol noch Ende des Jahres 368 BeToUmäehtigte an 
den persischen Hof ab. In den darauf folgendai Verhand- 
lungen, bei denen die Vertreter der einzehien Staaten meist in 
wenig würdiger Weise um die Gunst des Grosskönigs wett- 
eiferten, gelang es bald Pelopidas von Theben den ersten Platz 
sich zu sichern. Ihm wurde alles t)ewilligt : Messene unabhängig 
erklärt . Athen der Verzicht auf seine überseeische Politik auf- 
erlegt, Thel)en als führende Macht anerkannt. Sparta und 
Athen gingen leer aus; nur für letzteres fügte man dem könig- 
lichen Erlasse auf die drohenden Worte eines d& Gesandten 
die höfliche Phrase bei, dass neue athenische Forderungen 
Berücksichtigung finden würden'). 

Auf diese Entscheidung des Perserkönigs haben die Be- 
ziehungen, welche Philiskos mit Sparta und Ath^i angeknüpft 



1) Xen. a. 0. 33-38 Plut. Pelop. 3«} Artox. 22, 4—6 TgL Ael. rar. 
hist I 2], V 5 Dem. Gesandtsch. (XIX) 137. 191. S^ir mi^Uch dass, 
wie Schaefer Dem. I* ^1 angenommen hat, auf diese Zeit die Unter- 
st ützong athenischer Gesandter durch König Straten Ton Sidon (CIA. II 
63 = Hicks. man. ST = Dittenb. Sjll. 93» sich beiieht. — Die Nach- 
richt des Platarch Pelop. 30, 1, dass ebenso wie Euthjkles athenische 
Gesandte schon früher an den persischen Hof gegangen sind, lässt sich mit 
der bereits Yon Grote Gesch. Gr. V * 460 A. 80 richtig verwerteten Angabe des 
Demosthenes a. 0. 190 combinieren, dass Timagoms Tier Jahre lang mit Leon 
zusammen Gesandter gewesen, also bald nach der Schlacht von Leuktra 
;37r nach Persien abgereist seL Damals sollten sich die Gesandten die Er- 
neuerung des Antalkidasfriedens im athenischen Sinne bestätigen lassen 
(Tgl. Xen. Hell. Vi 5, 1 — 3): im Jahre 367 wären sie dann auf die Nachricht 
Ton Pelopidas' Abreise noch einmal ausgeschickt worden. — Die Terun- 
gluckte Gesandtschaftsreise des Antalkidas nach der Schlacht Ton Leoktra 
\,Plut. Artox. 22^ 3) inuss gleichfalls in diesen Zu:sammenhang gehören, 
in dem sie auch iUutarch erzählt. Seit dem Jahre 367 steht Sparta 
Persien feindlich gegenüber und be&isst sieh nicht mehr mit Gesandt- 
schaften. Die Beise des Antalkidas mit Grote \* 476 und Hertaberg 
L. d. Kgs. Ages. S. 360 A. 188 Tor die des Euthykles au setzen, haben 
wir keine YenLolassung : wahrschtinlich wurde Antalkidas, der einst am 
Perserhofe so beliebt und geehrt war, als die thebanisehen und athe- 
nischen Gt:sandtt:n abgingen, nachgeschickt. Tgl. o. 



Die Satrapenaufstände. 1^0 

hatte und die schwerlich ganz geheim geblieben sind, sicher 
eingewirkt. Der König wusste, dass Ariobarzanes' Empörung 
sich vorbereitete, und wenig später Ende des Jahres 367 oder 
Anfang 366 brach sie auch wirklich los^). 

In Griechenland hatte man wol die Rückkehr der Ge- 
sandten erst abgewartet, ehe man weitere Schritte tat: die 
Stellung Spartas und auch Athens war freilich durch Arta- 
xerxes' Antwort vorgezeichnet. Mit Frühlingsbeginn des Jahres 
366 spätestens lief Timotheos mit 30 Schiffen aus, um in staat- 
lichem Auftrage Ariobarzanes Hülfe zu leisten. Allerdings war 
seiner Instruktion die Bestimmung zugefügt, dass er die be- 
stehenden Verträge mit dem Grosskönig zu achten habe : Athen 
wollte es eben nicht ganz mit Persien verderben. Und obgleich 
man den einen Gesandten Timagoras wegen Bestechlichkeit 
und wegen seiner Parteinahme für Theben hinrichten liess, muss 
ungefähr gleichzeitig mit Timotheos' Ausfahrt eine neue Gesandt- 
schaft an den Perserhof gegangen sein, die für die Eroberung 
von Amphipolis Artaxerxes' Zustimmung erlangte, ja vielleicht 
die Zurücknahme des ganzen Athens Seepolitik beschränkenden 
Paragraphen aus dem königlichen Erlass vom Jahre 367 
{^A^rjraiovg drshceiv Tag vavg) durchsetzte^). 

Als Timotheos an Ort und Stelle eintraf, fand er 
Ariobarzanes in offener Empörung und wagte deshalb nicht, 
gegen seine Instruktion ganz unmittelbar für ihn einzutreten. 
Mittelbar aber brachte er ihm Unterstützung dadurch, dass er 



1) Die Worte des athenischen Gesandten Leon: yrj Jicc, w 'A^rivatoi, 
(S(}(c ys vfXiv^ (og eoixev^ aXXov xiva. gjiXov uvtl ßaocXicjg ^rizety, welche den 
Perserkönig sofort umstimmen (Xen. VII 1, 37), spielen offenbar auf den 
kommenden Aufstand an. Ueber den Zeitpunkt des Aufstandes vgl. 
S. 200 A. 1.— Sievers Gesch. Gr. 371 hat vermutet, dass die erste Spur 
von Ariobarzanes' Aufstandsplänen in der Nichtunterstützung des Datames 
gegen Thuys von Paphlagonien zu finden sei; das ist möglich, aber für 
einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem späteren Aufstande ist der 
zeitliche Abstand zu gross. 

2) Dem. Gesandtsch. (XIX) 137. 253, (Dem.) Halon. (VII) 29. Den 
richtigen Schluss daraus hat zuerst Grote V" 490 A. 105 vgl. Schaefer 
Dem. 1* 96 A. 3 gezogen. 



200 Fünftes Kapitel. 

sieh gegen Samos wandte, das widerrechtlich durch die Perser 
besetzt worden war, und so einen Teil der gegen Ariobarzanes 
aufgebotenen Macht abzog. Xaeh zehnmonatlicher Belagerung 
gelang es im Jahre 365 die Stadt zu erobern und ihren Besitz 
für Athen zu sichern*). In gleicher Weise scheint Timotheos 



1) Dem. Rhod. (XV) 9 Isokr. Antid. (XV) 111 Coro. Nep. Timoth. 1, 2 
▼gl. Dein. Philokl. (m) 17 Dem. (1 * 14 Poljaiii. III 10, 9. 10. 5. 11 vgl. 
1. 2 Pa. Aristot. Oecon. II p. 1350 b Strab. XIV 638 Cic de deor. nat 1 
72 Plut. Pelop. 2, 3 apophth. reg. et imp. Timoth. 2 Ps. Plat X Redn. 4, 9 
Diodor (XVIII 18, 9 1 berichtet, dass die Samier, welche nach der £r- 
oberang der Insel durch Timotheos von attischen Klemchen vertrieben 
vnrden, 43 Jahre in der Verbannung zugebracht haben. Sie erhielten 
Erlaubni« zardckzukehren Ende 322 oder Anfang 321 OL 1 14, 3 (Schaefer 
Demosth. III* 28 A. 1. 3S9 TgL 320 Drojaen, Gesch. d. Hell. II« 322 
A. 4, der mit Unrecht Diodors Angab« anficht^, demnach hat die Besitz- 
ergreifung der Klercchen begonnen im Jahre 365 64 Ol. 103, 4, wie Grote 
Gesch. Gr. V« 492 A. 114 und Schaefer «. O. I* 99 A. 1 schon ganz mit 
Recht behauptet haben Tgl. C. Curtius, Urkunden z. Gesch. von Samos 
Piogr. Wesel I873S.2, Busolt, d. iweite athen.Bund IS74. 804 f. E. Curtius, 
Gr. Gesch. III* 771. Die Einnahme von Samos muss der Kleruchen- 
Sendung natürlich geraume Zeit vorhergehen, wird also, da die Belagerung 
zur Erntezeit (Mai • begann .Polyain. Ps. Aristot. a. 0.) und zehn Monate 
währte Jsokr. ». O.), wahrscheiniich Anfang 364 erfolgt sein. Der Beginn 
der Belagerung wird erste Hälfte 366 failen. 

Höher hinauf ufirfen wir nicht gehen, da hier, wo es sich um die 
Besetzung eines militärisch wichtigen Punktes handelt, sicher nicht mit 
der Absend ung von Kleruchen gezögert worden ist (Rehdantz vitae 125 
kommt, weil er tälsthlich die Rückkehr der Verbannten 32322 Ol. 114,2 
ansetzt, auf das Jahr 306 für die EroberungX aber auch nicht tiefer, da 
wie gesagt, zwischen der Eroberung und der in Athen beschlossenen 
Vertreibung der an ti athenischen Partei Shat-fer I a. O., wo auch das 
hierher gehörige Sprichwort 'AttixIc niltftzoy und seine Erklärung be- 
sprochen ist), doch einige Zeit liegen muss. Man wird deshalb der An- 
nahme von Bei och Att Polit. S. 317, da«s die Einnahme von Samos erst 
in das Frübj^ihr 364 zu setzen sei. schwerlich zustimmen können. 

Eine Bestätigung der vorher begründeten Ansitze liefert ein aus 
dem Winter 366 65 stammender Beschluss der Athener für Erjthrai (CIA. 
II 53 A. Wilhelm. Hermes XXIV 117 f.\ der durch Timotheos vermittelt 
und doch woi eher an das Ende als an den Anfang von Timotheos* 
Operationen an der kleinasiatischen Küste zu setzen ist. 

Mit dem Frühjahr 366 wird a^so Timotheos spätestens zu Ario- 
barzanes ab^etahren sein, der untt-rvicSi^en d. h. el*enfalls mit Frühlings- 



Die Satrapenaufstände. 201 

nachdem er die samischen Verhältnisse vorläufig geordnet hatte, 
auch weiterhin für Ariobarzanes und das athenische Interesse 
zugleich tätig gewesen zu sein und die durch Kotys von Thrakien 
bedrohten Städte Sestos und Krithote, welche damals in Ario- 
barzanes' Besitz sich befanden, von der Belagerung befreit und 
besetzt zu haben ^). 



beginn, oder schon Ende 367 sich offen empört hat. Schaefer Dem. I* 
92 f. nimmt an, dass Timotheos, ehe er nach Samos ging, während des 
Jahres 367 einige Zeit för Ariobarzanes tiitig war und seine Instruktion, 
nichts gegen die Verträge mit Persien zu unternehmen, erst nachträglich 
erhalten hat, doch widerspricht das Demosthenes* Angabe (a. 0.): die In- 
struktion war vielmehr die ursprüngliche, und die Belagerung von Samos 
fällt bald nach Timotheos' Eintreffen bei Ariobarzanes. Dass dieser offen 
abgefallen war, erkannte wahrscheinlich Timotheos daraus, dass Auto- 
phradates bereits den Kampf gegen Ariobarzanes eröffnet hatte. 

1) Isokr. a. 0. 112. 108 Com. Nep. Timoth. 1, 3 vgl. Ps. Xen. Ages. 2, 26. 
Die Besetzung fällt frühestens in das Jahr 365, vielleicht erst 364, aber 
nicht später, da im Jahre 864/63 Ol. 104, 1 Laches in den kleinnsiatischen 
Gewässern befehligt (Diod. XV 79, 1) und Timotheos in Thrakien be- 
schäftigt ist (Diod. XV 81,5 Isokr. a. 0. 108. 113 Com. Nep. Timoth. 1, 2 
Ps. Aristot. Oec. II p. 1350a Demosth. Aristokr. (XXllI) 149 ff. Schol. Aesch. 
Ges. (II) 31 Deinarch Demosth. (I) 14 vgl. III 17 Polyain. III 10, 7. 
8. 15 CIA. II 55 = Hicks man. 92 = Dittenberger Syll. 80 CIA. II 
57 = Dittenbg. 82 vgl. Sievers a. 0. 317 f. Schaefer Dem. I" 102. — In 
dieselbe Zeit gehört wol auch die Besoldung der athenischen. Söldner 
in Perinthos durch Philiskos (Dem. Aristokr. (XXIII) 142). Ariobarzanes 
wird eben damals von Autophradates einerseits, von Kotys andererseits 
heftig bedrängt und sucht dem auf alle Weise zu begegnen. 

Die Nachricht anzuzweifeln (Schaefer I' 101 A. 5), dass Ariobarzanes, 
nachdem er hchliesslich obgesiegt hatte, Timotheos, als Vertreter Athens 
Erithote und Sestos geschenkt habe (Com. Nep. Timoth. 1, 3), sehe ich 
keinen Grund. Es ist sicher, dass Sestos beim Ausbruch der Empörung 
in Ariobarzanes' Besitz war (Ps. Xen. Ages. 2, 26 vgl. Dem. Aristokr. 
(XXIII) 142), und somit hat, da Athen auf Ariobarzanes* Seite stand, die 
Abtretung des Platzes notwendig mit dessen Einverständniss erfolgen 
müösen. Dass athenische Kleruchen nach Sestos abgesendet wurden 
(Schaefer a. 0.), verträgt sich ganz gut damit. Diese Abtretung konnte 
Ariobarzanes für den Augenblick sogar nur angenehm sein, da er scheinbar 
Athen ein grosses Geschenk machte und sich zugleich damit von den Kämpfen 
mit Kotys von Thrakien befreite. — Auch die Bürgerrechts Verleihung an 
Ariobarzanes, seine drei Söhne und seine Agenten Philiskos und Agauos 
von Abydos (Dem. a. 0. 141. 202) steht vermutlich mit der Schenkung 



202 Fünftes Kapitel. 

Unterdessen war aber Ariobarzanes auch von Sparta noch 
unmittelbarere und kräftigere Hülfe geworden: Agesilaos war 
um dieselbe Zeit wie Timotheos nach Asien geeilt, und seine 
Ankunft tat not, da Ariobarzanes bereits mit den königlichen 
Truppen unter Autophradates an einander geraten war. ALrio- 
barzanes hatte nicht mit Glück gekämpft und war an die 
Küste gedrängt worden: Assos und Adramytteion wurden be- 
lagert von der Landseite durch Autophradates, von der Seeseite 
durch Maussollos, der auch Schiffe gegen Sestos abgeordnet 
hatte, um Kotys bei seinem Angriff zu unterstützen ^). 

In welcher Weise nun Agesilaos für Ariobarzanes tätig 
gewesen ist, ob er mit einem Entsatzheere heranrückte, oder 
in der Verteidigung seine Kriegskunst verwertete, wissen wir 
nicht ^). Jedenfalls trug seine Anwesenheit vorzüglich 
dazu bei, dass Autophradates die Belagerung aufgab. Auch 
Maussollos entschloss sich zum Abzüge, knüpfte aber schon 
damals die ersten Beziehungen mit den Aufständischen und 
mit Agesilaos an (Ps. Xen. Ages. 2, 26). 

So hatte sich Ariobarzanes wie Datames den königlichen 
Truppen gegenüber zu behaupten vermocht, und lohnte jetzt 



in ZusaromeDhang. Da von der Wiedergewinnung von Sestos und Erithote 
eine neue Periode in der Politik Athens gegenüber der thrakischen 
Chersones datiert, haben wir die Berechtigung, die ausserordentlichen 
Ehren, welche man Ariobarzanes, wie es scheint erst auf Timotheos' 
Verwendung, erweist, darauf zu beziehen. So lange wir keine weiteren 
Verdienste des Ariobarzanes um Athen kennen, ist eine andere Beziehung 
mindestens unnntürlich. Das Fragment CIA. II 98, welches vielleicht 
von Ariobarzanes handelt, gehört ebenfalls in diese Zeit. Vgl. Kap. VII 1. 

1) Ps. Xen. Ages. 2,26 Com. Nep. Timoth. 1,3 Ages. 7,2 vgl. Polyain. 
VII 26. Freundliche Beziehungen zwischen Sparta und den kleinasiatischen 
Dynasten erwähnt Isokrates im Archidamos (VI) 63, der aus dem Jahre 
366/65 stammt (vgl. S. 164): mun wird dabei wol in erster Linie an 
Ariobarzanes zu denken haben. 

2) Die Angabe Pseudoxenophons Ages. 2, 25 f., Agesilaos habe die 
Erfolge in Eleinasien als »Gesandter« errungen , ist wol nicht so wört- 
lich zu verstehen (man wüsste nicht, an wen er abgesendet sein könnte) 
sondern allgemeiner dahin, dass Agesilaos allein, ohne spartanische 
Truppen zu Ariobarzanes reiste. 



Die Satrapenaufstände. 203 

seinen beiden Helfern Agesilaos und Timotheos reichlich die 
geleisteten Dienste, dem einen mit Gold, dem anderen mit 
der Ueberlassung von Sestos mid Krithote an Athen (Gorn. 
Nep. Timoth. 1, 3 vgl. S. 201 A. 1). Alle diese Ereignisse 
fallen wahrscheinlich in das Jahr 364^). 

Agesilaos scheint danach noch einige Zeit bei Ariobarzanes 
geblieben und dann einer Einladung des Mausollos gefolgt zu 
sein, der ihm ebenfalls grosse Summen überwies und auch 
König Tachos von Aegypten, der zwischen Ende 364 und 363 
(Nah. 385) den Thron bestiegen hatte, zu Geldsendungen ver- 
anlasste ^). Man wünschte sich eben des berühmten Feldherrn für 



1) Die ZeitbestimmuDg ergiebt sich aus der für Timotheos* Taten 
festgesetzten Folge (vgl. S. 201 A. 1). Es ist unwahrscheinlich, dass 
Timotheos den Eriegsschn upiatz verliess, ehe die Verhältnisse dort zu 
einem bestimmten Abschluss gekommen waren: ausserdem wird ja 
Timotheos besonders als der genannt (Corn. Nep. Timoth. 1, 3j, dem 
Ariobarzanes Sestos und Krithote abtritt. 

2) So etwa werden wir die Worte Pseudoxenophons Ages. 2, 27: 
Ta^tüs ye fxriy xai MavatoXog, (fiä tr^y nQoa&ey 'AyriCfiXdov ^svLav avfzßaXofieyog 
xal ovTog xQtjfxctTct zrj Aaxedaifioyi, einen e^\pay avvov oixade n^onofjLnriv 
doyveg fxeyaXonQenrj, zu verstehen haben. Die Conjectur Ta^eos für das 
ta/süyg der Handschriften ist kaum zu bezweifeln, doch braucht man 
bei der Verbindung, die hiernach Agesilaos mit Tachos angeknüpft hat, 
keineswegs notwendig an eine persönliche Begegnung oder gar an eine 
Fahrt nach Aegypten zu denken, wie das Hertzberg, L. d. Egs. Ages. 
362 f. Unger Chron. d. Man. 323 f. u. A. getan haben. Auch ist mit den 
Worten keineswegs gesagt, dass Tachos mit gegen Ariobarzanes gekämpft 
habe; man kann nach dem Vorausgehenden eher das Gegenteil annehmen 
{ot T€ yaQ €v nenov^Bvat yofxi^opteg vn avtov xal ol q)€vyoyT6g ccvtov 
XQTJliiccta ((fKpote^oi edocay), ganz abgesehen davon, dass Tachos erst 363 
zur Regierung kam (vgl. S. 146). Unger a. 0. vermutet eine Doppel- 
gesandtschaft des Agesilaos nach Aegypten und des Antalkidas nach 
Persien für das Jahr 363: schwerlich mit Recht, denn die Gesandtschaft 
des Antalkidas gehört wahrscheinlich in einen anderen Zusammenhang 
(vgl. S. 198 A. 1), und mit der an der gleichen Stelle (Plut. Artox. 22) 
erwähnten angeblichen aegyptischen Gesandtschaft des Agesilaos ist ein- 
fach vorgreifend die Halt'eleistung an Tachos (362 vgl. S. 164 ff.) gemeint, 
wie Ley, fata et cond. Aeg. s. imp. Pers. S. 59 f. schon richtig hervor- 
gehoben hat. — An diesen Aufenthalt des Agesilaos bei Maussollos knüpft 
vermutlich die Anekdote an, die von Verhandlungen zwischen Agesilaos 



204 Fünftes Kapitel. 

den grossen Aufstand, der im Geheimen immer weiter um 
sich griff, zu versichern. Allseitig hoch geehrt und reich 
beschenkt ist dann Agesilaos vermutlich noch im Jahre 363 
nach Sparta zurückgekehrt, wo wir ihn bestimmt im Jahre 362 
wiederfinden (vgl. Sievers a. 0. 338 f. Hertzberg a. O. 202 flf.). 

Während so an der Küste sich die Verhältnisse für Arta- 
xerxes immer ungünstiger gestalteten, scheint auch im Inneren 
Kleinasiens bis in das eigentliche Asien hinein der Kampf nicht 
geruht zu haben. Datames Angriffskrieg, von dem schon vorher 
(S. 194) die Rede war, kann nur in diese Zeit fallen. Leider 
ist die Ueberlieferung so elend, dass wir nicht einmal in den 
gröbsten Zügen ein Bild von diesen Kämpfen gewinnen können. 
Datames hatte den Euphrat überschritten und war in Meso- 
potamien eingefallen, aber vor dem gegen ihn anrückenden 
Heere des Grosskönigs musste er sich wieder in sein Gebiet 
zurückziehen (Polyain. VII 21, 3). Ein andermal treffen wir 
Datames in Pamphylien, in der Ebene von Aspendos, wohin 
er also ebenfalls einen Vorstoss gemacht haben muss^). Ein 
Anschlag gegen sein Leben, welchen Artaxerxes unter Datames 
eigenen Truppen hatte anstiften lassen , ward hier vereitelt 
(Polyain. VII 21, 21, 4 Gorn. Nep. Dat. 9). 

In dieser Zeit mag Artabazos der Oberfeldherr des Gross- 
königs gewesen sein ^) , viel ausgerichtet hat er aber jedenfalls 
nicht (vgl. Gorn. Nep. Dat. 9). 



und Maussollos' Bruder Idrieus wegen der Freilassung eines gewissen 
Nikias (Plut. Ages. 18, 4 apophth. reg. et imperat. Ages. 8 Lac. 16 
vgl. Hertzberga. 0.362 A. 198 e) berichtet. Auf Beziehungen des Agesilaos 
in Asien weist auch der Ausspruch bei Plutarch apophth. Lac. 54. 

1) Vielleicht gehört in diesen Zusammenhang das von Autopbradates 
überlieferte geschickte Manöver zur Erzwingung des Einmarsches nach 
Pisidien (Polyain. VII 27, l Front. I 4, 5). 

2) Dass Artabazos ursprünglich auf des Königs Seite gestanden hat, 
wird dadurch recht glaublich, dass ihm, jedenfalls nnch Datames' Tode, 
Paphlagonien und wahrscheinlich die ganze daskylitische Satrapie über- 
wiesen wurde, in deren Besitz er im Jahre 360 erscheint, und die man 
ihm nach seiner ersten kurzen Erhebung nicht weiter streitig gemacht 
hat (vgl. u.). Gerade wenn ihm, worauf Nöldeke (Gott. gel. Anz. 1884 



Die Satrapenaufstände. 205 

Durch Datames' und Ariobazanes' Erfolge fanden nach 
und nach immer mehr Dynasten und Städte den Mut, sich 
der allgemeinen aufständischen Bewegung anzuschliessen. Im 
Jahre 362/61 Ol. 104, 3 war sie endlich ausgereift : ganz Klein- 
asien, Phoinikien und Aegypten sollten sich mit einem Male 
erheben. An der Spitze standen die Statthalter der grossen 
Küstensatrapien Ariobarzanes von Phrygien, Maussollos von 
Karlen, auch der bisher getreueste, Autophradates vonLydien; 
er hatte sich offenbar dem Druck seiner Untergebenen und 
seiner Nachbarn nicht entziehen können. Dazu kamen die 
Griechenstädte, so viele noch die Selbständigkeit sich gewahrt 
hatten, die Pisider, Pamphylier, Lykier, Kiliker und die 
phoinikischen Städte (Diod. XV 90). Den Oberbefehl über 
die kleinasiatischen Truppen sollte Orontes, der Statthalter 
von Mysien, übernehmen; sein Hass gegen den Grosskönig 
schien für seine Treue die wirksamste Bürgschaft abzugeben 
(vgl. den Anhang). Alles war trefflich vorbereitet, Geld 
und Mannschaft in Fülle vorhanden, Artaxerxes ohne ge- 
nügende Mittel in schwierigster Lage: da brach das Gebäude, 



S. 294 ff.) hlDgewiesen hat, eine Art Erbanspruch auf die daskylitische 
Satrapie, zu der Paphlagonien zeitweise gehört hat, zustand, musste er 
gegen Datames, der Paphlagonien widerrechtlich besetzt hielt, einerseits 
und gegen seinen Verwandten Ariobarzanes (Nöldeke a. 0. 296) anderer- 
seits Stellung nehmen. Dass Artabazos später, als er sich im Besitz des 
Erstrebten sieht, sich ebenfalls empört, beweist nichts gegen diese Ver- 
mutung. 

Die von Krumbholz, de As. min. satr. S. 69. 73 als möglich hin- 
gestellte Annahme, Diodor habe XV 90, 3 bei der Liste der aufständischen 
Satrapen und 91, 2 bei der Erzählung des Kampfes zwischen »Artabazos« 
und Datames die Namen von Autophradates »dem königstreuen Feld- 
herrn« und Artabazos »dem späteren Empörer« vertauscht, ist schwerlich 
richtig. Von allem anderen abgesehen hebt Diodor 90, 1. 2 hervor, wie 
die Gesammtheit der Küstensatrapen sich euipört und 91, 1, wie Orontes 
als Belohnung für seinen Verrat (vgl. S. 206) die gesammte Küste unter 
seinen Befehl zu bekommen hofft; dabei durfte die mächtige lydische 
Satrapie nicht fehlen, sie gab erst dem Aufstand Halt und Geschlossen- 
heit. — Das Fehlen von Autophradates' Namen bei Trogus prol. X er- 
klärt sich aus dem Verlauf des Aufstandes (vgl. S. 207); auch Maussollos 
ist dort nicht aufgeführt. 



206 Fünftes Kapitel. 

noch ehe es ganz aufgeführt war, schon wieder zusammen, 
weil die Stützen nichts taugten, auf die man es gebaut 
hatte. Schlag auf Schlag folgten sich die Hiobsposten. 
Zunächst verriet Orontes die seinem Befehl unterstellten Sol- 
daten und Festungen an die vom König gesendeten Feldherrn. 
Er hoffte dafür auf grosse Belohnungen, auf die Verleihung der 
vereinigten Küstensatrapien , wie sie einst der jüngere Kyros 
besessen hatte (Diod. XV 91, 1). Zu gleicher Zeit gelang es 
Artaxerxes einen der gefährlichsten Gegner, Datames, durch Mord 
aus dem Wege zu schaffen (Diod. 91, 2. 7 Com. Nep. Dat. 10. 11 
Polyain. VII 29, 1). Zu gleicher Zeit übergab Rheomithres das 
ihm vom König Tachos für die Aufständischen eingehändigte 
Geld dem Grosskönige und mit dem Gelde eine Anzahl der 
Häupter des Aufstandes, die er nach Leukai in lonien (vgl. S. 
190 A.) gelockt hatte ^). Zu gleicher Zeit endlich, oder doch 
wenig später muss Ariobarzanes durch den Verrat seines eigenen 
Sohnes Mithradates, der schon Datames heimtückisch ermordet 
hatte, dem Grosskönig in die Hände gefallen sein und den 
Kreuzestod erlitten haben ^). 



1) Diod. 92, 1 Xen. Cyrop. VIII 8, 4. Dass diese drei Ereignisse 
in der Hauptsache in dieselbe Zeit fallen niOssen, ergiebt sich aus der 
Darstellung Diodors, der XV 91, 1. 7. 92, 1 sie als zeitlich gleichstehend 
aufführt, und diesen Synchronismus wahrscheinlich als Angelpunkt für 
seinen Ansatz des Satrapenauftandes gewählt hat (vgl. Behdantz vitae 
159). Ariobarzanes* Gefangennahme und Tod sind vielleicht mit Rheo- 
mithres' Verrat irgendwie verknüpft, jedenfalls stehen auch sie demselben 
zeitlich nahe, denn wir finden bereits im Jahre 860 seinen Nachfolger 
Artabazos (Krumbholz a. 0. 73 ff. Nöldeke , Gott. gel. Anz. 1884 295 f.) 
in der Provinz, und zwar ist er damals schon in der Empörung be- 
griflPen (vgl. S. 207). Ausserdem beweist die zweite Maussollosurkunde 
(Lebas-Wad dington Asie min. 378 = Hicks 101 = Dittenberger 76) 
vom Jahre 361/60 Ol. 104,4 mit ihrer offiziellen Datierung, dass in 
dieser Zeit der Aufstand in Kleinasien zersprengt und Maussollos davon 
zurückgetreten ist (vgl. S. 238). 

2) Harpokr. u. "'ÄQioßccQ^dyrjg Xen. a. Aristot. Polit. VIII (V) 
p. 1812 a. Die Zeit der Ermordung seines ünterfeldherrn und Vertrauten 
Philiskos durch zwei Lampsakener (Dem. Aristokr. (XXIII) 142) lässt 
sich nicht genauer bestimmen; vielleicht ist Philiskos schon vor seineoa 
Herrn gefallen. 



Die Satrapenaufstände. 207 

Damit war die Kraft und Einheit der Empörung in Klein- 
asien wenigstens gebrochen: die Führer, welche sich noch 
nicht so tief eingelassen hatten , Autophradates und Maussollos, 
suchten sich jetzt, so gut es ging, zurückzuziehen und ihre 
Treue nach Kräften zu bezeugen ; sie blieben auch unbehelligt 
in ihren Provinzen i). 

Dennoch erlebte die Empörung noch ein Nachspiel und 
zwar gerade durch den Mann, der in erster Linie zu ihrem Miss- 
erfolg beigetragen hatte, durch Orontes, sowie durch den vordem 
königstreuen Satrapen Artabazos. Die Belohnung, welche 
Orontes für seinen Verrat gehofft, das Oberkommando in den 
Küstensatrapien, war wie es scheint ausgeblieben oder wenigstens 
nicht in dem gewünschten Umfange gewährt worden (vgl. d. 
Anhang); er suchte nun sich mit Gewalt zu verschaffen, was 
ihm im Guten nicht gegeben worden war. Ausserdem hat die 
beiden Aufständischen bei ihrem Vorgehen vielleicht noch ein 
anderer Grund bestimmt : in jener Zeit müssen sich am Perser- 
hofe die durch Ochos, den späteren Thronfolger, angestifteten 
Intrigen und Streitigkeiten abgespielt haben, welche mit der 
Beseitigung der meisten Thronberechtigten bis auf Ochos endigten. 
Orontes als Schwiegersohn des alten Königs und Artabazos als 
Enkel mussten auch für ihr Leben fürchten und zogen deshalb 
eine offene Empörung, die ihnen die Möglichkeit eines günstigen 
Friedens gewährte, der willenlosen Unterordnung vor^). 

Orontes hat offenbar sehr bald losgeschlagen, denn Arta- 
bazos' ganz vorübergehende Erhebung, die sich von der seines 
Oheims kaum trennen lässt, ist im Jahre 360 bereits zu Ende (Dem. 
Aristokr. (XXIIl) 154—156 vgl. Schaefer Dem. P 155 f.): Auto- 
phradates hatte Artabazos gefangen genommen, später aber ihn 



1) Polysun. VII 28, 1 Lebas-Wndd. Asie min. 378 Autophradates 
käiiif)ft 360 gegen Artabazos (Dem. Aristokr. 154); auch seine Kämpfe 
gegen Ephesos sind wol hierher zu ziehen (Polyain. VII 27, 2), vielleicht 
auch die gegen Orontes (vgl. S. 208). 

2) Plut. Artox. 26 ff. Ael. var. hist. IX 42. Ich verdanke die An- 
regung zu dieser Gombination einem freundlichen Binweifie von J. P. Six. 



208 Fünftes Kapitel. 

wieder freigelassen^). Ob er sich danach gegen Orontes ge- 
wendet und schon damals gegen ihn in Lydien gefochten hat 
(Polyain. VII 14, 2—4), ist ungewiss. Wahrscheinlich fallen 
diese Kämpfe auf lydischem Boden erst in spätere Zeit (S. 21 2 f.). 
Denn jetzt musste es Orontes vor allem darauf ankommen, gleich 
Fühlung mit der stärksten aufständischen Macht, mit Aegypten zu 
gewinnen. Angestrebt hat er diese Verbindung jedenfalls, da sich 
in Syrien sein Geschick entscheidet (Trog. prol. X. vgl. u.). Es ist 
deshalb sehr möglich, dass Orontes sofort gegen Syrien vorge- 
stossen ist. Anfang des Jahres 361 war er noch nicht an Ort und 
Stelle (vgl. S. 168 f.), doch ist seine Vereinigung mit Tachos von 
Aegypten, dem alten Genossen von den Anfängen des grossen 
Satrapenaufstandes her, wahrscheinlich nur an der Erhebung 
des Nektanebos gegen den legitimen König Tachos gescheitert: 
Nektanebos hatte Tachos entthront und sich selbst der Herr- 
schaft bemächtigt. Aber trotzdem war eine Verständigung 
auch zwischen Orontes und Nektanebos nicht ausgeschlossen; 
sie zu hintertreiben musste vor allem die Aufgabe der per- 
sischen Politik sein, und dem Kronprinzen Ochos, der von 
Arabien her mit einem Heere heranzog, fiel die Lösung der 
Aufgabe zu. Wie es scheint, hat er sich ihrer mit grossem 
Geschick entledigt : er erkannte vermutlich Nektanebos an und 
wandte sich, wie wir weiter schliessen dürfen, gegen Orontes 
(vgl. S. 169). Nach längeren Kämpfen wird es dann, sicher 
vor Ochos' Thronbesteigung^), zu einem vorläufigen Frieden 



1) In die etwas verwirrten Zustände, welche der Uebernahme der 
daskylitischen Statrapie durch Artabazos vorangehen und folgen, fallt 
wahrscheinlich, wie Böckh Kl. Sehr. VI 185 ff. zuerst vermutet hat, die 
Begründung der Herrschaft des Eubulos von Bithynien in Assos und 
Atarneus (Strab. XIII 610); wol nur ein uns zufällig überliefertes 
Beispiel für viele aus dieser unruhigen Zeit. Eubulos hatte sich wie 
Artabazos gegen Autophradates zu wehren (Aristot. polit. II p. 1267a), 
doch zog dieser schliesslich ab und das neuerstandene kleine Reich 
blieb dem Namen nach wahrscheinlich unter Artabazos* Oberherrschaft 
bestehen. 

2) Ob hier die tatsächliche oder die von Ochos öffentlich verkündigte 
gemeint ist (Polyain VII 17 vgl. S. 230 f.), lä^st sich nicht be- 



Die Satrapenaufstände. 209 

gekommen zu sein, in dem Orontes sich unterwarf (Trog. prol. 
X vgl. d. Anhang). 

Dabei hat Ochos damals wol auch alle die anderen auf- 
ständischen Elemente in Syrien und Phoinikien zur Rechen- 
schaft gezogen; wenigstens ist es sehr glaublich, dass der Tod 
des Königs Slraton von Sidon hierhergehört. Straton fürchtet 
die Rache der gegen Sidon anrückenden Perser, weil er über 
des Aegypterkönigs Freundschaft (Tachos' vgl. S. 166) die per- 
sische vernachlässigt hatte, und wird, da er selbst nicht Hand 
an sich legen will, von seiner Gemahlin niedergestossen (Hieron. 
adv. Jovin. I 45 II 311 Vall. H 274 Migne Theop. XV b. Athen. 
Xn 531 a— d vgl. Ael. var. bist. VII 2 lustin. XVIII 3 , 6 flf. 
Max. Tyr. XX 2). — Im Jahre 351 weilen persische Beamte 
in Sidon und Tennes ist König (vgl. S. 171). 

Schliesslich wird in dieser Zeit auch der kilikische Fürst 
und Satrap Tarcmos, der eine Herrschaft in der Art des 
Maussollos begründet hatte, seiner Gewalt enthoben und die 
kilikische Satrapie dem Perser Mazaios übertragen worden 
sein (vgl. Six Num. Chron. 1884. S. 115 fif.). 

3. DER AUFSTAND DES ORONTES UND ARTABAZOS. 

Als der Grosskönig Artaxerxes III. Ochos im Jahre 357 
öfifentlich den Thron bestieg (Kap. VI 1), herrschte also im 
Perserreiche Frieden: alle Satrapen und Fürsten huldigten ohne 
Zögern ihrem neuen Oberherrn (Polyain. VII 17). Aber mit 
dieser Huldigung war keineswegs die Bürgschaft für eine 
dauernde Unterwerfung gegeben: die aufständischen Elemente 
waren nur eingeschüchtert oder durch eine Uebereinkunft ge- 
wonnen, aber nicht bezwungen; jeden Augenblick konnte 
irgend ein unzufriedener Grosser die Fahne der Empörung von 
neuem erheben. Dies musste verhindert und die Gelegenheit 
zu einer Erhebung nach Möglichkeit eingeschränkt werden. 



stimmt entscheiden: allerdings spricht es sehr an, zu vermuten, dass 
Ochos nur deshalb den Tod seines Vaters so lange verheimlichte, weil er 
erst Frieden haben wollte, ehe er den Thronwechsel verkündigte. 

JUDEICH, Kleinaslatische Studien. 14 



210 Fünftes Kapitel. 

Diese nächste Aufgabe seiner Politik hat Ochos auch voll er- 
kannt und bei ihrer Lösung denselben Scharfsinn und dasselbe 
Geschick bewiesen wie im aegyptischen Kriege. Eine seiner ersten 
königlichen Botschaften befahl den Küstensatrapen, von denen 
am ehesten Gefahr drohte, ihre Söldnerscharen, die Hauptstützen 
ihrer Macht, zu entlassen; und die Satrapen gehorchten auch 
(Schol. z. Dem. 1. Phil. (IV) 19). Als aber Ochos mit dieser 
Entwaflftiung nicht zufrieden, weiter ging und den Satrapen 
des hellespontischen Phrygien, Artabazos, für seine Beteiligung 
an der letzten Empörung zur Rechenschaft ziehen wollte, da 
wehrte sich dieser so gut er konnte *) , und mit ihm schlug 
sein alter Verbündeter Orontes los, mit dem Artabazos wahr- 
scheinlich sofort wieder angeknüpft hatte: auch Orontes hatte 
für sich zu fürchten und konnte dem Frieden, den er kurz 
vorher mit Ochos geschlossen hatte, nicht mehr trauen. 

Es war am Ausgang des Jahres 356, Ghares, der viele von 
den entlassenen Satrapensöldnern in seinen Dienst genommen 
hatte, stand noch mit dem Kriege gegen die abgefallenen 
Bundesgenossen beschäftigt in der Gegend des Hellesponts (vgl. 
Kap. Vn 2) : da traf von Artabazos, den des Grosskönigs Feld- 
herm stark in die Enge getrieben hatten, ein dringendes Hülfe- 
gesuch ein. Chares selbst hätte diesem ohne weiteres wol 
schwerlich Folge gegeben, aber ihm fehlte der Sold für die 
Truppen und diese zwangen ihn Artabazos' Bitte zu willfahren, 
um so das Soldgeld für sie zu schaffen. So ging er und 
schlug in einer grossen Schlacht die königlichen Feldherm ; von 
den Namen derselben kennen wir nur den des Tithraustes 2). 
Auf eigene Hand bemächtigte sich dann Chares damals 
wie es scheint der wichtigen Städte Lampsakos und 



1) Unter dieser Annahme erklären sich erst Artabazos' mangelhafte 
Rüstungen (Diod. XVI 22, 1): auch er scheint seine Söldner nach des 
Königs Befehl entlassen zu haben und ist nun der Angegriffene. 

2) Diod. XVI 22, 1 Dem. 1. Phil. (IV) 19. 24 Schol. z. 1. Phil. 19 
u. 3. Olynth. (III) 31 Isokr. Fried. (VIII) 42-55 Plut Arat. 16, 3. - 
Die Vermutung Hahns Jahrb. f. cl. Phil. 1876 473 f., dass Chares erst 
nach einer Anfrage in Athen und nach einem Waffenstillstand mit den 



Die Satrapenaufstande. 211 

Sigeion^). Ausserdem zeigte sich Artabazos für die geleistete 
Hülfe durch Geldzahlungen erkenntlich. Jetzt war der Jubel 
in Athen gross: man feierte Festschmäuse und wiegte sich in 
stolzem Selbstbewusstsein (Diod. a. 0. % Schol z. Dem. 3. Olynth. 
(III) 31 vgl. Isokr. Areiopag. (VII) 10. 29 Schaefer Dem. P 171 f.). 
Aber bald erfolgte ein Umschlag der Stimmung: es kamen Ge- 
rüchte von gewaltigen Rüstungen des Grosskönigs, die gegen 
Athen gerichtet seien, auch erschienen persische Gesandte, um 
über Chares' Verhalten Klage zu führen. Man beeilte sich des- 
halb mit den abgefallenen Bundesgenossen einen Frieden zu 
schliessen und gab Chares Befehl, Artabazos zu verlassen: in 
der zweiten Hälfte des Jahres 354 scheint Chares bereits wieder 
in Athen gewesen zu sein^). 

Artabazos war jetzt abermals in schlimmer Lage, er musste 
sich nach neuen Bundesgenossen umsehen und wandte sich an 
Theben. Die Thebaner gingen wirklich auf seine Bitte ein: 
Pammenes mit 5000 Mann wurde ihm zu Hülfe geschickt (Diod. 
XVI 34, 1) ; wahrscheinlich im Frühjahr 353 brach er auf, um 
durch Makedonien und Thrakien seinen Bestimmimgsort zu er- 
reichen ; Philipp von Makedonien, der ihm befreundet war, gab 
ihm das Geleite bis Maroneia^). Bei Artabazos scheint Pam- 



Bandesgenossen sich in Artabazos' Dienste begeben habe» ist durch nichts 
begründet. — Ob der hier genannte Tithraastes der Grossvezier Arta- 
zerxes II. (S. 66 A.) oder ein anderer ist, lässt sich nicht entscheiden. 

1) Dem. 2. Olynth. (II) 28 Schol. z. 3. Olynth. (III) 31 Aristokr. 
(XXIII) 139 Theop. XIII b. Athen. XII 532 b (Com. Nep. Chabr. 3, 4) 
Arr. Anab. 1 12, 1 vgl. Schaefer Dem. II' 54 Beloch Att. Polit. 365. Lamp- 
sakos scheint damals schon nicht mehr in Orontes* Besitz gewesen zu 
sein, der dort gemünzt hat (S. 213 A.) also wol auch die Stadt besetzt 
hielt. Denn dass Chares einen dem Orontes, Artabazos' Genossen im Auf- 
stand, gehörigen Platz angriff, ist von vornherein nicht wahrscheinlich: 
freilich wissen wir im Einzelnen zu wenig von diesen Aufständen. 

2) Diod. XVI 22, 2. 34, 1 vgl. Isokr. Areiop. (VII) 8. 10. 81 ; über 
die Zeit vgl. Kap. VII 2. 

3) Diod. a. 0. Dem. Aristokr. (XXIII) 183, Pammenes ging jeden- 
falls erst ab nach Demosthenes' Rede von den Symmorien (354/53 vgl. 
S. 186) , in welcher Demosthenes 33 f. erst die Möglichkeit , dass Theben 
gegen den Perserkönig sich wenden könne, erwähnt. Das Frühjahr 353 ver- 

14* 



212 Fünftes Kapitel. 

menes bald Arbeit gefunden zu haben: glücklicher noch als 
Chares siegte er in zwei grossen Schlachten über die königs- 
treuen Satrapen (Diod. c. 34, 2 vgl. Polyain. V 16, 2 Front. 11 
3, 3). Wie lange er im Ganzen in Asien geblieben ist, wissen 
wir nicht, wahrscheinlich nicht allzulange: wir hören, dass 
Artabazos ihn wegen Verdacht des Verrates verhaften lässt 
(Polyain. VII 33, 2), und im Jahre 351/50 Ol. 107, 2 bitten und 
erhalten die Thebaner vom Perserkönige Hülfsgelder für den 
phokischen Krieg (Diod. XVI 40, 1. 2); vermutlich ist es trotz 
der Siege bereits im Jahre 352 mit Artabazos' Widerstand zu 
Ende gewesen (vgl. u.). 

Die fabelhaften Rüstungen des Perserkönigs, von denen in 
der Mitte der fünfziger Jahre die Kunde nach Athen drang, waren 
keine Erfindung, nur galten sie nicht Griechenland, sondern 
den Satrapen und Fürsten, die sich gegen Persien empört 
hatten, in erster Linie Nektanebos von Aegypten, Artabazos 
und Orontes, gegen die ein grosser combinierter Angriff geplant 
und auch unternommen wurde : auf den Flügeln gegen Arta- 
bazos und Nektanebos kämpften die königlichen Feldherrn, im 
Centrum vielleicht König Ochos selbst gegen den gefährlichsten 
Gegner, Orontes. 

Wahrscheinlich hatte schon, als Artabazos sich mit den 
königstreuen Satrapen herumschlug und bei Chares Hülfe suchte, 
auch Orontes sich wieder erhoben und sein altes Ziel, der 
Küstensatrapien des westlichen Kleinasiens im Guten oder im 
Bösen Herr zu werden, weiter verfolgt (vgl. S. 206 f.). In diese 
Zeit würden dann wol die gewaltsame Besetzung und Befestigung 
von Pergamon^) und Orontes' Kämpfe mit Autophradates in 



muten für seinen Abmarsch mit Recht Böhnecke Forschg. I 243 A. 4 und 
Schaefer Dem. I " 442. 

1) . . . . 'ÖQoyTrjs (fc /l^racJl^ov zo yey^og BdxtQiog^ «noatug itno 
^AQTaHQ\^ov Tov n€^]aü)y ßaaiXecog ixQutriffey tctiy IleQyalfxrjycHy xal fije- 
ttjjixiaev avtovg ndXiv inl tov xo\X(t)vov «t?] xriv na\Xai\uv noXiy. elta 
'O^oytrigl tr^y noXiy h\Tii\xqi\\)ag ^Aqxa^iq^rii dns&ccyey, Berichte üb. d. 
Ausgrabungen von Pergamon 1883 — 1886 Jahrb. d. preuss. Ennstsaumilg. 
1888 S. 86. 



Die Satrapenauf stände. 213 

lonien und Lydien (Polyain. VII 14, 2—4) fallen ^). Jedenfalls 
erscheint Orontes bereits im Jahre 354/53 Ol. 106, 3 als offener 
und gefährlicher Gegner des Perserkönigs, wie aus der in diesem 
Jahre gehaltenen Rede des Demosthenes von den Symmorien 
(XIV 31 vgl. S. 186) hervorgeht, und auf das folgende Jahr 
müssen wir höchst wahrscheinlich einen Teil der wichtigen uns 
erhaltenen Orontesurkunden (CIA. n 108) beziehen. 

In diesen Urkunden oder besser Urkundenbruchstücken 
hat Bergk (Rh. M. XXXVII 355 fif.) richtig zwei inhaltlich und 
zeitlich getrennte Bestandteile unterschieden, während U. Köhler 
a. 0., obwol er die sachliche Scheidung der einzelnen Ur- 
kundenbruchstücke schon hervorgehoben hatte, sie alle einem 
Stein und einer Zeit (349) zuweisen wollte. Das Bruchstück 
a gehört zu einem athenischen Ehrenbeschluss für Orontes, der 
nach dem erhaltenen Datum (Z. 11 vgl. U. Köhler z. CIA. a. 
0.) Ende des Jahres Ol. 107, 3 350,49, also Anfang 349, gefasst 
ist. Die Bruchstücke b und c sind Teile eines Bündnissvertrages 
zwischen Athen und Orontes: der Krieg ist bereits im Gange; 
die athenischen Strategen Chares, Charidemos und Phokion 
sind mit dem Befehl über die Hülfsflotte und die Hülfstruppen 
beauftragt. Bergk glaubte, die ältere Meinung von Böhnecke, 
Schaefer u. a. (vgl. Dittenberger , sat. Herrn. Sauppio obl. 84) 
im Wesentlichen wiederaufnehmend, dass nach der Erzählung 
Diodors über Orontes' Abfall (XV 91, 1 u. J. 362/61 Ol. 104, 3 vgl. 
S. 205 flf.) dieser Vertrag wol Anfang des Jahres 360 geschlossen sei. 

1) Man ist versucht in diesem Zeitraum auch die Prägung der 
Münzen unterzubringen, die Orontes in Klazomenai und Lampsakos hat 
schlagen lassen (Waddington Rev. numism. 1863 S. 235—239 Brandis, 
Münzwes. 257 Head Bist. num. 455 Six Numism. Chron. 1888 S. Il0ff.)i 
doch scheint es, dass Lampsakos damals schon in Chares* Gewalt war 
(S. 210 f.), und man müsste, um an diesem Zeitpunkt für die Prägung fest- 
zuhalten , den von Erumbholz de As. min. satr. 75 A. 2 und Six a. 0. 
vorgeschlagenen Ausweg annehmen, dass nur die Herstellung der Münzen 
für Orontes in Lampsakos erfolgt wäre. Six und wie es scheint auch 
Erumbholz a. 0. meinen freilich, dass Lampsakos überhaupt nie in 
Orontes' Händen gewesen sei, weil es eigentlich zur Satrapie des Arta- 
bazos gehört habe, doch hat dieser Grund für die damalige Zeit der 
allgemeinen Empörung und Verwirrung kein grosses Gewicht. 



214 Fünftes Kapitel. 

Ueber die Zeit von Fragment a ist wie gesagt nicht zu 
streiten, wol aber erweckt die Deutung der Fragmente b und c, 
sowol die von Köhler, als die von Bergk verfochtene, be- 
gründeten Zweifel. Abgesehen davon, dass Bergk Köhlers voll- 
wichtiges Zeugniss über den Schriflcharakter (»nicht älter als 
Ol. 107«) nicht gewürdigt hat, widerstrebt dem Ansätze Bergks 
das, was wir über den Lebensgang des Charidemos wissen^). 



1) Charidemos ist bei der Belagerung vom Amphipolis durch Timo- 
theos als Söldnerfübrer beteiligt (Dem. Aristokr. (XXIII) 149 ff.) und 
zwar bei der Belagerung vom Jahre 364/63 Ol. t04, 2 (vgl. S. 201 A. 1), 
die Anfang 862 noch fortdauerte (CIA. II 65 = Hicks man. 92 == Ditten- 
berger Syll. 80 vgl. Böhnecke, Demosthenes, Lykurgos» Hypereides und 
ihr Zeitalter I 1864 S. 214 f. Sauppe Philol. XIX 1863 S. 247 ff. Foucart 
Rev. arch. XXXV 1878 S. 225 f. unten Kap. VII 1). Für seine Dienste erhält 
Charidemos das Bürgerrecht und andere Ehren, nicht die Strategie (Dem. 
a. 0. 151 185 etc. vgl. Schaefer I' 419 A. 4). Seine Ablohnung und Ab- 
reise von Amphipolis, welche Demosthenes a. 0. 154 dann erzählt, muss 
wie H. Weil (plaid. polit. II z. d. St.) richtig anmerkt, sich auf den- 
selben Feldzug gegen Amphipolis beziehen, und ferner lässt sich aus dem 
Ausdruck des Demosthenes (vgl. S. 215) entnehmen, dass Charidemos erst 
nach dem Schluss der Belagerung von Amphipolis aufgebrochen ist und 
nicht etwa, als Tiuiotheos mit der Hauptmacht der Athener im Jahre 
363 für einige Zeit nach den helles pon tischen Gewässern fuhr (Kap. VII 1), 
diesen begleitet hat. Dass es sich bei Demosthenes um die Belagerung 
der Jahre 364 — 362 handelt, lehrt eigentlich schon der Zusammenhang, 
ausserdem aber bleibt, wenn wir Timotheos' letzten unglücklichen Zug 
gegen Amphipolis vom Jahre 860/59 Ol. 105, 1 (Schol. z. Aesch. Ges. (II) 
31 mit Corsinis zweifellos richtiger Conjectur inl KaXXifirl&ovg uqx^'^^og 
für KaXa^lpog oder KaXafilcoyog) hierherziehen, nicht genug Zeit für die 
Masse von Ereignissen, die wir alle in ein Jahr oder nur ein halbes Jahr 
zusammenpressen müssten : Charidemos beteiligt sich an dem Zug gegen 
Amphipolis, geht nach Asien, tritt in den Dienst des Mentor und Memnon, 
besetzt für sich Skepsis, Kehren und llion, wird dort durch Artabazos 
belagert, schickt einen Brief an den athenischen Strategen Eephisodotos, 
der eben im Begriff ist nach dem Hellespont zu fahren, und bietet seine 
Dienste Athen von neuem an. Als ihm Artabazos, wol mittelbar oder 
unmittelbar unter dem Druck Athens, freien Abzug bewilligt, entflieht 
er freilich zu Kotys von Thrakien. Eephisodotos unternahm seinen 
Zug in demselben Jahre 360/59 und blieb sieben Monate in See ; wenn er 
Charidemos' Schreiben vor der Abfahrt erhielt, so muss dieses noch 
im Laufe des Jahres 360 eingetroffen sein (Dem. a. 0. 164 Schol. s. 



Die Satrapenaufstände. 215 

Charidemos erscheint hier als athenischer Feldherr und wie es 
nach der Fassung der Urkunde nicht zweifelhaft sein kann, als 
Stratege (vgl. S. 213), es ist aber schlechterdings nicht möglich, 
in das Jahr 360 oder auch 361 eine offizielle Strategie des 
Charidemos zu setzen. Charidemos ist allerdings spätestens seit 
Anfang 360 in Asien tätig, aber zuerst im Dienste der Schwäger 
des aufständischen Artabazos, Mentor und Memnon, dann auf 
eigene Rechnung, alle seine Unternehmungen sind ganz privater 
Natur (vgl. d. Anm.). Es wäre auch gar nicht abzusehen, 
weshalb Demosthenes bei seiner Rede gegen Aristokrates (148 fif.), 
wo er eben Charidemos' Schicksale schildert, den Trumpf sich 
hätte entgehen lassen sollen, dass Charidemos als athenischer 
Stratege oder gewesener Stratege sich so wetterwendisch und 
treulos in Asien benahm, statt dessen knüpft er diese Taten 
einfach an mit den Worten: sxatvog (6g dnofAiax^^og, yiyveTai 
naQci rov TifJiOx^äov tot«, «tt' 'AfjiipiTroXecog dvax(ogcov Siaßdg 
€ig Ti]v ^Jaiav xrX. (§ 154). Endlich wissen wir gar nicht , ob 
in dieser Zeit Orontes schon losgeschlagen hat, da der Verrat 
seiner Genossen wahrscheinlich erst im Jahre 362/61 erfolgt 
war (vgl. S. 206 f.). 

So fehlt für die Vermutung, das Bündniss zwischen Athen 
und Orontes in das Ende der sechziger Jahre zu rücken, jeder un- 
mittelbare Anhalt, und nicht anders steht es mit dem Jahre 349. 
Bergk (a. 0. 356) hat mit Recht betont, dass in dieser Zeit 



Aesch. Ktes. (III) 51 vgl. Kap. VIT 1). Auf die vorausgehenden Ereig- 
nisse müssen wir dann, wie gesagt, eine geraume Zeit rechnen, so dass 
im Frühjahr 360 spätestens Charidemos in den Dienst von Mentor und 
Memnon getreten ist. Die Strategie, welche man ihm schon fär diese 
Zeit zuweisen will, könnte demnach nur in das Jahr 362/61 Ol. 104,3 
fallen, aber abgesehen davon, dass dieses Jahr nicht für Orontes' Empörung 
passen würde (vgl. o.) kreuzte damals ziemlich erfolglos ein athenisches 
Geschwader im Hellespont (Ps. Dem. Polykles (L) 4 0*. 12 ff. 29 ff. 53 ff. 
vgl. Beloch Att. Polit. 318 f. u. Kap. VII 1), und es ist höchst unwahr- 
scheinlich, dass noch ein anderes athenisches Geschwader bei Lesbos auf- 
gestellt war. Schliesslich muss man bedenken, dass der Vorschlag im 
Jahre 353, Charidemos zum Strategen zu wählen, damals offenbar als 
eine besonders hohe, bisher noch nicht verliehene Ehre aufgefasst wurde 
(vgl. S. 217). 



216 Fünftes Kapitel. 

eine kriegerische Aktion der Athener in Asien nicht mögÜch 
ist; Athen hatte damals bereits dem Grosskönig seine wohl- 
wollende Neutralität zugesichert (vgl. S. 176). 

Die Gründe, welche Bergk sonst gegen das Jahr 349 vor- 
gebracht hat, damals hätten keine Einkünfte von Lesbos ein- 
laufen können, damals seien die athenischen Finanzen nicht, 
wie zur Zeit der Urkunde, schlecht gewesen u. s. w., sind, wie 
Bergk zum Teil selbst zugiebt (ebd. A. 2) nicht zwingend. 

Die Jahre 360 und 349 passen also zu der Urkunde nicht 
und wir sind genötigt, einen anderen Zeitpunkt zu suchen. Bis 
zum Ende des Bundesgenossenkrieges und zu Chares' Rückkehr 
nach Athen (354 vgl. S. 211) können wir die Urkunde auch 
nicht unterbringen; denn bis 357 bleibt Charidemos Athen 
feindlich (Schaefer Dem. P 153 ff. 164. 420), dann folgt der 
Bimdesgenossenkrieg : Ghares' Eingreifen für Artabazos (S. 210) 
ist durchaus selbständig, wenn man in Athen sich auch 
schliesslich damit einverstanden erklärt. Daran schliessen sich 
die Rüstungen des Grosskönigs, seine Gesandtschaft nach Athen, 
Ghares' Rückkehr (S. 211). Andererseits giebt Athen wie ge- 
sagt im Jahre 350 oder 349 spätestens an Persien die Ver- 
sicherung einer wohlwollenden Neutralität (Diod. XIV 44, 1), 
und im Jahre 351 kämpft Phokion auf persischer Seite unter 
Idrieus von Karlen (S. 134). Es bleibt somit nur die kurze 
Spanne Zeit zwischen Ende 354 und 350. 

Von selbst bietet sich da das Jahr 353, in dem Athen 
auch in Aegypten gegen Persien eingreift (S. 189). Damals ist 
Ghares in See^), Gharidemos steht in höchster Gunst: gerade 



1) Aesch. Ges. (II) 72. 78 Schaefer P 443 A. 1 vgl. II« 178 f. hat 
im Anschluss an Thirlwall mit vollem Recht diese Stelle hierhergezogen : 
es herrscht grosse Angst in Athen, weil man den Vormarsch Philipps 
(mit Pammenes vgl. S. 211) gegen die thrakische Chersones fürchtet und 
nicht weiss, wo Cbares mit seinem Geschwader weilt. Sehr hübsch ist 
auch die Combination Schaefers ([' 443 A. 3) von dem Sieg des Chares 
über eine allzukuhn vorgedrungene Abteilung Makedonen bei Eypsela 
am Hebros; derselbe gehört wahrscheinlich in diese Zeit. Damals er- 
oberte Chares Sestos (Diod. XVI 34. 3. 4. z. J. 353/52 Ol. 106, 4) : es sieht 
fast aus, als ob er Pammenes^ Bewegungen überwacht hätte. Dann ist 



Die Satrapenaufstände. 217 

damals fallt ja der Vorschlag, ihn zum Strategen zu er- 
wählen (Dem. Aristokr. (XXIII) 13 f. vgl. Schaefer Dem. 
P 421): damals ist Orontes neben Aegypten der mächtigste 
Gegner des Perserkönigs (S. 213). In diesen Verhältnissen 
findet die zweite Orontesurkimde erst ihre volle Erklärung. 

Wir werden uns die Entwickelung der Ereignisse etwa 
folgendermassen zu denken haben. Nachdem der erste Schrecken 
über des Grosskönigs Rüstungen und die Botschaft, die er ge- 
schickt hatte, überwunden war, nachdem man erfahren hatte, 
dass der Angriff den aufständischen Satrapen galt, wird die 
perserfeindliche Kriegspartei in Athen wieder die Oberhand be- 
kommen haben. Man nährte die kühnsten Hoffiiungen, aber zu 
ihrer Verwirklichung brauchte man Geld, und gönnte es den The- 
banern nicht, dass sie allein das einträgliche Soldgeschäft bei den 
persischen Grossen betrieben. So kam das Bündnis mit Orontes, 
dem Feinde des Grosskönigs zu Stande : wer dieses vermittelte, ob 
vielleicht Chares auf seinen Fahrten, von denen man in Athen 
nichts wusste, den ersten Schritt dazu getan hat (vgl. d. Anm.), 
dem können wir leider nicht nachkommen. In das Ende des Jahres 
353 werden wir aber die ersten Verhandlungen, in den Anfang 
des Jahres 352 den Volksbeschluss zu setzen haben, von dem 
zwei Fragmente (b c) uns vorliegen. Im Frühjahr 352 gingen 
die athenischen Feldherrn Chares, Charidemos und Phokion in 
See. Von dem letzteren werden Gefechte bei Atarneus gegen 
Athenodoros von Imbros, den Oberfeldherrn des Thrakerfürsten 
Berisades überliefert (Polyain. V 21) die wol in diesen Zu- 
sammenhang gehören und beweisen, dass eine Partei der 
thrakischen Teilfürsten gegen Philipp einerseits, gegen Athen 
und die anderen Teilfürsten anderseits damals Anlehnung beim 
Perserkönig suchte^). Dieser scheint wie gesagt auch selbst 



Chares wie es scheint nach Athen zurückgekehrt, um im Frühjahr 352 
wieder zur Hülfeleistung für Orontes auszufahren (Diod. XVI 35, 5 vgl. 
Scbaefer I' 445, der aber Chares* Vorüberfahrt an der thessalischen Küste 
auf seine Heimkehr bezieht). 

1) Möglich, dass bei dieser Politik des Athenodoros do» n^oßovXevfia 
zum Schutz von Charidemos* Person, das Demosthenes in der Rede gegen 



218 Fünftes Kapitel. 

gegen Orontes , dessen Reich wir uns im mittleren Westklein- 
asien denken müssen (vgl. u.), gekämpft oder wenigstens ähnlich 
wie später in Aegypten (S. 177) die Oberleitung des grossen 
combinierten Angriffs gegen Aegypten, Orontes und Artabazos 
sich vorbehalten zu haben : dadurch kam er in die Nähe Arte- 
misias von Karten und veranlasste diese, je nach den Erfolgen, 
die er errang, mehr oder weniger Aufmerksamkeiten ihm zu 
erweisen (Dem. Rhod. XV 11 f. vgl. Theopomp Phil. XIV b. 
Athen. IV 145 a Ael. var. bist. 1 31). Der Krieg mit Orontes 
muss jetzt ein Ende gefunden haben, denn im Jahre 351/50 
Ol. 107, 2 weilt der Grosskönig bereits wieder in Babylon: der 
syrisch - aegyptische Aufstand beginnt (Diod. XVI 42,1 vgl. S. 
171) ausserdem ist Athens Stellung zu Orontes in den folgenden 
Jahren ohne einen Ausgleich zwischen Orontes und Artaxerxes 
kaum verständlich (vgl. unt. u. S. 219). Auch die pergamener 
Urkunde (S. 212 A. 1) deutet darauf hin. 

Vielleicht war es Orontes, der nach dem schlimmsten 
Sturze immer wieder auf die Füsse gekommen war, auch dies- 
mal gelungen einen vorteilhaften Frieden abzuschliessen ; ja 
möglicherweise hatte gerade die athenische Unterstützung ihm 
dazu verholfen: so würde sich am besten die Fortsetzung 
seiner freundlichen Beziehungen zu Athen und das Ehrendekret 
vom Jahre 349 (Frgm. a) erklären. In diesem wird (Z. 14 vgl. 
Z. 12) die dgxi] des Orontes erwähnt, also hatte er jetzt w^ol, 
was er einst gewünscht und gehoflft, erreicht, die Herrschaft 
über einen grösseren Teil der Küstenländer Kleinasiens (vgl. S. 
206 f. 212). Freilich über Vermutungen kommen wir hier nicht 
hinaus ^). — Athen scheint sich beeilt zu haben, auch mit Persien 



Aristokrates bekämpft und dessen Einfluss auf die thrakiscben Verhält- 
nisse er fürchtet (a. 0. § 103) mitgewirkt hat. In diese Zeit mag das 
Ehren- und Schutzdekret für Athenodoros aus Kios (Lebas - Waddington 
Asie min. 1140 = Hicks man. 90) fallen. Auf wessen Seite Athenodoros 
im Jahre 360 kämpfte (Aen. Takt. 24, 14 vgl. S. 207 f.), ob auf der des 
Artabazos oder des Autophradates, ist unsicher. 

1) Eine gewisse Bestätigung der Annahme kann man vielleicht aus 
der Nachricht herleiten, das der spätere König Dareios Kodomannos 
wegen seiner im Kriege gegen die Kadusier bewiesenen Tapferkeit Ton 



Die Satrapenaufstände. 219 

wieder Fühlung zu gewinnen, und hat Phokion schon im 
Jahre 350 dem königstreuen Karerfürsten Idrieus für eine Ex- 
pedition gegen die aufständischen Kyprier überlassen (S. 134). 

Weniger glücklich als Orontes scheint Artabazos gewesen 
zu sein : wir finden ihn im Jahre 345 sammt seinem Schwager 
Memnon und seinem Harem in freiwilliger Verbannung bei 
König Philipp (Diod. XVI 52, 3 vgl. Athen. VI p. 256 d e), also 
hat er aus seiner Provinz flüchten müssen und zwar wahr- 
scheinlich eben im Jahre 352; denn nach dem phoinikisch- 
kyprischen Aufstande im Jahre 351 sammelt sich die gesammte 
persische Macht dort (S. 171 f.), auch dient im Jahre 351 bereits 
Artabazos* Schwager Mentor in Aegypten als Söldnerführer (S. 175), 
wohin er wol auch schwerlich aus freien Stücken gegangen ist. 
Wer Artabazos so entscheidend geschlagen hat, ob des Königs 
Feldherrn , ob der König selbst , das wissen wir wieder nicht. 

Jedenfalls ist um das Jahr 352 der letzte wirklich gefähr- 
liche Aufstand zu Ende gewesen. Geordnete Verhältnisse waren 
freilich damit noch nicht geschaffen, die Zuckungen dauern 
fort, aber es sind kleinere Tyrannen und Dynasten, welche 
die allgemeine Verwirrung benutzen, um sich eine Herrschaft 
zu schaffen. In deren Reihe gehört auch Hermias von Atarneus, 
wenngleich sein kleines Reich älter war (vgl. S. 208 A. 1) und 
er als Mensch seine Genossen weit überragte. Durch Bündnisse 
mit anderen Dynasten oder freien Städten suchte man sich 
gegenseitig in der einmal gewonnenen Stellung zu festigen, und 
so mag auch Hermias' Bündniss mit Erythrai in diese Zeit 
fallen ^). Hermias, der bedeutendste und mächtigste, war auch 
der erste, gegen den Persien vorging, sobald in Aegypten der 
Sieg sich entschieden hatte. Im Jahre 345/44 Ol. 108, 4 erschien 
— vielleicht als Nachfolger des Orontes, von dem wir seit 349 nichts 



Ochos mit Armenien, Orontes* alter Satrapie (vgl. d. Anbg.), belohnt 
wird und diese Satrapie bis zu seiner Thronbesteigung verwaltet (lust. 
X 3, 2—4 Diod. XVII 6, 1). 

1) Böckh Kl. Sehr. VI 202 ff. Lebas-Wadd. Asie min. 1536a = Hick8 
man. 100 = Dittenberger Syll. 97. Dittenberger gab zuerst eine der 
oben angeführten ähnliche Datirung; Hicks dachte, nicht sehr glücklich, 
an den Beginn des Bundesgenossenkrieges. 



220 Fünftes Kapitel. 

mehr hören — Mentor von Rhodos, dem Ochos zum Dank für 
seine Dienste in Aegypten (S. 177 f.) den Oberbefehl über die 
Küstensatrapien verliehen hatte mit der Weisung, dort Ordnung 
zu schaffen. Er lockte Hermias in eine Falle, nahm ihn ge- 
fangen und Hess in kreuzigen ^). Mit List und Gewalt gelang es 
ihm dann in kurzer Zeit auch die anderen unruhigen Elemente zu 
beseitigen (Diod. XVI 52, 8 vgl. Ps. Dem. 4. Phil. (X) 32), seinen 
geflüchteten Verwandten Artabazos und Memnon verschaffte er 
dagegen Begnadigung (Diod. ebd. 3. 4). — Im Jahre 341/40 Ol. 
109, 4 bei der Belagerung von Perinthos ist alles ruhig, und die 
Statthalter gehorchen (vgl. Kap. VIII). — Früher noch als in 
Aegypten hatte in Kleinasien das persische Königtum unter 
Ochos' energischer Führung sich wieder uneingeschränkte An- 
erkennung verschafft und selbst über Ochos' Tod hinaus hat 
dieser Erfolg gewirkt. Auch in den Thronwirren der folgenden 
Jahre bleibt Kleinasien treu : gerade hier hat später Alexander 
den zähesten und hartnäckigsten Widerstand gefunden. 



1) Diod. XVI 52, 5—7 Ps. Arist. Oecon. II 1351 a ApoUod. b. Diog. 
Laert. V 1, 9 Strab. XIII 610 vgl. im übrigen die erschöpfende, lichtvolle 
Abhandlung Böckh^s a. 0., die nur in dem einen Punkt der Zeit des 
Todes von Hermias zu berichtigen und mehrfach berichtigt worden ist 
(Schaefer Dem. I" 485 Unger Chron. d. Man. 327—331 Bergk, Rh. M. 
XXX VII 359 ff. Dittenberger a. 0.). Der Aufenthalt der Philosophen 
Aristoteles und Xenokrates bei Hermias von 348/47 Ol. 108, 1 bis 346/45 
Ol. 108, 3 und ihre Flucht infolge von Hermias Gefangennahme sind zwei 
überlieferte Tatsachen, an deren Zusammenhang und Glaubwürdigkeit 
wir ohne Not nicht rütteln dürfen. 



ANHANG. 
ORONTES. 

In den Satrapenaufstanden tritt uns der Narae Orontes 
dreimal entgegen, zuerst am Ausgang der sechziger Jahre 
(S. 205 flf.), dann Mitte der fünfziger Jahre (S. 212 flf.), endlich 
im Jahre 349 (S. 213. 218). An diese Erwähnungen knüpft 
sich die doppelte Frage: beziehen sie alle sich auf eine und 
dieselbe Person, und lässt sich diese Person mit einem Orontes, 
den wir sonst kennen, identificieren ? 

Der erste Orontes, den wir in der vorhellenistischen Zeit finden, 
spielt um die Wende des V. zum IV. Jahrhundert eine Rolle : er 
ist ein vornehmer Perser, der des heimlichen Umgangs mit Parysatis 
verdächtigt und durch Artaxerxes hingerichtet wird (Ktes. 57 
Bahr). Ein anderer wird auf einem Anschlag gegen den jüngeren 
Kyros ertappt und von diesem hingerichtet (Xen. Anab. 1 6, 9. 29). 
Zu der gleichen Zeit erscheint ein Orontes als Statthalter des 
östlichen Armenien und als Schwiegersohn des Königs Arta- 
xerxes Mnemon (Xen. Anab. II 4, 8. 5, 40 III 4, 13. 5, 17 IV 3, 4 
vgl. Flut. Artox. 27, 4) : es ist derselbe, der um die Mitte der 
achtziger Jahre mit seinem Nachbarsatrapen Tiribazos im 
Krieg gegen Euagoras tätig ist, seinen Mitfeldherm durch In- 
trigen aus dem Wege schafft und als diese aufgedeckt werden 
bei seinem Schwiegervater tief in Ungnade fallt (vgl. S. 130 
Rehdantz vitae 157 A. 99). Welche Folgen die Ungnade ge- 
habt hat, lässt sich aus den Worten Diodors (XV 11, 2): sx ts 
TCöi' (fi'Xcov €^txQir€ (Artaxerxes den Orontes) xai ratg Saxccxaig 
ciTt^iaig ntQikßaXs nicht mit Bestimmtheit entnehmen, doch 
scheinen sie anzudeuten, dass die Strafe nicht nur in einer 
moralischen Demütigung bestand, und dasselbe bezeugt die dem 
Orontes zugeschriebene Aeusserung, dass, wie die Finger beim 
Rechnen bald Einheiten, bald Zehntausende anzeigen könnten, 



222 Fünftes Kapitel. Anliang. 

auch des Königs Freunde bald nichts, bald alles bedeuten 
(Plut. apophth. reg. et imp. Oront. Aristeid. XL VI p. 257 J. 
Suid. u. Ugßa^äxioc). Es ist danach wenig glaublich, dass 
Orontes seine alte armenische Satrapie behalten hat. 

Einen vierten Orontes finden wir als Befehlshaber arme- 
nischer Truppen d. h. wol als Satrapen von Armenien in 
Dareios' Heer, das dieser bei Gaugamela Alexander entgegen- 
stellt (Arr. Anab. in 8, 5). Wahrscheinlich der gleiche Orontes 
ist noch im Jahre 316 Satrap von Armenien (Diod. XIX 29, 3 
Polyain. IV 8, 3). Und endlich herrscht um die Wende zum 
III. Jahrhundert wieder ein Orontes, der Nachkomme eines 
der sieben Perser (Hydarnes) , die sich gegen den Magier ver- 
schworen und Dareios I. zum Thron verholfen hatten, als der 
letzte Statthalter über Armenien, ehe dieses von Antiochos dem 
Grossen erobert wird (Strabon XII 531). 

Aus dieser Reihe gleichnamiger Satrapen von Armenien 
konnte man schon mit Wahrscheinlichkeit für diese Provinz 
auf ein ähnliches Verhältniss zwischen Fürst und Land schliessen, 
wie es sich für die daskylitische Satrapie erweisen lässt: es 
herrscht hier wie dort eine Familie, die auf einen der berühmten 
Sieben zurückgeht^). Die kürzlich gefundenen Inschriften aus 
Pergamon (S. 212 A. 1) und aus dem Nemroud-Dagh in Nord- 
syrien haben wertvolles neues Material zur Bestätigung dieser 
Vermutung beigebracht (vgl. Puchstein b. Humann und Puchstein 
Reisen in Kleinasien und Nordsyrien 1890 S. 283 flf. 304 flf.). 

Zu jener alten Herrscherfamilie gehört zweifellos auch der 
Empörer Orontes, den Trogus prol. X direkt als prnefectus 
Armeniae bezeichnet, und der wieder, wie man mit Recht fast 
allgemein angenommen hat, derselbe ist wie der Verräter 
Orontes »rrj^ Mvaiag aajQcinrjg^ bei Diodor (XV 90,3 91,1)^). 



1) Vgl. Nöldeke Gott. gel. Anz. 1883 S. 296. 

2) Den scheinbaren Widerspruch der beiden Angaben wird man 
nicht durch eine TeiteBänderung oder durch die Annahme eines Irrtums 
auf Seiten Diodors zu lösen haben, sondern aus den Ereignissen selbst 
erklären müssen (vgl. u.). Erumbholz de As. min. satr. S. 75 A. 2 will 
bei Diodor "Aq^eviag für Mvoiag einsetzen und die alte Lesung aus eineui 



Orontes. 223 

Von diesem letztem wissen wir nun jetzt mit Bestimmtheit aus 
den genannten Inschriften, dass er der Schwiegersohn des Königs 
Artaxerxes war, also identisch ist mit dem Satrapen von 
Armenien, der zur Zeit von Kyros' Zug und bei der Belagerung 
von Kypros erscheint (vgl. S. 123 ff.). Die uns bekanntei Er- 
eignisse passen vortrefflich zu dieser Zurückführung der ver- 
schiedenen Trager des Namens auf eine Person. 

Von vornherein war anzunehmen, dass das Oberhaupt, 
welches die Aufständischen sich wählten, kein ganz unbekannter 
und unbedeutender Mann war, auch kein zu junger Mann und 
zugleich einer, für dessen Zuverlässigkeit man eine gewisse 
Bürgschaft haben musste. Alle diese Bedingungen erfüllte 
vollauf der Schwiegersohn des Artaxerxes, dem dieser, um ihn 
seine Ungnade fühlen zu lassen, die ererbte Satrapie genommen 
und fern vom Hofe ein kleines Gebiet angewiesen hatte, in 
unmittelbarerer Nachbarschaft und vielleicht unter der Ober- 
aufsicht des treuesten aller Satrapen, Autophradates. Orontes 
brauchte damals nicht mehr als 60 Jahre zu zählen — er war 
wol ungefähr gleichalterig mit Autophradates und Tiribazos. 
Seine vornehme Herkunft, seine Verwandtschaft mit dem 
König empfahlen ihn zu der führenden Stellung, ausserdem 
durfte man bei ihm infolge seiner Zurücksetzung eines tief ein- 
gewurzelten Hasses gegen Artaxerxes sicher sein. Und schliesslich 
stimmt sein Benehmen im Satrapenaufstande trefflich zu seinem 



Schreibfehler erklären , doch ist die Conjectur zu gewaltsam , ganz ab- 
gesehen davon ; dass wir aus Diodors Worten XV 91, 1: vnoXaßwy 
yuQ naqa rov ßaciXemg .... tfjs na^ad-aXattiov ndarig nctqaXi^^€<fd-ai 
tr^y öat^aneLav und ans der Bemerkung 90, 1. 3 , dass vorzüglich die 
Küstenländer sich empören, darauf schliessen müssen, dass Orontes eine 
Eüstensatrapie inne hatte (vgl. ßehdantz vitae 159). Wenn Mjsien sonst 
nicht als eigene Satrapie genannt wird, so spricht das nicht gegen Diodors 
Angabe: Orontes war wahrscheinlich gar nicht (r«r(>a;r)^?, sondern v7ra()/off 
(vgl. u.); üngers Vermutung Chron. d. Man. 318 A. 10, dass er Statthalter 
von Pergamon gewesen sei, widerlegt die pergamener Urkunde. Die 
Hypothese H. Droysens Numism. Zeitschr. II 1875 309 fF., dass Orontes 
Ariobarzanes* Nachfolger in der daskylitischen Satrapie gewesen sei, hat 
Krnnibbolz a. 0. mit Recht zurückgewiesen. 



224 Ffinftes Kapitel. Anhang. 

Verhalten im kyprischen Kriege: dieselbe Herrschsucht und 
Hinteriist zeigt sich hier wie dort: Orontes verrät seine Genossen, 
weil er hoflfl, dass ihm Ärtaxerxes als Belohnung das gesammte 
Küstengebiet, d. h. im ganzen die Stellung des jüngeren Kyros 
oder die noch mächtigere von dessen Nachfolger Tissaphernes 
verleihen werde (Diod. XV 91, 1). ELrhalten hat er das (Jebiet 
freilich nicht, wie man bereits aus Diodors Worten, in denen nur 
von Hoflhungen, aber nicht von einer Erfüllung dieser Hoffnungen 
berichtet wird, schliessen konnte. Jetzt giebt die pergamener 
Orontesurkunde (S. 212 Ä. 1) dafür einen bestimmten Beweis: 
Orontes fallt vom Grosskönig ab, bemächtigt sich der Stadt 
Pergamon, hält sie fortdauernd besetzt, übergiebt sie endlich 
Ärtaxerxes und stirbt Es kann sich also, da diese in sich 
geschlossene Episode mit Orontes' Tode endigt und Orontes 
sich mindestens zweimal hintereinander empört hat (S. 206 fif. 
222), nur um die spätere Erhebung handeln; bei der ersten 
hat sich Orontes vermuüich gar nicht zu wirklichen Feindselig- 
keiten hinreissen lassen, sondern sofort seine Mitverschworenen 
verraten (vgl. S. 206); trotzdem ist er nicht mit den Küsten- 
satrapien (Pergamon eingeschlossen) belehnt worden. Zu der 
zweiten Empörung hat dann Orontes ausser der Furcht, 
den Palastintrigen um die Thronfolge zum Opfer zu fallen 
(S. 207), eben wol vor allem die Absicht getineben, die Stellung 
des jüngeren Kyros, die er erstrebte und die man ihm vor- 
enthielt, sich aus eigener Machtvollkommenheit zu erringen. 
Und im Anschluss daran drängt sich die Vermutung auf, dass 
Orontes als Belohnung für seinen Verrat statt der gewünschten 
Küstensatrapien seine alle Satrapie Armenien, die er durch 
die Ungnade des Ärtaxerxes Mnemon am Beginn des IV. Jahr- 
hunderts verloren hatte (S. 130), zurückempfing, dass er sich 
aber, damit nicht zufrieden, in den Küstensatrapien auch weiter- 
hin mit Gewalt behauptete imd u. a. Pergamon besetzte; man 
würde dadurch am leichtesten verstehen, weshalb Orontes, als 
der Aufstand ausbricht, bei Diodor Mvaiac aarQanrjc^ als er sich 
von neuem empört, bei Trogus prol. X Armeniae praefecfus 
genannt wird und der Schauplatz seiner Taten Vorderkleinasien 
und Syrien ist. 



örontes. 225 

An Leib und Leben ist Orontes bei der zweiten Empörung 
wol ebensowenig als später zu Schaden gekommen. Wenn 
Trogus prol. X angiebt, dass Artaxerxes Mnemon vor seinem 
Tode sämtliche Empörer überwältigt habe, und wir von zwei 
der dort genannten, von Datames und Ariobarzanes wissen, 
dass ihr Aufstand erst mit ihrem Tode schloss, so könnte man 
das gleiche für den an dritter Stelle erwähnten Orontes voraus- 
setzen, aber notwendig ist dies keineswegs. Orontes' Stellung 
als eines der vornehmsten Perser und Schwiegersohnes des alten 
Königs, die ihm ebenso gefährlich wie nützlich werden konnte, 
die Verwirrung und Parteiung, welche die persische Thronfolge 
damals hervorrief, seine treulose aber geschickte Politik können 
ihn recht wol auch diesmal gerettet haben. War doch gerade 
kurz vor dieser Zeit sein einstiger Nebenbuhler Tiribazos in 
einer Verschwörung zu Gunsten des Thronfolgers Dareios ge- 
tötet worden (Plut. Art. 27 — 29). Ausserdem ist es schwer 
glaubHch, dass wenige Jahre nach dem angeblichen Tode 
des einen Orontes sofort ein anderer mit den gleichen Zielen, 
den gleichen Bundesgenossen und der gleichen Bedeutung hervor- 
getreten sein sollte. Man wird deshalb wahrscheinlich die Frage, 
ob der Empörer Orontes vom Ende der sechziger und derjenige 
aus der Mitte der fünfziger und dem Anfang der vierziger Jahre 
dieselbe Person sind, zu bejahen haben (vgl. Rehdantz vitae 
157 fif.). Dass wir es bei dieser Annahme mit einem Sechziger 
oder Siebziger zu tun haben, darf in einer Zeit, wo ein Agesilaos 
mit 84 Jahren noch am Kampfe sich beteiligte, ein Isokrates 
in dem gleichen Lebensalter als Publizist tätig war, ein Arta- 
xerxes 46 Jahre lang regierte, nicht auffallen. 

Der Orontes, welcher im Jahre 331 und vielleicht noch 
316 als Satrap von Armenien auftritt, würde dann etwa der 
Enkel des Empörers Orontes sein : inzwischen hatte bis zu seiner 
Thronbesteigung als König Dareios III. (336) Kodomannos die 
armenische Satrapie verwaltet (S. 218 A. 1). 



JUDETCH, Rleinasiatlsclie Studien. 15 



SECHSTES KAPITEL. 
MAUSSOLLOS VON MYLASA. 



1. DIE ZEITFOLGE DER K ARISCHEN FÜRSTEN IM IV. JAHRHUNDERT. 

Für die Regierungen der Satrapen, welche Karien während 
des IV. Jahrhunderts in erblicher ununterbrochener Folge ver- 
walteten, besitzen wir in den Angaben Diodors im XVL Buch 
ein wertvolles Zeugniss, und dazu kommen wichtige Notizen 
bei Strabon (XIV 656) und Arrian (Anab. I 23). Aber trotz 
dieser vorzüglichen Quellen herrscht über die Zeitfolge der 
karischen Fürsten immer noch kein Einverstandniss , es sind 
vielmehr eine ganze Anzahl von einander abweichender Mei- 
nungen aufgestellt worden (vgl. Krumbholz, de As. min. satr. 83), 
da die übrige schriftstellerische wie die inschriftliehe Ueber- 
lieferung mit Diodors Angaben anscheinend nicht in Einklang 
zu bringen ist. 

Prüfen wir die Angaben Diodors zunächst in ihrem Ver- 
hältniss zu einander, so ergiebt sich, von einem kleinen gleich 
zu erwähnenden Irrtum abgesehen, eine vollständige Ueberein- 
stimmung. Den Regierungsantritt des ersten der karischen 
Satrapen Hekatomnos überliefert Diodor nicht — vermutlich 
wurde Hekatomnos am Ausgang der neunziger Jahre einge- 
setzt (vgl. S. 233) — , er beginnt mit Hekatomnos' Sohn und 
Nachfolger Maussollos und bietet dann die folgende Liste: 

Regierungs- Regieriings- 



Name. 


anfang. 


Olympiaden. 


dauer. 


Zeugniss. 


fMaussollos 
VArtemisia 


377/76 


100,4 


24 


Diod. XVI 36, 2 


353.52 


106,4 


2 


45,7 


rldrieus 
V.Ada 


351/50 


107,2 


7 


42,6 


344/43 


109,1 


4 


69,2 


Pixodaros 


341/40 


109,4 


5 


74,2 



Maussollos von Mylasiä. 227 

Diodor rechnete hier offenbar wie der persische Königskanon (vgl. 
u.) dasTodesjahr des vorausgehenden als Anfangsjahr des folgenden 
Herrschers, und dass er genau rechnete, das beweist einmal 
die Verwendung der Fürstenreihe als Anhalt, einzelne Ereignisse 
zeitlich näher zu bestimmen (vgl. XVI 42,6. 45,7 u. S. 171 A. 1), 
das beweist ferner die Gesammtsumme der angeführten Re- 
giarungsjahre. Es sind deren 42 ; wir kommen also von 377/76 
beginnend für Pixodaros letztes Regierungsjahr auf das Jahr 
336/35 Ol. 111,1, für sein Todesjahr auf das folgende 335/34. 
Die Richtigkeit dieser Rechnung wird bestätigt durch die Be- 
merkung Diodors (XVI 74, 2) , Pixodaros habe regiert i'cag ini 
TTjV ^AXs^äv^Qov didßaaiv etg rriv lAffiav^ also bis zum Früh- 
jahr 334 (vgl. Arrian. Anab. I 11, 3. 5 — 7). Diesem zeitlich ge- 
schlossenen Ganzen gegenüber kann es nicht schwer ins Gewicht 
fallen, w^enn bei Adas Herrschaft der Anfang richtig in das 
Jahr 344/43, das Ende nach vierjähriger Regierung schon in 
das Jahr 341/40 gesetzt wird (vgl. o.), sei es nun, dass hier 
wirklich ein Rechenfehler Diodors vorliegt '), sei es — und das 
ist ebensogut möglich — , dass der Fehler sich aus der Ver- 
einigung von karischen Fürstenjahren und Diodors Olympiaden- 
jahren erklärt. 

Die Einwände gegen die Zeitfolge von Diodors karischer 
Fürstenreihe hat man auch nicht dieser selbst entnommen, 
sondern auf anderwärts überlieferte Nachrichten gegründet, 
und zwar: 

1) auf die von Dionysios von Halikarnassos gegebene 
Zeitbestimmung Ol. 107, 2 351/50 für Demosthenes' Rede über 
die Freiheit der Rhodier (XV), in der Artemisia noch als lebend 
erwähnt wird; 

2) auf zwei Angaben des Plinius ^), der Maussollos' Tod unter 
dem Jahre 351 erzählt; 



1) So Jürgens, de rebus Halicarnassensium. Diss. Halle 1877 S. 56 ff., 
der Diodors Fürstenreihe ebenfalls mit ähnlicher Beweisführung anerkennt. 
Auch Schaefer Dem. II' 501 A. 1. 

2) n. h. XXXVI 30 . . . Mausoleum, sepulchrum hoc est ab uxore 
Artemisia factum Mausolo Cariae regulo^ qui {quo Cod. Bamberg n. Sillig) 

15* 



!2i28 * Sechstes Kapitel. 

3) auf die Urkunde von Tralleis bei Lebas- Waddington Asiemin. 
1651 (CIGr. 2919) aus dem siebenten Monat des siebenten Jahres 
dos Artaxerxes Ochos, in der bereits Idrieus als Satrap erscheint. 

Die ersten beiden Gegengründe sind in keiner Weise 
zwingend. Wie wenig Dionysios' Ansatz für Demosthenes' 
rhodisehe Rode sieh mit den gleichzeitigen Ereignissen verträgt, 
ist sclmn früher (S. 186 ff.) auseinandergesetzt worden. Aber auch 
Plinius* Bemerkungen erwecken berechtigten Zweifel. Zunächst 
sind die beiden Pliniusstellen auf eine einzuschränken, denn 
die zweite ist nichts anderes als eine Wiederholung der ersten. 
Forner aber liegt es sehr nahe, da chronologische Irrtümer bei 
Plinius nicht allzu selten sind, hier an eine Verwechslung des 
Todesjahres der Artomisia mit dem des Maussollos zu denken ^). 
Plinius* ganz alleinstehende Angabe muss jedenfalls der wohl- 
gefügton Fürstenreihe Diodors gegenüber zurückstehen. 

Mohr Schwierigkeiten bereitet es, die Urkunde von Tralleis, 
Lebas- Waddington a, O., welche nach der gewöhnlichen An- 
nahme Idrieus beivits in der zweiten Hälfte des Jahres 352 als 
Satrapen nennt (vgl. S, 230), mit Diodors Regierungskanon 
zu vemnigen. Die Inschrift enthält die Verieiliung des Asyl- 
nn^htes an ein Dionysosheiligtum und stammt dem Schrift- 
oharakter nach aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Waddington 
hat sie mit Reicht in Bt^ziehung gebracht mit der Regelung 
des Asyhvchtes unter Til)orius (Tac. Ann. HI 60 ff.): die 

obiit olympiadis CVII »nno secundo. Besckreibang des MaiisoleoniB. 
.... priusque quam perager^t regt na oöiiL Dennoch Ton den Künstlern 
ToIIeiidet. 47. »ecattdi in cru^^tas nescio an Cariae Juerit inventwm. anti- 
qms^may qmod equidem mi^eniam^ Halicarrum domus Mausoii Frueonmesio 
imoirmort excuXta est tatericiis parietibus. is Mit olympiadis CVII anno 
secundOy urbis Bomae CDllI. 

1) Bei$oitder$ wahr^cheiulich wird das durch das priusque qmam pera- 
yerent (d. Maussolleion) regina oöiit am Schluss dtr ersten Stelle, welche 
scheinbar das qui obiit am Beginn wieder aufnimmt. Die Lesart des 
Codex Bäimbergen$is quo obiit, welche Sillig angab, scheint sieh nach 
Detleiseas Ausgabe nicht bewahrheitet su haben. Man hatte scMtst so$^r 
an die Lesujtig qttoe obiit nnd an eine die talsche Lesvng ^m* «dtti auf- 
nehmende Glosse an der zweiten Stelle denken kdiuieii. 



Maussollos von Mylasa. 

Urkunde ist wahrscheinlich zur Unterstützung der Forderung 
des Asyls für Tralleis verfertigt worden. 

Auf der Tatsache einer so späten Aufzeichnung bzw. Wieder- 
aufzeichnung der hischrift und auf der seltsamen Schreibung 
der Zahl des Regierungsjahres (MIIIM) fussend, hat man den 
Inhalt sammt der Datierung für eine wertlose Fälschung erklärt 
(Waddington a. 0., Ed. Meyer, Karien in Ersch u. Grubers 
Encyclop. IL Sect. XXXIII S. 57 u. A.). Aber selbst wenn die 
Urkunde eine Fälschung ist, konnte und musste der Fälscher eines 
jedenfalls richtig angeben, eben die Datierung, die sich nach- 
prüfen liess : wenn nichts anderes, waren doch jedenfalls echte 
Inschriften genug vorhanden, die einen Anhalt gewährten. 

Andere wie Noeldeke (Gott. gel. Anz. 1884. 297), auch 
Krumbholz de As. min. satr. S. 79 f., Lenschau de reb. Prien. 
151 A. 3 erkannten die Echtheit der Urkunde an, setzten aber 
das Original in die Zeit Artaxerxes' II. Mnemon, in das Jahr 
398: damals sollte ein älterer Idrieus in Karien regiert haben. 
Doch dem ist entgegenzuhalten, dass wir von einem älteren 
Idrieus, und besonders von einem älteren Satrapen Idrieus nichts 
wissen (vgl. S. 232 f.). Die Berührung eines Idrieus mit Agesilaos, 
die Krumbholz veranlasst hat, diese Auffassung zu vertreten, 
lässt sich ganz gut auf den bekannten Träger des Namens be- 
ziehen (vgl. S. 203 A. 2." 235 A.). 

Eine dritte namentlich von Boeckh z. CIGr. 2919 (vgl. 
Manetho und die Hundssternperiode S. 128 A. 2) verfochtene 
Ansicht weist dem bekannten Idrieus schon bei Lebzeiten 
Artemisias eine selbständige Satrapenstellung im Osten des 
karischen Reiches zu. Aber wenn auch Idrieus schon unter 
Maussollos als Feldherr tätig gewesen ist (Polyain. VII 23, 2), so 
war er doch damals nicht Satrap. Die von Diodor, Strabon und 
Arrian übereinstimmend überlieferte Fürstenfolge lässt eine solche 
Auffassung nicht zu (vgl. o.) ; sie ist auch bereits von Böhnecke, 
Forschungen I S. 726 und neuerdings von Bergk-Schaefer Rh. 
Mus. XXXVn S. 363 ff. zurückgewiesen worden. 

Bergk und Schaefer (vgl. Dem. P 456 A. 4) gehen in der 
Schätzung der Urkunde von Tralleis am weitesten ; sie benutzen 



230 Sechstes Kapitel. 

die Inschrifl, um den Beginn von Artaxerxes Ochos' Herrschaft 
in das 393. Jahr Nabonassars, Nov. 356 auf Nov. 355 Ol. 106, 1. 2 
hinabzurücken. Aber dieser Ansatz widerspricht in gleicher 
Weise dem astronomischen Kanon der persischen Könige, der 
sich bisher stets als unfehlbare Quelle erwiesen hat und Ochos' 
Regierungsanfang in das 390. Jahr der Aera Nabonassars, Nov. 
359 auf Nov. 358 setzt, wie Diodors karischer Fürstenreihe: 
so gewaltsam dürfen wir nicht vorgehen '). Dagegen ist der 
von Bergk S. 365 f. vgl. 370 betonte Grundsatz unbedingt richtig, 
dass der Königskanon das Antrittsjahr des Herrschers als voll 
und dann die Jahre der Aera Nabonassars astronomisch weiter- 
rechnet, während die Steinurkunden von Antrittstermin zu 
Antrittstermin jedes Jahr voll zählen. 

Ueber die Zeit, wann Ochos seinem Vater gefolgt ist, 
schwanken die Angaben stark, so bestimmt auch der Regierungs- 
beginn des Artaxerxes U. Mnemon für das Jahr 404 überliefert 
wird (vgl. Clinton F. H. U« App. S. 381 Bergk a. 0. 366 A. 1) : 
Diodor (XV 93, 1) setzt Artaxerxes' Tod in das Jahr 362/61 
Ol. 104, 3, Plutarch (Artox. 30, 5 vgl. Luk. Makrob. 15 
ßaaiXevaag dh dvo xal i^rjxoi'xa {srtj), WO wol TeaaaQaxovta 
ZU schreiben sein wird), in das Jahr 363, Eusebios Ghron. 
z. J. 1652 Abr. in das Jahr 364 Ol. 104, 1, das marmor Parium 
in das Jahr 357/56 Ol. 105, 4, aber gleichzeitig mit dem Regierungs- 
anfang Philipps von Makedonien, der spätestens im Jahr 359 den 
Thron besüeg (vgl. Unger Philol. XU 1882 S. 80 Schaefer 
Dem. II« 16 A. 4). 

Massgebend ist hier allein der Kanon : er lässt wie erwähnt 
Ochos im 390. Jahre Nabonassars, Nov. 359 /Nov. 358 seine 
Herrschaft antreten und zählt Ochos' Vater und Vorgänger 
46 Regierungsjahre zu, eine Zahl, die durch die Urkunde bei 
Lebas-Waddington Asie min. 379 »aus dem 45. Jahre des 
Königs Artaxerxes« bestätigt wird. Immerhin beweisen die 



1) Bergk und Schaefer sprechen von dem Gegensatz zwischen dem 
Kanon und den karischen Urkunden (CIGr. 2691 c~e = Lebas-Wadd. 
Asie min. 377—79 = Hicks 101 = Dittenbg. 76): ein Gegensatz besteht 
aber nur zwischen dem Kanon und der Urkunde von Tralleis. 



Maassollos von Mylasa. ^1 

vielen abweichenden Ansätze, dass man über den wirklichen 
Beginn von Ochos' Regierung schwanken konnte, und was wir 
über die Thronstreitigkeiten aus Artaxerxes' letzten Jahren er- 
fahren (vgl. Bergk a. O. 368 u. o. S. 207) zeigt, dass für die 
Schwankungen auch ein tatsächlicher Änlass vorhanden war. 
Um so glaubwürdiger wird durch diese Wirren eine schon oft, 
aber nie entscheidend verwertete Nachricht desPolyainos Vni7, 
die wol den Schlüssel zu dem scheinbaren Widerstreit zwischen 
Kanon und Urkunde enthält, dass nämlich Artaxerxes Ochos 
nach Vereinbarung nut seinen Hofbeamten den Tod seines 
Vaters zehn Monate lang verheimlicht und dann erst öffentlich 
die Regierung übernommen habe. Die chaldäischen Hofastro- 
nomen, welche den Königskanon abfassten, waren als Haupt- 
personen am persischen Hofe sicher in das Geheimniss mithinein- 
gezogen (vgl. Bergk 367) und waren daher in der Lage Ochos' 
Regierung richtig vom 390. Jahre Nabonassars, Nov. 359 auf Nov. 
358, in dem Artaxerxes Mnemon wirklich verschieden war, zu 
rechnen; die Urkunden in den kleinasiatischen Provinzen aber 
und im persischen Reiche überhaupt konnten erst von dem 
offiziellen Regierungsbeginn, zehn Monate später, an zählen. 

Starb somit Artaxerxes Mnemon etwa 1. Mai 358 — ich 
rechne der Uebersichtlichkeit halber mit unseren Monaten — 
so bestieg Ochos offiziell den Thron am 1. März 357, sein 
siebentes Regierungsjahr, das die Inschrift von Tralleis nennt, 
fällt nach Urkundenrechnung (vgl. S. 230) 1. März 351 bis 
1. März 350, der siebente Monat auf den September 351. Da 
wir für Artaxerxes' II. Tod nach dem Kanon etwa die Grenzen 
zwischen December 359 und Oktober 358 haben, würde Ochos' 
öffentliche Thronbesteigung zwischen Oktober 358 und August 
357 liegen, Idrieus' Regierung wird also durch die Urkunde 
nicht früher als etwa im März 351 gefordert, ihr Beginn 
könnte, falls wir die untere Grenze von Ochos' öffentlicher 
Thronbesteigung (August 357) annehmen, auch erst in den 
Februar 350 fallen. Das ist genau die von Diodor überlieferte 
Zeit (S. 226 f.). 

Man wird im Allgemeinen richtig urteilen, wenn man 



332 Sechstes Kapitel. 

Aiiemisias Tod in die zweite Hälfte des Jahres 351 verlegt^), 
in dieselbe 2feit würde die Urkunde von Tralleis zu setzen sein. 
Die dritte Mylasaurkunde (Lebas- Waddington Asie min. 379) aus 
dem fünften Jahre desArtaxerxesOchos endlich gehört dann un- 
gefähr in das Olympiadenjahr 353/5:2, Ol. 106, 4. — So fugen sich, im 
Gegensatze zu den darin gefimdenen Widersprüchen, der persische 
Königskanon,diekarischeFürstenreiheunddiekarischenInschriften 
zwanglos zu einem zeitlich festgeschlossenen Ganzen zusammen. 

S. DIS BEKATOlCaDEN TON MTIASA. 

Die Heimat des Fürstengeschlechtes, das Karien im IV. 
Jahrhundert beherrscht , ist Mylasa (Strabo XIV 659 Vitr. U 
8> 11 vgl. Lebas- Waddington Asie min. 377,8). Ob es dorthin 
erst verhältnissmiissig spät eingewandert ist, oder ob es von 
Allers her in Mvlasa ansässig und vielleicht mit den Dvnasten, 
die dort im Begiim des V. Jolirhunderts auftreten (Herod. V 
37, liO, verwandt war, lassl sich nicht entscheiden. Dass im 
ionischen Aufetiuide ein vornehmer Mann aus Kindya^), Namens 
Pixoiliunos Mauss^>l!os' Sohn erscheint (Herod. V 118), giebt 
ims noch kein Reihte eine Verwandtschaft mit den Hekatom- 
uiden von Mvlasa vorauszus^^tzen *>. Mit gleich geringer Wahr- 
scheinlichkeit hat man eine Be.dehuiig mit der älteren Artemisia 
von Ha'ikamassos imd ihrer Dynastie herstellen wollen*). 

r Die TOtt St. CroLx Mexn. de risät. de Frunce clasae dliistoire et 
litterat. anc. ISl» S. 519 an^ führte Nachricht ^ Artemisn sei nach 
WetKeiin;^ s. Sitti;$«.>ii. chroa. p. ^i^ extraxte itnmo (des ArekoBteiijaüires) 
gei^Cocbeit» babe ich niclK tiauea komtea. Jedeoi^Us haodelt 9» sich hier 
ttur um eine Vermu-un^ We«ssel:n^ 

2> Die bi;$her scch imbestiiiimte Stelle der Stadt i&t aach einer 
PrtTatmitceiluBg von Patojt an FruiLS Winter» neaerdings dtueh R^ton 
vahrwbein.ich zwei Stunden landeinirlrt» tob Bargylia im laaiseheA Golf 
auigetundea worden. 

3 Eine Au^^wanderun^ aec Eündvec nach Mjia&a nehmen an Stark 
Eo» 1S04 S. 353, Jür^nu de rebus Hikücarn. S. 34. Wir heiines aber 
auch iscbott einen mvthiscben >l;iussoIio« < vo^L Stark & 0. 353 1). 

V' Fohia, de dvtia^tis» Caxici» Disj^k Bre?>iaa lS6iJ S. 6 £, der Ä. 6 die 
Antsichten seiner Vor^dn^r über aie^ Fr^^ zuAunmes&ast. Said, fu 



L^ 



MaussoUos von Mvlasa. 233 

Der Stammvater des Geschlechtes Hekatomnos erscheint 
zuerst im Jahre 390. Er ist damals bereits persischer Satrap 
von Karien und wird mit Autophradates von Lydien gegen den 
aufständischen kyprischen König Euagoras abgesandt (Diod. XIV 
98,3 Theop. b. Phot. cod. 176 vgl S. 119). Gerade durch 
diese Stellung als Satrap und als Herrscher über ganz Karien 
unterscheidet er sich von den kleineren karischen Dynasten 
und Städtetyrannen, die wir aus dem V. Jahrhundert kennen. 
Karien hatte, wie aus den attischen Tributlisten klar hervor- 
geht (vgl. Köhler, Urkunden und Unters, z. Gesch. d. delisch- 
attischen Bundes. Abhdlg. d. berl. Akad. d. Wiss. 1869 S. 120) 
um die Mitte des V. Jahrhunderts zum grossen Teile sich 
vom attischen Bunde wieder losgelöst. Als dann der Bund 
während des peloponnesischen Krieges ganz auseinanderfiel, 
war Karien bald wieder vollständig unter persischen Ein- 
fluss gelangt. Nach dem Scheitern der Aufstände des 
Pissuthnes und Amorges gehört es zu Tissaphemes' Satrapie bis 
zu dessen Tode im Jahre 395 ^). Da im Jahre 390 Hekatomnos 
bereits Satrap ist, muss seine Belehnung also zwischen die 
Jahre 395 und 390 fallen. Wie Artaxerxes dazu kam, gerade 
Hekatomnos einzusetzen, ist nicht überliefert. Wir finden 
auch sonst einheimische Fürsten in Satrapenstellungen, aber 
eines setzt die Belehnung als wahrscheinlich voraus, dass 
Hekatomnos' Machtgebiet bereits vorher Karien oder doch einen 
grossen Theil Kariens umfasste. Und da Karien vordem einen 
Bundesstaat gebildet hatte ^), muss Hekatomnos diesen ver- 

q)avovg MavaojXov yvyaixog xtX. ist die einzige Grundlage für die Ver- 
mutung und genügt in keiner Weise, um dieselbe zu rechtfertigen. 

1) Krumbholz de Asiae min. satr. 31 f. 37 ff. 79 vgl. o. S. 67 f. Dass 
Karien am Beginn des IV. Jahrhunderts bereits einen eigenen Satrapen 
gehabt hat (Lenschau de reb. Prien. 151. 153), lässt sich aus der Erwäh- 
nung einer Satrapie Karien in Xenophons Cyropaedie VIII 6, 7 allein 
nicht erweisen: der Idrieus I. , den man dort einsetzt, hat nie existiert 
(vgl. S. 235 A.). 

2) Die Erzählung über das Verhalten der Karer im ionischen Auf- 
stande (Herod. V 117—121), in dem uns das Volk zuerst greifbarer ent- 
gegentritt, wie ihr geschlossenes Auftreten gegenüber Hekatomnos und 
seiner Dynastie (vgl. u.), scheinen mir notwendig einen karischen Bundes- 



234 Sechstes Kapitel. 

gewaltigt haben. Die deutlichsten Anzeichen dafür sind vor- 
handen einmal in dem Hass, den noch Maussollos Hekatomnos' 
Sohn bei der karischen Bundesgemeinde, die auch unter der 
Hekatomnidenherrschaft ihr Leben weiterfristete, fand (vgl. 
u.), und dann in der Nachricht von einem Kampfe des Heka- 
tomnos gegen die Karer. Suidas u. Js^innog berichtet nämlich, 
dass Hekatomnos den berühmten Koer Arzt Dexippos habe 
herbeirufen lassen, um seine bereits aufgegebenen Kinder 
Maussollos und Pixodaros zu heilen. Das habe dieser auch 
getan, aber nur unter dem Versprechen, dass Hekatomnos von 
dem Kriege gegen die Karer ablassen wolle. Man hat an dieser 
Stelle ganz mit Unrecht Kqiovg für Kagag, das die Ueberlieferung 
übereinstimmend bietet, lesen wollen ')• Wenn Dexippos sich 
hier zum Vertreter der Feinde des Königs aufwarf, so hatte er 
Grund genug dafür sowol als freier Bürger gegenüber dem 
Tyrannen, wie als Grieche, denn die griechischen Städte in 
Karien waren durch Hekatomnos' Herrschaftsgelüste in gleicher 
Weise gefährdet wie die Bundesgemeinde der Karer, ja einzelne 
wie Stratonikeia gehörten sogar zu dieser Gemeinschaft (Strabo 
XIV 660), und mussten sich in einem Kampfe gegen den 
Fürsten notwendig mit den Karern zusammenschliessen. 

Hekatomnos hat seinen Willen durchgesetzt trotz des Wider- 
standes und er hat sich sogar Persiens Anerkennung zu ver- 
schaffen gewusst^). Freilich war es mit seiner Anlehnung an 



Staat mit dem gemeinsamen Heiligtum des Zeus Chrysaoreus bei Strato- 
nikeia (vgl. Strab. XIV 660 f.) vorauszusetzen, nicht nur eine Tempel- 
genossenschaft (Ed. Meyer, Earien in Ersch u. Grubers Encyclop. II. Sect. 
XXXIII S. 54). Dass sich innerhalb des grossen Bundes kleinere Gruppen 
enger zusammenschlössen (Newton, a history of discoveries at Halicarnassus, 
Cnidus and Branchidae I S. 14, Stark a. 0. 350), ist nur natürlich, üeber das 
allgemein karische avatrjf^a xü)v X^voao^swy vgl. Waddington z. Lebas 
Asie min. 399, Diehl u. Cousin Bull, de corr. hell. IX 468. 

1) Bernhardy z. d. St. Pohla, de dynastis Caricis S. 22 A. 20. 
Jürgens, de rebus Halicarnassensium S. 38. Krumbholz a. 0. 80 ; richtiger 
Stark S. 390 A. 31. Es lag doch für einen Abschreiber viel näher Kwiovs 
für Kaqag einzusetzen, als umgekehrt Kaqag für Kwiovg, 

2) Bei der kurzen Zeit, innerhalb deren Hekatomnos die kariscbe 
Satrapie übernommen haben kann (S. 233), ist es höchst unwahrschein- 



Maussollos von Mylasa. 235 

Persien nicht sehr ernst gemeint: in demselben Feldzuge, den 
Hekatomnos im Auftrage des Grosskönigs gegen Euagoras 
unternahm, hat er heimlich mit seinem Gegner Verbindungen 
angeknüpft; es war sein Werk, wenn die ersten Jahre des 
persisch-kyprischen Krieges ohne jeden Erfolg für Persien ver- 
strichen. In dem weiteren Verlaufe unterstützte er Euagoras 
sogar mit Geld (Diod. XV 2, 2 vgl. Isokr. Paneg. (IV) 162). 

Diese zweideutige Politik, die lediglich die Ausbreitung und 
Steigerung der eigenen Macht bezweckte, scheint Hekatomnos 
doch zum Vorteil ausgeschlagen zu sein; sie hat allen seinen 
Nachfolgern als Vorbild gedient. Im Einzelnen wissen wir 
nichts von seiner Regierung. 

Durch den Antelkidasfrieden im Jahre 386 wurden die 
Griechenstädte Kariens, soweit sie nicht schon unter der 
Herrschaft der karischen Fürsten standen, diesen zugesprochen. 
Halikamassos wird die Hauptstadt von Hekatomnos' ältestem 
Sohn und Nachfolger Maussollos, dem bedeutendsten Ver- 
treter der Dynastie (Strab. XIV 656 Vitr. II 8, 11 Diod. XV 
90, 3 XVII 23, 4), und damit verbindet sich eines der ersten, 
vielleicht das erste Beispiel einer nicht freiwilligen, sondern 
zwangsweisen Zusammensiedelung mehrerer Städte in eine 
Stadtgemeinde, wie sie in der hellenistischen Zeit so oft wieder- 
kehrt: sechs Lelegerstädte wurden mit Halikamassos vereinigt^). 
Wann dieses wichtige Ereigniss erfolgte, dafür fehlt leider jeder 
unmittelbare Anhalt. Im Jahre 362 scheint der Synoikismos 
bereits vollzogen gewesen zu sein (Diod. XV 90, 3), vermutlich 



lieh, dass wie man angenommen hat (Nöldeke Gott. gel. Anz. 1884. 296 f. 
u. A.), Idrieus, ein anderer Vertreter derselben Familie, Hekatomnos 
in der Satrapenstellung vorangegangen ist. Die zwei einzigen Stellen, 
aus denen man darauf geschlossen hat (Lebas-Waddington Asie min. 1651 
Flut. Ages. 13) lassen sich einfacher und befriedigender anders erklären 
(vgl. S. 203 A. 2. 229 ff). Dass bei Lebas- Waddington Asie min. 377, 8 n^oyovot 
des Maussollos und Hekatomnos als Wohltäter von Mylasa erwähnt werden, 
beweist nur, dass die Familie, was wir ohnedem wissen, in Mylasa sehr 
angesehen war, ja vielleicht die Fürsten würde in der Stadt bekleidete. 
Aber Satrapen von Earien brauchten sie darum noch nicht zu sein. 
1) Strab. XIII 611 vgl. Judeich, Athen. Milth. XIU 339 f. 



236 Sechstes Kapitel. 

liegt er aber als ein Grundpfeiler von Maussollos' Politik dessen 
Regierungsanfang noch näher: eine Combination führt ungefähr 
auf das Jahr 367 (vgl. S. 237 f.). 

Maussollos wird uns geschildert als ein (grosser stattlicher 
Mann , als ein gewaltiger Heerführer (Luk, dial, morL 24, 1 
Vitr. II 8, 10) ; er ist griechischem Geiste zugänglich und ver- 
rät für griechisches Wesen und griechische Kultur ein feines 
Verständniss: der echte und grösste Vorläufer der hellenistischen 
Zeit (Diog. Laert. VIII 8, 2 vgl. Starke 363 unt. S. 247). Aber 
die Grundzüge seines Wesens sind eine zielbewusste vor nichts 
zurückschreckende Tatkraft gepaart mit der Schlauheit des 
Orientalen. Diese lassen sich in seiner Politik erkennen. Diese 
spiegelt auch sein uns erhaltenes Bildniss wieder ^). Die Ueher- 
lieferung wirft ihm Habgier vor'); vielleicht mit Recht, nur 
dass die Bereicherung ihm nicht Selbstzweck war. 

Maussollos übernahm die Satrapie im Jahre 377/76 (Diod. 
XII 36,2 vgl. S.226f.), aber erst nach einem Jahrzehnt taucht 
er - wieder in der Ueberlieferung auf, und gleich diese erste 
Nachricht zeugt dann von dem immer noch fortdauernden 
heimlichen Kampf zwischen den Dynasten und dem karischen 
Rundesstaat. In das 39, Jahr des Ärtaxerxes Mnemon, in 
das Jahr 366 fällt die erste jener hochwichtigen Maussollos- 
urkunden aus Mylasa (Lebas-Wadd. Asie min. 377 vgl. S. 230 A.): 
ein Gesandter der karischen Bundes emein de Arlissis des 
Thyssollos Sohn war zum Grosskönig abg^angen und hatte 
dort Maussollos verdächtigt. Dafür hatte er den Tod erlitten 
und die Gemeinde von Mylasa, in der er angesessen war, halte 
seinen Besitz Maussollos zugesprochen^). 

]} Abgebildet bei Newton, a history of discov. at Halik. 111 S. 104 
•gl. Friederichs- Wolters, Bausteine 1885. S. 426 f. 

2) Theop, b. Suid. a.Ea.x^oki.vatMaCaioXoc Pa. Ai'istot. Oec. U p. 1348a 
Tgl. unt. S. 239 f. 

3) Von diesem missglQDkten Yersuebe Maussolloa zu stürzen, der wahr- 
-"HeinJich iui Zusammenhange stand mit einer weitreichenden Bewegung, 

-ichtet nie es scheint noch eine zweite Urkunde aus dem der HafeDsttidt 
'lasas (Patara) benftchbaiten lasoe (Bull, de corr. hell. Y (1881) S. 493ff. 
Ditten berger S;ll 77). Die Eingangsformel, wel<.-he den Beschluss nur nach 



Maussollos von Mylasa. 237 

Maussollos stand also fest in der Gunst seines Oberherrn, und 
warum er so feststand, obwol die Karer mit ihren Anschuldigungen 
gegen ihn Recht hatten (vgl. u.), lehrt eine andere Nachricht, 
die in diese Zeit gehört. Gerade damals ist ja Maussollos 
damit beschäftigt, mit seiner gewaltigen Flotte den aufständischen 
Satrapen Ariobarzanes in dessen Städten Assos und Adramy tteion 
zu belagern (Ps. Xen. Ages. 2, 26 vgl. S. 202), und Artaxerxes 
konnte in einer Zeit, in der er nur mit grosser Anstrengung 
sich selbst und die Einheit seines Reiches gegen die Aufstände 
mächtiger Vasallen verteidigte, einen so wertvollen Bundes- 
genossen in unmittelbarer Nähe des Heerdes der Empörung 
nicht entbehren. Und doch hat Maussollos in ebendieser Zeit 
die ersten Verbindungen mit den Aufständischen und mit deren 
tätigen Bundesgenossen Agesilaos angeknüpft, ja, wenige Jahre 
später ist Agesilaos sein Gast gewesen (Ps. Xen. a. 0. 27 vgl. 
S. 203). Seitdem gehört Maussollos zu den Häuptern der Em- 
pörer. Der Druck, den er auf Autophradates von Lydien aus- 
übte, hat wol vorzüglich dazu mitgewirkt, dass dieser getreueste 
aller Satrapen sich der Erhebung anschloss (vgl. S. 205). 

Aber vorher bestanden anscheinend Verbindungen des 
Maussollos mit den Aufständischen nicht: was konnte Anlass 
geben, ihn zu verdächtigen ? Die Antwort darauf können wir, 
so scheint mir, einem Ereigniss entnehmen, dessen Zeitpunkt aus- 
nahmsweise einmal feststeht und mit dem der karischen Bundes- 
gesandtschaft an Artaxerxes genau zusammenfällt: es ist der 
freiwillige Synoikismos der kölschen Gemeinden (Diod. XV 76, 2 
z. J. 366/65 Ol. 103, 3 Strab. XIV 657 Ps. Skylax 82 vgl. Aristot. 
pol. p. 1304 b). Als Grund dieser Zusammensiedlung werden uns 



dem amtierenden Siephanephoros datiert, deutet auf die der äusseren 
Form nach unabhängige Stellung der Stadt, doch niuss lasos eng mit 
Maussollos verbündet gewesen sein, denn das Volk beschliesst T](oy uv- 
[ß^y^v I twv encßovXevffdpTCDy MavmjXXoai xal trjt ^Taadcjy noXrii tu \ xtij- 
fiata drifzevaaCj xai ta tüv g)€vy6pTü)y inl trji «itiric TavT[r^i\ \ xcci tcc 
rovT(oy di^fi€vacci, xai (psvyeiv cevrovg xai ixyoyovg [ig] \ roy atdioy 
XQoyoy, Diesen Beschluss mit dem Beschluss von Mylasa in Beziehung 
zu setzen liegt sehr nahe, Tgl. Bull. a. 0. 502 f. 



238 Sechstes Kapitel. 

nur Streitigkeiten der Bürger untereinander (Strabon a. 0.) an- 
gegeben, den tieferen Grund, der diese Streitigkeiten erst hervor- 
rief, werden wir aber vermutlich in der Neugründung von 
Haiikamassos als Hauptstadt der karischen Satrapie zu suchen 
haben. Der Synoikismos von Kos war offenbar die Antwort auf den 
von Halikarnassos, der die Stellung und den Handel der Insel 
aufs Aeusserste gefährdete: gerade an die Nordseite, gegenüber 
von Halikarnassos wird die neue Stadt verlegt. Und wahrschein- 
ist es die demokratische Partei gewesen, welche sich erhob und 
die Neugründung durchsetzte. Ob sie später durch Maussollos 
gewonnen und getäuscht wurde oder erst nach ihrem Sturz 
(Aristot. a. 0.) Kos mit Maussollos freundlichere Beziehungen 
angeknüpft hat, lässt sich nicht entscheiden (vgl. S. 244 u. Kap. 
VII 2). — Von der Bedrohung der benachbarten Griechenstädte 
abgesehen, war der Synoikismos von Halikarnassos aber auch 
eine Vergewaltigung der karischen Bundesgemeinde: nicht nur 
weil Maussollos die alte, durch ihre uralten nationalen Zeus- 
kulte geweihte Hauptstadt verliess, sondern weil eine Anzahl 
von Städten gezwungen wurde, ihre Einwohnerschaft nach 
Halikarnassos abzugeben (S. 235). Endlich lag in der Neu- 
gründung von Halikarnassos die Absicht, die karische Satrapie 
über ihrenatürlichen Grenzen auszubreiten, deutlich ausgesprochen. 
Hier war neben der Klage und Beschwerde der Karer beim 
Grosskönig auch die Warnung am Platze, dass Maussollos 
eigenen, der Monarchie feindlichen Zielen nachstrebe. 

Die fortschreitende Verfolgung der Pläne, welche der Synoikis- 
mos von Haiikamassos schon andeutete, hat dann wie gesagt 
Maussollos weiterhin auf die Seite der aufständischen Satrapen 
geführt. Als aber der Aufstand, noch ehe er recht zur Ent- 
faltung gekommen war, schon wieder in sich zusammenfiel, 
hat es Maussollos mit einer wunderbaren Geschicklichkeit ver- 
standen, sich der siegenden Partei d.h. dem Grosskönig von 
neuem zuzuwenden und für sich selbst aus den veränderten 
Verhältnissen Nutzen zu ziehen. In das Jahr 361 fällt der un- 
glückliche Verlauf der Empörung (vgl. S. 205 f.), und schon im 
Jahre 360 datierte man wieder nach alter W^eise in Maussollos' 



MaossolloB von Mylasa. 239 

Landen: »im 45. Jahre der Regierung des Königs Artaxerxes 
unter Maussollos' Satrapie« (Lebas-Wadd. Asie min. 378 ^). 

Freilich war durch Maussollos offenen Abfall vom Gross- 
könig und die ungünstige Wendung, welche die Verhältnisse 
für die Aufständischen nahmen, der karischen Volkspartei 
wieder der Mut gewachsen: er äusserte sich gepaart mit dem 
Hass gegen die Hekatomnosdynastie in einer Verstümmelung 
von Hekatomnos* Standbild zu Mylasa. Aber Maussollos hatte 
auch jetzt noch die Zügel in der Hand und der gehorsame 
Demos von Mylasa ahndete wieder die Täter, die Söhne des 
Peldemos mit dem öffentlichen Verkauf ihres Grundbesitzes 
(Lebas-Wadd. Asie min. 378): die Schuldigen selbst waren 
vermutlich geflohen. 

So stand auch nach der offenen Empörung seine Vater- 
und Hauptstadt treu zu Maussollos, der in rücksichtsloser ziel- 
bewusster Selbstsucht diese Ergebenheit für sich ausnutzte: 
zwei Anekdoten, die notwendig in diese Zeit gehören, sind 
dafür bezeichnend. Maussollos brauchte damals Geld, und Hess 
das Gerücht verbreiten, der Grosskönig wolle ihm seine Herr- 
schaft nehmen; nur mit grossen Geschenken könne er die 
Zurücknahme des Befehls erwirken. Zugleich Hess er selbst 
alle seine Schätze herbeibringen, und seine Freunde, die mit ihm 
stehen oder fallen mussten, fügten schnell von den ihrigen zu. 
So ward der Zweck erreicht^). 



1) Natürlich Hegt in dieser Art der Datieiung die vollständige Unter- 
ordnung unter den Grosskönig ausgesprochen. Die Zweifel, welche Reh- 
dantz vitae S. 158 A. 101 dagegen geäussert hat, hat bereits Pohla a. 0. 
S. 13 zurückgewiesen. 

2) Polyain. VII 23, l. Eine etwas abweichende Darstellung desselben 
Ereignisses scheint Pseudo- Aristoteles Oecon. II p. 1348 a zu geben, wo er- 
zählt wird, der Grosskönig habe Tribut einfordern lassen, und Maussollos 
die Reichsten seines Landes zu sich beschieden, um ihnen mitzuteilen, 
dass er aus eigenen Mitteln die Zahlung nicht leisten könne. Während 
der Versammlung sei dann auf Maussollos* Veranlassung verkündet worden, 
wieviel andere weniger reiche Leute zu dem Tribut beitragen würden, 
und daraufhin hätten die Berufenen von Scham und Furcht getrieben 
weit mehr gezeichnet. 



240 Sechstes Kapitel. 

Weiter verspricht er den Myiasern ihre bis dahin unbe- 
festigte Stadt mit einer Mauer zu umgeben: der Perserkönig 
wolle gegen ihn zu Felde ziehen, nur wenn die Bürger viel 
Geld zusammenbrächten, würden sie den Rest ihrer Habe 
retten. — Das Geld kam zusammen, und Maussollos nahm es 
in Empfang, aber der Mauerbau blieb unausgeführt, angeblich 
weil der Gott ihn für die gegenwärtige Zeit untersagt habe 
(Ps. Aristot. Oecon. II p. 1348 a). 

Maussollos hat seine Herrschaft behalten, und Artaxerxes 
ist nicht gegen ihn zu Felde gezogen, aber ganz ohne Strafe 
scheint er doch nicht ausgegangen zu sein; nur können wir 
nicht sagen, welcher Art dieselbe war^). Sein Ziel, die Er- 
weiterung seines Reiches und die Steigerung seiner Macht hat 
jedenfalls nicht darunter gelitten, nur die Politik hat er ge- 
ändert und wieder unter dem Vorwande, für den Grosskönig zu 
kämpfen, seine eigenen Pläne gefördert. 

Es kann bei dieser Voraussetzung kein Zweifel sein, dass 
vor allem in diese Zeit der Verwirrung und der Nachwehen 
des grossen Aufstandes Maussollos' Kämpfe gegen die Griechen- 



1) Einen bestiniuiten Anhalt für diese Vermutung bietet Isokrates 
Phil. (V) 103, wo von Idrieus behauptet wird, dass er gern die Perser- 
macht stürzen würde, t^y alxiaa^ivriv />iey xov dd6Xg)6y^ noXe^r'iCiaaav de 
TTQog avtoy, unapta Je tov j^qovov intßovXevovaay xal ßovXofxiyriv tov 
t€ acjfxatog avtov xal ttay ^qrjfintcDy dndytcoy yevea^ai xvqiay. Unter 
dem adfA^oV lässt sich schwerlich ein anderer als Maussollos verstehen. 
Vielleicht bestand die Strafe eben in der Tributforderung, die man bis 
dahin infolge von Maussollos' Königstreue unterlassen hatte. 

Möglicherweise hängt übrigens mit dem Satrapenaufstande auch 
Idrieus* Gefangenschaft zusammen , auf die Androtion (bei Aristoteles 
Bhet. III 4 p. 1406b anspielt: eiai (f' eixoyeg, oioy ^ ^yd^otitoy eig* 
^I&Qiea, ort ofxoiog totg ix ztoy deafxwy xvyidioig' ixetyec te ydq nqog- 
nimoyta (fdxyei, xal ''Id^iea Xvd-eyta ix toHy Sea^cjy elyai j^aXenoy (vgl. 
Isokr.a 0.). Es ist recht wohl möglich, dass Idrieus eines von den Häuptern 
des Aufstandes war, die Rheomithres in Leukai gefangen nahm und zum 
Grosskönig schickte (Diod. XV 92, 1 vgl. S. 206). Er kann dann einige 
Zeit gefangen gehalten worden sein. — Den Ausspruch des Androtion 
bezieht man am wahrscheinlichsten auf den Bericht von seiner Gesandt- 
schaft an Maussollos (im J. 355 vgl. Kap. VII 2. Pohia a. 0. 15 A. 33). 



Mausfiollos von Mylasa. Ml 

Städte seiner Nachbarschaft und gegen die Lykier fallen, über 
die uns ganz vereinzelte Nachrichten erhalten sind ; gerade die 
griechischen Städte und die Lykier hatten sich ja der Em- 
pörung gegen Persien angeschlossen (Diod. XV 90, 3). Einzelne 
von diesen Kriegszügen mögen freilich nur die Fortsetzung von 
von früher unternommenen gewesen sein^). So hören wir von 
Kämpfen, die Maussollos' Bruder Idrieus gegen Herakleia am 
Latmos führt, von einer Kriegslist, durch welche Maussollos 
selbst die Stadt bezwingt, von dem Plane gegen das ephesische 
Pygela zu ziehen (Polyain. VII 23, 2 vgl. Theop. b. Harpokr. u. 
nvyf-Xa)^ von einem missglückten Handstreich gegen Milet 
den Maussollos' Feldherr Aigyptos versucht^), von einem anderen 



1) Es ist nicht ausgeschlossen, dass mit Maassollos* Zügen Diodors 
Nachricht über die Verlegung des Festplatzes der ionischen Gemeinden 
in Kleinasien , des Panionion , vom Mykale in das ephesische Gebiet in 
Verbindung zu bringen ist. Diodor bemerkt XV 49, 1 z. J. 873/72 vgl. 
Strabon VI! 384: vatBQoy Je 7ioXe/A,(oy y€yofjLey(oy neql zovtovg xovgtonovg 
ov dvy(efj.6yoi nouty tu üayKoyia, fjLexiS-eaay t^y nayu^yvQiy eis (laq>aX^ 
Tonoy, og rjy nXriaioy tilg *Bq)6<Jov, Später finden wir Maussollos im Kampf 
mit Uerophytos von Ephesos (vgl. u.). Sonst könnte man freilich auch 
den Anlass in dem alten Streit zwischen Samos und Priene über verschiedene 
Küstengebiete finden (vgl. Lenschau, de rebus Prienensium 126 ff. 201 ff.) 

2) Polyain. VI 8 Luk. dial. mort. 24. Die Münzen mit der Auf- 
schrift EKA und MA, welche 1853 nördlich von Budrun gefunden wurden 
und nach Prägung und Wahrzeichen auf Miletos zu weisen scheinen, 
sind mehrfach (neuerdings von Treuber, (Jeschichte der Lykier 1887 S. 105; 
Uead Bist. nuni. S. 503) auf Hekatomnos und Maussollos bezogen worden. 
Dem gegenüber haben andere (ßrandis Münzw. v. Vorderasien 828; 
Waddint^ton Rev. num. 1856 S. 60 ff.; Newton, a history of discoveries 
at Halikarnass etc. 11 1 S. 45 A. b) mit Recht betont, dass wir weder 
genötigt sind, die AufBchriften als 'Exa^ro^viag) und Ma^vaawXXog) zu 
lesen , noch eine Herrschuft der beiden Fürsten über Miletos vorauszu- 
setzen. Wir können nach den vorher angeführten Nachrichten nicht 
einmal mit Sicherheit voraussetzen, dass Maussollos »ich wirklich Milets 
bemächtigt hat, und fiir Hekatomnos dürfen wir vollends nicht schon 
eine so weite Ausbreitung seiner Macht annehmen: erst Maussollos nimmt 
Herakleia am Latmos, das auf dem Wege nach Milet liegt. Man hat 
sich bisher damit geholfen, die Aufschriften auf Münzmeister von Miletos, 
etwa *Exa(xatog) Mcc{idydQtog) zu deuten. Dagegen hat vor kurzem 
J. P. Six, Numism. Chron. 1890 S. 223 ff. dargetan, dass wir die Münzen 

JUDEICH, Klelnasiatiache Studien. 16 






^3 Seclistes Kapitel 

seiner Feldherrn Kondalos, der die Lykier damit ängstigt, dass 
Maussollos befohlen habe, ihnen ihr langes Haar abscheeren 
zu lassen, um es dem Grosskönig zu schicken, und sie dann 
einzeln sich loskaufen lässt^), endlich besitzen wir sogar 
eine Urkunde, die deutlich das Bestehen von Beziehungen 
zwischen Maussollos und Lykien erweist, einen Vertrag zwischen 
dem Dynasten und der Stadt Phaseiis ^). 

So beherrschte Maussollos schliesslich ausser seinem Stamm- 
lande Karien, das er zugleich als persischer Beamter ver- 
waltete, ein gutes Teil von lonien und Lykien, ein Reich, dass 
etwa durch den Maiandros und den Xanthosfluss begrenzt 
wurde, südöstlich sich wahrscheinlich noch über den Xanthos 
hinaus ausdehnte ^), und dem Gebiete, das sein Zeitgenosse Philipp 



wahrscheinlich doch auf Maussollos und Hekatomnos beziehen müssen; 
nur haben wir nicht Prägungen aus Miletos, sondern Nachprägungen in 
milesischem Typus aus Mjlasa vor uns. 

1) Ps. Aristoteles Oecon. II S. 1348 a vgl. Steph. Byz. u. Üokvyoi, 
dazu Treuber a. 0. 22 A« 1. 105 A. 1. Auch die Münzen von Xanthos 
scheinen auf die karische Herrschaft zu deuten, vgl. Six, monnaies Lyciennes 
Rev. num. 1886. 87 S. A. S. 54 f., der mit Michaelis Annali deir istituto 
1875 S. 170 A. 32 diese Herrschaft in die Jahre ca. 360-335 setzt. - 
Ueber Maussollos* Statthalter Kondalos vgl. Treuber a. 0. 106, Sayce, 
Academy 1889 Nr. 888 S. 329, Six a. 0. 80. 

Ob der Inhalt der berühmten Stelle aus Xanthos sich wirklich auf 
die Kämpfe zwischen Maussollos und den Lykiern bezieht (Ed. Meyer 
Karien a. 0. 57) muss vorläufig immer noch unentschieden bleiben 
(vgl. Six a. 0. 90 Treuber a. 0. 107 ff.). 

2) Vgl. den Anhang Nr. 1. Möglich, dass mit Treuber a. 0. 105 in 
den Krieg zwischen Maussollos und den Lykiern die Geschichte von der 
Flucht des Milesiers Charimenes, der in Phaseiis durch König Perikles 
eingeschlossen wird (Polyain. V 42), zu verlegen ist. 

3) Luk. dial. mort. 24, l, wo man statt Äv&cjy iyiojy wol zweifellos 
AvxC(oy iyiojy zu lesen bat. Die Herrschaft des Maussollos über Teile 
von Lykien ist sicher bezeugt (vgl. o.) und durfte bei so genauer 
Schilderung des ümfangs seines Reiches nicht fehlen. Von Er- 
oberungen des M. in Lydien, das unmittelbar unter ])ersi8cher Herr- 
schaft stand, wissen wir sonst nichts; dieselben sind auch recht unwahr- 
scheinlich. Ausserdem werden die Lykier viel passender mit dem Volks- 
und nicht mit dem Landesnamen aufgeführt, und es kommt in Lukians 
Aufzählung eine gewisse geographische Ordnung: Karien, Lykien, Inseln, 



Mauesollos von Mylasa. ^3 

von Makedonien ererbte, an Grösse vollkommen gleichstand. 
Aber auch seewärts erstrebte Maussollos eine Erweiterung seines 
Machtgebietes über die Grenzen der karischen Satrapie hinaus ; 
schon sein Vater hatte ein Hauptgewicht auf die Seemacht 
gelegt und war persischer Admiral gewesen (S. 119), er selbst 
hatte mit seiner mächtigen Flotte für den Grosskönig gekämpft 
und an der See, in Halikarnassos, seinen Herrschersitz auf- 
geschlagen. 

Die einzige Macht, welche ihm bei diesen Plänen hindernd 
in den Weg treten konnte, war Athen und der unter Athens 
Führung vereinigte Seebund, dessen Abschluss mit Maussollos' 
Regierungsantritt nahezu zusammengefallen war. Dadurch 
war Maussollos eine feindliche Stellung Athen gegenüber vor- 
gezeichnet: er musste suchen, dessen Bund zu sprengen, oder 
doch wenigstens die seinem Gebiet benachbarten Inseln, welche 
die Hauptstützen dieses Bundes abgaben, loszureissen, um dann, 
wenn sie vereinzelt waren, sie um so sicherer unter seine Herr- 
schaft zu beugen. Er konnte dieses gewaltsame eigenmächtige 
Vorgehen um so eher wagen, weil er damit scheinbar auch für 
die Ausdehnung der Macht und des Einflusses seines Oberherrn 
tätig war. Die wenigen vereinzelten Notizen, welche uns die 
Ueberlieferung über diese Verhältnisse darbietet, genügen doch 
vollauf, um diesen Gedankengang zu bestätigen. 

Maussollos hetzt, während die athenische Macht durch den 
Krieg mit Philipp von Makedonien schon stark in Anspruch ge- 
nommen ist, die Rhodier und Chier gegen das Bundeshaupt 
auf und veranlasst sie, mit den unzufriedenen Byzantiern, mit ihm 
selbst und mit den Koern, die auf seine Seite getreten waren, sich 
zu verbünden. (Dem. Rhod. (XV) Hypoth. u. 3, Timokr. (XXIV) 
Hypoth. u. Schol. Anf. vgl. S. 244) : während des darauffolgenden 
Kampfes greift er sogar selbst ein und leistet mit seiner Flotte 
tätige Hülfe (Diod. XVI 7, 3). — In dieser Zeit, als der athenische 
Angriff auf Chios abgeschlagen war (vgl. Kap. VII 2) wird wol 



lonien. üeber lasos* Verhältniss zu M. vjfl. S. 236 A. 3, über die Beziehungen 
von M.'s Nachfolgern zu Lykien S. 252. 



^A4; Sechstes Kapitel. 

MaussoUos auch die Beziehungen mit Erythrai angeknüpft haben, 
von denen ein Ehren- und Bekränzungsbesehluss der Erythraier 
für MaussoUos und seine Gattin Artemisia Zeugniss ablegt^). 

Aber kaum war unter dem Druck Persiens der Friede 
zwischen Athen und den abgefallenen Bundesgenossen ge- 
schlossen und deren Unabhängigkeit verbürgt, da Hess Maus- 
sollos die Maske fallen. Mit seiner Unterstützung ward in 
Rhodos die Demokratie gestürzt und ein ihm ergebenes Aristo- 
kratenregiment eingesetzt (Dem. Rhod. (XV) Hypoth. 3. 19. 27 
vgl. Synt. (XIII) 8 Theop. b. Athen. X 444 ef. Aristot. pol. V 
1304b. 1302b Schaefer Dem. P 472 f.); Kos, wo vielleicht schon 
vor dem Bündniss mit MaussoUos eine Verfassungsumwälzung 
durch die Aristokraten stattgefunden hat, scheint jetzt unmittel- 
bar durch MaussoUos in Besitz genommen worden zu sein (Dem. 
a. 0. 27 vgl. Fried. (V) 25 u. o. S. 238. 243). Chier und Byzantier, 
die früheren Bundesgenossen der vergewaltigten Städte wünschten 
oder wagten es nicht, sich dem zu widersetzen^), und Athen 
erhob vergebens Einspruch (vgl. Kap. VII 3). 



1) Lebas-Waddington Asie min. 40. Waddington neigt dazu, die 
Urkunde in den Satrapenaufstand um's Jahr 362 zu setzen, doch damals 
dehnte sich M.*s Machtbereich schwerlich schon soweit aus, jedenfalls 
liegt es näher an den Bundesgenossenkrieg zu denken, in dem M.*8 Aufent- 
halt Tor Chios gegenüber von Erythrai bezeugt ist (vgl. Hicks man. 102 
= Dittenberger Syll. 84). Die richtige Ergänzung Z. 2 Anf. Mvkaa]£a 
för ßaaiX]ecc gab zuerst Foucart Bull, de corr. hell. V 503, dann von ihm 
unabhängig Dittenberger a. 0. 

2) Dem. Rhod. (XV) 3, Damit ist wie Pohla S. 17 A, 8 schon richtig 
hervorhebt, erwiesen, dass zur Zeit der Bede, also 353 Ende (vgl. S. 188), 
Chios, das nach Demosthenes Fried. (V) 25 im Jahre 346 unter karischer 
Herrschaft stehend erscheint, noch nicht von Maussollos besetzt war. Der von 
Aeneas dem Takliker 11, 3 erwähnte Handstreich gegen Chios, den Schaefer 
Dem. i' 473 A. 2 auf die Zeit unmittelbar nach dem Bundesgenossen- 
kriege bezogen hat, wird, da er nach Aeneas* Erzählung nicht zu den 
gescheiterten Anschlägen (gleich denen in Argos § 7 ff., Herakleia § 10 ff., 
Sparta §12 ff. — vgl §2) gehört, mit grösserer Wahrscheinlichkeit wol auf 
die wirkliche Eroberung von Chios durch Artemisia oder Idrieus zu be- 
ziehen sein , wenngleich ein früherer Zeitpunkt nicht ausgeschlossen ist. 
Der Ausdruck ineidrj ei^tjyri e'ii^ braucht keineswegs den Frieden nach 
dem Bundesgenossenkriege anzudeuten.— Dass, wie R. Weil^ Ath. Mitth. 



Mau88ollo8 von Mylasa. 245 

Kurz nach diesen Ereignissen machte noch einmal die 
karische Nationalpartei den verzweifelten Versuch, sich des 
verhassten Herrschers zu entledigen. Als Maussollos im Jahre 
353 das jährliche feierliche Opfer am Altar des Zeus von 
Labranda vollzog, stürzte sich Manitas des Paktyes Sohn auf 
ihn, um ihn niederzustossen. Doch die Lanzenträger des 
Satrapen sprangen dazwischen, Manitas fiel im Handgemenge, 
und Maussollos ward gerettet : die Güter des Getödteten sammt 
denen seines Mitschuldigen Thyssos, Sohnes des Syskos, wurden 
von der Gemeinde Mylasa wieder Maussollos zugesprochen 
(Lebas-Wadd. Asie. min. 379 vgl. S. 236). Dennoch ist es möglich, 
dass der Mordversuch nicht ganz ohne Folgen geblieben ist: Maus- 
sollos starb noch in demselben Jahre (Diod. XVI 36, 2 vgl. S. 226). 
Es war ihm nicht vergönnt gewesen, seine Pläne zu Ende zu 
führen, aber er hinterliess sein grosses Reich festgegründet seinen 
Nachfolgern, die es auch behauptet und sogar erweitert haben. 

Die Herrschaft, welche Mausollos über seine Untertanen 
ausübte, scheint trotz des grossen tatsächlichen Einflusses 
in der Form nicht über die Satrapengewalt hinausgegangen zu 
sein. Das xoivov der Karer besteht neben ihm fort, fasst selb- 
ständige Beschlüsse und schickt selbständig Gesandte (Lebas- 
Wadd. 377 vgl. S. 236). Der Grosskönig übt die Blutgerichtsbar- 
keit aus ^) ; Maussollos prägt nur Silber wie die anderen Satrapen^). 



1342 f. veronitet hat, Maussollos* Herrschaft sich bis Ainorgos ausgedehnt 
hat, ist sehr unwahrscheinlich. Die Eingangsforroel der dort veröffent- 
lichten Urkunde inl ßccaiXdüyg M[ccvc<k6XXov? zeigt schon, dass hier nicht 
von M. die Rede sein kann, denn M. hat den Eönigstitel, soweit 
wir sehen können, nie geführt, auch ist bei einer ausserkarischen 
Stadt, die in M.'s Gewalt war, die Datierung nach seinen Regierungs- 
jahren schwer glaublich, vgl. S. 246 A. 1. Ausserdem fehlt gerade das Jahr. 
Es wird also trotz Weils Bedenken hier von eineiu ßaaiXevg als Beamten 
oder Priester die Rede sein. 

1) Lebas-Wadd. Asie min. 377, 9 f. vgl. Böckh z. ClGr. 2919 c. — 
Entscheidend für die Begrenzung von Maussollos' Amtsgewalt ist der in 
der Urkunde enthaltene Fall, dass der Perserkönig einen Gesandten der M. 
anzuschwärzen sucht, hinrichten lässt, allerdings nicht, vgl. Pohla a. 0. 19. 

2) Vgl. Brandis MiJnzw. 236 ff. 255 ff. Six Numism. Chron. 1884 S. 97 ff. 
1890 S. 46 Head Hist. nuiu. 533 C. G. Schmidt, Zur Geschichte der 



246 Sechstes Kapitel. 

Auch scheint den in seinem Gebiet liegenden Städten die innere 
Selbstverwaltung verblieben zu sein: nur Besatzungen, wie 
wir sie in den neugewonnenen ausserkarischen Städten finden, 
werden wir wol auch in den wichtigeren alten Städten voraus- 
setzen dürfen^). Ausserdem scheinen alle karischen Städte 
tributpflichtig gewesen zu sein, sofern nicht Maussollos ihnen, 
oder einzelnen ihrer Bürger Steuerfreiheit gewährte^). 

Eine Ausnahmestellung nahm wol die auf des Dynasten 
Befehl erst geschaffene Hauptstadt Halikarnassos ein, über deren 
Verhaltniss zu Maussollos leider jede Andeutung fehlt. Jeden- 
falls hat Maussollos alles getan, seinen neuen Herrschersitz 
durch gewaltige Befestigungen zu sichern und mit Tempeln 
und öffentlichen Bauten glänzend auszuschmücken^). In den 
Einzelheiten herrscht allerdings auch hier grosse Unsicherheit: 
wir wissen nicht, ob mit der Neugründung von Halikarnassos 
eine Erweiterung der Stadt verbunden war, ob vielleicht erst 



karischen Fürsten des vierten Jahrhunderts ▼. Chr. und ihrer Münzen 
Progr. Göttingen 1861 S. 9. 

1) Die Selbstverwaltung war natürlich für die Maussollos unmittel- 
bar untergebenen karischen und die in seinem weiteren Reiche liegenden 
karischen und ausserkarischen Städte eine mehr oder minder freie» worauf 
schon die Eingangsformeln der Beschlüsse von Mylasa (Lebas-Wadd. Asie 
min. 377—379) und lasos (Bull, de corr. hell. V 493) hindeuten, vgl. 
auch d. Anhg. Nr. 2. Ueber Besatzungen in Eos und Rhodos vgl. Dem. 
Rhod. (XV) Hypoth. 3. 27 Fried. (V) 25 Aristot. pol. V (YHI Bk) p. 1304b. 

2) Vgl. d. Urkunde im Anhang Nr. 2. 

3) Vitr. II 8,10£ vgl. Arr. I 20 ff. Newton a. 0. 39. 265 ff. Stark 
a. 0. 362 f. — Die Befestigungen von Ualikamassos würden sich bei ge- 
nauerer Untersuchung des Materials und der Bauweise der einzelnen 
Mauerreste — Newton S. 268 betont selbst die Yerachiedenheit im Material 
und in der Bauart — vielleicht noch bestimmter scheiden lassen in die, welche 
M. anlegte und die, welche vor M. vorhanden waren: auch der ümßing der 
älteren Sttdt könnte dadurch deutlicher werden. Jedenfalls sind die 
Polygon mauern nördlich der Stadt, wie mich der eigene Augenschein gelehrt 
hat, älter als die aus hellenistischen kleineren Rustikaqnadem bestehenden 
Mauern westlich oberhalb des Theaters ^Judeich, Athen. Mitth. XY 142). 
Diese letzteren gehören wahrscheinlich M. zu. Zu weiteren Nachforsch- 
ungen fehlte mir leider die Zeit. Wichtig wäre es namentlich, das 
Verhaltniss der am nordöstlichen Ende der Stadt laufenden sogen. Aussen- 
mauer zu der eigentlichen Stadtmauer zu untersuchen. 



\ 



Mau88o11os von Mjlasa. 247 

Maussollos die beiden ursprünglich selbständigen eng benach- 
barten Gemeinden von Halikamassos auf der Osthälfte und 
Salmakis auf der Westhälfte des Hafenbeckens räumlich und 
politisch ganz verschmolz (vgl. S. 246 A. 3). Von den Bauten 
und Mauern sind heute nur noch geringe Reste vorhanden. 

Die Palastbauten nahmen wie es scheint ein grosses ab- 
geschlossenes Viertel ein, für das die dem Ostende von 
Halikamassos vorgelagerte kleine Insel Zephyrion, wo die 
griechischen Einwanderer ehedem zuerst festen Fuss gefasst 
hatten, den Hauptstützpunkt abgab. Dort lag die Veste, 
das Schloss, während der damit verbundene Palast wahrschein- 
lich auf einer Höhe am Ufer gegenüber zu suchen ist (vgl. 
S. 249 A. Newton discoveries II 1 S. 265 flf.). Zwischen Veste und 
Palast dehnte sich, von aussen unsichtbar, östlich unter dem 
Palasthügel der königliche Privathafen aus (vgl. ebd.) Echt 
hellenistisch wie der ganze Synoikismos von Halikamassos ist 
eben auch die Anlage und Ausdehnung der Königsburg: bis 
in die kleinsten Züge, die Schlossinsel, den Privathafen, er- 
strecken sich die Uebereinstimmungen mit den Residenzen des 
Dionysios in Syrakus und der Ptolemaeer in Alexandreia (vgl. 
Cavallari-Holm, die Stadt Syrakus im Altertum übers, v. Lupus, 
Strassburg 1887 S. 25 fif. 163 flf. u. Taf. I. II, Judeich, Caesar im 
Orient S. 84 f.) Griechische Baumeister und Künstler sind 
jedenfalls hier schon tätig gewesen. Echt hellenistisch und für 
die Folgezeit massgebend ist endlich das grossartige im Mittel- 
punkt der Stadt gelegene Bauwerk, welches das Altertum unter 
die sieben Weltwunder rechnete, das Maussollos' Namen für 
ewige Zeiten erhalten hat, sein Grabmal, das Maussolleion. 
Maussollos hat dieses wol sicher schon geplant, ob er es aber 
auch schon selbst begonnen hat, lässt sich nach den er- 
haltenen Nachrichten nicht entscheiden^). Die eigentliche Er- 
bauerin des Wunderwerks griechischer Kunst ist seine älteste 
Schwester und treue Gattin Artemisia^). 

1) Vgl. Stark a. 0. 363. 

2) Vgl. Stark a. 0. 391 A. 45. Dazu Strabo XIV 656. Luk. dial. 
mort. 24,2 Vitr. II 8, 12 f. Plin. n. h. XXXV l 30. 



248 Sechstes Kapitel. 

Artemisia übernahm nach Maussollos' Tode die Regierung, 
die sie zwei Jahre lang, ihrer grossen Namensschwester aus 
der Zeit der Perserkriege und ihres Gemahls würdig, geführt hat ^). 

Gleich am Anfang wurde Artemisia genötigt, um den Be- 
sitz ihrer eigenen Hauptstadt zu kämpfen. Die Rhodier hatten 
den Thronwechsel benutzt, um die von den Hekatomniden 
unterstützte aristokratische Herrschaft zu stürzen; sie suchten 
bei Athen Schutz und Hülfe gegen erneute karische Eroberungs- 
versuche (vgl. S. 292). Gleichzeitig muss ihnen aber der Mut 
gewachsen und der Entschluss gekommen sein, selbst zum An- 
griff gegen die karische Fürstin vorzugehen. Ganz plötzlich 
erschien ihre Flotte vor Halikarnassos und drang in den grossen 
Hafen zwischen der Höhe von Salmakis und der Schlossinsel 
ein; die Stadt schien verloren. Da bewährten sich die ausge- 
zeichneten Befestigungen, welche Maussollos erbaut hatte. Arte- 
misia Hess in dem kleinen verborgenen Privathafen ihre Schiflfe 
bemannen und die Rhodier durch Zeichen verständigen, dass 
man zur Ergebung geneigt sei. Nachdem jene daraufhin 
gelandet waren, brach sie selbst mit ihrem Geschwader hervor, 
nahm die feindlichen Schiffe und liess die Mannschaft nieder- 
hauen. Mit den eroberten und zur Siegesfeier bekränzten 
Schiffen steuerte sie dann gleich weiter nach Rhodos. Die 
Bürger glaubten ihre siegreiche Flotte heimkehren zu sehen 
und Hessen die Schiffe ein. So ward Rhodos zurückerobert^). 



1) Diod, XVI 45,7 vgl. Dem. Rhod. (XV) 11 Vitr. II 8,14 Geizer 
Rh. Mus. XXXV S. 517. An der vollberechtigten Nachfolge Artemisias 
ist nach der Fürstenreihe nicht zu zweifeln; sie folgte, weil ein Sohn 
nicht vorhanden war (Strab. XIV 656). Dass keine Münzen von ihr 
und Ada vorhanden sind (Pohla 24 A. 42), ist bei der kurzen Regierungs- 
zeit der beiden Fürstinnen nicht zu verwundern. Vielleicht behielten sie 
auch die Stempel ihrer Gatten bei. Auch in dem stammverwandten 
Lykien folgt wie es scheint bisweilen die Frau vollberechtigt ihrem Mann 
in der Regierung: vgl. Six, monnaies Lyc. z. Nr. 132. 172 u. S. 80 ff. 

2) Vitr. II 8, 14 f. Der verdeckte Hafen (Ps. Skyl. 82), welchem 
Artemisia das Gelingen ihres kühnen Streiches wesentlich verdankte, ist 
von Newton (a. 0. 271 vgl. d. PlanI T. 1) nach erhaltenen Mauerresten 
in die innerste Nordostecke des jetzigen Hafens, des alten Haupthafens, 
verlegt worden. Diese Reste (grosse Quadern) sind noch an Ort und 



Mau88ollo8 von Mylasa. 249 

Auch Herakleia am Latmos, das sich gleichwie Rhodos 



Stelle YorhaDden, aber, wenigsteDs gegenwärtig, so gering, dass wir in 
keiner Weise genötigt sind, in ihnen die Sparen yon MaüssoUos* ge- 
schlossenem Hafen zu erkennen. Die Blöcke siod antik, aber ob die 
ganze Anlage, welche eigentlich die alte Zephyrion-Insel (Newton a. 0. 10), 
auf der heute die Feste von St. Peter steht , schon als Halbinsel voraus- 
setzt, dem Altertum angehört, kann man gar nicht mit Sicherheit be- 
haupten; noch zur Zeit Alexanders des Grossen galt Zephjrion jedenfalls 
als Insel (Arr. Anab. I 23, 3 vgl. CIGr. 2656, 26). Zudem widerspricht die An- 
setzung des Hafens an dieser Stelle dem einzigen genauen Zeugniss, das wir 
über seine Lage haben, Vitruv II 8, 14. Yitruv erzählt von Maussollos* Palast, 
den Newton a. 0. 271 f. gewiss richtig auf das nördlich der »InseU sich 
erhebende felsige Plateau verlegt, und fährt fort: quam rex Mausolua 
ad 8uam ratianem coüocavit conspicitur enim ex ea ad dextram partem 
forum et portua moeniumque tota finitio; sub sinistra secretus sub 
moenibus (Boss, montibtis Udea.) latens portus etc. Wie das »rechtsc und 
»linksc zu verstehen ist, kann nicht zweifelhaft sein: zunächst jedenfalls 
wie das rechts und links, mit dem Vitruv vorher die Endpunkte des 
Hafens (auf einer Seite: Tempel der Venus und des Merkur mit der 
Salmakisquelle, auf der anderen königlicher Palast) bezeichnet, und das 
der Bodenverhältnisse wie des Verp^leiches mit den Königsschlössern in 
Syrakus und Alexandreia wegen nicht anders gedeutet werden kann, als 
dies Newton getan hat (vgl. Ross, Reisen nach Eos, Halikarnass etc. 
Halle 1852 S. 40). Die Lage des Maussolleions und damit der Ägora ist 
bestimmt durch die Ausgrabung. Liegen diese mit dem Hafen rechts 
von der Eönigsburg, so kann unmöglich der links davon befindliche 
geheime Hafen ein Teil des grossen Hafens sein. Wir haben ihn viel- 
mehr östlich am Fusse des Palasthügels zu suchen: die Bodengestaltung 
ist hier, wie schon der vortreffliche Plan Newtons lehrt und wie es mir 
eine Untersuchung an Ort und Stelle bestätigt hat, ganz dafür geeignet. 
Es befindet sich dort jetzt nur angeschwemmtes Land. Auch H. Eiepert, 
Atlas V. Hellas Taf. VIII hat Newtons Lokalisierung des königlichen 
Privathaiens nicht angenommen und ihn unmittelbar nördlich hinter die 
Insel Zephjrion verlegt, doch steht auch diese Ansetzung mit Vitruv 
nicht im Einklang. — Die sehr bestechende Vermutung von Ross 
a. S. 38 A., welche auch Newton a. 0. 267 A. angenommen hat, 
statt des überlieferten moniibus bei Vitruv a. 0. moenibus zu lesen, ist 
doch vielleicht nicht nötig: man könnte unter der montes möglicherweise 
den Palasthügel einerseits, den Inselhügel mit dem Schloss von S. Peter 
andererseits verstehen , die im Altertum noch weit beherrschender sich 
herausgehoben haben müssen als heute. 

Der geheime Hafen des Maussollos muss natürlich, wenn er ver- 
wendbar sein sollte, mit dem Meer verbunden gewesen sein durch einen 



250 Sechstes Kapitel. 

nach Maussollos' Tode frei gemacht zu haben scheint, ward 
durch eine geschickte Kriegslist wieder gewonnen 0- 

Mit diesen beiden glänzenden Taten und, mit dem Bau des 
Maussolleions ist aber unsere Kunde von Artemisia nahezu er- 
schöpft. Wie ihr Gemahl hat sie griechische Künstler und 
Dichter herangezogen ; auch dem Grosskönig gegenüber hat sie 
dieselbe Stellung beibehalten, d. h. sie hat sich perserfreundlich 
gezeigt, ohne darum den eigenen Vorteil aus den Augen zu 
lassen (Dem. Rhod. (XV) 11). — Nach einer grossartigen Todten- 
feier zu Maussollos' Ehren, aber noch ehe sein Grabmal ganz 
vollendet war^), starb Artemisia im Jahre 351, wie überliefert 
wird, hinsiechend an dem Schmerz über den Verlust ihres 
Gatten (Theop. b. Harpokr. u. UQTfjiiKfia Strab. XIV 656 Gic. 
Tusc. III 75 Val. Max. IV 6 ext. 1 vgl. Hieron. adv. Jovin. I 310 
Vall. Gell. n. a. X 18, 3 u. ob. S. 231 f.). 

Auf Artemisia folgte in der Herrschaft ihr Bruder Idrieus 
(Strab. a. 0. Diod. XVI 45, 7 vgl. Harpokr. u. W.), der wieder 
mit seiner jüngeren Schwester Ada vermählt war (Strab. a. 0. 
Arr. Anab. I 23, 7) und schon unter Maussollos im Krieg sich 
bewährt hatte (Polyain. VII 23, 2 vgl. S. 229). Sein Regierungs- 
beginn fiel in die kritische Zeit, als Syrien, Kypros und Aegypten 
sich von Neuem gegen das persische Joch auflehnten (vgl. 
S. 175), aber dem Grundsatz seiner Vorgänger getreu, hat 



Kanal, der für gewöhnlich geschlossen war: diesen liess Artemisia, um 
ihren Ueberfall auszuführen, öffnen; so wird man das fossa facta bei 
Vitruv a. zu erklären haben. Genaueren Aufschluss über den Gang 
dieses Kanals (Mündung in den grossen Hafen oder in das Meer östlich) und 
damit über Artemisias Manöver werden nur Ausgrabungen an der be- 
zeichneten Stelle geben können. Am nächsten liegt die Annahme, dass 
der Kanal wenigstens mit einem Ausgange in das offene östliche Meer 
mündete und Artemisia diesen Aufgang benutzte; so musste sie die 
Palastinsel umfahrend der rhodischen Flotte ganz unerwartet in den 
Rücken kommen. 

1) Die Eroberung von Herakleia am Latmos, welche Polyainos VIII 
53, 4 von der älteren Artemisia erzählt , gehört wol zweifellos der jün- 
geren Artemisia zu. 

2) Vgl. Stark a. 0. 364 ff. 



Manssollos von Mylasa. 251 

Idrieus seiner Vasallenpflicht genügt : er wurde mit der Nieder- 
werfung des kyprisehen Aufstandes betraut und hat diesen Auf- 
trag mit grosser Schnelligkeit und grosser Machtentfaltung 
durchgeführt (Diod. XVI 42. 43 vgl. S. 134 f.). Ueber sein 
sonstiges Leben wissen wir nichts ^) : jedenfalls hat er den ihm 
überkommenen Machtbereich behauptet (Isokr. Phil. (V) 103), viel- 
leicht sogar durch die Eroberung von Chios, das wir im Jahre 346 
in seinem Besitz erwähnt finden^), erweitert; Tralleis aus dem 
die schon genannte (S. 228) Asylurkunde vom Jahre 351 stammt, 
gehörte sicher schon vordem zur karischen Satrapie. 

Idrieus starb im Krankenbett, das Reich seiner Gattin 
Ada hinterlassend (Diod. XVI 69, 1 Strab. Arr. a. 0.), die 
vier Jahre lang die Herrschaft geführt hat. Um das Jahr 340 
bemächtigte sich aber ihr jüngster Bruder Pixodaros gewalt- 
sam der Regierung: Ada musste flüchten und behauptete nur 
das feste Alinda im karischen Hinterlande (Diod. XVI 74, 2 
Strab. XIV 656 f. Arr. a. 0.). 

In der äusseren Stellung der karischen Satrapie scheint 
sich auch durch diese Fehde nichts Wesentliches geändert 
zu haben. Es ist wahrscheinlich, dass Pixodaros mit unter 
den Satrapen war, welche der Grosskönig, damals noch 
Artaxerxes III. Ochos, in demselben Jahre 340 beauftragte, 
dem durch Philipp von Makedonien bedrohten Perinthos Hülfe 



1) Die übertriebene und gefärbte Schilderung bei Isokrated im Phi- 
lippos (V) 103, in der es als ganz unbegreiflich hingestellt werden soll, 
dass Idrieus die Persermacht, die seinen Bruder (Maussollos) beleidigt 
und gegen ihn selbst gekämpft habe etc., nicht stürzen helfen wolle, be- 
rechtigt in keiner Weise, wie das verschiedentlich geschehen ist (Jürgens 
a. 0. 52 Erumbholz a. 0. 82) , einen Krieg zwischen Idrieus und Arta- 
xerxes Ochos in der Zeit zwischen 350 (dem kjprischem Krieg) und 346 
(der Abfassung des Philippos) anzunehmen; der grosse Satrapenaufstand 
ist hier vermutlich gemeint (vgl. S. 240 A.). 

2) Dem. Fried. (V) 25. — Die Vermutung von Pohla a. 0. 17, dass 
die Besetzung von Chios in unmittelbarem Einverständniss mit Philipp 
von Makedonien erfolgt sei, entbehrt jedes tatsächlichen Anhalts In 
der Demosthenesstelle bedeutet elQtjyri nicht den philokrateischen Friedens- 
vertrag, sondern überhaupt den Friedenszustand. Mittelbar hat natürlich 
die karische mit der makedonischen Macht zusammengewirkt. 



S52 Sechstes Kapitel. 

ZU leisten (Diod. XVI 75, 1. 2). Als dann Philipp Perinthos 
aufgiebt und Byzanlion belagert, erscheinen wenigstens unter 
dessen Bundesgenossen die alten Chios, Kos, Rhodos (Diod. 
XVI 77,2), bie im Jahre 346 noch sämmtlich unter karischer 
Herrschaft standen M. Auf die Fortdauer der karischen Herr- 
schaft oder wenigstens des karischen Einflusses in Lykien weist 
eine in ihrem griechischen Text ganz verstümmelte, in ihrem 
lykischen Text vorläufig unlesbare Inschrift, die von einer 
Schenkung des Pixodaros an die lykischen Städte Xanthos, 
Tlos, Pinara berichtet ^). Eine Aenderung in Pixodaros' Politik 



1) Vgl. S. 244. Eine Befreiung in der Zwischenzeit ist möglich, 
(Chios? vgl. Kirchhoff, Monatsber. d. Berl. Akad. 1863. 8. 265 ff.) aber 
für alle drei Städte zugleich nicht recht wahrscheinlich. Vgl. auch 
Arrian Anab. 11 5, 7 Diodor XVII 27, 6 Droysen Hell. I" 273 A.: 
Orontobates, Pixodaros* Nachfolger, im Besitz von Eos. — Za Athen, das 
ebenfalls am Entsatz von Byzantion beteiligt ist (Eap. VII 3), scheint 
Pixodaros aus früherer Zeit Beziehungen gehabt zu haben (Epigenes b. 
Athen. XI 472 f). 

2) Pertsch bei M. Schmidt, neue lykische Studien 1869 S. 1 ff. 
Trotz der argen Zerstörung der Urkunde , darf man die Beziehung auf 
die drei genannten Städte wol als gesichert ansehen. Der Anfang von 
Z. 9 scheint derselbe wie bei Z 2 zu sein , so daus sich beide Zeilen in 
der Ergänzung stützen: die Buchstabenstellung entspricht sich genau. 
Der Eingang der Urkunde würde danach lauten: edojxey üi^io^aQog 
*Exax\6fiv(o Toig Sci]\v[xf\io[ig] ^ T'AioiT[a\ig ^ (n)[tpaQ]€o\aiv xzX., Z. 9 
5«J|*'[^]to[ff], T\A)[wtr]o(!)«?, IhvuQ[eooLv xzX. Pertsch hat zwar an Stelle 
des // von Ilii/a^eoaty in Z. 2 ein K gelesen, doch kann der Buchstabe 
nicht sehr deutlich sein, denn Leake (vgl. Pertsch a. 0. Taf. II) las ihn 
überhaupt nicht, und wenn nach dem lykischen Texte wie nach Z. 9 
wahrscheinlich von Pinara die Rede ist, kann diese Stadt nur an dieser 
Stelle erwähnt worden sein, eo für ev würde auf einen Steinmetzen aus 
Chios und Umgebung deuten (vgl. die zeitlich nahestehende erythraier 
Urkunde Lebas-Wadd. Asie min. 40 und Waddington zu Lebas 186). — 
TXwizoig in Z. 9 würde sich aus dem vorhergehenden Savd-ioig als 
leichter Schreibfehler erklären. — Nicht unmöglich ist es übrigens, dass 
in dem eotg Z. 10 Anf. noch ein vierter Städtename steckt: weiterhin 
ist man versucht zu ergänzen dyd^ccacy xcu y\yvaiUv^ doch ist damit 
wenig gewonnen. — Z. 12 Anf. ist vielleicht zu lesen IIi^(od]ciQov ßw[/ji6y? 
Dann würde die ganze Urkunde möglicherweise sich auf einen für Pixo- 
doras errichteten Altar (bzw. eine Todtenfeier für P.) beziehen, für dessen 
Aufstellung die Eingangsworte den Grund (Verleihung irgend welcher 



MausBollos voD Mylasa. 253 

trat wol erst ein, als der tatkräftige Artaxerxes Ochos im Jahre 
337 starb und wieder einmal die Thronstreitigkeiten jedes kraft- 
volle Eingreifen der Königsgewalt den Satrapen gegenüber un- 
möglich machten^). Mit scharfem Blick erkannte Pixodaros 
die Macht, der die Zukunft gehörte, mit der seine Vorgänger 
schon oft ohne ein ausgesprochenes Bündniss und von ver- 
schiedenen Beweggründen geleitet, übereinstimmende Zwecke 
verfolgt hatten, Makedonien. 

Um dem Bündniss, dass er erstrebte, gleich den rechten 
Halt zu geben, trug Pixodaros seine älteste Tochter Philipps 
Sohn Arrhidaios an, und Philipp war geneigt, in die Verbindung 
zu willigen. Da zerstörte den ganzen Plan die Eifersucht des 
jungen Alexander, der von seiner Mutter und deren Partei auf- 
gehetzt, sich durch diese Verbindung in seinem Erbrechte be- 
nachteiligt glaubte und Pixodaros sich selbst als Schwiegersohn 
empfahl. Dieser ging natürlich sofort darauf ein, aber Philipp 
warf sich dem hitzig entgegen, er schalt seinen Sohn, dass er sich so 
gering geachtet habe, eines Barbaren, eines Sklaven des Perser- 
königs, Schwiegersohn werden zu wollen. Alexanders Freunde, 
die Philipp bei dem Plane beteiligt glaubte, wurden verbannt^'). 



Vorrechte) angeben würden. — Möglieb, dass eine erneute Vergleicbung 
des Originals in der Erklärung weiter fuhrt. 

Wie lange die Herrschaft der karischen Fürsten über Lykien gedauert 
bat, lässt sich genau nicht sagen, wahrscheinlich hut sie, wie auch Six 
a. 0. 55 anzunehmen scheint, bis zum Erlöschen der Hekatoninosdynastie, 
vielleicht sogar bis zum Einmarsch Alezanders gewährt. Jedenfalls kann 
ich Michaelis Ännali 1875 S. 170 A. 325 nicht beistimmen, der daraus, 
dass Pseudo-Skylax 88 Telmessos u. a. schon wieder zu den lykischen 
Städten zählt, die Unabhängigkeit Lykiens erschliesst. Arrian Anab. 
1 24, 4. 5, den er noch anführt, beweist nur für Alexanders Zeit. Ganz 
unwahrscheinlich ist die Annahme Treubers a. 0. 106, dass, weil angeblich 
schon vor dem Jahre 346 der Grosskönig mehrfach eine feindliche Stellung 
gegen Idrieus eingenommen habe, eine Befreiung Lykiens vorauszusetzen 
sei (vgl. S. 251 A. 1). Von einem solchen Befreiungskampf wissen wir 
einfach nichts. 

1) Diod. XVII 5, 3. 4 vgl. Nöldeke, Aufsätze z. pers. Gesch. 80 f. 

2) Plut Alex. 10,1-3 vgl. Arr. Anab. III 6,5. Aus der Erzählung 
ergiebt sich, duB» Pixodaros trotz seiner- mächtigen Herrenstellung damals 



S54 Sechstes Ejipitel. 

So scheiterte auch das Bündniss : Pixodaros war jetzt darauf an- 
gewiesen, der üeberlieferung seines Hauses getreu bei Persien 
Anhalt zu suchen. Er gab dieselbe Tochter, die er eben Philipps 
Sohn angeboten hatte, einem vornehmen Perser Orontobates 
zur Ehe und erhob diesen zu seinem Mitherrscher ^). 

Als dann Pixodaros um die Zeit von Alexanders Einmarsch 
in Asien (Frühjahr 334) starb, wurde Orontobates in dem Besitz 
der Satrapie bestätigt (Arr. Anab. I 23, 7 Strab. XIV 657 vgl. 
S. 227), doch konnte dieser nur eben sein Land und seine 
Hauptstadt in Verteidigungszustand setzen. Nach der Eroberung 
der Stadt Halikarnassos durch Alexander hielt Orontobates 
zwar noch die beiden Burgen in Salmakis und auf der hisel 
— in der Burg Salmakis hat er vielleicht sogar noch Münzen 
schlagen lassen (vgl. Six Num. Ghron. 1890 S. 60) — und durch 
seine Besatzungen Myndos, Eaunos und andere Städte, musste 
sich aber nach dem Verluste einer grossen Schlacht im Laufe 
des Jahres 333 ergeben und verschwindet seitdem aus der 
Üeberlieferung (Arr. II 5, 7 Gurt. EI 7, 4 Strab. a. O. vgl. 
Droysen Hell. P 273). 

Ueber seine Provinz war schon verfügt worden, noch 
ehe er dieselbe ganz geräumt hatte. Ada, die nach der Ver- 
treibung in ihrer Bergfeste Alinda wol unbehelligt geblieben 
war und im Lande noch viele Sympathien besass, wurde, 



immer noch Satrap war. Dass er GoIdmünzeD geprägt bat (Brandis 
MüDzw. 475 vgl. Head Bist. num. S. 533 f.), ein Recht, das bis dabin in 
der Regel nur von selbständigen Vasallen des Perserkönigs wie den 
ky prischen Königen ausgeübt wurde (Head a. 0. S. 621 ff.), ist wol nicht 
80 sehr einer Aenderung in Pixodaros' Stellung, als dem allgemeinen Ver- 
fall des Reiches zuzuschreiben. 

1) Strabon XIV 657. Dass es dieselbe Tochter (Ada die Jüngere) war, 
welche Pixodaros erst Philipp anbot und dann mit Orontobates verheiratete, 
ist nicht ausdrücklich bezeugt, doch liegt der Schluss nach den sonst über- 
lieferten Tatsachen sehr nahe (vgl. Krumbholz a. 0. 83). — Der Name des 
Orontobates, den man neuerdings gewöhnlich nach den Münzen Othonto- 
pates zu schreiben pflegt (Droysen a. 0. 1" 210 A. 2 Nöldeke Gott. gel. Anz. 
1884 S. 297), scheint doch jetzt auch auf den Münzen seine alte, bei den 
Schriftstellern überlieferte Form wiederzuerhalten: vgl. Six, Numism. 
Chron. 1885 S. 27. 1890 S. 60, Sayce Academy Nr. 888. 1889 S. 329. 



MaQ88olIo8 von Mylasa. 255 

nachdem sich ihr Bruder Pixodaros rückhaltlos Persien ange- 
schlossen hatte, und Orontobates durch den Perserkönig als 
Pixodaros' Nachfolger bestätigt worden war, notwendig auf die 
makedonische Seite gedrängt. Sie zog Alexander bei seinem 
Einmarsch in Karlen entgegen, übergab ihm ihre Stadt und 
begrüsste ihn als ihren Sohn. Alexander nahm den Gruss an 
und setzte Ada in ihre alte Herrschaft ein: er knüpfte schon 
hier wie später in Persien selbst seine Herrschaft unmittelbar 
an die des alteinheimischen Fürstenhauses an (Arr. I 23, 8 
Strab. a. 0. Diod. XVII 24, 2 Plut. Alex. 22, 4 vgl. de san. 
praec. 9 reg. et imp. apophthegm. Alex. 9 non posse suav. 
vivi 17). Wie lange Ada die Herrschaft noch geführt hat, 
lässt sich nicht bestimmen; spätestens gleich nach Alexanders 
Tode überkam Asander die karische Satrapie (Droysen ü^ 29 
vgl. d. Anhg. Nr. 2). 



ANHANG. 
ZWEI MAUSSOLLOSURKUNDEN. 

1. 

Adalia (jetzt Berlin). Herausgegeben in Maiuskeln, aber un- 
vollständig von 6. Hirschfeld, Monatsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 
1874 S. 716, danach von Bezzenberger, Bezzenbergers Beitr. V 
(1880) S. 337; vollständig in Minuskeln von Bezzenberger bei 
Gollitz, Griech. Dialekt-Inschr. I (1884) Nr. 1269, endlich Ver- 
zeichniss der antiken Skulpturen zu Berlin 1885 Nr. 1178. — 
Weiss. Marm. 0,32 br. 0,29 h. ; rechts vollständig ; Buchst. 0,015 
Zeil. 0,012. Abschr. Abkl. 

KNTE^AIAKAIAAlONKAirANKAI/^ 
lEINTOISftMOAOrHMENOI^nOTI//// 
JAABE nS0M02ANT0NAEKAI(l)M/ 
\Y2SnAAOSrPAH^HTAIKATAT/«i 

5 IMENOISEiAIPfiNTESTOBAS'«» 
ATAAIKA^MAYSSnAAOS<l)A^HAI» 
ITANEITINESO(l)EIAONTIEMMHSI 
'///.//'/•^A ITßNAEEMPPOSOE^YN 
SIANKATAAA(t>OHMEI NAIKA^ 

10 ; AITAI^KAI <t)A^HAITA^MAY^ 
IKAIMAYSS flAAO^OMOAOrHS^^" 

6iJi6&]ai'T€g Jta xai "AXiov xal Fav xai . 

. . . xai . . . €|Ulf.u^•]€Tv toTg (ofioXoyrjfAsrotg norl 
0aar]h'Tag xakcog xal a\ßXaßbmg. ojUO(rai'i[cö]i'rf^xofi<I>«- 
ariXnai oxxa xd ;fö>^/a? M^avacfüXXog ygaiprjTai xatd Ta[v 

5 ra infievtiv roig tofAoXoyrilfiävoig i^aiQwvrsg t6 ßaaiXä- 
(og, et 6s xa /xr] S/ifiärtotTi ?, x^aradixag Mav(f(f(oXXog 0aarjXn^ 
aig snißaXisTCOy . . . (I>aar]X]iTäv et tivsg o(p€iXojTi ifi fj^rjci 

~\vai. rwr d^ i/x7iQ0(Tx^€ avr. 

Jcr/ai' xaTaXa(f\}rifi€iv ^ dixag 

10 dovrat? xai Mavaa(oXXov ^aar}\X(Taig xai 0a(fr]Xitag Mava- 
aciXXioi ]xa» MavatfooXXog ofioXoyrja . . . 

Die ErgäuzuDgen durchgängig unsicher. Zeilenlänge annähernd be- 
stimmbar nach Z. 3 u. 10. Z. 4 oxxa tu /fti(>t«? R. Schoell. Z. 10 xava- 
Xttq)&rifieiv^ Mxag\^ovvai'^ R. Schoell. 



Zwei Maussollosurkunden. 257 

2. 

Aus der Umgebung von Lagina. Benndorf und Niemarin, 
Reisen in Lykien und Karien I. 1884 S. 155 f. Nr. 135. Die 
Stele anscheinend vollständig, jetzt unten abgerundet ; die Buch- 
staben sehr unregelmässig eingehauen. 

.sr-paro.>HAir i'^i 

^^lAEYON TOGASAN 
APOYSATPAPEYONTOS 
EAOZENKDAPENAEY^INT 
5 HNATEATI NH EAflKEN 
lAY^^ AAv^ EIATOMHO 
AIKOAPEHAE lAlO 

PTHYMOYM HIKAITC 

Tr^NoisTnNrEnprh 

10 H JlNKAITfiNAAAft 

ONTßNAYTßlPA 
/ NAFPAtAir 

"Arr 

itov]g 71(}(6to[v] OiXi7i7io[v 
ß^aailetyovTog ^Affdt'- 
6qov aoTQansvovToq 
ido^ev KoaQsvdevaiv t 
5 rjv dTäXet\cc\v^ ?J[v] l^doaxev 
Ma]vaa[(o\lXo[g\ ^E[j>i\ai:6^v[(a 
x\ai KoaQ€vdt\lg Avaf\idi X) 
QTTjVfAov M[. . . .]iyt xal To[T 
g flyyovoig tcov y*cö^y[i'a)i* ? 
10 7rcf]i [t]coi' xal rwr äXX(o\_v 
Tm*] ov%(av ctvxm 7ta[vT 
0)1', d^rayQcctpai [rovg ve- 
(onoiovg ? iv A\ayi[r'qi 

Die Urkunde stammt aus dem Jahre 323 v. Chr. (Ptolem. Kanon 
ed. Halma 1820 S. 8; vjjl. Droysen, Gesch. d. Hell. II" 12 ff.). Koarenda 
bisher unbekannt. Die Ergänzungen verdanke ich zum grossen Teile 
Rudolf Schoell. Z. 8 M , , , , rit wol ein Demotikon vgl. Mavvvitr^ 
Lebas-Wadd. Asie min. 327 ff. 401 ff., Bull, de corr. hell. XII 25. 



JDDEICH, Kleinasiatische Studien. 17 



SIEBENTES KAPITEL. 
DIE KLEINASIATEN IM ZWEITEN ATTISCHEN SEEBUND. 



1. OBÜNDUNG UND AUSBBEITÜNa DES BUNDES. 

Der Königsfriede vom Jahre 386 hatte scharf geschieden 
zwischen den Festlands- und Inselgriechen Kleinasiens: während 
diesen volle Freiheit und Selbständigkeit gewährieistet war, 
wurden jene und mit ihnen die Inseln Kypros und Klazomenai 
dem Perserkönig prei^egeben, ohne dass es ihnen verstattet 
worden wäre, auch nur ein Wort bei der Gestaltung ihres 
Schicksals mitzusprechen. Das war hart und traurig ; ofT wird 
von den Publizisten und Rednern der Zeit über diese Aus- 
liefeiiing der Stammesgenossen an die Barbaren geklagt; aber 
zum guten Teile trugen jene selbst die Schuld, dass man so 
rücksichtslos über sie verfügte: die alte Kraft, der alte Trotz, 
das alte Freiheitsbewusstsein war aus den Bürgern von damals 
gewichen. Der Charakterzug einer gewissen Weichlichkeit, das 
Bedürfniss nach Wohlleben, die wir schon sehr früh an den 
kleinasiatischen Griechen wahrnehmen können, hatten in der 
Not der Zeit seit dem Ausgang des V. Jahrhunderts sich nur 
noch schärfer ausgeprägt : eine allgemeine Erschöpfung, ein all- 
gemeines Ruhebedürfniss machte sich hier geltend schärfer noch 
als in der übrigen griechischen Welt. Man hatte sich daran 
gewöhnt, dass das Mutterland die Sorge und den Schutz gegen 
den mächtigen persischen Nachbar übernahm , und als dieses 
seine Hand abzog, stand man ratlos da: allein den Kampf mit 
dem Erbfeind plötzlich aufzunehmen, schien ein verzweifeltes 
aussichtsloses Beginnen. 

Der Drang nach voller Freiheit und Selbständigkeit ist 
darum nicht ganz verschwunden : Freiheitsschwärmer und Frei- 



Die Eleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 259 

heitsprediger hat es auch in diesen Jahrzehnten wol immer 
gegeben, aber es hat stets eines besonderen Anstosses bedurft, 
um die Griechenstädte des kleinasiatischen Festlands zu einem 
geschlossenen, kräftigen Vorgehen fortzureissen. Das erste Mal 
seit dem Abschluss des Antalkidasfriedens, dass wir von einer 
solchen gemeinsamen Erhebung hören, am Ende der sechziger 
Jahre, sind es die mächtigen persischen Statthalter selbst, 
welche die ihnen untergebenen Städte zum Kampf gegen den 
Grosskönig aufrufen und im Hellenentum gegen die persische 
Reichsmacht einen Rückhalt suchen. Diese Empörung ist miss- 
glückt, und einzelne Städte wie einzelne Satrapen haben für 
die anderen mitbüssen müssen. 

Die zweite einmütige Erhebung der kleinasiatischen Fest- 
landsgriechen veranlasst der Siegeszug Alexanders des Grossen, 
der ihnen auch die Freiheit früherer Zeiten in neuer Form 
zurückbringt. 

Was wir sonst im Ganzen wie im Einzelnen von den Städten 
des kleinasiatischen Festlandes in der Zeit vom Antalkidas- 
frieden (386) bis zum Einmarsch Alexanders (334) hören, ist 
ausserordentlich dürftig. Von den Geschichtsschreibern und 
Rednern erfahren wir nur ganz gelegentlich ausser den all- 
gemeinen Klagen über die Auslieferung an Persien irgendwelche 
unbedeutende Einzelheit: die Kleinasiaten sind dem Gesichts- 
kreise oder wenigstens dem Interesse ihrer Stammesgenossen 
im Mutterlande entrückt, seit sie nicht mehr an den Partei- 
ungen und Händeln dort Anteil nehmen können. Selbst Ephoros 
der Kymaier und Theopomp von Chios, soweit uns ihre Werke 
erhalten sind, machen von dieser allgemeinen Teilnahmlosigkeit 
keine Ausnahme; sie schreiben griechische und nicht klein- 
asiatische Geschichte; nur ihr gemeinsamer Lehrer Isokrates 
hat stets auch den kleinasiatischen Festlandsgriechen ein be- 
sonders warmes Gefühl bewahrt: ihr Schicksal ist zu eng mit 
seinem Lebensgedanken des Kampfes der vereinigten Griechen 
gegen den persischen Erbfeind verknüpft. So versiegen uns 
die schriftstellerischen Quellen fast ganz. Der Inschriften, der 

17* 



260 Siebentes Kapitel 

Kunstwerke und baulichen Reste sind erst recht wenige; auch 
die Münzen geben nicht viel aus. 

Die Griechenstädte des kleinasiatischen Festlands waren 
wie gesagt in ihrer Gesammtheit dem Perserkönig zuerkannt 
worden : gruppenweise wurden sie den Satrapen, in deren Ge- 
biet sie lagen, unterstellt Allen gemeinsam scheint von vorn- 
herein die Pflicht der Tributzahlung an diese Satrapen ge- 
wesen zu sein (vgl. Arr. Anab. I, 17,10. 18,2 u. ob. S. 246), die 
Stellung der einzelnen zur Reichsgewalt und zu den Satrapen 
war aber zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden: die Zu- 
stände im Perserreiche, namentlich in den westlichen Küsten- 
satrapien, sind damals zu schwankend und unsicher, als dass 
sie nicht auf das Verhältniss zwischen dem Perserkönig und den 
Griechenstädten in stetem Wechsel hätten zurückwirken sollen. 
Wenn wir deshalb aus Urkunden oder Schriftstellernotizen zu ver- 
schiedenen Zeiten die Freiheit oder wenigstens die innere Unab- 
hängigkeit einzelner Gemeinden des kleinasiatischen Festlandes 
nachweisen können, so lässt sich daraus weder für die dauernde 
Stellung der betreffenden Städte, noch für die gleichzeitige Stellung 
der Nachbarstädte irgend etwas schliessen. Diese Freiheit bezw. 
innere Unabhängigkeit ist uns bezeugt von Phaseiis um das 
Jahr 360 (S. 242. 256), von lasos um das Jahr 366 (S. 236 
A. 3), von Erythrai um die Jahre 365, 356 und 350 (S. 200 A. 
219. 244 A. 1), von Kyme und Klazomenai um 382 (S. 191), 
von Abydos um 362 (vgl. S. 278) , von Kios um das Jahr 352 
(S. 218 A.), von Herakleia am Pontos um 364 (S. 274 f.); 
auch Aigai und Temnos mögen ihre Freiheit noch behauptet 
haben (vgl. Xen. Hell. IV 8,5). 

Wie wenig sicher ein allgemeinerer Schluss aus diesen Angaben 
sein würde, beweisen die Nachrichten, die wir über das wechselnde 
Geschick anderer kleinasiatischer Festlandsstädte haben : Sinope 
und Amisos wahren ihre Freiheit bis an das Ende der siebziger 
Jahre, um dann in Datames' Hand zu fallen (S. 192 flf.); Lam- 
psakos und Sigeion, zuerst persische Untertanenstädte, dann, 
wenigstens Lampsakos, wie es scheint frei (S. 278. 280) werden 
um 356 durch Chares aus Athen besetzt und -gehalten (S. 210 f. 
213 A. 1); ein ähnliches Schicksal erleben llion, Skepsis und 



Die Kleinasiaten im zweiten attischen Seeband. 261 

Kehren, von denen um das Jahr 360 der Söldnerftihrer Chari- 
demos Besitz ergreift. Charidemos, weniger glücklich als Chares, 
hat freilich schnell seinen Raub wieder herausgeben müssen, 
und dabei scheint Ilion seine Freiheit wieder erlangt zu haben 
(S. 280). Assos und Adraraytteion bilden um das Jahr 366 die 
Hauptstützpunkte des aufständischen Satrapen Ariobarzanes 
(S. 202); nach dessen Tode am Ende der sechziger Jahre ent- 
steht dort und in Alarneus das kleine Reich des Eubulos und 
Hermias, und im Jahre 345 werden sie wieder persisch (S. 208 
A. 1. 219 f.). Herakleia am Latmos, das um das Jahr 360 etwa 
frei ist, wird dann durch Maussollos erobert und, nachdem es 
sich für kurze Zeit am Ausgang der fünfziger Jahre abermals 
befreit hat, durch dessen Nachfolgerin Artemisia zurückgewonnen 
(S. 241. 249 f.). Ephesos hatte um die Mitte des Jahrhunderts 
durch einen seiner Bürger Herophytos seine Freiheit sich wieder 
errungen und sie zu behaupten gewusst (Arr. Anab. I 17,11 
vgl. S. 241 A. 1) ; bei Alexanders Thronbesteigung herrscht aber 
dort eine oligarchische Partei unter Führung eines gewissen 
Syrphax, die von Persien abhängig ist und durch eine persische 
Besatzung gestützt wird : die Stadt zahlt ihren Tribut an Persien 
(Arr. Anab. I 17, 9—12 Suid. u. 2vQ(pa^). 

Aehnliche Verhältnisse wie in Ephesos: Tributpflichtigkeit, 
Oligarchie, persische Garnison, finden wir in der Zeit von 
Alexanders Einmarsch in den meisten Städten des westlichen 
Kleinasiens : ausser in den alten Satrapenresidenzen Daskyleion 
und Sardes, in Zeleia (Arr. Anab. 1 17, 1 — 4) in vielen aiolischen 
und ionischen Städten an der Küste (ebd. 18, 1 vgl. 20, 2 u. unt. 
S. 303 flf.), in Magnesia am Maiandros und Tralleis (ebd. 18, 1), in 
Miletos, das sich am Ende der sechziger Jahre gegen Maussollos 
noch kräftig gewehrt hatte (ebd. 18, 3—19,11 Diod. XVII 22, 1 
vgl. S. 241), in Myndos (Arr. Anab. I 20, 5. 7 vgl. S. 254), Hali- 
karnassos (ebd. 20, 2 fif. Diod. XVH 22, 4), Kaunos (S. 254); 
in den lykischen Städten Hyparna, Telmessos, Pinara, Xanthos 
und Phaseiis ^). Diese starke Sicherung Kleinasiens in der Mitte 

1) Arr. Anab. I 24, 4-6. Vielleicht dürfen wir dieselben Verhältnisse 
in Kolophon voraussetzen, das jedenfalls nach der Befreiung durch 



262 Siebentes Kapitel. 

der dreissiger Jahre ist wol erst durch den ersten Einfall der 
Makedonen (336 vgl. 302 f.) und die drohende Wiederholung 
dieses Einfalls unter Alexanders persönlicher Führung veranlasst 
worden. Mentor und Memnon von Rhodos, denen diese gleich- 
massige Organisation offenbar verdankt wurde (S. 220. 303), 
scheinen etwas Aehnliches angestrebt und geschaffen zu haben, 
wie es um die Wende des V. Jahrhunderts bereits Lysandros 
plante (S. 7 f. 30 f.). Persische Besatzungen unter persischen Kom- 
mandanten haben aber natürlicli schon früher einzelne wichtige 
Punkte festgehalten : gerade darüber klagt Isokrates wiederholt 
gleich nach dem Antalkidasfrieden ^). 

Auch was Isokrates in der Mitte des IV. Jahrhunders über 
die traurigen Verhältnisse, das Elend und die Unsicherheit in 
Kleinasien erzählt (Phil. (V) 100. 120 f.) verdient Glauben, da 
ja das Land eigentlich unausgesetzt seit dem Beginne des IV. 
Jahrhunderts als Kampfplatz gedient hatte: doch werden sich 
Isokrates' Worte wol vorzüglich auf die Verhältnisse des flachen 
Landes beziehen. In den Städten dagegen lebt und treibt die 
alte Gultur weiter. Die Prägung von Silbermünzen nimmt gerade 
jetzt einen mächtigen Aufschwung^). Gold wird zahlreich in 
Lampsakos und Klazomenai, Elektron in Phokaia geschlagen (Head 
Hist.num.457.491.507): die Münzgerechtigkeit scheint demnach 



Alexander nach Athen, wie es scheint dem Zeus Eleutherios, ein Weihe- 
geschenk gesendet hat (vgl. U. Koehler z. CIA. II 164). Zu einem ähn- 
lichen Zweck scheinen auch Gesandtschaften aus Klazomenai und Priene 
nach Athen abgegangen zu sein (CIA. II 165. 166). 

Die von Kumanudes ^q). «^/. 1886 Sp. 217 veröffentlichte und nach 
dem Schriftcharakter der Mitte des IV. Jahrhunderts zugewiesene Urkunde, 
in der von einem Gesandtschaftsaustausch zwischen Priene und Athen 
die Rede ist (vgl. Lenschau de reb. Prien. 185 f.), gehört wol ebenfalls in 
diesen Zusammenhang: wir haben hier die Fortsetzung der vorher ange- 
knüpften freundschaftlichen Heziehungen. Endlich wird vielleicht hierher 
zu ziehen sein ein das Verhältniss zwischen Milet und Athen berührender 
leider arg verstümmelter athenischer Volksbeschluss i^A^x- ^£^^' 1^89 S. 88) 
aus der zweiten Hälfte des IV. Jahrhunderts 

1) Paneg. (IV) 120, vgl. 117. 123. 133. 162 f. 166. 175. 178. 

2) Head, Hist. Num. 466 f. 476 f. 518; vgl. auch die übersichtliche 
Zusammenstellung bei Holm Gr. Gesch. III 357 ff. 



Die Eleinasiaten im zweiten attischen Seeband. 263 

auch den unterworfenen Städten geblieben zu sein. Künstler, 
Dichter, Gelehrte gehen aus den Kleinasien dieser wie der Folgezeit 
hervor. Ein redendes Zeugniss aber von der hohen Culturblüte 
dieser Zeit geben vor allem die herrlichen Trümmer der Tempel 
von Priene ^) und Ephesos *), deren Bau gerade in di^ Mitte des 
Jahrhunderts fällt. Der Tempelbrand von Ephesos im Jahre 
356 ist eines der wenigen zeitlich fest bestimmbaren Ereignisse 
der kleinasiatischen Culturgeschichte des IV. Jahrhunderts 
(Strab. XIV 640 f. Val. Max. VIII 14, 5 Plut. Alex. 3, 3 Gic. de 
nat. deor. II 69 Synkell. S. 491 Bonn.). Bei der Ankunft 
Alexanders im Sommer 334 war der neue Tempel nahezu 
vollendet ; Alexanders Wunsch den Bau zu weihen lehnten aber 
die Ephesier ab (Strab. 641). Bei dem Tempel von Priene 
dagegen hat wie uns die erhaltene Inschrift, lehrt Alexander 
die Weihe vollzogen (Anc. Greek Inscr. of the Brit. Mus. III 
399 = Hicks man. 124 = Dittenberger Syll. 117 vgl. Vitr. I 1, 12 
VII 1, 12). 

Etwas reichlicher und klarer als für die Geschichte der 
Griechen des kleinasiatischen Festlandes fliessen die Quellen 
für die Geschichte, wenigstens für die politische Geschichte der 
kleinasiatischen Inselgriechen. Dass diese Inselgriechen noch in 
unmittelbarem Verkehr mit dem Mutterlande bleiben, dass sie 
bei der Gestaltung der Machtverhältnisse des Mutterlandes mit- 
wirken, dem haben wir diese ausführlichere Kunde zu danken. 

Die Bewohner der kleinasiatischen Inseln mit Ausnahme 
derer von Kypros und Klazomenai hatten an der äysserlich so 
verheissungsvollen Neuordnung des Antalkidasfriedens, der ihnen 
volle Freiheit und Selbständigkeit zusicherte, teilgenommen, aber 
dennoch musste gerade ihnen wie den hellespontischen Griechen 
zuerst die Notwendigkeit klar werden, sich in ihrer Selbständig- 
keit nicht schroff abzuschliessen, sondern Schutz und Anlehnung 



1) Ray et u. Thomas, Milet et le golfe Latmique 1877 ff. II 1 ff. lonian 
; Antiquities Bd. I» S. 11—24 Taf. I-X Bd. IV S. 21—34 Taf. I— XXI vgl. 



Lenschau, de reb. Prien. S. 116 ff. 165. 

2) Friederich«- Wolters, Bausteine 1885 S. 429 ff. 



S64 Siebentes Kapitel. 

ZU suchen in der alten Heimat. Aus der Geschichte ihrer Väter 
im V. Jahrhundert, aus ihren eigenen Erfahrungen vom 
Beginn des IV. hatten sie lernen müssen. Sie standen der eben 
triumphierenden Persermacht gegenüber auf Vorposten; gar 
zu leicht konnte ihnen durch den Grosskönig selbst oder 
durch einen ehrgeizigen Satrapen das Geschick ihrer Brüder 
vom kleinasiatischen Festland bereitet werden. Und wenn 
dieses Geschick auch erträglich war, so blieb es doch nicht be- 
gehrenswert. 

Für die Gewährung des Rückhaltes, dessen die Inselgriechen 
bedurften, kamen im zweiten Jahrzehnt des IV. Jahrhunderts 
nur zwei Mächte in Frage, die beiden Mächte, welche im pelo- 
ponnesischen Kriege mit einander gerungen und im korinthischen 
den Kampf fortgesetzt hatten, Sparta und Athen. Sparta war 
im Augenblick unstreitig siegreich : sein Werk war der Königs- 
frieden, sein Wort vermochte bei Persien alles: aber gerade 
durch den Abschluss des Antalkidasfriedens hatte es wieder 
kundgegeben, wie wenig ihm an dem Schicksal der Kleinasiaten 
lag. Nach einer kurzen Unterbrechung am Ausgang der acht- 
ziger Jahre hat Sparta überhaupt auf jede aktive asiatische 
Politik verzichtet und die engste Fühlung mijt Persien beibe- 
halten (Diod. XV 19, 1 23, 5 vgl S. 106. 128. 131. 190). In 
der folgenden Zeit schränkt die spartanische Staatsleitung ihren 
Wirkungskreis noch weiter ein ; wenn wir noch um das Jahr 
381 Sparta mit Athen um die Kykladen hadernd finden (Isokr. 
Paneg. (IV) 136 vgl. 133), so wird kurz darauf Spartas Interesse 
und Spartas Macht vollständig von den Verhältnissen auf dem 
griechischen Festlande in Anspruch genommen, bis durch die 
Schlacht von Leuktra (371) Sparta seine führende Stelle voll- 
ständig verliert. 

Sparta also bot den kleinasiatischen Inselgriechen nicht den 
nötigen Rückhalt und die Bürgschaft eines dauernden Schutzes, 
sie wandten sich deshalb gleich von vornherein ganz natür- 
licherweise wieder an Athen, dessen nach der Schlacht von 
Knidos neu erstehender Seebund mit dem Antalkidasfrieden zer- 
stört worden war, das aber doch seinen Ruf als die erste Seemacht 



Die Kleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 265 

unter den Festlandsgriechen behauptet hatte, dessen Inselbesitz 
Skyros, Lemnos, Imbros gewissermassen die Brücke nach dem 
Hellespont und nach Kleinasien bildete, zu dem einzelne Ge- 
meinden die alte Stammverwandtschaft hinzog, und zu dessen 
eleusinischen Mysterien viele Städte in Erinnerung an das frühere 
Bundesverhältniss noch immer ihre Jahresspende schickten (Isokr. 
Paneg. (IV) 31 vgl. Bull. d. corr. hell. IV 226 = Dittenberger 13). 
Athen als die grösste See- und Handelsmacht war ausserdem 
der einzige Staat, welcher ein unmittelbares Interesse daran 
besass, dass die Perser nicht über die vereinbarten Grenzen 
hinausgriflfen, der einzige, in dem der Perserhass wirklich tiefe 
Wurzel geschlagen hatte (Isokr. Paneg. 157). So haben denn 
gleich nach dem Antalkidasfrieden gerade einige der grossen 
kleinasiatischen Inselstaaten, die Gemeinden von Chios, Mytilene, 
Methymna und ausser ihnen die Byzantier, mit den Athenern 
ein Bündniss geschlossen oder das früher geschlossene Bündniss 
auch weiter gelten lassen^). 



1) Isokr. Plat. (XIV) 27. Dass es sich hierbei nicht um ein Wieder- 
aufleben oder eine Fortdauer des ersten attischen Seebundes handelt, hat 
Busolt. der zweite Athenische Bund Jahrbb. f. cl. Phil. VII Supplem. 1874 
S. 677 f. richtig betont gegenüber X, Schaefer, de sociis Atheniensium etc. 
1856 S. 7, vgl. dess. Demosthenes I* 27, wenngleich Busolt den Wert der Iso- 
kratesstelle unterschätzt. Eine andere Stelle Paneg. (IV) 163, wo Isokrates 
zur Besetzung von Rhodos, Samos und Chios — ebd. 166 sogar von 
lonien und Lydien — durch die Athener auffordert, um sie vor persischer 
Besitzergreifung zu hüten, tritt bestätigend hinzu. Von Lesbos, das man 
unter den Inseln 7t€Qi trjy r^neiqoy vermisst, oder Byzantion ist hier keine 
Bede; wenn Chios erscheint, so hat das möglicherweise darin seinen 
Grund, dass im Jahre 381 sich die Beziehungen zwischen Athen und Chios 
wieder etwas gelockert hatten, vgl. § 139, wo vielleicht nicht ohne Ab- 
sicht den Chiem geschmeichelt wird. 

Das erhaltene Verteidigungsbündniss zwischen Athen und Chios 
(Koehler Ath. Mitt. II 138 ff. = Hicks man. 80 = Dittenberger Syll. 59, 
vgl. CIA. II 15) wird aber jedenfalls richtiger von Koehler a. 0. 140 ff. 
kurz nach den Antalkidasfrieden d. h. also etwa Mitte 386 (S. 106), als 
mit Hicks a. 0. in die Vorverhandlungen zum Abschluss des zweiten 
Seebundes verlegt. Dass die anderen oben genannten Städte schon vor 
dem Abschluss des zweiten Seebundes in einem Vertrags- oder Freund- 
schaftsverhältniss zu Athen standen, wird durch die Fassung der erhaltenen 



266 Siebenies Kapitel. 

Ein Jahrzehnt später erscheinen sie unter den ersten im 
zweiten attischen Seebund. 

Athen hatte veranlasst durch Spartas gewaltsame, herrische 
Politik und durch die Steigerung von Spartas festländischer Macht 
Anfang des Jahres 378 neben den früheren Verträgen (mit Ghios 
u. s.w.) eine Reihe neuer Einzelbündnisse geschlossen, die ihre Spitze 
nicht unmittelbar gegen Sparta richteten, sondern nur den Besitz- 
stand der Verbündeten wie der Athener wechselseitig gewähr- 
leisten sollten: so mit dem eben befreiten Theben, später mit 
Chalkis auf Euboia ^). Erst nachdem es im weiteren Verlaufe 



Vertragsurkunden für den Seebund (vgl. die folgende Anm.) bestätigt. 
Namentlich waren die Methyranaier damals bereits avf^/iaj^oi Bull. d. corr. 
hell. XII 139, 5 f. 

1) Dass Sonderbündnisse Athens mit verschiedenen St-ädten besonders 
mit Chios und l'heben vor der Ausgestaltung des Bundes bestanden, geht 
zwingend aus der Bundesurkunde hervor (CIA. II 17, 23 f. = Hicks 81, 
= Dittenberger 63), denn Theben ist in der Urkunde bereits genannt, obwol 
es doch erst nach der Bildung des Bundes demselben beitritt (Diod. XV29, 6 
vgl. CIA. II 17, 72 ff.: nach Köhler z. d. Inschr. ist auch &r}ß«ioc nicht von 
der ersten Hand, die das Dekret und die Namen der Chier, Mytilenaier, 
Methymnaier, Rhodier, Hyzantier aufzeichnete, sondern von einer zweiten 
gemeisselt^ Das alte Bündniss Athens mit Chios aus der Zeit unmittelbar 
nach dem Antalkidasfrieden scheint uns erhalten zu sein (vgl. S. 265 A.)^ 
ebenso die Erneuerung des Bündnisses mit Mytilene auf veränderter Grund- 
lage (CIA. II 18). Erhalten und inhaltlich mit dem chiischen Vertrage 
durchaus übereinstimmend ist endlich auch das Sonderbündniss mit Chalkis 
(CIA. II 176): die dort Z. 26 f. genannten avfifxaxoi sind allein die beiden 
Vertragschliessenden, nicht etwa die Bündnerschaft, die eben damals als 
geschlossene Gesammtheit noch nicht vorhanden ist. 

Die zuletzt genannte datierte Urkunde wie die auf den Anfang des Jahres 
377 datierte allgemeine Bundesurkunde zeigen eben, dass die Absicht Athens, 
die Einzelbündnisse zu einem grossen gegen Sparta gerichteten Bunde (CIA. II 
17, 9 f.) zu verschmelzen, frühestens im Spätsommer 378 offen hervorgetreten 
ist, und Athen damals seine Boten zu diesem Zwecke ausgesandt hat, d.h. nach 
dem missglückten Handstreiche des Sphodrias gegen den Peiraieus (Xen. V 
4, 20 ff. Diod. XV 29, 5 Plut. Pelop. 14, 2. 3), nach Sphodriaa' Freisprechung 
und nach dem offenen Bruch mit Sparta (Xen. 4, 34 Diod. 29, 6 Plut. Pelop. 
15, 1). — Der Beschluss der Athener die Kleruchien ihren früheren Be- 
sitzern zurückzugeben und keinen Grundbesitz ausserhalb Attikas zu erwerben 
(Diod. 29, 7 vgl. Isokr. Plat. (XIV) 44), der doch jedenfalls nur auf das im 
Entstehen begriffene Bundesgebiet zu beziehen ist (vgl. CIA. II 17, 25 ff.), 



Die EleiDasiaten im zweiten attischen Seebund. 267 

des Jahres zum offenen Bruch mit Sparta gekommen war, ist 
man im Winter des Jahres 378 auf 377 an die Bildung eines 
wirklichen unmittelbar gegen Sparta gekehrten Bundes ge- 
gangen, in dem nicht nur, wie bisher, einzelne Städte mit Athen, 
sondern alle Bundesglieder zugleich untereinander verbündet 
waren : gemeinsame Vertretung, gemeinsame Leistung, gemein- 
samen Schutz sich sicherten. 

Auf die Verfassung und den Charakter dieses neuen Bundes 
kann hier, wo nur von den äusseren Schicksalen eines Teiles 
seiner Mitglieder die Rede sein soll, nicht eingegangen werden; 
die Verfassung ist auch schon von anderen ausführlich darge- 
legt worden: es sei nur nochmals hervorgehoben, dass der 
neue Bund ein Verteidigungsbund war, während der erste See- 



mag auch vorhergegangen sein, wenn anders in dieser Nachricht wirklich 
mehr als in der Bundesurkunde enthalten ist, und sie nicht vielmehr 
mittelbar aus letzterer hergeleitet ist. 

Durch diese verschiedenen Gründe wird erwiesen, dass die Auffassung 
Busolts a. 0. 679 ff., die Anfänge des zweiten Seebundes gingen bis in 
den Beginn des Jahres 378 zurück, nicht richtig ist, vielmehr A. Schaefers 
Vermutung (a. 0. 7), die Vorverhandlungen zum Bunde hätten erst nach 
Mitte 378 begonnen, den Vorzug verdient. Diodors Bericht (XV 28. 29) 
über die Bundesstiftung ist von Schaefer und Busolt zeitlich , von Schaefer 
auch inhaltlich angefochten worden ; beides mit Unrecht, denn der Angel- 
punkt für Diodors Datierung ist offenbar die vollendete Organisation des 
Bundes um Mitte 377, und sofern wir die dort erzählten Ereignisse : Aus- 
sendung athenischer Gesandten, um zur Bildung eines gegen Sparta gerich- 
teten Bundes för den Schutz der gemeinsamen Freiheit aufzufordern u. s. w., 
in den Ausgang des Jahres 378 setzen, worauf die Betonung des Abfalls von 
Sparta unmittelbar hindeutet, entsteht gar kein Widerspruch weder mit 
der inschriftlichen noch mit der schriftstellerischen Ueberlieferung. Die 
Aufzählung der einzelnen Städte bezieht sich nicht auf die Einzelbünd- 
nisse oder die Vorverhandlungen zum Bunde, sondern auf die Constitution 
des Bundes selbst (vgl. u.). Dagegen wird man sich aber nicht, wie dies 
Busolt a. 0. tut, für die Zeitfolge und Verknüpfung der verschiedenen 
Ereignissgruppen (Stiftung des zweiten attischen Seebundes, Chabrias in 
Aegypten, Sphodrias' üeberfall, Krie^ zwischen Athen und Sparta) ohne 
weiteres auf Diodor stützen können, wenigstens nicht, wenn er mit der 
sonstigen Ueberlieferung im Widerspruch steht. Xenophons nüchterner 
Bericht, dessen Gegensatz zu dem Diodors Busolt 682 vergeblich zu ver- 
wischen sucht, verdient hier den Vorzug. 



268 Siebentes Kapitel. 

bund aus dem V. Jahrhundert ein Angriffsbündniss gebildet 
hatte, und dass jetzt die Stellung Athens als Haupt des Bundes 
eine wesentlich andere, beschränktere war, als früher. 

Die Stadt Athen wurde der Mittelpunkt und Sitz der obersten 
Bundesbehörde, des Bundesrats (xo/rdi' aweSgiov twv avf.ifi(ix(ov)^ 
der Staat Athen hatte Vorsitz und Führung im Bunde. Dennoch 
konnten, eben weil die Vorrechte, die Athen als Bundeshaupt 
besass, mehr Ehrenrechte als eigentlich politische Rechte waren, 
die bestehenden Einzelveilräge Athens mit verschiedenen Staaten 
nicht für die übrigen Bundesglieder gelten, hier waren neue 
Abmachungen nötig : und so sind gerade die längst mit Athen 
verbündeten hellespontischen und kleinasiatischen Städte Ghios, 
Byzantion, Mytilene, Methymna und mit ihnen Rhodos, dessen 
Parteistellung vorher wir nicht kennen (S. 102), noch ehe man 
zur Aufzeichnung der grossen Stiftungsurkunde in der ersten 
Hälfte des Jahres 377 schritt, dem in der Bildung begriffenen 
zweiten Seebunde beigetreten, oder vielmehr die Gründung ist 
eigentlich mit durch sie erfolgt (Diod. XV 28, 3). 

Der Königsfriede bildete für diesen Bund wie für die 
Einzelbündnisse die anerkannte Grundlage (vgl. CIA 11 17, 18), 
aber der grosse Bund, obwol er zunächst gegen Lakedaimon 
gerichtet war, bot zugleich einen noch stärkeren Schutz auch 
gegen Persien. 

Nach Ulrich Köhlers Beobachtungen sind in der Stiftungs- 
urkunde allein die genannten fünf Städtenamen von derselben 
Hand eingemeisselt worden, die auch die Urkunde selbst aufge- 
zeichnet hat (vgl. S. 266 A. 1). Dass innerhalb dieser geschlossenen 
Gruppe die Eintragung der einzelnen Staaten auf dem Stein 
genau nach der Zeitfolge des Eintritts in den noch in der 
Gründung begriffenen Bund erfolgt sei, wird durch nichts 
gefordert ; die Folge, welche Diodor a. 0. giebt : Chier, Byzantier, 
Rhodier, Mytilenaier, andere Inselgriechen, weicht sogar erheb- 
lich ab. Und gerade Diodors Folge wird durch die beiden 
erhaltenen Urkunden über den Eintritt von Byzantion und 
Methymna aus dem Bündniss mit Athen in den neuen Seebimd 
ausdrücklich bestätigt. Die Abmachung mit Byzantion (CIA. II 19) 



Die Eleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 269 

setzt, soweit wir nach den durchaus sicheren Ergänzungen sehen 
können, noch kein Synedrion der Bundesgenossen voraus : Athen 
unterhandelt, Athen schliesst ab, Athen schickt Gesandte zur Rati- 
flcierung des Vertrages durch die Byzantier zugleich mit im Namen 
der anderen Bundesgenossen. Als aber der Abschluss des Ver- 
trages mit Methymna (S.-B. der Berl. Ak. 1888 S. 5 = Bull. d. 
corr. hell. XII 138 f.) erfolgt, da sind die Synedroi bereits vor- 
handen (Z. 14. 17), und statt der Gesandtschaft von Athenern 
begiebt sich eine, wie es scheint, ständige Gommission der 
Synedroi unter Führung eines Atheners nach Methymna, um 
dort den Vertrag durch Abnahme des Schwures von den 
methymnaier Behörden rechtskräftig werden zu lassen ^). 



1) Z. 19 ff., wo wahrscheinlich zu lesen ist: ... inifxeXri&rjyai ds 
Ai[ai\ I f>iov Xttl tovs avyed^ovs tovg inl ttoy \oQx]\ü)y, ontog äy ofjLoaaxsiv 
al (tQj^ai ai Mrid-'] \ vfj,yai(oy xad-dnsq oi aXXoi av(jifiaxo[i. Den Aiatfiog 
hat der Herausgeber (Mylonas) Bull. a. 0. 141 wol richtig mit dem im 
Jahre 386 nach Ghios geschickten athenischen Gesandten (Athen. Mitth. II 
140, 2 f.) gleichgesetzt, für Z. 20 E. hat er aber keine bestimmte Ergänzung 
gewagt. Das von ihm vorgeschlagene inl tcoy [T6n]\a}y giebt keinen rechten 
Sinn im Text; andererseits fehlt die nicht zu entbehrende Ratifications- 
gesandtschaft, deren Haupttätigkeit doch eben in genauer üeberwachung 
der Eide besteht. Es ist deshalb, wie schon angedeutet worden ist, sehr 
wahrscheinlich, dass man in der Gründungszeit des Bundes, wo immer 
neue Beitrittserklärungen zu erwarten waren, einfach eine ständige 
Gommission für die Ratificierung der Verträge niedersetzte. Den einen 
überzähligen Buchstaben von o^x würde diese Zeile mit Zeile 22 teilen. 

Ganz neuerdings hat Emil Szanto, der richtig auf die Entstehung 
des Bundes aus Einzelbündnissen hinweist, die Ergänzung tovg avyBd(}ovg 
tovg inl tcoy [Xl]\(oy vorgeschlagen (Athen. Mitth. XVI 30 A. 2). Die- 
selbe genügt allerdings der Buchstabenzahl durchaus, bereitet aber wie 
Szanto selbst gesteht sprachlich grosse Schwierigkeiten, denn mit »die 
Abgeordneten von Chios«, wieS. meint, lassen sich die Worte nicht über- 
setzen, dann würde eben dastehen tovg avyid^ovg tovg ttoy Xlcoy (vgl. 
CIA. II 52 Z. 26 f.). Andererseits darf man aber auch nicht übersetzen 
»die Abgeordneten für Chios«, denn Chios war die erste Gemeinde im 
Bunde und vor ihrem Beitritt gab es keine avyedQoi. Danach ist die 
Ergänzung wenig wahrscheinlich. Lässt man dagegen die vorher begründete 
gelten, so erhält man zugleich damit eine genauere Zeitbestimmung für 
den Eintritt der Methymnaier in den Bund: da sie unter den ersten 
sind , die in der ersten Hälfte 377 auf der Stiftungsurkunde eingetragen 



270 Siebentes Kapitel. 

Unter den Inselgriechen, welche Diodor nennt, waren dann 
vermutlich auch die Tenedier, die nach Köhlers Beobachtung 
in der Stiftungsurkunde von der zweiten Hand, die auch die 
Thebaner u. A. einmeisselte, aufgezeichnet worden sind. 

Zwei «fahre später, im Sommer 375, scheinen durch Ghabrias 
zwei neue lesbische Städte Antissa und Eresos zum Anschluss 
an den Bund veranlasst worden zu sein^): länger hat es ge- 
dauert, bis Pyrrha, das kurz vor dem Königsfrieden vermut- 
lich noch auf Seiten Spartas stand (S. 10i2), aber im Jahre 
369/68 unter der athenischen Gefolgschaft, in dem Bündniss 
gegen Sparta erscheint (CIA. 11 S. 400 = Hicks man. 85, 29), 
dem Seebunde beitrat^). In derselben Zeit, also etwa zwischen 
374 und 370, mag endlich Prokonnesos sich angeschlossen haben 
(Dem. Kranz (XVIU) 302 Ps. Dem. Polykles (L) 5) : in dem 
bis zum Jahre 374 reichenden Mitgliederverzeichniss der Stiftungs- 
urkunde (Busolt a. 0. 767 f.) fehlen noch beide Städte. 

Als Ghabrias im Sommer 375 an die kleinasiatische Küste 
kam, scheint er auch den Versuch gemacht zu haben, die 
einzige unter den grossen Inseln, die sich noch nicht für Athen 
erklärt hatte, Samos, zu gewinnen. Die Samier weigerten ihm 
jedoch die Einfahrt in den Hafen. Zwar gelang es ihm durch 
eine Kriegslist, trotzdem einzudringen, aber der Stadt hat er 
sich nicht bemächtigen können'^). 



werden und nach der eben gegebenen Auseinandersetzung anscheinend 
unter den letzten, die an der Gründung des Bundes teilnehmen, so muss 
ihr beitritt, also auch die erhaltene Urkunde in den Winter 378/77, 
spätestens in das Frühjahr 377 fallen. 

Wenn Z. 8 ff. davon die Rede ist uyayQldtpai avtovg tov y^afÄfzatea 
trjg ßovXr^lg ^^^^Q ^«^ ol nXXoi ffvfzfxa^oi dvayeyqafx^evoi elaiy, so bezieht 
sich das auf die Aufzeichnung des vorliegenden Sondervertrages. 

1) So richtig Busolt a. 0. 767 f. gegen Schaefer de sociis Athen. 18. 
Letzterer hat auch Demosthenes I' 59 die Möglichkeit, dass Ghabrias bei 
Gewinnung dieser Bundesgenossen wenigstens beteiligt war, zugegeben. 

2) Front, strat. 1 4, 14 vgl. Busolt a. 0. 767 unt. S. 271 f. Ob auch 
die beiden von Polyainos III 11, 9. 10 erzählten Strategeme hierhergehören, 
ist nicht festzustellen. — Ebensowenig lässt sich mit dem Bruchstück 
eines Samos betreffenden athenischen Volksbeschlusses etwas anfangen. 



Die Eleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 271 

Saraos hatte derart seine Freiheit zunächst gewahrt, doch 
rings umgaben es die athenischen Bundesgenossen, und ein 
neuer Angriff der Athener stand jederzeit in Aussicht. Da 
scheint man denn nach einigem Schwanken sich entschlossen 
zu haben, beim Grosskönig eine Anlehnung zu suchen und 
von ihm Hülfe zu erbitten. — Es hängt unzweifelhaft damit 
zusammen , dass wir im Jahre 366 eine persische Besatzung 
unter Kyprothemis, die ein Untersatrap des Grosskönigs Tigranes 
eingeführt hat, in Samos finden^). Ja es lässt sich mit einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit feststellen, wann diese Besetzung 
von Samos, die vom griechischen Standpunkte aus eine offen- 
bare Verletzung des Antalkidasfriedens darstellte, erfolgt ist. 
Wir hören nämlich von einem Plünderungszug des Iphikrates 
auf Samos, der eben nur in diese Zeit, in das Jahr 369/68 Ol. 
102, 4, passt^). Und trefflich stimmt dazu, was wir aus dem- 



Lolling C^^X' ^^^^- 1^^^ S- ^'^) weist diesen nach dem Schriftcharakter 
dem ersten Viertel des IV. Jahrhunderts zu. Dass Samos vor dem Angriff 
des Chabrias einmal eine Zeitlang in freundlichen Beziehungen zu Athen 
gestanden hat, ist ja nicht ausgeschlossen. 

1) Dem. Rhod. (XV) 9 vgl. Harpokr. u. Suid. unt. KvnQo^sfiis. Der 
bei Demosthenes genannte vnaqx^g Tigranes, der Kyprothemis in Samos 
einsetzt, ist vermutlich der Schwiegersohn des Struthas. Er war im Jahre 
390 in die Hunde der Lakedaimonier gefallen, hatte sich aber später 
wieder losgekauft (Xen. IV 8, 21 vgl. S. 100). 

2) Polyain. III 9, 36. üeber Iphikrates' Tätigkeit seit der Gründung 
des zweiten Seebundes vgl. im Allgemeinen Beloch, die attische Politik 316 f. 
Aber auch in der vorhergehenden Zeit lässt sich dieser Zug des Iphikrates 
schwer unterbringen: im korinthischen Kriege führt er die athenischen 
Truppen auf der Peloponnes (Beloch 314) , überdies ist Samos nach der 
Schlacht von Knidos zu Athen übergetreten (S. 79 f.). Nachdem dann 
dort im Jahre 390 wieder die spartanische Partei die Oberhand bekommen 
hat (S. 91), wird Iph. zwar im Laufe des Jahres 388 nach dem Hellespont 
geschickt, hat aber dem Anschein nach selbst diese Gegend nicht ver- 
lassen und ist nicht über Delos (Polyainos) nach Athen zurückgekehrt 
(S. 99 f.). Es folgt der Antalkidasfriede, nach dem Athen, wie es im Sinne 
des Friedens lag , sich jeder grösseren Flottensendung enthält (S. 105 f.), 
vom Beginn der siebziger Jahre weilt Iph. in Syrien und Aegypten (S. 160 ff.), 
befehligt dann seit 372 bis zum Sommer 369 in Griechenland und im 
ionischen Meer (Beloch 316 f. vgl. S. 163) und hat vom Jahre 368 wieder 



S7S Siebentes Kapitel. 

selben Jahre von einem Kriegszug der Athener erfahren, bei 
dem namentlich die Mytilenaier tatkräftig mitwirkten, sodass 
sie dafür durch die Athener belobt wurden ^). Athen an der 
Spitze des damals auf der Höhe seiner Macht stehenden See- 
bundes durfte natürlich das Uebergreifen der persischen Satrapen 
nicht dulden. Ausserdem versteht man jetzt erst, warum die 
Mytilenaier sich so besonders in der Hülfeleistung hervorgetan 
haben: ihr eigenes Interesse war mitgefährdet. Aber Samos 
zu erobern ist damals Iphikrates ebensowenig gelungen, wie es 
Ghabrias gelang; dieser Ruhm ist Timotheos vorbehalten ge- 
blieben. 

Das gute Verhältniss zum Grosskönig, das Athen bisher so 
peinlich beobachtet hatte (vgl. S. 158. 268), musste durch diese 
Ereignisse etwas getrübt werden, wenn auch Athen hier in gewisser 
Beziehung im Rechte war und jede offene Verletzimg des 



ein dreijähriges Eommando in Thrakien (Beloch 317). Es bleibt somit nur 
das angegebene Jahr für den Handstreich, der durch Eyprothemis* Ein- 
setzung eben erklärt wird, vgl. die folgende Anmerkung. 

1) CIA. II 52c = Hicks man. 85 = Dittenberger Syll. 74. Gewöhn- 
lich bezieht man Z. 38 ff. auf den Krieg mit Lakedaimon (378 — 371), was 
an sich gewiss möglich ist : allerdings kommt die Ehrung der Mytilenaier 
in diesem Falle reichlich spät und war in einer Zeit, da man mit Sparta 
verbündet war (Sievers Gesch. Gr. 275 f.) nicht gerade höflich. Es scheint 
mir deshalb nicht unmöglich, dass der Krieg, welcher hier erwähnt wird, 
eben jenen Zug gegen Samos und andere widerspenstige Städte bedeutet, 
die mit den persischen Satrapen Verbindungen angeknüpft hatten: man 
könnte noch an Kos und Maussollos von Karien denken (S. 238). Die In- 
schrift Hesse sich dann etwa folgendermassen ergänzen Z. 37 ff. : 

. . . i n a] i y i a a i fj,€ytoy&rjfJ>oytfJ>oMvt[iX 
rj y « i tjt)]y, o T i x a X (ogxalnQo^vfJ,(ogirv[ydi e 
71 o X 6 /Ä rß a a [y]t o fj, n 6 XefioyzoynaQcX ^ 6 \^y r 
40 a^dnoxQiy aa]&a[i]d6ToTg7t^ea߀ai{^yT o i 
srjxovaiy, oti^i] ^M y n i o i i7ioXefj,ri<r[a v v n 
e Q t rj s i X € v & € q l a] s t ai y'E X X tj y to y x cc [i a T i 
y Q ii V o V X ai n € q a w vi^o tB7i€atQdxevo[yto i 
S E tt fjL L o i g n a Q a r]o vgo^xovgxal t a [g a n o 
4b y dag xtX, 

Lesbos gehört auch weiterhin zu dem engsten bundesgenössischen Gebiet, 
vgl. S. 294. 



Die Kleinasiaten im zweiten attisclien Seetund. 273 

Antalkidasfriedens noch immer vermied. Auch der Grosskönig, 
den zunächst der Krieg mit Euagoras, dann der aegyptische 
Krieg beschäftigte, hatte sich bis dahin jeder Einmischung 
in die griechischen Streitigkeiten enthalten (Isokr. Plat. (XIV) 41). 
Erst im Jahre 371 liess er durch eine Gesandtschaft die 
streitenden Mächte zum Vergleich auf dem Boden des Königs- 
friedens auffordern, und der Vergleich kam mit Ausschluss 
Thebens auch zu Stande (Diod. XV 50, 4 vgl. Unger Ghron. d. 
Manetho 302 flf. Busolt a. 0. 773 ff. Schaefer Demosthenes I ^ 
52. 70). 

Dass nach diesem Jahre die Stellung Athens dem Perser- 
könig gegenüber sich änderte, offenbart sich unmittelbar in den 
Verhandlungen, welche im Jahre 367 zwischen Persien und 
den einzelnen griechischen Staaten geführt Werden (S. 197 ff.). 
Athen war auch unterdessen einen Schritt weiter gegangen 
und hatte dem aufständischen Satrapen Ariobarzanes Hülfe 
versprochen (S. 197). Die Aussendung der Hülfsflotte unter 
Timotheos führte zur Eroberung von Samos, die nach dem 
vorher Erzählten nicht mehr als ein ganz unvermittelter An- 
griff, sondern als die Wiederaufnahme eines länger gefassten 
Planes erscheint (S. 270 ff.). Diesmal glückte der Plan. Samos 
fiel im Jahre 365 und wurde mit attischen Kleruchen besetzt 
(S. 200 A. 1): die vorhandene Bevölkerung ward zum grossen 
Teile ausgetrieben (Heracl. Pont. 10, 7 FHG. II 216 vgl. 
Orat. att. Baiter u. Sauppe II S. 315. 318 C. Curtius a. 0. 7 
W. Vischer Rh. M. XXII 320 A. 8 ob. S. 200 A. 1). Das war 
eine harte, aber politisch wohl durchdachte Massregel: Athen 
konnte den eroberten wichtigen Posten vor der kleinasiatischen 
Küste nicht wieder preisgeben oder dessen Behauptung von 
dem Wunsch und Willen einer beliebigen Volksmehrheit ab- 
hängig machen, zumal jetzt nicht, wo seine eigenen Pläne weiter- 
reichten. Die alte Hoffnung auf eine Wiederaufrichtung des 
kleinasiatischen Reiches scheint noch einmal aufgetaucht zu 
sein: ihr Träger war Timotheos. Er erobert Samos, er knüpft 
mit Erythrai an, er nimmt Sestos und Krithote, zwei der 
Hauptstützpunkte zur Beherrschung des Hellesponts am euro- 

JUDEICH , KleinasiatiBcbe Studien. 18 



274 Siebentes Kapitel. 

päischen Ufer (S. 201). Ein Gesuch des Rates von Herakleia 
am Pontes, in den inneren Zwist der Burgerschaft einzugreifen, 
lehnte allerdings Timotheos ab (lustin. XVI 4, 3), aber wol 
weniger, weil er ein Zerwürfniss mit Persien befürchtete, als 
weil er mit dem Führer der Volkspartei Klearchos, der später 
dort seine Tyrannis begründete, persönlich befreundet war 
(Dem. Lept. (XX) 84 vgl. u.). 

Alle diese Ereignisse fallen in die Jahre 365 und 364 
(S. 200 f.). Wol noch im Jahre 364 verliess Timotheos die 
kleinasiatischen Gewässer und begab sich nach der Chal- 
kidike, wo seine Anwesenheit für die Niederwerfung einiger 
widerspenstiger Städte gefordert wurde. Die kleinasiatische 
Station scheint zunächst unbesetzt gelassen worden zu sein; der 
athenische Einfluss war gesichert, und neue Erwerbungen 
Hessen sich im Augenblick nicht machen. 

Da trat unvermutet eine andere Macht hervor und suchte 
Athen die eben begründete Stellung in Kleinasien streitig zu 
machen: das mäclitlg aufstrebende Theben, das wenige Jahre 
vorher Athen bereits beim Perserkönig den Rang abgelaufen 
hatte (S. 198). Wahrscheinlich als Timotheos von den klein- 
asiatischen Küsten eben abgefahren war, noch im Jahre 364, 
ging unter Epameinondas eigener Führung ein starkes thebanisches 
Geschwader nach Kleinasien ab. Der Stratege Laches, den man 
ihm mit einer Flotte von Athen aus rasch entgegensendete, 
musste weichen. Epameinondas erzwang die Durchfahrt durch 
den Hellespont und brachte Byzantion auf die thebanische 
Seite; auch mit Ghios und Rhodos, die wie Byzantion dem 
athenischen Seebunde angehörten, knüpfte er Verbindungen 
an. Ob er aber auch hier an Ort und Stelle gewesen ist, 
wissen w^ir nicht ^). Die Anwesenheit des Epameinondas in 



1) Diod. XV 79, 1 u. J. 3»14 63 Ol. 104, 1 Isokr. Phil. (V) 53 Plut. 
Philop. 14, 2 Aesch. Ges. (11) 105 vergl. auch Koehler, Athen. Mitth. II 
142 ff. = Hicks man. 93 = Dittenberger Syll. 79. Gewöhnlich ^ird dieser 
Zug des Epameinondas in den Begann des Jahres 363 verlegt (vgl. Stern, 
Gesch. d. spart, u. theb. Hegemonie 222), da aber wahrscheinlich Timo- 
theos' Eroberung von Byzantion und die Hülfeleistung an Kyzikos noch 



Die Eleinasiaten im zweiten attiFcben Seebund. 275 

Byzahtion nutzte wieder der Rath von Herakleia am Pontos 
aus, um von ihm Hülfe zu erlangen, aber auch diesmal erhielt 
er einen abschlägigen Bescheid (lust. a. 0.). Epameinondas 
wollte wol dergleichen weitaussehende Unternehmungen, die 
keinen unmittelbaren Nutzen versprachen, vermeiden; er be- 
gnügte sich mit den rasch und mühelos errungenen Erfolgen 
und kehrte mit seiner Flotte nach Hause zurück. 

Die Athener konnten dieser Ausbreitung der thebanischen 
Macht, welche ihre ganze Stellung im Osten gefährdete, nicht 
untätig zusehen. Da Laches* Geschwader sich als zu schwach 
erwiesen hatte, erhielt jetzt Timotheos von neuem den Auftrag, 
mit seiner stärkeren Flotte in die kleinasiatischen Gewässer zu 
segeln, um den athenischen Einfluss wiederherzustellen. Timo- 
theos entledigte sich dieser Aufgabe mit dem gewohnten Ge- 
schick: nur ein Beobachtungscorps unter Alkimachos Hess er 
vor Amphipolis, gegen das er eben den Angriff eröffnet hatte, 
und warf sich, sobald er im Hellespont eingetroffen war, 
sofort auf Byzantion. Rasch eroberte er dieses für Athen 
zurück. Ausserdem leistete er Kyzikos Hülfe, das wie Samos 
als Insel nach dem Antalkidasfrieden selbständig geblieben 
war (S. 106 A.), aber später wie es scheint durch die Perser 
bedroht wurde: vielleicht hatte es für den aufständischen 
Ariobarzanes Partei genommen und sollte von den königlichen 
Satrapen dafür gezüchtigt werden^). Jetzt, wenn dies nicht 



in dasselbe Olympiaden jähr fallen (vgl. u.), so ist es viel glaublicher, 
Epameinondas' Fahrt in die zweite Hälfte des Jahres 364 zu verlegen. — 
Der S}noikismo8 von Kos aus dem Jahre 366 65, den Schaefer Dem. I* 
1 18 f. mit tler thebanischen Seepolitik in Verbindung bringt, hängt schon 
der Zeitfolge wegen schwerlich damit zusammen und ist wahrscheinlich 
anders zu erklären (vgl. S. 237 f.). Ueber ältere Beziehungen zwischen 
Rhodos und Theben vgl. Holm Gr. Gesch. III 55 u. S. 69. 

1) Diod. XV 81, 5 u. J. 364/63 Com. Kep. Timoth. 2, 2 vgl. S. 201 f. 
Dass Timotheos Hyzantion erst bei seinem zweiten Aufenthalt im Helles- 
pont erobert hat, lässt sich nicht bestimmt erweisen; Cornelius Nepos' 
Krzählung ist für die Folge der Ereignisse im Ganzen verwirrt (vgl. K. 
Nipperdey z. d. St.) und deshalb auch im Einzelnen nicht zuverlässig. 
Immerhin scheint doch Cornelius Nepos vorgeschwebt zu haben, dass die 

18* 



276 Siebentes Kapitel. 

schon früher geschehen war, wurden athenische Kleruchen 
nach Sestos geschickt (vgl. S. 201 A. 1 Schaefer Dem. V 101 
A. 5), und eine weitere Stärkung erfuhr Athens Machtstellung 
dadurch, dass zu derselben Zeit Klearchos, Timotheos' Freund, 
in Herakleia am Pontos sich der Alleinherrschaft bemächtigte 
und mit Athen fortan in ein freundschafth'ches Verhältniss trat^). 
Das Scheitern des grossen Aufstandes der Küstensatrapen 
im Jahre 362 (S. 206) ist weiterhin nicht ohne Einfluss auf 
Athens Stellung in Kleinasien geblieben : die unzufriedenen und 
Athen feindlichen Elemente dort Hessen natürlich nicht die Gelegen- 
heit vorüber, die Niederlage der von Athen begünstigten Em- 
pörer für sich auszunutzen. Ausserdem verlangten damals die 
Verhältnisse in Griechenland selbst, in Thessalien und Thrakien 
Athens ganze Aufmerksamkeit. 



Einnahme von Byzantion nach der Belagerung von Olynthos erfolgt ist, 
denn er sagt a. 0. Olynthios et Byzantios hello subec/ü (TimotheosJ. Zu 
dem zweiten Aufenthalt des Timotheos passt auch dieser Zug gegen 
Byzantion allein, er wird eben durch den unter Epameinondas* Einfluss 
erfolgten Abfall erklärt. Der Entsatz von Kyzikos fällt jedenfalls in 
diese Zeit , wie die ganz unverdächtige Datierung Diodors und die von 
ihm beobachtete Folge der Ereignisse — er wie Cornelius Nepos nennen 
die Befreiung von Kyzikos an letzter Stelle — erweisen. Timotheos hat 
dabei wie es scheint gegen ein persisches Belagerungsheer gekämpft 
(vgl. 0.): die Vermutung, dass er sich mit Epameinondas' Flotte ge- 
messen habe (vgl. Rehdantz vitae 135), ist durch nichts zu begi*ünden und 
an sich wenig glaublich. 

Perrot Rev. arch. 1875 S. 93 fi". bes. 105 setzt in diese Zeit eine 
Mauerbauinschrift aus Kyzikos, aber vermutlich ist die Mauer, die dort 
erwähnt wird, älter: Kyzikos hält jetzt bereits eine Belagerung aus. 
Auch war wie erwähnt die Stadt aller Wahrscheinlichkeit nach schon 
seit 386 frei (vgl. S. 106 A.). 

1) Diod. XV 81, 4 Memnon FHG. 111 526 Polyain. II 30, 1 Aen. Takt. 
12, 5 vgl. Dem. Lept. (XX) 84 Schaefer Dem. l* 120 f. Herakleia hat 
auch schon vor dieser Zeit in engem Verkehr mit dem griechischen Fest- 
land und besonders mit Athen gestanden, wie das Vorkommen von Pro- 
xenoi der Herakleoten in Athen und Argos beweist (Ps. Dem. Kallipp. 
(LH) 9 f. geh. 369 68). Wann die Kämpfe zwischen den Herakleoten und 
Leukon von Bosporos (387—347) fallen (Polyain. V 9, 3. 4) lässt sich 
nicht genauer bestimmen. 



Die Kleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 277 

In der zweiten Hälfte des Jahres 363, wie es seheint, fuhr 
Timotheos an der Spitze seiner siegreichen Flotte noch einmal 
nach Thrakien, um dort den Kampf gegen Amphipolis und 
die der Stadt verbündeten Thraker, durch die sein Unterfeld- 
herr Alkimachos eben zu schimpflicher Ergebung gezwungen 
worden war, wieder aufzunehmen; aber auch ihn verlie^s hier 
das Glück: ohne den wichtigen Platz erobert zu haben, kehrte 
er im Beginn des Jahres 362 nach Athen zurück^). 

Bereits im Sommer 362 sehen wir dann verschiedene von 
den wichtigsten Städten der Propontis im Gegensatz zu Athen 
ihre eigenen Ziele verfolgen. Byzantion, das eben erst durch 
Timotheos wieder zum Anschluss an Athen gezwungen war, 
das ihm benachbarte Kalchedon und Kyzikos, das athenischer 
Hülfe seine Befreiung von einem persischen Angriff verdankte, 
zwangen die für Athen bestimmten Getreideschiffe, welche aus 
dem Pontos kamen, ihre Ladung schon bei ihnen zu löschen. 
Ausserdem bedrängte Kyzikos die zum athenischen Bunde ge- 
hörigen Prokonnesier (Ps. Dem. Polykl. (L) 4 flf.). 



1) Schol. z. Aesch. Ges. (II) 31 Polyain. III 10, 8 vgl. S. 214 A. 1 Schaefer 
Dem. P 122. Timotheos' Feldzüge in Thrakien wie im Hellespont werden 
uns von Diodor XV 81, 5 durchaus glaubwürdig unter dem Jahre 364/63 
Ol. 104, 1 überliefert (vgl. S. 201 A. 1); ebenso sicher geht aus der Urkunde 
CIA. II 55 hervor, dass der Krieg gegen Amphipolis in den ersten 
Monaten des Jahres 362 noch nicht zu Ende war (vgl. S. 214 A. 1); da- 
zwischen fällt wieder nach einem höchst glaubwürdigen Zeugniss (Schol. 
z. Aesch. a. 0.) die Kapitulation des Alkimachos, und zwar noch in das 
Jahr 364 '63. Schon diese einfache Nebeneinanderstellung der Tatsachen 
führt zu der im Text (S. 274 ff.) gegebenen Anordnung ; das Zeugniss Dio- 
dors, dass Timotheos 364/63 Kyzikos entsetzte und die Tatsache, dass 362 der 
Krieg gegen Amphipolis noch fortdauerte, brauchen sich gar nicht zu wider- 
sprechen, wie dies Foucart Rev. arch. XXXV 1878 S. 225, Dittenberger Syll. 
Nr. 80 A. 6 u. A. angenommen haben. Vielmehr ist zu beachten, dass es nicht 
Timotheos selbst, sondern sein ünterfeldherr ist, der vor Amphipolis die 
Schlappe erleidet : Timotheos hat eben auf die Nachricht von Epameinondas* 
Erfolgen im Hellespont Befehl erhalten dorthin sich zu wenden, hat Alki- 
machos zurückgelassen, der, weil ihm nicht genügend Tiruppen zur Ver- 
fügung standen, unterlag. Endlich ist Timotheos, nachdem er den atheni- 
schen Einfluss im Hellespont wiederhergestellt hat, nach Thrakien und 
von dort nach Athen zurückgekehrt (vgl. o.). 



278 Siebentes Kapitel. 

Dagegen empörte sich mit Recht die öfifentliche Meinung 
in Athen: am 7. Metageitnion (im September) 362 wurde der 
Beschluss einer grösseren Flottenrüstung gefasst (Dem. a. O.). 
Die Flotte ist auch bald darauf abgegangen mid hat nahezu 
anderthalb Jahre in den hellespontischen und thrakischen Ge- 
wässern gekreuzt (Schaefer Dem. III 2^ B. 141). Sestos ist hier 
der Hauptstutzpunkt (Dem. 18 ff.), ausserdem dient Lampsakos 
als Werbeplatz für Matrosen und scheint sogar eine engere 
Verbindung mit Athen eingegangen zu sein (ebd. vgl. Schol. z. 
Aesch. Ktes. (III) 51); Tenedos und Mytilene halten treu am 
Bunde mit Athen fest (Ps. Dem. Polykl. 53 f. vgl. Aristokr. (XXIU) 
148) : trotzdem aber hat dies athenische Geschwader recht wenig 
ausgerichtet und sich vorwiegend auf das Geleit der (Jetreide- 
flotten beschränkt (Dem. Polykl. 17). Wichtiger war es, dass 
man gleichzeitig im Jahre 361/60 Ol. 104, 4, die Kleruchie von 
Samos durch einen Nachschub stärkte (Schol. z. Aesch. Tim. 
(I) 53 vgl. CIA. II 699 Z. 20 f.). 

Dieses wenig energische Auftreten der Athener im Helles- 
pont zog noch weitere Umgestaltungen in den dortigen Ver- 
hältnissen nach sich : die Kyzikener siegten über die Prokonnesier 
und nötigten sie zu einer Sympolitie (Paus. VIII 46, 4), Sestos 
wurde durch einen Handstreich vonJAbydos aus, das Athen 
stets feindlich geblieben war^), genommen; König Kotys von 
Thrakien fasste ^uf der Chersones wieder festen Fuss (Schaefer 
Dem. P 154). 

Zu derselben Zeit vollzogen sich auch auf dem klein- 
siaatischen Festland in der Troas allerhand Umwälzungen, 
die durch den Aufstand des Satrapen von Daskyleion Artabazos 
(S. 207) hervorgerufen waren. Charidemos von Oreos, der 



1) Dem. Aristokr. (XXIII) 158 vgl. 176. 202 Hypereid. Euxen. (III) 18. 
H. Weil z. Dem. 176 schreibt diesen üeberfall recht wahrscheinlich Iphi- 
ades von Abydos (Aristot. Pol. VIII p. 1306a) zu, der auch Parion ein- 
genommen hat (Aen. Takt. 28, 6). Schaefers Vermutung (Dem. I' 155 
A. 1), dass sich die Erzählung von dem Verrat der Stadt an die Abydener 
durch einen gewissen Kleon (Polyain. 1 37) darauf beziehe, lässt sich damit 
ganz gut vereinigen. 



Die Eleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 279 

zuerst im Jahre 363 den Athenern unter Timotheos vor Am- 
phipolis als Söldnerführer gedient hatte (S. 214 A. 1), hatte sieh 
nach seiner Entlassung mit seiner Söldnerschar in den Dienst 
der Schwäger des Artabazos Memnon und Mentor von Rhodos 
begeben, da Artabazos selbst damals von dem königstreuen 
Satrapen von Lydien Autophradates gefangen gehalten wurde. 
Dann benutzte er aber die herrschende Verwirrung, um für 
eigene Rechnung die Städte Skepsis, Kehren, Ilion in Besitz zu 
nehmen (Dem. Aristokr. (XXIII) 154 Polyain. III 14 Ps. Aristot. 
Oecon. U p. 1351b Aen. Takt. 24, 3-14 Flut. Sert. 1, 3 vgl. 
Theopomp. B. XXIII b. Athen. X 436 b. c). Hier wurde er 
von Artabazos, der unterdessen seinen Frieden mit Autophradates 
gemacht hatte, belagert und hart bedrängt. Da entschloss sich 
Charidemos bei Athen Schutz zu suchen, er bot dem Strategen 
Kephlsodotos, der im Jahre 360,59 Ol. 105, 1 ausgesendet wurde, 
um die Verhältnisse im Hellespont zu ordnen und Athens 
Machtstellung wiederherzustellen, von neuem seine Dienste an, 
diesmal gegen Kotys, unter der Bedingung, dass das athenische 
Heer ihn entsetzen oder doch freien Abzug für ihn erwirken 
sollte (Dem. a. 0. 156 flf. Aesch. Ktes. (III) 51 mit Schol. Harpokr. 
u. KrjqiaodiiTOQ Plut. X Redn. Dem. S. 851 b vgl. Weil z. Dem. 
a.O. 153 SchaeferDem. P 156 ff. bes. 158 A. 3 u. Jahrb. f. Phil. 
CXIIl 1866 S. 27). Charidemos hatte, indem er gerade diesen 
Ausweg wählte, um sich zu retten, sich nicht verrechnet : obwol 
das Ansehen Athens im Hellespont einen argen Stoss erlitten hatte, 
so war die Furcht vor seiner Macht doch immer noch stark 
genug, um auf Artabazos, noch mehr auf dessen Schwäger 
Mnemon und Mentor einen Druck zu üben, zumal da eben 
eine neue athenische Flotte in den Hellespont einlaufen sollte. 
Deshalb entschloss sich Artabazos auf seiner Schwäger Rat 
Charidemos freien Abzug zu gestatten, der nun freilich auf 
das Anerbieten, das er Athen gemacht hatte, keine Rücksicht 
weiter nahm und zu Kotys, dem Feinde Athens überging (Dem. 
a. 0. 157 ff.). 

Inwieweit Athen bei dieser Befreiung des Charidemos un- 
mittelbar beteiligt war, lässt sich nicht sicher feststellen; es 



280 Siebentes Kapitel. 

scheint, dass Menelaos, des Arrhabaios Sohn, der schon vorher 
sich den Athenern nützlich erwiesen und später das Bürgtf- 
recht erhalten hatte, als Gesandter bei Artabazos war i3id 
dessen Frieden mit Charidemos vermittelte. Bei dieser Gelegen- 
heit erwirkte er wol auch für Ilion, das eben noch in Chari- 
demos' Händen gewesen war, Freiheit und Selbständigkeii i). 

Was Kephisodotos selbst weiterhin leistete, entsprach aller- 
dings in keiner Weise den Hoffiiungen und Erwartungen, die 
man auf seinen Zug gesetzt hatte. Er wurde durch Charidemos, 
zu dessen Befreiung er eben erst beigetragen hatte, mehrfach 
geschlagen und arg in die Enge getrieben , bis er auf einen 
für Athen höchst ungünstigen Vertrag einging (Schaefer Dem. 
F 158 fif. vgl. S. 216). Die Athener rächten sich an ihm durch 
Anklage und Verurteilung : unter den Vorwürfen, welche man 
dabei gegen ihn erhob, war auch der, dass er mit Absicht eine 
Seeschlacht verloren und die Lampsakener, die schon länger 
in einem freundlichen Verhältniss zu Athen standen (S. 278), 
verraten habe (Schol. z. Aesch. Ktes. (III) 51): Kephisodotos 
hatte also, offenbar mit Wissen und Willen seiner Regierung, 
auch auf dem asiatischen Ufer des Hellespont eingegriflFen ; 
gegen wen, wissen wir nicht. 

Die Bestimmungen des Antalkidasfriedens, welche noch bei 
der Aussendung des Timotheos im Jahre 367 massgebend ge- 
wesen waren, hatten jetzt auch in Kleinasien, wie schon längst 
anderwärts ihre bindende Kraft verloren. Dass die Athener 
für diese kühnere Politik nicht unmittelbar büssen mussten, 



1) Sehr scharfsinnig hat das W. Dittenberger in der Satura philologa 
Hermanno Sauppio obl. 1879 S. 43 ff. aus dem zuerst von H. Schliemann 
Archäol. Zeit. XXIX 1872 S. 170 (= Dittenberger Syll. 81) veröffentlichten 
Ehrendekret der Ilieer für Menelaos geschlossen , vgl. bes. S. 52 ff. Die 
andere Möglichkeit, welche D. freilässt, dass die Inschrift in Verbindung 
zu bringen sei mit dem Hülfszuge der Athener für den aufständischen 
Orontes im Jahre 352 (S. 213 ff.) — oder wie D. meint 349 — , ist zuzu- 
geben, doch scheint mir der Rahmen der Ereignisse in jener Zeit nicht 
so gut dafür zu passen. — Die Angabe Strabons (XIII 593) aus üiei- 
öcher Lokaltradition, dass Ilion vor Alexander nur eine Ortschaft mit 
einem Athenaheiligtum gewesen sei, ist, wie die Inschrift erweist, unrichtig. 



Die Kleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 281 

trotz der unbedeutenden oder eigentlich kläglichen Rolle, welche 
seit Timotheos' letzten Taten ihre Feldherrn im Hellespont ge- 
spielt hatten — auch als im folgenden Jahre 359 Chabrias 
dorthin geschickt wurde, blieb die athenische Machtstellung 
so schwach (Schaefer a. 0. 161) — , das hatte es allein der 
Gunst der Verhältnisse zu danken: dem zweiten Aufstand des 
Orontes (S. 207 flf.) , den Thronwirren in Persien (S. 207. 225) 
und Thrakien (Schaefer a. 0.). So ist ihm Zeit geblieben, sich 
wieder emporzuraflfen , und diese Zeit ist ausgenutzt worden. 
— Aber auch, als man sich in Athen zu einer stärkeren 
Machtentfaltung entschloss, nachdem in Persien die Königs- 
gewalt vorläufig die Oberhand gewonnen hatte, richtete sich 
der nächste Krieg, den die Athener auf kleinasiatischem Gebiet 
führen mussten, nicht gegen den Grosskönig oder die Satrapen, 
sondern gegen die eigenen Bundesgenossen. 



2. D£B BUND£S0£N0S8£NKBI£a. 

Die persischen Verhältnisse, welche bald fördernd, bald 
hemmend die Ausbreitung und Stellung der athenischen Macht 
im Osten beeinflussten , wirkten naturlich noch schärfer und 
unmittelbarer zurück auf die dem Perserreich benachbarten 
Griechenstädte; namentlich auf die grossen der Küste vorge- 
lagerten Inseln. Die Furcht vor persischen Angriffen hatte die 
meisten zu dem Bündniss mit Athen veranlasst; andere hatten 
sich auf andere Weise zu schützen gesucht: so sehen wir im 
Jahre 366/65 die Gemeinden von Kos sich zu einer Stadt zu- 
sammenschliessen, als Maussollos' weitergehende Pläne für die 
Ausdehnung seines Reiches seewärts deutlicher hervortreten, 
und Maussollos noch als treuer Untertan des Grosskönigs gegen 
die aufständischen Satrapen kämpfte (S. 202. 267). 

Als Orontes zum zweiten Male sich erhob, lag das Perser- 
reich scheinbar in den letzten Zügen. Die Zeit einer neuen, 
selbständigen Blüte der kleinasiatischen Griechenstädte schien 
gekommen. Wozu brauchte man noch die Vormundschaft und 
den Schutz Athens, die doch eine ganz ungehinderte Freiheit 



282 Siebentes Kapitel. 

der Bewegung nicht zuliessen ? Die Männer, welche den Athenern 
geradezu feindb'ch waren, und überall gab es solche, konnten 
darauf hinweisen, dass, nachdem Athen sich in Samos und 
Sestos auf eigene Füsse gestellt habe, es dort nicht Halt machen 
werde (Dem. Rhod. (XV) 3. 15 vgl. Schol. z. Dem. XIII S. 166, 1 
Dind. 220, 10 fif.). Die Härte, mit der Athen nicht ohne 
Grund in Samos verfahren war, vereinzelte Uebergriffe attischer 
Strategen bei Eintreibung der Bundesbeiträge mögen den 
Heisspornen Gelegenheit gegeben haben, die Aufregung zu 
schüren (Isokr. Fried. (VIII) 29. 36. 42 flf. 125. 134. 142 Dem. 
Androt. (XXII) 65 Synt. (XIII) 6 vgl. XXIV 172 trier. Kr. (LI) 
13 Rehdantz, vitae 204 Schaefer Dem. V 165 Busolt athen. 
Bund 717). 

Greifbar hatte sich die Misstimmung einiger der mächtig- 
sten Bundesgenossen gerade in Kleinasien geäussert, schon als 
Epaineinondas mit seinem Geschwader in den kleinasiatischen 
Gewässern weilte (S. 274 f.). 

Schwerlich hätte aber diese Misstimmung allein zu einem 
offenen Zerwürfniss mit Athen und zum vollständigen Abfall 
vom Seebunde geführt wenn sich nicht die geeignete Persönlich- 
keit gefunden hätte, welche die Fülirung übernehmen und den 
Widerstand organisieren konnte. Diese Persönlichkeit fand sich in 
Maussollos von Mylasa, der geschickt die Lage für seine Zwecke 
ausbeutete (S. 243 f.). Ob auch Theben, das wie gesagt mit den 
jetzt abfallenden Städten früher Verbindungen angeknüpft hatte 
und eben in den Streit der euboiischen Städte gegen Athen eingriff 
(Schaefer Dem. P 162 f.), im Osten seine Hand im Spiele gehabt 
hat, wissen wir nicht, doch ist dieses sehr wahrscheinlich. 
Vielleicht hat ferner noch Philipp von Makedonien mittelbar oder 
unmittelbar den Aufstand gefördert: auch er rüstete sich gerade in 
Athens Machtbereich einzubrechen und Amphipolis zu belagern 
(Schaefer 163 f. 11^ 21 f.). Endlich hat wol auch das gespannte 
Verhältniss, in welchem damals Athen zu dem Thrakerfürsten 
Kersobleptes stand, auf die Stellungnahme wenigstens von 
Byzantion zurückgewirkt. Es waren drei Staaten des See- 
bundes, die sich zu gemeinsamem Abfall in einem Sonderbund 



Die Eleinasiaten im zweiten attischen Seebund. 283 

zusammenschlössen, Rhodos, Chios und Byzantion; ausserdem 
traten Kos und Maussollos von Mylasa diesem Bündniss bei^). 
Der Zweck des Bundes war sicher zunächst rein defensiv: An- 
erkennung gegenseitiger Freiheit und Selbständigkeit und Schutz 
gegen die zu erwartende athenische Exekution; über die Ab- 
machungen im Einzelnen ist uns nichts bekannt. Im Winter 
358/57 mögen dieselben getroffen worden sein ^), erst im Herbst 
357 traten die Verbündeten offen mit ihrem Abfall hervor (vgl. u.). 



1) Jsokr. Fried. (VIII) in Antid. (XV) 63 Dem. Rhod. (XV) 3 vjrl. 
d. Hypoth. Trog. prol. VI Diod. XVI 7, 3. 21,1.2. Wenn Diodor an der 
ersten Stelle die Koer mit unter den »abfallenden Bundesgenossen« auf- 
zählt und 21, 1 noch einmal dieselbe Phrase aufnimmt, so wird man aus 
dieser einen Angabe schwerlich, wie das bisher gewöhnlich geschehen ist 
(vgl. u. a. Schaefer Dem. I* 166 f.) , auf die Zugehörigkeit von Kos zum 
zweiten attischen Seebund« über die wir sonst nichts wissen, schliessen 
können. An der dritten Stelle 21,2 werden von Diodor in Üebereinstim- 
mung mit Isokrates, Demosthenes und Trogus ganz richtig genannt nur 
Xioi xal Biviol xcci BvC,dvxioi fieta xmv avfjfj,d)[(oy. 

2) Auch hier wieder können Diodors zeitliche Angaben (XVI 7, 3), 
wenn dieselben in der richtigen Weise erklärt werden, bestehen bleiben* 
Foucart (Rev. arch. XXXV 1878 227 ff.) hat als unzweifelhaft erwiesen, 
dass die von Diodor (XVI 7 f.) unter dem Jahre 358/7 Ol. 105, 3 
erwähnten Ereignisse sich vorwiegend in dem folgenden Jahre (357/6) 
abspielen, aber damit ist noch nicht gesagt, dass die Vorbereitungen und 
Anfönge dieser Ereignisse, der Beginn des euboiischen Krieges, des 
Abfalls der Bundesgenossen und des Vorgehens Philipps gegen Amphi- 
polis, in das Jahr 357/6 Ol. 105, 4 gehören. Wahrscheinlich ist 
vielmehr, dass die genannten Ereignisse, die nach allgemeiner Annahme 
(Schaefer Dem. 1« 164 II 21 f. Beloch Att. Polit. 361 u. A.) in dem 
Beginn des Olympiaden jahres ihren Abschluss finden, bereits in dem vor- 
hergehenden Olympiadenjahr sich vorbereitet und zu entwickeln begonnen 
haben. Diesen Anfangspunkt hat Diodor, der nicht ohne Grund die Er- 
eignisse am Ende seines Olympiaden jahres erzählt, wie so oft als Angel- 
punkt für die Einordnung derselben in sein annalistisches Schema gewählt. 
Durchaus verdtändlich lässt er den Bundesgenossenkrieg nicht mit den 
eigentlichen Kriegsoperationen, sondern mit dem Abschluss des Sonder- 
bundes anfangen: es kommt hinzu, dass es ein den Bundesgenossen nahe- 
stehender Geschichtsschreiber Ephoros von Kyme ist, auf dem Diodor hier 
fusst. — Die Bemerkung, der Krieg habe drei Jahre gedauert (Diod. 7, 3 
22, 2), stammt wol von Diodor selbst. Für den Abschluss des Krieges 
356/55 Ol. 106, 1 deckt sich seine Angabe mit der einzigen, die uns 
sonst erhalten ist: Dionys. v. Halik. Lys. 12, der den Krieg unter das 
Archontat des Agathokles (357/6) und Eipines (356/5) verlegt. 



S84 Siebentes Kapitel. 

Und in der Tat war der Zeitpunkt dafür recht günstig 
gewählt. In Persien hatte der neue König Artaxerxes III. Ochos 
eben über die Aufstandischen gesiegt, doch war der Sieg noch 
kein entscheidender, endgültiger gewesen: die Unsicherheit der 
Verhältnisse dauerte an (vgl. S. 209 f.). Auch Athen hatte eben 
in Euboia siegreich und rasch einen Feldzug zu Ende ge- 
führt, dann war ein Gesuch von Amphipolis um Hülfe gegen 
Philipp gekommen, das man ablehnte, weil Philipp ausdrück- 
lich beruhigende Aufklärungen über sein Vorgehen gab, und 
die Verhältnisse auf der thrakischen Ghersones vorerst um so 
dringender und schneller der Ordnung bedurften. Chares ward 
nach dem Hellespont entsandt und schloss einen für Athen 
günstigen Vertrag mit Kersobleptes ab, in dem die Ghersones 
ausser Kardia an Athen abgetreten wurde ^). Danach scheint 
man aber in Athen Philipps wahre Absichten gegenüber den 
athenischen Besitzungen in Thrakien und auf der Ghalkidike 
durchschaut und Ghares Befehl erteilt zu haben mit der einzigen 



1) Oem. Aristokr. (XXIII) 173 ff. vgl. Schaefer Dem. P 162 ff. vgl. 
II' 21 f. In die Anfange des Bundesgenossenkrieges gehört auch die von 
Kuuianudes ^E(p. uqx- ^886 Sp.97 ff. veröffentlichte Vertragsurkunde zwischen 
Athen und den thrakischen Fürsten Kersobleptes, Amadokos, Berisades. 
Kersobleptes hatte sich nach seines Vaters Kotys Ermordung im Jahre. 
359 zunächst gegen die anderen beiden Thronprätendenten, seine Ver- 
wandten, allein in der Herrschaft behauptet; erst mit athenischer Hülfe 
war dann, eben durch Chares im Jahre 357, eine Einigung der drei Fürsten 
gelungen (Schaefer a. 0. 157 ä'.). Vielleicht steht die in Bruchstücken 
erhaltene Urkunde unmittelbar mit dieser Aussöhnung in Zusammenhang, 
und stellt den von Chares mit den drei Thrakerfürsten abgeschlossenen 
Vertrag dar (A. Hock, Hermes XXVI 104 f.), oder, was mir glaublicher 
erscheint, sie ist eine Erweiterung und Fortführung, oder eine Erneuerung 
des ersten Vertrages mit Rücksicht auf den Bundesgenossenkrieg: Athen 
wollte sich im Hellespont den Rücken frei halten. Von noXeig ist hier 
die Rede (Z. 4. 13), von (po^oi (Z. 6), von Unterlassung der Phoroszahlang 
an die Athener (Z. 7), wie es scheint sogar von Hülfeleistung der Thraker- 
fürsten , falls diese Städte von Athen abfallen sollten (Z. 18 ff.). Freilich 
sind die Ergänzungen sehr unsicher. 

Der späteste Zeitpunkt für den Abschluss des Vertrages ist das Jahr 
356'55 Ol. 105,4, da in diesem der bei dem Vertrag noch mithandolnde 
Berisades stirbt (Schaefer a. 0. 423). 



ll'-' 



Die Eleinasiaten im zweiten nttisclien Seebiind. 285 

für den Augenblick verfügbaren Kriegsmacht in Thrakien einzu- 
greifen. Wie dies Sitte war (CIA. U 62, 11 fif. 108b 12), hat dann 
jedenfalls Chares zur Bestreitung der mannigfachen Kosten der 
Soldzahlung u. s. w. die Bundesbeiträge der grossen asiatischen 
Inseln, namentlich von Chios, zugeteilt bekommen. Als er sie 
einforderte, trat der Abfall des Sonderbundes vom grossen See- 
bunde erst offen hervor. Chios weigerte die Zahlung und 
schloss Hafen und Stadt: gegen einen Angriff der Athener war 
alles vorbereitet. Dass daraufhin Chares wieder abgezogen wäre, 
hätte wenig seiner Art entsprochen, es war auch gewiss das 
Richtige, wenn er mit der vorhandenen Macht sofort die Auf- 
ständischen zu zwingen suchte. So kam es zur Blokade und zur 
Belagerung von Chios: der Bundesgenossenkrieg w^ar jetzt 
wirklich entbrannt. Als bei dieser Belagerung Chares sich ein- 
mal auf dem Lande mit den ausfallenden Chiern herumschlug, 
versuchte die athenische Flotte in den Hafen einzudringen, 
aber der Angriff w^ard abgeschlagen und nur zu teuer bezahlt 
mit dem Leben des Chabrias, der als Trierarch tapfer auf 
einem der vordersten athenischen Schiffe focht ^). Das geschah 
im Herbst des Jahres 357. — 

Die hier gegebene Darstellung von dem Ausbruch des 
Bundesgenossenkrieges weicht von den sonst gebotenen fast 
durchgängig ab — Aehnliches vermutete nur H. Hahn Jahrb. f. 
d. Phil. CXIII 1876 S. 472 f. - ist aber mit den spärlichen 
Notizen, die wir darüber besitzen, wol am besten zu vereinigen. 
Ganz richtig hat Oncken (Isokrates und Athen, Heidelberg 1862 
S. 137 ff.) auf den historischen Wert der Hypothesis zu Iso- 
krates' Rede vom Frieden (VIII) hingewiesen. So ganz »ober- 
flächlich« und »abgeschmackt« (Schaefer Dem. P 165 A.) ist 
dieselbe doch nicht; höchstens die Verknüpfung der ver- 
schiedenen Tatsachen könnte man so bezeichnen, die Tatsachen 
selbst werden uns zum grössten Teile bestätigt^). Chares soll 



1) Diod. XVI 7,3.4 Corn.Nep. Chabr.4 Plut. Phok. 6 vgl. Dem. Lept. 
(XX) 80 ff. Foucart Rev. arch. 1878 S. 229. 

*2) nsfig)d^eis 6 Xuqti? xata<fovX(oaaG&ai tr^y 'A/xg)tnoXiy, nvToyofAov- 
fityr^y xat* ixetyoy toy ^^oyoy xai xa&' eavtr^y yeyofzeyr^y^ cos t(oy Auxe- 



286 Siebentes Kapitel. 

vom Hellespont aus gegen Amphipolis vorgehen, das damals 
noch unabhängig ist, oder eben gewesen ist (Dem. Äristokr. 
(XXIII) 173. 179 Ck)nL Nep. Tim. 3, 1 vgl. Aesch. Ges. (U) 70 
Schaefer II* 21 f.). Das geschieht aber nicht , sondern Chares 
beginnt den Kampf mit den »Ghiem, Rhodiem und den übrigen 
Bundesgenossenc d. h. den Sonderbündlem ohne Erfolge; die 
attischen Besitzungen sind bedroht (Diod. XVI 7, 3. 4. 21, 2 
vgl. u.). Endlich erfolgt von Athen aus unter dem Druck Persiens 
der erste Schritt zum Frieden (vgl. S. 211). -- Unrichtig ist 
dagegen die Vermutung von Oncken a. O., dass Chares eigen- 
mächtig und wider die Verträge Ghios habe zur Zahlung eines 
Bundesbeitrages zwingen wollen (vgl. Hahn a. O. Schaefer 
Dem. P 35 ff.). 

Die Zeit für den Ausbruch des Krieges (Herbst 357) er* 
giebt sich zwingend eigentlich schon aus der früheren Dar- 
stellung, sie lässt sich aber auch anderweit wahrscheinlich 
machen. Einmal erfahren wir aus der Inschrift CIA. II 62, 
dass im Frühjahr 356 ein Beschluss der Athener und ihrer 
Bundesgenossen gefasst wurde eine in Andros stehende 
Söldnerbesatzung aufrecht zu erhalten, was bereits eine Offen- 
sive der Sonderbündler voraussetzt (vgl. u.) Femer hören wir 
von Apollodoros in der Rede gegen Euergos und Mnesibulos 
(Dem. XLVII), dass die eilige Sendung einer Hülfsflotte in 
Athen beschlossen und demgemäss alles rückständige Schiffs- 
gerät eingefordert wurde (§ 20), dass aber diese Einforderung 
auf Schwierigkeiten stiess. Es verging eine geraume Zeit, es 
kam zu Streitigkeiten und in einem besonderen Falle zu einenn 
Prozess, der noch unter dem Archontat des Agathokles (vor 



daifioylü)y fiet^ xaxüig diccxiifÄeyioy ^eiu tu Atvxt^ixu^ tday ^Ad-r^yceitoy cf' 
dad-eytay oVrw*', ovtog yo^L^toy ivj^t^tog nvTr^y ori drj nois Xaßsiy, xni 
fiaXXoy ßovXofisyog tr^y u^j^aLay duyafj.ty niQinoitiaai toig 'A^r^yaiocg^ 
ine)[ei^riae XLotg xal 'H)dloig xal totg Xoinoig üvfufxuxoig. elra ixeiyoi 
(Iniairiaay , xal f^iti^&ri ^ Xuqrig ovitog maze Xoinoy avtoy uno^ety , xi 
cftt Tioir^aai' xal yaQ il dys)[(oqriaey i^ avruiy xal r^X^ey ilg ^AfjKpinoXiä^^ 
avTol ay d^vyofieyot il^x^yto &lg rr^y /itrixijy, tavTa de ol A&riyctioi 
dxovaayieg ritrjaay anoydag^ xal evS-og oi Xloi xal 'I^dioi avy toig dXXoig 
avyi&£yTo. xal ovtog iatiy o ffvfifia^ixbg noXcfiog, 



Die Kleinasiaton im zweitrn nttischen Seebnnd. 287 

Mitte 356) entschieden wurde (§ 21 ff. vgl. bes. 44 U. Koehler 
Athen. Mitth. VI 33). Diese Rüstung der Hülfsflotte lässt sich 
nur als eine Folge der Niederlage der Athener vor Chics denken 
und mit der bei Diodor (XVI 21, 1) eben für dieser Zeit er- 
wähnten Rüstung gleichsetzen (vgl. u.), es würden also nur mit 
grosser Mühe die vorausliegenden Ereignisse in das Frühjahr 
356 sich einpressen lassen; weit natürlicher setzen wir sie um 
das Ende 357. — 

Was Chares während des Winters 357 auf 356 unter- 
nommen und wo er überhaupt überwintert hat, darüber wissen 
wir nichts, wahrscheinlich blieb er im Hellespont (vgl. u.) Im 
Frühjahr 356 gingen die Verbündeten mit einer Flotte von 100 
Schififen in See und ergrififen sofort die Offensive. Sehr geschickt 
richteten sie ihren Angriff vorwiegend gegen die athenischen 
Kleruchien : sie verwüsteten hnbros und Lemnos und belagerten 
Samos. Aber auch gegen verschiedene der Athen verbündeten 
Inseln unternahmen sie Streifzüge. Erst jetzt scheint man sich in 
Athen zu ausgedehnten Rüstungen entschlossen zu haben (Koehler 
a. 0. 37). Alles noch verwendbare Schiffsmaterial wurde ein- 
gezogen und schliesslich eine zweite Flotte von 60 Trieren zu- 
sammengebracht (Diod. XVI 21, 1 Ps, Dem. Euerg. u. Mnesib. 
(XLVII) 20 flf. Seeurkunde Athen. Mitth. V Beil. z. S. 44 Col. 
c. 90 flf. vgl. U. Köhler Athen. Mitth. VI 30 fif. CIA. II 793g. 
794 a. 803 b). Den Befehl über dieses neue Geschwader über- 
nahmen Menestheus, Iphikrates und Timotheos (Diod. a. 0. 
Corn. Nep. Tim. 3, 2), die vermutlich möglichst rasch gleich 
nach dem Antritt ihrer Strategie d. h. Sommer 356 ausliefen. 

Chares war bis dahin der Uebermacht der Sonderbündler 
nicht gewachsen gewesen: er scheint sich darauf beschränkt 
zu haben, eine Vereinigung der Byzantier mit den übrigen Ver- 
bündeten zu hindern und den Hellespont zu sperren, gleich- 
zeitig soviel als möglich feindliche Kauflfahrteischiflfe aufzu- 
bringen. Nach dem Hellespont begab sich auch jetzt die zweite 
athenische Flotte und griff vereinigt mit der des Chares By- 
zantion an. Die athenischen Feldherrn beabsichtigten und er- 
reichten damit verschiedenerlei: einmal war Byzantion allein 



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Ic hririr-rs mid T:: :• »mr^rs* w:«>rfcri:he!i wez^n dt^ h«.hen See- 
r:imr-. Als •ZLirtrs -ijji::! ei-^csimr-Jr a:ir' eic^rce Hand Tt>r- 
uji-cj-c. T^rsc«:h:-r. wmri»r er mit V'rri':j^ znrl«:k^escfcia^en- M 



I :v-.L m rl. 3. 4 C.:ra. N^. T:m^ t S.Ji.'L i. rvm. 5. Olynth. 

III r?. — fjutsiik: t iViZL III >. lif ▼irl- Taik. lll i^^"* m. Sciiol. 

•t» rw-e^i*«* 4L£.»**iJi!«.'rie F-'.cnre nzsicäsC saAiö. *btixL fi-M^e?pi:iL* ihr^n Kurs 
^;^.';-!i T=.ii 'i»:c^ 2111 »i'-r i»es L^iüp-isnssjjLjn^ecrr-ji vl^jr^nd ^Lk^ Ae-jirt^ehe 
M^*^ rnr>!Z»rt^«rir Wir It-:«!- :il. - . uL&bC lIt;^.-*»' C^ec^rwintemr^ in 

S^c.t** -izi- ?- il*?- iiM A. ^ Cnry^'O-CJ** Efbrr. R \XIlI b. ^t^ph. 
£-1- i_ W. iec«iE. CTs^^riti:»! öj^cn ▼*» rizLissce • Ücjuen. wir nicht fest- 
tCfH-öi- Nxia T-'T. '.^-i'ff ii« .j?t l":ci.?fis>- -nisjs CIi*in»s ^JAr'.fcis fc«?reits die 
^ii*IvL*^Tiea ST!.»i:i»*r i»^ Artilra-i.:«^ zl Iteiüjt z^^c•-^^'al. feit: vielleicht 
j^^' r.k> .»s ir.»rr ^3^:2. er^ ra^fi. irrr S-*ii-j.'C.j tet EsiraiSi tj:L S- 211k 

la. i:r^»en A::f-eii':LiI:: «ies L^xirvs •.•ier i=. ü<e- t:uZfn»ie Ijät, wo die 
2»*s;kCL=it#* irirrnii!«:?!'* F.'.cte ia. i«rn. irt.jet?c«:c:>«:Ä.eii • »«w-iäjem weLt. Ckilt 
wii:T^!ti»rLi_it:rL 'ü** SAc^-rdtiirs irt* V-t. -~:w< i:if .i»rr PAr:^!»:«?. bei der ein 
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M-i«i. XXI '75 :=- >>:r::I. . A:n:ii ^ine t>rgj^'tirii: ^ tigTirrg der Athener 
Tin -irrm Nih'-Ti ei-er F.:-cte ia* STXistica CIA. II »j*^ = r>ttteiiber^er 



Die Kleinasiaten im zweiten attischen Seebond. 289 

Ghares beschuldigte nun mündlich vor dem Heer wie brief- 
lich vor dem Athenischen Volk seine Mitfeldherrn des Verrats; 
sie sollten von den Sonderbündlem bestochen sein. Die An- 
schuldigungen fanden auch Glauben: Iphikrates, Timotheos 
und Menestheus wurden abberufen, und Ghares der alleinige 
Oberbefehl über die gesammte Flotte übertragen (Diod. 21, 4. 
Gorn. Nep. 3, 4. 5 Deinarch I 14. 111 17 vgl. Isokr. Antid. 
(XV) 116. Fried. (VIU) 50. 55. ' 

Wohin sich die athenische Macht nach dem Treffen ge- 
wendet hat, wird nicht überliefert: es ist am wahrscheinlich- 
sten anzunehmen, dass sie wieder nach dem Hellespont, ihrer 
Operationsbasis, zurückgekehrt ist (vgl. Diod. a. 0.), jedenfalls 
hören wir von keiner neuen Schlacht. Auch als Ghares das 
Kommando allein übernommen hatte, ist es anscheinend nicht 
zu weiteren Zusammenstössen mit der feindlichen Flotte ge- 
kommen: der Herbst des Jahres 356 wird damals dem See- 
kriege ein Ziel gesetzt haben. Da wurde Ghares wieder Er- 
warten in den um dieselbe Zeit neu ausbrechenden Aufstand der 
persischen Küstensatrapeh verwickelt: erkämpfte geschickt und 
glücklich an Artabazos' Seite, aber durch seine Siege wurde 
der Grosskönig veranlasst in Athen Beschwerde zu führen und 
mit Krieg zu drohen. Gerüchte von fabelhaften Rüstungen der 
Perser verbreiteten sich (vgl. S. 211). Andererseits waren nach- 
dem der Bundesgenossenkrieg über 1500 Talente verschlungen 
hatte, die Geldmittel des athenischen Staates vollkommen erschöpft 



SyU, 91 vgl. H. Sauppe Götting. Nachr. 1867 S. 156) gehört hierher. Nach 
Cornelius Nepos' Bericht (3,3) will es fast scheinen, als ob Ghares die 
Aufgabe gehabt habe auch weiterhin den Hellespont zu sperren und ganz 
willkürlich der übrigen Flotte gefolgt sei. 

Die Zeit des Treffens bei Embata ist wahrscheinlich der Spätsommer 
356, denn die Hülfaflotte unter Iphikrates, Menestheus, Timotheos ist doch 
jedenfalls vor den Etesien (Juli vgl. S. 163) abgegangen und die Ereig- 
nisse bis zu dem Treffen können wir uns recht wol innerhalb zweier 
Monate, wenn nicht in weniger Zeit, sich abspielend denken, vgl. u. — 
Durch nichts zu erweisen ist die Vermutung von P. Jonas, vita Charetis 
Diss. Breslau 1870 S. 20 A. 2, den Ort Embata und die Schlacht nach 
dem Hellespont zu verlegen. 

JUDEICH, Eleinasiatlsche Studien. 19 



S90 Siebentes Kapitel. 

(Dem. 3. Olynth. (IIl) 28. Aesch. Ges. (II) 71 vgl. Isokr. Areiop. (VII) 
10. 17. 83. Fried. (VIII) 19 ff. 69. 127 f.). So entschloss sich 
das athenische Volk zu Chares' Abberufung von Artabazos und 
zu Friedensunterhandlungen mit den abgefallenen Bundesge- 
nossen. Auch für diese hatte sich die ganze Lage durch das 
kraftvolle Auftreten des Perserkönigs vollkommen verschoben. 
Die alte Furcht vor persischen Angriffen und Eingriffen, deren 
sich die Sonderbündler so leichtsinnig und kurzsichtig ent- 
äussert hatten, mochte bei den Einsichtigeren wieder auf- 
steigen. So kam der Friede noch im Laufe des Jahres 355 zu 
stände. Athen gewann nichts dabei : es kam nur zu einer Art 
Erneuerung des Antalkidasfriedens, dass alle abgefallenen Städte 
frei und selbständig bleiben sollten ^). 



1) Diod. XVI 22, 2 Schol. z. Dem. 3. Olynth. (III) 28 Aesch. Ges. (II) 
70 Isokr. Fried. (VIII) Hypoth. vgl. Dem. Rhod. (XV) 26 Schol. z. 1 Kranz 
(XVIII) 234 Lept (XX) 81. Die Zeit des Friedensschlusses ergiebt sich aus 
Diodor, an dessen Angaben zu zweifeln wir keinen Grund haben (vgl. S. 64 A.) : 
der Krieg beginnt, oder vielmehr die Verständigung der Hundesgenossen 
gemeinsam abzufallen erfolgt im Jahre 357 ; der Krieg dauert drei Jahre, 
muss also 355 zu Ende gewesen sein und zwar wahrscheinlich Mitte 355 
Ol. 106, 1. Diodor wird in diesen Ansätzen wie gesagt genau bestätigt 
durch Dionysios von Halikarnassos Lys. 12. DenSchluss des Krieges etwa 
so zu deuten , dass damit die Einstellung der Feindseligkeiten gegenüber 
den Sonderbündlern gemeint sei (Chares' üebertritt in Artabazos' Dienst), 
berechtigt uns nichts ; dieser Deutung widerspricht sogar Diodor 22, 2, 
wo ausdrücklich auch nach Chares' üebertritt die offizielle Fortdauer des 
Krieges bezeugt wird. Demnach ist die Vermutung Belochs (Att. Pplit. 365), 
dass der Friede nicht vor dem Winter 355/54 geschlossen sein könnte, abzu- 
lehnen. Auch die Voraussetzung, auf welcher sie beruht, die Zeit bis Mitte 355 
reiche für Chares' Taten in Asien nicht aus, trifiPt nicht zu. Beloch räumt 
selbst ein, dass Chares im Spätsommer (also schon August, September) 356 den 
alleinigen Oberbefehl übernommen habe; es hindert nichts, dass er dann 
gleich in Artabazos' Dienst getreten ist (Diod. 22, 1) ; dies ist sogar wahr- 
scheinlich, weil für den nahenden Winter Sold nicht zu erwarten war, 
und die Plünderungen durch die Jahreszeit erschwert wurden. Unter 
dieser Annahme bleibt aber vom September 356 bis Juni 355 etwa aus- 
reichende Zeit für Chares' Operationen. Ueberdies wissen wir gar nicht, 
wann Chares den Befehl erhalten hat, die Unterstützung des Artabazos 
aufzugeben, und ob er sich gleich diesem Befehl gefügt hat; das nächste. 



Die Kleinasiaten im zweiten attieclien Seebund. 291 

3. DER ZEBFALL DES SONDEBBUNDES. 

Der Friede vom Jahre 355 führte die abgefallenen Bundes- 
genossen nicht wieder in ihr Bundesverhältniss zu Athen zurück. 
Wegen der neuen Gefahr, die vom Perserkönig drohte, waren 
sie dem Frieden geneigt gewesen, aber sie hatten es doch 
nicht über sich gewinnen können, die so lockende schrankenlose 



was die Athener auf die Drohungen des Grosskönigs hin beschliessen, ist 
jedenfalls die Unterhandlung mit den Bundesgenossen (Diod. 22,2). 

WasChares, der unter dem Eindruck seiner Siegesnachrichten (S.211) 
gewiss auch für das Jahr 355/54 Ol. 106, 2 zum Strategen gewählt oder 
vielmehr in der Fortfuhrung des Amt^s als öVQari^yog avioxqdxtaq be- 
stätigt worden ist, getan hat, nachdem er schliesslich Artabazos verlassen 
hatte (Diod. 22, 2), lässt sich nicht feststellen: möglich, dass auch erst 
in diese Zeit seine Plünderungszüge gegen Sigeion und Lampsakos fallen 
(S. 210 f.). In diesem Jahre sind ausserdem athenische Beamte im Helle- 
spont tö,tig (CIA. II 69). 

In unmittelbarem Anschluss an den Frieden mit den Bundesgenossen, 
also im Jahre 355, ist, wie dies neuerdings wieder richtig K. Euler (üeber 
die Abfassungszeit der isokrateischen Friedensrede Progr. Corbach 1883) 
betont hat, Isokrates' Broschüre ne^l elQtjyi^g verfasst und wahrscheinlich 
auch herausgegeben worden. Geraume Zeit nach dem Frieden, Mitte des 
Jahres 354 Ol. 106,3, hat man endlich den Prozess gegen die Feldherm 
des Jahres 356 geführt. Die bestimmte Datierung, welche Dionysios 
von Halikarnassos Dein. 13 für den Prozess giebt (unter dem Archon 
Diotimos 354 53), hat man sehr mit Unrecht angefochten (neuerdings 
H. Hahn Jahrb. f. cl. Phil. 1876 470 ff. und Beloch Att. Polit. 
3« »3 ff.). Schaefer Dem. I' 174 A. 4 hat dieselbe bereits mit Recht ver- 
teidigt. In der Tat können auch die allgemeinen Angaben, dass der 
Prozess in der Zeit des Bundesgenossenkrieges geführt sei (Dionys. Lys. 12 
Gern. Nep. Iph. 3, 3), nichts dagegen beweisen. Eine Erklärung für diese 
späte Führung des Prozesses liegt darin, dass er sich an die Rechenschafts- 
ablage der Feldherm knüpfte (Isokr. Antid. (XV) 129 Dionys. Dein. 13) : 
diese Hess sich für Iphikrates, Timotheos und Menestheus nicht von der 
ihres damaligen Mitfeldherrn Chares trennen. Chares wird auch un- 
mittelbar als Ankläger erwähnt (Polyain. III 9, 29) : er ist kaum vor 
Ende 355 , vielleicht nicht vor Ablauf der verlängerten Strategie nach 
Athen zurückgekehrt (vgl. o.). — Das bekannte Wort des Iphikrates aus 
dem Prozess : oia noietg , w civd-^tane , noXsfxov n eq leattotog zr^y 
noXiy 71€qI ifxov nsid-iav ßovXevead-cti xal ^rj ^äbt* ifxov; (Plut. apophth. 
reg. et imp. Iphikr. 4) ist in diesem Zusammenhange gar nicht notwendig 
auf den ßundesgenossenkrieg zu beziehen ; Beloch a. 0. presst dasselbe zu 
sehr. Im Allgemeinen vgl. über den Prozess Schaefer Dem. I* 174 ff. 

19* 



292 Siebentps EapiteL 

Freiheit, ohne Unterordnung unter ein grösseres Ganze wieder 
aufzugeben. Sie sollten bald darüber belehrt werden, wie 
töricht sie gehandelt hätten. Ihr eigener Verbündeter Maussollos 
von Karlen erteilte ihnen diese Lelu-e zuerst Kos und Rhodos 
brachte er unter seine Herrschaft. Vergebens sahen sich die 
Vergewaltigten nach der Unterstützung ihrer Genossen im Son- 
derbunde um (vgl. S. 244). In Ghios war zu gleicher Zeit, wenn 
nicht schon früher wie in Kos und Rhodos die aristokratische 
Partei ans Ruder gekommen (Dem.Rhod. (XV)19 vgl. S.244), die 
Byzantier gingen ihre eigenen Wege : sie besetzten Kalchedon und 
Selymbria ^) und unterstützen mit Geld ihre alten Freunde, die 
Thebaner, in Griechenland (Dittenberger Syll. 95). Der Sonder- 
bund zerfiel eben, weil der Grund seines Entstehens, die 
Verteidigung der Selbständigkeit gegenüber dem alten Bundes- 
haupt Athen fortgefallen war. Nun, da es zu spät war, meinten 
die Empörer nur von dem bis dahin gehassten Athen Rettung 
erhoffen zu können: dorthin richteten sie ihre Bitte um Hülfe 
(2. Hypoth. z. Dem. Tim. (XXIV) Dem. Prooim. 24 vgl. S. 244). 
Damals, es war im Jahre 353 (vgl. d. Anm.), standen 
die Athener noch immer unter dem Eindrucke der Perserfurcht, 
die ihnen den Frieden mit den Bundesgenossen diktiert hatte. 
Man schickte trotzdem wenigstens eine Gesandtschaft, welche 
Maussollos über sein den Antalkidasfrieden verletzendes Vor- 
gehen zur Rede setzen sollte; doch scheint diese nicht viel aus- 
gerichtet zu haben ^). Dann starb Maussollos, ohne dass freilich 



1) Dem. Bhod. 26. Vielleicht gehört auch in diesen Zusammenhang, 
was Aeneas der Taktiker 12, 3 über die Unterstützung und Vergewaltigung 
von Kalchedon durch Söldner aus Kyzikos berichtet. Vgl. auch Theo- 
pomp. Phil. Vlll b. Athen. XII 526e Schaefer Dem. I" 446 f. 

2) Die Hypothesis des Libanios und die Scholien zu § 1 von Demo- 
sthenes' Timokratea (XXIV) vgl. Timokr. § 1*2 versichern, dass die Ge- 
sandtschaft des Androtion, Melanopos und Giauketes abgegangen sei, um 
von Maussollos wegen Vergewaltigung der seinem Lande vorgelagerten 
Inseln Aufklärung zu fordern, und es besteht von vornherein nicht der 
geringste Grund daran zu zweifeln. Nur müssen wir mit Boehnecke 
Forschungen I 729 und Schaefer Dem. I* 365 die Gesandtschaft in die 
Zeit unmittelbar nach dem Bundesgenossenkrieg, also spätestens 354 oder 



Die Eleinasiaten im zweiten attischen Seebiind. 293 

den Unterworfenen dadurch eine Besserung ihrer Lage erwachsen 
wäre. Zu einem bewaffneten Einschreiten für die Rhodier wollten 
die Athener sich auch, als bald ein vollkommener Umschwung 
in der Stimmung und Politik gegenüber Persien erfolgte, nicht 
aufraffen, obwol Demosthenes in der wahrscheinlich noch am 
Ausgang des Jahres 353 (S. 186 flf.) gehaltenen Rede, ȟber die 
Freiheit der Rhodier« (XV) kräftig dafür eintrat. Das Leid, das 
dieselben Bundesgenossen, welche jetzt um Schutz baten, vor 
wenig Jahren noch Athen zugefügt hatten, konnten die Athener 
wol noch nicht ganz vergessen; vielleicht sind sie aber auch 
zugleich durch ihr Eingreifen in die Satrapenaufstände (S. 213 flf.) 
an der Entfaltung ihrer Kriegsmacht im südwestlichen Klein- 



Anfang 358 verlegen — wahrscheinlicher ist der Abfassungszeit von 
Demosthenes* Rede über die Freiheit der Rhodier halber (S. 186 ff.) der späte 
Termin : die Rede wird bald nach der Heimkehr gehalten seind (ygl. u.) — 
in der Folgezeit passt ihr Verhalten nicht mehr zu Athens Stellung 
gegenüber Persien. Weil (Dem. plaid. polit. II 55 A.) vermutet ohne 
Grund, dass die Ladung des Schiffes aus Naukratis, welches die Gesandten 
auf ihrer Fahrt aufbringen, für eine Athen feindliche Stadt bestimmt 
und deshalb in Beschlag genommen worden sei. Richtig ist aber die 
Annahme, dass, wenn man der von Weil vertretenen Ansicht nicht zu- 
stimmt, für jene Zeit notwendig ein freundliches Verhältniss zwischen 
Athen und Persien vorauszusetzen ist: es war eine Aufmerksamkeit für 
den Grosskönig, wenn man ein Schiff aus Aegypten, gegen das er eben 
rüstete (vgl. S. 170), als feindlich erklärte. So urteilten zunächst die 
Gesandten, aber das Volk von Athen bestätigte ausdrücklich ihre Auf- 
fassung (Dem. a. 0. § 12). Man wollte eben wie gesagt damals Arta- 
xerxes Ochos in keiner Weise reizen. Die Gesandtschaft, welche bei 
Mau^soUos Einspruch erhob, vertrug sich mit dieser Politik vollkommen, 
denn der Königsfriede bestand formell noch zu Recht. Andererseits ist 
die Gesandtschaft zu Gunsten der einstigen Gegner durchaus verständlich, 
weil Athen dadurch sein Bundesschutzrecht wieder geltend machte, sei 
es nun, dass es das aus freien Stücken tat, oder, was wahrscheinlicher 
und auch durch die Scholien bezeugt ist, weil es von den Inselbewohnern, 
die sich vereinzelt und verlassen sahen, darum angegangen worden war. 
— Dass die Gesandtschaft nichts ausrichtete, erweist Demosthenes* 
rhodische Rede (vgl. S. 186 ff.). — Gleichzeitig mit der Gesandtschaft sind 
Berührungen zwischen Athen und Halikarnassos inschriftlich bezeugt 
(vgl. Wilhelm Hermes XXIV 123 ff'.): vielleicht gehen diese mittelbar oder 
unmittelbar auf die Anregung der Gesandten zurück. 



294 Siebentes Kapitel. 

asien verhindert worden. Zudem hatte Athen vor den Rhodiern 
noch für Näherstehende zu sorgen: die oligarchisehe Bewe- 
gung auf den kleinasiatischen Inseln scheint bei den Sonder- 
bündlem nicht Halt gemacht zu haben, auch Lesbos wurde 
davon ergriffen^), hn Jahre 353 bestand in Mytilene eine 
wie es scheint Athen feindliche aristokratische Herrschaft^), 
auch gegen diese ist, wie bereits Schaefer (Dem. P 480 A. 5) 
nach Demosthenes' 37. Prooimion vermutet hat, Demosthenes 
aufgetreten und offenbar mit mehr Erfolg : wenigstens erscheint 
im folgenden Jahre 352 Lesbos als zum athenischen Seebunde 
gehörig *) und in demselben Jahre werden dementsprechend die 
aviTce^eig von Lesbos den an der kleinasiatischen Küste tätigen 
athenischen Feldherrn zugewiesen (CIA. II 108 b 12). 

Im Allgemeinen ist die Tätigkeit, welche die Athener da- 
mals im Osten entfalten, eine ausserordentlich rührige. Ausser 
der Hülfeleistung an Orontes wird eine dritte Kleruchensen- 
dung nach Samos geschickt (Philoch. bei Dionys. Dein. 13 Ende 
vgl. Schaefer 474. A. 2), nachdem vorher schon eine nach 
Sestos abgegangen war ^). Als dann aber der Satrapenaufstand 
des Orontes und Artabazos zu Ende ging, und Athen wieder 



1) Dem. Rhod. (XV) 19 vgl. Synt. (XIII) 8. Nach Isokrates' Friedens- 
rede (VIII) 111. 142 aus dem Jahre 855 (vgl. S. 291 A.) scheinen übrigens 
die ersten Ansätze zu diesen oligarchischen und dynastischen Bewegungen 
noch in die Zeit des Krieges hineinzureichen, denn Is. sagt geradezu: 
111 o^at€ &€ xai zag fjLoyaqj^iag tag iv raXg noXeai xad-iaxafiivag xrX. 
Vgl* auch Isokr. Br. 9, 8 ft'., der aus der Mitte der fünfziger Jahre stammt 
(vgl. ebd. 16.) 

2) In Demosthenes* Aristokratea (XXllI) 148, die Schaefer Dem. V 
439 ff. mit Recht in den Sommer 852 setzt. Eigentümlich ist es , dass 
sowol an dieser Stelle wie in der Orontesurkunde (CIA. II 108 b 12) 
stets von Lesbos als Ganzem, nicht von einzelnen lesbischen Städten die 
Rede ist. 

8) Diod. XVr 34, 3 Dem. Aristokr. (XXIII) 103 CIA. II 795 Col. f 
133 vgl. Koehler Ath. Mitth. VI 27 f. Die Sendung von Kleruchen im 
Jahre 853/52 Ol. 106, 4 steht nach diesen übereinstimmenden Zeugnissen 
fest, ebenso die von Diodor für die gleiche Zeit berichtete Einnahme von 
Sestos durch Chares. Ob Sestos nach der Abtretung an Athen (i. J. 357, 
vgl. S. 288) sich noch selbständig gewehrt (Schaefer Dem. P 444), oder zu- 
nächst ergeben und dann wieder empört hat (S. 288 A.), ist nicht festzustellen. 



Die Kleinasiaten im zweiten attischen Seeband. 295 

mit dem Perserkönig Fühlung suchte (S. 218 f.), als der Kampf 
mit Philipp die Kraft und das Interesse Athens immer steigend 
in Anspruch nahm, da blieben die kleinasiatischen Inselgriechen 
mehr und mehr sich selbst überlassen. Die oligarchisch- 
autonomistische Bewegung in den verschiedenen Staaten der 
kleinasiatischen Inseln nimmt deshalb ihren Fortgang: Athens 
Ansehen sinkt, der persische Einfluss gewinnt an Boden. 

Im Jahre 347 finden wir in Mytilene einen Athen feindlich 
gesinnten Tyrannen Kammys, der sich nach 352 erhoben 
haben muss (Ps. Dem. Boiot. Mitg, (XL) 37 vgl. Schaefer 
Dem. III 2' B. 223 f. Sauppe, de duabus inscr. Lesbiacis Progr. 
Göttingen 1870 S. 5 A.). Allerdings ist seine Herrschaft nicht 
von langer Dauer gewesen (vgl. u.) Freundlicher scheint sich 
dagegen ein anderer Städtetyrann zu den Athenern gestellt 
zu haben, Kleomis von Methymna, der von Athen sogar mit 
einem Ehrendekret bedacht worden ist (CIA. II 141 vgl. Nikitzky 
Athen. Mitth. X 56 f.). Sonst wissen wir freilich kaum mehr 
von ihm, als dass er etwa in dieser Zeit emporgekommen ist 
(Isokr. Br. 7, 8 vgl. Theop. B. L bei Athen. X. 442 f. 443 a 
Schaefer Dem. I'-* 480 A. 6). Ob damals auch schon die bei 
Alexanders Einmarsch in Asien erwähnten Tyrannen von An- 
tissa und Eresos (Ps. Dem. Alexand. Vertr. (XVII) 7) ihre Herr- 
schaft begründet haben, lässt sich nicht feststellen. Methymna 
steht zu Alexanders Zeit ebenfalls noch unter einem Tyrannen 
Aristonymos oder Aristonikos (Polyain. V 44, 3 Arr. Anab. 
m 2, 4 vgl. Sauppe a. 0. 6 f. 16fif. Droysen Hell. P 238 A. 2 
Schaefer a. 0.). In Kos und Rhodos behaupten sich die 
karischen Dynasten, und sie gewinnen vor dem Jahre 346 auch 
Chios dazu (S. 251). 

Das einzige Gebiet, wo wir Athen seit dem Bundes- 
genossenkriege dauernd noch für die kleinasiatischen Insel- 
griechen eintreten sehen, ist das nördliche, dem Hellespont 
benachbarte, da wo die grosse Getreidezufuhrstrasse aus dem 
Pontos in das aegaeische Meer mündete : diese Strasse zu 
decken und zu behaupten, war für Athen eine Lebensfrage 
(vgl. Böckh, Staatshaush. P 99 f. 106 ff.). So wird im Jahre 



296 SiebenteB Kapitel. 

347/46 Ol. 108, 2 mit athenischer Hülfe in der alten Bundes- 
stadt Mytilene die Demokratie wieder hergestellt und das 
Bündniss erneuert ^). Der Bundesgesandte von Tenedos vertritt 
im Jahre 346 die Bundesgenossen bei den Friedensverhand- 
lungen mit Philipp (Aesch. Tim. (I) 20 vgl. 97. 126). Zu der- 
selben Zeit hält Chares, allerdings als eigenen Besitz, Sigeion 
besetzt (vgl. S. 210 f. 301 A.). Ausserdem werden damals von 
neuem Kleruchen in die Ghersones gesandt (Dem. 3. Phil. (EK) 
15. Gherson. (Vül) Hypoth. u. 6 vgl. CIA. U 116 = Hicks 
man. 114 Schaefer Dem. IP 451 f.). 

Das Gebiet der kleinasiatischen Inselgriechen gilt sonst 
wie das der kleinasiatischen Festlandsgriechen als freier Tummel- 
platz für attische Flottenführer, um wo sie können, Geld zu 
erpressen, teils für den Sold ihrer Truppen, zu dem sie nichts 
von Hause erhielten , teils für eigene Rechnung (Dem. Chers. 
(VIII) 21 flf. vgl. 9. Harpokr. u. xaiäyeiv rd nloia Athen. Mitth. 
X 56 f.). Die Handelsbeziehungen zwischen Athen und den 
Kleinasiaten dauern dabei aber fort (vgl. u. a. Pseudo- 
Demosthenes Rede gegen Lakritos (XXXV). Auch das Verhältniss 
Athens zu Persien ist nicht unmittelbar dadurch beeinflusst 
worden. Seitdem Athen am Ende der fünfziger Jahre eine 
Verständigung mit dem Grosskönig gesucht hatte, ist es im 
Ganzen in diesem Kurs geblieben. Während des aegyptischen 
Krieges (350 — 340) scheint zwar noch einmal die kriegerische 
Begeisterung gegen den Erbfeind aufgeflammt zu sein (Ps. 
Dem. Phil. Br. (XII) 6 vgl. den Philippos des Isokrates), doch 
hat schnell wieder die ruhigere und vernünftigere Auffassung 
die Oberhand gewonnen, dass man in Artaxerxes den natür- 
lichen Verbündeten suchen müsse gegen Philipp von Makedonien 
(Ps. Dem. 4. Phil. (X) 31 f. 54). 

Die gemeinsame Gegnerschaft gegen Philipp erweckt auch 
die kleinasiatischen Inselgriechen zum letzten Male vor der 



1) Hermes IV 426 = CIA. IJ 109 = Bicks man. 112 = Dittenberger 
Syll. 98. Aus demselben Jahre stammt ein Ehrendekret für die Söhne 
und Nachfolger König Leukons von Bosporos (Schaefer Bh. M. XXXIII 
418 ff. = Hicks man. 111 = Dittenberger Syll. 101). 



Die Klein asiaten im zweiten attischen Seebund. 297 

hellenistischen Zeit zu einem selbsttätigen kräftigeren Leben: 
bei der Belagerung von Perinthos und Byzantion durch Philipp 
im Jahre 340. Auch hier ist es das damals durch Demosthenes 
geleitete Athen, welches die Initiative ergreift. Es festigt von 
neuem seine Stellung in der thrakischen Chersones (CJA II 
116 u. d. J. 341/40 Ol. 109,4 = Hicksman. 114 = Dittenb. Syll. 
107), dann geht schon im Jahre 341 Demosthenes selbst als 
Gesandter nach dem Hellespont, und es gelingt ihm, das früher 
mit Philipp verbündete und athenerfeindliche Byzantion, wie 
Abydos, das sich auch nach dem Antalkidasfrieden fortdauernd 
eine selbständige Stellung gewahrt zu haben scheint, zu einem 
gleichberechtigten Verteidigungsbündniss mit Athen zu gewinnen 
(Dem. Kranz (Xffl) 302. 93. 230 vgl. Plut. Dem. 17, 2 Schaefer 
Dem. n^ 482. 497 f.). Andere Gesandte wurden zum Perserkönig 
geschickt, auch nach Chios und Rhodos, denen also trotz der 
karischen Oberherrschaft eine gewisse Freiheit der Entschlüsse 
geblieben oder inzwischen wieder gegeben sein muss (Dem. 3. 
Phil. (IX) 71 vgl. S. 252. Schaefer Dem. IP 484 A. 2). Die 
alten Sonderbündler Kos, Rhodos, Chios sind neben Athen 
dann auch in erster Linie an dem Entsatz von Byzantion betei- 
ligt (Diod. XVI 77, 2 Front. I 4, 13 vgl. Schaefer a. 0. 507 fif.), 
dazu das treue Tenedos (CIA II 117 =- Hicks 116 = Ditten- 
berger 108 vgl. Wilhelm, Hermes XXIV 134 ff. Szanto, Athen. 
Mitth. XIV 145 fif. Ps. Dem. Theokr. (LVIII) 35). 

Nach dieser Zeit ist es mit Athens Einfluss auf die klein- 
asiatischen Inselgriechen vollständig vorbei. Aber auch im 
Sonderbund hat sich der letzte Zusammenhalt gelöst. Persien 
setzt sich auf den Inseln wie im festländischen Kleinasien fest 
und rüstet sich gegen den von makedonischer Seite drohenden 
Vorstoss. Als dieser erfolgt und trotz heftiger Gegenwehr end- 
lich zum Ziele führt, da sind mit dem Zusammenbruch des 
Perserreiches wie die Festlandsgriechen auch die Inselgriechen 
Kleinasiens wieder frei geworden. 



ACHTES KAPITEL. 
MAKEDONIEN UND PERSIEN. 



Makedonien ist ein kleines, allein mit seiner Erhaltung und 
stetigen Erweiterung beschäftigtes Reich geblieben bis auf König 
Philipp II : seine Politik bewegt sich nur in seiner nächsten Um- 
gebung und hält sich von den grossen, die griechische Welt 
bewegenden Fragen im Ganzen fem. So ist es nur natürlich, 
dass wir erst seit König Philipp von makedonisch-persischen 
Beziehungen reden können, denn die flüchtige Unterwerfung 
Makedoniens unter den Grosskönig in den Perserkriegen, bleibt 
nur eine Episode ohne irgendwelche weitere Nachwirkung. 

Als Philipp in der Mitte der fünfziger Jahre seine grossen 
Eroborungspläne in Thrakien zu verwirklichen begann, da rüstete 
König Ochos von Persien gegen die aufständischen Küstensatrapen 
in Kleinasien. Ein starkes Persien, das der Ausführung seiner 
Gedanken hätte hindernd in den Weg treten, seinen Feinden 
einen Rückhalt bieten können, musste Philipp unbequem sein: 
schon suchte einer der thrakischen Teilfürsten dort Hülfe 
(vgl. S. 217). Deshalb war Philipps Stellung dem Perserreiche 
gegenüber von vornherein vorgezeichnet und entschieden. 
Wenn er auch noch nicht offen gegen den Grosskönig auftrat, 
so trug er doch mittelbar zur Unterstützung der Aufrührer, 
namentlich des Artabazos, bei : Artabazos fand, als er geschlagen 
und zur Flucht aus Persien gezwungen war, am makedonischen 
Königshofe Aufnahme und Unterstützung (S. 219), ferner soll 
Philipp mit dem Herrn von Atarneus Hermias Verbindungen 
angeknüpft haben (Ps. Dem. 4. Phil. (X) 32 vgl. Schol. z. 10) ; 
später ging Philipp auf den Wunsch des karischen Dynasten 
Pixodaros eine Weile lang bereitwillig ein, eine Familien- 
verbindung des karischen und makedonischen Fürstenhauses 
zu stände zu bringen, wie sie sicher nicht im Interesse des 
Grosskönigs lag (S. 253). 



Makedonien und Persien. 299 

Als es dann Artaxerxes Ochos gelungen war in Kleinasien 
und Aegypten die Empörer mit kräftiger Hand niederzu- 
werfen und den persischen Reiehsverband zu festigen, als 
trotz aller Umtriebe ein mächtiges Persien wiedererstanden 
war, da konnte Philipp sich nicht mehr auf das heimliche 
Gegenspiel beschränken, er musste offen zur Persermacht 
Stellung nehmen. Zu einem Kriege hatte Philipp damals keine 
Veranlassung: ein Kampf wäre ihm im Augenblick, da in 
Griechenland und Thrakien noch nicht alles entschieden war, 
vielmehr höchst unbequem gewesen, er hätte ihn mit Aussicht auf 
Erfolg wol damals überhaupt noch nicht führen können. Aber 
an einen Zusammenstoss mit Persien, an ein Hinübergreifen der 
makedonischen Macht nach Asien hat Philipp wol sicher schon 
gedacht und deshalb den Weg eingeschlagen, der ihn auf 
anderen Gebieten zu so grossen Erfolgen geführt hatte: der 
Gegner wurde zuerst zum Freund und Verbündeten gemacht 
und in Sicherheit eingewiegt, bis es Zeit war, über ihn herzu- 
fallen. Philipps Politik gegenüber Persien zeigt eine auffallende 
Uebereinstimmung mit seinem Vorgehen gegen Olynthos und 
Athen (vgl. Nöldeke Aufs. z. pers. Gesch. 79). 

So schloss Philipp, was ängstliche Leute in Athen schon 
längst gefürchtet hatten (Dem. 1. Phil. (IV) 48), jetzt einen 
Freundschafts- und Bündnissvertrag mit Ochos ab (Arr. Anab. II 
14, 2), dessen nähere Bestimmungen wir nicht kennen, der 
aber höchst wahrscheinlich den Makedonen freie Hand in 
Griechenland und Thrakien Hess: gegen beide ging Philipp 
gerade jetzt mit verstärkten Kräften vor. Jener Vertrag muss 
abgeschlossen sein nach der Zeit, da Artabazos als Flücht- 
ling in Makedonien weilte, und nach dessen Frieden mit dem 
Grosskönig d. h. nach dem Jahre 345 oder 344 (S. 220), da- 
gegen vor der Belagerung von Perinthos durch die Makedonen, 
deren Verhinderung mit persischer Hülfe als Bruch des Ver- 
trages angesehen wird (Arr. a. 0. 5), d. h. vor dem Jahre 340 
(S. 297). So kommen wir in den Ausgang der vierziger Jahre, 
und es ist wahrscheinlich, dass Artabazos, nachdem ihm die 
königliche Gnade wieder erwirkt war, der Träger der Ver- 
mittlung wurde. 



300 Achtes Kapitd. 

Ochos weflle während des Abschlusses dieses Vortrages viel- 
leicht noch in Aegypten (S. 178 f.). Ueber die Gründe, die ihn be- 
stimmten, auf denselben einzugehen, sind wir wieder nicht unter- 
richtet: rerschiedene lassen 3ch denken: «itweder liess er sich 
wirt^lich durch Philipp täuschen, oder glaubte er nicht, dass es 
jemand wagen wurde, die neuerstarkte Persermacht anzugreifen, 
oder wollte er Ruhe haben, um im hmem seines Reiches noch 
weiter Ordnung zu schaffen u. a. m. Als Ochos im Jahre 343 
nach Persien heimgekehrt war, wurde er fireilich bald auch wider 
seinen Willen genötigt, der makedonischen Politik grössere Auf- 
merksamkeit zuzuwenden : wenige Jahre später (340) liess Philipp 
seine Flotte in den Hellespont einlaufen und traf Anstalten das ihm 
widerstrebende Perinthos zu belagern (Schaefer Dem. II ^ 49901). 
Jetzt lag es klar zu Tage, was Philipp im Grunde beabsichtigte, 
und dass, wenn die letzten Schranken, die bisher persisches und 
makedonisches Gebiet getrennt hatten, fallen würden, ein Zu- 
sanimenstoss zwischen den beiden Mächten unvermeidlich war. 
Eine Gesandtschaft, welche aus Athen am Perserhofe eintraf 
und Hülfe gegen Philipp erbat, musste diese Gedanken bestätigen 
(Dem. 3. Phil. (IX) 71 Phil. Br. (XII) 6 vgl. Schaefer a. O. 483 
Isokr. Panath. (XII) 16:2). Dennoch lehnte Ochos eine offene 
Parteinahme gegen Philipp und damit den Bruch des Bündnisses 
mit Makedonien noch einmal schroff ab: er war den Athenern 
nicht wohlgesinnt (Aesch. Ktes. (UI) 238 vgl. Dem. Ges. (XIX) 
137). Aber als von Philipps Fortschritten vor Perinthos immer 
bedrohlichere Nachrichten eintrafen, wies er die Küstensatrapen 
an, mit aller Macht den Perinthiern Hülfe zu leisten. Sie 
gehorchten ohne weiteres: Arsites von Kleinphrygien entsandte 
den athenischen Söldnerführer Apollodoros mit Truppen, Waffen, 
Getreide; so wurde das schon aufgegebene Perinthos noch in 
letzter Stunde gerettet^). 

Auch sonst scheint Ochos die Gelegenheit benutzt zu haben, 
um Philipps Stellung in Thrakien zu schwächen. Er schickte 
dorthin, vermutlich nach Perinthos' glücklichem Entsätze, 



1) Diod. XVI 75, 1. 2 Paus. I 29, 10 Dem. geg. Phil. Br. (Xf) 5 f. 
Arr. Anab. II H, 5. Schaefer Dem. II' 483. 502 glaubt nicht, dass Ochos 



Makedonien und Persien. 301 

die verfügbare Truppenmacht (Arr. Anab. II 14,5); ob diese 
aber die Athener nur mittelbar unterstützt hat (Schaefer Dem. 
IP 516) — man könnte an Plünderungszüge denken, unternommen, 
um die Makedonen von Byzantion abzuziehen oder ihnen die Zufuhr 
zu erschweren (vgl. Dem. geg. Phil. Br. (XI) 5 f. u. S. 297) — , oder 
unmittelbar gegen Philipp gekämpft hat, können wir wieder 
nicht sicher entscheiden. 

Weiterhin erfahren wir so gut wie nichts über die persisch- 
makedonischen Beziehungen: unsere Kenntniss von den persischen 
Verhältnissen dieser Zeit ist gar zu jämmerlich. Wir können 
deshalb auch nicht erkennen, warum Ochos dem Entscheidungs- 
kampfe zwischen Hellas und Philipp wie es scheint ganz un- 
tätig gegenüberstand, nachdem er doch bereits, wenn auch 
ohne feierliche Kriegserklärung sich mit Philipp gemessen hatte. 
Nur von dem Wohlwollen und dem Interesse, das der Perser- 
könig — ob Ochos oder Dareios hier gemeint ist, lässt sich 
allerdings nicht mit Sicherheit bestimmen — Demosthenes, dem 
Haupt des Kampfes gegen Philipp, schenkte, wird uns berichtet 
(Plut. Dem. 12, 3. 20, 4 vgl. S. 297). Vielleicht hatte Ochos 
schon damals mit den Palastintrigen zu kämpfen, die der 
Eunuch Bagoas, sein alter Vertrauter (vgl. S. 177 f.), einfädelte, 
und denen der tatkräftige König im Jahre 337 zum Opfer fiel 
(Diod. XVII 5, 3 vgl. Königskanon z. 411. Jahre Nab., Nov. 338 



selbst diese Hülfeleistung der Satrapen angeordnet hatte, wir haben aber 
gar keinen Grund Diodor (Ephoros), der das ausdrücklich erzählt, zu 
niisstrauen. Den Auswärtigen, Athenern und Makedonen, erschien es 
und sollte es erscheinen, als ob die Satrapen auf eigene Hand handelten. 
Ausser Arsites, dera Satrapen von Kleinphrygien, ist wol auch der Satrap 
von lonien und Lydien bei der Hülfeleistung beteiligt gewesen: ob noch 
Rboisakes oder schon sein Bruder Spithridates lässt sich nicht sagen 
(vgl. Krurobholz de Asiae min. satr. 10 discr. regni Achaemen.5). Diesem 
Spithridates gehören vermutlich die erhaltenen Satrapenmünzen aus 
Lampsakos (Head Hist. nuui. 512 vgl. H. Droysen Numism. Zeitschr. IT 
313) zu. Auch Pixodaros von Earien war vermutlich beteiligt (S. 252). 
Memnon dagegen, den wir später als Oberbefehlshaber in Vorderasien 
finden, kann ursprünglich höchstens Hy parch gewesen sein (Arr. 1, 1 7, 8) : 
zu seiner Herrschaft gehörte dann wahrscheinlich das Chares entrissene 
Lampsakos (Fs. Aristot. Oecon. H p. 1351). Auch eigene grosse Güter niuss 
er in jener Gegend besessen haben (Polyain. IV 3, 15 Strab. XIII 587.) 



302 Acbtes Kapitel. 

auf Nov. 337). Erlebt und erfahren hat er jedenfalls noch die 
Schlacht von Chaironeia (Aug. 338), wahrscheinlich auch die 
Tagsatzung, welche Philipp gegen Ende 338 nach Korinth berief, 
auf welcher der Krieg von fast ganz Hellas gegen Persien be- 
schlossen und Philipp der Oberbefehl übertragen wurde (vgl. 
Schaefer IU=^ 56). 

Philipp trat jetzt mit den Plänen, die er im Geheimen 
schon lange gehegt hatte, ohne Scheu hervor, er konnte auf 
eine grosse Partei in Griechenland rechnen, die dem alten 
Schlagwort des Kampfes gegen Persien begeistert folgte (vgl. 
Isokr. Br. 3, 3.6). Von den allgemeinen Sympathien getragen 
konnte er ans Werk gehen und sich als Rächer des Hellenen- 
tums am persischen Erbfeind feiern lassen, während es im 
Grunde sein Eroberungsdrang war, der ihn leitete. Zunächst zog 
sich die Ausführung des beschlossenen Krieges noch etwas hin ; 
Rüstungen, Kämpfe mit den Illyrern u. a. hielten den Angriff 
auf (Schaefer a. 0. 63 ff.). Endlich im Frühjahr 336 wurden 
die drei Feldherrn Parmenion, Amyntas und Attalos, dessen 
Nichte Kleopatra Philipp eben heimgeführt hatte, mit Flotte 
und Truppen nach Asien hinübergesandt, mit dem Befehle, die 
Griechenstädte zu befreien, oder richtiger sich ihrer zu be- 
mächtigen, und für das nachrückende Hauptheer den Weg zu 
bahnen (Diod. XVI 91, 1.2. 93, 9 vgl. 1,5 Trog. prol. IX lust. 
IX 5, 5—9 Arr. Anab. II 14, 3 Gurt. VII 1, 3). 

In Persien war unterdessen die Palastrevolution ausge- 
brochen; Bagoas hatte wie gesagt den König Ochos und die 
meisten seiner Söhne umgebracht; nur den jüngsten Sohn 
Arses hatte er leben lassen und auf den Thron gehoben (Diod. 
XVII 5, 3. 4 vgl. Plut. de fort. AI. 5 S. 337 e Nöldeke Aufs. 
81 A.): aber in Wahrheit führte er selbst das Regiment. 
Unter diesen Verhältnissen war an einen kräftigen Widerstand 
gegen den makedonischen Verstoss nicht zu denken; man 
überliess es wol den Satrapen an der Küste sich selbst zu 
helfen. So sehen wir, wie die Makedoncn mit einer Macht 
von 10000 Mann siegreich bis Magnesia am Maiandros vor- 
dringen ; erst doil scheint sich ihnen der Rhodier Memnon, 



Makedonien und Persien. 303 

Mentors Verwandter (vgl. S. 215), mit einer zusammengerafiRen 
Schar von 4000 Söldnern entgegengeworfen zu haben: er 
kämpfte geschickt und glücklich M. Gleichzeitig war die persische 
Diplomatie eifrig tätig, um auf bequemere Weise sich der Ein- 
dringlinge zu entledigen. Es entspricht durchaus dem Charakter 
und der Art des Bagoas, dass er mit den unzufriedenen Ele- 
menten in Makedonien selbst in Verbindung trat, um in Philipp 
den Anstifter und Träger des persischen Krieges aus dem Wege 
zu räumen (Arr. Anab. II 14,5). Gerade, als dieser sich an- 
schickte, dem Kampf gegen den Grosskönig eine religiöse Weihe 
zu geben, traf ihn der Stoss des Mörders. War auch Philipps 
Ermordung zunächst eine Tat persönlicher Rache, so ist es doch 
nahezu sicher, dass eine ganze Partei oder mehrere Parteien 
den Mörder als Werkzeug benutzten (vgl. Schaefer lir^ 67flf. 
Droysen Gesch. d. Hell. P 98). 

Philipp fiel im Hochsommer 336; der Perserkönig Arses 
hat ihn nur um wenige Monate überlebt; wahrscheinlich noch 
am Ende des Jahres wurde er durch Bagoas, der ihn erhoben 
hatte, sammt seinen Kindern beseitigt, da er eben plante, 
den Eunuchen für Ochos', seines Vaters, Emiordung zu züchtigen. 
An seiner Stelle verhalf Bagoas einem entfernten Verwandten 
des Ochos aus dem Hause der Achaimeniden zum Thron, dem 
Kodomanjios, der bis dahin Satrap von Armenien gewesen war 



1) Polyain. V, 44,4. Welches Magnesia hier gemeint ist, ob das 
am Sipylos oder am Mniandros, darüber kann man schwanken, wahr- 
scheinlicher ist das letztere. Die Stadt Ephesos scheint starke make- 
donische Sympathien gehegt zu haben: sie war, bevor Memnon den Kampf 
in Eleinasien aufnahm, frei, und beim Sturz der Verfassung mit Hülfe 
Memnons richtet sich die Wut besonders gegen die Statue Philipps im 
Artemisheillgtum (Arr. I 17, 10. 11 vgl. Schaefer II* 62 A. 3). Auch 
haben ephesische Gesandte bei Philipp wie bei Alexander um das Ein- 
greifen der makedonischen Macht in Asien gebeten (Philostr. vit. soph. 
14 Plut. adv. Col. p. 1126, 33 ff.). Es ist deshalb anzunehmen, dass die 
Makedonen, wie sechzig Jahre früher die Spartaner, Ephesos zum Aus- 
gangspunkt ihrer Operationen machten und von hier aus das wichtige 
Magnesia am Maiandros besetzten. — Droysen !• 199 bezieht schwerlich 
richtig auf das Jahr 337 etwa Autophradates* Kämpfe gegen Kphesos 
(Polyain. VII 27, 2), was der angeführten Arrianstelle widerspricht. Diese 
Kämpfe gehören eben in eine andere Zeit, vgl. S. 212. 



304 Achtes Kapitel. 

(S. 218 A. 1) und als König sich Dareios III. nannte ^). Dareios 
war weder ein hervorragend begabter noch ein besonders tat- 
kräftiger und kriegerischer Herrscher, wie er dem Reiche 
notgetan hätte, um den schon begonnenen makedonischen Ein- 
bruch zurückzuweisen, aber immerhin ein Mann in der Blüte 
der Jahre, voll ernsten Willens und schon dadurch ein Segen 
für das durch die Thronwirren der letzten Jahre wieder hart 
erschütterte Reich. 

Dagegen hatte die Ermordung Philipps die inneren make- 
donischen Verhältnisse arg ins Wanken gebracht: mit inneren 
und äusseren Feinden hatte der junge Alexander zu kämpfen 
(Schaefer IIP 68 ff. Droysen P 99 ff.). Der eine der beiden 
Hauptfeldherrn in Asien — von Amyntas ist nicht weiter die 
Rede -) — Attalos war ein ausgesprochener Gegner Alexanders ; 
er trat sofort zu gemeinsamem Handeln mit Demosthenes in 
Verbindung, um freilich, als er Alexander in Makedonien an- 
erkannt sah, eben so rasch wieder diesen seiner Ergebenheit zu 
versichern (Diod. XVII 5, 1 Plut. Dem. 23, 2). Alexander liess sich 
aber durch diese scheinbare Unterwerfung nicht blenden; wol 
noch Ende 336 schickte er einen seiner Getreuen Hekataios von 
Kardia mit Verstärkungen für das makedonische Heer nach Asien 
und liess durch ihn Attalos ermorden. So hatte er wenigstens 
keinen unmittelbaren Abfall seiner Truppen zu fürchten, denn 
Parmenions war er sicher (Diod. 2, 3 — 6. 5, 2 Gurt. VII 1, 3 
vgl. VIII 7, 5. 1, 42). Dennoch wirkten natürlich diese Ereignisse 
auf die Machtstellung der Makedonen in Asien zurück. Es 
hängt wahrscheinlich mit Attalos' Plänen einer Erhebung gegen 

1) Diod. XVI 5, 4. 6. 2 Inst. X 3, 4. 5 vgl. d. Kan. z. 413. Jahre Nab.. 
Nov. 336 auf Nov. 335. Diodor XVI 7, 1 setzt Dareios' Regi er angsan tritt 
vor den Tod König Philipps, und die Chronographen stimmen ihm darin 
scheinbar bei (vgl. Schaefer 111* 111 A.), mas-ogebend kann aber hier nur 
die Rechnung des Eönigskanons sein. Auch wenn wir eine kurze 
Zwischenregierung zwischen Arses' Tod und Dareios' Anfang anzunehmen 
haben , so wird diese der Kanon vermutlich dem Dareios einfach zuge- 
zählt haben. 

2) Diesen Amyntas wird man wahrscheinlicher mit Droyseji P 102 A. 
199 A. 2 für Amyntas des Arrhabaios Sohn als für Amyntas des 
Antiochos Sohn (Schaefer IIP 101 f.) halten. 



Makedonien und Persien, 305 

Alexander zusammen, dass wir die makedonischen Truppen 
nicht mehr an ihrem alten Standplatz in Magnesia am Maiandros 
sondern viel nördlicher am Busen von Elaia finden, während 
Ephesos und Magnesia später in der Gewalt der Perser sind 
(Arr. I 17, 9—12. 18, 1). 

Wir werden uns deshalb die Entwickelung der Ereignisse 
etwa so zu denken haben, dass sich Attalos auf die Nach- 
richt von Philipps Ermordung, wahrscheinlich ohne Vorwissen 
seines Schwiegervaters Parmenion, mit Memnon heimlich ver- 
ständigte und den Abzug des makedonischen Heeres nordwärts 
veranlasste. Memnon ergriff zunächst von Magnesia Besitz, 
dann wurde er durch die oligarchische Partei in Ephesos ver- 
anlasst, auch dorthin eine Besatzung zu legen und die Oligarchie 
wiederherzustellen^). Zugleich konnte er seine Truppenmacht 
verstärken, auch trafen von Dareios, seinem neuen Herrn, der 
nach Kräften gegen den jetzt unmittelbar drohenden makedo- 
nischen Angriff rüstete, bestimmtere Weisungen ein. 

Attalos' Tod hatte das Bild in Asien von neuem geändert. 
Dazu kamen zahlreiche Hinrichtungen in Makedonien, mit denen 
Alexander seinen mühsam errmigenen Thron sicherte, und welche 
verschiedene Makedonen, die den Zorn und die Rache des 
jungen Königs fürchteten, veranlasste, zu den Persern überzu- 
laufen und beim Grosskönig Dienste gegen Alexander zu nehmen 
(Arr. I 17, 9. 20, 10 II 6, 3. 13, 23 Diod. XVH 25, 5. 48, 2 Gurt. 
IV 1, 27—33 vgl. Schaefer HP 101 ff.). An Attalos' Stelle scheint 
Kalas den Befehl übernommen zu haben: die Feindseligkeiten 
wurden wieder eröffnet. 

Memnon nahm jetzt die Offensive : er begann das Idagebirge 
quer durchschneidend mit einer Umgehung des makedonischen 
Heeres und rückte geradewegs gegen das wichtige Kyzikos vor. 
Der Handstreich auf die Stadt selbst misslang freilich, doch 

1) Arr. I 17, 11. Schaefer III" 114 setzt diese Ereignis:<e erst nach 
die Vertreibung der Makedonen; es ist aber höchst unwahrscheinlich, 
dass Memnon, nachdem er in das nördliche Kleinasieu gelangt war, wo 
das grosse Heer sich sammelte und wo ein erneutes Vordringen der 
Makedonen möglichst abgewehrt werden muKste , wieder südwärts zog^ 
um in einige Städte Besatzungen zu legen. 

JUDEICH, Kleinasiatische Studien. 20 



306 Achtes Ki^M. 

entschädigte ^ch Hemnon durch V«-wüstutig und Plünderung 
des flachen Landes (Diod. XVn 7, 3 Polyain. V 44, 5). Unter- 
dessen hatte Parmenion GrjneioD am Golf von Elaia genommen 
und belagerte Pitane. Meranons unerwartetes Erscheinen von 
Kyzüos her zwang die Makedonen die Belagerung au&uheben 
und zurückzugehen. Der eine der beiden Feldhemi, Kalas, 
stellte sich zwar noch einmal in der Troas zur Schlacht, wurde 
aber geschlagen und warf sich nach Plboiteion, wo er sich ge- 
halten zu haben scheint bis zu Alexanders Uebergang (Diod. 
7, 9. 10). Auch Abydos muss in Händen der Makedonen ge- 
blieben sein (vgl. Droysen, Hermes XU 229). Parmenion 
kehrte bei diesem Stande des Krieges wie es scheint nach 
Makedonien zurück, wo wir ihm im Herbst des Jahres 335 
beg^rnen (Diod. XVH 16,2 ygl. Schaefer m» 114 A. 2). 

Weniger Glück hatte der Grosskönig diesmal auf seinem 

diplomatischen Feldzug gegen Makedonien gehabt. Venuutlich 

gleichzeitig mit Memnons Vorstoss waren getreu dem oft mit 

Erfolg verwendeten Verfahren Dareios' Boten mit Briefen und Geld 

an die griechischen Staaten gegangen, um diese g^en Alexander 

auJzustacheln , doch war das zunächst nur in der Peloponnes 

einigermassen gelungen (Arr. II 14, 5. 6 Plut de fort. AI. 33 p. 

327d vgl. Schaefer III' 115). Später scheint sich allerdings auch 

Theben angeschlossen zu haben (Diod. XVII 9. 3. 14, 2). Die 

Athener lehnten öffentlich die Gelder ab, und wenn Dareios 

auch mit Alexanders unversöhnlichstem Gegner, Demosthenes, 

^rbindungen anknüpfte und ihm die Summen übei^ab, so 

innte das im Äugenbhck wen^ nützen (Aesch. Ktes. (III) 

t9f. u. ö. Plut. Dem. 20, 4. 5 Schol. z. Dem. 1. Olynth. (I) 1 

ypereid. Demosth. (I) Frgm. VII 23 Blass I>einarch Dem. (I) 

I. 15. 70 vgl. Schaefer m* 115 f.). Unaufhaltsam zog jetzt das 

ngewitter, welches das Perserreich vernichten sollte, heran, 

1 Frühling 334 überschritt Alexander den HellesponL 

Damit schliesst die vorhellenistische Zeit in Kleinasien, die 
iit des Hellenismus b^innt. 



BERICHTIGUNGEN UND NACHTRAGE. 

Seite 21 Zeüe 10 v. o. statt: (349—340), Ues: (353—343). 

» 31" » 1 V. 0. 1. hinter »Paneg. IV 1 39« : Aristeid. 2. Symm. XXXI V 

p. 500 J. 

»59 »12 V. 0. 1. hinter »Plut. Ages. 24, 2c: vgl. Aristot. b. Plut. 

Lys. 2,3. 

»69' » 7 — 9 V. o. L: Schon Sievers Gesch. Gr. 61 ff. und Clinton 

F. H. Il"* z. J. 395 haben den Zeitpunkt für die Anfönge 
des Krieges zwischen Lokris, Theben, Athen und Sparta, 
Phokis richtig bestimmt, doch hielten sie an der durch 
Xenophon überlieferten Folge der Ereignisse zu einseitig 
fest. Eine Bestätigung der vorher gegebenen Anordnung 
bietet u. s. w. 

» 71* » 3 V. u. 1. hinter »Sardes als Hyparchie« : oder Lydien als 

Satrapie (vgl. den Nachtrag z. S. 119). 

»105 » 3 V. 0. St.: (Xen. IV 8,30), 1.: (Xen. V 1, 30). 

» 115 » 11 V. o. 1. hinter »habenc: (vgl. CIA. I 64). 

»119 » 9 V. u. st. : die beiden Küstensatrapen, den Karanos von 

Vorderasien Autophradates u.s w., 1.: die beiden Küsten- 
satrapen Autophradates von Lydien und Hekatomnos u. s.w. 

» 119' » 1-9 V. 0. 1.: Diod. 98,3. 4 Theop. b. Phot. Cod. 176. 

Zu einer Verwerfung von Theopomps Angabe, dass 
Autophradates Satrap von Lydien gewesen sei (Krumb- 
holz de As. min. satr. 66) ist kein Grund vorhanden. 
Th. Lenschau, de rebus Prien. 144 hat das schon 
richtig hervorgehoben und die Stellung des Autophra- 
dates neben der des Struthas auf die Trennung von 
Karanos- und Satrapenamt zurückgeführt, die er als ur- 
sprünglich üblich erwiesen hat (a. 0. 137 ff.). An eine 
Folge des Struthas und Autophradates in der Satrapie 
und im Karanosamt zu denken, geht wegen der Zeit- 
verhältnisse nicht an: Autophradates setzt schon Anfang 
390 nach Kypros über (S. 121), und Struthas schlägt noch 
Mitte 390 Thibron (S. 87). 

» 124 » 14 V. u. st. : die Glos, 1. : die jetzt Glos. 

» 125' » 10 V. 0. St.: vgl. S. 12, 1.: vgl. S. 127. 

»134' » 1 V. u. 1. hinter »verwandt war«: Vielleicht war er 

übrigens auch verwandt mit dem vertriebenen Nikokreon 
(S. 132), dessen Sohn?; wenigstens heisst Pnytagoras' 
Sohn und Nachfolger Nikokreon (Lebas-Foucart, voyage 
arch. II (Pelop.) 122 = Hicks man. 136 vgl. Six Rev. 

20* 



308 



Berichtigungen und Nachträge. 



Seite 151* Zei 

» 156 

» 176» 

» 176» 

» 191* 

» 196A. 

» 196 

» 200* 

» 206 

» 217 



2a4 



num. 1883 S. 297 ff. Holm Gr. Gesch. III 355 f.). Dem- 
nach gehörte schon Nikokreon zum Herrscherhause. 
Der Streit zwischen Euagoras II. und Pn^tagoras ist 
nur eine Fortsetzung des älteren zwischen Euagoras I. 
und Nikokreon. 
le 1 V. u. statt: Xen. Anab. I 4,3 u. s.w. lies: Xen. Anab. 
I 3, 20. 4, 3 u. s. w. 

3 V. 0. st. : nicht Hülfe leisten, 1. : nicht mit ganzer Macht 
Hülfe leisten. 

12 y. 0. St.: bis 340, 1.: bis 343. 
18 y. o. St.: im Jahre 340, L: im Jahre 346. 

4 y. u. 1. hinter »Diod. XVI 9, !•: ygl. 18,2 /j,eT oUyoy 
de y^qovoy avrov teXevTijaayvog. 

6 y. u. St.: Rh. Mus. XXXIV 186, 1.: Rh. Mus. XXXIV 156. 

13 y. u. 1. hinter »hat« : (ygl. Diod. XXXI 19, 2). 

18 y. o. st.: Anfang 364, 1.: Anfang 365. 
9 y. u. 1. hinter »Polyain. VII 29, U: ; unrichtig Diod. 
XXXI 19, 2. 
12 y. o 1. hinter »bekommen haben.« : Philipp yon Make- 
donien war eben durch den Phoker Onomarchos zurück- 
geschlagen worden (Schaefer Dem. I* 505 ff.). 
6 y. u. st.: wie Stratonikeia, 1.: wie später Stratonikeia. 

234 Anm. Z. 5 y. o. st.: and Branchidae I S. 14, 1.: II 1 1862 S. 14. 

266' In dem soeben erschienenen Heft des Rheinischen Museums 
(XLVI 589-598) hat Ernst Fabricius bei Gelegenheit 
einer glücklichen und überzeugenden Ergänzung des im 
Mitgliederyerzeiclmiss der Stiftungsurkunde des zweiten 
attischen Seebundes (Z. 15) schon bald nach der Auf- 
zeichnung wieder gelöschten Namens (lason von Pherai) 
sich über die verschiedenen Steinmetzen, welche die 
Namen des Verzeichnisses nacheinander eintrugen, aus- 
gesprochen. Fabricius glaubt (596), dass auch der Name 
der Thebaner an der Spitze der zweiten Columne von 
der ersten Hand, die die Urkunde selbst wie die Namen 
der Chier, Mytilenaier, Methjmaier, Rhodier, Byzantier 
aufzeichnete, eingetragen worden sei, nicht wie Ulrich 
Köhler (z. CIA. II 17) gemeint hatte, von der zweiten 
Hand. In diesem Punkte stehen sich also die Meinungen 
von Ulrich Köhler und von Fabricius direkt gegenüber. 
Ohne eine eigene Untersuchung des Steines ist es nicht 
möglich, in dieser Frage bestimmt Stellung zu nehmen, 
doch möchte ich vorläufig noch der Beobachtung Ulrich 
Köhlers, die die historischen Zeugnisse für sich hat, 
den Vorzug geben. 



ZEITTAFEL. 



JAHRE 
V. CHR. 



OLYM- 
PIADEN 



ATHENISCHE 
ARCHONTEN 



GRIECHENLAND 
(BalkAnbalbinael ) 



ELEINA8IEN 
(persisches Reich) 



AEGYPTEN 
(mit Kypros) 



408 



407 



93,1 



93,2 



40Ö 



405 



93,3 



Euktemon 



Antigenes 



93,4 



Eallias 



Alexias 



Kyros Karanos von 

V Orderkleinasien 

(Xen. HeU. I 4, 3 

Diod. XIII 70, 3). 

Lysandros siegt als 
spartanischer Nau 
arch über die Athe 
ner bei Notion ; ver 
anlasst die Bildung 
von Hetairien in 
d. kleinasiatischen 
Städten 24 f. 



Kallikratidas an 
Lysandros' Stelle ; 
taUt bei den Ar- 
ginusen. Lysandros 
von neuem Nau- 
arch 25. 

Kyros reist mit 
Tissaphernes zu 
seinem sterbenden 
Vater 25. Lvsan 
dros sein Stellver 
treter in Sardes. 
Sturz der Demokra 
tie in Milet 7. 25. 



Aegypten befreit 
sich von der Perser- 
herrschafb. Amyr- 
taios König (408 
—402) 13. 146. 149. 






310 



Zeittafel. 



y.GHB. 



OL.. 



ARGHONTEN 



GBIECHENLAND 



KLEINASIEN 



AEGYPTEN 



404 



94,1 



Pythodoroa 



403 



Herbst Nieder- 
lage der Athener 
bei Aigospotamoi. 
Die tbrakischen 
Städte durch Ete- 
onikos für Lake- 
daimon gewonnen 
25. 



Ly sandros erscheint 
vor Athen. Athen 
bela«^ert; fällt am 
16.Munych. (April). 
Friede zwischen 
Athen und Sparta. 
Peiraieus und lan^e 
Mauern geschleift 
27. 



Alkibiades verlässt 
seine Besitzungen 
am Hellespont 32. 



Spätsommer Ein 
Setzung der Dreissig 
in Athen. Lysan 
dros kehrt nach 
Sparta zurück 28. 
109. 



Vertreibung der 
Aristokraten aus 
Samos : neues Bünd- 
niss mit Athen. 
Lysandros abge- 
wiesen 26. 



Artaxerxes II. 
Mnemon König von 
Persien (404—358) 
230. 

Sommer Samos 
ergiebt sich Lysan 
dros. Einsetzung 
der ersten Dekar- 
chie. Thorax Har- 
most 7. 27. 



Herbst Lysandros 
führt in Thrakien, 
Eleinasien imd im 
Hellespont Oh'gar- 
chien und Dekar- 
chien ein. Härte 
gegen Thasos, Se- 
stos, Chios. Durch 
die Kleinasiaten 
hochgeehrt 7 f. 30 f. 
109. 

Alkibiades' Tod 32. 

Anfang Lysan- 
dros' Konflikt mit 



Konon findet bei 
Euagoras von Sa- 
lami (411—374) 
Aufiiahme 48. 115. 



Zeittafel. 



311 



V.CHR. 



OL. 



ARCHONTEN 



GRIECHENLAND 



ELEINASIEN 



AEGYPTEN 



94,2 



Eukleides 



402 



94,3 



Mikon 



401 



Vertreibung der 

Dreisdg durch 
Thrasybulos (Xen. 
Hell. II, 4, 21). 



FrühaommerLy- 
sandros kehrt nach 
Griechenland zu- 
rück 34" 36. 

Die Byssantier er- 
bitten einen sparta- 
nischen Harmosten 
30" 35. 

September Ver- 
söhnung d. Parteien 
in Athen (Plut. de 
de glor. Athen. 7 
p. 349 f.) 



94,4 



Xenainetos 



Parteischwan- 
kungen in Sparta. 
Lysandros' Führer- 
schaft 36 ff. 



Pharnabazos ; ab 
berufen 8. 32 ff. 
Auflösung der De 
karchien in Klein- 
asien 8. 35 f. 



Die ionischenStädte 
erklären sich für 
Kyros. Tissapher- 
nes besetzt Milet 36. 
Streitigkeiten zwi 
sehen Kyros und 
Tissaphernes 36. 
Artaxerxes lässt in 
Syrien ein Heer 
gegen Ägypten 
rüsten 151. 
Kyros von denLake 
daimoniem unter 
stützt belagertMilet 
36 f. 

Kyros' Rüstungen 
36 f. 109. 



Frühjahr Kyros* 
Zug gegen Artaxer 
xes. Erneute Unter 
Stützung durch die 
Lakedaimonier 37. 
109. 

Mania Pharnaba- 
zos' Unterstatthal- 
terin erobert (zwi- 
schen 403 und 400) 
Hamaxitos, Larisa 
und Kolonai 39. 
Tamos Kyros' Statt 
halter in lonien 38. 
Spätsommer Ky- 
ros unterliegt und 
fällt bei Kunaxa 40. 



Lysandros' Wall- 
fahrt nach Libyen 
34. 



Nepherites L 
Kömg von Aegyp- 
ten (402—396) 146. 
Psamut Neben- 
könig 151 f. 



312 



Zeittafel. 



y. CHB. 



OL. 



ABCHONTEN 



400 



95,1 



Laches 



399 



95,2 



GBIEOHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEGYPTEN 



Aristokrates 



Sparta schickt eine 
Gesandtschaft an 
Tissaphernes 42. 



SpätsommerThi 
bron setzt nach 
Eleinasien über 42f. 



Tissaphernes Eara- 
noB und Statthalter 
d. westlichen Elein- 
asiens 41. Wider- 
stand der ionischen 
Städte gegen ihn 
und Uüliegesuch 
in Sparta 41. 
RüCKzug der Zehn- 
tausend 40 ff, 
Tissaphernes bela- 
gert Ayme 42. 



Winter Der Rest 
der Zehntausend bei 
Seuthes von Thra- 
kien 42 ' ; durch 
Thibron angewor 
ben 44. 

Frühjahr Beginn 
d. Krieges zwischen 
Sparta u.Elis 182». 



Zweiter Einfall der 
Lakedaimonier in 
Elis 182«. 



Thibrons Streifeug 
in das Maiandros 
tal. Magnesia auf 
das Thoraxgebirge 
verlegt. 
Tissaphernes giebt 
die Belagerung von 
Kyme auf 43. 

Thibrons Winter- 
quartiere in Ephe- 
sos, das weiterhin 
das lakedaimoni 
sehe Hauptquartier 
bleibt 42» 43. 

Frühjahr Thibron 
vereinigt sich mit 
denKy reiern in Per 
gamon. Die Städte 
Dynasten von Per 
gamon und Umgeb- 
ung schliessen sich 
an Sparta an 44. 
Thibron belagert 
vergeblich Larisa ; 
abberufen 44. 

Spätsommer Der- 
kylidas Thibrons 
Nachfol^erschliesst 
mit Tissaphernes 
einen Waffenstill- 
stand 45. 



Tamos' Flucht und 
Tod in Aegypten 
41. 151 f. 



Zeittafel. 



313 



V.CHR. 



OL. 



ABOHONTEK 



QBIECHENLAND 



ELEINASIEN 



AEÖYPTEN 



398 



95,3 



397 



Ithykles 



Eine spartaniache 
Gesandtschaft un- 
ter Arakos geht 
nach Asien ab 46. 
Friede zw. Sparta 
und Elia 182'. 



Mania durch Mei- 
dias ermordet 45. 
Derkylidas bricht 
in Phamabazos* Sa- 
trapie ein und er- 
obert innerhalb 8 
Tagen die Troa845f. 

Waffenstillstand 
mit Phamabazos. 
Streifzug nach Bi 
thynien 46. 



König Agifl II. von 
Sparta (427—398) 
stirbt 180. 182'. 
Agesilaos durch 
Lj^^sandros zum Kö- 
mg erhoben (398 — 
358) 8. 53. 182. 



Eine Gesandtschaft 
der ionischen Städte 
bittet in Sparta 
einen Druck auf 
Tissaphernes auszu- 
üben 48. 50'. 

Verschwörung des 
Kinadon gegen den 
Adel in Sparta ent- 
deckt und unter- 
drückt 53. 



Frühjahr Zusam- 
menkunft des Der- 
kylidas und Arakos 
inLampsakos. Der- 
kylidas behält sein 
Kommando ; ver 
längert den Waffen- 
stillstand mit Phar- 
nabazos und befes 
tigt die thrakische 
Chersones 47. 50* 

Pharnabazos reist 
an den Perserhof 
u. setzt eine kräfti- 
gere Kriegführung,' 
gegen die Lakedai- 
monier durch 48 f. 
Arakos, der gleich- 
zeitig am Hofe 
weilt, durch Schein- 
verhandlungen zu- 
rückgehalten49'50. 
Derkylidas belagert 
Atarneus 47. 



Ktesias nachKypros 
und über Knidos 
nach Sparta. Phar- 
nabazos über Ky- 
pros nach Sardes; 
vereinigt sich mit 
Tissaphernes. Ko- 



Euagoras u. Konon 
verhandeln durch 
Ktesias mit Arta- 
xeraes über die Ver- 
treibung der Lake- 
daimonier. Aus- 
söhnung zwischen 
Artaxerxes u. Eua- 
gora8 48f., 50'117. 



314 



Zeittafel. 



y. OHB. 



OL. 



ABOHONTEK 



GBIEGHENLAND 



KLEINASIEN 



AEaTPTEN 



95,4 



Suniades 



non persischer Ad- 
mirai 50. 

Frühjahr Atar- 
neus durch Der- 
kjlidas genommen. 
DrakoB Harmost. 
Derkylidas kehrt 
nach Ephesos zu 
rück und erhält 
Befehl mit dem 
Nauarchen Pharax 
gegen Karien vor 
zugehen 47 f. 

Frühsommer Der 
kylidas trifft auf 
das vereinigte Heer 
des Tissaphemes u. 
Phamahazos bei 
Magnesia am Mai 
andros. Waffenstill 
stand 52. 
Konon sammelt sei 
ne Flotte in Eilikien 
52. 



Nach Sparta ge- 
langtNachricht von 
den persischen See- 
rüstungen. Lysan- 
dros Führer der 
Eriegspartei ; ver- 
mittelt A^esilaos 
den Oberbeiehl des 
nach Asien be- 
stimmten Heeres. 
Lysandros im 
Eriegsrat 53 f. 



396 



Frühjahr Agesi- 
laos setzt nach 
Ephesos über 55.' 



Herbst Pharax 
stört Eonons Rüst- 
ungen. Beginn des 
jEn^es um £ho- 
dosS RhodosHaupt- 
stützpunkt der lake- 
daimonischenFlotte 
54 f. 



Zeittafel. 



315 



an 



v.OHB. 



OL. 



ABOHONTEN 



OBIECHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEOYPTEN 



96,1 



Phormion 



395 



Tissaphemes und 
Agesilaos verlän 
gern den Waffen 
stillstand um drei 
Monate. Rüstun- 
gen auf beiden Sei- 
ten 56. 

Konflikt zwischen 
Agesilaos und Ly- 
sandros. Lysandros 

im Uellespont; 
macht Spithridates 
dem PharnfüiMizos 
abtrünnig 8. 56. 

Der Krieg gegen 
Tissaphernes be- 
ginnt. Tissapher- 
nes erwartet Ein- 
bruch in Karien. 
Agesilaos in der Ka- 
ystrosebene , dann 
nordwärts bis Das- 
kyleion; von Phar- 
nabazos zurückge- 
worfen 57 f. 

Herbst Rückkehr 
nach£phesos. Rüst- 
ungen 58 f. 

Konon durch Pha- 
rax in Kaunos be- 
lagert. Traurige 
Verhältnisse der 
persischen Flotte 
62». 

Frühjahr Die 
neuen Mitglieder 
des spartanischen 
Kriegsrates treffen 
ein. Lysandros 

kehrt mit den alten 
zurück 9. 59. 

Agesilaos bricht 
wieder in die Ka- 

ystrosebene ein. 
Tissaphernes folgt. 
Gefechte am Sipy- 
los und bei Sardes. 



Eine lakedaimoni- 
sche Gesandtschaft 
erbittet vom Aegyp- 
terkönigNephentes 
Unterstützung 62. 
152. 

Nepherites I. stirbt 
14e.l52. Akoris 
König von Aegyp- 
ten (396—388) 146. 
Nebenkönig Hercy- 
nion (Hamebcha?) 
153. 



316 



Zeittafel. 



Y. OHR. 



OL. 



AKCHONTEN 



GRIECHENLAND 



ELEINA8IEN 



AEGYPTEN 



96,2 



Diophantos 



Krieg zwischen Lo- 
kris, Theben, Athen 
und Phokis, Sparta 
Schlacht bei Hali- 
artos. Lysandros 
fällt (9. 68 f.). 



Pharax abberufen 
und Agesilaos die 
Wahl eines Nau- 
archen übertragen 
69. 

König Pausanias 
verbannt. Agesi- 
polisl. König von 
Sparta (394—380) 
(Sievers Gesch. Gr. 
36). 

Die Athener begin 
nen den Wiederauf 
bau der Peiraieus 
mauern 81. 82'. 



Agesilaos* Sieg bei 
Tnybama. Rück 
marsch nach £phe 
SOS. Tissaphernes 
geht auf Sardes 
zurück 59 ff. 

Frühjahr Konon 
durch Phamabazos 
und Artaphemes 
entsetzt. Pharax 
nach Rhodos 63. 

Rhodos fällt von 
Sparta ab 64. 

Die von Aegypten 
kommendefürSpar- 
ta bestimmte Ge- 
treide und Schiffs 
bauhol zsendung 
durch Konon in 
Rhodos abgefangen 
65. 152. 

Mittedes Jahres 
Konon reist zum 
Grosskönig 63 \ 

Klagen gegen Tis- 
saphernes. Tissa- 
phernes' Sturz be- 
schlossen. Tithrau- 
stesKaranos. Phar- 
nabazos Konon bei- 
geordnet 66 f. 

Hinrichtung des 
Tissaphernes in Ke- 
lainai 67 f. 
Tithraustes nach 
Sardes ; schliesst 
einen sechsmonat- 
lichen Waffenstill- 
stand mit Agesi- 
laos 68. 

Timokrates nach 
Griechenland ge- 
schickt 68. 



Spätsommer A 
gesilaos ernennt 
Peisandros zum 



Zeittafel. 



317 



Y. GHB. 



OH 



ABGHOMTKN 



GRIECHENLAND 



KI.EINASIEN 



AEGTPTSN 



394 



Unier Timokrates' 
Einfloss kommt ein 

Angiiffsböndniss 
gegen Sparta zwi- 
schen Athen, The- 
ben, Eorinth nnd 
Argos zu stände 9. 
69. 



96,3 



Eubulides 



Agesilaos' Rück 
marsch von Sestos 
durch Thrakien 73. 

Sieg der Lakedai 
monier über die 
Verbündeten bei 
Nemea. (Sievers 
Gesch. Gr. 384). 



Nanarchen. Neue 
Flottenrfistang69f 

Agesilaos plündert 
im hellespontischen 
Phrygien. Weiter- 
marsch nach Pa- 

phlagonien. 
Freundschaft mit 
Otys; verlobt dess. 
Tochter mit Spi 
thridates 70. 

Ende des Jahres 
Konon kehrt zur 
Flotte zurück 66. 72. 

Agesilaos überwin- 
tert bei Daskyleion. 
Zusammenkunft m. 
Pharnabazos 71 f. 

Phamabazos Kara- 

nos 72*. 

Frühjahr Agesi- 
laos in die Aiolis 
nach Thebes Pedion 
72 ; heimberufen 
nach Sparta 9. 69. 
72. 

Der Seekrieg durch 
Konon wieder er- 
öffnet 72. 



August Agesilaos 
siegt bei Koroneia 
(Sievera 385). 



Anfang August 
Konon und Phar- 
nabazos siegen ent- 
scheidend bei Kni- 
dos 10. 72 ff. 

Diekleinasiatischen 
Insel- u. Festlands 
städte, denen Phar 
nabazos Freiheit u. 
Selbständigkeit ge 
währleistet, fallen 



1 



318 



Zeittafel. 



Y. OHB. 



OL. 



ABGHONTEN 



OBIE0HENLA.ND 



KLEINiLSIEN 



AEGTPTEN 



393 



96,4 



Demostratos 



Frühjahr Phar- 
nabazos und Konon 
brechen auf den 
Ejkladen die lake- 
daimonische Herr- 
schaft. Verwüstung 
der messenischen 
Küstenebene. Phoi- 
nikus auf Kythera 
genommen 10. 81. 

Bündniss zwischen 
Persien u. der anti- 
8pai*tani8chen Liga 
in Korinth. Phar- 
nabazos kehrt nach 
Asien zurück 81. 

Konon nach Athen ; 
hochgeehrt zusam- 
men mit Euagoras ; 
vollendet den Wie- 
deraufbau der lan- 
gen und der Pei- 
raieus- Mauern 81 f. 
Vergeblicher Ver- 
such eine Familien 
Verbindung zwisch. 
Dionysios I. von 
Syrakus und Eua- 
goras zu vermitteln 
82 f. 117. 

Konon veranlasst 
verschiedene Städte 



von Sparta ab ; aus 
ser Abydos 10. 79. 

Konon hochgefei 
ert. Anfänge eines 
neuen athenischen 
Seebundes 80. 

Konon und Pharna- 
bazos belagern ver- 
geblich Abydos 79. 

Rhodos, Samos, E 
phesos, Knidos, la 
808 schliessen einen 
Verteidigungsbund 
10. 80. 



Hekatomnos von 
Mylasa mit d.Satra- 
pie Karlen belehnt 
(zwischen 395 und 
391) 233. 



Zeittafel. 



319 



▼. GHB. 



OL. 



ARCHONTEN 



392 



97,1 



GRIECHENLAND 



KLEINASIEN 



Philokles 



zum Anschluss an 
Athen 10. 83 ff. 

Der korintliisclie 
Krieg veriäuft für 
Sparta ungünstig 
83«. 



Tiribazos Karanos 
in y orderkleinaaien 
83«. 

Die Lakedaimonier 
beschweren sich bei 
Tiribazos über Ko- 
nonsTätigkeit : An- 
talkidas 83 f. 

Gesandte v. Athen, 
Theben , Korinth, 
Argos zu Tiribazos 

84. 

Winter: ergeb- 
nisslose Verhand- 
lungen. Tiribazos 
lakonerfreundlich . 
Abreise der Ge- 
sandten. Eonon 
nach Sardes gelockt 
und verhaftet. Ti- 
ribazos reist an den 
Hof 84. 



Frühjahr Agesi- 
laos erobert Legal- 
on 85. 

Friedensverhand- 
lungen zwischen 
Athen und Sparta 
(Andokides' Frie 
densrede) ohne Be 
sultat 11. 85. 

Frühaommer I 
phikrates vernich- 
tet bei Korinth eine 
spartanische Mora 
85. 



Konon entflieht zu 
Euagoras 11. 86. 
89'. 117. 



Struthas Karanos 
in V Orderkleinasien 
athenerfreundlich 
85 ff. 



AEGYPTEN 



Konon hetzt Eua- 
goras gegen Persien 
117 f. 






320 



Zeittafel. 



V. CHB. 



OL. 



ABCHONTEN 



GBIEGHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEGYPTEN 



391 



97,2 



Nikoteles 



Der korinthische 
Krieg bleibt ohne 
Entscheidung 87. 



390 



97,3 



Demostratos 



Sparta nimmt den 
Kampf gegen Per- 
sien wieder auf. 
Thibron landet in 
Ephesos und ver- 
schanzt sich 86. 

Parteikämpfe in 
Rhodos 88. 90. 



Herbst Die athe- 
nische Flotte sta- 
tioniert bei Oinia- 
dai 87. 



Euagoras erobert 
einen grossen Teil 
von Kypros 14. 88. 
117 f. 



Sommer EineGe 
sandtschaft des Eu 
agoras in Athen, 
ßündniss Athens 
mit EuagoraB und 
Akoris v. Aegypten 
U. 88 f. 120. 

In Sparta Gesandte 
der siegreichen Ari- 
stokraten aus Rho 
dos 89 f. 



Priene , Ma^esia 
a. M. , Achilleion 
schliessen sich wie- 
der an Sparta an 
87. Knidosfolgt9(). 

Thibron unter- 
nimmt Streifzüge 
im Maiandrostal; 
fällt im Kampf 
gegen Struthas 87. 

Die Demokraten in 
Rhodos gewinnen 
die Oberhand 90 f. 



Eine athenische 
Flotte unter Philo 
krates wird Eua 
goras zu Hülfe ge- 
sandt 91. 



Ekdikos an der 
Spitze eines lake 
daimonischen Ge- 
schwaders soll die 
Aristokraten unter- 
stützen. Mit ihm 
l )iphridas Thibrons 
Nachfolger nach 
Asien 90. Teleutias 
m . einer zweit, spar- 
tanischen Flotte zur 
Verstärkung her- 
angezogen; bringt 
Samos zum Abfall 
von Athen u. fangt 
das Geschwader des 
Philokrates ab 91. 
120. 

Der Sonderbund 
zwischen Rhodos, 



Hekatomnos von 
Karien und Auto- 
phradates v. Lydien 
gegen Euagoras ge- 
schickt 14. 88. 119. 
233. 

1. Periode des 
kyprischen Krie- 
ges (390—386) Eu- 
agoras bleibt im 
Vorteil: von Athen, 
Hekatomnos, Ako- 
ris unterstützt 122 f. 
235. 



Zeittafel. 



321 



T. CHR. 



OL. 



ARCHONTEN 



389 



97,4 



Antipater 



GRIECHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEGYPTEN 



Bestürzung u. Ent- 
rüstung in Athen, 
wegen Philokrates' 
Missgeschick 91. 



Nikophemos und 
Aristophanes hin- 
gerichtet 91. 120'. 

Frühjahr Thra- 
sybulos mit 40 
Schiffen den Rho- 
diern zu Hülfe ge- 
schickt 11. 92. 



Samos , Ephesos, 
l£tö08, Knidos löst 
sich auf 91 '. 

Diphridas nimmt 
Struthas' Schwie 
gersohn Tigranes 
gefangen und lässt 
ihn gegen hohes 
Lösegeld frei 100. 

Ekdikos kehrt nach 
Sparta zurück 91. 



Thrasy bulos imHel 
lespont ; versöhnt 
die Thrakerfürsten 
Medokos u. Seuthes 
und gewinnt sie für 
Athen ; veranlasst 
die thrakischen und 

hellespontischen 
Städte (Thasos, By- 
zantion.Ealchedon) 
zum Anschluss an 
den Seebund 95 f. 

Abydos bleibt in 
Spartas besitz 96'. 

D. athenische Feld- 
herr Pamphilos von 
dem lakedaimoni- 
schen Nauarchen 
Eteonikos in Aigina 



Die rhodischen De- 
mokraten behaup- 
ten die Herrschaft. 
Thraaybulos grün- 
det einen neuen 
attischen Seebund. 
» Da.8 Zwanzigstel 
des Thrasybulosc 
12. 92 ff. 



Phamabazos Athen 
wohlgesinnt 96. 



Hierax Teleutias* 
NachfolgervorRho- 
dos 97. 

D. lesbischen Städte 
auss. Mytilene wen- 
den sich von Athen 
ab 96. 



Erster persi- 
scher Angriffs- 
krieg gegen Ae- 
gypten(389— 387) 
11 £ 153 ff. 



JUDEICH, Kleinasiatische Studien. 



21 



322 



Zeittafel. 



Y.GHB. 



OL. 



ABCHONTEN 



GRIECHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEOYPTEN 



388 



98,1 



Pyrrhion 



belagert. Teleutias 
unternimmt Beute- 
züge auf den Inseln 
97'. 

Klagen einiger der 
neuen Bundesge- 
nossen in Athen 
12. 94. 



Thrasybulos' Mit- 
feldherm zur Be- 
richterstattung 
nach Athen berufen 
96. 



Prozess ge^en Pam- 
philos 97 ^ 



Ein Sturm vernich- 
tet einen Teil von 
Thrasybulos' Flotte 
vor Lesbos. Der la- 
kedaimonischeHar- 
most vonM ethy mna 
Therimachos fällt 
im Kampfe gegen 
Thrasybulos. Das 
Gebiet v. Methym- 
na und der an- 
deren widerspensti- 
gen Städte ver- 
wüstet. Antissa u. 
Eresos schliessen 
sich wieder an A- 
then an. Winter- 
quartiere 96 f. 98«. 

Anaxibios löstDer- 
kylidas als Harmost 
von Abydos ab. 
Raubkrieg 99. 



Frühjahr Thra- 
sybulos über Chios 
und Rhodos nach 
d. kleinasiatischen 
Südküste. Handels- 
vertrag mit Pha- 
selis. Thrasybulos' 
Tod in Aspendos 9ö. 

Sieg der Aristokra 
ten in Rhodos. Die 
athenische Flotte 
tritt für die Demo 
kraten ein. Agyr- 
rhios Thrasybulos' 
Nachfolger 98 f. 



Prozess und Verur- 
teilung von Thra- 
sybulos' Mitfeld- 
herm: Ergoklesl2. 
96. 

Iphikrates gegen A- 
naxibios in d. HeUe- 
spont geschickt 99. 



Zeittafel. 



323 



T.CHB. 



OL. 



ABGHONTEN 



887 



GBIEOHENLAND 



ELEIKASIEN 



98,2 



Theodotos 



D. atheniache Flotte 
sammelt bei Thasos 
u. Samothrake 100. 

Antalkidas sparta 
nischer Nauarch 
100. 

Der Krieg zwischen 
Sparta und Athen 
um Aigina mit 
wechselndem Er 
folg geführt 101. 



Frühjahr Cha- 
brias mit 10 athe- 
nischen Schiffen Eu- 
agoras zu Hülfe ge- 
schickt 101. 123. 



Iphikrates überföUt 
Anaxibios auf dem 
Rückmarsche von 
Antandros. Anaxi- 
bios fällt 99 f. 

Streifzüge des Iphi- 
krates an der Nord- 
westküste Klein- 
asiens 100. 

Umschwung in der 

?ersischen Politik, 
'iribazos Karanos 
100. 



Herbst Antalki 
das landet in Ephe- 
sos und reist zu 
Tiribazos 100. 

Sein Epistoleus Ni- 
kolochos nach Aby- 
dos; plündert auf 
der Fahrt dorthin 
in Tenedos 100 f. 

D. athenischeFlotte 
blokirt Nikolochos 
in Abydos 101. 

Tiribazos an den 
Perserhof, wo er 
gnädig empfangen 
wird 101. 103. 



Streifzüge d. Athe- 
ners Diotimos 101. 



Sommer E^lazo- 
menai, das eine Zeit 
lang sich von Athen 
gelöst hat, schliesst 
sich wieder an den 
athenischen Bund 
an 101. 

Die Athener halten 
die ßlokade von 



AEGYPTEN 



Euagoras und Cha- 
brias erobern Ama- 
thus 122 f. 

Der aegypt. Krieg 
endigt ungünstig 
für Persien 156 f. 



2P 



324 



Zeittafel. 



Y. OHB. 



OL. 



ARCHONTEN 



GBIEGHENLAND 



KLEINASIEN 



AEGYPTEN 



386 






98,3 



Abschluss ^esFrie 
dens in Sparta 12. 
105 f. 



Abydos aufrecht u. 
sperren mit zwei 
weiteren Geschwa- 
dern die Strasse des 
Hellespont und Bos- 
poros 103. 

Antalkidas kehrt m. 
einem Bündnissver- 
trag von Artaxerxes 
zurück u. schleicht 
sich nach Abydos 
durch 103. 

Er bricht die Blo- 
kade, fängt das von 
Tenedos herankom- 
mende athenische 
Geschwader ab und 
erhält durch syra- 
kusische und per- 
sische Schiffe Ver- 
stärkung. Die athe- 
nische Slotte vom 
aegaeischen Meere 
ausgesperrt 103 ff. 

Tiribazos ladet zu 

einem Kon^ress 
nach Sardes em 105. 

Bei Phokaia und 
Kyme sammelt un- 
ter Tiribazos' und 
Orontes' Befehl ein 
persisches Heer ge- 
gen Aegypten. 

Chios,Mytilene,Me- 
thymna, Byzantion 
bleiben im Bünd- 
niss mit Athen 265. 



Mystichides 



König Bhoikos von 
Amaihus sendet d. 
Athenern Getreide 
123». 



2. Periode des 
kyprischen Krie- 
ges (386—385). 

Chabrias, von Eua- 
goras wegberufen, 
jreht nach Aegyp- 
ten 124. 158. 

Frühling Tiri- 
bazos und Orontes 
über Eilikien nach 
Kypros 123. 

Euagoras fänut die 
persischenZufuhren 
ab: Hungersnot. 



Zeittafel. 



325 



Y. CHR. 



OL. 



AROHONTEN 



GRIECHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEGTPTEN 



385 



98,4 



Dexitheoa 



884 



99,1 



Diitrephes 



383 



99,2 



Phano- 
stratos 



Sparta vergewal- 
tigt Mantineia 
(Sievers Gesch. Gr. 
390) 17. 

Abfassung von Iso- 
krates' Busiris 156*. 



Artaxerxes kämpft 
unglücklich gegen 
die Kadusier ; durch 
Tiribazos gerettet 
129 f. 

Datames erhält die 
väterliche Provinz 
in Südkappadokien 
191. 

Tiribazos' Prozess: 
Freisprechung und 

B«cntfertigung. 
Orontes' Friede mit 
Euagoras verwor- 
fen. Orontes in Un- 
gnade : nach My- 
sien verbannt 130. 
221 fp. 

Tachos Glos' Nach- 
folger in der Füh- 
rung der Aufstän- 
dischen gründet 



Euag. durch Akoris 
V. Aegypten unter- 
stützt verstärkt sei- 
ne Flotte; verliert 
die Entscheidungs- 
schlacht bei Kition 
124 f. 157. 

Die Perser belagern 
vergeblich Idalion 
und schUeasen Sa- 
lamis ein 125. Ti- 
ribazos zum Gross- 
könig; Euagoras 
nach Aegypten 126. 

Frühiahr Rück- 
kehr beider. Er- 
folglose Unterhand- 
lun^^en. Euagoras 
u. Orontes im Ein- 
verständniss : Tiri- 
bazos gestürzt 128. 

3. Periode des 
kyprischen Krie- 
ges (384—383). 

Orontes wortbrüch- 
ig; setzt die Bela- 
gerung fort. Meu- 
terei sein. Truppen. 
Friede m. Euagoras 
128 f. 

Glos , Tiribazos' 
Schwiegersohn, be- 
reitet den Abfall 
V. Grosskönig vor. 
Bündnisse mit Ae- 
gypten und Sparta ; 
ermordet 13u. 158. 
190. 

Chabrias' ^ossar- 
tige Befestigungs- 
anlagen in Aegyp- 
ten 158 f. 

Akoris stirbt. Psa- 
m u t König von 
Aegypten (383— 
382) 146. 159. 



326 



Zeittafel. 



Y. OHB. 



OL. 



ABGHONTEN 



GBIECHENLAND 



ELEINASIEN 



AEGYPTEN 



382 



99,3 



Euandros 



381 



99,4 



Demophilos 



380 



100,1 



Pytheas 



Winter Gesandte 
aus Akanthos und 
Apollonia bitten in 
Sparta um Hülfe 
gegenOlynthos 137. 
139. 

Frühjahr Euda- 
midas rückt nach 
Olynth ab. 

S om m e r Sein Bru- 
der Phoibidas folgt. 

August Einnahme 
der Eadmeia 139. 

Herbst Teleutias 
Befehlshaber vor 
Olynth 139. 



Teleutias fällt 139 f. 
^^treitigkeiten zwi- 
schen Athen und 
Sparta über die 
Kykladen 17. 264. 

S mm e r König 
Agesipolis nach 0- 
lynth geschickt 138. 

Herbst Agesilaos 
schliesst Phlius ein 
141. 

Abschluss von Iso- 
krates' Panegy rikos 
137 flF. 



Leukai in lonien. 
Kämpfe mit den 
persischen Reichs- 
truppen ; stirbt 191. 



Datames erhalt 
ganz Kappadokien 
als Provinz 191? 



Persien verlangt 
Chabrias' Abberu- 
fung aus Aegypten 
158. 



Agesipolis I. stirbt 
138. Kleombro- 
tos I. König von 
Sparta (380—371). 

Polybiades über- 
nimmt das Kom- 
mando vor Olynth 
139 f. 



4. Periode des 
kyprischen Krie- 
ges (382—381). 

Tiribazos über- 
nimmt das Kom- 
mando vor Salamis 
131. 

Psamut stirbt. Mu- 
thes König von 
Aegypten (382— 
381) 146. 159. 



Muthes stirbt. Ne- 
pherites IL Kö- 
nig von Aegypten 
(381) 146. 159. 

NepheritesILstirbt. 
Nektanebos I. 
König von Aegyp- 
ten (381—363) 146. 
160. 

Euagoras in gröss- 
ter Bedrängniss bit- 
tet Sparta um Ver- 
mittlung 15. 131. 

Frieden zwischen 
Euagoras und Per- 
sien 121. 131. 



Zeittafel. 



327 



V.CHR. 



OL. 



ARCHONTEN 



GRIECHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEGYPTEN 



379 



100,2 



Nikon 



378 



100,3 



Nausinikos 



377 



100,4 



Eallias 



Chabrias kehrt aus 
Aegypten zurück 
158. 

Phlius ergiebt sich 
141. Olynth fäUt 
140. 



Chabrias Stratege 
158. 

Iphikrates heiratet 

eine thrakische 
Prinzessin 160. 

December Befrei- 
ung Thebens. 



Sphodrias' Einfall 
in Attika 266». 

Bündnisse Athens 
mit Theben und 
Chalkis 266. 

Herbst Athen 
bricht mit Sparta 
und bereitet ein 
grosses gegen Spax- 
fiai gerichtetes Bünd- 
niss vor 266 ff. 



Iphikrates reist 
nach Syrien zum 
persischen Heere 
160. 

Gründung d. zwei- 
ten attischen See- 
bunds: Chios, ßy- 
zantion , Rhodos, 
Mytilene, Methym- 
na 17. 266 ff. 

Theben, Tenedos 
u. a. treten dem 
Bunde bei 270. 



Unter Phamabazos 
ein persisches Heer 
gegen Aegypten in 
Ake gerüstet 158. 
160 ff. 



Datames unterwirft 
(Anfang der 70er 
Jahre) den Paphla- 
gonerkönig Thuys 
und begiebt sich 
darauf zum Heere 
nach Ake 192. 



Hekatomnos v. Ka- 
rien stirbt. M a u s - 
sollos Satrap (377 
—353) 226. 236. 



328 



Zeittafel. 



Y. OHB. 



OL. 



AECHONTEN 



GRIECHENLAND 



ELEINASIEN 



AEGYPTEN 



876 



101,1 Gharisandros 



375 



101,2 



374 



101,3 



Hippodamas 



^okratides 



September Cha 
brias' Sieg über die 
Lakedaimonier bei 
Naxos ( Schaefer 
Dem. !• 41). 



Die Kerkyraier, A- 
karnanen, Eephal- 
lenier, Alketas, Neo- 

^tolemos, lason 
M itglieder des athe- 
nischen Seebundes 
(Schaefer 1« 47 ff. 
Fabricius Rh. Mus. 
XLVI 589 ff.) 



Kurzer Friede zwi- 
schen Athen und 
Sparta (Schaefer P 
51 ff.). 



Antissa und Eresos 
treten in den athe- 
nischen Seebund 
ein 270. 

Chabrias' Angriff 
auf Samos abge- 
schlagen 270. 

Pharnabazbs wird 
d. Oberbefehls über 
das gegen Aegyp- 
ten bestimmte Heer 
enthoben u. durch 
Datames ersetzt 160 
f. 192. 

Datames unterwirft 
Aspis v.Kataonien; 
kehrt zum Heere 
zurück; entflieht in 
seine Satrapie 162 
192. 

Phamabazos wie 
der im Kommando 
160» 162. 

Frühjahr Das 
persische Heer tritt 
d. Vormarsch gegen 
Aegypten an 162. 

Straton I. König v. 
Sidon (374—358?) 
174«. 

Datames besetzt 
(Ausgang der 70er 
Jahre) eigenmäch 
tig Paphlagonien 
u. belagert feinope 
giebt aber auf be- 
fehl d. Grosskönigs 
die Belagerung au ~ 
192 f. 



Kämpfe an der men- 
desischen Nilmün- 
dung 162. Streitig- 
keiten zwischen 
Phamabazos und 
Iphikrates 163. 

Rückzug des persi- 
schen Heeres nach 
Phoinikien 15.163. 

Euajs^oras von Sa- 
lamis u. sein Sohn 
Pnytagoras ermor- 



Zeittafel. 



329 



V.CHR. 



OL. 



ABCHONTEN 



aBIECHENLAND 



373 



101,4 



KLEINASIEN 



AEGYPTEN 



Agteios 



372 



102,1 



Alkisthenes 



371 



102,2 



Phrasiklei- 
des 



Frühjahr Timo- 
theos läuft aus um 
Kerkyra zu unter- 
stützen 163. Gross- 
te Ausdehnung des 
zweiten attischen 
Seebundes (Schae- 
fer I« 58). 

Iphikrates Stratege 
163. 

Wi n t e r Timotheos 
durch Iphikrates u. 
Kallistratos ange- 
klagt 163. 

Frühjahr Timo- 
theos begiebt sich 
mit Genehmigung 
des Volkes zu Fhar- 
nabazos. 



Juni Friedenskon 
gress in Sparta. 
Nur Theben tritt 
dem Frieden nicht 
bei 160» 273. 

Juli Schi acht bei 
Leuktra (Schaefer 
I« 77) 18. 

Kleombrotos I. fällt. 
Agesipolis II. 
König von Sparta 
(371 — 370) niod. 
XV 60,4. 

Eine athenische Ge 
sandtschaft unter 
Leon u. Timagoras 
geht nach Persien 
198'. 



Iphikrates entflieht 
nach Athen 163. 



detl31f. Nikoklea 
König (374—358?) 
132. 



330 



Zeittafel. 



▼. GHB. 



OL. 



ABGHONTEN 



aBIEGHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEGTPTEN 



370 



102,3 



369 



DyskinetoB 



102,4 Lysistratos 



368 



103,1 



Nausigenes 



Züflammenbracli d. 
peloponnesischen 
Symmachie (Schae- 
fer !• 80). 

A^esipolis IL stirbt. 
Eleombrotos IL 
König von Sparta 
(370 — 309) Diod. 
XV 60,4 XX 29,2. 

Einfall der Theba 
ner in die Felo- 
ponnes. 

Messene und Mega- 
lopolis gegründet 
(Schaefer V 81 f.). 



Das erste von Dio- 
nysios von Syrakus 
an Sparta gestellte 
Hülfscorps zieht ab 
197». 



Samos sucht bei 

Persien Hülfe: 
durch Kyprothemis 
besetzt 271. 

Datames empört 
sich (Anfang der 
60er Jahre) §egen 
Artaxerxes. Sinope 
und Amisos besetzt 
193 f. Autophra- 
dates kämpft ge^en 
ihn. Datajnes siegt 
195. 

Vergeblicher An- 
griff des Iphikrates 
auf Samos 271 f. 



Ariobarzanes ent- 
sendet Philiskos V. 
Abydos nach Grie- 
chenland 197. 



Friedenskongress in 
Delphi ohne Resul- 
tat 197. 

Philiskos knüpft 
mit Athen u. Sparta 
Verbindungen an 
197. 



ii-^ 



Zeittafel. 



331 



y.CHB. 



OL. 



ABGHONTEN 



367 



10:^ 2 



Polyzelos 



366 



GBIECHENLAND 



KLEIN ASIEN 



Der »thränenlose 
8aeg* derlo^edai- 

monier über die Ar 
kader. Das zweite 
Hülfscorps des Dio 
nysios von Syrakus 
verlässt Sparta 197. 

Philiskos reist nach 
Asien zurück. Der 
Spartaner Euthy 
kies begebt sich 
z. Grosskönig 197. 
Gesandte aus The- 
ben, Athen, Arka- 
dien und Elis folgen 
197 f. 273. I 



Straton von Sidon 
unterstützt d. athe- 
nischen Gesandten 
198». 



Rückkehr der Ge- 
sandten aus Persien . 
Der Athener Tima- 
goras hingerichtet. 
Eine neue atheni- 
sche Gesandtschaft 
erreicht günstigere 
Bedingungen (An 
erkennung d. athe 
nischen Ansprüche 
auf Amphipolis ) 
199. 

Kotys V. Thrakien 
greift durch Maus 
sollos unterstützt 
Sestos u. Krithote 
an 202. 



Pelopidas erreicht 
beim Grosskönig 
die Anerkennung 
Thebens als füh- 
render Macht 198. 
Antalkidas' verun- 
glückte Gesandt- 
schaft 198*. 

MausRollos synoiki- 
sirt Ualikamassos 
16. 285 ff. 

Ariobarzanes em- 
pört sich 199. 

Ariob. durch Auto- 
phradates u. Maus- 
sollos in Adramyt 
teion und Assos 
belagert 202. 237. 

Die karische Bun 
desgemeinde sucht 
vergeblich Maussol 
los beim Grosskönig 
zuverdächtigen236. 

Frühling Timo 
theos kommt mit 
einem athenischen 
Geschwader Ario- 
barzanes zu Hülfe 
18.199. Mai Tim. 
wendet sich zur Be- 



AEGTPTEN 



332 



Zeittafel. 



y. OHB. OL. 



ARGHONTEN 



GRIECHENLAND 



KLEINASIEN 



AEÖYPTEN 



365 



103,3 



364 



103,4 



Eephiso- 
doros 



Chion 



104,1 



Timokrates 



Isokrates' Archida- 
moB abgefasst 164 '. 

Winter Beschluss 
Athens für Ery thrai 
200'. 



lagerung v. Samos 
200. Agesilaos be- 
giebt sich zu Ario- 
barzanes 202. 

Datames' Angriffs- 
krieg gegen Persien 
204. 

Synoikismos von 
Kos 237. 281. 



Timotheos entsetzt 
Sestos und Erithote 
201'. Ein Gesuch 
des Rates von Hera- 
kleia am Pontos 
abgewiesen 274. 



Athenische Söldner 
in Perinthos durch 
Philiskos besoldet. 

Athenische Kleru- 
chen gehen nach 
Sestos ab 201. 276. 

Ehren in Athen für 
Ariobarzanes, des 
sen Söhne und für 
Philiskos u. Agauos 
201'. 



Frühjahr Timo- 
theos erobert Sa- 
mos. Die Insel athe- 
nisch : ein Teil der 
Bewohner vertrie- 
ben 18. 200 f. 273. 

Athenische Kleru 
chen nach Samos 
abgeschickt 200*. 



Autophradates und 
Maussollos geben 
die Belagerung von 
Assos und Adra- 
mytteion auf 202. 

Ariobarzanes über- 
lässt Sestos u. Eri- 
thote den Athenern 
201. 203. 

Agesilaos reich be- 
schenkt 202'. 203. 



Agesilaos vonMaus 
sollos eingeladen 
203. Agesilaos und 
Idrieus 203». 237. 



Zeittafel. 



333 



T. CHB. 



OL. 



ARCHONTEN 



GRIECHENLAND 



ELEINA8IEN 



AEGYPTEN 



363 



104,2 Charikleides 



Timotheos nach der 
Chalkidike ; bela- 
gert Amphipolis 
214' 274. 

Epameinondas' Ex- 
pedition nach dem 
Hellespont. Der A- 
thener Laches ge- 
schlagen. Byzan- 
tion , Chios und 
Rhodos für Theben 
gewonnen. Ein Ge- 
such des Rates von 
Herakleia am Pon- 
tos abgewiesen 18. 
274 f. 



Timotheos wieder 
im Hellespont: er- 
obert Byzantion zu- 
rück 275. 



l'imotheos' ünter- 
feldherr Alkima- 
chos vor Amphi- 
polis zur Kapitu- 
lation gezwungen 
277. 

Ghabrias Stratege 
164 f. 

Timotheos nimmt 
den Kampf gegen 
Amphipolis wieder 
auf 277. 



Agesilaos erhält 
auch von Tachos 
V. Aegypten Geld- 
geschenke u. kehrt 
nach Sparta zurück 
204. 



Kyzikos durch Ti- 
motheos entsetzt 
275. 

Klearchos Tyrann 
in Herakleia am 
Pontes 276. 



Nektanebosl .stirbt. 
Tachos König v. 
Aegypten ( 363 ~ 
361) 146. 



D. Aufstand d . klein- 
asiatischen Küsten- 
satrapen greift wei- 
ter um sich. 0- 
rontes Oberfeldherr 
205. 



334 



Zeittafel. 



T.OHB. 



OL. 



ABCHONTEN 



OBIECHENLAND 



KLEINASIEN 



AEGYPTEN 



362 



104,3 



Molon 



361 



Tachos' Gesandte 
in Athen 165*. 

Timotheos giebt die 
Belagerung v. Am- 
phipolis auf 214'. 

*277. 

Schlacht bei Man- 
tineia 18. 164. 

September D. A- 
thener beschliessen 
eine grosse Flotten 
rOstung 278. 



Das athenische 
Geschwader kreuzt 
(bis Anfang 360) 
im Hellespont 214' 

278. 



Orontes verrät seine 
Genossen , ebenso 
Bheomithres. Da- 
tames ermordet. 
Ariobarzanes ge- 
fangen und gekreu- 
zigt 15. 164. 206. 



Artabazos Satrap v. 
Daskyleion 206". 

Orontes in seine 
Grbsatrapie Arme- 
nien wiedereinge- 
setzt 207. 224. 

Autophradatea und 
Maussollos ziehen 
sich vom Aufstande 
zurück. Thronstrei 
ti^eiten amPerser- 
hofe durch Ochos 
angestiftet. Der 
Thronfolger Darei- 
os u. Tiribazos hin- 
gerichtet 16. 207. 
225. 231. 



Tachos rüstet gegen 
Persien 165. 



Chabrias und nach 
ihm A^esilaos tref- 
fen bei Tachos ein 
165. 



104,4 



Nikophemos 



Die Athener durch 
Alezander v. Pherai 
bei Peparethos ge- 
schlagen (Schaefer 
V 132). 



Artabazos empört 
sich; mit ihm 0- 
rontes, der in Vor- 
derasien geblieben 
ist 16. 207. 223 f. 

Tachos bricht in 
Phoinikien ein 166. 

Erster Nachschub 
athenischer Kleru 
chen nach Samos 
278. 

Die Truppen fallen 
vom König Tachos 
ab. Tachos flieht zu 
Straten von Sidon. 
Auch Agesilaos geht 
über 166. 



Zwistigkeiten zwi- 
schen Tachos und 
Agesilaos 165 f. 



Empörung d. Statt- 
halters lachos in 
Aegypten. Dessen 
Sohn Nektanebos 
zum König ausge- 
rufen 166.208. Per- 
sien unterstützt die 
Revolution 168 f. 



SSeittafel. 



335 



V.CHR. 



OL. 



AROHONTEN 



GRIECHENLAND 



KLEINASIEN 



AEQTPTEN 



860 



105,1 



359 



Eallimedes 



Kotys fasst auf der 
Ghersones festen 
Fuss (Schaefer I 
154). 



Sestos durch die 
Abydener genom 
inen 278. 

Timotheos belade: 
Amphipolk 214'. 



Eephisodotos nach 
demHellespon 1 214 
279. 



Charidemos bei Eo- 
tys ; kämpft gegen 
Athen 279 f. 

Philipp IF. König 
V. Makedonien (359 
—336) Schaefer II • 
15 ff. 

Kotys ermordet. 
Thronwirren in 



Tachos flieht wei- 
ter ; von Ochos ge- 
fangen (Ochos' »er- 
ster Aegypterzug«) 
lH7f. 

Verstümmelung v. 
Hekatomnos Stand 
bild in Mylasa 239. 

Artabazos durch 
Autophradates ge- 
fangen 207. 

Eubulos von Bithy- 
nien gründet eine 
Herrschaft in Assos 
und Atarneus 208. 

Charidemos v.Oreos 
nimmt bei Mentor 
und Memnon, Ar- 
tabazos* Schwägern 
Dienste 214' 279. 

Orontes erscheintin 
Syrien. Ochos er- 
kennt Nektanebos 
als König an 169. 
208. 

Artabazos freige- 
lassen 207. 279. 

Kyzikos erobert 
Prokonnesos 278. 

^Charidemos besetzt 
Skepsis, Kehren u. 
Ilion; von Artaba 
zos belagert; unter 
dem Druck Athens 
freigelassen 214' 
278 ff. 

Ilion frei 280. 

Maussollos* Streif- 
züge gegen d. Grie- 
chenstäate und die 
Lykier 240 ff. 



Nektanebos IL 
König von Aegyp- 
ten (361—343) 146. 
149 f. 184 f. 



Nektanebos muas 
gegen einen £m- 

Sörer aus der men- 
esischen Dynastie 
kämpfen lb9. 



336 



Zeittafel. 



y.CHB. 



OL. 



AROHONTEN 



GBIEOHENLAND 



KLEINASIEN 



AEGYPTEN 



105,2 



358 



Eucharistos 



Thrakien (Schaefer 
"• 157 ff.). 

Kephisodotos zu ei- 
nem schimpflichen 
Vertrag gezwungen 
280. 



105,3 



Kephiso- 
dotos 



357 



105,4 



Agathokles 



Artaxerxes II. Mne 
mon stirht . A r t a - 
xerxesIII. Ochos 
König von Persien 
(358-337) 230 ff. 

Kampf zwischen 
Ochos und Orontes. 
Friede 208 f. 225. 

Tod König Stratons 
von Sidon 209. 

Tarcam os Fürst von 
Kilikien entsetzt 
Mazaios erhält die 
kilikische Satrapie 
209. 



Archidamos III. 
König von Sparta 
(358—337) 181. 



Einführung d. trier 
archischen Symmo- 

rien in Athen 
(Schaefer I" 167). 



Nikokles von Sala- 
mis stirbt im Ge- 
fängniss. Euagoras 
II. König von Sa- 
lamis (358—350?) 
133 f. 

Nektanebos siegt 
über die Empörer 
169. 

Winter Agesilaos 
stirbt auf der Heim- 
kehr in der Kyre- 
naika 169. 180 ff. 



Misstimmung un- 
ter den kleinasiat. 
Bundesgenossen A- 
thens 281 f. 

Ochos erklärt öf- 
fentl. seine Thron- 
besteigung 209. 23 1 . 
284. 



Maussollos hetzt 

ffegen Athen: Son- 

. , ^ -derbund zw. Rho- 

Siegreicher Kampf ^^^g^ chios, Kos u. 



der Athener in Eu 
boia 283«. 

Athen weist ein 
Hülfegesuch d. Am- 
phipoTiten gegen 
Philipp ab 284. 



Mauss. 243. 282 f. 



Zeittafel. 



337 



y. CHR. 



OL. 



ABGHONTEN 



356 



106,1 



Elpines 



OBIEOHENLAND 



KLEINASIEN 



Chares im Helle- 
spont: Vertrag mit 
den Trakerfürsten ; 
soll gegen Philipp 
vorgehen 284 f. 

Philipp erobert 
Amphipolis. Erster 
Krieg zw. Philipp 
und Athen (357— 
346) Schaefer 1*146 
IP22. 



Rüstungen in A- 
then. Chares über- 
wintert im Helles- 
pont 286 ff. 



Athenische Garni- 
son in Andros 286. 



Eine athenische 
Hülfsflotte unter 
Iphikrates , Timo- 
theos , Menestheus 
läuft aus ; greift 
mit Chares vereint 
Byzantion an 287 f. 



Ausbruch des Bun- 
desgenossenkrieges 
(357—355) 18.283ff. 

Herbst Chares ^e 
schlagen; Chabrias 
fällt vor Chios 285. 

Ehrenbeschluss für 
Maussollos u. Arte 
misia in Erythrai 
244. 

Ochos befiehlt den 

Eüstensatrapen 
ihre Söldner zu ent- 
lassen : sie gehor- 
chen 210. 

Frühjahr D.Son- 
derbündler in der 
Offensive : Samos 
belagert 287. 

Brand des Artemis- 
tempels in Ephesos 
263. 

Neue Empörung d. 
Artabazos u. Oron- 
tes 19. 210. 212. 
Orontes besetzt und 
befestigt Pergamon 
212. 

Die Sonderbündler 
verlassen Samos. 
Niederlage der A- 
thener bei Embata 
287 f. 

Spätsommer I- 
phikrates , Timo- 
theos u. Menestheus 
abberufen. Chares 
Oberbefehlshaber 
289; tritt in den 
Dienst des Artaba- 
zos 210. 289. 



AEÖTPTEN 



JUDEICH, Kleinasiatische Studien. 



22 



tBaHONTEM 



OBUeOHEHLAND 



Ausbruch dee phi 
kischen (heiligen) 
Krieges (355—346) 
Scharfer [' '"" ■" 
Jubel in Athen fiber 
Chftres Erfolge 211. 
KlftgeD and Droh' 
ungen des Groea- 
könig8211, Chare8 
abberufen. Friede 
Athens mit den 
Sonderbündlem 19. 
211. 290. 



Die Byzantiei 
obern Kalchedon 
und Seljoibria,. 

'rühjahr Pam- 

lenes von Theben 
Artabazos zu Hülfe 
geschickt. Philipp 

legldtet ihn bis 

daroneia 211 f. 
Athen unterstatzt' Pammenes 
die anfständischenzweiSchlGichtenüb. 
Aegjpter 189. 21Ö. d.kÖniglichenFeld- 
lherm Ü12. 



KLEIN AS [BN 



Chares siegt über 

d, königlichen Feld- 

herm ( Tithraustes) 

210. 

Rüstunge n d . Gross- 

kSnigs 19.211.289. 

Bphesos durch 
HerophjtoB befreit 
ni". 2ßl. 303'. 

Orontes' Kämpfe 
mit Autophradates 
212. 303'. 
Mausaol los lässt 
Rhodos die Demo- 
kratie stürzen und 
besetzt Kos 244.292. 
Oligarchie in f ' 



Kämpfe der Perser 
gegen die anf^ssi- 
gen Juden: lericho 
erobert 170. 



Einfall der Perser 
nAe((ypten (Ochos' 
■zweiter A^jpter- 
zug>) 170^ Ins. 



Det Angriff abge- 
geechlB^en 20. 170. 



Zeittafel. 



339 



T. CHR. 



OL. 



ARCHONTEN 



GRIECHENLAND 



KLEINASIEN 



AEQYPTEN 



106,4 



352 



107,1 



Thudemos 



Arisiodemos 



Charidemos Stra- 
tege 214'. 217. 

Chares siegt über 
eine makedonische 
Abteilung bei Kyp- 
sela am Hebros 
und erobert Sestos 
216'. 294". Ver- 
schollen 216 f. 

Philipp von Ono- 
marcnos entschei- 
dend geschlagen 
(Schaefer I'506f.) 

D. perserfeindliche 
Partei gewinnt in 
Athen d. Oberhand 
19. 217. 292 f. 

Demosthenes* Rede 
ȟber die Freiheit 
derRhodier«186ff. 

Demosth. tritt für 
Lesbos ein 294. 

Erster Nachschub 
athenischer Kleru 
chen nach Sestos 
294«. 



Anfang Bündniss 
Athens mit Orontes. 
E. athenische Flotte 
unter Phokion, Cha- 
res und Charidemos 
eiltOrontes zu Hülfe 
19. 213 ff. 



Oligarchie in Les- 
bos 294. 

Maussollos stirbt. 
Seine Nachfolgerin 
Artemisia (353 
—3.51) 186 ff. 226. 
245. 247. 



Ochos wendet sich 
persönlich gegen 
Orontes 189. 218. 



DieRhodier machen 
sich selbst frei. Ihr 
Angriff auf Halikar- 
nassos abgeschla- 
gen. Artemisia er 
obert Rhodos zu 
rück, ebenso Hera- 
kleia am Latmos 
248 ff*. 

Die Oligarchie in 
Mytilene gestürzt 
294. 



Erbauung d. Maus- 
solleions 250. 



Phokion kämpft 
gegen Athenodoros 
von Imbros bei A 
tarneus217. Ehren 
u. Schutzdekret von 
Kios für Athenodo 
ros 217'. 

Zerwürfniss z wisch. 
Artabazos u. Pam- 
menes. Artabazos 
flieht nach Make- 
donien 212. 219. 



22* 



MO 



Zeittafel. 



v.CHB. 



OL. 



ABGHOMTEN 



GBIECHENLAND 



351 



107,2 



Theellos 



350 



KLEIN ASIEN 



AEGYPTEN 



Zweiter Nachschub 
athenischer Kleru- 
chen nach Samos 
394. 

Friede zw. Arta- 
xerxes und Orontes. 
Orontes erhält die 

Herrschaft über 
Westkleinasien 21 8. 

Eodomannos mit 
Armenien belehnt 
218'. 225. 

Hermias' von Atar- 
neus Bündniss mit 
Erythrai 219. 

Ochos' Rüstunoren 
gegen Aegypten 
171. 



In Sidon bricht ein 
ein Aufstand gegen 
Persien aus. Das 
übrige Phoinikien 
folgt. Bündniss m. 
Aegypten 171 f. 

Artemisia v. Karien 
stirbt. Idrieus 
Satrap (351—344) 
231 f. 250. 

Mazaios von Eili 
kien und Belesys 
von Syrien mit der 
Bekämpfung des 
Aufstandes in Phoi 
nikien betraut; ge 
schlagen 172. 

Idrieus erhält Be- 
fehl in Kypros ein 
zugreifen 134. 250 f. 



In Kypros empört 
sich ebenfalls das 
phoinikische Ele- 
ment. Euagoras II. 
von Salamis ver- 
trieben. Pnytago- 
ras König 133 f. 
171. 



Frühjahr Pho- 
kion u. Euagoras II. 
landen in Kypros. 
Vergebliche Bela- 

ferung v. Salamis 
1. 134. 



Zeittafel. 



341 



V.CHR. 



OL. 



ABCHONTEN 



GRIECHENLAND 



KLEINASIEN 



107,3 



Apollodoros 



349 



107,4 



Kallimachos 



348 



108,1 



Th eophilos 



347 



Ehrenbeschluss der 
Athener für Oron- 
tes 213. 

Frühjahr Pho- 
kion befehlifft die 
Athener in Euboia 
135. 

Athen und Sparta 
versichern Ochos 
ihrer wohlwollen- 
den Neutralität, 
Theben und Argoa 
senden Hülfstrup- 
pen 176. 

Philipp beginnt d. 
Kampf geg. Olynth 
(SchaeferII'124ff.) 



Ochos erbittet von 
den Festlandsgrie- 
chen Unterstützung 
174 f. 



AEGYPTEN 



Die Übrige Insel 
schnell beruhigt 
134 f. 172. 



Philipp erobert 
Olynth ( Schaefer 
11" 152 ff.) 



Aristoteles begiebt 
sich zu Hermias v. 
Atameua 220 \ 



Pnytagoras v. Per- 
sien als Eöni^ von 
Salamis anerkannt 
135. 



Ajrtaxerxes trifft in 
Syrien ein. Verrat 
und Zerstörung Si- 
dons 149. 174 f. 

Phoinikien unter- 
wirft sich 175 f. 

Euagoras II. Statt- 
halter in Sidon 135. 
174. 

Idrieus besetzt 
Chio8 251.244\295. 

Zwistigkeiten der 
Juden untereinan- 
der: Bagoas, Ochos* 
Vertrauter , greift 
ein. Bedrückung 
176\ 

Kammys Tyrann v. 
Mytilene. Kleomis 
Tyrann v.Methym 
na 295. 



342 



Zeittafel. 



v.CHB. 



OL. 



▲BGHONTEN 



ORIEGHENLAND 



KLEIN ASIEN 



AEGYPTEN 



108,2 



Themisto- 
kles 



346 



108,3 



Archiafl 



345 



Isokrates' Philippos 
abgefasst 173. 

Juli Der philo- 
krateische Friede 
(SchaeferII»238fiF.) 

Zweiter Nachschub 
athenischer Kleru- 
chen nach Sestos 
296. 



108,4 



£ubulos 



344 



109,1 



In Mytilene mit 
athenischer Hülfe 
d. Demokratie her- 
gestellt 295 f. 

Vereinzelte , klei- 
nere Aufstände in 
Phoinikien und Ki- 
likien 136. 



Frühjahr Ochos' 
erster Verstoss ge- 
gen Aegypten miss- 
lingt 176. 

Euagoras II. kehrt 
nach Kypros zu- 
rück: erneuter 
Streit mit Pnyta- 
goras 135 f. 



Lykiskos 



Bündniss zwischen 
Philipp und Ochos 
21. 299. 



Hermias von Atar 
neus durch Mentor 
gefangen und hin 
gerichtet. Aristo 
teles flieht. Die 
letzten Empörer in 
Kleinasien unter- 
worfen. Artabazos 
und Memnon be 
gnadigt 21. 220. 

Idrieus stirbt. Ada 
Herrscherin in Ka 
rien (344— 840)226. 
251. 



Ochos wiederholt d. 
Angriff ge^en Ae- 
gypten 176. Der 
mnmarsch gelingt : 
Nektanebos flieht 
nach Memphis, Pe- 
lusion genonamen, 
das Delta erobert 
177 f. 

Mentor erhält den 
Befehl gegen den 
Rest der Aufstän- 
dischen in Klein- 
asien. 



Zeittafel. 



343 



V.CHR. 



OL. 



ABOHONTEN 



GBIEGHENLAND 



KLEINASIEN 



AEOYPTEN 



343 



109,2 



342 



109,3 



341 



109,4 



Pythodotos 



Sosigenes 



Nikoma chos 



340 



110,1 



339 



Theo- 
phrastos 



Philipp drin^ sieg- 
reich in Griechen- 
land und Thrakien 
vor (Schaefer II* 
417 ff.). 



Demosthenes Ge- 
sandter im Helles- 
pont : vermittelt 
ein BündnissAthens 
mit Byzantion und 
Abydos. Andere a- 
thenische Gesandt- 
schaften nachChios, 
Rhodos u. Persien. 
Athen festigt seine 
Stellung auf der 
thrakischen Cher 
sones 297. 

Ochos weist ein 
Bündniss m. Athen 
gegen Philipp ab 
800. 

Perinthos von Phi- 
lipp belagert 2oO. 
297; mit persischer 
Hülfe entsetzt 22. 
251. 

Philipp wendet sich 
ge$?en Byzantion 
(Schaefer II' 507 ff.) 

Persische Truppen 
kämpfen gegen die 
MakedoneninThra- 
kien 301. 

Byzantion durch 
Athen, Rhodos, Eos, 
Chios, Tenedos u. a. 
befreit 297. 



Chios befreit sich? 
252». 



Pixodaros bemäch- 
tigt sich in Earien 
der Herrschaft (340 
—334). Ada flieht 
nach Alinda 251. 



Abschluss der Er- 
oberung Aegyptens 
146 ff. 178 f. Nek- 
tanebos flieht nach 
Aethiopien 149.178. 
PherendatesSatrap. 
Ochos kehrt nach 
Persien zurück 179. 



NektanebosII., der 
V. Aethiopien noch 
protestierend wei- 
terregiert hat, stirbt 
148 ff. 178. 184 f. 



344 



Zeittafel. 



T. CHB. 



OL. 



ABCHOÜTTKN 



OBOEGHENLäND 



KLEINASIEN 



AEGYPTEN 



338 



110,2 



110,3 



Lysimachi- 
des 

Chairondas 



337 



110,4 



Phrynichos 



August Schlacht 

bei Chaironeia 
(SchaeferII*561ff.) 

Friede zw. Philipp 
u. Athen (Schaefer 
III" 27 ff.). Tap- 
satzuog in Eorinth : 
Philipp Oberfeld- 
herr aer Hellenen 
j<eg. Persien (Schae- 
fer IIP 49 ff.) 362. 



336 



111,1 



Pythodelos 



Artaxerxes III. 
Ochos ermordet. 
Ar 8 es König von 
Persien (337—335) 
22. 302. 

Pixodaros bietet 
seine Tochter Phi 
lipps Sohn Arrhi 
daios zur Ehe an. 

Die Verbindung 
kommt nicht zu 
stände 253. Pixo 
daros' Tochter mit 
Orontobates ver- 
mählt 254. 

Ephesos bittet 
Philipp um Unter- 
stützung 261. 303'. 

Erster Krieg der 
Makedonen gegen 
Persien: siegreicher 
Verstoss bis Magne- 
sia a. M. 22. 302 f. 

Bagoas tritt mit 
den Unzufriedenen 
in Makedonien in 
Verbindung 303. 



Philipp ermordet 
Alexander König 
V. Makedonien (336 
—323) '606 f. 



Zeittafd. 



345 



T. GHB. 



OL. 



ABGHONTEN 



aBIEGHENLAND 



KLEINASISN 



AEOYPTEN 



335 



Hinrichtungen der 
G^ner Alexanders 
in Makedonien 305. 



111,2 



Eumenetos 



Durch persisches 
Gold Unruhen in 
der Peloponnes her- 
vorgerufen 306. 



Arses ermordet. 
Dareios III. Kö- 
nig V. Persien (335 
-331) 304. 

Ättalos* Umtriebe 

fegen Alexander ; 
od 304f. 

Vordringen Mem 
nons. Lphesos ge- 
nommen : Olifi^- 
chie 261. 303 «Soö. 

Ealas an Attalos' 



Stelle : erobert mit 
Parmenion Gry 
neion und belagert 
Pitane. Memnon 
stösst auf Kyzikos 
vor; entsetzt Pita- 
ne. Ealaa geschla- 
gen; hält Rhoitei- 
on u. Abydos 306. 



334 



Trannenherrschaft 



Herbst Alexander 

zerstört Theben 
(SchaeferIIIl*19ff.).in Antissa u. Eresos. 

Parmenion in Ma-'^^J^o^y^^^» Ty 
kedonien 306. \^^ v. Methymna 



Pixodaros stirbt. 
Orontobates Sa- 
trap V. Karien 254. 

Frühjahr Ale- 
xander marschiert 
in Asien ein 306. 



REGISTER. 



A. 

Abdemon, König oder Vizekönig von 
Kition, erobert Salamis (um 412), 
durch Euagoras vertrieben (411) 
113 f.; Manzen 114\ 

Abrokomas, persischer Feldherr (401) 
151. (389) 153 f. 

Abjdos, auf Spartas Seite : vergeblich 
von Konon und Pharnabazos be- 
lagert (394) 97 ; bleibt Sparta treu 
(389—387) 96. 99. 102 f.; von den 
Athenern belagert (387) 101 ff.; un- 
abhängig (360) 260. 278 >; im Bunde 
mit Athen gegen Philipp (341) 297; 
von den Makedonen besetzt (335) 306. 

Achilleion, auf Spartas Seite (397) 51. 
(391) 87. 

Ada, karische Fürstin; Tochter des 
Hekatomnos; vermählt mit Idrieus 
250; Regierungszeit (344 - 340)226ff.; 
von Pixodaros vertrieben (340); be- 
hauptet sich in Alinda; übergiebt 
Alinda an Alexander; von neuem 
als Herrscherin eingesetzt (334) 255. 

Ada, karische Fürstin, Tochter des 
Pixodaros 254'. 

Adramytteion , unabhängig (401) 40; 
von Autophradates belagert (366|5) 
202. 237. 

Aegypten, durch Kambyses erobert 
(525) 147'; Aufstände im V. Jahrh. 
150; durch Amyrtaios befreit (408) 
151; Königsreihe (408-343) 144 ff.; 
erster persischer Angriffskrieg (389 
— 387) 153 ff.; zweiter persischer An- 



griffskrieg (374) 160 ff. ; dritter Krieg 
mit Persien (362/1) 15. 164 ff.; vierter 
Krieg mit Persien (353) 19 f. 170- 
188 f.; durch Artaxerxes Ochos er- 
obert (343) 21. 146 ff. 172 ff. 

Agauos von Abydos, athenischer Bür- 
ger (364?) 201». 

Agesilaos, geboren (442/1) 183; König 
(398) 8. 53; Begierungszeit (398— 
358) 180 ff.; Charakter 9. 56; un- 
terdrückt die Verschwörung des 
Kinadon (397) 53; Feldherr gegen 
Persien : landet in Ephesos (396) 
54 f.; Waffenstillstand mit Tissa- 
phernes (396) 56 ; Konflikt mit Lysan- 
dros (396) 56 f. ; erster Feldzug gegen 
Tiösaphernes (396) 57 f. ; durch Phar- 
nabazos zurückgeworfen (396) 58; 
Truppenzahl 54. 58'; Rüstungen: 
verteilt die Kommandos neu (396/5) 
59; zweiter Feldzug gegen Tissa- 
phernes : siegt bei Sardes und Thy- 
barna (395) 59 f.; verhandelt mit 
Tithraustes: Wattenstillstand (395/4) 
68; erhält den Oberbefehl auch zur 
See: ernennt Peisandros zum Nau- 
archen (395) 69; zieht durch Phar- 
nabazos* Provinz nach Paphlagonien 
(395) 70; schützt Lampsakos vor 
Plünderung (395?) 70*; überwintert 
bei Daskyleion: Zusammenkunft mit 
Pharnabazos (395/4) 71 ; abberufen 
(394) 9. 72; Rückmarsch durch Thra- 
kien; trifft Derkylidas in Amphi- 
polis(394) 79*; empfängt die Nach- 



Register. 



347 



rieht der Schlacht bei Knidos 
(394) 73'; Ariobarzanes zu Hülfe 
geschickt (366) 202; von Ariobar- 
zanes beschenkt (364) 203; bei Maus- 
80II08 (364/3) ; von Tachos beschenkt 
(363) 203 ; bei Tachos in Aegypten 
(362/1) 164 ff.; tritt za Nektanebos 
über (361—358) 166 ff.; stirbt (358) 
169. 180 ff. 

AgisIL, König von Sparta (427-398) 
stirbt 53. 180. 

Agyris, kyprischer Stadtkönig(391) 1 18. 

Agyrrhios folgt Thrasybulos im Flot- 
tenkommando (388) 98 f. 

Aigai unabhängig (400) 13. 40. 260. 

Aigospotamoi , Schlacht bei (405) 25. 
48. 115. 

Aigyptos, Feldherr des M aussei los 241. 

Aiolis, Abgrenzung gegen lonien 38 \ 

Aiolische Städte. Allgemeine Ver- 
hältnisse Anfang des IV . Jahrh. 39 f. 
vgl. Eleinasiatische Griechenstädte. 

Aisimoa, Athener, Gesandter in Chios 
(386); in Methymna (377) 269 \ 

Akoris, König von Aegypten, Be- 
gierungszeit (396 -383) 146; schliesst 
ein Bündniss mit Athen (391) 89; 
im Kampf mit Persien (389-387) 
153 f.; im Bündniss mit den Bar- 
kaiern und Pisidern (um 387) 155 ff. ; 
unterstützt Euagoras (386—384) 122. 
124. 126. 155 ff.; im Bunde mit 
Glos (383); befestigt Aegypten; von 
Chabrias unterstützt (386-383)158 f. 

Alexander der Grosse vereitelt die Ver- 
bindung zw. Philipp Arrhidaios und 
Pixodaros* Tochter (337) 253; schwie- 
rige Verhältnisse bei seiner Thron- 
besteigung; lässt Attalos ermorden 
(336) 304; verfügt Hinrichtungen 
(.^36) 305; marschiert in Asien ein 
(334) 306; von Ada als Sohn be- 
grüsst (334) 255; nimmt Halikar- 
nassos (334) 364; die Tempelweihe 



in Ephesos A. verweigert; in Prione 
von A. vollzogen (334) 263. 

Alinda von Ada besetzt (340) 251; 
an Alexander ausgeliefert (334) 255. 

Alkibiades, Tod 32 f. 

Alkimachos, (Jnterfeldherr des Timo- 
theos (363) 277. 

Amadokos , Thrakerfürst; Verträge 
zwischen Athen und A. 284V 

Amathus von Euagoras belagert (391) 
118; genommen (387) 122 f. 

Amisos unter kappadokischer Herr- 
schaft 195; unabhängig (bis 370) 
192 ff. 260; von Datames erobert 
(um 370) 194. 

Amorges, persischer Satrap ; Aufstand 
des A. (414) 151. 233. 

Ampbipolis vergeblich von Timotheos 
belagert (364-362) 214». 274. 277. 
(360/59)214'; bittet Athen um Hülfe 
gegen Philipp (357) 283; von Phi- 
lipp erobert (357) 282. 

Amyntas, des Arrbabaios Sohn» ma- 
kedonischer Feldherr (336) 803 ff. 

Amyrtaios, König von Aegypten, Re- 
gierungszeit (408-402) 146. 149; 
befreit Aegypten (408) 150 f. 

Anaxibios, spartanischer Nauarch (400) 
42. 110; Harmost in Abydos; föllt 
gegen Iphikrates (388) 99. 

Andokides am Hofe des Euagoras von 
Salamis (411) 115; Gesandter in 
Sparta (392) 85; Friedensrede 85*. 

Andres, Söldnerbesatzung in A. (357/6) 
286. 

Androtion, Gesandter bei Maussollos 
(354) 240\ 292«. 

Antalkidas, Gesandter bei Tiribazos 
(393) 83 f.; Nauarch; zu Tiribazos 
und mit diesem an den Perserhof 
(388) 100. Ulf.; schliesst ein Bünd- 
niss mit Artaxerxes (307) 103; kehrt 
nach Abydos zurück; kämpft glück- 
lich gegen die Athener (387) 103 f. ; 



348 



Register. 



Gesandter in Persien (367) 198'; 
Friede des A. (386) 12. 105 f. 

AntandroB anabhän^i^ig (400) 40; er- 
klärt sich für Sparta (388) 99. 102. 

Antimachos von Eolophon, Dichter 
(404/8) 31*. 

Antissa, im Bande mit Athen (389) 
96. 102; im zweiten att. Seebund 
(375) 270 ; Tyrannis in A. (334) 295. 

Aphobetos, Aeschines Bruder, Gesand- 
ter in Persien (347?) 176*. 

Aphrodite Euploia, Tempel der A. E. 
in Peiraieus 82. 

ApolIodoroS) Athener» Söldnerführer 
(340) 300. 

ApoUonia (Aiolis) unter persischer 
Herrschaft (400) 40. 

Apollophanes von Kyzikos , Freund 
des Pharnabazos und Agesilaos (394) 
71. 

Arados empört sich gegen Persien 
(351) 171. 

Arakos, Spartaner, eponymer Ephore 
(408); Nauarch (405)47*; Gesandter 
in Persien (398) 46 f. 49 f. 52; Ge- 
sandter in Athen (370) 47 \ 

ArchidamosIIL, Agesiiaos* Sohn, König 
von Sparta (358-338) 181. 

Argos schickt Gesandte an Tiribazos 
(393) 84; stellt den Persern Hülfs- 
truppen (346) 176. 

Ariaios, Perser (Hyparch), nimmt Tis- 
saphernes gefangen (395) 67 f.; im 
Aufstand gegen ArtaxerxesIL (394) 
7V. 72'. 

Ariobarzanes wirbt in Griechenland 
(Athen, Sparta) Bundesgenossen 
(368/7) 197 ; empört sich gegen Arta- 
xerxes 11. (367) 199 ff. 273; schenkt 
Athen Sestos und Erithote (364) 201 '. 
203; athenischer Bürger 201'; Tod 
(362) 206. 

Arisba (Lesbos) auf Spartas Seite (387) 
102. 



Arisba (Troas) ergiebt sich dem Der- 
kylidas (399) 46. 

Aristarchos, spartanischer Harmost in 
Byzantion (400) 42\ 

Aristazanes, persischer Feldherr (345) 
177. 

Aristonikos s. Aristonymos. 

Aristonymos, Tyrann in Methymna 
(334) 295. 

Aristophanes , Nikophemos* Sohn , 
Athener, als Euagoras* Gesandter 
in Athen (391) 89 ; hingerichtet (390) 
91. 120«. 

Aristoteles bei Hermias von Atarneus 
(347-345) 220'. 

Arkadien schickt Gesandte an Arta- 
xerxes II. (367) 198. 

Arlissis, Karer, verdächtigt Maussollos 
bei Artaxerxes; hingerichtet (366) 
236. 

Armenien, Orontes' Erbsatrapie 221 ff.; 
Ar. genommen (383) 222; zurück- 
gegeben (362) 224; an Kodomannos 
verliehen (352?) 218\ 225. 

Arsites, Satrap von Kleinphrygien, 
entsetzt Perinthos (340) 300. 

Artabazos, persischer Satrap, im Kampf 
mit Datames (um 365} 204; Nach- 
folger des Datames in der daskyli- 
tischen Satrapie (362) 204"; empört 
sich (361) 15. 206\ 207; gefangen; 
freigelassen (360) 207 f. 279; em- 
pört sich von neuem (356) 19. 210; 
von Chares unterstützt (356(5) 210 f. 
289; erbittet und erhält Hülfe von 
Theben (355) 211; flieht nach Ma- 
kedonien (352) 212. 219. 297; be- 
gnadigt (344) 220. 300. 

Artaphernes, persischer Feldherr, ent- 
setzt Kaunos (395) 63. 

Artaxerxes II. Mnemon, Regierungs- 
zeit (404—358) 230; Charakter 13; 
bereitet den Krieg gegen Aegypten 
vor (401) 151; im Krieg mit Kyros 



Register. 



349 



<401) 13. 40; mit Sparta (399-386) 
45 ff.; mit Euagoras (390 — 381) 
117 ff.; mit Aegypten (389-387) 
153 ff.; (374) 160 ff.; (361) 179 f. ; 
mit den Kadusiern (384) 129 f. 191; 
mit den Eüstensatrapen (um 368 — 
um 358) 193 ff. ; im Bunde mit Athen 
(893) 81 ff.; mit Sparta (387) 103 ff.; 
diktiert den Antalkidasfrieden (887) 
105 f. ; fordert Chabrias' Abberufung 
aus Aegypten (381) 158; greift in 
die griechischen Händel ein (371) 
273. 

Artaxerxes III. Ochos, Kegierungszeit 
(358—337) 209. 230 ff*. ; Charakter 
16; stiftet Thronwirren an (362) 16. 
207. 2:^1 ; im Kampf mit Aegypten 
(361) 167 ff. 187; (353) 170. 188 f.; 
349-343) 21. 146 ff. 172 ff. 187 ff.; 
mit Orontes (358) 15. 208 f. ; mit 
Orontes und Artabazos (353/2) 19 f. 
210 ff.; mit den Kadusiern 218'; 
unterwirft und ordnet Phoinikien u. 
Kilikien (358) 209; befiehlt den 
Küstensatrapen die Entlassung der 
Söldner (357) 209; droht Athen mit 
Krieg (355) 19. 211. 289; erbittet 
Hülfstruppen aus Griechenland (350) 
174f. 189; zerstört Sidon (um 348)21. 
175; Durchmarsch durch Aegypten 
(343) 178; kehrt nach Babylon 
zurück (343) 179; schliesst mit 
Philipp in Makedonien ein Bünd- 
niss (343) 21. 299; lehnt ein Bünd- 
nlss mit Athen gegen Philipp ab 
(340) 300 ; lässt Perinthos entsetzen : 
antimakedonische Politik (340) 22. 
300 f.; ermordet (337) 22. 302. 

Artemisia, karische Fürstin, Maus- 
sollos' Schwester und Gattin 247 
Regierungszeit (353—351) 226 ff. 
perserfreundlich (352) 189. 218. 250 
schlägt einen Angriff der Rhodier 
ab; erobert Rhodos zurück (352) 



248; nimmt Herakleia am Latmos 
(352) 249: erbaut das MuussoUeion 
247. 250; Tod 250. 

Asander belagert Halikarnassos (334/3) ; 
Satrap von Karien (um 323) 255. 

Aspis , Dynast von Kataonien ; von 
Datames unterworfen (375) 192. 

Assos, von Autophradates und Maus- 
sollos belagert (366/5) 202. 237. 261 ; 
unter Eubulos* Herrschaft (um 360) 
208'. 261; unter Hermias (um 350) 
219; persisch (345) 220. 261. 

Atarneus, von Verbannten aus Ghios 
besetzt (404-397) 31". 47; unab- 
hängig (401) 40; von Derkylidas 
erobert (397) 47 f.; unter Eubulos' 
Herrschaft (um 360) 208*. 261 ; unter 
Hermias (um 350) 219; persisch 
(345) 220. 261. 

Athen geht mit Samos eine Sympolitie 
ein und unterstützt die Samier ge- 
gen Lysandros (405) 26 ; von Lysan- 
dros belagert; fällt (April 404) 27; 
versucht vergeblich die Samier in 
den Frieden aufzunehmen 26'; Ein- 
setzung der Dreissig in A. (404) 28 ; 
die oligarchische Partei erbittet und 
erhält einen spartanischen Haraio- 
sten (404) 30*; auswärtige Politik 
nach dem peloponnesischen Kriege 
76 ff.; im Bunde mit Lokris und 
Theben (395); mit Theben, Korinth 
Argos (394) 68 f.; mit Persien 
(393) 81; im Kampf mit Sparta 
(395—386) 9. 68 f. 85. 307; erlangt 
Imbros , Lemnos , Skyros zurück 
(393) SV; verhandelt mit Tiribazos 
(393) 84; mit Sparta (392) 85; 
Parteinngen in A. (391-388) 11 f. 
88. 94; schliesst Bündnisse mit Eua- 
goras von Kypros und Akoris von 
Aegypten (391)89.155; unterstützt 
Euagoras 91. 101; ruft Ghabrias aus 
Kypros ab (386) 124. 158; aus 



350 



Register. 



Aegypteo (:^80) 158; Stellung zu 
Eleinasien nach dem Antalkidas- 
frieden: Biindniss mit Chios, Myti- 
lene, Methjmna, Byzantion (um 386) 
264 f. ; mit Theben und Chalkis (378) 
266; stiftet den zweiten Seebund 
(377) 17. 267 ff. ; Politik in Hellas 
(377) 18; sendet Iphikrates zu Pbar- 
nabazos (877) 160; ebenso Timo- 
theos (372) 163; schliesät Frieden 
mit Sparta (374) 17; (371) 273; ge- 
winnt Samos zurück (365) 200. 273 ; 
sendet nach Samos Kleruchen (365) 
200', (361/0) 278, (362/1) 294; er- 
hält Sestos und Erithote von Ario- 
barzanes (364) 201'. 203; sendet 
nach Sestos Kleruchen (364) 201. 276, 
(353/2) 294, (346) 296; im Bunde 
mit Ariobarzanes (367) 197. 199 ff. 
273; schickt Gesandte an Artaxerxes 
(370. 3(7) 198 f. 273; in Beziehun- 
gen mit Straton von Sidon (367) 
198'; mit Erythrai (365) 200»; in 
Beziehungen mit Tachos vonAegyp- 
ten(362) 165; schickt ein Geschwa- 
der in den Hellespont (362/1) 215. 
278, (360) 214». 279; veranlasst bei 
Artabazos Charidemos* Freilassung 
(360) 214'. 279; führt einen sieg- 
reichen Feldzug in £uboia, weist 
ein H Ulf ege such von Auiphipolis ab 
(357)284; schliesst Verträge mit den 
Thrakerfursten (357/6) 284; Härten 
gegen die Bundesgenossen 282; im 
Krieg mit dem Sonderbund (357 — 
355) 281 ff. ; sendet eine Hülfsüotte 
ab (356) 286 f.; unterstützt Arta- 
bazos (356/6); ruft Chares zurück 
(355) 210 f. 290; schliesst mit den 
Sonderbündlern Frieden (355) 19. 
290; in Beziehungen mit Hulikar- 
nassos (354) 293 A. ; perserfeindlich 
(353) 293; unterstützt Orontes und 
die Aegypter (353/2) 19. 18öf. 213 ff.; 



sucht mit Persien Fühlung (352) 20 f. 
218 f. 294 f.; Ehrendekret für Orontes 
(349) 213; erklärt an Persien wohl- 
wollende Neutralität (346) 176; sen- 
det Gesandte nach dem Hellespont, 
Chios, Rhodos, Persien (341) 297. 
300; entsetzt Byzantion (340/39) 22. 
297; lehnt ein Bündniss mit Per- 
sien gegen Philipp ab (335) 306. 

Athenodoros von Imbros kämpft ge- 
gen Pbokion (352) 217; durch ein 
Ehren- und Schutzdekret in Kios 
geehrt (352?) 217». 

Attnlos, makedonischer Feldherr in 
Kleinasien ^336) 302 ff.; Feind 
Alexanders 304 f.; ermordet (336) 304. 

Audymon s. Abdemon. 

Autophradates, Satrap von Lydien, 
kämpft gegen Euagoras (391—386) 
14. 88. 119 f. 307; gegen Datames 
(um 368-367) 194 ff.; gegen Ario- 
barzanes (366—364) 196 ff.; giebt 
die Belagerung von Assos und Adra- 
mytteion auf (364) 202; im Auf- 
stand gegen Artaxerxes (362) 205; 
zieht sich wieder zurück (361) 207; 
kämpft erfolgreich gegen Artabazos 
(361/0) 207 f. 279; kämpft gegen 
Orontes (um 355) 212. 208. 303». 

B. 

Bagoas, Perser, Ochos' Vertrauter, be- 
drückt die Juden; prägt Münzen in 
Sidon (um 346) 176^ ; kommandiert 
in Aegypten (345) 177; im Streit 
mit Mentor (345) 178; lässt Ochos 
ermorden (337) 302 ; intrigiert gegen 
Philipp; lässt Arses ermorden; hin- 
gerichtet (336) 303 f. 

Barathra (Aegypten) 176. 

Barkaier, der König der im Bunde 
mit Akoris ; mit Euagoras (387) 122. 
155 f. 

Belesys, Satrap von Syrien, mit Nieder- 



E^^ister. 



351 



werfang des phoinikisched Aufstan- 
defi betraut; geschlagen (351/0) 172. 

Berisades, Thrakerfnrst, Verträge A- 
then« mit B. (357/6) 284 \ 

Hoeoter unterhandeln mit Sparta (392) 
85«. 

Bundesgenossenkrieg, der (357—355); 
18 f. 2431'.; Veranlassung 281 ff.; 
Dauer 283» 286 290». 

Byzantion unter einem spartanischen 
üarniosten (405) 25; oligarchisch 
regiert (404) 30"; unter Klcarchos 
(403/2)35'. 37». 109; im Bunde mit 
Athen (389-886) 95. 102. 105»; 
bleibt Athen treu (386) 265; im 
zweiten att. Seebund (377) 258; 
tritt zu Theben über (364) 274; 
von Timotheos zurückerobert (363) 
275; athener feindlich (362) 277; 
fällt von Athen ab (857) 18. 243. 
285; schliesst Frieden (355) 292; 
besetzt Ealchedon und Selymbria 
(854) 292; mit Athen im Bunde 
gegen Philipp; von Philipp be- 
lagert; enUetzt (339) 22. 297. 301. 

C. 

Chabrias, Euagoras zu Hülfe geschickt ; 
erobert mit diesem Amathus (387) 
101. 123; abberufen (386) 124; Auf- 
enthalt in Aegypten; Befestigungen 
(386-380) 158 ff.; Stratege (379/8) 
158, (368/2) 164 f.; bei Tachos von 
Aegypten (362— 359V) 165; gewinnt 
Antissa und Eresos für den zweiten 
att. Seebund; greift vergeblich Sa- 
mos an (375) 270; Tod (857) 285. 

Chabriu Charax (Aegypten) 159. 

Chabriu Eome (Aegypten) 159. 

Chares, Stratege im Hellespont; Ver- 
träge mit den Thrakerfürsten (357) 
284; greift vergeblich Chios an 
(357) 285; überwintert im Helles- 
pont (357/6) 287. 288»; verliert die 



Schlacht bei Embata (356) 288; 
Oberfeldherr der athenischen Flotte 
(856) 19. 289; nimmt Artahazos* 
entlassene Söldner in Dienst (356) 
288». 289; unterstützt Artabazos 
(356/5); erobert und behauptet 
Lampsakos und Sigeion (355) 219. 
260. 291 A. 296..'^0l A . ; abberufen (355) 
211.290; verschollen (353); schlägt 
die Makedonen bei Kypsela ; erobert 
Se8tos(353) 216'; Orontes zu Hülfe 
geschickt (352) 213 ff. 

Charidemos von Oreos im Dienst des 
Timotheos (363), durch die Athener 
geehrt (362) 214»; bei Artabazos 
(362); besetzt Skepsis, llion. Kehren 
(361); von Artabazos belagert (360); 
erbittet Hülfe aus Athen (300); 
freigelassen ; bei Kotys von Thrakien 
(360) 214». 261. 279; als Stratege 
(353/2) Orontes zu Hülfe geschickt 
213ff. 

Charimenes von Milet 242*. 

Cheirisophos , spartmischer Feldherr 
(40 1) 37. 

Chersones, die thrakische, auf Athens 
Seite (388/7) 100. 102; von Eotys be- 
setzt (360) 280 ; von Eersobleptes an 
Athen abgetreten (357) 284; mit 
athenischen Eleruchen besetzt (846) 
296; von Athen behauptet (341/0) 
297. 

Chios, Bundesgenossin Spartas (406— 
404) 31*; von Lysandros vergewal- 
tigt (404/3) 31; ein Teil der Be- 
völkerung setzt sich in Atarneus 
fest (404-^97) 31". 47; fällt von 
Sparta ab (394) 79; im Bunde mit 
Athen (888/7) 7 f. 102; Festland- 
besitz nach dem Antulkidasfrieden 
(386) 105«; bleibt Athen treu (386) 
265; die Beziehungen lockern sich 
(381)265»; im zweiten att. Seebund 
(377) 268; tritt zu Theben über 



352 



Register. 



^864) 274; milt von Athen ab (357) 
18. 243. 283; weist Char es' Angriffe 
zurück (357) 285 ; schliesst Frieden 
mit Athen (355) 290; Oligarchie in 
Ch. (354) 20. 292; von den kari- 
schen Forsten erobert (vor 346) 
244'. 251 ; wieder selbständig (343 ?) 
252'; leistet Byzantion Hülfe (339) 
252. 297. 

Ghrysopolis (bei Kalchedon) unab- 
hängig (401) 39 ; empört sich gegen 
Athen? (356) 288'. 

Chytroi (Kypros) von Fuagoras er- 
obert? (391) 118. 

D. 

Dareios IL, König von Persien (423 
—404), stirbt 25. 

Dareios III. Kodomannos, Satrap von 
Armenion (352?) 218\ 225; König 
von Persien (336-381) durch Ba- 
goas ; lässt Bagoas hinrichten (336) 
304; nimmt makedonische Flücht- 
linge in Dienst; knüpft mit Alexan- 
ders Feinden in Griechenland an 
(355) 305 f. 

Daskyleion, Winterquartier des Age- 
silaos (395/4) 71; von persischen 
Truppen besetzt (334) 261. 

Datames, persischer Satrap; Sohn des 
Kamisares; zeichnet sich im Kadu- 
sierkriege aus (384); übernimmt 
das südliche Kappadokien (384); 
beteiligt am Kampf gegen Tacho? 
(382) 191; besiegt Thuys von Paphla- 
gonien (um 380) 191 f. ; erhält ganz 
Kappadokien 190'; befehligt ein 
gegen Aegypten bestimmtes Heer 
(um 375) 160; unterwirft Aspis von 
Kataonien (375); flieht (375) 162. 
192; belagert Sinope (um 370) 193; 
empört sich gegen Artaxerxes II. 
(um 368) 193 f.; nimmt Sinope 
(Münzen) und Amisos (um 368) 



194. 260; Verteidigungskrieg gegen 
Autophradates (um 368—367); Frie- 
den (367) 194 ff.; greift Artaxerxes 
an (um 365) 204; Tod (362) 206. 

Dekarchien, von Lysandros einge- 
richtet (404/3) 8. 30 ff ; erste auf 
Samos (404) 27; von der spartani- 
schen Regierung aufgelöst (403) 
34 f. ; zum Teil wiedereingeführt 
(396) 56. 

Delphi, Friedenskongress in (367) 197. 

Demainetos, athenischer Stratege (387) 
103. 

Demos, athenischer Gesandter in Per- 
sien (395?) 66«. 

Demosthenes, hält die Rede vor den 
Symmorien (354/3) 186; über die 
Freiheit der Rhodier (353^ 186 ff.; 
Gesandter im Hellespont (341) 297; 
in Verbindung mit Dareios 111. 
(355) 306. 

Demotische Chronik 145'. 

Derkylidas, Spartaner, Harmost von 
Abydos; Konflikt mit Pharnabazos 
(403) 34'; löst Thibron in Asien ab 
(399) 44 ; schliesst mit Tissaphernes 
einen Waffenstillstand; erobert die 
Troas (899) 45 f.; schliesst mit 
Pharnabazos einen Waffenstillstand 
(399) 46; plündert in Bithynien, 
von Seuthes unterstützt (399) 46; 
empfängt in Lampsakos eine lake- 
daimonische Gesandtschaft (398) 46 ; 
befestigt die thrakische Chersones 
(898) 47; erobert Atarneus (397) 
47 f.; geht gegen Karien vor (397) 
48; trifft mit Tissaphernes und 
Pharnabazos zusammen : Waffen- 
stillstand (397) 51; Bote an Agesi- 
laos (394) 79*; wieder Harmost von 
Abydos (394—388); erobert Sestos 
(894) 79. 99; abgelöst (388) 99. 

Dexippos von Kos heilt Maussollos 
und Pixodaros als Knaben 234. 



Register. 



353 



Dionysios I. von Syrakus weist eine 
Familienverbindung mit Euagoras 
zurück (393) 82 f. 117; unterstützt 
Sparta (387) 103 f. 106, (369/8) 197'*". 

Dionysios, athenischer Stratege (387) 
103. 

Diophantos, Athener, in Nektanebos* 
Dienst (353) 189. 

Diotimos, athenischer Stratege, unter- 
nimmt Streifzüge an den klein- 
asiatischen Kästen (387) 101; hält 
Byzantion besetzt? (387) 103. 

Diphridas , spartanischer Feldherr, 
nimmt Tigranes gefangen (390) 100. 

Drakon, Spartaner, Harmost in Atar- 
neus (397) 48. 

Driler (Pontes) unabhängig (400) 40. 

E. 

Eikoste s. Zwanzigstel. 

Ekdikos, spartanischer Nauarch (390) 

90. 110. 
Elis im Krieg gegen Sparta (399/8) 

182 \ 
Embata (bei Chios), Schlacht bei E. 

(356) 288. 
Epameinondas, Seepolitik; Fahrt in d. 

Hellespont (364) 274. 

Ephesos nimmt die vertriebenen 
Samier auf (404) 27 ; ehrt Lysandros 
mit einer Statue (404/3) 31»; Haupt- 
quartier der Lakedaimonier (400— 
394) 24. 42. 44. 48. 55. 58 f. 61; 
fällt von Sparta ab (394) 79; er- 
richtet für Konon ein Standbild 
(394) 80; im Bund mit Rhodos, 
Samos, Knidos, lasos (394-390) 10. 
80. 91 *; wieder spartanerfreundlich 
(390. 388/7) 86. 100. 102; Tempel- 
brand in E. (356) ; Tempelbau (356 
— 334) 263; makedonisch gesinnt; 
Stützpunkt d. maked. Macht; von 
Memnon erobert (336) 303 \ 305. 

JUDEICH, Kleinasiatische Studien. 



Strassen nach E. aus den Maiandros- 
tal 151'. 

Eresos im Bunde mit Athen (389) 96; 
fällt ab; wieder auf Athens Seite 
(387) 102; im zweiten att. Seebund 
(375) 270; Tyrannis in E. (334) 295. 

Ergokles, Athener, Mitfeldherr d. Thra- 
sybulos (389) zurückberufen (388); 
hingerichtet 96. 

Epikrates, Athener, Gesandter in Per- 
sien (387?) 105». 

Epikydidas , Spartaner , Gesandter 
(394) 72. 

Epistoleus, Stellvertreter des Nau- 
archen, 108. 

Ery thrai fällt von Sparta ab (394) 79 ; 
errichtet für Konon ein Standbild 
(394) 80; nähert sich Athen (365) 
200 ^ unabhängig (365) 200' (356) 
219, (350) 244'; schliesst Freund- 
schaft mit Maussollos (357) 244. 

Eteonikos, Spartaner, Unterbefehls- 
haber des Lysandros (405) 26 ; spar- 
tanischer Nauarch, belagert Aigina 
(389) 97. 

Euagoras I., König von Salamis (411 
— - 374) , Vorgeschichte , Thronbe- 
steigung 14. 113 f ; Beziehungen zu 
Athen 14. 115. 307; von Athen 
geehrt (405? 393) 82. 117. 307; 
Charakter seiner Herrschaft, Bauten 
14. 115 f.; nimmt Konon auf (405) 
48*. 115, (392) 86. 117; mit Persien 
verfeindet 116; ausgesöhnt (398) 48f. 
117; stellt Schiffe zur persischen 
Flotte (398-394) 73*. 117; schliesst 
ein Bündniss mit Athen (391) 89. 
120. ; erobert einen grossen Teil von 
Kypros (391) 14. 117 f. 157 ; im Krieg 
mit Persien (390—381): Zeit 119 ff., 
Verlauf 121 ff.; siegreich gegen 
Hekatomnos und Autophradates ; 
erobert Amathus und Tyros; von 
Athen, Hekatomnos und Akoris 

23 



354 



Register. 



unterstQtzt (387) 122 f.; bei Eition 
geschlagen (386) 124 f. ; in Salamis 
belagert (386-381) 125 ff.; nach 
Aegypten (386/5) 126; unterhandelt 
mit Tiribazos (385) 127; intrigiert 
gegen Tiribazos (385/4) 127 f.; 
Bcbliesst Frieden mit Orontes (384) 
129; von neuem durch Tiribazos 
angegriffen; bittet Sparta um Ver- 
mittlung; Frieden (318) 15. 131; 
Tod (374/3) 131 f. 

Euagoras II., König von Salamis, 
Sohn und Nachfolger des Nikokles 
(359/8—351/0); vertrieben (351/0); 
kehrt mit persischer Hülfe zurück 
(350) 133 ff. ; Statthalter von Sidon 
(um 348); Kämpfe gegen Pnjta- 
tagoras; in Kypros hingerichtet (um 
345) 135 f. 174*. 

Euboia, Krieg der Athener in E. (357) 
284, (349/8) 135*. 

Eubulos aus Bithynien gründet eine 
Herrschaft in Assos und Atarneus 
(360) 208'. 261. 

Euthykles, Spartaner, Gesandter in 
Persien (367) 197 f. 

Euzenos, Spartaner, Harmost (394 73.) 

G. 

Gambreion unter einem persischen 
Dynasten (400) 40 ; schliesst sich an 
Sparta an (399) 44. 

Gastron, Spartaner, in Nektanebos« 
Dienst (359?) 189. 

Gergis (Aiolis) unter persischer Herr- 
schaft (400) 40 ; von Derkylidus ge- 
nommen (399) 46. 

Glauketes, Athener, Gesandter bei 
Maussollos (354) 292*. 

Glos, Sohn des Tamos, befehligt die 
Flotte gegen Euagoras (386—383) 
124 ff. 807; Aufstandspläne (384/3); 
von Akoris und Sparta unterstützt 



129 f. 158. 190; ermordet (383) 130. 
190. 
Gorgopas, spartanischer Nauarch (388) 

111. 
Gryneion unter einem persischen 

Dynasten (400) 40; schliesst sich 

an Sparta an (399) 44; von Parme- 

nion erobert (B35) 306. 
Gylippos ünterbefehlshaber des Lysan- 

dros (405) 26. 

H. 

Haliartos, Schlacht bei H. (395) 9. 69 \ 

Halikarnassos im Bunde mit Athen 
(389-387) 94. 102; beklagt sich 
über Thrasybulos (389) 94; durch 
Maussollos synoikisiert (367) 16. 235. 
237 ff'.; Maussollos' Bauten in H. 
16 f. 246 f. 248"; in Beziehungen 
mit Athen (354) 293 A; von den 
Persern besetzt (334) 261; durch 
Alexander erobert (334) 254. 

Halisarna unter einem ^ persischen 
Dynasten (400) 40; schliesst sich an 
Sparta an (899) 44. 

Hamaxitos (Troas) durch Mania Phar- 
nabazos* Unterstatthalterin erobert 
(403-400) 39 ; ergiebt sich dem Der- 
kylidas (399) 45. 

Hamebcha (Akoris? Hercynion? Mu- 
thes?) aegyptischer König oder 
Nebenkönig (382) 153. 

Hekataios von Kardia, Vertrauter 
Alexanders, nach Asien geschickt 
(336) 304. 

Hekatomnos von Mylaaa, Dynast, 
später Satrap von Karien, Begie- 
rungszeit (395?— 377) 226 ff. 233; 
Politik 235; mit der karischen 
Bundesgemeinde verfeindet 233 f. 
239; gegen Euagoras geschickt (391) 
14. 88. 12J. 283 ff.; prägt Münzen 
in milesischem Typus 241*. 



feegister. 



355 



Hellenismus, Vorbereitung und Cha- 
rakter d. H. 6. 

Herakleia am Latmos an der Strasse 
Mylasa— Milet 52 A. ; anabhängig 
(360) 261; durch Idrieus belagert; 
von Maussoll OS genommen (nach 
361) 241. 261; befreit sich; von 
Artemisia zurückerobert (um 352) 
249 f. 261. 

Herakleia am Pontes unabhängig (400) 
40, (864) 260. 274 f. ; Verkehr mit 
dem griechischen Festland (369) 
276'; bittet Timotheos um Beistand 
(364) 274; ebenso Epameinondas 
(364)275; von Klearchos beherrscht 
(363-352) 274. 276. 

Herakleides von Byzantion, Führer 
der athenischen Partei (387) 105 

Hercynion (Akoris?), aegyptischer 
König oder Nebenkönig (396) 153. 

Herippidas, Spartaner, befehligt die 
Kyreier (395) 61*; entzweit sich mit 
Spithridates (394) 7P; Nauarch 
(393) 110. 

HermiasvonAtarneus, DynastjimBünd- 
niss mit Erythrai (um 350) 219; in 
Verbindung mit Philipp von Maked. 
(345) 298; gefangen; Tod (345) 21. 
220. 

Hermostal 38' 59 ff. 70. 

Herophytos von Ephesos befreit seine 
Stadt (um 355) 261 ; im Kampf v^ 
Maussollos 241. 

Hierax spartanischer Nauarch (389/8) 
97. 99. 111. 

Hieronymos, Athener, Freund und 
ünterbefehlshaber Konons ; über- 
nimmt das Kommando der Flotte 
(395) 65. 66' ; Gesandter des Eua- 
goras in Athen (391) 89'. 

Hydarnes Stammvater d. Orontes 222. 

Hyparna pers. Besatzang in H. (334) 
261. 



I. 

lasos athener freund lieh (Ende d. V. 
Jh.) 80'; fällt von Sparta ab (394) 
79; im Bunde mit Rhodos, Samos, 
Ephesos, Knidos (394) 10. 80; un- 
abhängig, mit Maussollos verbündet 
(366) 236«. 260. 

Fdalion von Euagoras erobert (391) 
118'; vergeblich durch die Perser 
belagert (386) 125; erobert (381?) 
125'. 

Idrieus von Mylasa, Hekatomnos' Sohn, 
Maussollos' Bruder; vermählt mit 
Ada 250; Beziehungen zu Agesilaos 
(363) 203"; im Satrapenaufstand 
gefangen (362) 240'; sucht vergeb- 
lich Herakleia a. L. zu erobern (um 
360) 241; Satrap (351-344)226«'.; 
wird mit der Bekämpfung des ky- 
prischen Aufstandes betraut (351/0) 
134 f. 172. 250 f.; gewinnt Chios 
(um 346) 251. 

lericho durch die Perser gewonnen 
(354) 170. 

Ilion unter persischer Herrschaft (400) 
40; ergiebt sich dem Derkylides 
(399) 46; von Charidemos besetzt 
(360) 214» 260. 279; wieder frei 
(359) 261. 286. 

Imbros von Athen zurückgenommen 
(393) 81' 84 f. 102; von denSonder- 
bündlern verwüstet (356) 287. 

lonien Abgrenzung gegen Aiolis und 
Karien 38 ' ; zu Tissaphernes' Satrapie 
gehörig (403. 401) 36. 40. 

Ionische Städte erbitten Lysandros als 
Nauarchen (406) 25 ; durch Kyros 
an Lysandros überlassen (404) 32; 
in Tissaphernes* Satrapie; erklären 
sich für Kyros (403) 36.40; weigern 
Tissaphernes die Huldigung und er- 
bitten von Sparta Hülfe (400) 41 ; 
stellen den Spartanern Truppen und 
Schiffe (400—394) 42 f. 58" 70. 72; 



23 



356 



Register. 



erbitten erneut Hülfe gegen Tissa- 
phernes (397)48. 50»; Feigheit ihrer 
Truppen (397) 51 (394) 75; ver- 
langen Agesilaos als Feldherrn (397) 
54 ; vgl. Eleinasiatische Griecben- 
städte. 

Iphikrates von Athen vernichtet eine 
spartanische Mora (392) 85; in den 
Hellespont geschickt (388) 99 ; hält 
Byzantion besetzt (387) 103; hei- 
ratet eine thrakische Fürstentochter 
(um 378) 160; in Pharnabazos* 
Dienst (377-373) 160 if.; Münzen 
161 A.; unterdrückt eine Verräterei 
in Ake (375) 162'; mit Pharnab. 
nach Aegypten (374) 162 ff. ; flüchtet 
(373); Stratege in Athen (373/2) 163; 
klagt Timotheos an (373) 163'; 
Stratege (356/5) 287 f.; abberufen 
(356) 289; Prozess gegen I. (354) 
291 A. 

Isokrates, Stellung gegenüber Klein- 
asien 259; AbfassungBzeit des Busiris 
(um 385) 156"; des Panegyrikos 
(381) 137 ff.; des Archidamos (366) 
164'; der Friedensrede (355) 291 A.; 
des Philippos (346) 172 f. ; des Pana- 
thenaikos (339) 178*. 

luden, Kämpfe mit den Persem; ein 
Teil in Zwangskolonien angesiedelt 
(354 12) 170; bedrückt (348) 176'. 

K. 

Kadusier im Kampfe gegen die Perser 
(384) 129. 191 (um 355) 218'. 

Kalas makedonischer Feldherr in Klein- 
asien; durch Memnon geschlagen 
(335); hält Rhoiteion und Abydos 
(335/4) 306. 

Kalchedon unter einem spartanischen 
Harmosten (405) 25; unabhängig 
(401) 39; auf Athens Seite (387) 
102; athenerfeindlich (362) 277; 



von Kyzikos unterstützt (354)291*; 
von den Byzantiern besetzt (354) 292. 

Kallikratidas» spartanischer Nauarch, 
fällt (406) 25. 

Kamisares Satrap im südlichen Kappa- 
dokien; Vater des Datames; fallt 
(384/3) 191. 

Kammys Tyrann von Mytilene; ver- 
trieben (347) 295. 

Kardia unabhängig (357) 284. 

Karlen, Grenze gegen lonien 38'; 
Vorgeschichten; Bundesstaat; mit 
den Hekatomniden verfeindet 233' f. 
236. 239. 245; Tissaphernes' Haus- 
provinz (405-395) 36. 41; unter 
den Hekatomniden (395-334) 226 ff. 

Karpasia (Kypros) von Euagoras er- 
obert (391) 118. 

Kaunos Stützpunkt d. pers. Flotte; 
von Pharax belagert (396/5); ent- 
setzt (395) 62 f.; von Orontobates 
besetzt (334/3) 254. 261. 

Kehren unter persischer Herrschaft 
(400)40; von Derkylidas genommen 

(399) 46; von Charidemos besetzt; 
wieder persisch (360) 214' 261. 279. 

Kephisodotos , Athener, kämpft als 
Stratege ungUicklich im Hellespont 
(360/59) 214'. 279 f. 

Kerasus in Abhängigkeit von Sinope 

(400) 40. 

Kersobleptes von Thrakien athener- 
feindlich (357) 282; Verträge zw. 
Athen und K. (357) 284'. 

Kilikien unter einem einheimischen 
Satrapen 209; im Aufstand gegen 
Persien (362) 205. 209; unter per- 
sischer Herrschaft (358) 209. 

Kindya (Karien) Lage 232". 

Kios (Propontis) unabhängig (352) 
218 A. 260. 

Kisthene (Aiolis) von den Lakedai- 
moniern erobert (397) 48'. 



Register. 



357 



Eition von Euagoras vergeblich be- 
lagert; sucht in Persien Hülfe (391) 
118; Sammelpunkt der persischen 
Streitkräfte; Schlacht bei K. (386) 
125; an der Belagerung von Idalion 
beteiligt (386) 125«. 

Klazomenai im Bunde mit Athen (389) 
94 f.; Parteikämpfe in E.; löst sich 
von Athen (388); neuer Bund mit 
Athen (387) 101 ; Persien zugespro- 
chen (386) 105 f.; gewinnt Leukai 
(um 382) 191; von pers. Besatzung 
besetzt (334) 262 A.; schickt eine 
Gesandtschaft nach Athen ebd.; 
prägt Gold im IV. Jh. 262; Münzen 
des Orontes aus K. (349) 213*. 

Eleandros spartanischer Harmost von 
Byzantion (400) 42. 

Elearchos, Spartaner, Harmost, dann 
Tyrann von Byzantion ; von den 
Lakedaimoniern vertrieben; begiebt 
sich zu Kyros (402) 37. 109. 

Elearchos Tyrann von Herakleia am 
Pontes (363—352) 274. 276. 

Eleinasiatische Griechenstädte, Lage 
nach dem peloponnesischen Erieg 
23; durch Lysandros gleichmässig 
in Dekarchien und Oligarchien ge- 
ordnet; verleihen Ehren an Lys. 
(404/3) 30 f. ; durch Pharnabazos als 
unabhängig anerkannt; schliessen 
sich an Athen an (394) 10. 79 f.; 
treten wieder in ein Bundesver- 
hältniss zu Athen; ein Teil bleibt 
Sparta treu (389—386) 93 ff.; im 
Antalkidasfrieden getrennt (B86) 12. 
105 f. 258; wieder unter persischer 
Herrschaft vereinigt (352—334) 20 ff. 
291 ff'.; in dauerndem Handelsver- 
kehr mit Athen; von den atheni- 
schen Strategen gebrandschatzt (um 
350) 296. 

Festlandsgriechen: an Persien 
ausgeliefert (411) 23 f. (386) 12. 



105 f. 258; Lage nach dem Antal- 
kidasfrieden (386-334) 12 f. 258 fi\; 
im Aufstand gegen Persien (862) 
15. 205. 259; durch Maussollos be- 
droht (360) 240 ff.; Elend auf dem 
flachen Lande (um 350) 262 f. ; unter 
Orontes' Herrschaft (352?- 345 V) 
218. 224; unter Mentor von Rhodos 
(345) 21. 220; unter Memnon von 
Rhodos (334) 261 f. 303 ff. vgl. 
Aiolische u. Ionische Städte. 
Inselgriechen: Verhältnisse 
nach dem Antalkidasfrieden 263 ff.; 
mit Athen verbündet (386-378) 
265 f. ; im zweiten attischen Seebund 
(377) 268 ff. ; Parteiungen u. athener- 
feindliche Strömungen; eigenmäch- 
tige Politik (364) 274 ff.; im Kampf 
mit Athen (358— 355) 281 ff. ; unter 
persischem Einfluss (352— 834) 291 ff. 

Kleinasien Lage und Entwickelung 
1 ff.; Geschichte im IV. Jh. 4 ff.; 
1. Periode (404- 386) 6 ff. ; 2. Periode 
(886—852) 12 ff.; 3. Periode (352 
—334) 20 ff. 

Kleomis, .Tyrann von Methymna (347) 
295. 

Knidinion, Kastell im Eoressos (891) 
86». 87. 

Enidos fällt von Sparta ab (894) 79; 
im Bund mit Rhodos, Samos, Ephe- 
sos, lasoB (894) 10. 80; wendet sich 
wieder Sparta zu (390) 90. 102; 
Schlacht bei E. (894) 10. 73 ff. 

Eoarenda (Earien) 257. 

Eokylis, unter persischer Herrschaft 
(400) 40; ergiebt sich dem Derky- 
lidas (399) 46. 

Kolonai (Troas), durch Pharnabazos* 
Unterstatthalterin Mania erobert 
(403—400) 89; ergiebt sich dem 
Derkylidas (899) 46. 

Kolophon, persische Besatzung in K. 



358 



Register. 



(334) 261 ' ; Gesandtschaft nach Athen 
ebd. 

Eomania (Aiolis?), unter persischer 
Herrschaft (400) 40. 

Eondalos, Karer, Feldherr des Maas- 
sollos 242. 

Konon, Charakter und Pläne 10; fin- 
det Zuflacht bei Euagoras (405) 48. 
117; verhandelt mit Artaxerxes (398) 
48 f. 110 f.; persischer Nauarch (397) 
50; nach£ilikien(397)52; v.Pharax 
bedrängt (397/6) 54. 62; in Kaunos 
eingeschlossen (396) 62 ; entsetzt (395) 
62 f.; gewinnt Rhodos (395) 64; fängt 
eine Hulfssendung aus Aegjpten ab 
(395) 65; reist an den Perserhof 
(395) 65 ; klagt Tissaphernes an, er- 
bittet Pharnabazos als persischen 
Admiral; kehrt zur Flotte zurück 
(395) 65 f.; rüstet (395/4) 68. 72; 
eröffnet den Seekrieg: siegt bei 
Knidos (394) 10. 73 ff.; veranlasst 
die Freigabe der kleinasiatischen 
Städte (394) 10. 79; belagert ver- 
geblich Abydos (394) 79; mit Phar- 
nabazos über die Kykladen und die 
Peloponnes nach Athen (393) 10. 81 ; 
Ehren in Athen (393) 82; Mauer- 
bau ; sucht vergeblich eine Familien- 
verbindung zwischen Euagoras und 
Djonyeios I. zu vermitteln ; Versuch 
der Gründung eines neuen atheni- 
schen Seebundes (393) 82 f. 117; von 
Sparta in Persien verdächtigt (393) 
83; gefangen (392) 11. 84; entflieht 

(392) 11. 86. 89\ 117; schürt den 
Krieg gegen Persien (391) 88. 117; 
Tod (390) 11. 

Korinth schickt Gesandte an Tiribazos 

(393) 84. 

Korinthischer Krieg (395-386) 9. 68 f. 

88. 85. 
Korylas, Fürst der Paphlagoner, im 

Aufstand gegen Persien (400) 70. 



Kos fällt von Sparta ab (394) 79; 
Synoikismos (366); Beziehuncren zu 
Maassollos 238. 281; im Sonder- 
bunde gegen Athen (357) 18. 243. 
283 ff. ; schliesst Frieden mit Athen 
(355) 290; von Maussollos verge- 
waltigt (354) 20. 244. 246». 292; 
beteiligt sich am Entsatz von By- 
zantion (339) 252. 297. 
Kotyora (Pontes), in Abhängigkeit 

von Sinope (400) 40. 
Kotys von Thrakien greift Sestos an; 
vertrieben (364) 201 f.; von Chari- 
demos unterstützt (360) 214*. 
Kratesippidas, spartanischer Nauarch 

(408) 31«. 
Ktesias von Knidos vermittelt zwischen 
Konon, Euagoras und Persien (398) 
49; reist nach Kypros, Knidos und 
Sparta (397) 50; besteht glücklich 
einen Prozess in Rhodos (397) 52 f. 
Kunaxa, Schlacht bei (401) 40. 
Kykladen unter Spartas Herrschaft 
(394); von Konon befreit (393) 10. 
80; Streitobjekt zwischen Athen und 
Sparta (381) 17. 264. 
Kyme von Tissaphernes vergeblich 
belagert (400) 42; Sammelplatz der 
persischen Streitkräfte (387) 123; 
Streit mit Klazomenai ; unabhängig 
(382) 191. 260. 
Kypros, Lage 14; von Euagoras er- 
obert (391) 14. 88. 118 f.; Persien 
zugesprochen (386) 105 f. ; im Auf- 
stand gegen Artaxerxes 111. (351/0) 
21. 133 ff. 171. 250 f. 
Kyreier s. Zehntausend. 
Kyros reist zu seinem sterbenden Vater 
und setzt Lysandros als Stellvertreter 
in Sardes ein (405) 25; überlässt 
Lysandros die ionischen Griechen- 
städte (404/3) 32; nimmt die ioni- 
schen Städte gegen Tissaphernes in 
I Schutz (403) 36; gewährt den ver- 



Register. 



359 



triebenen Milesiern Zuflucht und 
belagert Milet (402) 36; rüstet 
gegen seinen Bruder Artaxerxes II. 
(402/1) 37; erbittet und erhält von 
Sparta Hülfe (402/1) 37; kämpft 
und fällt gegen Artaxerxes (401) 13. 
38. 40; Nachwirkung seines Zuges 
13. 190. 

Eytonion (Aiolis), unabhängig (4(X))40. 

Eyzikos, unabhängig (400) 39; (386) 
106 A. 275; Festlandbesitz 106 A.; 
nimmt nicht an dem Sonderbunde 
von Rhodos, Samos, Ephesos, Kni- 
dos, lasos teil (394) 80; von Tim o- 
theos entsetzt (363) 275; Mauer- 
bauinschrift aus E. 276 A.; athener- 
feindlich (362) 277; bedrängt und 
erobert Prokonnesos (361) 277 f.; 
wieder mit Athen befreundet (856) 
288'; leistet Ealchedon Hülfe (354?) 
292 ; schlägt einen Angriff Memnons 
ab (335) 306. 

L. 

Laches, Athener, Stratege (364/3) ; von 
Epameinondas geschlagen 201 \ 274. 

Lakrates, Thebaner, in Ochos* Dienst 
(345) 177. 

Lamios, Spartaner, in Nektanebos* 
Dienst (353) 189. 

Lampsakos unter einem spartanischen 
Harmosten (405) 25; unabhängig 
(400) 39; durch Agesilaos vor 
Plünderung geschützt (395) 70; 
unter persischer Herrschaft; frei 
(um 862) 260. 278. 280; in Freund- 
schaft mit Athen (362. 359) 278. 
280; von Eephisodotos nicht unter- 
stützt (359) 280; von Chares er- 
obert (355) 210. 291 A ; unter Mem- 
nons Herrschaft (340) 301 A; prägt 
Gold im IV. Jh. 262; Orontesmünzen 
in L. 213». 

Larisa (Aiolis) unter persischer Herr- 



schaft; weigert Thibron die Auf- 
nahme; vergeblich belagert (399) 
40. 44. 

Larisa (Troas) durch Mania Pharna- 
bazos^ünterstatthalterin erobert (403 
— 400) 39 ; ergiebt sich dem Derky- 
lidas (399) 46. 

Lemnos im Besitz Athens (393) 81 \ 
84. 102; von den Sonderbündlern 
verwüstet (356) 287. 

Leon, Athener, Gesandter in Persien 
(371 u. 367) 198». 

Leontichos, athenischer Stratege (387) 
103. 

Lesbos fallt von Athen ab; lakedai- 
monische Partei in L. (389/8) 95 f. ; 
Hauptquartier der Athener (388) 
99; im athenischen Seebunde (377) 
268 ff.; (352) 20. 294. 

Leuktra, Schlacht bei L. (362) 18. 

Libys, Lysandros* Bruder, Nauarch 
(403) 109. 

Lokris im Bund mit Theben und 
Athen (395) 68 f. 

Loryma, Hauptquartier der Perser- 
flotte (394) 64. 73. 

Lydien zu Eyros* Satrapie gehörig 
(405) 25. 41 ; kommt an Tissaphemes 
(401) 41. 

Lykien unter athenischem Einfluss 
(387) 102 ; im Aufstand gegen Per- 
sien (362) 205; durch Maussollos 
bekämpft und zum Teil unterworfen 
(361-358) 241 f.; Beziehungen zu 
Pixodaros 252. 

Lysandros Charakter, Pläne 7 f. 24 ff. 
57; siegt bei Notion (407) 24; ver- 
anlasst die Bildung von Hetairien 
in Eleinasien (406) 24 ; durch Ealli- 
kratidas abgelöst (406) 25; wieder 
Nauarch (406) 25; Eyros* Stellver- 
treter in Sardes (405) 25; stürzt in 
Milet die Demokratie (405)25; siegt 
bei Aigospotamoi (405) 25; erobert 



360 



Register. 



die bellespontischen Städte 25 f.; 
nimmt Athen und Samos (404) 7. 
27. 28'; setzt in Samos die erste 
Dekarchie ein (404) 27; in Athen 
die Dreissig (404) 27 f.; führt in 
Thrakien, den hellespontischen und 
kleinasiatischen Städten die Dekar- 
chien durch; vergewaltigt Thasos 
und Ghios, giebt Sestos an seine 
ausgedienten Deckoffiziere ; legt 
Steuern auf (404/3) 29 ff.; Ehren der 
kleinasiatischen Städte für L. 30; 
Machtstellung 109; verständigt sich 
mit Eyros über die ionischen Städte 
(404/3) 32; Konflikt mit Pharnu- 
bazos 7. 32 f. ; abberufen (403) ; wall- 
fahrtet zum Zeus Ammon; Rück- 
kehr (403) 34; beeiuflusst die lake- 
daimonische Politik (403-396) 8. 
35 ff. ; veranlasst die ionischen Städte 
sich für Eyros zu erklären (403) 
36; setzt in Sparta die Unterstützung 
des Kyros durch (401) 37*. 41; be- 
stärkt die ionischen Städte imWider- 
stände gegen Tissaphornes (400) 41; 
erhebt Agesilaos zum König (398) 
8. 53; in Agesilaos' Kriegsrat nach 
Asien (396) 54 ; Konflikt mit Agesi- 
laos (396) 8. 56 f. ; im Hellespont ; 
gewinnt Spithridates (396) 57; kehrt 
nach Sparta zurück (395) 58; Tod 
(395) 9. 69». 

M. 

Magnesia am Maiandros, von Thibron 
genommen; nach dem Thoraxge- 
birge übersiedelt (400) 43 ; schliesst 
sich an Sparta an (391) 87; von 
den Makedonen besetzt (336) 303; 
von den Persern (335/4) 261. 303. 

Makedonien, Entwicklung seit den 
Perserkriegen 298. 

Mandrokles, Magnete, Söldnerführer 
in Datames' Dienst (375) 161'. 



Mania, Gemahlin des Zenis von Dar- 
danos, Unterstatthalterin des Phar- 
nabazos; erobert Hamaxitos, Larisa, 
Kolonai (403—400) 39; ermordet 
(399) 45. 

Mantineia von Sparta vergewaltigt 
(385) 17. 141; Schlacht bei M.(362) 
18. 164. 

Maussolleion 248. 250. 

Maussollos, karischer Heros 231 ^ 

Maussollos von Kindya 232. 

Maussollos von Mylasa, Hekatomnos' 
Sohn, als Knabe durch Dexippos 
von Kos geheilt 234; Persönlichkeit, 
Charakter 236; Regierungszeit (377 
— 353) 226 ff. ; Ausdehnung seines 
Reiches 242 ; Charakter seiner Herr- 
schaft 16. 245 f.; Politik 235. 237 ff. 
243; synoikisiert Halikarnassos (um 
367) 235. 237 f.; Bauten in H. 246ff.; 
belagert mit Autophradates Assos 
und Adramytteion (366/5) 202. 237 
bei Artaxerxes verdächtigt (366) 
236 ff.; in Beziehung mit Agesilaos 
(364/3) 237; empört sich gegen 
Artaxerxes (362) 15. 205. 238; zieht 
sich von der Empörung zurück (361) 
206. 207. 238 f.; vom Grosskönig be- 
straft 240*; Gelderpressungen 239f.; 
Streifzüge gegen die Lykier und 
die Griechenstädte (361—353) 240ff. ; 
Vertrag mit Phaseiis 242. 256; 
Feindschaft gegen Athen 243; Ur- 
heber des Bundesgenossenkrieges 
(357—355) 18. 20.243.282; Freund- 
Schaft mit Erythrai (357) 244; im 
Sonderbund mit Kos, Rhodos, Chios, 
Byzantion 283 ff. ; vergewaltigt Rho- 
dos und Kos (354) 20. 244. 292; 
prägt Münzen in milesischem Typus 
241«; Tod (353) 245. 

Maussollosurkunden 206*. 230*. 232. 
236. 245. 256 f. 

Mazaios, Satrap von Kilikien (seit 



Register. 



361 



858) 209; mit Niederwerfung des 
phoinikischen Aufstandes betraut; 
geschlagen (351/0) 172. 

Medokos, thrakischer Fürst, durch 
Thrasybulos mit Seuthes versöhnt 
(389) 95. 

Megabates, Perser, Sohn des Spithri- 
dates 70*. 

Meidias, Athener, unternimmt eine 
Eaperfahrt (356) 288*. 

Meidias, Schwiegersohn der Mania, 
ermordet diese und bemächtigt sich 
der Herrschaft (399) 45; von Der- 
kylidas entsetzt (399) 45 f. 

Melanopos, Athener, Gesandter bei 
Maussollos (354) 292*. 

Melekiaton, König von Kition, er- 
obert Idalion (381?) 125'. 

Memnon von Rhodos, Schwager des 
Artabazos, nimmt Charidemos in 
Dienst (360) 214*. 279; empört sich; 
fluchtet (352); begnadigt (344) 220; 
Hyparch in der Troas; Güter (340) 
301 A.; kämpft mit den Makedonen ; 
nimmt Magnesia a. M. und Ephesos 
(336/5) 303. 305; verwüstet das Ge- 
biet von Ey zikos ; schlägt die Make- 
donen (335) 306; organisiert Klein- 
asien (335/4) 262. 

Menelaos, d. ArrhabaiosSohn; atheni- 
scher Bürger; vermittelt Ilion die 
Freiheit (360) 280. 

Menestheus, Iphikrates* Sohn, Stratege 
(356/5) 287 f.; abberufen (356) 289; 
Frozess gegen M. (354) 291 A. 

Mentor von Rhodos, Schwager des 
Artabazos, nimmt Charidemos in 
Dienst (360) 214\ 279; empört sich ; 
flüchtet ; tritt in aegyptische Dienste 
(352) 219; den Sidoniern zu Hülfe 
geschickt (351) 172; verrät Sidon; 
in persischen Diensten (um 348) 175; 
kommandiert in Aegypten (345) 177; 
Streitigkeiten mit Bagoas (345) 178; 



erhält den Befehl über Vorderklein- 
asien (345) 178. 220; lässt Hermias 
hinrichten (345) ; ordnet Kleinasien; 
vermittelt Artabazos* und Memnons 
Begnadigung (344) 21. 220. 262. 

Messene durch Persien als selbständig 
anerkannt (367) 198. 

Methymna spartanerfreundlich (389) 
96. 102; im Bunde mit Athen (um 
386) 265; im zweiten attischen 
Seebund (377) 268 f.; unter einem 
Tyrannen (347. 334) 295. 

Miletos, Sturz der Demokratie in M. mit 
Lysandros' Beibülfe (405) 25; die 
Verbannten durch Pharnabasos auf- 
genommen (405) 32'; von Tissa- 
phernes genommen (403); von Kyros 
belagert (402) 36; von Aigyptos, 
Maussollos* Feldherrn, angegrifien 
(nach 361) 241 ; von den Persern 
besetzt (331) 261. 

Mithradates , Perser , Ariobarzanes* 
Sohn, verrät seinen Vater und er- 
mordet Datames (362) 206. 

Mithrobarzanes, Datames* Schwieger- 
vater, 8. Verrat und Tod (um 368) 
195. 

Mossynoiken (Pontos) unabhängig 
(400) 40. 

Mutbes, König von Aegypten, Regie- 
rungszeit (382—381) 146. 153. 159. 

Mylasa, Heimat der Hekatonmiden 
232; hält treu zu Maussollos (366) 
236, (361) 239 f., (353) 245. 

Myndos von Orontobates besetzt und 
behauptet (334/3) 254. 261. 

Myrina unter einem persischen Dy- 
nasten (400) 40; schliesst feich an 
Sparta an (399) 44. 

Mytilene fällt von Sparta ab (394j 
79; im Bunde mit Athen (389- 386) 
96. 102; Festlandbesitz nach dem 
Antalkidasfrieden (386) 105«; hält 
am Bündniss mit Athen fest (386 



362 



Register. 



265; im zweiten attischen Seebund 
(877) 268 f.; unterstfitzt Athen beim 
Angriff auf Samos (369) 272; hält 
treu zu Athen (361) 278; Oligarchie 
in M. (858)294; gestürzt (852) 294; 
Tyrannis in M. ; mit athenischer 
Hülfe gestürzt (847) 295 f. 

N. 

Nauarchen, die spartanischen 107 ff. 
Naukratis von Athen als feindlich 

betrachtet (354) 298 A. 
Neandreia (Troas) unter persischer 

Herrschaft (400) 40; ergiebt sich 

dem Derkylidas (899) 46. 

Nektanebos I., König von Aegypten, 
Sohn Nepherites I. ?, Begierungszeit 
(881-363) 145 ff 160; im Kampf 
mit Persien (374) 162 ff. 

Nektanebos II., König von Aegypten, 
Begierungszeit (861 - 848) 146 ; Feld- 
herr des Tachos, empört sich (861) 
166; von Ochos anerkannt (361) 
168. 208; wirft eine Empörung 
nieder (358) 169; im Kampf mit 
Persien (346—343) 172 ff.; flieht nach 
MemphiH (845) 177; nach Aethiopien 
(343) 178; stirbt (839) 178; doppelte 
Bechnung seiner Begierung (361— 
848. 858—840) 184. 149 f. 

Nepherites L, König von Aegypten, 
Begierung8zeit(402 — 396) 146; unter- 
stützt die Lakedaimonier (396/5) 62. 
65. 152 

Nepherites II., König von Aegypten, 
BegierungBzeit (381) 146. 159. 

Nikeratos von Herakleia dichtet einen 
Hymnos auf Lysandros' (404/3) 31*. 

Nikias, Freund des Idrieus 203*. 

Nikias, Athener, Söldnerführer in 
Chabrias' Diensten (386-380) 159. 

Nikiu Kome (Aegypten) 159. 

Nikokles, König von Salamis, Sohn 



und Nachfolger des Euagoras (374/3 
-859/8); Begierung; Tod 182 f. 

Nikokreon, Ky prior, Verwandter und 
Gegner des Euagoras 132. 807. 

Nikokreon, Enkel? des vorigen, König 
von Salamis (um 820) 807 f. 

Nikolochos, Epistoleus des Antalkidas, 
plündert in Tenedos; von den 
Athenern in Abydos eingeschlossen 
(388) 101. 108. 111. 

NikophemoSy Athener, Freund und 
Unterbefehlshaber Konons , über- 
nimmt das Kommando der Flotte 
(886) 65. 66»; Harmost von Phoini- 
kus (393) 81; hingerichtet (889) 91 
120». 

Nikostratos, Argiver, in Ochos* Dienst 
(345) 177. 

Nisyros fällt von Sparta ab (394) 79. 

Notion, Schlacht bei (407) 24 ; nimmt 
die vertriebenen Samier auf (404) 27. 

0. 

Olynthischer Krieg, Chronologie (382 
—879) 17. 187 ff. 

Ophryneion unabhängig (400) 40. 

Orontes, Perser, wegen Umgangs mit 
Parysatis hingerichtet 221. 

Orontes, Perser, von Kyros hinge- 
richtet 221. 

Orontes, Artasyras* Sohn, Perser aus 
dem Geschlecht des Hydarnes, Statt- 
halter im östlichen Armenien; 
Schwiegersohn Artazerzes* II. (401) 
221 ; befehligt gegen Euagoras (386 
—388) 123 ff. 221 ; intrigiert gegen 
Tiribazos (385,4) 128; Oberbefehls- 
haber (884/3) 128 f.; schliesst mit 
Euagoras Frieden (384) 129; in Un- 
gnade : nach Mysien als Unterstatt- 
halter verbannt (388) 130. 221 ff.; 
Oberbefehlshaber der Aufständischen 
(362) 205; Verräter (362) 206. 228 f.; 
erhält Armenien zurück (361) 224; 



Register. 



363 



empört rieh von, neuem (361/0) 16. 
207 ; Kämpfe mit Ochos (360-358) 
208 f.; unterwirft sich (358) 209. 
224 f.; empört sich zum dritten 
Male ; befestigt Pergamon ; kämpft 
mit Autophradates (um 355) 19. 212£P. 
224. 303; von den Athenern unter- 
stützt 19. 213 ff.; münzt in Lampsa- 
kos und Klazomenai 21 1\ 213; 
Frieden; erhält Vorderkleinarien 
(352-345?) 218 f. 225. 

Orontes, Enkel? des vorigen, Satrap 
von Armenien (331. 316) 222. 225. 

Orontes, Satrap von Armenien (um 
300) 222. 

Orontesurkunden 313 ff. 294*. 

Orontobates, Perser, Satrap von Karien 
(um 336); Pizodaros* Schwiegersohn, 
Mitregent, Nachfolger (334); be- 
hauptet sich gegen Alexander in 
Halikamassos ; unterliegt (333) 254; 
Münzen 254. 

Orophernes kämpft in Ochos* Auf- 
trage gegen die Juden (353) 171. 

Otjs, Fürst der Paphlagoner, mit 
Agesilaos befreundet; im Aufstand 
gegen Persien (395) 70. 

P. 

Palaigambreion unter einem persi- 
schen Dynasten; schliesst sich an 
Sparta an (399) 40. 44. 

Pammenes, Thebaner, in Artabazos* 
Diensten ; siegt über die persischen 
Reichstrnppen ; verhaftet (353/2) 
211 f. 

Pamphilos, athenischer Feldherr, in 
Aigina belagert (389); angeklagt 
(388) 91 \ 

Pamphylienim Aufstand gegen Persien 
(362) 205. 

Panionion vom Mykale nach dem 
ephesi»chen Gebiet verlegt (373/2) 
241». 



Panthoidas, spartanischer Nauarch, 
(403/2) 109. 

Paphlagonien aufsässig gegen Persien 
(400. 395) 40. 70; von den Persem 
unterworfen (um 380) 192. 

Parion unabhängig (400) 39; auf 
Athens Seite? (387) 102. 104*. 

Parmenion makedonischer Feldherr 
in Eleinasien (336/5) 302 ff.; nimmt 
Grjneion; belagert Pitane; von 
Memnon geschlagen; kehrt nach 
Makedonien zurück (335) 306. 

Parthenion (Aiolis) unter persischer 
Herrschaft (400) 40. 

Parysatis intrigiert gegen Tissaphernes 
(395) 66. 

Peisandros, Agesilaos* Schwager, spar- 
tanischer Nauarch (395) 70. HO; 
unterliegt u. fällt bei Enidos (394) 75. 

Peloponnes, Bewegungen gegen die 
Makedonen in d. P. (335) 306. 

Pelusion von Ochos erobert (345) 177. 

Pergamon unter einem persischen 
Dynasten (400) 40; schliesst sich 
an Sparta an (399) 44; von Orontes 
besetzt (355) 212. 224. 

Perikles lykischer König 242. 

Perinthos von Philipp belagert; ent- 
setzt (340) 297. 300. 

Perkote auf Spartas Seite? (387) 102. 

Persien, Entwicklung seit Dareios I. 
5. 13; Verträge mitSparta (412/1) 23. 

Phanias, athenischer Stratege (387) 103. 

Phanokritos von Parion leistet den 
Athenern Dienste (387) 104*. 

Pharai (Messenien), Gebiet geplündert 
(393) 81. 

Pharakidas, Spartaner, Flottenfährer 
im Dienste Dionysios* I. (397) 54'. 

Pharax, spartanischer Nauarch, kreuzt 
an der karischen Küste (397) 48. 51. 
HO; bedrängt Konon (397/6) 54.62; 
belagert Kaunos (396/5); zieht sich 



364 



Register. 



nach Rhodos zarück (395) 63 ; räumt 
Rhodos (395) 64 ; abberufen (895) 69. 

Pharnabazos» Satrap von Daskyleion, 
nimmt die vertriebenen Milesier 
auf (405) 32« vgl. 25; vermittelt 
Alkibiades* Ermordung (403) 32 f.; 
weist Lysandros* Ansprüche auf die 
aiolischen Städte zurück; verklagt 
Lys. in Sparta (408) 8. 38 f. ; Kon- 
flikt mit Derkylidas 34'; bleibt 
während Eyros* Zug in seiner Satrapie 
(401/0) 40; schliesst mit Derkylidas 
einen Waffenstillstand (399) 46; 
reist an den persischen Hof (398) 
48 ff.; zu Tissaphernes ; verhandelt 
mit Derkylidas (397) 51; entsetzt 
Eaunos (395) 63; Karanos und 
Adniirul (394) 66. 72'; Zusammen- 
kunft mit Agesilaos (395/4) 71 f.; 
vereinigt sich mit Konon; siegt bei 
Knidos (394) 73 ff.; bewilligt den 
Griechenstädten Kleinasiens die Frei- 
heit (394) 10. 79 ; belagert vergeb- 
lich Abydos (394) 79; mit Konon 
nach Griechenland (393) 81 ; athener- 
freundlich (389) 96; heiratet Arta- 
xerxes' IL Tochter (389) 157; be- 
fehligt gegen Aegypten (389—387) 
153 ff. (377-375. 374/3) 160 ff.; er- 
bittet sich Iphikrates (377) 160; 
schlägt Münzen in Phoinikien (397) 
. 53* (377) 161 A.; in Kaunos (395) 
63'. 

Phaselis schliesst einen Handelsvertrag 
mit Athen (388) 97 f. 102; unab- 
hängig (360) 242. 256. 260; Ver- 
trag mit Maassollos 241. 256; von 
den Persern besetzt (334) 261. 

Pherendates persischer Satrap in Ae- 
gypten (343) 179. 

Philipp II. von Makedonien erobert 
Amphipolis (357) 282. 284 ; breitet 
seine Herrschaft auf Kosten Athens 
aus 18 f. 298 f. ; geleitet Pammenes 



bis Maroneia (853) 211 ; antipersische 
Politik (352) 298 f. ; schliesst mit 
Ochos ein Bündniss (343) 21. 299; 
belagert Perinthos und Byzantion 
(340/39) 297. 300; siegt bei Chai- 
roneia; Oberfeldherr der Hellenen 
gegen Persien (338) 302; sendet 
Parmenion, Amyntas u. Attalos nach 
Asien (336) 22. 302 ; ermordet (336) 
303. 

Philipp Arrhidaios soll mit Pixodaros* 
Tochter vermählt werden (337) 258. 

Philiskos von Abydos von Ariobar- 
zanes nach Griechenland geschickt 
(368) 197 ; besoldet athenische Söld- 
ner in Perinthos (363?) 201'; athe- 
nischer Bürger 201'; ermordet (um 
362) 206 •. 

Philodikos spartanischer Harmost in 
RhodoH (390) 90. 

Philokrates, Athener, mit einer für 
Euagoras bestimmten Hülfsflotte ge- 
fangen (390) 91. 120. 

Phlius im Kampf gegen Sparta (381 
-379) 17. 140 ff. 

Phoinikien unter Euagoras* Schutz- 
herrschaft (387) 122; im Aufstand 
gegen Persien (362) 205 ; durch Ochos 
unterworfen (362—358) 209; empört 
sich von neuem (351/0) 171 f.; end- 
gültig befriedet (346) 175 f. 

Phoinikus (Kythera) von Konon und 
Pharnabazos genommen (393) 81. 

Phokaia von Agesilaos erobert (396) 
58; Sammelplatz der persischen 
Streitkräfte(387)123;prägtElektron- 
münzen im IV. Jh. 262. 

Phokion, Athener, Stratege (353/2); 
bei Orontes 213 ff.; kämpft gegen 
Athenodoros (352) 217 ; kämpft gegen 
die Aufständischen in Kypros (350) 
21. 134. 218 f. ; im euboiischen Kriege 
(349) 134 f. 

Phokis im Bund mit Sparta (395) 68 f. 



Register. 



365 



Phrjgien (Gross-) zar Satrapie des 
Eyros gehörig ; geht an Tissaphernes 
über (401) 41. 

Physkos (Südkaste der knidischen 
Chersones) 74 f. 

Pigres von Halikarnassos 232*. 

Pinara (Lykien) von Pixodaros be- 
schenkt 252; von den Persern be- 
setzt (384) 261. 

Pisider im Aufstand gegen Perdien 
(362) 204\ 205 vgl. 196 A. 

Pitane von Parmenion belagert; ent- 
setzt (335) 306. 

Pixodaros von Kindya Maussollos' 
Sohn (V. Jh.) 232. 

Pixodaros von Mylasa Hekatomnos' 
Sohn; als Knabe durch Dexippos 
von Kos geheilt 234; Kegierungs- 
zeit (340—344) 226 ff. ; vertreibt Ada 
(340) 251 ; leistet gegen Makedonien 
Hülfe (340/39) 252 f. 301 A.; Be- 
Ziehungen zu Lykien 252; sucht 
mit Makedonien sich zu verbünden 
(337) 253. 298 ; setzt seinen Schwie- 
gersohn Orontobates als Mitherrscher 
ein (um 336) 254; Tod (334) 254; 
Goldmünzen 253*. 

Pissuthnes, persischer Satrap, im Auf- 
stand (414) 151. 233. 

Pnytagoras von Salamis, Euagoras* I. 
Sohn, befehligt in Salamis (386/5) 
126; ermordet (374/3) 132. 

Pnytagoras, König von Salamis, Sohn 
des Nikokreon? (351-332) 134 ff. 

Podanemos spartanischer Nauarch (393) 
110. 

PoUis spartanischer Epistoleus (393) 
110. 

Polos spartanischer Nauarch (400) 110. 

Prione schliesst sich an Sparta an (391) 
87; stellt dem Derkylidas Hülfs- 
truppen (397) 51 ; im Streit mit 
Samos 241^; erbaut einen neuen 
Athenetempel (334) 263; von den 



Persern besetzt (335) 262 A. ; sendet 
eine Gesandtschaft nach Athen ebd. 

Prokonnesos auf Athens Seite? (387) 
102; im zweiten att. Seebund (um 
370) 270 ; von Kyzikos erobert (360) 
277 f. 

Psamut Thronprätendent lässt ; Tamos 
ermorden (400) 151 f.; König von 
Aegypten, Regierung8zeit(383 — 382) 
146. 159. 

Pygela im Bunde mitEphesos; durch 
Maussollos bedroht 241. 

Pyrrha (Lesbos) spartanerfreundlich 
(389) 96. 102; im zweiten attischen 
Seebund (um 370) 270. 

Pythagoras spartanischer Nauarch 
(401) 37*. 109. 

R. 

Rheomitres, Perser, im Aufstand gegen 
Artaxerxes; Verräter (362) 206. 

Rhodos Hauptstützpunkt der Lake- 
daimonier (397—395) 54»; schliesst 
sich an Athen an (395) 65; stellt 
zur Flotte Konons Schiffe? (394) 
73; im Bund mit Ephesos, Samos, 
Knidos, lasos (394-390) 10. 80. 91 ' : 
in Beziehungen mit Theben (B94) 
275 A.; Parteikämpfe in Rh. (391 
-388) 88. 90. 97; Stellung zu 
Athen und Sparta unbekannt (387) 
102*; Festlandbesitz nach dem An- 
talkidasfrieden (386) 105*; im zwei- 
ten att Seebund (377) 268; tritt 
zu Theben über (364) 274; fällt 
von Athen ab (357) 18. 243. 283; 
schliesst Frieden mit Athen (355) 
290; unter MaussoUos^ Herrschaft 
(354) 20. 244. 246. 292; befreit sich; 
durch Artemisia zurückerobert (352) 
248; unterstützt Byzantion (339) 
252. 297 ; »der Krieg um Rhodos« 
(397-395) 54. 



366 



Register. 



Rhoikos König von Amathns (387) 

123. 
Rhoisakes persischer Feldherr (345) 

177 ; Satrap von lonien und Lydien 

(nin 340) 301 A. 
Rhoiteion v. d. Makedonen besetzt 

(335) 306. 

S. 

Salamis (Kjpros) Lage ; Herrscher 113; 
von einem phoinikischen Fürsten 
erobert (um 430); von Abdemon 
von Eition (um 412); von Euagoras 
(411) 113 f ; durch die Perser be- 
lagert (386-381) 125 ff. 

Salmakis Altstadt von Halikarnasaos 
247 ; von Orontobates besetzt (334/3) 
253. 

Samios, spartanischer Nauarch, be- 
lagert mit Kyros Milet (402) 36. 
109; begleitet Kyros* Flotte nach 
Kilikien (401) 37\ 

SamoB vertreibt die Aristokraten; 
Sympolitie mit Athen; leistet Lysan- 
dros Widerstand (405) 26; von 
Lysandros belagert; übergeben; Ein- 
führung der ersten Dekarchie in S. 
(404) 7. 27 ; Ehren für Lys. inS. (404/3) 
31 '; unterhandelt mit Sparta (403/2) 
27; fällt von Sparta ab (394) 79; 
errichtet für Konon ein Standbild 
(394) 80; im Bund mit Rhodos, 
Kphesos, Knidos, lasos (394) 10. 80. 
91*; Stellung zu Athen u. Sparta 
unbekannt (387) 102"; Festlandbe- 
sitz nach dem Antalkidasi'rieden 
(386) 105"; schlägt einen Angriff 
des Chabrias ab (375) 270; sucht 
Anlehnung bei Persien ; von Kypro- 
themis besetzt; von Iphikrates ver- 
geblich belagert (369) 272; von 
Timotbeos erobert (365) 18. 200. 
273; mit attischen Kleruchen besetzt 
(365) 200». 273, (361/0) 20. 278, 



(362/1)294; von den Sonderbündlern 
belagert (356) 278 f. ; im Streit mit 
Prione 241*; den Saraiern zurück- 
gegeben (322) 290*. 

Samothrake Standquartier der athen. 
Flotte (388/7) 100. 102. 

Sardes, Schlacht bei S. (395) 60; 
Friedensverhandlungen in S. (392) 
83 f. (387) 105; von den Persern 
besetzt (334) 261; Strassen nach S. 
61*. 

Satrapenaufstande 15. 190 ff. 259. 

Sestos unter einem spartanischen 
Harntosten (405) 25 ; von Derkylidas 
erobert (394)79; an Lysandros' aus- 
gediente Deckoffiziere verliehen (404) 
30 f. ; den alten Bewohnern zurück- 
gegeben (403) 35; von Kotya be- 
lagert; von Timotbeos entsetzt; 
an Athen abgetreten ; erhält athe- 
nische Kleruchen (364) 201 ff. 276; 
Stützpunkt der athenischen Flotte 
(362/1) 278; von den Abydenern 
erobert (367) 278 ; wieder an Athen 
(357) 284 *. 288 * ; von neuem mit athe- 
nischen Kleruchen besetzt (353/2) 
294, (346) 296. 

Seuthes von Thrakien nimmt die »Zehn- 
tausend« in seinen Dienst (400) 42*; 
unterstützt Derkylidas (399) 46; 
durch Thrasybulos mit Medokos ver- 
söhnt (389) 95; wieder spartaner- 
freundlich (387) 106. 

Sidon empört sich gegen Persien (351) 
171; zerstört (um 348) 175; durch 
Euagoras II. verwaltet (um 348) 
175 A. 

Sigeion von Chares erobert und ge- 
halten (355) 211. 291 A. (334) 296. 

Sinope unabhängig; Kolonien (400 — 
370) 40. 192 ff. 260; von Datames 
belagert (um 870) 193; genommen 
(um 368) 194; Münzen 194'. 



Register. 



367 



Skepsis unier persischer Herrschaft 
(400) 40 ; von Derkylidas genommen 
(899) 46; von. Charidemos besetzt 
(360) 214 \ 261. 279. 

Soloi (Eypros) widersteht dem Eua- 
goras; sucht Hülfe in Persien (391) 
118. 

Sparta, kleinasiatische Politik in den 
den letzten Jahren des peloponnesi- 
schen Krieges: Verträge mit Persien 
(412/1) 23 f.; schliesst Frieden mit 
Athen (404) 26'; entschliesst sich 
zur Bildung eines Seereiches (404) 
7. 24 ff. ; löst die von Lysandros ein- 
gerichteten Dekarchien wieder auf 
(403) 34 f. ; wieder durch Lysandros 
geleitet (403—396) 36 ff. ; unterstützt 
Kyros bei der Belagerung von 
Milet (402) 36 und bei dem Zuge 
gegen Artazerxes (401) 37 f.; stellt 
sich freundlich zu Pharnabazos (400) 
42 ; beherrschende Stellung in Klein- 
asien am Beginn des IV. Jh. 41 ; 
tritt für die ionischen Städte gegen 
Tissaphernes ein (400) 42; im Krieg 
gegen Elis (399/8) 182'; entscheidet 
sich für den Kampf gegen Persien 
(899) 45; schickt Gesandte zu Arta- 
xerxes (398) 46 ff.; fordert Auto- 
nomie der kleinasiatischen Griechen- 
städte (397) 51. (396)56; Schwächen 
seiner kleinasiatischen Politik (399 
eis 394) 9. 78 f.; im erklärten Krieg 
mit Persien (396-387) 54 ff.; im 
Bund mit Phokis (395) 68 ; im Krieg 
mit Athen und dessen Verbündeten 
(395-886) 9. 68 ff*. ; erbittet von 
Nepherites von Aegypten Hülfe (895) 
62. 65. 152 f.; gewinnt Tiribazos 
(892) 88 ff.; unterhandelt mit Athen 
(392) 11. 85; mit Boeotien (392) 
85'; schliesst ein Bundniss mit Per- 
sien (387) 108; Friedenskongress und 
-abschluss in S. (386) 106; Politik 



nach dem Antalkidasfrieden in Grie- 
chenland 17. 137 ff'. 266; in Klein- 
asien 15. 190. 264; vermittelt zwi- 
schen Eurigoras und Persien (B81) 
121. 131; erobert Olynth (382-379) 
17. 137 ff.; Phlius 17. 140 ff.; hadert 
mit Athen um den Besitz der Ky- 
kladen (381) 17. 264; mit erneuten 
Kämpfen in Griechenland beschäf- 
tigt (seit 378) 17. 264. 266 ff.; 
Frieden mit Athen (374) 17; zweiter 
allgemeiner Friedenskongress in 
Sparta (^371) 273; im Bunde mit 
Ariobarzanes (367) 197. 202 ff.; 
schickt Gesandte an Artaxerzes 
(368/7) 197; unterstützt Ariobar- 
zanes (866) 197. 202 ff.; die auf- 
ständischen Aegypter (862 - 358) 
164 ff'. (353) 189; erklärt an Persien 
seine wohlwollende Neutralität (346) 
176. 

Sphodrias, Spartaner, versucht einen 
Handstreich gegen den Peiraieus 
(378) 266. 

Spithridates, Unterätatthalter d. Phar- 
nabazos; tritt zu Sparta über (896) 
57 ; zieht mit Agesilaos nach Papbla- 
gonien (895) 70; gerät in Streitig- 
keiten mit Herippidas; geht zu 
Ariaios über (394) 71'. 

Spithridates Satrap von lonien und 
Lydien; Münzen (um 340) 301 A. 

Sthenelaos Harmost von Byzantion 
(405) 30«. 

Straton, König von Sidon, unterstützt 
eine athenische Gesandtschaft (867) 
198*; nimmt den vertriebenen Ae- 
gypterkönig Tachos auf (861); Tod 
(um 358) 133. 209. 

Stratonikeia im karischen Bund 284. 
Stratonikos, Athener, Kitharist, von 
Nikokles hingerichtet 188. 

Struthas Karanos in Westkleinasien 



368 



Register. 



(392) 85; atheneifremidlich 86 f.; 

schlägt Tbibron (390) 87. 307. 
Syrphax, Ephesier, Führer der OH- 

garchen (335) 26. 303'. 
Sysinas, Datames* Sohn, verrät aeiDen 

Vater (am 368) 194. 

T. 

Tachos, persischer Feldherr, im Auf- 
stand; gründet Lenkai (383); fällt 
gegen Antophradates (382) 31. 191. 

Tachos, König von Aegypten, Re- 
gierungszeit (363-361) 146; be- 
schenkt Agesilaos (363)202; schickt 
Gesandte nach Athen (362) 165'; 
unterstützt die gegen Artaxerzes 
aufstehenden Satrapen (362) 205 f.; 
rüstet gegen Persien, Ton Chabrias 
und Agesilaos unterstützt; Angriffs- 
krieg gegen Persien; yertrieben; 
gefangen (361) 166 ff.; stirbt in 
Persien 168. 

Tachos, Statthalter des Königs Tachos 
in Aegypten (361) 166. 

Tamos von Memphis, Kyros' Admiral 
(401) 37'; Statthalter von lonien 
(401/0) 36; flieht nach Aegypten; 
Tod (400) 41. 151. 

Tarcamos, Dynast von Kilikien (vor 
375 — um 358); Münzen 16. 160"; 
entsetzt (858) 209. 

Teleutias, Agesilaos* Bruder, Nauarch 
im korinthischen Meerbusen; in 
Rhodos (390) 90f. llOf.; kapert die 
Flotte des Philokrates (390) 91. 120; 
kehrt nach Griechenland zurück 
(389) 97. 

Telmessos durch die Perser besetzt 
(334) 261. 

Temnos (Aiolis) unabhängig (400) 13. 
40. 260. 

Tenedos auf Athens Seite (387) 102; 
Festlandbesitz nach dem Antalkidas- 
frieden (386) 105' ; im zweiten atti- 



schen Seebund (377) 270; hält treu 
ZQ Athen (361) 278, (347) 10. 296 ; 
beteiligt sich am Entsatz von By- 
santion (340) 297. 

Tennes, König von Sidon (um 358 — 
uoi 348); empört sich gegen Per- 
sien (351); verrät die Stadt; hin- 
gerichtet (um 348) 175. 

Teos &llt von Sparta ab (394) 19. 

Teuthrania unter einem persischen 
Dynasten (400) 40; Bchliesst sich 
an Sparta an (399) 44. 

Thapsakoe (am Euphrat) 169. 

Thasos; die athenische Partei in Th. 
ausgerottet (404) 30 ; im Bunde mit 
Athen (389) 95; Standquartier der 
athenischen Flotte (388/7) 100. 102. 

Theben im Bunde mit Athen und 
Lokris (395); mit Athen, Korinth, 
Argos (394) 68 f.; schickt Gesandte 
an Tiribazos (393) 84; von den 
Spartanern besetzt (382) 17. 137. 
139; befreit sich (379) 17; im Bunde 
mit Athen (378) 266; im zweiten 
attischen Seebund (377)266'; Hege- 
monie (371-362) 18; schickt Ge- 
sandte an Artazerxes; erhält alles 
bewilligt (367) 198.274; Beziehungen 
zu Rhodos (395. 364) 80". 275 A.; 
gewinnt Byzantion, Chics und Rho- 
dos für sich (363) 274 f.; stachelt 
die athenischen Bundesgenossen auf 
(357) 282. 292; von Byzantion unter- 
stützt (353) 292; leistet Artabazos 
Beistand (353) 211; erbittet von 
Artaxerzes Hülfsgelder (351) 212; 
stellt d. Persern Hnifstruppen (346) 
176; antimakedonisch (335) 306. 

Thebes Pedion (Troas) 72. 

Theramenes weilt als athenischer Ge- 
sandter bei Lysandros (404) 28'. 

Therimachos, spartanischer Harmost 
in Methymna, fallt gegen Thrasy- 
bulos (389) 96. 



Register. 



369 



Thibron setzt nach Ephesos über (400) 
42; Streifzfige in das Maiandros- 
tal; übersiedelt Magnesia auf das 
Thoraxgebirge (400) 48; Winter- 
quartiere in Ephesos (400/399) 43 f. 
42'; wirbt den Rest der »Zehn- 
tausend« an (^99) 42*; vereinigt 
sich mit ihnen in Pergamon (399) 
44; belagert vergeblich Larisa; rückt 
nach Ephesos; abberufen (399) 44; 
verurteilt 44*; erneuert den Kampf 
in Persien (391) 86; unterliegt und 
fällt (390) 87. 

Thorax, spartanischer Uarmost in 
Samos (404) 27; abberufen; ver- 
urteilt (403) 33. 

Thrasybulos von Eolljtos, Stratege; 
gefangen (387) 103. 

Thrasybulos von Steiria nach Elein- 

asien geschickt; gründet einen neuen 

Seebund: das Zwangzigstel d. Thr. 

(389) llf. 92£f.; Kämpfe in Lesbos; 

Winterquartiere (389) 96. 98«; in 

Athen angefeindet (389) 12. 96 ; 

von neuem an die kleinasiatische 

S.-W.-Küste; in Aspendos erschlagen 

(388) 97 f. 
Thuys, Fürst von Paphlagonien ; von 

Datames unterworfen (um 380) 191 f. 

199*. 
Tibarener (Pontes) unabhängig (400) 

40. 
Tigranes, Struthas Schwiegersohn, von 

Diphridas gefangen (390) 90». 100; 

lässt Samos besetzen (369) 271. 

Timagoras, Athener, Gesandter in 
Persien (371 u. 867) 198*; verurteilt 
(366) 199. 

Timochares, König von Salamis, Bru- 
der? und Mitregent desNikokles 133. 

Timokrates von Rhodos, von Tithraustes 
nach Griechenland geschickt: ver- 
anlasst ein Bündniss von Athen, 

JUDEIOH, KleinastaUsche Studien. 



Theben, Korinth, Argos gegen Sparta 
(395/4) 68 f. 

Timotheos in persischem Dienst (372) 
163; kleinasiatische Politik 18.273; 
Ariobarzanes zu Hülfe geschickt (366) 
199; belagert und nimmt Samos 
(366/5) 200. 273 ; vermittelt zwischen 
Athen und Erythrai (365) 200 ^ 
273; entsetzt Sestos und Krithote 
(365/4) 201. 273; mit Sestos und 
Krithote beschenkt (363) 201*. 203; 
in Thrakien (364/3) 2(»r. 214». 274; 
erobert Byzantion zurück; leistet 
Kyzikos Hülfe (363) 275; kämpft 
erfolglos vor Aniphipolis (363/2) 
277; in Athen (362) 277; mit 
Klearchos von Herakleia a. P. be- 
freundet 274. 276; in Thrakien 
(360) 214*; Stratege im Bundes- 
genossenkriege (356/5) 287 f.; ab- 
berufen (356) 289; Prozess gegen 
T. (354) 291 A. 

Tiribazos Karanos von Vorderklein- 
asien (393) 83; verhandelt erfolg- 
los mit den Festlandsgriechen; be- 
günstigt Antaikidas (393/2) 10. 83f.; 
verhaftet Konon (892) 11. 84; reist 
an den Perserhof (392) 84; von 
neuem Karanos (388) 100; fordert 
die Griechen auf, Gesandte nach 
Sardes zu schicken (387) 11. 105; 
befehligt gegen Euagoras (386 — 
384) 123 ff.; reist zum Grosskönig 
(386/5) 126; kehrt zum Heere zurück; 
Friedensunterhandlungen mit Eua- 
goras (385) 127; verdächtigt und 
verhaftet (384) 127 f.; im Kriege 
gegen die Kadusier (384/3) 129 f.; 
gerechtfertigt (383) 130 ; von neuem 
in Kypros (382/1) 131. 

Tissapbernes , Satrap von lonien und 
Karien, begleitet Kyros an den 
persischen Hof (405) 25; Konflikt 
mit Kyros wegen der ionischen 

24